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>>> One corner of my soul

von Ella


„Ich bitte dich Marguerite! Wie oft haben wir zwei schon über diese Antwort geredet. Ich bin nicht blind- ich bin nicht blöd verdammt noch mal!“

„Gut, dann sollte deine geistige Cleverness dir jetzt raten mich mit diesem Schwachsinn in Ruhe zu lassen!“

Marguerite schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und blickt zu Boden.

„Ich brauche frische Luft“

Roxton sah Marguerite nach wie sie ihren Hut und ihr Gewehr mit roher Gewalt vom Haken zerrte und in den Aufzug stieg.
Roxton war enttäuscht. Wie oft hatte er schon versucht diesem augenscheinlichen Eisklotz ein Fünkchen Seele zu entlocken. Wie oft hatte er, wenn sie es nicht merkte, diesen Ausdruck ihren Augen gesehen der sie so verdammt verletzlich aussehen ließ. Und wie oft hatte er sie schon wissen lassen dass er sich um sie sorgte- und jedesmal die gleiche Antwort bekommen.

„Mir geht’s gut...“
„Es ist nichts...“
„Kümmere dich um deinen eigenen Kram...“

„Marguerite ich bin nicht blind verdammt noch mal!“

Es war wirklich so. Er hatte jetzt lange genug mit ihr auf engstem Raum zusammengelebt um diese winzigen Anzeichen von Kummer, Furcht und Einsamkeit in ihren Augen, in ihrer Stimme und in ihren Bewegungen entdecken zu können. Er musste zugeben dass sie eine hervorragende Schauspielerin war, und er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass die anderen noch nichts davon bemerkt hatten, aber er hatte sie beobachtet. Er war derjenige dem sie sich auch schon ein paar mal anvertraut hatte, und der zugeben musste dass es ihn selbst verletzte sie in diesem Zustand zu sehen. Und seit sie in der Höhle unter dem Einfluß dieses Pilzes halluziniert hatten, schien ihr wahres, verletztes Ich immer öfter durch ihre so mühsam aufrechte erhaltene Fassade durchzuscheinen.
Auch wenn er wütend war dass sie ihn so offensichtlich hatte abblitzen lassen- er hatte diesen Ausdruck wieder gesehen und hatte nicht vor sie in ihrem Kummer allein zu lassen.

Entschlossen nahm auch er sein Gewehr und folgte ihr.


Als er sie vor dem Zaun wie ein gehetztes Tier auf- und abschreiten sah wußte er dass sie noch immer wütend war. Vorsichtig legte er sein Gewehr auf einen naheliegenden Tisch und trat näher an sie heran.

„Marguerite, ich...“

Mit einer unwilligen Handbewegung gab sie ihm zu verstehen dass sie nicht bereit war mit ihm weiter zu diskutieren. Roxton ließ sich jedoch nicht davon beirren und fuhr fort.

„... wollte mich entschuldigen. Es war nicht meine Absicht dir zu nahe zu treten, es ist nur... ich kann es einfach nicht ertragen dich so zu sehen und nicht wenigstens zu versuchen zu verstehen was dich bedrückt.“

Marguerite wirbelte herum und starrte ihm unverhohlen ins Gesicht.

„Ihr Männer habt immer so plumpe Methoden sich an Frauen heran zu machen.“

„Ich wollte mich nicht...oh Marguerite, warum kannst du dir nie helfen lassen wenn du es nötig hast?!“

„Warum redest du ständig auf mich ein wenn ich es viel nötiger gehabt hätte in Ruhe gelassen zu werden? Ich komme sehr gut auch allein zurecht. So war es immer und es hat immer ganz gut funktioniert.“

„So muss es aber nicht immer sein. Manchmal braucht man jemand anderes um mit Problemen fertig zu werden, wie zum Beispiel den Vorfall in der Höhle.“

Der letzte Satz war ihm einfach so heraus gerutscht, er hatte dieses Thema eigentlich nicht ansprechen wollen.
Marguerites Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen.

„Was hat diese verdammte Höhle damit zu tun?“ zischte sie.

Roxton stand ihr inzwischen direkt gegenüber und sah wie Tränen in ihren Augen aufwallten. Er hatte also genau ins Schwarze getroffen.
Marguerite ballte die Fäuste und wandte ihren Kopf um irgendeinen Punkt hinter ihm zu fixieren.

„Ich weiß nicht was dir in dieser Höhle passiert ist, aber was ich weiß ist, dass du seitdem...“

„Hör auf damit!“ schrie sie. „Du hast kein Recht dazu mich...“

„Marguerite hör mir zu. Du kannst mir vertrauen...“

„Wie kann ich dir vertrauen?“ ihre Worte überschlugen sich fast und sprudelten ihm wie außer Kontrolle geratene Wasserströme entgegen. „Es geht dich doch wirklich gar nichts an was ich in der Höhle erlebt habe. Und es ist meine, absolut meine Sache in welcher Stimmung ich mich befinde oder nicht. Hör auf damit so zu tun als würde dich meine Verfassung interessieren!“

„Marguerite, beruhige dich!“

„Ich werde mich nicht beruhigen, nicht bevor du...“

Marguerite war nun völlig außer Fassung und ihr Tränen flossen unkontrolliert über. Unter Schluchzen stoppte ihr Redeschwall. Dafür hob sie nun ihre Fäuste und wirbelte damit Richtung Roxton. Dieser wich zunächst aus, dann fing er ihre Fäuste und versuchte sie wie zwei gefangene Vögel unter Kontrolle zu halten. Marguerite war stark und sie wand sich unter ihm, dass er es einfach unmöglich fand sie unter Kontrolle zu halten.

