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Tautropfen

By Alexandra

Es ist frühmorgens auf dem Plateau und auch wenn die Sonne erst gerade aufgestiegen ist, so sind schon alle Baumhausbewohner hell wach.
"Challenger, Roxton und ich waren doch erst letztens Pflanzen suchen. Warum müssen wir denn schon wieder aufbrechen, um welche zu sammeln?" fragte Marguerite genervt. "Es war nicht erst letztens, sondern es ist schon ein Jahr her und die Vorräte sind schon fast aufgebraucht," erhält sie von Challenger als Antwort.

Kurze Zeit später waren sie bereit zum losgehen und machten sich vollgepackt auf den Weg.
"Also ich weiß gar nicht was du hast, letztes Jahr war es doch recht lustig," sagte Roxton mit einem Lächeln auf den Lippen, was Marguerite mit einem giftigem Blick erwiderte. "Also ich weiß nicht was du daran lustig fandest. Ich musste mich die gesamte Zeit kratzen, dann nahmen wir ein Bad im Schlamm, wobei unsere Kleidung gestohlen wurde und wir mit Blätter bedeckt zurücklaufen mussten und zu guter letzt, hat sich Challenger durch seine Erfindung fast selbst umgebracht," erläutert sie die Geschehnisse vom letzten Jahr. "Ich für meinen Teil fand das Schlammbad recht prickelnd," erwidert er schmunzelnd und sah zu seiner hübschen Begleiterin hinüber. Er konnte erkennen dass sich, bei dem Gedanken an das Schlammbad, auch auf ihren Lippen ein Lächeln abbildete. "Ich habe ja auch nicht gesagt, dass es so schlimm war," gab sie schließlich doch zu und sah ebenfalls zu ihm rüber. Ihre Blicke trafen sich und beide blieben abrupt auf ihrem Weg stehen.
Langsam beugte sich Roxton vor und ihre Lippen berührten sich. Erst langsam und zaghaft, doch dann wurde der Kuss immer leidenschaftlicher und fordernder. Marguerites Hände vergruben sich in seine weichen dunkelbraune Haare. Von beiden liegen die Rucksäcke auf der Erde neben ihnen. Roxtons Hände wandern an ihrem Rücken umher und drücken sie immer näher an sich.
Vollkommen außer Atem lösen sich ihre Lippen voneinander und Roxton begann sich an ihrem Hals hinab zu küssen. Marguerite schloss ihre Augen und genoss jede Berührung von Roxtons zarten Lippen auf ihrer Haut. Sie fühlte wie sich seine Lippen vom Schlüsselbein hinab zu ihrem Ausschnitt bewegten.
"John, nicht hier," unterbrach sie ihn mit einer lauen Stimme. Er schrickt von ihrer Aussage zurück und sieht sie fragend an.
"Wir müssen noch Pflanzen suchen, falls du das vergessen hast. Wir sind schon seit zwei Stunden unterwegs, haben aber noch keine einzige," erklärt sie ihm. "Du hast recht, wir sollten uns lieber wieder auf die Suche machen," gab er zu und hob seinen Rucksack wieder auf. Marguerite tat es ihm gleich und beide machten sich wieder auf den Weg.

Nach einer weiteren drei viertel Stunde kamen sie an der Stelle an, die Challenger ihnen auf einer Karte aufgezeichnet hatte.
"Hier müsste ein Teil der Pflanzen, die wir für Challenger suchen sollen, sein," meinte Roxton und sah sich suchend um. Sehr viele Pflanzen gab es dort aber nicht. Es schien so, als währen sie durch die vergangene Hitzewelle, ausgetrocknet worden.
"Es gibt hier keine einzige Pflanze, dass wird ewig dauern bis wir alle finden," gab Marguerite ein wenig genervt von sich. "Sieht so aus, als würden wir ein wenig mehr Zeit als geplant zusammen verbringen," entgegnete Roxton lächelnd, auf das Marguerite mit einem gespieltem Grinsen antwortete.
"Dahinten ist eine und sie sieht auch so aus wie eine die Challenger uns aufzeichnete," sagte Roxton und zeigte auf eine Pflanze die einige Meter von ihnen entfernt wuchs. "Stimmt, dann hätten wir wenigstens schon mal eine," erwidert Marguerite nicht wirklich begeistert.
"Packst du sie bitte in deinen Rucksack?" fragt Roxton sie höflich. "Ich fasse sie auf gar keinen Fall an. Nimm du sie doch," entgegnet Marguerite. "Na schön, dann nehme ich sie eben," gab Roxton nach und packte es in seinen Rucksack.
"Siehst du? Kein Ausschlag, kein Juckreiz, nichts," entgegnet Roxton und zeigte ihr, von sich überzeugt, seine leicht braun gebrannte Arme. "Nur weil du jetzt noch nichts spürst, heißt es noch lange nicht, dass sie ungiftig war," erwidert Marguerite. "Glaub mir, ich kenne mich mit Pflanzen aus, im Gegensatz zu manch anderen," entgegnet er selbstsicher.
"Lass uns lieber weiter suchen," unterbricht sie diese Konversation, welche sonst noch in einem Streit enden könnte.
Sie suchten nicht sehr lange, da entdeckten sie schon die nächste Pflanze, aus Challengers Liste.
Roxton kniet sich zu dieser hinab, um sie näher zu betrachten und mit denen aus der Liste zu vergleichen.
"Ich würde sagen, dass sie diese ist," sagte er und zeigte auf eine Abbildung von einer Pflanze. Marguerite warf desinteressiert einen kurzen Blick darauf. "Kann schon sein," antwortet sie kurz und knapp. "Wir sollten uns da schon sicher sein. Nicht das wir noch Unkraut mit schleppen," erwidert Roxton ein wenig genervt davon, dass er anscheinend wieder alles alleine machen darf.
"Die sehen doch alle gleich aus," entgegnet Marguerite frustriert darüber, dass sie keinen Unterschied zwischen den Zeichnungen erkennen kann. "Da irrst du dich, es gibt sogar recht große Unterschiede. Siehst du, diese Pflanze hat spitze Blätter und diese abgerundete," versucht er ihr zu erklären, hört aber auf als er merkte, dass Marguerite ihm nicht wirklich zuhört sondern mit ihrem Kopf schon wieder ganz wo anders war.
"Marguerite?... Ach, ich gebe es auf," gab er von sich, da er merkte dass sie gar kein Interesse daran hat, den Unterschied zu erkennen. Er pflückt die Pflanze und packt sie zu der Andere vorsichtig hinein.
"Wir sollten vielleicht eine Pause einlegen und etwas essen," schlug Roxton vor, wobei Marguerite erfreut einwilligte.

Nachdem sie gegessen hatten marschierten sie weiter. Sie mussten aber nicht weit gehen, da kamen sie schon in eine Gegend, in der mehrere Pflanzen zu finden waren.
"Sieht anscheinend so aus, als würde unser kleiner Ausflug doch nicht so lange dauern, wie wir vorhin dachten," meinte Roxton fast schon ein wenig enttäuscht. "Scheint so," erwiderte seine Begleiterin knapp.
"Marguerite, was ist heute nur los mit dir? Es scheint mir fast so, als wolltest du gar keine Zeit mit mir verbringen," entgegnet Roxton und sah sie ein wenig verletzt an.
Marguerite sieht ihn an, kann seinen Blick aber nicht lange ertragen, da dieser sie mitten ins Herz trifft.
"Natürlich will ich Zeit mit dir verbringen," widerspricht sie ihm. "Und warum bist du dann heute schon die ganze Zeit so merkwürdig?" fragt er sie weiter. "Da irrst du dich, ich bin genauso wie immer," erwidert sie ihm, "das solltest du langsam wissen," fügt sie noch, fast schon leise, hinzu. Dann drehte sie sich um, um seinem Blick und seinen Fragen nicht länger ausgeliefert zu sein. "Und du tust es schon wieder," rief er ihr hinterher. "Was tue ich schon wieder?" fragte sie und drehte sich wieder zu ihm hin. "Immer wenn ich anfange über uns oder deine Gefühle zu reden, rennst du davon, genau wie jetzt," erklärt er ihr.
"Ich renne doch nicht von dir weg," erwidert sie ihm ein wenig gekränkt. "Ach nein, vor was denn dann?" wird sie von ihm gefragt. "Ich... ich, lass uns lieber weiter die Pflanzen für Challenger suchen, sonst werden wir nie fertig," versuchte sie vom Thema ab zu lenken. "Nah schön, suchen wir weiter nach diesen Pflanzen," willigte er verletzt darüber dass sie ihm anscheinend nicht genügend vertraut, ein.
Es dauerte nicht sehr lange und sie hatten schon die Hälfte der Pflanzen aus Challengers Liste.

Plötzlich bemerkte Marguerite eine Höhle, die nicht weit von ihnen entfernt lag. Ihre Neugier nahm wieder überhand und sie bekam diesen inneren Drang, heraus zu finden, was alles in dieser Höhle ist.
"John, ich such mal ein wenig weiter vorne," sagte sie ihm, da sie wusste, dass er etwas dagegen hätte, wenn sie eine unbekannte Höhle auf eigene Faust, besichtigen würde. Er nickte ihr zu und so machte sie sich auf den Weg zum Eingang der Höhle.
Als sie davor stand nahm sie ein Leuchten, das aus dem Innerem der Höhle kam, war. Neugierig betrat sie es und ging immer tiefer hinein.
Sie lief nicht weit, da sah sie eine leuchtende Wand vor ihr stehen. Sie wollte es mit ihren Händen berühren, aber diese nahmen kein Material war, sondern geleitete durch die hell leuchtende Wand.
Erschrocken zog sie ihre Hand wieder zurück. "Was sich wohl hinter dieser Wand befindet?" fragt sie sich leise.
Erst zögerte sie, aber dann gewann doch ihre Neugier und sie ging durch die Wand.
Roxton machte sich langsam sorgen um Marguerite. Er sah sich suchend nach ihr um, doch er konnte sie nirgendwo erblicken. "Ich habe ihr gesagt, sie soll in der Nähe bleiben, aber wie immer hört sie nicht auf mich," schimpft er leise über sie. Er ist aber nicht wirklich wütend auf sie, sondern versucht dadurch seine Angst um sie, dass ihr etwas passiert sein könnte, zu ersetzten.
Als er an die Stelle ankam, an der sie sein müsste, fing er an nach ihr zu rufen.
Er erhielt aber keine Antwort.
Langsam machte sich Panik in ihm breit. "Wenn ihr etwas zugestoßen ist, werde ich es mir niemals verzeihen," sprach er zu sich selbst.
Dann erblickte er einen Höhleneingang. Sofort wurde ihm klar, dass Marguerite diese auch entdeckt haben müsste und wahrscheinlich hinein ging.
Er lief ebenfalls hinein, in der Hoffnung dort Marguerite unverletzt wieder zu finden. Das Licht in der Höhle verwunderte ihn und er fragte sich, was dies verursachte.
Vorsichtig ging er immer tiefer in die Höhle und blieb plötzlich abrupt stehen.
Vor ihm stand ein kleines Mädchen mit langen, gelockten dunklen Haaren, welche ihn verängstigt ansieht. Dieser Blick kam ihm unglaublich bekannt vor, aber er verdrängte diesen Gedanken sofort wieder.
Er kniete sich zu dem kleinen Mädchen hinab. "Ich bin Lord John Roxton und wie heißt du?" fragt er sie freundlich. "Ich heiße Marguerite," antwortet es ängstlich.
Roxton war geschockt. Er hatte es zwar befürchtet, aber nicht wirklich für möglich gehalten.
"Sag mal, wie alt bist du?" fragt er sie weiter und versucht sein entsetzten zu verbergen, da er sie nicht erschrecken wollte.
"Ich bin sieben," antwortet sie schüchtern. "Weißt du, wie du hier her gekommen bist?" war seine nächste Frage, welche sie mit einem verneinendem Kopfschütteln beantwortete. "Kannst du dich an irgendwas erinnern, was passiert ist, bevor du hier her kamst?" wollte er nun von ihr wissen. "Ich wurde von den Nonnen auf mein Zimmer geschickt und war gerade auf den Weg dorthin," erzählt sie ihm zögernd.
"Ich wohne mit meinen Freunden in einem Baumhaus. Wenn du willst, kannst du dorthin mitkommen," erklärt er ihr freundlich.
"Ich darf aber nicht mit Fremden mitgehen," antwortet sie ihm.
"Du weißt wie ich heiße und somit bin ich doch kein Fremder mehr, oder?" versuchte er sie zu überreden. Sie sieht ihn prüfend an und musste ihm dann doch recht geben. Mit einem Kopfnicken willigte sie ein.
Roxton richtete sich auf und nahm ihre Hand. Langsam machten sie sich auf den Weg zurück zum Baumhaus und Roxton betete innerlich, dass Challenger wüsste, wie man Marguerite wieder altern lassen könnte.

Roxton und seine kleine Begleiterin sind schon eine Weile unterwegs, als Marguerite jammerte, das sie nicht mehr konnte. So beschlossen sie eine Pause einzulegen.
Roxton stellte seinen Rucksack auf die Erde und entnahm eine Decke, die er dann auf dem Boden ausbreitete, damit sie sich beide darauf setzen konnten. Er hatte noch ein wenig Essen dabei und reichte dem dunkelhaarigem Mädchen etwas davon.
"Du scheinst einen ziemlichen Hunger zu haben," meinte Roxton, als er sah wie Marguerite das belegte Brötchen hinunterschlang.
"Ich... ich habe heute noch nichts gegessen," erwiderte sie ihm zögernd.
"Warum nicht?" fragte Roxton interessiert weiter und erhält als Antwort nur ein Achselzucken.

Nachdem sie fertig gegessen hatten, machten sie sich wieder auf den Weg zum Baumhaus.
Marguerite schien aber schon ziemlich kaputt von der langen Wanderung zu sein, aber als Roxton sie fragte, ob er sie tragen sollte, lehnte sie vehement ab.
"Was ist dein Lieblingsspielzeug?" fragte Roxton sie schließlich, um ein Gespräch mit ihr anzufangen und mehr über ihr Kindheit zu erfahren.
"Puppen. Ich habe eine riesige Puppensammlung," erzählte sie ihm und er konnte sehen wie ihre Augen dabei leuchteten. Auf dem gesamten Weg zum Baumhaus erzählte sie ihm von ihrer Puppenfamilie, ihre Namen, wie alt diese sind, woher sie diese hat und was diese am liebsten so machen.

Nach einiger Zeit kamen sie am Baumhaus an. Sie gingen durch die Tür, des elektrischen Zaunes und Roxton erklärte ihr, dass sie diesen niemals berühren dürfe. Dann zeigte er nach oben, wo das Baumhaus stand und Marguerite staunte nicht schlecht, als sie es erblickte.
Der Fahrstuhl fuhr sie langsam nach oben und Roxton merkte wie das kleine Mädchen seine Hand ängstlich umklammerte. Er hatte ihr von seinen Mitbewohnern erzählt und auch davon, wie freundlich alle sind, aber trotzdem schien Marguerite noch ein wenig misstrauisch zu sein.
Langsam betraten sie das Baumhaus, als Challenger mit einem Buch vor seiner Nase, den Raum betrat.
"Ihr seit schon so früh zurück? Habt ihr denn auch alle Pflanzen, welche ich euch aufgetragen habe?" fragte er sie abwesend, da er in seinem wissenschaftlichem Buch vertieft war.
"Ähm..., Challenger..., ich muss dir was sagen," versuchte Roxton stockend Challengers Aufmerksamkeit zu erlangen.

"Was ist denn diesmal Geschehen?" fragte Challenger enttäuscht darüber, dass sie anscheinend mit leeren Händen zurück gekehrt sind.
"Ach, du meine Güte," rief er erschrocken, als er doch noch seinen Blick von seinem Buch erhob.
"Darüber wollte ich mit dir noch sprechen," erklärte Roxton. "Darf ich vorstellen, Challenger, dass ist Marguerite und Marguerite, dass ist George Challenger," stellte er die beiden einander vor.
Marguerite brachte nur ein scheues "Hi" heraus und Challenger sah sie verblüfft an, reichte ihr aber dann doch noch zur Begrüßung die Hand.
"Marguerite, hast du vielleicht Hunger oder Durst?" wandte sich Roxton fragend an sie, während Challenger immer noch verwirrt drein schaut. Marguerite antwortete mit ja und so gab ihr Roxton etwas zu Essen und Trinken und ging mit Challenger ins Labor.
"Wie ist das nur geschehen?" fragte Challenger ihn verwirrt, als sie alleine im Labor waren. Roxton erzählte ihm alles was er darüber wusste, wobei das auch nicht sehr viel war.
"Challenger und was sollen wir jetzt machen?" fragte ihn Roxton hilfesuchend, da er jetzt schon die alte Marguerite vermisste.

"Ich weiß es auch nicht, aber vielleicht weiß Veronika was darüber und so lange müssen wir uns halt um Marguerites jüngeres Ich kümmern," erwiderte Challenger. Beide gingen sie zurück zum Esstisch, an dem das kleine Mädchen noch saß.
"Komm ich zeig dir dein Zimmer, in dem du schlafen wirst, bis wir einen Weg finden, dich zurück zu schicken," sagte Roxton freundlich zu Marguerite. Sie nickte nur und sah traurig auf den Boden, dann stand sie auf und folgte ihm in das besagte Zimmer.
Sie sah sich darin erstaunt um. "Schläft darin nicht schon jemand?" fragte sie Roxton. "Eigentlich schon, aber sie... ist verreist und solange kannst du darin schlafen. Sie hätte bestimmt nichts dagegen," erzählt er ihr.

"Ein eigenes Zimmer nur für mich," sagte Marguerite leise zu sich selbst, doch Roxton hörte es und fragte sich, was ihr in ihrer Kindheit alles widerfahren sein muss, dass sie damals schon so in sich zurück gezogen war.
Plötzlich hörten sie Geräusche aus der Küche. "Das müssen Finn und Veronika sein. Komm ich stell sie dir vor," erklärte er ihr und beide verließen das Zimmer wieder um in die Küche zu gehen.
Dort standen Veronika, Finn und Challenger. Anscheinend hatte Challenger ihnen schon alles erzählt was vorgefallen ist, da Veronika gleich auf die kleine Marguerite zu ging und sich vorstellte, "Hi, ich bin Veronika und du musst Marguerite sein. Es freut mich sehr dich kennen zu lernen."

"Hi, ich bin Finn und anscheinend endlich nicht mehr die Jüngste," tat Finn es Veronika gleich.
Niemand von ihnen hatte zuvor viel mit Kindern zu tun und daher blickten sie alle ein wenig hilflos drein.
"Marguerite, ich habe einen tollen Garten. Willst du ihn dir mal ansehen?" fragte Veronika sie schließlich, was diese mit einem bejahendem Nicken beantwortete. Sie fuhren dann beide mit dem Fahrstuhl nach unten und Veronika zeigte ihr ihren prächtigen Garten.
Marguerite sah ihn sich begeistert an, was Veronika ein wenig verwunderte, da die ältere Marguerite nie besonderes Interesse an ihrem Garten zeigte.
"Bei uns im Klosterinternat haben wir auch so einen Garten, nur noch ein wenig größer," fing Marguerite zum erzählen an.
"Das ist ja toll. Verbringst du dort viel Zeit im Garten?" wollte Veronika dann wissen.

"Nein, ich darf den Garten dort nicht betreten," erwiderte Marguerite traurig.
"Wieso nicht?" fragte Veronika vorsichtig weiter. "Weil... weil ich Unglück bringe und er dann nicht mehr so prächtig blühen würde," erzählte Marguerite zögernd.
Veronika war über Marguerites Aussage geschockt. Sie hatte keine Ahnung wie Marguerites Kindheit ausgesehen hat, da diese auch nie mit ihr darüber sprach, aber das hätte sie wirklich nicht erwartet.
"Du bringst doch kein Unglück, wer erzählt denn so was?" meinte Veronika und kniete sich vor Marguerite nieder. Das kleine Mädchen sieht sie traurig an und Veronika konnte die ersten Tränen die sich in Marguerites Augen bildeten, sehen. "Alle", war das Einzige was die Brünette herausbekam, bevor sie zum weinen anfing.
Veronika nahm sie beruhigend in ihre Arme und hielt sie so lange bis sich diese wieder beruhigt hatte. Sie zog ein Taschentuch, aus dem kleinem Täschchen das sich neben ihrem Messer befindet, heraus und reichte es Marguerite.
Langsam machten sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl, da es ja auch langsam dunkel wurde. Als sie oben ankamen sahen sie auch schon den gedeckten Tisch. "Das riecht ja lecker," lobte Veronika und setzte sich mit Marguerite an den Tisch. Die Anderen setzten sich auch alle hin und Roxton servierte das Abendessen, das er zubereitet hat.

Nach dem Abendessen brachte Veronika Marguerite ins Bett. Sie gab ihr eins der Nachthemden, welche sie selbst als Kind getragen hat und deckte sie dann liebevoll zu. Zuvor hatte sie ihr noch gezeigt, wo ihr Zimmer ist und ihr gesagt, dass falls etwas sein sollte, könne sie jeder Zeit zu ihr kommen. "Gute Nacht Marguerite und Träum was schönes," wünschte Veronika ihr noch und begab sich zu Tür.