Kurz entschlossen zog er sie zu sich und schlang beide Arme um ihren rebellierenden Körper.
Beruhigende Worte flüsternd, strich er ihr mit einer Hand über den Rücken und hielt sie mit der anderen dicht an sich gepresst. Ihr ganzer Körper bebte und er fühlte wie ihr tauber Schmerz tief in ihm nagte. Schluchzend löste sie schließlich ihre Arme aus ihrer krampfhaften Versteifung und hielt sich an Roxtons Hemd geklammert fest. Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust und zum ersten mal seit vielen Jahren erlaubte sie sich um ihres eigenen Willen zu weinen.

Roxton war geschockt von der Machtlosigkeit mit welcher sie den Erinnerungen an die Höhle ausgeliefert war. Was immer es gewesen war was sie erlebt hatte, es war offensichtlich etwas schwer zu verarbeitendes für sie.
Er wollte ihr zeigen dass sie nicht alleine damit war, und dass sie auf ihn zählen konnte was auch immer passieren würde.

Als sie die anderen von weitem kommen hörten löste ich Marguerite von ihm und wischte sich hastig die Tränen von den Wangen.

„Sag den anderen nichts bitte.“ flüsterte sie und verschwand Richtung Baumhaus.

„Natürlich.“ sagte er obwohl sie ihn längst nicht mehr hören konnte.

Er nahm sein Gewehr und folgte ihr langsam. Er wußte dass sie ihre undurchsichtigen Mauern wieder aufrichten würde, aber wußte auch das dies ein sehr kostbarer Augenblick gewesen war. Und er würde wieder kommen.

Total treffend! Mit dieser FF hast du ins Schwarze getroffen, was die Beziehung zwischen Roxton und Marguerite angeht!

>>> This is a Finn thing


Dies ist eine Finngeschichte. Sie fängt eines Morgens an und endete noch am selben Tag. Es ist eine Geschichte, eine kurze, aus dem Roman das Leben heißt, und so stelle ich sie mir vor:

An dem schon erwähnten Morgen wachte Finn auf und fühlte sich großartig. Sie konnte die Morgensonne auf ihrem Rücken spüren und war sich keiner Gefahr bewusst. Etwas ungewöhnliches in Finns Leben. Finn erinnerte sich, wo sie war, wer da war und wie sie hergekommen war. Ihr könnt euch vorstellen, dass ihr zum Singen zumute war. Leider konnte sie es nicht besonders gut. Sie erinnerte sich an New Amazonia. Ein Radio war in ihrem Versteck gewesen; eines der wenigen Dinge die sie hier vermißte. Ihr kam ein altes Lied von einer in ihrer Zeit längst verstorbenen Sängerin in den Sinn welches sie immer gerne gehört hatte und sie summte es vor sich hin. Sie war so voller guter Laune dass sie sich vornahm heute neue Freunde zu finden. Die anderen würden sie schon gern haben.

Schwungvoll rollte sie ihren Körper vom Bett und zog sich hastig an. Was gar nicht so einfach war: vor lauter Hast zog sie sich ihr T-Shirt zweimal verkehrt herum an. Im Laufen zog sie sich schnell ihre Ringe über und erschien dann ganz außer Atem in der Küche. Einen fröhlichen Spruch auf den Lippen wollte sie drauflosreden doch als sie in die Runde blickte hielt sie es für angebracht erst einmal gar nichts zu sagen. Roxton- in sich gekehrt auf dem Stuhl sitzend und sein Gewehr reinigend- sprach mit ernster Miene mit Marguerite. Diese saß- mit den Armen vor der Brust verschränkt und einem unheilvollem Runzeln auf der Stirn- zu Challenger gewandt und hastete nach einigen Sekunden Stille in Richtung ihres Zimmers. Ned war nirgendwo zu entdecken und Veronika warf Roxton einen vielsagenden Blick zu, bevor auch sie gleichgültig an Finn vorbeischritt.

Ein eigenartiges Gefühl überkam sie als sie so tatenlos und aufdringlich mitten in der Küche stand. Sie schrieb ihre anfängliche gute Laune einer Halbschlafphase zu aus der sie nun erwachte.

„Da ist ja unser Mitbringsel aus der Zukunft! Ich hoffe du hattest eine angenehme Nachtruhe hier in unserem Baumhaus? Setz dich doch und frühstücke erstmal!“ grüßte Challenger sie freundlich als er merkte wie irritiert Finn war.

„Danke!“ lächelte diese und setzte sich auf den freien Stuhl auf dem Marguerite vor wenigen Minuten noch gesessen hatte.

„Es wäre wohl du besser du würdest dich auf diesen Stuhl dort setzen, Finn.“ Murmelte Roxton ohne von seiner Arbeit aufzublicken.
„Dieser dort -“ er wies auf den Stuhl gegenüber von ihm, „- gehört Veronika und der auf dem du gerade sitz ist Marguerites Lieblingsplatz. Und wir wollen sie doch nicht zu Taten reizen die sie später einmal bereuen würde!“

Finn sprang sofort auf und wechselte den Platz. Unsicher lächelnd schaute sie auf dem Tisch umher.

„Was von all dem Zeug hier darf ich essen?“ fragte sie schüchtern.

Challenger konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Weißt du Finn, unsere Ladys sind nicht so leicht. Du mußt dir ihren Respekt und ihr Vertrauen erarbeiten, und besonders verscherzt du es dir besser nicht mit Marguerite.“

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Im Garten sah es wüst aus: Am Vortag geebnete Erde lag furchig und vor Feuchtigkeit glänzend auf den Wegen, mühsam gezogene Kräuter und Gemüse streckten Finn ihre nackten Wurzeln entgegen und die Blumen... Nun ja- wo waren die Blumen?
Der Sturm letzte Nacht war auf alle Fälle erfolgreich gewesen.
Veronika hockte neben einem Schlachtfeld das mit viel Phantasie als ehemaliges Kartoffelfeld zu erkennen war. Fluchend versuchte sie ein paar Knollen aus dem schlammigen Boden zu zerren.

"Ich dachte mir ich könnte dir vielleicht ein wenig helfen, Vee?"

Veronika wirbelte herum und verlor dabei ihr Gleichgewicht. Mit sattem Schmatzen beförderte sie ihr Hinterteil directement in den Matsch. Finn schlug sich rasch eine Hand vor den Mund um nicht laut aufzulachen.

"Erstens: hier ist nichts mehr zu retten, zweitens: du hast noch nie in deinem Leben eine Kartoffel gesehen und ich bezweifle, daß du weißt wie man sie pflegt und drittens -", Veronika holte tief Luft, "nein vielen Dank!"

"Ach du liebe Güte! Wie sieht es hier bloß aus. Wir werden heute wohl ziemlich viel Gemüse essen müssen. Oder kannst du einige Pflanzen wieder einsetzen, Veronika?"

"Nun ja ich könnte schon- "

"Sehr gut, Finn wird dir dabei behilflich sein. Ach und Veronika?"

"Ja?"

"Steh auf. Du holst dir eine Erkältung."

Challenger verschwand bevor Veronika noch irgendetwas sagen konnte.
Finn lächelte sie fröhlich an.

"Also. Was soll ich tun?"

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Lautes Gelächter aus dem Aufzug und meine Finngeschichte ist zur Hälfte fertig...


Finn und Veronika schienen sich köstlich zu amüsieren und Marguerite drehte sich verwirrt um.

"Könntet ihr eure kleine private Feier bitte anderswo austragen? Ich habe keine Lust mir den Rest des Tages euer albernes Getue anzuhören."

"Oh du hast Glück Finn. Marguerite hat heute gute Laune. Komm wir decken den Tisch. Ich habe schrecklichen Hunger!"

Miss Gute-Laune warf ihr einen giftigen Blick zu und widmete sich wieder ihrer Näharbeit. Als sie den Kopf senkte rutschten ihre schwarzen Locken über ihre Schultern und Marguerite ins Gesicht.
Marguerite schmiss die angefangene Hose zu Boden und griff sich zornig in die Haare.

"Ahhhh! Wie bitte soll ich arbeiten wenn mir dieser Vorhang ständig im Gesicht hängt?!? Ich schneide sie ab!!!"

"Bist verrückt? Du hast wunderschöne Haare!"

Finn stand Marguerite gegenüber. Sie nahm eine Haarsträhne zwischen ihre Finger und schnippte sie Marguerite über die Schulter.

"Oh... danke. Aber besonders praktisch sind sie leider nicht. Und heute haben sie wirklich den Teufel in sich," lächelte Marguerite.

"Wenn es weiter nichts ist!"

Finn schob Marguerite aus der Küche in ihr Zimmer. Roxton der die ganze Sache aus dem Gemeinschaftsraum beobachtet hatte warf Veronika einen verwunderten Blick zu.

"Ich finde auch, daß sie wunderschöne Haare hat," flüsterte er zu sich selbst.



Nach 10 Minuten kamen Marguerite und Finn wieder. Marguerites Haare waren in einzelnen Locken zurückgedreht und mit kleinen Spangen festgesteckt. Die glitzernden Haarklammern sahen aus wie ein Diadem. Finn hatte den Rest von Marguerites Haaren zu einem Zopf zusammengenommen und mit einer Strähne umwickelt. Es sah beeindruckend aus.

"Danke Finn! Das ist wirklich praktisch und, " Marguerite drehte sich einmal um sich selbst, "elegant!"

Finn strahlte.

"Es war mir eine Ehre. Jetzt kannst du ungestört arbeiten."

"Arbeiten? Das wäre nicht angemessen. Ich würde sagen die Ladys sind bereit zum dinieren."

Roxton nahm Marguerite und Finn an je eine Seite und führte sie in die Küche, wo Veronika schon mit einem köstlichen Mittagessen auf sie wartete.
Sie starrte auf Marguerites Haarpracht.

"Nicht schlecht Finn! Das sieht wunderschön aus. Hast du noch irgendwelchen verborgenen Talente außer Pflanzen und Frisieren?"

"Kämpfen!" sagte Finn mit ernster Miene und machte einen eigenartigen Schritt vorwärts der nach Karate aussah.
Dann, blitzschnell hatte sie sich mittels eines Rückwärtssaltos hinter Veronika befördert und packte sie von hinten.

"Umherhampeln!" lachte Roxton.

"Na dann nehmen sie mal Platz große Kriegerin."

Marguerite hielt ihr einen Stuhl hin- ihren Stuhl! - und nahm dann neben ihr Platz.
Sie aßen zusammen und hatten den Rest des Tages noch viel Spaß.

Die anderen stellten fest daß Finn eine Bereicherung für sie war und Finn stellte fest daß sie es gerne war, und daß sie neue Freunde gefunden hatte.



Die Finngeschichte endet hier, wo sie angefangen hat, in Finns Raum. Sie schläft und träumt was Schönes. So stelle ich es mir jedenfalls vor. Wunderschön.
Aber dieser Roman, dieses Buch das Leben heißt, ist ja lange noch nicht aufgelesen.

Endlich eine Finngeschichte! Ich finde diese Geschichte einfach toll, sie hat was wahres an sich!

>Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten...< Lukas1, 17

>>>Brandwunden


Das Feuer loderte hell und weit und es war schier unmöglich sich dem brennenden Gebäude bis auf 20 Meter zu nähern. Die Einsatztruppen der Feuerwehr sahen aus der Entfernung wie eine Horde kostümierter Ameisen aus. Die langen Wasserschläuche schlängelten sich zwischen den Bäumen des Krankenhausparks und richteten sich alle auf das selbe Gebäude: Das St.Baptiste Hospital in der Queen Mary Straße.
Das Baby in Schwester Catherine´s Armen lag glücklicherweise ruhig schlafend in seiner Decke und gab nur ab- und an ein leises Seufzen von sich. Die Decke war ganz weiß und neu und von der Mutter liebevoll bestickt. Sanft strich sie über den weichen Stoff.
Catherine sah die Oberschwester auf sie zueilen.