"Gute Nacht," entgegnete Marguerite etwas müde. Veronika verliess das Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich, um sich zu den Anderen zu begeben. Diese saßen alle noch am Tisch und besprachen die Lage.
"Wir gehen morgen zu der Höhle und schauen uns diese einmal gründlich an. Vielleicht finden wir einen Hinweis darauf, was Marguerite zugestoßen ist," erläuterte Challenger seinen Vorschlag. "Einer sollte hier bei Marguerite bleiben," meinte Veronika besorgt.

"Du hast Recht. Der lange Weg würde für sie viel zu anstrengend werden und wer bleibt hier bei ihr?" fragte Challenger nun.
"Ich würde ja, aber ich bin der einzige der den Weg dorthin kennt," entgegnete Roxton.
"Ich werde bei ihr bleiben," erwiderte Veronika.
"Gut, dann währe dies ja geklärt," sagte Challenger und da ihnen ein langer Tag bevor stand, entschlossen sie sich alle ebenfalls in ihre Zimmern zu gehen.
Roxton konnte nicht schlafen, da er grosse Angst hatte, dass er seine Marguerite nicht wieder zurück bekommen würde. Er entschloss sich aufzustehen und sich in der Küche einen Beruhigungstee zu machen.

Als er da so saß und seinen Tee trank, hörte er plötzlich leise Schritte, die auf ihn zu kamen. Als er seinen Kopf erhob, erblickte er die kleine Marguerite, die ihn erstaunt ansah.
"Warum bist du noch wach?" fragte er sie freundlich.

"Ich wollte was zu trinken holen," antwortete sie leise.

"Soll ich dir einen Tee machen?" bot er ihr an, was sie mit einem lächelndem Nicken bejahte. Der Tee war bald fertig und beide setzten sich hin, um zusammen zu trinken.
"Wie gefällt es dir bis jetzt hier bei uns?" fragte Roxton sie schließlich. "Gut, ihr seit alle sehr nett," antwortet sie strahlend.
"Mr. Roxton, kann ich dich auch etwas fragen?" fragte Marguerite ein wenig zögerlich. "Natürlich, was du willst und du kannst mich John nennen, wenn du willst," bot er ihr an.
"Seit du und Veronika ein Paar?" fragte sie ihn schließlich neugierig. Als Roxton das hörte verschluckte er sich fast.
"Wie kommst du darauf?" wollte er von ihr wissen.

"Ich dachte es mir nur, weil Veronika sehr nett und hübsch ist und du bist auch nett und hübsch und da dachte ich mir, dass ihr gut zusammen passen würdet," erklärt sie ihm.
Roxton war erstaunt über diese Aussage. Er fragte sich, was wohl seine Marguerite dazu sagen würde.
"Danke für das Kompliment, aber wir sind nicht zusammen. Veronika ist in einen anderen verliebt und ich ebenfalls," erklärt er ihr.

"Und in wen?" fragt sie weiter.

"Sie sind beide verreist," erzählt er ihr, woraufhin sie ihn verwirrt ansieht. "Nicht zusammen, beide jeweils alleine," verdeutlichte er.
"Aha, aber ihr habt keine Kinder, oder?" fragt das Mädchen weiter.

"Nein, haben wir nicht," antwortet er.

"Wieso nicht? Wollt ihr keine?" war Marguerites nächste Frage.

"Natürlich mögen wir Kinder und ich will auch eines Tages selber welche haben, aber bis jetzt war einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür," erklärt er ihr und war fast schon erleichtert, als er sah, dass sie ihren Tee schon fertig ausgetrunken hatte.
"Du solltest versuchen noch ein wenig zu schlafen," meinte er zu ihr.

"Okay, gute Nacht," gab sie nach und nachdem er ihr ebenfalls eine gute Nacht wünschte, verschwand sie in ihrem Zimmer.
Kopfschüttelnd trank er seinen Tee weiter. "Ich und Veronika," meinte er zu sich selbst und musste kurz auflachen.
Langsam ging er ebenfalls in sein Schlafzimmer zurück, um noch ein wenig Schlaf zu finden. Er kramte noch einen Zettel hervor und lass was dort drauf stand "Lady Marguerite Roxton." Lächelnd packte er es wieder weg und legte sich in sein Bett.
Langsam schlief er ein und auch in seinen Träumen ging es nur um eine Person, die er hoffentlich bald wieder, in ihrem alten Ich, in die Arme schließen kann.

Am Morgen des nächsten Tages waren alle Baumhausbewohner wieder hellwach und damit beschäftigt Brotzeit für den langen Weg, den sie vor sich hatten, zu packen. Auch Marguerite war schon aufgestanden und half Veronika das Frühstück vorzubereiten.
"Marguerite, das machst du richtig gut," lobte Veronika sie, die gerade dabei war Eier zu braten. "Danke," antwortete das Mädchen strahlend.
Es dauerte nicht lange und das Frühstück war zubereitet. Alle setzten sich an den bereits gedeckten Tisch und fingen an mit essen. Auch Roxton, Finn und Challenger lobten Marguerite, wie gut sie dies doch gemacht hatte, woraufhin Marguerite sehr stolz auf sich selbst war.
Als sie mit Frühstücken fertig waren, machten sich Roxton, Finn und Challenger auf den Weg zu dieser Höhle, in der Marguerite sich in ein 7-jähriges Mädchen verwandelte.
"So, und was sollen wir jetzt machen?" fragte Veronika die kleine Marguerite, nachdem die anderen Drei gegangen waren.

"Ich weiß nicht," antwortete die Brünette und sah Veronika fragend an.
"Was würdest du davon halten, wenn wir zusammen schwimmen gehen würden?" schlug Veronika vor.

"Ich weiß nicht, ich habe keinen Badeanzug," meinte Marguerite. "Aber das macht doch nichts. Ich könnte dir einen leihen, welchen ich früher als Kind trug," entgegnete Veronika freundlich, auf das Marguerite dann doch noch einwilligte.
Beide machten sich zum Schwimmen fertig und Veronika schnappte sich noch ein paar Handtücher.
"Der See ist wunderschön," staunte Marguerite nicht schlecht, als sie dort ankamen.

"Na ja, ich weiß nicht ob man das als See bezeichnen kann, aber wunderschön ist er wirklich" erwiderte Veronika.
"Lass uns ins Wasser gehen," meinte Veronika lächelnd und sprang schon mal hinein. Als sie sich umdrehte, sah sie dass Marguerite immer noch ein wenig ängstlich am Ufer stand.
"Marguerite, was ist denn? Es ist auch gar nicht kalt," versuchte sie diese zu ermutigen.

"Wie tief ist das Wasser?" erkundigte sich die Kleine, woraufhin Veronika sich hinstellte und feststellte, dass das Wasser ihr bis knapp unter das Schulterblatt reichte. Marguerite sah immer noch ziemlich ängstlich aus und da begriff es Veronika.
"Kann es sein, dass du nicht schwimmen kannst?" fragte die Blondine vorsichtig. Marguerite nickte zaghaft mit dem Kopf und bestätigte so Veronikas Frage.
Veronika ging ganz nahe an das Ufer heran und streckte dem Kind ihre Arme entgegen.

"Komm, ich zeige dir wie es geht," ermunterte sie diese. Marguerite sah sie verunsichert und ängstlich an.

"Ich lass dich nicht los, versprochen," meinte Veronika. Marguerite musterte das Fräulein noch einmal, begab sich dann doch noch in ihre Obhut.
Veronika entfernte sich mit Marguerite ein wenig vom Ufer und begann ihr das Schwimmen beizubringen. Marguerite lernte sehr schnell und schon bald hörte man ihre begeisternde Rufe, dass sie jetzt schwimmen kann.

Nach einer Weile fand Veronika, dass es wieder Zeit wurde, dass Wasser zu verlassen.

"Aber ich will noch nicht gehen, nur noch ein bisschen," bettelte Marguerite.

"Deine Finger sind aber schon ganz schrumpelig und das heißt du musst raus aus dem Wasser," widersprach Veronika ihrer Freundin, woraufhin diese nachgab und aus dem Wasser stieg. Veronika reichte ihr ein Handtuch und half ihr sich abzutrocknen.

Währenddessen kamen Challenger, Finn und Roxton in der besagten Höhle an.
"Das letzte mal, wo ich hier war, leuchtete die Höhle," sagte Roxton zu seinen Begleitern und sah erstaunt in den Höhleneingang.

"Anscheinend tut sie es jetzt nicht mehr," erwidert Finn. "Das ist alles sehr merkwürdig," murmelte Challenger und zündete schon einmal eine Fackel an. Roxton und Finn taten es ihm gleich und langsam betraten sie die Höhle.
Sie gingen nicht weit, da kamen sie an einer Stelle vorbei, an der sich der Tunnel teilte und es zwei Wege zum weitergehen gab.
"Das war das letzte mal nicht so," meinte Roxton fast schon entsetzt. "Vielleicht hast du das durch das Licht, welches du gesehen hast, einfach nur übersehen," vermutete Challenger.
"Wir werden uns einfach einen nach dem Anderen ansehen. Es sind ja nur zwei," schlug Finn vor und schritt schon mal in den Linken voran.

Nach fünf Minuten kamen sie an einer Sackgasse an.
"Das war wohl nichts," meinte Finn fast schon entschuldigend.

"Vielleicht doch," erwiderte Challenger und musterte konzentriert eine Wandseite. Finn und Roxton sahen sich fragend an.

"George, hast du was entdeckt?" fragte Finn ihn schließlich.

"Hier steht was geschrieben, aber ich kann es nicht lesen," entgegnet er während er immer noch versucht es zu entschlüsseln.
"Marguerite könnte es mit Sicherheit entziffern", erwiderte das Finny.

"Ja, unsere alte Marguerite, aber ich bin mir nicht sicher, ob ihr jüngeres Ich auch schon diese Fähigkeit besitzt," meinte Challenger.

"Ein Versuch ist es doch wert," sagte Roxton und fing schon einmal damit an, die Zeichnungen und Schriften abzuschreiben.
"Wir sollten uns den anderen Tunnel auch noch ansehen," meinte Roxton, als er mit dem Kopieren der Zeichen fertig war. Finn und Challenger gaben ihm Recht, folgten ihm zurück und in den anderen Tunnel hinein.
Dieser endete ebenfalls in einer Sackgasse, an deren Ende ein Brunnen stand.
"Wieso steht hier mitten in einer Höhle einen Brunnen?" wunderte sich Finn.

"Also hier auf dem Plateau wundert mich überhaupt nichts mehr," erwiderte Roxton.

"Wenn wir diese Schriftzeichen entschlüsseln könnten, dann würde das vielleicht alles einen Sinn ergeben", meinte Challenger. Sie gingen wieder aus der Höhle und begaben sich auf den Heimweg.


Währenddessen waren Veronika und Marguerite gerade mit Malen beschäftigt. Sie standen beide draußen, innerhalb des elektrischen Zaunes, und malten gemeinsam ein Fantasiebild.
"Veronika", hörten sie jemanden rufen und als sie sich umdrehten sahen sie eine junge Frau mit dunklen langen Haaren.
"Assai!" rief Veronika begeistert zurück, da sie ihre Freundin schon seit längerem nicht mehr gesehen hatte. Veronika stürmte auf sie zu und umarmte sie übermütig, als ihr das Mädchen einfiel.
"Assai, darf ich dir Marguerite vorstellen. Marguerite, dass ist meine Freundin Assai," stellte Veronika beide einander vor.
Assai begrüßte die Brünette herzlich und sah dann Veronika vollkommen verwirrt an.

"Wir hatten einen kleinen Unfall," versuchte Veronika in einer Kurzfassung zu erklären.

"Das kann ich sehen," erwiderte Assai.
"Marguerite, malst du mal kurz alleine weiter und ich zeige Assai kurz den Garten," sagte Veronika zu dem kleinem Mädchen und ging dann mit Assai auf die andere Seite, des vom elektrischem Zaunes eingegrenzten Gebietes.
Veronika erzählte ihrer Freundin alles was geschehen ist und hoffte, dass diese vielleicht mehr darüber wüsste.
"Es tut mir leid, aber ich habe davon noch nie etwas gehört," gab Assai zu.

"Vielleicht haben die Anderen schon etwas darüber herausgefunden," erwiderte Veronika hoffnungsvoll.
Beide kehrten zu Marguerite zurück, die inzwischen ihr Bild fertig gemalt hatte und es ihnen begeistert zeigte.
Assai und Veronika lobten das Bild und sie mussten zugeben, dass das für eine siebenjährige wirklich gut ist.

"Ich schenk es dir," meinte Marguerite zu Veronika.

"Für mich, danke," meint die Blondine, "das wird einen Ehrenplatz im Baumhaus erhalten," fügte sie noch hinzu, woraufhin Marguerite bis über beide Ohren strahlte.

Inzwischen sind Challenger, Finn und Roxton nicht mehr weit vom Baumhaus entfernt.
"Was tun wir, wenn wir nicht herausfinden wie Marguerite wieder ihr richtiges Alter zurück bekommt?" fragte Finn plötzlich.

"Wir werden es herausbekommen und ehe du es dich versiehst, steht unsere alte Marguerite wieder vor uns," erwiderte Roxton etwas barsch.
"John, aber wir sollten vielleicht wirklich darüber nachdenken, was sein wird, wenn sie so bleibt," entgegnete Challenger mit ruhiger Stimme.

"Dann wird sie wohl ihr ganzes Leben noch einmal Leben müssen," meinte Finn.
"Das klingt fast schon so, als wollt ihr aufgeben," sagte Roxton zu den Beiden und stellte sich vor sie hin.

"Nein, wir geben natürlich nicht auf und wir werden auch alles versuchen, was in unserer Macht steht, um sie zurück zu bekommen", versuchte Challenger ihn zu beruhigen.
Es dauerte nicht mehr lange und sie kamen am Baumhaus an. Als sie mit dem Fahrstuhl oben ankamen sahen sie, wie Veronika, Assai und klein Marguerite am Tisch sassen und Karten spielten.
"Was macht ihr da?" fragte Finn, nachdem sie sich gegenseitig "Hallo" gesagt hatten.

"Wir spielen schwarzer Peter," erklärte Veronika, "und ich habe schon drei mal gewonnen!" fügte Marguerite stolz hinzu.
Veronika hörte mit dem spielen auf und liess Assai und Marguerite alleine weiter spielen. Sie ging mit den Anderen in Challengers Labor und fragte sie dort, ob sie etwas herausgefunden hätten. Challenger, Finn und Roxton erzählten ihr alles und Veronika berichtete, dass Assai auch nichts darüber wüsste. Dann kehrten sie wieder nach oben, wo Assai und Marguerite bereits mit dem Kartenspielen fertig waren.
"Marguerite, wir brauchen deine Hilfe," begann Challenger. "Kannst du das hier lesen?" fragte er sie und zeigte ihr die Skizze, die Roxton gezeichnet hatte.
Marguerite sah sie sich lange an. "Nein, aber es ist ein hübsches Muster," sagte sie schließlich. "Bist du dir absolut sicher, dass du darauf nichts erkennen kannst", versuchte Roxton es noch einmal, woraufhin sie wieder sagte, dass sie darauf nichts erkennen könnte.
"Ich kann es lesen," meinte Assai plötzlich, als sie einen kurzen Blick darauf werfen konnte. "Wirklich?" fragte Roxton sie ein wenig überrascht.
"Ja" antwortete sie und nahm die Zeichnung zu sich. "Da steht, dass alle hundert Jahre sich das Tor zur zweiten Chance auftut und nur mit dem Wasser des Lichts, es sich wieder Rückgängig machen lässt," lass Assai vor.
"Und was bedeutet das jetzt?" fragte Finn verwirrt.
"Das Licht, das Roxton sah, muss das Tor zur zweiten Chance gewesen sein. Mit der zweiten Chance meint man, dass man sein Leben noch einmal ab einen bestimmten Zeitpunkt, leben kann und wenn man das Wasser aus dem Brunnen trinkt, kann man das alles Rückgängig machen," erklärte Challenger, woraufhin er selbst ziemlich stolz auf sich war, dass er das alles so schnell herausgefunden hatte.
"Marguerite, morgen können wir dich wieder nach Hause schicken," sagte Veronika begeistert zu ihrer kleinen Freundin.
"Ihr wollt mich wieder wegschicken?" fragte Marguerite traurig und man konnte die ersten Tränen, die sich in ihren Augen bildeten, erkennen.
"Wir wollen dich doch nicht wegschicken, aber du musst doch wieder nach Hause gehen" versuchte Roxton sie zu beruhigen.
"Ich habe aber gar kein Zuhause und ich bezweifle sehr, dass mich im Internat irgend jemand vermissen würde, wenn ich nicht mehr auftauchen würde," erwiderte Marguerite mit einem Schluchzer.
"Marguerite, aber es ist ja nicht so, als ob wir uns niemals wiedersehen würden," versuchte die Blondine das Mädchen zu beruhigen und kniete sich zu ihr hinunter.

"Wirklich?" fragte Marguerite ungläubig.

"Versprochen. Wir sehen uns wieder," meinte Veronika mit einem Lächeln und nahm die Kleine in den Arm.
Plötzlich hörten sie ein knurrendes Geräusch aus Finns Richtung. "Scheint als hätte hier jemand Hunger," scherzte Challenger. Finn und Challenger erklärten sich bereit Abendessen zu machen. Assai verabschiedete sich, da sie noch bevor es dunkel werden würde, wieder im Zanga Dorf sein wollte. Und Veronika, Roxton und Marguerite spielten am Küchentisch weiter schwarzer Peter.

Bald war das Abendessen fertig und alle setzten sich zusammen um den Tische. Als sie fertig waren, fand Veronika, dass es das beste für Marguerite wäre, wenn sie ins Bett ginge, da sie ihre Augen kaum noch offen halten konnte. Aber erst als Roxton Marguerite versprach ihr noch eine Geschichte zu erzählen, willigte diese ein.
Veronika brachte sie erst ins Bett und deckte sie warm zu und dann setzte sich Roxton zu ihr hin und lass ihr die Geschichte von Alice im Wunderland vor. Er kam allerdings nicht weit, weil die Brünette schon nach kurzer Zeit einschlief.
Als er Marguerites Zimmer verliess, konnte er hören wie Challenger in seinem Labor etwas herumtüftelte.
Dann sah er, dass Veronika noch am Balkon stand und er begab sich zu ihr.
"Sie wird mir irgendwie fehlen," meinte Veronika zu ihm, als sie ihn plötzlich neben sich stehen sah.

"Ja, mir auch. Aber ich bin froh, wenn wir die alte Marguerite wieder zurück haben," erwiderte er.

"Sie fehlt mir auch und langsam beginne ich zu verstehen, warum sie so ist... wie sie ist," entgegnete Veronika ein wenig nachdenklich.
"Ich werde ins Bett gehen. Morgen wird ein langer Tag werden" sagte die Blondine schliesslich und wünschte ihm noch eine gute Nacht, bevor sie in ihr Schlafzimmer ging.
Der Lord blieb noch eine ganze Weile am Balkon stehen und dachte an die unzählige Male, die er dort mit Marguerite verbracht hat.

Am nächsten Morgen waren alle Baumhausbewohner bereit die Höhle noch einmal aufzusuchen. Sie hatten alle schon gefrühstückt und warteten nur noch darauf, dass Challenger und Marguerite endlich aus dem Labor zurückkommen würden.
"Ich frage mich, was in dem Labor so interessantes ist" meinte Roxton, der schon ein wenig ungeduldig wurde.

"Challenger zeigt ihr seinen Käfer Arthur", erklärt Finn, die auch nicht verstehen konnte, was an einem Käfer so spannend sein soll.

"Wenn Marguerite auch nur die kleinste Begeisterung dafür zeigt, wird das wahrscheinlich noch sehr lange dauern können," mischte sich Veronika mit einem Seufzer ins Gespräch ein. Finn und Roxton gaben ihr Recht und sie hielten es alle für das Beste, wenn sie sich noch einmal hinsetzten würden.

Währenddessen hört Marguerite interessiert Challenger zu, der ihr davon berichtete, wie er damals Arthur entdeckt hatte und was für ein seltener Käfer dieser doch sei.
"So, jetzt müssen wir aber wieder nach oben gehen. Die Anderen warten bestimmt schon ganz ungeduldig auf uns," meinte Challenger.

"Aber ich habe noch gar nicht alles gesehen," widersprach Marguerite ihm.

"Leider ist dafür aber keine Zeit mehr. Wir sollten uns wirklich langsam auf den Weg machen", erklärte er ihr. Widerwillig gab sie nach und sie machten sich auf den Weg zu den Anderen. Roxton, Finn und Veronika waren sichtlich froh, dass es anscheinend endlich losging und das warten ein Ende hatte.
"Marguerite, hast du auch alles?" fragte Veronika das Mädchen, diese bejahte es mit einem Kopfnicken. Sie machten sich auf den Weg zu der Höhle.
Der Weg dorthin war ziemlich still. Sie begegneten keinen Feinden, aber auch untereinander sprachen sie nur spärlich. Nur Marguerite und Veronika redeten die ganze Zeit, über alles mögliche.

Nach einigen Stunden kamen sie bei der Höhle an. Diesmal schien wieder ein helles Licht in der Höhle zu leuchten, allerdings nicht ganz so hell wie Roxton es in Erinnerung hatte. Vorsichtig betraten sie die Höhle und gingen immer tiefer hinein.
Sie mussten nicht weit gehen, da hatten sie auch schon den Brunnen entdeckt, den sie suchten. "Marguerite, du musst jetzt dann von diesem Wasser trinken," erklärte Veronika ihr. Die Brünette blickte zu ihr hoch und senkt dann ihren Kopf wieder.