"Was ist bloß los? Warum holen sie sie nicht raus?"

Die ältere Dame mit dem überdimensionalen Hinterteil blinzelte mit von Hitze geröteten Augen auf das schlafende Kind

"Es ist viel zu heiß. Viel zu heiß! Ich war grade dahinten-" mit ausgestrecktem Zeigefinger deutete sie in Richtung Hauptgebäude, "- und bin nicht mal bis zur alten Eiche gekommen."

"Catherine, die Männer kommen auch nicht durch," flüsterte sie damit die umstehenden Menschen sie nicht etwa hörten und in Panik ausbrachen.

"Aber, sie... sie sind alle... noch drin, und..." Catherines Stimme brach.

"Ich weiß, ich weiß Darling."

Die zwei Kolleginnen nahmen sich einander in den Arm und konnten nur zusehen wie hunderte Menschen in den Flammen...

Das Feuer hatte alle überrascht, mitten in der Nacht, keiner wußte bis jetzt wie oder wann es passierte.
Auf der Entbindungstation war Schwester Catherine dabei gewesen den Säuglingen ihr Nachtfläschchen zu geben. Zusammen mit 3 anderen Müttern die ihre Kinder gestillt hatten, hatte sie 4 Schreihälse in ein anderes Zimmer bringen wollen um nicht die gesamte Station zu wecken. Auf dem Weg dahin hatten sie dann den Rauch gesehen und Männer hatten sie mit den Kindern eilig nach draußen befördert, wo schon einig andere Schwestern und Patienten mit panisch geweiteten Augen warteten. Bald darauf war das Gebäude teilweise eingestürzt, hatte dennoch weitergebrannt und nun sah es so als wäre keine Rettung mehr in Sicht.

Catherine schaute auf das kleine mutterlose Ding in ihren Armen und lächelte als dieses langsam sie Augen aufschlug. Wenigstens ein Leben konnte sie retten.

"Wo ist der Vater? Hat ihm denn keiner Bescheid gesagt?"

"Er ist auf dem Weg."

Als der große, gut gekleidete Mann aus der Kutsche stieg, schritt er zielstrebig auf die Schwestern zu. Hektisch schweifte sein Blick durch die Menge. Zwischen all den suchenden Angehörigen und orientierungslosen Patienten konnte er kaum erwarten eine einzelne Person auf eigene Faust zu finden.

"Schwester Mc.Leich!," grüßte er knapp. "Wo ist sie? Wo ist meine Frau?"

"Professor... sie wurde noch nicht... sie kommen nicht bis in diesen Trakt des Hospitals.
Es... tut mir so leid!"

Er starrte ungläubig in die Flammen. Die glasigen Augen verengten sich.

"Sie ist tot."

"Professor, wir konnten... Ihr Kind."

Catherine hielt dem Mann das Bündel entgegen. Doch dieser machte keine Anstalten danach zu greifen. Angewidert starrte er in die blauen Augen.
Mit kratziger Stimme und ohne den Blick von dem Baby zu wenden sagte er, was Catherine zum ersten mal am diesem Abend aufschluchzen ließ.

"Mein Kind? Ich will es nicht. Gebt es weg."

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Sie war schon wieder auf dem Balkon.
Immer wenn sie ein Thema vermeiden wollte oder sie kritisiert wurde flüchtete sie dorthin. Oder in ihr Zimmer. Das war Normalität geworden und John wußte das es ihr half. Doch heute, heute war sie ohne ersichtlichen Grund mitten im Gespräch aufgestanden und nahezu weggerannt!
Das Thema konnte es nicht gewesen sein: Religionen. Gott oder Buddah? Gut oder Böse? Reinkarnation oder Fegefeuer?... Alle hatten angeregt darüber diskutiert ob sie damals als John von diesem Teufelsweib gefangen gehalten wurde und sie alle aus dem Feuer befreien musste tatsächlich in der Hölle gewesen waren oder nicht.

Dann hatte sie sich entschuldigt und war einfach gegangen.

John überlegte ob er nach ihr sehen sollte oder besser nicht. Er entschied sich für nein, da er nicht aussehen wollte als würde er ihr hinterherrennen.

Im Baumhaus wurde es immer stiller und John löschte die letzten Lichter.



Immer wenn sie die Augen schloß sah sie Schwester Beatrice´s Gesicht vor sich und immer wieder sagte die religiöse Alte mit den strengen Falten im Gesicht dasselbe...

"Ja vielleicht bin ich verflucht, vielleicht bin ich ein Dämon, vielleicht..... was solls? Ich habe nichts zu verlieren!"

Marguerite starrte in ihr Spiegelbild und sah sich selbst tief in die rotgeweinten Augen.

"Bist du eine Hexe?" lachte sei hysterisch.

Stille.

"Verdammt, jetzt rede ich mit mir selbst!"

Marguerite legte ihren Kopf in die Hände.

"Ich brauche ganz dringend Schlaf!"

"Das glaube ich auch!"

Marguerite schreckte hoch. Im Spiegel sah sie Roxton in der Tür stehen.

"Was du nichts sagst. Nach diesem Schock werde ich wohl kaum ein Auge zu bekommen!"

Sofort hatte sie ihre selbstbewusste Statur wieder eingenommen, wofür sie sich selber insgeheim beglückwünschte.

"Entschuldige. Ich wollte dich nicht erschrecken. Warum sitzt du mitten in der Nacht hier im Dunkeln?"

Marguerite stand auf, inspizierte eingehend ihre Haarbürste antwortete aber nicht auf Roxtons Frage.

"Nun?" fragte sie ungeduldig.