"Aber ich will nicht," erwiderte sie ein wenig traurig. Veronika kniete sich zu ihr hinunter, so dass sie nun auf der selben Augenhöhe waren.

"Wir haben dies doch schon mal besprochen," sagte sie mit sanfter Stimme, woraufhin Marguerite zaghaft mit dem Kopf nickte. Der Blick der Kleinen war immer noch auf den Boden gerichtet und die Anderen konnten sehen, wie die ersten Tränen auf die braune Erde fielen. Veronika hob mit ihrer Hand vorsichtig Marguerites Kopf an, so das diese sie ansehen musste. "Wir werden immer Freundinnen sein," versprach Veronika ihr und schloss sie in ihre Arme. Als sich Marguerite langsam wieder beruhigt hatte, gab ihr Veronika noch einen Kuss auf die Stirn und stand auf, damit sich auch die Anderen von ihr verabschieden konnten.
Als nächste war Finn dran. Sie kniete sich ebenfalls nieder und drückte Marguerite. "Du wirst mir fehlen," meinte Finn zu ihr und berührte dabei mit ihrem Finger liebevoll Marguerites Nasenspitze. Danach umarmte sie Challenger und verabschiedete sich von ihr.
Nun war Roxton an der Reihe sich von ihr zu verabschieden. Er tat es den Anderen gleich und kniete sich ebenfalls vor ihr nieder. Er umarmte sie und sagte ihr, dass sie alle sie in ihre Herzen geschlossen hatten und sie das niemals vergessen sollte. Dann richtete auch er sich auf um Challenger mit dem Wasser behilflich zu sein.
Sie schöpften ein wenig von dem Wasser in einen kleinen Behälter und reichten dies dann Marguerite. Sie nahm es an sich und schaute alle noch einmal an, bevor sie es trank. Erst geschah nichts. Doch dann erschien ein großes Loch, das hell Leuchtete. Sie konnten fast nichts sehen, da das Licht sie viel zu stark blendete.
Roxton, Finn, Veronika und Challenger hielten ihre Hände vor ihren Augen, um sich davor zu schützen. Als das Loch mit dem hellen Licht wieder verschwunden war, schauten sie wieder an die Stelle, an der das kleine Mädchen gestand hatte. Sie war nicht mehr da, aber an ihrer Stelle stand nun Marguerite in ihrem alten Ich.
Die Anderen konnten es gar nicht fassen, dass sie diese nun wieder hatten und umarmten sie stürmisch.
"Ihr zerdrückt mich", rief Marguerite lachend, woraufhin die Anderen sie wieder losließen. Sie verließen die Höhle und Marguerite wurde gefragt, an was sie sich denn noch alles erinnern könnte.

"Na ja, ich weiß noch wie ich in diese Höhle ging und eine leuchtende Wand entdeckte. Dann ging ich durch diese und ehe ich es versah war ich halb so groß ," erzählte sie den Anderen. "Du kannst dich an alles Erinnern?" wurde sie weiter gefragt.
"Ja und ... ich wollte mich noch bedanken, ... dass ihr euch alle so nett um mich gekümmert habt", erwidert sie zögernd, da es ihr nicht leicht viel, ihre Gefühle den Anderen so offen zu zeigen.
"Das war doch selbstverständlich," antwortete Roxton, der neben ihr lief.

Nach einer Weile kamen sie wieder am Baumhaus an und fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben.
Es fing schon an ein wenig dunkel zu werden und Veronika erklärte sich dazu bereit Abendessen zu machen.
Die Blondine war gerade mitten im Kochen, als Marguerite plötzlich neben ihr stand.
"Soll ich dir helfen?" wurde sie von ihr gefragt. Veronika war erst mal verblüfft, da Marguerite normalerweise niemals freiwillige in der Küche hilft. Aber sie erinnerte sich daran, wie gerne die jüngere Marguerite ihr in der Küche geholfen hatte und so nahm sie ihr Angebot dankend an. "Veronika, ich wollte mich noch bei dir bedanken," fing Marguerite plötzlich, während sie den Salat machten, an.

"Wofür?" fragte Veronika erstaunt.

"Dafür, dass du so viel Zeit mit mir verbracht hast, obwohl ich als Kind eine ziemliche Nervensäge bin", erklärte Marguerite.
"Nur als Kind?" fragte Veronika scherzend. "Nein Marguerite, du bist doch keine Nervensäge. Ich habe gerne mit dir meine Zeit verbracht und tue es immer noch," stellte sie richtig.

"Ich verbringe meine Zeit auch gerne mit dir, auch wenn ich es nicht immer zu gebe," gestand Marguerite ihrer Freundin und umarmte die Blondine.
"Wir sollten uns lieber wieder um das Abendessen kümmern, sonst verbrennt es noch," meinte Veronika, nachdem sie sich wieder aus der Umarmung gelöst hatte.

"Ja, du hast Recht," erwiderte Marguerite und wischte sich eine Träne weg.

Es dauerte nicht lange und das Abendessen war fertig. Alle Baumhausbewohner setzten sich an den Esstisch und fingen mit dem essen an. Sie waren alle ziemlich überrascht, dass es trotz Marguerites Hilfe so gut schmeckte. Dankend und lächelnd nahm sie die Komplimente über ihr Essen von den Anderen in Empfang.
Als sie fertig waren, boten sich Finn und Challenger als Abwaschteam an.
Veronika begab sich mit ein Buch in ihr Zimmer und Marguerite setzte sich an den Balkon.
Marguerite blieb aber nicht lange allein, da Roxton sich dazu entschied ihr noch ein wenig Gesellschaft zu leisten.
"Darf ich mich zu dir setzten?" fragte er sie höflich, was sie mit einem bejahendem Kopfnicken beantwortete.
Nachdem er sich neben sie gesetzt hatte, war es erst einmal für einen Moment sehr still. "Marguerite, ich bin froh, dass du wieder da bist," gestand er ihr.

"Ich auch," erwidert sie ihm. Vorsichtig legte er seinen Arm um ihre Schulter, woraufhin sie ihren Kopf an die seine schmiegte.
"Wenn du darüber reden willst, werde ich für dich da sein und dir zuhören," bot er ihr an.

"Ich weiß", erwiderte die Brünette.
"Es ist nur so, dass mir durch das was passiert ist... naja so wurde ich wieder an meine Kindheit im Klosterinternat erinnert," erzählte sie ihm und er konnte heraus hören, dass das keine guten Erinnerungen waren.
"Weißt du, John, ich hatte nie wirklich Freunde oder jemand der sich um mich sorgte... so wie hier", gestand sie ihm zögernd.
"Und wir werden auch für immer deine Freunde sein", versprach er ihr. "Na ja, um ehrlich zu sein, hoffe ich ja, dass ich ein wenig mehr als nur ein Freund für dich bin", fügte er grinsend hinzu.
Marguerite erhob ihren Kopf und sah ihn an. "Das bist du. Ich liebe dich, John" gestand sie ihm.
Diese drei Worte lassen sein Herz höher schlagen. Er konnte es nicht oft genug von ihr hören. Er weiß wie schwer es ihr immer noch fällt, diese drei Worte ihm zu sagen und gerade deshalb, weiß er es besonders zu schätzen, dass sie sich immer wieder dazu durchringt, es doch zu tun. "Ich liebe dich auch" erwidert er ihr lächelnd. Langsam beugte er sich vor, während sie ihren Kopf anhob. Ihre Lippen trafen sich und sie fingen an sich vorsichtig zu küssen. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher, bis sie ihn atemlos unterbrachen.
"Wie wäre es, wenn wir dies in deinem oder meinem Zimmer fortsetzten würden?" fragte Roxton die Brünette und sah sie hoffend an.
"Das wäre eine gute Idee und... ich würde mein Zimmer vorziehen", erwiderte sie ihm lächelnd. Beide standen auf und machten sich auf den Weg in Marguerites Zimmer. Als sie es betraten, entdeckte Marguerite, dass sie den Badeanzug von Veronika noch nicht zurück gegeben hatte. "Ich bin gleich wieder da", versprach sie Roxton und gab ihm noch einen Kuss auf die Wange, bevor sie mit dem Badeanzug in der Hand durch die Tür verschwand.
Vorsichtig klopfte sie an Veronikas Türe an. Veronika schien noch wach zu sein und bat sie herein.
"Ich wollte dir noch deinen Badeanzug zurück geben", erklärte Marguerite ihr.

"Ach ja, danke, du kannst ihn dort auf den Stuhl legen", erwiderte Veronika und zeigte auf einen Stuhl, der in der Nähe von ihrem Bett stand
Marguerite legte es dort drauf wollte das Zimmer gerade wieder verlassen, aber dann sah sie etwas, was sie erstaunte. Sie blieb vor der Wand stehen und schaute fast schon ungläubig darauf. "Du hast es tatsächlich aufgehängt", sagte sie fast schon zu sich selbst.

"Aber natürlich. Ich habe ja gesagt, dass es einen besonderen Platz bekommt" erwidert Veronika mit einem Lächeln. Sie hatte sich inzwischen neben Marguerite gestellt und schaute sich ebenfalls noch einmal das Bild an.

Marguerite umarmte sie dankend und wünschte ihr dann eine gute Nacht, bevor sie Veronikas Zimmer verliess.
Veronika stand noch eine Weile ein wenig verwirrt vor dem Bild. Für sie war es nur ein Bild, dass sie von einem netten kleinem Mädchen, welches sie innerhalb eines Tages in ihr Herz schloss, bekommen hatte, aber für Marguerite bedeutet es alles.

Marguerite kehrte wieder in ihr Schlafzimmer zurück, in dem Roxton immer noch auf sie wartete.
Sie erzählte ihm von dem Bild und dass es Veronika in ihrem Zimmer aufgehängt hatte. Er fand diese Geste ebenfalls sehr rührend von Veronika und meinte zu Marguerite, dass dies seine Aussage von vorhin bestätigte.
Sie umarmte ihn, fast schon ungläubig darüber, dass sie tatsächlich eine Person wie Lord John Roxton gefunden hatte, der sie so Bedingungslos liebte.
Er legte seine Arme um sie und fing an ihren Nacken zu küssen. Langsam zog er das Ende ihrer Bluse aus ihrem Rock und fuhr mit seinen Händen langsam darunter. Er konnte ihre weiche Haut auf ihrem Rück spüren und auch sie machte sich an seinem Hemd zu schaffen.
Sie fingen an sich gegenseitig auszuziehen und als kein Stoff mehr ihre Körper bedeckten, nahm Roxton ihre Hand und führte sie zu ihrem Bett. (...)


ENDE

Diese Geschichte finde ich herzzerreissend schön, der Unterschied zwischen Marguerite gross und klein ist süss.

Finns neue Gabe

(Das spielt ziemlich am Anfang der vierten Staffel, kurz nach dem Kliffhanger der dritten Staffel)

Finn ist gerade mit Veronika auf dem Weg zurück zum Baumhaus. Sie kommen von Zanga Dorf, in dem sie so eben Assay besuchten, da diese im 3ten Monat schwanger ist.

„Was denkst du Veronika, was es wohl werde wird?“ fragt Finn. „Ich hab keine Ahnung, aber ich habe so das Gefühl, dass es ein Mädchen wird,“ antwortet Veronika. „Und was denkst du, was es wird?“ fragt sie nun ihre Begleiterin. „Ich habe das Gefühl, dass es ein Junge wird,“ schätzte Finn.

„Wir können ja eine Wette abschließen,“ schlug Finn vor. „Um was sollen wir denn wetten?“ fragt Veronika sie interessiert. „Ich weiß auch nicht, vielleicht, dass der wo verliert einen Monat lang Challenger im Labor und bei seinen wissenschaftlichen Ausflügen helfen muss,“ meinte Finn und sah Veronika fragend an. „Gut, ich bin dabei und ich wünsche dir jetzt schon mal viel Spaß mit George,“ entgegnete Veronika lachend. „Das werden wir ja noch sehen, wer von uns in sechs Monaten was zu lachen hat,“ erwiderte Finn grinsend.

Nach einer Weile entschlossen sie sich eine kleine Pause einzulegen, um etwas zu essen.

„Ich sah vorhin einen Bach. Ich gehe kurz dort hin um unsere Wasserbehälter aufzufüllen,“ sagte Finn und macht sich auch gleich auf den Weg dort hin. „Aber sei vorsichtig,“ rief ihr noch Veronika hinterher.

Finn füllte gerade den zweiten Behälter als sie ein merkwürdiges Geräusch hinter sich hörte. Sie dreht sich sofort um, um zu sehen was dort war.

Eine alte Frau mit grauen langen Haaren stand vor ihr.

„Wer sind sie und wo kommen sie her?“ fragt sie Finn überrascht.

„Mein Name ist Shalia und du bist Finn, nehme ich an,“ stellte sich die alte Frau vor. „Stimmt, aber woher wissen sie das?“ fragt sie Finn erschrocken. „Ich weiß alles, ich weiß auch dass du aus der Zukunft kommst,“ entgegnete Shalia freundlich.

„Wenn sie allwissend sind, dann kennen sie auch bestimmt den Weg vom Plateau,“ meinte Finn, als ihr klar wurde, dass dies Challenger bestimmt brennend interessieren würde.

„Ja, ich kenne den Weg vom Plateau, aber ich kann es dir nicht sagen,“ erwiderte die alte Frau. „Warum nicht?“ fragte Finn ungläubig. „Weil es mir verboten ist, mein wissen mit anderen zu teilen,“ erklärte sie Finn, „aber ich möchte was anderes mit dir teilen,“ fügte sie hinzu.

Ehe es sich Finn versah, hatte sie so was ähnliches wie Sand in den Augen und verlor auch zugleich das Bewusstsein.

Veronika machte sich langsam Sorgen, da Finn schon ziemlich lange weg ist. Sie macht sich langsam auf den Weg, um nachzusehen wo sie denn so lange blieb.

„Finn, wo bist du,“ rief sie, als sie am besagtem Bach ankam. Veronika sah sich suchend um, bis sie plötzlich Finn bewusstlos am Boden liegend sah. Sofort rannte sie zu ihr hin, „Finn, was ist passiert?“ rief sie beunruhigt, während sie versucht ihre Freundin zu wecken.

Doch sie rührte sich nicht. Veronika fühlte sofort den Puls und stellte erleichternd fest, dass er noch schlägt.

Veronika sah sich um, fand aber keine Erklärung für Finns Bewusstlosigkeit. Es gab keine Kampfspuren, oder Anzeichen dafür dass sie sich den Kopf gestoßen hat.

Veronika blieb nichts anderes übrig, als Finn bis zum Baumhaus zu tragen.

Währenddessen wurde Roxton gerade mit der Reparatur der Windmühle fertig, als er Marguerite kommen sieht.

„Hat dich Challenger schon gehen lassen?“ fragt er sie mit gespielter Überraschtheit. „Aus unerklärlichen Gründen, hielt er es anscheinend für das beste, alleine weiter zu machen,“ erzählt ihm Marguerite lächelnd. „Aus unerklärlichen Gründen?“ fragt er sie ungläubig und zieht dabei eine Augenbraun nach oben. „Mir soll es Recht sein, denn ich bin ebenfalls geradeeben fertig geworden,“ fügte er noch hinzu.

„Es ist heute ziemlich heiß. Was hältst du davon, wenn wir ein wenig schwimmen gehen?“ fragt sie Roxton lächelnd. „Ich habe keinen Badeanzug dabei,“ entgegnet sie ihm entschuldigend. „Das mach doch nichts, ich habe ja auch keine Badehose dabei,“ versuchte er sie zu überreden.

„Ich glaube, ich sollte noch mal nachsehen, ob Challenger vielleicht doch noch meine Hilfe braucht,“ versuchte sich Marguerite herauszureden und machte sich auch gleich auf den Weg zurück zum Baumhaus.

„Marguerite, warte,“ rief Roxton ihr nach und hielt sie schließlich am Arm fest. „John, lass mich gehen,“ bat sie ihn auffordernd. „Du kannst gehen, aber erst will ich mit dir reden,“ entgegnet ihr Roxton, wobei Marguerite immer noch mit dem Rücken zu ihm gedreht ist.

„Marguerite, so kann es doch nicht weiter gehen, du gehst mir ständig aus dem Weg,“ fing Roxton an. „ Immer wenn ich einen Schritt auf dich zu mache, machst du zwei Schritte von mir weg,“ fügt Roxton betrügt hinzu.

Marguerite dreht sich langsam zu ihm um, „John, das stimmt doch gar nicht,“ sagt sie leise und ruhig. „Tut es nicht? Immer wenn ich anfange von uns zu reden, findest du eine Ausrede und rennst davon,“ erklärt er ihr. „Vielleicht macht es den Anschein, aber ich renne nicht von dir davon,“ erklärt sie ihm. „Wenn du nicht von mir davon rennst, vor was dann?“ fragt er sie ratlos. Marguerite sah ziemlich gequält aus und konnte ihm auch nicht in die Augen sehen, sondern starte mit glasigen Augen in den Boden.

„Marguerite, deine Vergangenheit ist mir doch vollkommen egal, alles was zählt ist das hier und jetzt und die Zukunft,“ versucht er sie zu beruhigen, „unsere Zukunft,“ fügte er leise hinzu.
„Du hast etwas besseres verdient, als mich,“ versucht ihn Marguerite, von der Idee mit einer gemeinsamen Zukunft mit ihr, abzubringen.

„Hatten wir das nicht schon mal?“ fragt er sie leicht scherzend. „Du bist viel zu streng zu dir selbst. Ich liebe dich Marguerite und nichts wird das ändern können,“ gestand er ihr und in seiner Stimme konnte sie hören wie ehrlich er dies meinte.

Marguerite sah langsam zu ihm auf, um ihm in die Augen sehen zu können. Sie konnte die ganze Liebe, die er für sie empfand in ihnen spiegeln sehen. „Ich liebe die auch,“ erwidert sie leise, fast wie ein flüstern.

Roxton bekam ein erleichtertes Gesichtsausdruck und beugte sich langsam zu ihr vor. Vorsichtig berührte er ihre Lippen mit den seinen. Sie erwidert seinen Kuss zaghaft. Bevor der Kuss leidenschaftlicher werden konnte, hörten sie aus der Ferne, Veronika nach ihnen rufen.

Sofort schnappte sich Roxton sein Gewähr, dass noch neben ihm auf dem Boden lag und rannte in die Richtung aus der ihre Rufe kamen.

Marguerite folgte ihm und schon nach kurzer Zeit kamen sie bei der erschöpften Veronika an, die Finn über ihre Schulter trug.

„Was ist passiert?“ fragte Roxton besorgt, während er ihr Finn abnahm, um sie den Rest bis zum Baumhaus zu tragen.

„Ich weiß es nicht. Wir waren auf dem Weg zurück nach Hause, als wir eine Pause einlegten. Finn wollte nur mal kurz unsere Trinkbehälter am Bach auffüllen und kam dann nicht mehr wieder. Als ich dann nachsah, wo sie so lange blieb, fand ich sie bewusstlos am Boden liegen,“ erzählte Veronika fast atemlos.

Als sie im Baumhaus waren, riefen sie gleich nach Challenger. Roxton legte Finn vorsichtig in ihr Bett. „Was ist denn los?“ fragt Challenger aufgeregt, als er in ihr Zimmer stürmte, nachdem er die Anderen nach ihm rufen hörte.

Veronika erzählte ihm was geschehen ist und Challenger untersuchte Finn daraufhin, konnte aber auch keine Erklärung für ihre Bewusstlosigkeit finden.

Challenger hielt es für das Beste, Finn erst einmal ausruhen zu lassen, da er hoffte dass sie von selbst wieder aufwachen würde. Alle bis auf Veronika verließen das Schlafzimmer und begaben sich in die Küche.

„Was denkst du was sie hat?“ fragt Marguerite Challenger ein wenig besorgt. „Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Es gibt keine Anzeichen dafür das sie sich den Kopf angestoßen, oder einen Schlag auf den Kopf bekommen hat. Wir können nur hoffen, dass sie von selbst wieder aufwacht,“ erklärte Challenger hilflos.

„Erst verschwindet Summerlee, dann Melone und jetzt Finn, zumindest ihr geistiger Zustand,“ erläutert Marguerite und die anderen konnten spüren, wie nahe es ihr ging.

Roxton nimmt unter dem Tisch beruhigend ihre Hand, da er wusste, dass sie dies niemals vor anderen dulden würde und erklärte ihr, dass Melone wiederkommen würde und Finn bald ihr Bewusstsein wieder gelangen würde. Marguerite hätte normalerweise einen Einwand gebracht, aber sie wollte vor Challenger nicht so zerbrechlich wirken und stimmte daher Roxton zu.

Währenddessen hält Veronika Finns Hand und legt ihr kühlende Umschläge auf die Stirn. Sie redet immer wieder auf Finn ein, dass diese doch wieder wach werden soll, da sie ihr sonst sehr fehlen würde.

Nach einer Weile bewegte sich Finn plötzlich ein wenig. Veronika schrick davon richtig auf, da sie das zwar erhofft, aber nicht wirklich erwartet hatte.

„Finn, wach auf,“ fordert sie ihre Freundin hoffend auf. Finn bewegte sich immer mehr und es schien wirklich so, als würde sie jetzt aufwachen. Veronika rief sofort nach den anderen.

Sofort stürmten alle drei besorgt ins Zimmer und Veronika erklärte ihnen, dass Finn soeben dabei ist aufzuwachen. Alle warteten darauf das Finn ihre Augen aufschlägt.

`Mach schon, mach deine Augen auf, dass kann doch nicht so schwer sein´
`Ich bin wirklich gespannt, was ihr wiederfahren ist. Hoffentlich wacht sie jetzt auf´
`Sie wird es schaffen, Finn kann sowieso nie still sitzen, da hätte mich es wirklich gewundert, wenn sie für länger liegen würde´
`Hoffentlich geht es ihr gut und sie hat nicht so was wie Gedächtnisverlust´


Finn macht langsam ihre Augen auf und schaut nun auf vier Personen, die sie besorgt anstarren.

„Was ist denn hier los?“ fragt sie verwirrt. `Natürlich, wir machen uns hier sorgen und derweil fehlt ihr noch nicht mal was´ hörte sie von Marguerite. „Du warst den halben Tag bewusstlos, kannst du dich noch erinnern was am Bach geschehen ist?“ fragt sie nun Veronika. „Nicht mehr wirklich, aber ich kann mich noch an eine alte Frau erinnern, an mehr aber nicht,“ erzählte Finn angestrengt. `Interessant. Was es wohl mit der alten Frau auf sich hat´ hörte Finn nun aus Challengers Richtung, obwohl dieser nicht seinen Mund bewegte. „Es ist wohl besser, wenn du dich noch ein wenig ausruhst, vielleicht kannst du dich ja später an mehr erinnern,“ sagte Challenger und machte die anderen darauf aufmerksam, ihr Zimmer zu verlassen. `Jetzt wo es Finn besser geht, kann ich hoffentlich das Gespräch mit Marguerite weiterführen´ hört sie von Roxton bevor dieser als letztes ihr Zimmer verlässt.

„Au man, ist das krass,“ sagte Finn zu sich selbst, als sie wieder vollkommen alleine in ihrem Zimmer ist, „ich kann die Gedanken anderer hören,“ fügte sie noch flüsternd zu sich selbst hinzu.

Erst schien sie erschrocken darüber zu sein, aber als sie ein wenig darüber nachdachte und darüber was für Vorteile dies haben kann, huschte ihr ein Lächeln über das Gesicht.

Sie entschied sich doch noch ein wenig zu schlafen, da es so scheint, dass noch eine sehr aufregende Zeit vor ihr lag.

Finn hat die ganze Nacht hindurch geschlafen und wird nun durch den Sonnenschein, der durch ihr Fenster kommt, langsam wach. Sie nahm durch die Geräusche, die aus der Küche kommen, an, dass die Anderen auch schon wach sein müssten. Langsam stand sie auf und machte sich auf den Weg in die Küche. Bevor sie ihr Zimmer verließ, fiel ihr noch mal ein, was gestern passiert ist. Nach kurzem überlegen, nahm sie an, dass sie sich dies nur einbildete und sie das wohl letzte Nacht geträumt haben muss.

„Guten Morgen Finn,“ wünschte ihr Marguerite, als Finn gerade an den Frühstückstisch ankam. `Endlich erscheint sie auch mal, eigentlich währe sie heute Morgen mit Frühstückmachen an der Reihe gewesen, aber nein, es bleibt ja wiedereinmal alles an mir hängen´ kam aus Marguerites Richtung. Finn schaute erst verwirrt, wünschte aber dann doch noch allen einen guten Morgen.

Finn setzte sich und nahm sich ein Toastbrot, das Challenger extra für sie getoastet hat. `Ob ich sie jetzt schon auf die gestrigen Ereignisse ansprechen soll, oder erst später?´ hört sie Challenger sich fragen. „Wie geht es dir heute Finn?“ fragt Challenger sie. „Gut, danke der Nachfrage,“ antwortet sie ihm ein wenig aus den Gedanken gerissen, da sie so beschäftigt war allen zuzuhören, worüber sie so nachdachten.

`Ist er nicht der reinste Gentleman?´ hört sie Marguerite denken, nachdem Roxton ihr noch mal Kaffee nachschenkte. `Sie ist so wunderschön, ich könnte ihr jeden Morgen Kaffee einschenken, für den Rest meines Lebens´ hört sie Roxton denken, nachdem er Marguerites Lächeln vernommen hatte. `Ich wünschte Ned währe hier´ hört sie von Veronika, als sie die Blicke die sich Roxton und Marguerite zuwarfen sah.

Finn fühlte sich erst ziemlich unwohl, die Gedanken der Anderen zu belauschen, aber dann dachte sie, dass es schon einen Grund geben wird warum sie diese Gabe bekommen hat und da sie sowieso nichts dagegen machen konnte, hörte sie einfach weiter zu.

„Kannst du dich erinnern, was gestern passiert ist?“ fragt Challenger sie interessiert. Finn wand sich wieder ihm zu, um ihm zu antworten. „Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich an einem Bach unsere Wasserbehälter auffüllen wollte. Dann stand plötzlich eine sehr alte Frau hinter mir. Sie erzählte mir, dass ihr Name Shalia sei und das sie allwissend ist, doch das sie mir nicht verraten könne wo der Weg vom Plateau ist und dann wachte ich hier im Baumhaus auf,“ erzählte sie Challenger ausführlich, bis auf den Teil, dass sie die Gedanken Anderer seitdem lesen kann.

Nachdem alle mit dem Frühstück fertig waren, machte sich Marguerite auf den Weg die Wäsche zu waschen, Veronika, sich um den Garten zu kümmern, John ging Jagen, Challenger ging in sein Labor und Finn blieb vorerst allein im Esszimmer zurück.

Challenger hat ihr zwar gesagt, sie solle sich noch ausruhen, aber Finn dachte sich, dass wenn sie schon mal solch eine Fähigkeit hat, sollte sie diese auch nutzen, wer weiß wie lange sie diese noch besitzt. Sie konnte sich zwar zuerst nicht entscheiden, wessen Gedanken sie mehr interessierten. Ihr wurde aber relativ schnell klar, welche Person die geheimnisvollste von allen ist.

Sie machte sich sofort auf dem Weg und kam auch sehr schnell am kleinem See an, an dem diese Person mit dem Rücken zu ihr arbeitete.

„Hi Marguerite, soll ich dir helfen?“ fragt Finn sie plötzlich. Marguerite hat sich erschrocken, da sie damit nicht rechnete und hätte beinahe eins von Johns Hemden davon schwimmen lassen. „Finn, was machst du denn hier? Hat Challenger dir nicht Bettruhe verordnet?“ fragt Marguerite sie und dreht sich zu ihr um. ` Was will sie denn hier, als ob ich nicht genug zu tun habe, jetzt soll ich auch noch Babysitter spielen´ hört Finn sie denken.

„Ja hat er, aber du kennst doch Challenger er übertreibt es immer ein wenig und ich dachte mir, du könntest vielleicht Hilfe gebrauchen,“ erklärt ihr Finn freundlich, da Marguerite es ihr nicht anmerken durfte, dass Finn wusste was diese soeben dachte.

„Könnte ich wirklich. Nimm dir einfach was aus dem Korb, du weißt doch hoffentlich wie das geht,“ entgegnet sie Finn ein wenig misstrauisch und wendete sich wieder ihrer Arbeit zu. `Finn hilft mir bestimmt nicht freiwillig, da steckt irgendwas dahinter, niemand macht was umsonst´ fing Marguerite an darüber nachzudenken und Finn hörte ihr gespannt zu, während sie versucht eins der Handtücher sauber zu bekommen.

`Vielleicht macht sie es ja doch freiwillig und versucht nur mehr Zeit mit mir zu verbringen... so ein Blödsinn, als ob Finn, ...als ob irgendjemand freiwillig Zeit mit mir verbringen will... Außer vielleicht John... aber er ist bestimmt wie all die anderen Männer auch... nein, John ist anders... hoffe ich...nein, weiß ich... er ist was besonderes... und er ist der erste Mann, der mich wirklich liebt, so wie ich bin... und den ich auch liebe... aber ich weiß dass wir keine gemeinsame Zukunft haben... es ist einfach unmöglich... auch wenn er es anscheinend nicht einsieht... er hat was besseres als mich verdient... und wenn er erst mit einer Anderen zusammen ist und mit ihr ein glückliches Leben führt, so wie er es verdient hat... wird er froh sein, sich doch noch richtig entschieden zu haben´ Finn konnte nicht nur diese Gedanken von Marguerite hören, sondern auch die ganzen Emotionen die sie dabei hatte fühlen. Finn wusste, dass die beiden etwas füreinander empfinden, aber dass es so ernst ist, hätte sie nicht gedacht.

„Marguerite, kann ich das so lassen?“ fragt Finn sie und streckt ihr das Handtuch entgegen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Marguerite dreht sich zu ihr um, „ja, so ist es in Ordnung,“ antwortet sie ihr und wand sich wieder Roxtons Hemd zu. `Wer hätte gedacht, dass die aus der Zukunft doch noch Kenntnisse in der guten alte Waschkunst haben´ dachte Marguerite und musste bei dem Gedanken lächeln.

Nachdem sie mit dem Waschen fertig waren, trugen sie den Korb mit der nun sauberen Wäsche zurück, um es aufzuhängen.

Finn hatte sich mehr erhofft, von der hübschen Erbin zu erfahren, da sie nicht damit gerechnet hatte, dass diese den ganzen Tag an nichts als an Roxton dachte.

Sie hängten die Wäsche an einer Leine auf, die sie innerhalb des elektrischen Zaunes gespannt hatten. `Ich frag mich was John gerade macht... hoffentlich ist er nicht mehr sauer wegen gestern Nachmittag... er hat ja Recht... ich weiche im wirklich immer aus, wenn er sich mir nähert... aber wenn ich mich auf ihn einlassen würde... währe das sein verderben und das kann ich nicht zulassen... wie er sich immer um mich bemüht... so süß... aber bei meinen ersten beiden Ehemännern habe ich das auch immer gedacht... und dann haben sie sich zu dem genauen Gegenteil entwickelt... noch einmal könnte ich das nicht ertragen... und ich will es auch nicht... außerdem sobald John von meiner Vergangenheit erfahren würde, würde er sowieso nichts mehr von mir wissen wollen´ dachte Marguerite, während sie mit Finn die Wäsche aufhängt.

Finn spürte, dass Marguerite sich in der größten Menschenmenge einsam fühlen würde. Sie fühlte sich dadurch unwohl, weil sie nicht wusste wie sie darauf reagieren sollte.

„Marguerite, was denkst du, ob Veronika jetzt nachdem sie soviel über ihre Eltern in Erfahrung brachte, ihr Mutter auch finden wird?“ fragte Finn sie, um sie auf ein anderes Thema zu bringen. „Ich hoffe es für sie, sie sucht immerhin schon so lange und da würde ich es ihr schon wünschen,“ entgegnete Marguerite ihr.

`Wo wohl meine Eltern sind?... Ob sie manchmal an mich denken?... und wenn ja, was sie wohl über mich denken?... bestimmt nichts Gutes, sonst hätten sie mich ja nicht weggegeben... vielleicht mussten sie mich weggeben, zu meinen eigenem Schutz... nein, das glaub ich nicht... sie wollten mich einfach nicht haben... meine Eltern haben von Anfang an gewusst, was für ein schlechter Mensch ich bin... tia und damit hatten sie ja schließlich auch Recht... sie sind bestimmt ohne mich besser dran gewesen... aber warum gaben sie mir dann dieses Medaillon?... vielleicht liebten sie mich ja doch... vielleicht nur so ein Bisschen... ob ich es jemals herausfinden werde?... wenn sie mich geliebt hätten, hätten sie mich ab und zu in diesen furchtbaren Klosterinternaten besucht... ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass jemand kommt und mich abholt... oder mich wenigstens Besucht... aber es kam nie jemand... ich blieb immer allein zurück... die anderen Kinder hatten schon Recht... ich bin seltsam... und daher kein bisschen liebenswert´ waren nun Marguerites Gedankensprünge.

Finn war richtig erschrocken darüber, da sie nicht wusste, dass Marguerite ihre Eltern gar nicht kannte und das sie ihr ganzes Leben über so einsam war. Sei musste irgendwas tun um sie aufzuheitern, aber was?

Als sie mit dem Wäscheaufhängen fertig waren und die Körbe gerade weggeräumt hatten, kam Finn eine Idee, mit der Marguerite bestimmt nicht rechnen würde.

Finn ging auf Marguerite zu und umarmte sie. „Ich hab dich lieb, du bist wie eine Schwester für mich, die ich nie hatte, aber mir immer gewünscht habe zu haben,“ sagte Finn der nun vollkommen verwirrten Marguerite. Marguerite wusste nicht was sie sagen sollte, da sie damit nicht gerechnet hatte. Finn löste sich aus der Umarmung und ging nun Richtung Garten. `Was war denn das?´ hört sie noch Marguerite denken, bevor sie aus ihrer Reichweite war.

Finn schlich sich leise an Veronika heran. Dabei trat sie auf einen Ast, der dann einen Knacks machte. `Ned!?´ hört sie von Veronika bevor sich diese Hoffnungsvoll umdrehte. „Nein, ich bin es nur,“ meinte Finn scherzend. „Wie meinst du das, ich hab doch gar nichts gesagt,“ fragt Veronika sie erstaunt. „Ich.. am... von deinem Gesichtsausdruck konnte ich schätzen, dass du jemand Anderen erwartet hast,“ redete sich Finn heraus. „Ach so,“ erwiderte Veronika. `Finn benimmt sich seit dem sie Bewusstlos war, irgendwie merkwürdig, ich hab fast das Gefühl, dass sie uns nicht alles darüber sagte, sondern noch irgendwas verheimlicht´ dacht Veronika über Finns Verhalten nach.

Finn war richtig erschrocken darüber, wie gut Veronika sie doch einschätzen konnte. Um nicht noch mehr Aufsehen zu errichten, ging sie Mittagessen für alle machen.

Als sie mit dem Kochen fertig war, rief sie die andern. Als alle an dem bereits gedeckten Tisch saßen, begannen sie zu essen.
„Finn ich wusste gar nicht, dass du so gut kochen kannst,“ lobte Challenger sie. `Ein wenig länger kochen hätte sie es schon lassen können... na ja, es ist wenigstens besser, als die Kochkünste von Marguerite´ hört sie Challenger denken. Die Anderen lobten sie ebenfalls für das gute Essen, aber Gedacht haben sie alle was anderes.

Nachdem alle fertig waren mit dem Essen, fragte Finn sie, was sie heute Nachmittag alle so machen. „Also ich werde in meinem Labor sein, da ich gerade an einer neuen Erfindung arbeite,“ entgegnete Challenger. `Wenn es fertig ist, kommen wir endlich nach Hause, da ich damit die Stelle herausfinden kann, an der keine Aufwinde sind... ich bin ein Genie... wenn ich erst wieder in London bin, werden die im Zoologischem Institut staunen, was ich alles Erfunden habe... keiner wird mehr über mich lachen... ich freue mich jetzt schon über ihre Gesichter, die sie dann machen werden´ hört Finn Challenger denken, während dieser sich auf den Weg in sein Labor macht.

„Ich werde draußen noch etwas malen,“ antwortet ihr Veronika. `das wird mich ein wenig ablenken... ob Ned jemals wieder zurück kommt?... Lebt er noch?... Ich hätte ihm damals sagen sollen, was ich für ihn empfinde... dass ich mehr als nur Freundschaft für ihn empfinde... aber jetzt ist es zu spät... Morgen werde ich mich wieder auf die Suche nach Avalon machen... vielleicht habe ich morgen ja Glück und ich finde meine Mutter endlich´ dachte Veronika zu sich und sucht sich schon mal ihre Zeichensachen zusammen.

„Ich habe noch einige Sachen zu flicken,“ entgegnet ihr Marguerite und ging zum Balkon, wo ihre Nähsachen sind, ebenso wie die Kleidung mit den Löchern.

„Tia und meine Gewähre sollten mal wieder geputzt werden,“ antwortet ihr Roxton. `Und schon wieder geht mir Marguerite aus dem Weg... ich habe gehofft, wir könnten dort weiterreden wo wir gestern unterbrochen wurden... aber wie immer konnte sie sich davor drücken´ dachte sich Roxton während er alles für seine Gewehre herrichtet.

Finn entschloss sich noch ein wenig lesen zu üben und setzte sich mit einem Buch in einen Sessel, der zwischen dem Tisch an dem Roxton saß und dem Balkon wo Marguerite nähte, stand.

`Marguerite geht mir immer aus dem Weg... immer wenn ich versuche mich ihr zu nähern, rennt sie vor mir davon... in der Höhle gestand sie mir, dass sie mich liebt und ich weiß das sie das tut... ich liebe sie ja auch... sie hat Angst, dass ich sie verletzte... aber das könnte ich niemals... wer hätte gedacht, dass ich eines Tages einer Frau so verfallen bin, wie Marguerite,´ dachte John sich, während er sein erstes Gewähr fertig geputzt und gehwachst hat.

`Ob er jetzt mit Absicht seine Gewähre putzt, nur um in meiner Nähe zu sein?... Ist er nicht süß?... Ich weiß, er wollte heute bestimmt darüber weiterreden, wo wir gestern unterbrochen wurden... aber ich kann nicht... ich weiß überhaupt nicht, was ich ihm darüber sagen soll... ich währe schon gerne mit ihm schwimmen gegangen... auch ohne Badeanzug... ich weiß auch genau was dann passiert währe... und es ist ja nicht so, dass ich was dagegen hätte... aber ich bin noch nicht so weit... noch nicht... John ist einer der geduldigsten Menschen die ich kenne, nicht jeder Mann würde so lange auf eine Frau warten... das muss bedeuten... das er mehr will, als nur eine kurze Affäre... auch in der Höhle war er, mal abgesehen von den Dingen die er mir an den Kopf warf, ... der reinste Gentleman... ich habe ihm dort endlich gestanden, dass ich ihn auch liebe... und dann hat er mich mit seinen weichen Lippen geküsst... so zärtlich, wie nur er küssen kann... dann küsste er sich an meinem Hals hinab... küsste meinen Nacken... meinem Ausschnitt hinab... öffnete mit seinen Händen meine Bluse... und fing an mich zu liebkosen überall wo kein Stoff ihn von meiner Haut trennte... und als er dann meine Hose öffnen wollte und ich ihn daran hinderte... weil ich noch nicht so weit war... bin...verstand er es... und versuchte auch nicht mich zu irgendwas zu drängen, wo ich nicht will´ dachte Marguerite verträumt.

Finn hielt es nicht mehr aus, ununterbrochen Roxtons und Marguerites Stimme in ihrem Kopf zu hören, wie sie beide über den jeweils anderen nachdachten.

„Das ist hier ja nicht mehr auszuhalten!“ schrie Finn, als sie aufstand und in ihr Zimmer rannte, um dort die erhoffte Ruhe zu finden.

„Was ist denn mit der los?“ fragte Roxton Marguerite verwundert. „Ich weiß auch nicht, aber sie ist heut schon den ganzen Tag so merkwürdig, irgendwas stimmt nicht mit ihr,“ antwortet ihm Marguerite.

Währenddessen legte sich Finn in ihr Bett. „Endlich ruhe,“ murmelt sie erleichtert zu sich selbst und schlief erschöpft ein.

Einige Stunden später wachte Finn wieder auf. Es wurde langsam dunkel auf dem Plateau und auch ruhiger.

Finn setzte sich langsam aufrecht in ihr Bett und hörte Geräusche aus der Küche, da anscheinend schon jemand dabei ist Abendessen zu machen.

Langsam stand sie auf. In ihrem Zimmer war es ruhig, sie konnte keinen einzigen Gedanken der Anderen hören und insgeheim wünschte sie sich auch, dass sie diese überhaupt nicht mehr hören könnte.

Leise ging sie aus ihrem Zimmer und schlich sich vorsichtig in die Küche. Voller Hoffnung betrat sie dies , wurde aber bitter enttäuscht.

`Marguerite sitzt da seelenruhig und liest ihr Buch, während ich hier das Abendessen mache, sie könnte wenigstens so freundlich sein und mir ihre Hilfe anbieten´ dachte Veronika verärgert. `Ich weiß genau, was Veronika jetzt denkt, aber da kann sie lange warten... immerhin habe ich heute Morgen das Frühstück zubereitet und dabei hat mir auch keiner geholfen´ kam von Marguerite gleichzeitig und Finn konnte die dicke Luft in dem Raum förmlich spüren.

„Hallo ihr beiden,“ machte Finn auf sie aufmerksam. „Hi, Finn. Wie geht es dir?“ fragte sie Veronika besorgt und auch von Marguerite wurde sie mit einem knappen „Hallo“ begrüßt. `Ich hoffe ihr geht es wieder besser und das wird nicht zur Gewohnheit, es reicht schon wenn Challenger regelmäßig verrückt spielt, da können wir nicht noch eine zweite brauchen´ dachte sich Marguerite, nachdem Veronika ihre Frage stellte.

„Mir geht es wieder viel besser, danke. Ich weiß auch nicht was los war, muss wohl irgendeine Nachwirkung der Bewusstlosigkeit gewesen sein oder einfach nur Schlafmangel,“ log Finn.

`Nachwirkungen vom Schlafmangel bestimmt nicht, eher von irgendwelchen Medikamenten, die sie von Challenger bekam´ dachte sich Marguerite nach Finns Erklärung.