"Ich hatte nur mal nach dir sehen wollen, ich hörte Stimmen... eine Stimme aus deinem Zimmer. Ist alles klar bei dir?"

"Natürlich." Marguerite lächelte gezwungen.

"Gut."

Roxton wußte nicht, was er noch sagen sollte oder wie er sie nach dem heutigen Abend fragen sollte... Er beschloß einfach, daß er heute seinen direkten Tag hatte.

"Was war heute abend los? Hat dich irgendetwas geärgert?", er wies mit dem Finger auf sich. "Oder habe ich etwas falsch gemacht?"

"Wie kommst du darauf Roxton?"

"Der Balkon..."

"Oh!"

Marguerite drehte ihm den Rücken zu und legte langsam die Bürste an ihren Platz. Im Spiegel konnte Roxton jedoch sehen wie ihre Hand zitterte.
Wie sehr sie solche Gespräche hasste!

"Der Balkon... tja. Frische Luft, sagt dir das was?"

"Marguerite, komm schon! Was hat dir an unserem Gespräch nicht gefallen? Die Erinnerung an dieses Feuer? Ich gebe zu, das war wirklich nicht angenehm. Wenn du darüber..."

"Roxton es reicht!" sagte sie mit aufgebrachterer Stimme als sie wollte.

John ging langsam zu ihr hinüber und berührte sie sanft am Arm.

"Was dann?" fragte er.

Langsam drehte sie sich zu ihm um. Der Mond schien sie beide direkt an und Roxton bewunderte wieder einmal wie wunderschön sie war.
In Roxtons Augen sah Marguerite soviel Anteilnahme und Verständniss... Der Mann war zum Anbeten!

"Ich mußte nur ein wenig nachdenken. Das Gespräch hat mich an etwas... erinnert. Ach es ist schon so lange her.", wich sie aus. Sie tat einen Schritt zurück und beförderte sich so in den Schatten, wo Roxton sie nicht mehr so gut sehen konnte.

"Nein. Nein, das ist es nicht. Wenn du heute darüber nachgedacht hast, dann ist es überhaupt nicht lange her Marguerite."

Sie zögerte.

"Als ich ein Kind war. In dem Kinderheim. Ich meine da war eine... Schwester, Erzieherin du weißt schon. Na ja eigentlich waren es mehrere."
Sie zuckte mit den Schultern, den Blick auf ihren Nachttisch geheftet und umklammerte mit der rechten Hand ihren linken Arm.

"Manchmal wenn ich etwas angestellt hatte, oder frech gewesen war und meine Strafe bekam, haben sie zu mir gesagt das ich von Natur aus böse war, das ich verflucht bin und all solche Sachen. Und deswegen müßte sie mich auch härter bestrafen als die anderen Kinder, und deswegen hätten mich meine Eltern auch nicht gewollt und-", sie mußte Luft holen um die Tränen zurückzuhalten.

"- deswegen wolltest du alleine sein."

Roxton sah wie eine Träne sich langsam einen Weg über Marguerites Wange bahnte, und er fragte sich wie man einem Kind nur so etwas sagen konnte.
Er wollte sie bloß noch in den Arm nehmen und ihr sagen das sie Unrecht hatten, daß sie nicht schlecht war und das er sie liebte.

"Komm her" sagte er einfach und umarmte sie fest.

Marguerite lehnte sich gegen ihn und genoß den Trost den John mit dieser einfachen Geste geben konnte.

"Ich wünschte ich hätte einfach ein nettes, liebes Mädchen sein können und ich wünschte meine Eltern hätten mich nie weggegeben. Ständig haben die Schwestern gesagt sie hätten mich direkt aus dem Feuer der Hölle geholt.", flüsterte Marguerite durch ihre Tränen.

"Ich hoffe du weißt wie falsch sie da lagen."


EL FIN ;-)

Kalte Seele treibt im Wind
Ohne Halt, verlorenes Kind
Verbleibt bei einem falschen Bild
Zeigt sich nur noch haßerfüllt
Dein Du verletzt, dein Ich es heilt
Auch wenn es in dem Bild verweilt.

Kalte Seele treibt im Wind
Weint wo andre fröhlich sind
Nur leerer Raum ganz ohne Welt
Kein Rahmen der das Bild festhält
Du siehst dein Du, ich seh dein Ich
Entdecke Schönheit, finde dich.

Kalte Seele treibt in dir
Längst vergessen und doch hier
Ein Hauch von mir zersprengt das Bild
Kind wird fündig, Wind wird mild
Dein Dasein flieht in mein Gesicht
Auch wenn du gehst, dein Ich geht nicht.


>>> Homage to her soul

Mein Name ist Purification und ich bin genau 236 Jahre und 4 Monate alt. Heute darf ich zum ersten mal in meinem Leben alleine auf die Erde- Vater meint ich sei jetzt alt genug um auf mich selbst aufzupassen.
Bis jetzt gefällt es mir hier sehr gut: die Blumen, der feine Sand, das Wasser... und die Tiere sind auch ganz nett.
Aber das Beste von allem ist, daß ich so lange bleiben darf wie ich will, meine Mutter hat es mir versprochen.
Und weil ich viel Zeit habe, setzte ich mich hier auf diesen riesigen Baum und lasse meine Beine baumeln.
Und jetzt kommt das Aufregende: vor wenigen Minuten sind hier Menschen eingetroffen. Echte, lebendige, leibhaftige Menschen! Sie haben sich ein Feuer unter meinem Baum gemacht und rösten sich gerade Fleisch zum Abendbrot. Es riecht köstlich und ich bekomme auch langsam Appetit...
Allerdings traue ich mich nicht zu ihnen zu gehen um sie nach einem kleinen Happen zu fragen. Sie scheinen sich nicht besonders gut zu verstehen, denn die Frau- es sind zwei: ein Mann und eine Frau - macht ein saures Gesicht und der Mann sagt irgendwas. Vielleicht will er sie zu etwas überreden. Er tut mir leid, weil ich weiß wie es ist wenn niemand mit einem spielen will und man muss jemanden überreden der eigentlich keine Lust dazu hat.
Er hat jetzt aufgegeben und die Frau legt sich ein paar Meter weiter auf ihrer Matte hin.
Ich sehe wie der Mann etwas zu sich selbst sagt. Ich wüsste zu gerne was... Ein wenig von meinem Silbersand vielleicht...
"...habe ich doch nun wirklich nicht so gemeint. Es ist mir ein Rätsel... - wenn ich nur ihr wahres Ich erkennen könnte..."
Ich verstehe. Ich verstehe ihn vollkommen.
Es wäre doch möglich...
Ein bißchen Silbersand habe ich noch übrig.
Ich greife in meinen Beutel und lasse unter flüstern meines Wunsches den Rest meines kostbaren Sandes langsam abwärts rieseln...
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Roxton rückte seinen Hut zurecht und richtete sich auf. Als er umherschaute, fand er das Feuer erloschen und Marguerite unter einem anderen Baum liegen.
Typisch, sie hatte sich über Nacht natürlich kein Stück von dem Fleck gerührt, an welchem sie sich am vorigen Abend niedergelassen hatte. Trotz der Kälte die sie dort ohne das wärmende Feuer hatte ertragen müssen, war sie nicht einen Millimeter in seine Richtung gerückt. Er ging leise zu ihr und berührte ihre Schulter.
"Marguerite! Zeit zum aufstehen. Komm schon!"
Marguerite entfuhr ein unzufriedener Seufzer und erhob sich schwerfällig. Sämtliche Glieder taten ich weh und sie verfluchte ihre eigene Sturheit. Die Nacht war verdammt kalt gewesen, und je länger sie darüber nachdachte, desto mehr fand sie, daß "kalt" absolut gar kein Ausdruck war.
Schweigend brachen sie ihr Lager ab und schweigend machten sie sich auf den Weg Richtung Baumhaus.

Dort angekommen verschwand Marguerite natürlich augenblicklich in ihr Zimmer.
Sie setzte sich auf den Stuhl der vor ihrer Spiegelkommode stand. Während sie mit der Bürste durch ihre wirren Locken fuhr reflektierte sie den gestrigen Tag.
Jagen mit John war ja normalerweise nicht die schlechteste Aufgabe. Jedenfalls nicht für sie... Aber gestern hatten sie vor einem dieser gefräßigen Dinosaurier flüchten müssen- die Viecher waren hier wirklich allgegenwärtig- und sie hatten keine Möglichkeit gehabt ihn zu erschießen; im Laufen das Gewehr zu laden und sich umzudrehen hätte zu viel Zeit gekostet. Also waren wie einfach gerannt und glücklicherweise war eine ihnen bekannte Höhle ganz in der Nähe gewesen.
Leider hatten sie die Geduld eines hungrigen Tieres unterschätzt und angesichts der mißlichen Lage hatte Marguerite doch nur helfen wollen...
Jedenfalls war sie aus der Höhle getreten um den Raptor zur Strecke zu bringen. Jedoch hätte der Raptor fast sie zur Strecke gebracht, wäre John nicht hinter ihr her gerannt um das Tier mit einem präzisen Schuß davon abzuhalten.
Und als wäre der Schreck nicht genug gewesen, hatte John sie mindestens eine Stunde mit allen möglichen Vorwürfen belagert, was hätte passieren können, wie dumm und leichtsinnig das doch gewesen war, wie absolut idiotisch sie sich benommen hatte... und einige andere Sachen die sie nicht mal in ihren Gedanken wiederholen wollte.
Sie wußte auch, daß das nicht die beste Idee gewesen war die sie je gehabt hatte, und sie hatte seine Vorwürfe der prekären Situation zugeschrieben, aber brachte Angst und Anspannung nicht immer die innersten Gefühle und Gedanken zum Vorschein? War das wirklich wie er sie sah? Dumm und leichtsinnig... ?
Veronika rief sie zu Tisch und mit einem düsteren Gesichtsausdruck folgte sie dem Ruf.
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Beim Mittag sprach John von ihrem Ausflug, der Jagdbeute und ihrer Route. Marguerite hoffte inständig er würde den Vorfall mit dem Dinosaurier nicht erwähnen.
"...genau nach Süden gegangen. Na ja und auf dem Rückweg hatten wir ein kleines Problem... mit einem Raptor..."
Marguerite setzte sich augenblicklich auf. Sie hatte es gewußt... Am liebsten wäre sich jetzt ganz weit weg.
"... eine Höhle. Ihr wißt schon, die in der Felswand mit hufeisenförmigen Eingang. Nun ja, unsere liebe Mrs. Krux- "
John warf Marguerite quer über den Tisch einen undefinierbaren Blick zu.
"- schien es nicht darin zu gefallen und- "
John stoppte mitten im Satz starrte Marguerite an. Die Anderen folgten seinem Blick und fanden nichts ungewöhnliches: Marguerite, angesichts eines ihr unangenehmen Themas steif aufgerichtet und mit gleichgültigem Gesichtsausdruck zweifellos schon bevor irgendwas gesagt wurde eine Antwort formulierend, tippte mit dem Zeigefinger auf der Tischplatte. Die anderen konnten ja nicht ahnen daß sie am liebsten weggerannt wäre.
John blinzelte und runzelte die Stirn. Daß er anfing den Vorfall mit dem Dinosaurier zu erwähnen war Marguerite ganz eindeutig unangenehm gewesen.
Doch dann war etwas ganz und gar unnormales passiert: aus Marguerites Körper hatte sich auf einmal eine zweite Marguerite gelöst!
Obwohl sie genau wie Marguerite aussah war sie doch völlig anders. Erstmal schien sie transparent zu sein, durchsichtig und doch da. Ihr Gesichtsausdruck unterschied sich am eindrucksvollsten von der "echten" Marguerite: traurig, enttäuscht,... er konnte es nicht deuten. Aber eins konnte er sehr wohl erkennen: es lag eine völlige Erschöpfung auf ihr, so daß John befürchtete sie würde jede Sekunde in Ohnmacht fallen.
"Bitte nicht John..."
Ihre Lippen hatten sich bewegt, doch Roxton hatte nichts gehört. Trotzdem wusste er mit einer erstaunlichen Sicherheit was sie gesagt hatte, es war als würde sie direkt in ihn hinein sprechen. Dann drehte sie sich um und verschwand aus dem Esszimmer.
"John? Was ist denn? Ist alles in Ordnung?"
Veronika war aufgestanden und befühlte besorgt Roxtons Stirn.
"Mir geht’s gut. Entschuldigt mich bitte eine Sekunde."
Roxton verschwand unter den ratlosen Blicken seiner Freunde auf den Balkon. Die einzige die aufatmete war Marguerite.