„Wo sind Challenger und Roxton?“ versuchte Finn vom Thema abzulenken. „Challenger ist in seinem Labor und Roxton steht unter der Dusche,“ antwortet ihr Veronika freundlich. `John unter der Dusche, hm,... das muss ein Anblick sein´ dachte Marguerite verträumt.

„Hallo, die Damen,“ begrüßte Roxton die Drei, als er mit nassen Haaren die Küche betrat. Alle begrüßten ihn und er lobte gleich daraufhin Veronika, dass es hier so gut rieche. `Gott sei Dank kocht heute Veronika, noch mal was von Finn oder Marguerite würde mein Magen einfach nicht ertragen´ dachte er erleichtert, woraufhin Finn fast schon beleidigt war, sich aber nichts anmerken lassen durfte.

Es dauerte nicht mehr lange und Veronika war fertig mit dem Essen machen. Nachdem sie Challenger gerufen hatten, setzten sich alle an den bereits gedeckten Tisch und fingen mit dem essen an.

`Johns Haar sind immer noch ein wenig feucht,... das erinnert mich daran, wie wir uns damals aus dieser Höhle befreiten,... er war so süß... ich wollte mit ihm darüber reden, was drinnen passierte,... doch er wusste wie unwohl ich mich bei solchen Gesprächen fühle... und leitete vom Thema ab´ dachte Marguerite. `Wenn ich noch mehr Krypton hätte, müsste es funktionieren, ... bei den Fortschritten die ich mache, ... könnte ich in ein paar Tagen schon meinen ersten Testflug machen,... wieso bin ich eigentlich nicht schon eher auf diese Idee gekommen? ... ist ja auch egal, Hauptsache ich habe sie jetzt´ dachte Challenger gleichzeitig.

`Marguerite sieht wiedereinmal bezaubernd aus, wie immer... vielleicht habe ich heute Abend die Gelegenheit mit ihr über uns zu sprechen, ... hoffentlich weicht sie mir nicht noch einmal aus´ dachte Roxton, während Veronika gleichzeitig daran dachte, wo auf dem Plateau Avalon sein könnte.

Finn musste sich wirklich beherrschen, dass sie keinen Schreikrampf bekommt. Sie aß so schnell sie konnte, um sich mit einem Buch wieder in ihrem Zimmer zu verkriechen.

„Fällt es euch auch auf, dass Finn sich den ganzen Tag schon so seltsam benimmt?“ fragt Veronika ihre Mitbewohner, nachdem Finn gegangen ist. „Ja, sie hat mir heute morgen sogar freiwillig Wäschewaschen geholfen,“ entgegnete Marguerite. „Und dann hat sie mich urplötzlich umarmt und gesagt, dass sie mich lieb hat,“ fügte sie noch hinzu, woraufhin die anderen sie verwundert ansahen. „Das wundert mich kein bisschen, du bist ja auch eine liebenswerte Person,“ flüsterte Roxton zu Marguerite so leise, dass nur sie dies hören konnte.

„Irgendwas muss an diesem Bach gestern vorgefallen sein, wo sie uns verheimlicht,“ vermutete Challenger. „Aber was?“ fragte Roxton. „Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, dass wir das bald herausbekommen,“ entgegnete Challenger.

Challenger entschuldigte sich und verlies den Tisch, um in seinem Labor an seiner neuen Erfindung weiter zu arbeiten.

Roxton entgegnete zu Veronika, dass er den Tisch alleine abräumen wird und sie ihm nicht helfen muss, da sie ja schon das leckere Abendessen machte. Daraufhin ging Veronika in ihr Schlafzimmer um noch ein wenig zu lesen. Marguerite half Roxton beim abräumen und dann beim abspülen des Geschirres.

„Was willst du jetzt tun, wo wir mit der Hausarbeit fertig sind?“ fragte Roxton sie verspielt und sah sie mit diesem verführerischen Lächeln an. „Ich weiß nicht, was willst du denn jetzt tun?“ antwortet sie ihm mit einer Gegenfrage.

„Mir würde da schon etwas einfallen,“ entgegnet er ihr mit einem Lächeln und näher sich ihr langsam. Marguerite wusste was jetzt kommen würde, trotzdem wurde sie nervös und unsicher.

`Diesmal werde ich nicht davon laufen... diesmal nicht... ich werde hier bleiben und es endlich zu lassen´ konnte Finn Marguerite bis in ihr Zimmer denken hören.

„Nein, dass darf doch nicht war sein, jetzt habe ich noch nicht einmal in meinem Zimmer meine Ruhe,“ sagte Finn genervt zu sich selbst.

Roxton küsste Marguerite zärtlich auf ihre Lippen, während sein Hände auf ihrem Rücke ruhten. Seine Lippen verließen die ihre und er sah ihr tief in die Augen.

`Bitte renne nicht gleich wieder weg, wenn ich jetzt mit dir reden anfange´ konnte Finn Roxton denken hören. „Keiner stellt sich so an wie die Beiden, dass gibt’s doch nicht,“ sprach Finn gereizt zu sich selbst.

„Marguerite, ich will mit dir reden,“ fing Roxton vorsichtig an, woraufhin sie ihn mit ängstlichen Augen ansah. Er nimmt ihre Hände in die seinen. „Marguerite ich will mit dir zusammen sein, nicht nur diese Flirten zwischendurch und ab und zu ein Küsschen. Ich weiß dass du auch so fühlst, ... bitte lass deine Vergangenheit nicht zwischen uns stehen,“ gesteht er ihr in einem hoffenden und zugleich unsicheren Ton.

„John, ich weiß nicht.. meine Vergangenheit scheint wie ein dunkler Schatten über mich und wenn wir zusammen währen, würde sie auch über dich scheinen... und das kann ich nicht zu lassen,“ erklärt sie ihm mit einer leisen unsicheren Stimme.

„Aber wir lieben uns doch und nichts wird sich zwischen uns stellen können, nicht einmal deine Vergangenheit. Ich würde dich niemals verlassen...“ „Das sagst du jetzt, aber früher oder später wirst du mich verlassen, so ist es nun einmal, keiner haltet es für länger mit mir aus,“ unterbrach sie ihn.

„Du hast Angst verletzt zu werden, da dir schon zu oft weh getan wurde. Ich könnte dir niemals wehtun und ich könnte mir auch kein Leben ohne dich vorstellen. Als Sicherheit kann ich dir nicht mehr als mein Wort geben, du musst mir vertrauen,... ich liebe dich,“ versucht er sie zu überzeugen.

Sie hatte ihren Blick von ihm abgewendet, doch sah ihn jetzt wieder an. Seine Augen bestätigten, wie ernst es ihm ist und zeigten auch seine ganze Liebe die er für sie empfindet.

„Gut, dann versuchen wir es,“ flüsterte sie so leise, dass er es kaum hören konnte. „Mit uns?“ fragte er sie überrascht, da er es kaum glauben konnte, was sie mit einem kurzen Kopfnicken bestätigte.

Er umarmte sie überglücklich und küsste sie stürmisch. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher, bis sie ihn atemlos unterbrachen. Er fing an, an sich an ihrem Hals hinab zu küssen, während seine Hände weiter hinabrutschen. Marguerites Hände streichelten seinen Rücken und beide spürten eine unglaubliche Leidenschaft in ihnen empor steigen.

Plötzlich wurden sie durch einen lauten Schrei unterbrochen. Er kam von Finn, die gerade an ihnen vorbei stürmte.

„Was ist passiert?“ rief Roxton ihr fragend hinterher.

„Lasst mich in ruhe. Ich halte es einfach nicht mehr aus!“ schrie Finn, während der Fahrstuhl anfing nach unten zu fahren.

„Wo willst du denn hin?“ rief ihr Roxton zu, als er zum Fahrstuhl rannt, ihn aber nicht mehr rechtzeitig erreichte. „Jetzt ist sie vollkommen durchgeknallt,“ meinte Marguerite, als sie bei Roxton ankam.

„Was ist passiert?“ fragte Challenger verwirrt, durch das ganze Geschrei und auch Veronika kam aus ihrem Zimmer gesprungen.

Roxton erklärte ihnen was so eben passiert ist und alle waren sich einig, dass sie ihr hinterher gehen sollten. Sie schnappten sich ihre Gewähre und ein paar Lampen und als der Fahrstuhl wieder oben war, stiegen sie alle ein, um nach unten zu gelangen.

„Es ist vollkommen dunkel, wir finden sie nie,“ meinte Marguerite hoffnungslos. „Wir hören erst auf zu suchen, wenn wir sie gefunden haben,“ entgegnet ihr Veronika ernst.

„Seit mal leise,“ sagte Roxton und machte ein Handbewegung, dass sich keiner bewegen soll. „Hört ihr das?“ fragt er seine Begleiter. „Jetzt wo du es sagst, höre ich es auch. Klingt wie ein wimmern,“ antwortet Challenger.

Sie gingen in die Richtung aus der das Jammern kam und fanden Finn unter einem Baum am Boden liegend vor. Sie lag dort zusammengekrümmt und hielt sich ihre Ohren zu.

„Geht weg, lasst mich in ruhe!“ schrie sie ihre Freunde an, wobei sie schon sehr erschöpft klang.

„Finn, wir sind es, deine Freunde. Wir wollen dir doch nur helfen,“ versuchte sie Veronika zu beruhigen.

„Ihr könnt mir helfen indem ihr verschwindet,“ gab Finn geschwächt von sich.

„Nein, hört auf, hört auf,“ jammerte Finn, wobei ihre Freunde sie ziemlich ratlos ansahen.

„Mit was sollen wir aufhören?“ fragte sie Challenger mit einer ruhigen Stimme, um sie nicht noch mehr aufzuregen.

„Zu denken, hört auf zu denken. Ich will es nicht mehr hören, es ist so laut,“ entgegnete Finn zwischen ihrem schluchzen.

„Du kannst unsere Gedanken hören!“ rief Marguerite entsetzt und machte einen Schritt zurück.

„Das würde so einiges erklären,“ murmelte Challenger vor sich hin und holte aus seinem Rucksack, den er aus dem Baumhaus mitgenommen hat, ein Fläschchen heraus. Er schüttete ein wenig von dem Inhalt auf ein Taschentuch und ging damit zu Finn, um es ihr über die Nase und Mund zu halten. Finn war zu geschwächt um sich zu wehren und atmete die Flüssigkeit ein. Es dauerte nicht lange und sie wurde Bewusstlos.

„Das müsste sie jetzt einige Stunden schlafen lassen,“ erklärte er den Anderen.

Roxton hob Finn in seine Arme, um sie zum Baumhaus zurück zu tragen. Als sie dort ankamen, legte er sie ihn ihr Bett und ging mit den Anderen in die Küche.

„Das war es also, warum sich Finn heute die ganze Zeit so merkwürdig benahm,“ sagte Challenger, nachdem sich alle am Küchentisch versammelten. „Sie hat unsere Gedanken ausspioniert,“ brachte Marguerite immer noch entsetzt ein. „Aber wie können wir ihr helfen?“ fragte Veronika besogt. „Ich weiß es nicht,“ entgegnete Challenger. „Es muss gestern am Bach geschehen sein. Sie erwähnte was von einer alten Frau. Wir sollten Morgen dort hingehen und nach dieser alten Frau suchen, vielleicht kann sie uns dabei weiter helfen,“ meinte Challenger, worauf dann alle zustimmten.

„Wir können heute sowieso nichts mehr für sie tun. Es wird wohl das beste sein, wenn wir jetzt alle ins Bett gehen,“ sagte Challenger.

Veronika wollte erst bei Finn bleiben, aber hielt es dann doch für das beste sie in Ruhe zu lassen.

Alle gingen sie in ihre jeweiligen Schlafzimmern, um die nötige Ruhe für den nächsten Tag zu finden.

Es wurde wieder hell auf dem Plateau und alle, außer Finn, hatten sich am Frühstückstisch versammelt. Keinem war so richtig nach frühstücken zu mute, da sie alle an Finn denken mussten. Challenger musste ihr noch zwei mal in der Nacht Beruhigungs- und Schlafmittel geben, damit sie ihre nötige Ruhe fand.

Nachdem sie spärlich gefrühstückt hatten, entschlossen sie sich nun zu dem besagten Bach zu gehen, um mehr über das was Finn wiederfahren ist herauszubekommen. Challenger entschied sich hier zu bleiben, um sich um Finn kümmern zu können und so gingen Roxton, Veronika und Marguerite alleine los.

„Was denkt ihr, ob Finn all unsere Gedanken gehört hat?“ fragte Marguerite ihre Begleiter. „Ich würde es mal annehmen,“ entgegnete Veronika, die voraus läuft. „Warum so besorgt? Du wirst doch nichts unanständiges Gedacht haben,“ scherzte Roxton zu Marguerite, die neben ihm läuft und ihm daraufhin einen ernsten Blick zu warf.

Sie redeten den Rest des Weges kaum, da sie alle in ihren Gedanken versunken waren und darüber nachdachten, was Finn alles mitbekommen haben könnte.

Nach einer Weile kamen sie am Bach an und sie begannen an der Stelle, wo Veronika Finn gefunden hatte, nach irgendwelchen Hinweise darauf, was Finn zugestoßen ist, zu suchen.

„Hier ist absolut nichts, es ist vollkommen Sinnlos, es gibt ja noch nicht einmal Spuren davon, dass sie überhaupt hier war,“ gab Marguerite genervt von der Suche von sich. „Wir suchen auch erst seit einer halben Stunde,“ entgegnete Veronika gereizt.

„Finn wollte hier die Flaschen auffüllen, also muss sie das Wasser berührt haben,“ schlussfolgerte Roxton und begab sich zum Bach. Die beiden Damen sahen ihm interessiert zu, als er sich zum Wasser beugte und es berührte.

Alle Drei sahen sich daraufhin gespannt um, doch es geschah nichts.

„Vielleicht sollten wir eine Probe des Wassers mitnehmen, damit Challenger es analysieren kann,“ meinte Marguerite. Sie nahm daraufhin ihren Wasserbehälter und schüttete den Inhalt aus, dann begab sie sich ebenfalls zum Bach und kniete sich neben Roxton, um sie zu füllen.

Als sie die Flasche gerade unter Wasser tauchte, erschien plötzlich eine alte Frau vor ihnen.

„Sie müssen Shalia sein,“ sagte Marguerite zu der alten Dame. „Ja, das bin ich und ihr seit hier um eurer Freundin zu helfen,“ entgegnete diese freundlich. „Stimmt genau. Wir wollen sie darum beten, dass sie diesen Fluch von ihr nehmen,“ bat Roxton sie. „Aber das ist kein Fluch, sondern eine Gabe,“ wiedersprach sie ihm. „Sie will sie aber nicht haben,“ mischte sich Veronika ein. „Dann hätte sie nicht von meinem Wasser nehmen dürfen,“ meinte Shalia. „Sie wusste es ja nicht und es tut ihr leid, bitte nehmen sie diese Gabe wieder von ihr,“ bat Veronika. „Nein, ich kann leider keine Ausnahmen machen. Jeder wo mein Wasser berührt bekommt eine Gabe,“ erwiderte die alte Frau ernst, „die Menschen träumen immer von einer solchen Fähigkeit, doch wenn sie diese einmal haben, empfinden sie es plötzlich als Last,“ fügte sie hinzu, nahm wieder aus ihrem Beutel so was wie Sand und warf diese plötzlich in Marguerites Augen.

Roxton und Veronika sahen dies mit entsetzten. Marguerite verlor sofort das Bewusstsein und Roxton konnte sie gerade noch rechtzeitig auffangen.

Als sie die Beiden wieder der alten Frau zuwenden wollten, war diese auch schon verschwunden.

„Oh nein, Marguerite,“ gab Roxton entsetzt von sich und wandte sich, während er Marguerite in seinen Armen hielt Veronika zu. „Wir bringen sie am besten ins Baumhaus, vielleicht kann ja Challenger etwas für sie tun,“ versuchte sie ihn zu beruhigen.

Roxton trug sie den ganzen Weg zum Baumhaus und hielt sie beschützend in seinen Armen.

Als sie mit dem Fahrstuhl oben ankamen, suchte Veronika gleich nach Challenger, währen Roxton Marguerite vorsichtig in ihr Bett legte.

Veronika erklärte Challenger kurz was geschehen ist und dieser folgte ihr dann sofort zu Marguerite.

Als sie an ihrem Schlafzimmer ankamen, sahen sie Roxton an ihrem Bett sitzen und ihre Hand halten.

Challenger ging vorsichtig zu ihm und legte beruhigend seine Hand auf seine Schulter. „Sie wird bald wieder aufwachen,“ sprach er leise zu Roxton. „Ja, aber es wird ihr genauso ergehen wie Finn,“ entgegnete Roxton traurig. „Das wissen wir doch noch nicht,“ versuchte Challenger ihn zu beruhigen, was anscheinend nicht viel half.

„Vielleicht wissen die Zangas was darüber, ich könnte ja mal Assai fragen,“ unterbrach Veronika sie. „Das ist eine gute Idee,“ entgegnete Challenger ihr. „Ich werde sofort losgehen,“ erwidert Veronika und drehte sich schon zum loslaufen um. „Du kannst doch nicht alleine gehen, einer von uns wird dich begleiten,“ hielt Challenger sie auf. „George ich bin doch schon oft alleine im Jungel unterwegs gewesen. Keine Angst, ich kann auf mich selbst aufpassen und außerdem brauchen Finn und Marguerite euch,“ entgegnete sie ihm und lief los.

Nachdem Veronika gegangen ist, sah Challenger noch mal kurz nach Finn und ging dann wieder in sein Labor.

Roxton blieb bei Marguerite. Er hielt ihre Hand und machte ihr kalte Umschläge auf die Stirn.

Nach zwei Stunden kam Veronika im Zangadorf an. Sie ging sofort zu Assai, wo sehr überrascht darüber war ihre Freundin so früh wieder zu sehen. Veronika berichtete was geschehen ist und Assai ging dann gleich mit ihr zum Oberältersten, dem sie es noch mal erzählen musste.

„Mir ist dieser Bach bekannt, er hat schon vielen Zangakriegern den Verstand gekostet. Dieser Bach taucht alle fünf Jahre, für fünf Tage, an dieser Stelle auf und verflucht jeden, der davon was nimmt,“ erklärt der Oberälteste Veronika. „Und wie kann ich meinen Freunden helfen?“ fragt ihn Veronika besorgt. „Es gibt nichts was du für sie tun kannst. Mir ist noch kein Fall bekannt, indem einer von diesem Fluch, durch was anderes als den Tod, erlöst wurde,“ erwiderte er.

„Aber es muss doch irgendwas geben, wo wir tun können,“ meinte Veronika schon fast verzweifelt, woraufhin der Oberälterste verneinend seinen Kopf schüttelte.

Doch dann schien ihm doch noch eine Idee zu kommen. Veronika sah ihn hoffend an, als er langsam zu erzählen begann. „Es gibt aber auch wenige, die es schafften mit der Gabe zu leben und ich glaube ich hörte doch einmal von einem Fall, in dem jemand seine Gabe los wurde.“ „Und wie?“ fragte Veronika voller Hoffnung. „Er hat sie einem anderem weitergegeben, indem dieser ein wenig von seinem Blut getrunken hatte,“ erzählt er ihr, woraufhin sie ihn entgeistert ansah. „Wenn du deinen Freunden helfen willst, musst du eine halbe Tasse voll Blut von ihnen besorgen und dies einem Anderem unters Essen mischen,“ verdeutlicht er es.

Veronika unterhielt sich noch länger mit ihm und dann wurde es zu spät um noch nach Hause zu gehen. Assai bot ihr an, die Nacht im Zangadorf zu verbringen, was Veronika auch dankend annahm.

Währenddessen saß Roxton immer noch bei Marguerite am Bett. Zärtlich streicht er ihr über die Wange und gibt ihrer Hand, die er immer noch in der seinen hielt, einen Kuss.

„Marguerite, wach bitte wieder gesund auf. Was sollte ich nur ohne dich machen, mein Leben hätte keinen Sinn mehr. Ich liebe dich über alles...“ sprach er leise zu ihr und wurde von einem Stöhnen, das von ihr kam, unterbrochen.

Marguerite bewegte sich langsam und machte vorsichtig ihre Augen auf. „John?“ fragte sie leise und geschwächt. „Ich bin hier Liebes,“ antwortet er ihr erleichtert und Marguerite drehte langsam ihren Kopf in seine Richtung, allerdings schien es so, als würde sie nicht ihn ansehen, sondern durch ihn durchschauen. Roxton wurde von ihrem starren Blick verunsichert. „Ist alles o. k. mit dir, geht es dir gut?“ fragt er sie besorgt.

„Ich... ich kann nichts sehen,“ antwortete sie ihm ängstlich. Roxton bekam es ebenfalls mit der Angst zu tun, durfte dies ihr aber nicht zeigen. „Kannst du überhaupt nichts sehen?“ fragt er sie mit unterdrücktem entsetzen. „Ich bin vollkommen blind,“ entgegnet sie ihm voller Furcht.

„Ich werde Challenger holen, er soll sich deine Augen mal ansehen,“ sagte er zu ihr und wollte sich gerade auf den Weg machen, als sie seinen Arm noch festhielt. „John nein, bitte lass mich nicht allein,“ bat sie ihn. „Das werde ich nicht, ich werde gleich wieder zurück sein, versprochen,“ entgegnete er ihr und gab ihr zur Beruhigung noch einen Kuss auf die Wange.