Draußen schaute Roxton umher, konnte die "Fremde" jedoch nirgends entdecken. Hatte er sich das nur eingebildet? Er hatte einen langen Tag hinter sich gehabt...
Als er sich umdrehte und sich eine Entschuldigung ausdachte, die er den anderen erzählen konnte, stand plötzlich ein kleines Mädchen ganz in weiß vor ihm und bedeutete dem erschrockenen Roxton mit einem Finger vor ihren Lippen still zu sein.
"Vorige Nacht unter dem Baum. Erinnere dich an deinen Wunsch, denn er wurde dir für einen Tag gewährt. Nutze die Chance und verstehe."
So schnell wie die Kleine aufgetaucht war, verschwand sie auch wieder.
Roxton konnte es nicht fassen. Die einzige Konversation die er an jenem Abend geführt hatte war ein eher einseitiges Gespräch mit sich selbst gewesen, aber einen Wunsch...?
Plötzlich erinnerte er sich an seine Worte und so langsam begann er zu verstehen. Er hatte sich gewünscht Marguerites "wahres Ich" zu erkennen. Konnte es möglich sein, daß das Geistwesen, welches Marguerites Körper entstiegen war, genau das war?
Je länger er darüber nachdachte, desto besser gefiel ihm der Gedanke. Wenn es wirklich wahr war, was das Mädchen- oder was auch immer sie war- ihm gesagt hatte, so wollte er gerne dem Ratschlag der Kleinen folgen: und versuchen die mysteriöseste, undurchdringbarste Frau die ihm je begegnet etwas genauer kennen zu lernen.

Als er in die Küche zurückkehrte waren alle schon verschwunden, einzig Veronika war noch dabei den Tisch abzuräumen.
"Wirklich genial wie Marguerite den Raptor erledigt hat, was?", bemerkte sie beiläufig.
"Wieso, was hat –"
Begeistert fuhr die schöne Blonde fort, während sie sich die Hände abtrocknete.
"Und wie sie es dann noch geschafft hat Lord John Roxtons verlorenen Hut zu schnappen und vor dem Tier zu retten!"
Veronika ging verschmitzt lächelnd an ihm vorbei.
Roxton blieb der Mund offen stehen. Wahrscheinlich hatte sie sich, auf Nachfrage der anderen was es denn nun mit dieser Höhle auf sich hatte, eine schamlos gelogene Geschichte ausgedacht, aus der sie natürlich als Heldin resultierte!
"Aber- ", begann er ihr nach zurufen.
"Ach was soll‘s... Ja stimmt, was Mrs. Krux nicht alles kann!"

Happy Valentines to everyone. May our love be always near.

Der Regen trommelte seinen monotonen Rhythmus kontinuierlich auf das Dach des zweistöckigen Baumhauses, welches sicher und massiv mitten im südamerikanischen Regenwald stand. Zur Erleichterung Lord John Roxtons lagen die Schlafzimmer des komfortabel eingerichteten Bauwerks im unteren Stockwerk, so daß das schwere Hämmern etwas abgedämmt wurde.
Nach einer untypischen Hitzeperiode währende der letzten 2 Monate, waren alle erleichtert gewesen als sich an diesem Nachmittag sämtliche Schleusen des Himmels geöffnet zu haben schienen, um den Busch und seine Bewohner neu zu beleben. Die großen Blätter der Farne unter dem Baumhaus glänzten fett und glatt vor Nässe, der heftige Wind bog und wog sie wie die Wellen eines tiefgrünen Ozeans. Der schwarze Himmel verschluckte die oberen Baumwipfel und wirkte auf eine beeindruckende Weise bedrohlich.