Zwei Minuten später war er mit Challenger wieder zurück. Roxton nahm sofort wieder ihre Hand und Challenger fragte sie, ob sie schon etwas von einer neuen Fähigkeit gespürt hätte, was sie ihm wiederum verneinte.

Challenger hielt eine Kerze vor ihren Augen, um sie sich ein wenig näher ansehen zu können.

Als er mit der Untersuchung fertig war, sah ihn Roxton fragend an.

„Ich kann keine Erklärung über deine verschwundene Sehkraft finden. Deine Augen sehen sehr Gesund aus,“ berichtete er.

Plötzlich kam ein lauter Schrei aus Finns Zimmer. Challenger rannte sofort zu ihr. Roxton blieb bei Marguerite, da Finn die Nähe von zwei Personen einfach nicht ertragen würde.

„Finn, es wird alles wieder gut,“ sprach Challenger beruhigend auf sie ein und gab ihren einen Beruhigungstee.

„George lüg mich nicht an, ich weiß genau was du denkst,“ gab sie gereizt von sich. „Marguerite hat es jetzt auch noch erwischt! Ich muss schon sagen, ihr kommt wirklich klasse voran,“ fügte sie sarkastisch hinzu.

„Es ist wohl besser, wenn du noch ein wenig schlafen würdest,“ entgegnet er ihr fürsorglich.

„Du hast doch nur Angst davor, was ich alles herausfinden könnte. Aber nah schön, schlafe ich halt noch ein bisschen,“ gab Finn nach, nachdem sie die Wirkung des Tees spürte.

Währenddessen sitzt Roxton immer noch bei Marguerite am Bett.

„John, wenn ich jetzt für immer blind bleibe...“ fing sie an, doch dann wurde sie von Roxton unterbrochen. „Wirst du nicht.“ „Aber wenn doch, dann währe dies wirklich eine Zumutung für dich,“ fuhr sie fort. „Marguerite sag so was nicht. Du währst niemals eine Zumutung für mich und das weißt du auch. Wenn du jetzt Angst hast ich könnte dich verlassen, kann ich dich beruhigen, denn ich werde niemals von deiner Seite weichen und dich auch niemals im Stich lassen. Ich liebe dich,“ entgegnet er ihr zärtlich und voller Überzeugung.

Marguerite, die inzwischen aufrecht im Bett sitzt, läuft eine Träne über die Wange. Roxton nimmt ihr Gesicht in seine Hand und wischt mit dem Daumen ihre Träne vorsichtig weg. Langsam beugt er sich zu ihr und küsst sie behutsam, um sie nicht zu erschrecken. Danach nimmt er sie beschützend in den Arm, was sie auch erwiderte und sich fest an ihn drückt.

„Ich liebe dich auch John,“ flüstert sie in seinen Nacken, doch auch wenn es so leise war, hat er es dennoch verstanden. „Zusammen schaffen wir das, versprochen,“ redet er ihr gut zu.

Langsam löst er sich aus der Umarmung. „Es ist schon spät, du solltest dich ein wenig ausruhen und schlafen,“ sagte er führsorglich zu ihr, woraufhin sie ihm Recht gab, da sie wirklich schon ziemlich müde war.

Sie legte sich wieder hin, bevor Roxton sie vorsichtig zudeckte und ihr einen Gutenachtkuss auf die Stirn gab.

„John,“ „Ja?“ entgegnete er, wo sich gerade auf den Weg in sein Zimmer machen wollte.

„Kannst du heute Nacht hier schlafen?“ fragt sie ihn ein wenig ängstlich. „Aber natürlich,“ entgegnet er ihr glücklich und zog sich schon mal seine Schuhe aus.

Vorsichtig legte er sich neben sie und nahm sie ihn den Arm.

In seinen Armen fühlt sie sich immer so sicher und geborgen. Gefühle die ihr eigentlich noch vollkommen neu sind.

Er gibt ihr noch einen Kuss auf die Stirn und dann wünschen sie sich gegenseitig eine gute Nacht.

Fünf Minuten später, Roxton ist inzwischen fest eingeschlafen, ist Marguerite immer noch wach. Sie denkt über sich und Roxton nach und wie es mit ihnen weitergehen wird.

Plötzlich sieht sie etwas vor ihr, es ist wie eine Vision.

Sei sieht sich selbst und Roxton. Beide sind ungefähr 10 Jahre älter und liegen in einem großem Bett, welches in einem wunderschönem Schlafzimmer steht. Sie sieht wie Roxton ihr älteres Ich küsst und alles gute zum Hochzeitstag wünscht. Beide sehen sehr glücklich aus und Marguerite beobachtet die beiden wie ein unsichtbarer Besucher. Plötzlich geht die Schlafzimmertür auf und vier Kinder kommen herein gestürmt. Die älteste war am schnellsten bei ihren Eltern ins Bett gehüpft und wünschte ihnen einen wunderschönen Hochzeitstag. Roxton nannte sie Lizzy. Sie schien ungefähr acht Jahre alt zu sein und hatte braune lange Haare. Der zweite wo ins Bett hüpfte und seine Eltern stürmisch beglückwünschte, wurde von Marguerite mit William angesprochen. Er war ungefähr sechs Jahre alt und hatte braune kurze Haare. Die beiden langsamsten schienen Zwillinge zu sein und waren auch nicht älter als drei Jahre alt. Das Mädchen hatte dunkle gelockte lange Haare und hieß anscheinend Rebecca und der Junge Namens Matthew, hatte kurze dunkle Haare, wo ebenfalls leicht gelockt schienen.

Marguerite sah wie glücklich ihr älteres Ich, inmitten ihrer kleinen Kindern, neben ihrem Mann aussah.

Die Vision verschwand und Marguerite wusste nun was ihre neue Gabe ist.

Glücklich, über das was sie sah, schlief sie langsam in Roxtons Armen ein.

Marguerite wurde durch einen lauten Schrei, der nach Finn klang, aus ihrem Schlaf gerissen. Auch Roxton wurde dadurch geweckt und wollte kurz nachsehen, was geschehen ist. Er versprach Marguerite gleich wieder zurück zu kehren und so lies sie ihn dann auch gehen.

Ängstlich, durch die Dunkelheit blieb Marguerite allein zurück. Sie zog die Decke bis an ihr Kinn und versuchte krampfhaft was zu sehen, doch sie sah nur die Dunkelheit. Ihr gesamtes Umfeld erschien unter einem schwarzem Schleier zu ersticken.

Sie versuchte sich abzulenken und so dachte sie darüber nach, was sie vor dem einschlafen gesehen hatte.

Sie wünschte sich diese Zukunft so sehr, doch irgendwie konnte sie das nicht richtig glauben und redete sich ein, dass sie sich das nur eingebildet hat.

Währenddessen versucht Roxton Finn festzuhalten, damit ihr Challenger mehr Beruhigungsmittel geben kann. Langsam lässt ihre Kraft immer mehr nach und nach einer Weile kann sie Roxton ganz los lassen.

„Was denkst du Challenger, ob Veronika schon mehr darüber erfahren hat?“ fragt Roxton seinen Freund. „Ich hoffe es,“ erwiderte er ihm „ich habe beide untersucht, bin aber auf keine Erklärung über das was mit ihnen geschieht, gekommen. Veronika ist unsere letzte Hoffnung,“ fügte Challenger noch hinzu.

Leise verließen sie Finns Zimmer. „Wie geht es Marguerite?“ fragt Challenger Roxton, nachdem sie Finns Tür hinter sich verschlossen hatten. „Unverändert und den Umständen entsprechend,“ antwortet dieser ihm. „Außer der Blindheit hat sich nichts anderes bemerkbar gemacht?“ fragt Challenger weiter. „Nein, vielleicht ist das schon ihre Gabe,“ bekam er als Antwort. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht hat sich schon eine neue Fähigkeit hervor getan und sie hat uns nur noch nichts davon gesagt,“ dachte Challenger laut darüber nach. „Das hätte sie uns bestimmt erzählt,“ versuchte Roxton Marguerite zu verteidigen. „John, sie hat uns schon oft was verheimlicht und Finn hat es uns auch nicht sofort gestanden,“ erklärt Challenger. „Ich kann sie ja noch mal fragen,“ erwidert Roxton und wünschte Challenger noch eine gute Nacht.

Challenger ging in sein Labor, anstelle von seinem Schlafzimmer und Roxton ging wieder zurück zu Marguerite.

Leise öffnete er die Tür und betrat ihr Zimmer. Er wusste nicht ob sie schon wieder eingeschlafen ist und wollte sie auf keinen Fall wecken.

„John, bist du es?“ fragte Marguerite, als sie von einem Geräusch hochschreckt. Ihre Augen waren weit aufgerissen und blickten suchend umher. Völlig hilflos sitzt sie in ihrem Bett und Roxton verfluchte sich in diesem Moment selbst dafür, dass nicht er die Wasserbehälter aufgefüllt hat.

„Ja, ich bin es. Es tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe,“ entschuldigte er sich, woraufhin Marguerite sichtlich beruhigt war und sich langsam entkrampfte.

Er legte sich wieder neben ihr ins Bett und sie schmiegte sich entspannt an ihn.

„Wie geht es Finn?“ fragte Marguerite besorgt. „Ihr geht es wieder besser, aber sie wird immer empfindlicher für die Gedanken anderer. Hoffentlich kommt Veronika bald mit einem Heilmittel zurück,“ antwortete Roxton, dessen Hand auf Marguerites Rücken ruht.

Unter ihrer Hand konnte sie Roxtons Herzschläge durch sein Hemd pochen fühlen, der sich langsam zu beruhigen scheint. Sie fühlte sich ihm so nahe wie sie sich noch zu keinem fühlte. Seine Arme lagen beschützend um sie und sie konnte den anziehenden Duft seiner Haut riechen.

„Marguerite,“ sagte er plötzlich. „Ja,“ „Ich habe dich jetzt doch nicht geweckt, oder?“ fragte er. „Nein,“ „kann ich dich etwas fragen?“, woraufhin Marguerite bei dieser Frage ein wenig verunsichert wurde. „Kommt darauf an,“ antwortet sie lächelnd.

„Hast du schon eine übernatürliche Gabe bemerkt?“ fragt er sie vorsichtig, woraufhin sie ihm erst mal keine Antwort gab, da sie nicht wusste was sie sagen sollte.

„Ich bin mir nicht sicher,“ antwortete sie schließlich doch noch ganz leise.

Roxton spürte wie verunsichert sie wurde. „Du weißt du kannst mir alles sagen,“ versuchte er sie dazu zu animieren es ihm zu erzählen.

Er konnte ihr Kopfnicken an seiner Schulter spüren. „Kannst du ebenfalls unsere Gedanken hören?“ fragte er sie vorsichtig. „Nein, das ist es nicht,“ antwortet sie ihm.

„Ich glaube ich habe meine Zukunft gesehen,“ erzählte sie langsam und er konnte fühlen wie viel Überwindung es ihr kosstete sich ihm gegenüber zu öffnen.

„Darf ich erfahren was du genau gesehen hast?“ fragt er sie leise und ein wenig verunsichert, da er nicht wusste, ob sie was gutes oder was schlechtes sah und ob er auch darin vorkam.

„Vielleicht erzähle ich es dir irgendwann einmal, aber jetzt noch nicht,“ erwidert sie ihm, woraufhin er Verständnis zeigte und sie auch nicht weiter drängte.

Sie erzählte ihm allerdings noch, wie es war diese Version zu haben und er schien damit zufrieden zu sein.

Am nächsten Morgen wurde Marguerite langsam wach. Als sie ihre Augen aufmachte war sie immer noch von schwarzer Dunkelheit umgeben. Die Hoffnung, sie könne am Morgen wieder sehen, waren wieder zunichte gemacht.

Mit ihrer Hand tastete sie langsam und vorsichtig in ihrem Bett umher, bis sie den warmen Körper, nach denen sie suchten, fand.

Sie legte sich wieder nahe an ihn und legte einen Arm um seinen muskulösen Oberkörper.

Plötzlich konnte sie wieder etwas sehen, genau wie am vorigem Abend.

In dieser Version sah sie wieder sich und Roxton, diesmal aber ungefähr zwanzig Jahre älter als jetzt. Sie stehen an einem Friedhof vor einem Grab mit noch sehr vielen Anderen Leuten um sie herum. Marguerite erkannte drei der Kinder wieder, die jetzt allerdings schon Jugendliche waren und neben ihrem älteren Ich standen. Sie konnte auch Finn, wo anscheinend ebenfalls in Begleitung war, Veronika und Melone erkennen. Sie sind alle in schwarz gekleidet und Marguerite hält Roxtons Hand.
Sie konnte diese tiefe Trauer, die von ihnen ausging, spüren, als der Pfarrer plötzlich zu sprechen begann. „Wir haben uns heute hier versammelt um abschied von Matthew John Roxton zu nehmen. Er wurde geboren am 06.Mai 1929 und starb am 10.Juli 1942 an den Folgen eines tragischen Unfalles...“
Ihr älteres Ich schluchzte und fing an bitterlich zu weinen. Roxton nahm sie beruhigend in den Arm und sie konnte erkennen, dass ihm ebenfalls Tränen über das Gesicht liefen.

Die Version verschwand wieder und Marguerite erschrak über diese Bilder. Roxton wurde von ihrem plötzlichen zurückzucken geweckte und drehte sich zu ihr.

Er wollte ihr einen guten Morgen wünschen, doch als er ihr entsetztes Gesicht sah, fragte er sie was geschehen ist. „Ich hatte schon wieder eine Version,“ antwortete sie ihm. Er konnte an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, dass es diesmal keine schöne Zukunftsaussicht war. „ Du sagtest doch, dass du dir nicht sicher darüber bist, ob es wirklich Versionen von deiner Zukunft sind,“ versuchte er sie zu beruhigen.

„Es sieht aber so echt aus,“ erklärte sie ihm mit einem Schluchzer.

Es brach ihm fast das Herz, Marguerite so hilflos neben ihm zu sehen. Er konnte nicht anders, als sie beschützend in seine Arme zu nehmen.

Marguerite konnte ihm nicht erzählen, was sie gesehen hatte. So lag sie einfach nur da, in seinen starken Armen und lies sich von ihm beruhigend über ihr Haar und ihren Rücken streichen.

„Wir sollten langsam aufstehen und etwas Frühstücken,“ sagte Roxton plötzlich, woraufhin Marguerite zustimmend nickte.

Er löste sich langsam von ihr und stieg aus dem Bett, dann nahm er ihre Hand, um ihr ebenfalls aus dem Bett zu verhelfen.

„Soll ich dir beim umziehen helfen?“ fragte er sie vorsichtig, da er nicht wusste ob sie alleine das Nachthemd, das ihr Veronika gestern anzog, herunter bekam, geschweige denn sich alleine was anderes anziehen konnte.

Marguerite war es unangenehm, da sie nicht wollte das er sie so hilflos sah. Sie wusste er würde niemals die Gelegenheit ausnutzen, wie anderes es eventuell täten, doch dann entschied sie sich einfach einen ihrer Morgenmantels rüber zu ziehen.

Roxton verhalf ihr hinein und brachte ihr dann ihre Bürste, damit sie sich kämmen konnte.

Als sie fertig war und auch Roxton sich gewaschen hatte, nahm er ihre Hand und führte sie zum Frühstückstisch.

Challenger war anscheinend noch in seinem Labor, als sie die Küche betraten. Roxton kümmerte sich rührend um Marguerite, er half ihr auf den Stuhl und machte ihr Frühstück und Kaffee.

Nach einer Weile kam auch Challenger aus seinem Labor. An seinen Augenringe konnte man erkennen, dass er in der Nacht anscheinend nicht viel geschlafen hatte.

Challenger war gerade dabei seine neue Erfindung zu erklären, als der Fahrstuhl nach oben fuhr. Roxton schnappte sich sofort sein Gewähr und zielte in Richtung Aufzug. Erleichtert lies er sein Gewähr sinken, als er erkannte, dass es Veronika war.

„Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt,“ scherzte er zu ihr. „Ich euch? Auf wen wurde denn hier eine Waffe gerichtet?“ entgegnete sie ihm grinsend.

Sie setzte sich ebenfalls an den gedeckten Frühstückstisch und berichtete den Anderen, was sie über diesen Bach alles erfahren hat.

„Wir können doch nicht diesen Fluch einfach an einen Anderen weitergeben,“ sagte Challenger entsetzt, nachdem Veronika fertig mit dem erzählen war. „Das meinte ich auch, aber es gibt anscheinend keine andere Lösung,“ erwiderte sie ihm.

„Ich würde die von Marguerite übernehmen,“ sagte Roxton plötzlich. „John...“ mehr brachte Marguerite nicht heraus, aus lauter Rührung aber auch entsetzten. „Roxton das kannst du nicht machen, wir finden eine andere Lösung,“ erwiderte ihm Challenger.

„Wir könnten es ja anstelle eines Menschen auch einem Dinosaurier geben,“ brachte Veronika ein. „Das dürfe funktionieren,“ entgegnete Challenger.

Gesagte getan. Challenger nahm von Marguerite und der schlafenden Finn Blut ab, welches sie dann in große Fleischstücke versteckten. Damit machte sich dann Roxton und Veronika auf den Weg, um einen Dinosaurier zu finden, dem sie dies zum fraß vorwerfen können.

Marguerite blieb bei Finn und Challenger zurück, wobei Finn immer noch in ihrem Zimmer schlief.

„George, glaubst du wirklich dass es funktioniert?“ fragte Marguerite den Professor nervös. „Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, aber ich hoffe es,“ antwortet er ihr aufrichtig und nahm ihre Hand, die auf dem Tisch ruhte, um sie zu beruhigen.

Als seine Hand die ihre berührte sah sie wieder eine Vision vor sich. Diese war aber nicht wie die Anderen in ferner Zukunft, sondern schien eher in der Gegenwart sich abzuspielen. Sie erkannte das Baumhaus und konnte Challenger erkennen, wie er gerade an einer neuen Erfindung arbeitete. Es muss wohl die sein, von der er schon die ganze Zeit redete, mit welcher er auch den Weg nach Hause, oder besser gesagt nach London finden will. Sie hört ihn vor sich hinmurmeln, irgendwas von noch ein Bisschen, woraufhin er tatsächlich noch was hineinschüttet und es dann plötzlich explodiert. Marguerite sah, dass Challenger auf der Stelle Tod war.

Entsetzt von dem was sie sah, zog sie ihre Hand erschrocken zurück. Challenger war ganz verwirrt und dachte erst er hätte etwas falsch gemacht, doch Marguerite gestand ihm dann, dass sie Visionen aus der Zukunft hat und was sie soeben gesehen hatte. Challenger musste ihr versprechen nicht mehr an seiner Erfindung weiter zu arbeiten und erst als er es ihr versprach, beruhigte sie sich wieder.

Währenddessen fanden Roxton und Veronika auch schon einen geeigneten Dinosaurier. Sie warfen das Stück Fleisch ihm entgegen und er fraß es genüsslich auf. Sie warteten einen Augenblick ab und erschossen ihn dann, damit sich keine Anderen an ihm anstecken konnten. Nachdem sie seine Leiche vergraben hatten, gingen sie zum Baumhaus zurück.

Challenger redete noch mit Marguerite, als Finn plötzlich die Küche betrat. „Finn, wie geht es dir?“ fragte Challenger ein wenig erschrocken darüber sie zu sehen, da er nicht wusste ob Roxton und Veronika nun Erfolg hatten oder nicht. „Besser, es herrscht endlich ruhe wieder in meinem Kopf. Ich höre nur noch meine eigenen Gedanken,“ erwidert sie ihm erleichtert.

„Das ist freut mich für dich und Marguerite wie ist es mit dir, kannst du schon wieder was sehen?“ fragte Challenger seine dunkelhaarige Mitbewohnrin. „Nein, es ist immer noch alles schwarz um mich herum,“ entgegnete sie enttäuscht. „Warte...jetzt kann ich doch plötzlich was erkennen,“ fügte sie hinzu, als sich ihre Sehkraft wieder bemerkbar machte. Entsetzt sah sie an sich prüfend hinab, „O, nein, Roxton gab mir den hässlichsten Morgenmantel den ich besitze,“ sagte sie und sprang auch zugleich von ihrem Stuhl hoch um in ihr Zimmer zu gehen.

Challenger und Finn konnten sich ein Lachen nicht verkneifen, als Marguerite an ihnen vorbeistürmte. Sie waren froh, dass alles langsam wieder zur Normalität zurückkehren würde.

Der Fahrstuhl fuhr wieder nach oben und Veronika stieg mit Roxton aus ihm aus. Sofort fragten sie Challenger, ob sich schon was verändert hat und bevor er antworten konnte kam Finn auf sie zu und wünschte beiden einen guten Morgen. Veronika und Roxton waren erst mal baff, da sie nicht mit so einer schnellen Genesung gerechnet hatten. Veronika umarmte voller Freude Finn, da sie es kaum glauben konnte, dass Finn wieder sich selbst war.

Roxton fragte Challenger wo Marguerite ist und nachdem er es ihm gesagt hatte, machte er sich auch schon auf den Weg zu ihrem Zimmer.

Höfflich klopfte er an und nachdem sie ihn herein bat, öffnete er die Tür und ging hinein.

Er war so froh Marguerite wieder vollkommen gesund zu sehen, dass er sie überglücklich umarmte.

„Danke,“ flüsterte sie leise in seinen Nacken. „Wofür?“ fragte er sie. „Dafür dass du die ganze Zeit für mich da warst,“ erklärte sie ihm dankbar. „Und das werde ich auch immer sein,“ versicherte er ihr. „John, ich ... ich liebe dich,“ gestand sie ihm zögernd, denn obwohl sie es ihm schon einige male sagte, fällt es ihr immer noch schwer. Ihm ist das bewusst, deshalb weiß er es auch zu schätzen, dass sie sich dennoch immer wieder dazu überwindet es ihm zu sagen.

„Ich liebe dich auch,“ erwidert er ihr, gefolgt von einem zärtlichen Kuss.

ENDE

Total schön und eine tolle Idee, wieso bin ich nicht darauf gekommen *grins*

Blutiges Erwachen

(Das spielt am Anfang der vierten Staffel. Diesmal geht es hauptsächlich um Marguerite und Roxton, eigentlich ausschließlich. Ich weiß der Titel klingt ein wenig brutal, aber nach den ersten paar Zeilen, kann man erkennen wie ich darauf kam.)

Marguerite wachte wie jeden Morgen durch die lauten Geräusche die aus der Küche kamen auf. Als sie aufstand und ihr Betttuch zusammen legen wollte, sah sie einen riesigen roten Fleck auf ihrem Bettlacken.

Erst war sie entsetzt über die Sauerei, aber dann doch erleichtert, da sie schon einige Tage darüber war. Sie konnte auch schon fühlen, wie die wohlbekannten Unterleibskrämpfe wieder besitz über sie ergriffen. Das sind die Momente in denen sie sich wünschte ein Mann zu sein, doch dann musste sie an Roxton denken und die Schmerzen waren wie weggeblasen, aber leider nur für einen kurzen Augenblick.

Sie überzog ihr Bett frisch und beschloss, dass Bettlacken später zu waschen.

Nachdem sie sich angezogen hat und sich eine der Binden, die sie von Veronika bekam, nahm, ging sie zur Küche.

Die Anderen waren alle schon wach und gerade mit ihrem Frühstück beschäftigt. Sie wünschten ihr einen guten Morgen, was Marguerite mürrisch erwiderte.

„Sieht so aus, als währe jemand mit dem falschem Fuß aufgestanden,“ scherzte Finn in Marguerites Richtung, woraufhin ihr Marguerite nur einen saueren Blick zuwarf. Auch Veronika sah Finn mit einem vielsagendem Blick an und Finn verstand dass es wohl besser währe nichts mehr zu sagen.

Roxton machte sich Sorgen wegen Marguerite. Er musste während des ganzen Frühstücks darüber nachdenken, was sie in solche Laune versetzt haben könnte. Doch er kam zu keiner Lösung. Er lies den gesamten gestrigen Abend noch mal in seinem Kopf abspielen, aber ihm fiel keine Antwort auf seine Frage ein.

Nach dem Frühstück besprachen die Baumhausbewohner, was sie am heutigen Tag alles machen wollten. Challenger beschloss, wie schon so oft, in seinem Labor an neuen Erfindungen zu arbeiten, Finn und Veronika wollten zu den Zangas gehen, Marguerite beschloss ein Buch zu lesen und Roxton erwiderte, dass er Jagen gehen wolle.

Nachdem alle ihren Aktivitäten nachgegangen sind, setzte sich Marguerite auf einen Stuhl, der am Balkon stand und begann eines der Bücher, die im Regal stehen, zu lesen.


Marguerite war mitten in ihr Buch vertieft, als plötzlich Roxton mit einem riesigem Blumenstrauß, den er anscheinend frisch gepflückt hatte, vor ihr stand. Sie staunte nicht schlecht, als sie ihn so vor sich stehen sah.

„Für was ist das?“ fragt sie in erstaunt und sieht ihn fragend in seine strahlenden Augen. „Das ist eine kleine Anerkennung für die schönste Frau der Welt,“ erwidert er ihr lächelnd.

Dankend nahm sie die Blumen an und roch an ihnen. „Hm, die duften gut, danke John.“

Er beugte sich ein wenig vor und roch an ihren Haaren. „Du riechst noch tausendmal besser,“ flüstert er ihr ins Ohr und fing an, an ihrem Ohr zu knabbern. Sie hatte ihr Buch schon längst weggelegt und legte nun auch die Blumen, welche sie noch in ihren Händen hielt, auf den kleinen Tisch neben sich. Langsam küsst er sich an ihrem Hals hinab, hielt dann aber an ihrem Schlüsselbein inne. Er schaut ihr tief in die Augen und sie sagten mehr, als tausend Worte. Seine ganze Liebe für sie, spiegelte sich in ihnen wieder.

Langsam beugte sie sich zu ihm vor und küsste ihn zärtlich auf den Mund, fast schon schüchtern.

„Ich dachte du wolltest heute Jagen gehen,“ sagte sie plötzlich, während sich ihre Gesichter immer noch so nah sind, dass sie den Atem des anderen auf ihrer Haut spüren konnten.

„Das wollte ich auch, aber dann sah ich diese Blumen und ich konnte nicht anders, als sie für dich zu pflücken“ erwiderte er lächelnd. „Du bist wirklich der großartigste Mann, der mit je begegnet ist,“ gestand sie ihm strahlend.

Er küsste sie noch einmal zärtlich auf den Mund und fragte sie dann, ob sie Lust hätte mit ihm schwimmen zu gehen. Erst wollte sie ja sagen, doch dann viel ihr wieder ein, dass sie ihre Tage hatte und auch die damit verbundenen Krämpfe, machten sich wieder bemerkbar.

„Ich würde wirklich gern, aber...ich... ich muss noch das Buch zu Ende lesen,“ redete sie sich heraus. „Das kannst du doch auch später noch lesen,“ erwiderte Roxton und sah sie verwundert an.

Er hatte das Gefühl, als würde sie was vor ihm verheimlichen und um so mehr er darüber nachdachte, desto verunsicherter wurde er.

„Ich will es aber jetzt lesen, da es gerade sehr spannend ist und ich unbedingt wissen will, wie es zu Ende geht,“ versucht sie ihm zu erklären. „Ich habe das Buch bestimmt schon zweimal gelesen. Ich könnte dir auch sagen, wie es ausgeht,“ versucht er sie zu überreden. „Nein, ich will es selber lesen,“ entgegnet sie ihm anscheinend ein wenig zu barsch, da er aufgab. Roxton verabschiedete sich und verschwand mit seinem Gewähr im Fahrstuhl.

Kaum dass er gegangen ist, tat es ihr auch schon leid. Aber was sollte sie machen? Sie dachte darüber nach, dass er es nicht verstehen würde, da er es als Mann sowieso nicht nachvollziehen würde.

Marguerite sah nach einer Weile auf die Uhr und ihr wurde bewusst, dass es wiedereinmal an der Zeit war etwas zu wechseln.

Marguerite fand es erstaunlich, dass es hier auf dem Plateau doch tatsächlich so was ähnliches wie die Binden in England gab. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass ein Volk wie die Zangas so etwas herstellen könnten. Aber Marguerite war sehr glücklich darüber, weil sie sonst wirklich verloren gewesen währe. Sie könnte sich fast nichts schlimmeres vorstellen, als Challenger darum bitten zu müssen, so was herzustellen. Ein Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht, als sie darüber nachdachte, wie er wohl reagieren würde.

Marguerite begann sich einen Tee zu brauen, der gegen Magenschmerzen helfen soll. Dieser hatte ihr bis jetzt jeden Monat geholfen. Nachdem er fertig war, ging sie damit zurück zum Balkon. Sie konnte sich aber nicht auf ihr Buch konzentrieren, da sie die ganze Zeit an Roxton denken musste. Immerhin kennt sie ihn nun schon seit mehr als drei Jahren und seit zwei Wochen sind sie offiziell zusammen, aber sie schafft es immer noch nicht sich ihm anzuvertrauen. Sogar solche Kleinigkeiten wie ihre Periode, fallen ihr schwer ihm zu erzählen.

Am Abend saßen alle Baumhausbewohner wieder zusammen beim Abendessen. Veronika und Finn erzählten darüber, was sie heute alles so erlebt hatten und richteten allen die Grüße von Assai und Jarl aus. Challenger erzählte von einer neuen Erfindung, an deren Entwicklung er gerade ist.

Roxton war sehr still und auch Marguerite schien nicht sehr gesprächig zu sein, aber keiner traute sich die beiden darauf anzusprechen.

Nach dem Abendessen entschuldigten sich Finn und Veronika, da beide von ihrem Ausflug sehr müde waren und gingen in ihre jeweiligen Schlafzimmern. Auch Challenger entschuldigte sich und ging in sein Labor.

„Du musst mir nicht helfen John, ich kann auch alleine abspülen“ „Wie du meinst“ erwiderte er und ging ebenfalls in sein Schlafzimmer.

Marguerite fühlte dass sie ihn heute anscheinend gekränkt hatte und während sie abspülte dachte sie darüber nach, wie sie es wieder gut machen könnte.

Als sie fertig war ging sie an seine Zimmertür. Sie wollte gerade anklopfen, als sie doch inne hielt. Leise schlich sie sich wieder von der Tür weg und in ihr eigenes Zimmer hinein. Dort zog sie sich ihr Nachthemd an, legte sie sich auf ihr Bett und dachte nach. Nicht nur über den heutigen Tag sondern auch über ihre Vergangenheit. Auch darüber wie sie das erste mal ihre Tage bekam und sie dann von einer Nonne darüber aufgeklärt wurde.

Plötzlich klopfte es an ihre Tür. Erst antwortete sie nicht, aber nach dem zweiten Klopfen bat sie die Person doch herein.

Normalerweise währe sie nicht überrascht gewesen, diesmal aber schon, als sie Roxton herein kommen sah.

Seit zwei Wochen verbringen sie zwar nicht jede, aber mindestens jede zweite Nacht miteinander und Roxton klopft immer noch an, bevor er ihr Zimmer betrat.

„Marguerite ich will mit dir reden,“ fing er an und sah sie ein wenig verunsichert an. Auch Marguerite wirkte ein wenig nervös an ihrem Bettrand sitzend. Langsam nähert er sich ihr und setzt sich neben sie.

„Wenn ich heute irgendwas Falsches gesagt oder getan habe, dann tut es mir leid,“ entschuldigte er sich reumütig und sieht sie dabei an. „Nein, hast du nicht,“ wiederspricht sie ihm leise, während sie immer noch auf den Boden starrte.

„Du weißt, dass was auch immer dich bedrückt, du es mir sagen kannst,“ bot er ihr an, was sie mit einem leichten Kopfnicken bestätigte.

„John ich konnte mit dir heute nicht schwimmen gehen, weil ich heute meine Tage bekommen habe,“ gestand sie ihm und sah in währenddessen kurz an, doch senkte nun ihren Blick wieder.

„Ach so und ich dachte schon es währe etwas schlimmes,“ erwiderte er sichtlich erleichtert. Verwundert über seine Reaktion sah sie ihn an. „Marguerite, dass hättest du mir doch sagen können, dann hätten wir halt was anderes gemacht, als schwimmen zu gehen,“ fuhr er fort.

„Ich... ich dachte, du könntest es abstoßend finden,“ sagte sie zögernd.

„Wie kommst du auf die Idee?“ fragte er sie, erschrocken über ihre Aussage.

„Weil andere so reagierten,“ erzählte sie und Roxton spürte, dass sie mit sich zu kämpfen hatte, um ihre Tränen zurück zu halten.

Es brach ihm fast das Herz, als er darüber nachdachte, wie andere Männer sie womöglich behandelt hatten. Zärtlich legte er seinen Arm beschützend um sie und gab ihr einen Kuss seitlich auf ihrer Stirn. Sie lehnte sich an seine starke Schulter und fühlte sich schon viel besser.

„Marguerite, du bist die schönste und begehrenswerteste Frau, die ich kenne und nichts könnte mich jemals von dieser Meinung abbringen. Ich liebe dich,“ gesteht er ihr. „Ich liebe dich auch,“ erwidert sie ihm. Langsam nähern sich ihre Lippen, bis sie sich treffen und vorsichtig Küssen.

„Kann ich heute Nacht hier neben dir schlafen?“ fragt er sie hoffend, was sie mit einem lächelndem Nicken bejahte.

Sie legten sich beide in Marguerites weiches Bett und deckten sich mit ihrer warmen Decke zu. Marguerite schmiegte sich dicht an Roxton, während er seinen Arm um sie legte.

Sie wünschten sich noch eine gute Nacht und küssten sich für diesen Abend noch ein letztes Mal, bevor sie engumschlungen einschliefen.

Mitten in der Nacht wachte Marguerite durch heftige Unterleibskrämpfe auf. Roxton wurde durch ihre Bewegungen wach und fragte sie was sie besorgt, was ihr fehle.

Nachdem sie ihm von ihren Schmerzen erzählten, stand er auf um ihr Tee zu machen. Marguerite wollte ihn erst daran hindern, aber er bestand darauf, dass sie liegen bleibe und er los geht, um ihn zu machen.

Nach knappen acht Minuten kehrte er wieder, mit einer dampfenden Tasse Tee, zurück.

In diesem Augenblick wurde ihr klar, dass sie ihm voll und ganz vertrauen konnte und er immer für sie da sein würde.

ENDE

Kurz, aber super niedlich und gut beschrieben. Ich finde es voll rührend, wie sich Roxton um Marguerite und ihr Problem gekümmert hat.

Die Vergangenheit, die keiner kannte


Es ist mitten in der Nacht als Melone plötzlich aufwacht, er hatte schon wieder einer dieser merkwürdigen Träume. Er sieht immer wieder diese zwei Männer, die versuchen mit ihm zu kommunizieren, was ihnen aber nie wirklich gelingt.

Melone steht auf und will sich einen Tee machen, der ihn, so hofft er zuminderst, beruhigen soll. Als er gerade seinen Tee trinkt und über seinen merkwürdigen Traum nachdenkt fällt ein Buch von Veronikas Vater vom Regal. Melone hat dieses Ereignis auf den Wind geschoben und als er das Buch aufhob, um es wieder ins Bücherregal zu stellen, sah er darin ein altes Foto auf dem genau die beiden Männer abgebildet sind die er in seinem Traum sah.

„Was geht hier nur vor sich?“ murmelte er zu sich selber. Da dieses Ereignis ihn so erschreckte und er selbst keine Erklärung dafür hatte lief er sofort zu Challenger.

„Challenger, das musst du dir ansehen!“ „ Was ist denn Ned?“ antwortete Challenger noch etwas schlaftrunken. „ Ich hab schon seit einigen Nächten einen merkwürdigen Traum, in dem immer wieder die gleichen beiden Männer vorkommen. Sie versuchen mir etwas zu sagen, aber ich kann sie nicht hören. Anfangs hielt ich es für einen Traum, aber heute nacht als ich Tee trank, da fiel plötzlich dieses Buch vom Regal und auf der Seite die dadurch aufgeschlagen wurde, ist ein Foto mit genau diesen beiden Männer abgebildet, die mir immer im Traum erschienen.“ Erzählte Melone ganz aufgeregt. „Beruhig dich erst mal und zeig mal her, vielleicht hast du dieses Foto auch nur schon einmal gesehen und dein Unterbewusstsein bringt im Traum einfach nur etwas durcheinander,“ versucht Challenger ihn zu beruhigen.

Er sah sich das Foto an und irgendwie kamen ihn diese Personen bekannt vor, er konnte sie nur nicht richtig zu ordnen. Als er das Foto umdrehte stand da etwas. „ Mein bester Freund Maurice Lorant Depardieu und ich, 1892“ lass Challenger laut vor. „Der linke ist Thomas Lyton und der recht Maurice Lorant Depardieu, das muss kurz vor der Abreise von der Lyton Expedition gemacht worden sein,“ erklärte Challenger. „Woher kannst du das so sicher sagen?“ fragte Melone. „Das dies Mr. Lyton ist weis ich von Veronikas Fotos her und Maurice Lorant Depardieu war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Man kannte ihn nicht nur in London, er hatte seine Restornats überall in England verteilt. Er verschwand eines Tages Spur los, niemand weis was mit ihm passiert ist. Viele vermuteten das ihm einfach alles zu viel geworden ist und er sich irgendwohin abgeseilt hat. Man hat ihn irgendwann für Tod erklärt, damit seine Angehörige seine unvollendete Geschäfte weiterbetreiben konnten.“ Melone war erst mal sprachlos, das wahren also die Männer die ihn öfters in seinen Träumen besuchten, doch was wollten sie von ihm? „Was denkst du, was mit ihm passiert ist?“ fragte Melone schließlich. „Ich weis es nicht. Aber ganz sicher ist er nicht freiwillig gegangen und hat einfach alles zurück gelassen, es muss irgendwas passiert sein,“ gibt Challenger in Gedanken versunken von sich. Melone gibt sich damit aber nicht zufrieden „ Aber was wollen sie dann von mir ?“ „Wahrscheinlich brauchen sie deine Hilfe, sie müssen irgendwie erfahren haben das du durch deinen Kontakt zum Jenseits, besonders empfänglich für Nachrichten aus dem Reich der Toden geworden bist. Es ist allerdings schon spät, du solltest versuchen noch ein wenig zu schlafen, morgen früh werden wir den anderen erzählen was geschehen ist, vielleicht weis Veronika noch ein wenig mehr darüber.“

Und so ging Melone zurück in sein Zimmer und versuchte zu schlafen, wobei es ihm sehr schwer viel, da er immer wieder darüber nachdenken musste, was diese beiden Männer nur von ihm wollten. Aber irgendwann besiegte ihn die Müdigkeit und er schlief ein, ebenso wie Challenger.

Am nächsten Morgen, als alle zusammen siezten und frühstückten, erzählten Melone und Challenger, was letzte Nacht vorgefallen war.

„Und du bist dir wirklich sicher, dass die auf dem Foto, die selben Männer sind, wie die in deinen Träumen?“ fragte Marguerite skeptisch. „ Ja, ich bin mir hundertprozentig sicher, ich hab mit das nicht eingebildet;“ verteidigte sich Melone. „Marguerite hat vielleicht recht und du bringst wirklich nur etwas durcheinander. Ich meine es kann für dich ja real erschienen sein, obwohl es eigentlich nur ein Traum ist,“ meinte Roxton. „Aber er hatte solche Visionen schon einmal. Ihr habt mir doch einmal von so einem Messer erzählt, wo er immer wenn er es berührte solche Visionen von Jack der Ripper hatte. Es währe doch gut möglich dass dies auch wieder so etwas ist,“ brachte Finn ein. „Ja, aber diesmal hatte ich ja keinen Gegenstand in der Hand,“ gab Melone von sich. Man merkte ihm an, dass er selber langsam nicht mehr wusste was er glauben sollte, vielleicht haben die anderen ja doch recht und es war wirklich nur ein Traum.

„Veronika, was denkst du darüber?“ fragt Challenger, jedoch erhält er keine Antwort von ihr. „Erde an Veronika, hallo, Challenger hat dich was gefragt,“ meinte Finn, während sie vor Veronika mit ihrer Hand hin und her winkte. „Am...Entschuldigung Georg, was war noch mal deine Frage, ich hab gerade nicht aufgepasst,“ entschuldigte sich Veronika. „Ach was du nicht sagst, währ uns gar nicht aufgefallen,“ mischte sich Marguerite ein. Alle ignorierten ihre Bemerkung und Challenger fragte Veronika noch einmal, was sie darüber dachte.

„Ich muss immer wieder darüber nachdenken, vielleicht ist mein Vater irgendwo und braucht unsere Hilfe. Wir müssen unbedingt heraus finden was sie uns sagen wollen, damit wir ihnen helfen können,“ sagte Veronika. Es wahr ihr anzumerken, dass die ganze Situation sie überforderte. Sie war voller Hoffnung ihren Vater und vielleicht sogar ihre Mutter doch noch zu finden.

„Wenn wir mehr über den anderen Mann wüssten, wie hieß der noch gleich, Maurice irgendwie, dann könnten wir vielleicht auch mehr über die Situation in der sich die beiden befinden herausbekommen und ihnen helfen,“ schätzte Finn. „Mein Vater hat ihn öfter erwähnt. Sie sind anscheinend zusammen aufgewachsen und waren immer die besten Freunde. Er hat sogar meinen Vater zum Taufpaten von seiner Tochter gemacht. Maurice wollte mit ihm aufs Plateau kommen, aber da er ein Kind hatte ging das nicht mehr,“ erzählte eine in Gedanken versunkene Veronika. „Was wohl aus seiner Tochter geworden ist?“ fragte Finn und sah Challenger fragend an. „Was ich gehört habe, hat ihre Stiefmutter das Sorgerecht verloren, weil der Richter ihre Adoptionspapiere, wegen der fehlenden Unterschrift der leiblichen Mutter, nicht anerkannte. Sie kam zu ihrer leiblichen Mutter und mehr habe ich auch nicht davon erfahren. Sie muss damals erst knappe drei Jahre alt gewesen sein, sie wird sich wahrscheinlich nicht mehr an ihren Vater erinnern,“ erinnerte sich Challenger.