John Roxton erhob sich schwerfällig von seinem durchwühlten Bett. Obwohl draußen das größte Unwetter tobte, herrschte in den geschlossene Räumlichkeiten die einst die Laytons mit viel Liebe eingerichtete hatten, eine unerträgliche feuchtwarme Atmosphäre. Roxtons Laken waren feucht, und der Mann von Herkunft, welcher jetzt zweifelsohne die Räumlichkeiten seiner Lordschaft vermisste, seufzte tief. Ein Glas Wasser und neue Decken würden schon das ihrige tun.
Auf dem Weg zur Küche im oberen Stockwerk, passierte er die Tür welche zu Marguerite Krux Zimmer führte. Erstaunt stellte er fest daß der Vorhang, welcher hier zur Wahrung der ohnehin schon recht minder bemessenen Privatsphäre vor jeder Tür hing, zur Seite geschoben war.
Mit der Neugierde des Jäger der er war, ließ er, im oberen Stockwerk angekommen, seinen Blick durch die Räume schweifen. In der Dunkelheit, welche nur durch den Schein seiner Petroleumlampe teilweise erhellt wurde, sah er außer den Umrissen des Mobilars und der zahlreichen Zimmerpflanzen, nicht das was er zu finden erhofft hatte. Bedacht setzte er sein Licht auf den nahestehenden großen Esstisch und bewegte sich in Richtung Balkon.
Dort angekommen schlug ihm der Wind nun ungeschützt entgegen und zwang ihn seine Augen zusammen zu kneifen. Obwohl es nicht kalt war, schnitt der Wind ihm scharf ins Gesicht und der Regenschauer traf seine Haut mit einer erfrischenden, wenn auch etwas erschreckenden Kälte.
Als seine Augen sich an die Umgebung und er sich an die Kälte gewöhnt hatte, schaute er sich um.
Weit konnte er nicht sehen, da er immer noch im Türrahmen stand, eine Hand auf dem nassen rauhen Holz ruhend, die andere in seiner Hosentasche. Alles hier draußen funkelte, Regentropfen auf dem glatten Holz der kleinen Bank perlten hinunter und tropften auf den vor Feuchtigkeit schwarzen Boden. Die stark wogenden Äste der umliegenden Bäume bildeten einen atemberaubenden Kontrast zu dem festungsähnlichen Baumhaus, welches ihnen ruhig und sicher ununterbrochen Schutz bot.
Der Sturm zerfetzte vereinzelt die Wolkendecke, die sich von Sekunden zu Sekunde zu immer neuen Gebilden formatierte und sich wie eine riesige Rauchdecke in der Farbpalette grau bis schwarz über den Nachthimmel wälzte.
Und inmitten dieses donnernden und rauschenden Durcheinanders stand Marguerite, den Kopf im Nacken, die Hände auf dem Geländer liegend und ganz offensichtlich das kalte Nass genießend. Sie trug nur ihr weißes Nachtgewand, welches durchnäßt an ihrem schlanken Körper klebte. Ihre Haare fielen in feuchten Locken auf ihren anmutig gebogenen Rücken während sie, die Augen geschlossen, den Regen auf ihr Gesicht fallen ließ.
John fand daß sie irgendwie deplaziert wirkte, so wunderschön und zerbrechlich.
"Marguerite? Was tun sie hier draußen?" Marguerite drehte sich überrascht zu ihm um.
"Lord John Roxton! Was für eine unhöfliche Art und Weise einer Dame Guten Abend zu wünschen!"
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und Roxton erinnerte sich daran, daß er sie das letzte mal heute morgen gesehen hatte.
"Ich fürchte ich kann ihnen für heute nur noch eine Gute Nacht wünschen."
"Nun denn." Marguerite drehte sich wieder herum, den Blick in die Dunkelheit.
"Wollen sie nicht hineinkommen? Sie werden sich erkälten!"
"Nein."
Roxton mußte schmunzeln. Langsam durchquerte er die kurze Distanz die ihn von Marguerite trennte und folgte neben ihr stehend ihrem Blick.
"Was haben sie denn da draußen interessantes entdeckt?"
"Nichts. Ich bewundere nur die Natur und genieße diese herrliche Erfrischung. Dort drinnen- ", sie nickte mit dem Kopf ins Innere des Baumhauses, "- ist es mir viel zu heiß und stickig."
Endlich wandte sie ihm ihr Gesicht zu.
"Wenn es ihnen jedoch zu nass hier draußen ist, können sie sich jederzeit wieder in ihr warmes Bett begeben Roxton."
"Und zusehen wie sie sich eine Unterkühlung holen, die ganz sicher in einer ernsthaften Grippe enden wird? Sie haben vergessen daß es meine Aufgabe ist sie vor solcherlei zu bewahren."
Sachte hob er seine Hand um ihr ein paar nasse Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen. Ihre Haut fühlte sich so zart an und John dachte, daß er das für immer tun könnte: sie einfach anschauen, ihre Schönheit in seinem Gedächtnis für immer festhalten, sie berühren...
"Ja, ganz der Beschützer...", hauchte Marguerite und fühlte wie sich ihr Herz dem gutaussehenden Lord mehr und mehr zuwandte.
"Dann werde ich dich jetzt wohl wärmen müssen.", flüsterte Roxton während er sie mit beiden Armen an sich zog.
Die Frau in seinen Armen schaute, den Kopf leicht gehoben, direkt in seine Augen. Mit geschlossenen Augen brachte er seine Lippen zu ihren und küsste sie langsam.
Marguerite lehnte ihr ganzes Gewicht gegen John, und um das Gleichgewicht nicht zu verlieren hielt sie sich dicht an ihn gepresst. Sie öffnete leicht ihren Mund, erwiderte den Kuss jedoch nicht. Statt dessen ließ sie John einfach ihre Lippen liebkosen und öffnete ihre Augen auch dann nicht, als er den Kuss beendete.
John starrte in Marguerites Gesicht, die geschlossenen Augen, die Lippen...
Sachte legte er ihren Kopf an seine Brust und küsste zärtlich ihre Locken.
Marguerite genoß die Wärme, welche durch Johns Umarmung ihren eigenen kalten Körper einhüllte, und die vorsichtige Art wie er mit ihr umging, so als wäre sie etwas wertvolles für ihn, ließ sie schaudern.
"Marguerite, wir müssen jetzt wirklich wieder rein gehen. Du bist eiskalt!"
Marguerite fühlte wie sich seine Arme enger um ihren zitternden Körper legten.
"Du hast Recht."
Schweigend lösten sie sich voneinander und gingen in das warme Innere ihres neuen Zuhauses.
Auf dem Weg zu ihren Zimmern sagte keiner ein Wort, beide hingen ihren eigenen wirren Gedanken nach.
Vor Marguerites Tür blieben beide stehen, dann legte Roxton eine Hand um Marguerites Schultern und presste seine Lippen auf ihr Stirn.
"Schlaf gut, Marguerite!"
"Gute Nacht, John."


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