Es wurde ganz ruhig, jeder dachte darüber nach, bis Veronika auf die Idee kam, dass sie mit einer Séance vielleicht Kontakt mit ihnen aufnehmen könnten. „Eine Séance? Was genau soll das sein?“ fragte Finn. „Mit einer Séance kann man Kontakt zu Geistern aufnehmen. Wir setzten uns alle in einen Kreis und in der Mitte werden Kerzen angezündet, dann reichen wir uns die Hände und Konzentrieren uns auf den Geist mit dem wir sprechen wollen, in diesem Fall die beiden aus Neds Träumen. Wenn wir merken das die beiden da sind, bieten wir ihnen an durch einen von uns zu sprechen,“ erklärte Marguerite. „Aha, wenn ihr meint dass das funktioniert, von mir aus,“ antwortete eine leicht skeptische Finn. „ Es hat schon einmal funktioniert,“ brachte Challenger ein, der schon in gedankten versunken Richtung Labor läuft, um seine Kamera vor zu bereiten.

Alle machten sich an ihre jeweilige arbeiten die sie täglich zu verrichten hatten, bis nur noch Roxton und Marguerite am Tisch saßen. „Wie es scheint wird das noch ein sehr langer Abend, da sollte ich lieber noch ein wenig schlafen. Nicht dass ich unser Geistertreffen noch verpenne,“ entschuldigte sich Marguerite, und ohne dass sie Roxton die Chance ließ noch etwas zu sagen, stand sie auf und ging in ihr Schlafzimmer.

Roxton merkte dass irgendwas sie betrügt, deshalb ging er ihr nach. Als er vor ihrer Tür stand klopfte er aus Respekt vor ihrer Privatsphäre und erst als sie ihn hereinbat, machte er die Tür auf und betrat ihr Zimmer.

„John, was ist? Ich habe doch gesagt ich will noch etwas schlafen. Hast du nichts wichtiges zu tun?“ fragte Marguerite, die gerade erst wieder ihr Nachthemd angezogen hatte und nun auf ihrem Bett saß. „ Wie könnte ich etwas wichtigeres vor haben als hier bei dir zu sein. Als du vorhin gingst, sahst du so betrügt aus, ich wollte nur sicher gehen, dass alles in Ordnung ist,“ entgegnete ihr Roxton fürsorglich, während er sich immer mehr ihr näherte und sich schließlich neben sie aufs Bett setzte.

Auch wenn sie schon, seit dem sie aus diesem Zeitportalen entkommen sind, offiziell zusammen sind, ist sie doch ein wenig erschrocken darüber wie gut er sie doch kennt, aber gleichzeitig auch sehr berührt davon, wie sehr er sich doch um ihr Wohlbefinden bemüht. Sie hätte nie gedacht, dass sie jemals so viel für eine Person empfinden könnte wie sie für Roxton empfindet. Ebenso wenig wie, dass eine andere Person sie, so von ganzem Herzen lieben könnte und nur mit ihrer Liebe als Gegenleistung, wie Roxton für sie.

„Mir geht es gut, wirklich, ich bin nur ein wenig müde, dass ist alles,“ erwiderte Marguerite. „Wenn du das so sagst, wird es auch so sein,“ gab Roxton nach. Er berührte mit seiner rechten Hand zärtlich ihr Kinn und sah ihr tief in die Augen. „Du weist du kannst mir alles anvertrauen, egal was es ist oder wie spät es schon ist ich werde immer für dich da sein,“ und nach diesen Worten küsste er sie zärtlich auf ihren Mund.

„Ich weiß John, es fällt mir halt noch immer sehr schwer darüber zu reden,“ fing Marguerite mit einer leicht weinerlichen Stimme an zu erzählen, während Roxton sie beschützend in seinen Armen nimmt. „ Veronika hat jetzt die Chance endlich ihren Vater zu sehen, ich freue mich ja auch für sie, aber das hat mich wieder daran erinnert, dass ich nie herausfinden werde was mit meinen Eltern ist, wo sie sind, wer sie sind und warum sie mich weggegeben haben.“ Marguerite hatte keine Kontrolle mehr über sich, es brach alles heraus. „Wieso wollten sie mich nicht?“ war das letzte was sie herausbekam, bevor sie in Tränen ausbrach.

Er hielt sie die ganze Zeit, solange sie brauchte.

Erst, als sie sich wieder langsam beruhigte, sich aber immer noch an ihn klammerte, wagte er sich mit einer ruhigen und einfühlsamen Stimme zu ihr zu sprechen. „Das belastet dich alles noch sehr. Ich weiß du hast mit dem Orobus deine wahrscheinlich letzte Chance verloren, deine Eltern jemals zu finden. Aber wenn du willst werde ich dir, wenn wir das Plateau verlassen, helfen sie zu finden, oder zuminderst deine Geburtsurkunde.“ „Wie ?“ fragt Marguerite leise. „Ich kenne eine menge einflussreicher Leute, immerhin bin ich Lord John Roxton, für irgendwas muss der Titel ja gut sein, auch wenn ich mein letztes Pfund ausgeben muss, wir werden es herausfinden. Ich verspreche es dir, wir werden nicht aufgeben,“ fuhr Roxton fort.

„Danke, John. Ich liebe dich,“ antwortete Marguerite gerührt. „Ich liebe dich auch Marguerite, mehr als alles andere.“ In seinen braunen Augen konnte sie sehen dass er es auch so ehrlich meinte, wie sie es tat. Da konnte sie nicht mehr anderes, als ihn mit all der Liebe die sie für ihn empfand zu küssen.

„Du solltest dich jetzt ausruhen und ein wenig schlafen, immer hin wird es ein langer Tag,“ meinte Roxton leicht außer Atem, nachdem ihre Lippen sich getrennt hatten.„Du hast Recht John, ich sollte wirklich noch ein wenig schlafen, ich bin auch noch ziemlich müde,“ gab Marguerite zu.

Als Marguerite nun im Bett lag und Roxton sie zudeckte, gab er ihr noch einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. „Träum was schönes,“ wünschte er ihr noch, bevor er sich zur Tür begab und ihr Zimmer verließ, um sie in ruhe schlafen zu lassen.

Es ist nun 23.30Uhr, alles ist vorbereitet für die Séance. Die Bewohner des Baumhauses warten schon ungeduldig bis es Mitternacht ist, denn erst dann ist die Geisterstunde und die Verbindung zum Jenseits leichter zugänglich.

Auf dem Tisch mit der dunklen Tischdecke stehen drei weise Kerzen, die noch nicht entzündet wurden, um das Foto, welches aus dem Buch gefallen war.

Challenger überprüft noch einmal die Einstellung seines Fotoapparates, damit auch wirklich alle nachher auf dem Bild sind, seines Erhoffens nach inklusive der beiden Geister.

Melone schreibt alles in sein Tagebuch, was bisher geschah, damit die Nachwelt auch von dieser unglaublichen Begegnung erfährt.

Roxton und Marguerite sitzen mit einer Decke umhüllt schweigend am Balkon, während sie die Sterne beobachten und einfach nur die Nähe des anderen genießen.

Veronika ließt in den Tagebüchern ihrer Eltern, in der Hoffnung eine Antwort zu finden, auf das was gerade geschieht.

Und Finn langweilt sich ein wenig, denn warten ist nicht gerade einer ihrer Stärken. „ Wie lange denn noch, Challenger, bis wir endlich Kontakt mit den beiden Geistern aufnehmen?“ fragt Finn schon wieder ungeduldig. „ Ich hab dir vor 5 Minuten erklärt, dass wir bis Mitternacht warten müssen, ich sag dir bescheid, wenn es soweit ist,“ erklärte er ihr leicht genervt. „War ja nur eine Frage,“ gab Finn kleinlaut von sich.

Als es endlich Mitternacht war, setzten sich alle rings um den Tisch herum. Alle waren leicht nervös, denn keiner wusste was sie erwartet und jeder Hoffte dass es nicht so wie beim letzten Mal endet, als sie Saros begegneten.

„Marguerite, zünde jetzt bitte die Kerzen, gegen den Uhr Zeigersinn, an,“ bat Challenger sie. Nach dem Marguerite fertig war, reichten sich alle die Hände und schlossen ihre Augen, während Marguerite mit dem Ritual anfing.

„Jetzt an nichts mehr denken, haltet eure Gedanken frei und konzentriert euch,“ sprach sie ruhig und routiniert. „Ich rufe Thomas Layton und Maurice Lorant Depardieu, könnt ihr mich hören?“ fragte sie. Alle waren ruhig, denn sie erwarteten dass bald etwas passierte, doch es geschah nichts.

„Ich wusste doch, dass es nicht funktionieren würde. Hättet ihr auf mich gehört, hätten wir wichtige Zeit gespart,“ gab Finn spöttisch von sich. „Es ist kein Wunder dass es nicht funktioniert hat. Es kann auch gar nicht funktionieren, wenn eine Ungläubige, wie du es bist, anwesend ist,“ erwiderte Veronika etwas harsch. „Veronika hat recht, Ungläubig sollten nicht daran teilnehmen, da sie Vibrationen senden, jene die Geister vertreiben, heißt es zuminderst,“ brachte Marguerite ein.

„Na, dann eben nicht,“ erwiderte Finn leicht gekränkt und stand auf um den Tisch zu verlassen, als sie Challenger noch am Arm festhielt um sie daran zu hindern. „So hat sie dies doch nicht gemeint, bleib hier und versuch dich zu konzentrieren, dann wird es auch klappen. Es liegt ganz bestimmt nicht an dir, dass es nicht funktioniert,“ redete ihr Challenger zu.

„Seit ihr sicher, dass ich hier bleiben soll?“ fragte Finn und sah sich fragend in der Runde um. „Ja, Finn, bitte bleib hier, ich hab das nicht so gemeint, es ist nur dass es um mein Vater geht und ich endlich die Chance habe mit ihm zu sprechen und daher wohl etwas gereizt reagiert habe. Es tut mir leid,“ entschuldigte sich Veronika. „ Ist schon o.k.,“ erwiderte Finn immer noch ein wenig beleidigt, während sie sich dennoch wieder an ihren Platzt setzte.

„Wenn dies nun geklärt ist, dann können wir ja wieder beginnen,“ unterbrach Roxton.

Alle gaben sich wieder die Hände und schlossen ihre Augen, während Marguerite wieder von vorne begann.

Mit „jetzt an nichts mehr denken, haltet eure Gedanken frei und konzentriert euch,“ begann sie und fuhr mit „ ich rufe Thomes Layton und Maurice Lorant Depardieu, könnt ihr mich hören? Seit ihr da?“ fort. „ Wenn ihr mich hören könnt, gebt uns ein Zeichen,“ bat Marguerite.

Alle waren wieder ruhig, man hörte nichts noch nicht einmal den Wind, der durch die Bäumen wehte.

Und plötzlich hörte man ein lautes klopfen, welches von der Wand kam.

„Au man, was war das denn?“ fragt Finn erschrocken. „Sie sind hier,“ antwortet Challenger leise, „Wer?“ fragt Finn immer noch ein wenig ungläubig, „die Geister, natürlich, wer den sonst,“ entgegnete ihr Marguerite.

„Ein mal Klopfen heißt ja, zwei mal Klopfen heißt nein,“ fuhr Marguerite mit dem Ritual fort.

„Seit ihr Thomas Layton, der Vater von Veronika und Maurice Lorant Depardieu?“ fing Marguerite an zu fragen und es ertönte ein Klopfen.

„Einmal, das bedeutet sie sind es. Nach all den Jahren ist er endlich zurückgekommen,“ unterbrach Veronika, in deren Augen man schon die ersten Freuden Tränen schimmern sah.

„Sind wir in Gefahr, wenn wir auf diesem Wege mit euch Kontakt auf nehmen?“ machte Marguerite weiter und als antwort konnte man deutlich zwei Klopf Geräusche hören.

„Habt ihr Kontakt mit Melone aufgenommen weil wir uns schon in Gefahr befinden?“ fragt Marguerite weiter und wieder konnte man als Antwort deutlich zwei Klopfgeräusche hören.

Alle Atmeten erleichtert aus, man konnte spüren dass die Anspannung der Gruppe ein wenig abnahm.

„Sag ihnen, dass sie durch dich sprechen sollen,“ schlug Challenger vor. „ Ich weiß nicht, ob dies so eine gute Idee ist, Georg, wir wissen doch alle was beim letzten mal passiert ist,“ erwidert ein besorgt klingender Roxton. „Ist schon in Ordnung, John, ich weiß was ich tu,“ versichert ihm Marguerite, während sie ihm beruhigend und dankbar zugleich, für seine Führsorge, die Hand drückt.

„Sprecht durch mich, ihr Geister, damit wir alle hören können, was ihr zu sagen habt,“ bot ihnen nun Marguerite an. Alle warteten, dass sie anfängt mit einer fremden Stimme zu sprechen, aber es geschah nichts.

Plötzlich hörten sie es zwei mal an der Wand klopfen.

„Sie wollen anscheinend nicht durch dich sprechen,“ bemerkte Finn mit einem leicht sarkastischen Ton, den allerdings alle ignorierten.

Marguerite sah sich ein wenig hilflos um, bevor sie weiter sprach. „Wollt ihr vielleicht durch einen anderen sprechen?“, und man konnte deutlich ein einmaliges Klopfen hören.

Nachdem Marguerite die anderen nach ihren Einwilligungen fragte und alle damit einverstanden waren, bot sie den Geistern an durch irgendeinen von ihnen zureden.

Alles war ganz ruhig, jeder von ihnen machte sich darauf gefasst, dass gleich ein Geist besitzt von ihrem Körper nehmen könnte und dann durch ihn kommunizieren würde. Challenger bannt die Schnur vom Fotoapparat ganz fest an seinen Fuß, damit er jenen Augenblick auf keinen Fall verpassen würde. Plötzlich durchzuckte etwas seinen Körper, wobei sein Fuß einen Ruck machte und das Foto nun geschossen wurde. Melone durchfuhr ebenfalls dieses Zucken und beide spürten wie etwas fremdes besitz von ihnen einnahm.

„Wir sind in einer Zwischenwelt gefangen,“ erzählte Challenger mit einer für ihn ungewöhnlich tiefen Stimme. „Vater, bist du es?“ fragt Veronika mit zitternden Stimme, „Ja, mein Engel ich bin es. Es tut mir so unendlich leid dass ich dich und deine Mutter alleine gelassen habe,“ entschuldigte sich ihr Vater und Veronika konnte seiner Stimme entnehmen, wie sehr er doch darunter litt.

Bevor Veronika etwas ihrem Vater antworten konnte, unterbrach sie Melone, mit einer nicht ganz so tiefen Stimme wie sie Challenger nun hat, aber tiefer und männlicher als seine eigene. „Und das ist es warum wir hier sind. Unsere Schuldgefühle erlauben es uns nicht, den ewigen Frieden zu erlangen,“ erklärte er. „Wie meinen Sie das?“ fragt Marguerite ihn. „Wenn ein Mensch stirbt, geht er in eine andere Welt über, das man hier unten als Himmel bezeichnet. Wenn dieser Mensch aber stirbt und etwas unerledigt zurücklässt, was wichtig war und dadurch mit schweren Schuldgefühlen hinüber geht, versperrt er sich selbst den Weg zum ewigen Frieden. Diese Person kommt dann in eine Art Zwischenwelt, wo er auf seine Erlösung wartet,“ erläutert Mr. Depardieu durch Melones Körper.

„Und Sie sind nun in so einer zwischen Welt?“ fragt Finn skeptisch. „Richtig, wir sind dort und warten auf unsere Vergebung,“ antwortet Mr. Layton auf Finns frage.

Finn und auch die anderen müssen einen sehr verwirrten Eindruck hinterlassen haben, denn Mr. Depardieu erklärte gleich weiter, ohne einen der anderen zu Wort kommen zu lassen. „Es ist so, dass wir abwarten, ob das Leben dieser Person oder Personen, denen gegenüber wir diese Schuldgefühle habe, sich zum guten wendet oder nicht. Wenn diese Leben aber weniger erfreulich abliefen, müssen wir warten bis diese Personen sterben, wobei ich hoffe das dies noch sehr lange dauert, und dann um Vergebung bitten. Und erst wenn sie uns mit ganzem Herzen verzeihen, können wir mit ihnen ins Jenseits über gehen.“

„Was ist wenn sie ihnen nicht verzeihen,“ fragt Finn. „Dann werden wir bis in aller Ewigkeit in unserer selbstgemachten Hölle sitzen und darüber nachdenken, wie das alles passieren konnte, so wie wir es bis jetzt getan haben,“ fuhr Mr. Depardieu fort.

„Durch diese Zeitverzehrung vor einiger Zeit, wurde eine Tür von unserer Welt in die eure in einer Höhle geöffnet. Da wir beide Umgebracht wurden und unsere Leichen nie wirklich entdeckt wurden, könnten wir durch eure Hilfe diese Zwischenwelt verlassen und wieder in die Welt der Lebenden gelangen. Denn fast niemand weiß, dass wir tot sind. Wenn ihr uns helfen wollt kommt zu dieser Höhle,“ war das letzte was Mr. Layton sagte, bevor er Challengers Körper wieder verlassen hat, ebenso wie Melone wieder seinen Körper für sich alleine hat.

„Vater, geh nicht fort. Wie sollen wir denn dort hin kommen!“ schrie Veronika der Verzweiflung nahe, aber statt einer Antwort bewegte sich ein Stift und zeichnete auf Veronikas Zeichenblock eine Karte mit genauen Weg Beschreibung.

„Das war ja der reinste Wahnsinn,“ bemerkte Finn, während Challenger seinen Fotoaperrat nimmt und damit Richtung Labor läuft um sein Bild zu entwickeln. „Ich werde morgen auf jeden Fall zu dieser Höhle gehen und versuchen die beiden zu retten, und was ist mit euch?“ fragt Veronika und sah sich um. „Du kannst auf uns zählen, wir werden mitkommen,“ bestätigt ihr Roxton, stellvertretend für die anderen.

Veronika wollte sich noch bedanken, aber sie kam nicht dazu, da Challenger schon aufgeregt mit dem entwickeltem Bild zurück kam und es den anderen entgegen streckte.

„Seht her, ich hab alles auf dem Foto, ist das nicht erstaunlich?“ fragt Challenger, während alle neugierig auf das Bild schauen.

Auf dem Foto kann man deutlich Melone, Challenger, Veronika, Roxton, Marguerite und Finn erkennen, sowie die beiden Geister, wie sie gerade mit ihren Handflächen die Rücken von Melone und Challenger anfassten und so anscheinend Kontrolle über ihre Körper bekamen.

Nachdem die Gruppe besprochen hatte, wie sie am nächsten Tag vorgehen wollen um die beiden zu retten, machten sie sich auf um in ihre Schlafzimmern zu gehen, denn ihnen war bewusst das es wohl ein sehr anstrengender Tag werden würde.

Roxton lag noch wach in seinem Bett, als es plötzlich an seiner Tür klopfte. Bevor er etwas sagen konnte, öffnete sie sich und jemand kam herein. Da es sehr dunkel war, konnte er nicht richtig sehen, wer es war, aber er fühlte dass dies nur Marguerite sein konnte, die ihn mitten in der Nacht besuchen kommt. Sie trat unsicher an sein Bett heran, „kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“ fragt sie leise. „Natürlich,“ antwortete er ihr, während er zur Seite rutschte und die Bettdecke ein wenig aufschlug, damit sie auch genügend Platz hat.

Als Marguerite nun bei ihm lag und sich an ihn schmiegte und er seinen Arm um sie legte, kam ein leises danke von ihr. „Für was?“ fragt er erstaunt. „Dafür.. das du immer für mich da bist,.. wenn ich dich brauche,... obwohl ich dich meistens von mir weg gestoßen hab... Dafür dass du immer zu mir haltest,... auch wenn ich meistens selbst schuld daran war... und dafür das du mich liebst,... auch wenn ich nicht weiß warum,“ antwortet sie ihm zögernd, da es ihr immer noch schwer fällt sich ihm gegenüber vollständig zu öffnen.

Ihm wurde wieder klar, dass Marguerite noch nie in ihrem Leben so etwas wie Geborgenheit, Zuneigung und Liebe erfahren hat, noch nicht einmal von ihren Eltern.

„Du weißt nicht warum ich dich so sehr liebe?“ fragt er sie und schaut ihr zärtlich in die Augen, während Marguerite langsam mit dem Kopf schüttelt.

„Ich liebe einfach alles an dir. Ich liebe es zu sehen wie du morgens aufwachst und langsam deine noch total verschlafene Augen aufmachst. Ich liebe den Duft deiner Haare und dein Lächeln. Ich liebe es wie du mich ansiehst, wenn du denkst dass es keiner bemerkt. Ich liebe es sogar mit dir zu argumentieren oder deinen gelegentlichen sarkastischen Ton. Ich könnte noch Stunden lang weitererzählen,“ versichert er ihr, während er ihr ihre Tränen, die sie vor Rührung vergoss, zärtlich wegwischte.

„Ich liebe dich auch,“ erwiderte Marguerite, bevor Roxton mit seinen Lippen die ihren, durch einen leidenschaftlichen Kuss, in besitz nahm. (...)

Marguerite wacht, durch die Geräusche die aus der Küche kommen, langsam auf. Die Sonne schien schon, die Vögel zwitscherten und aus weiter Ferne konnte man einen Dinosaurus brüllen hören. Es war deutlich zu erkennen, dass es wohl heute schönes Wetter geben würde.

Als sie sich zu Roxton umdrehte, war dieser schon hell wach. „Guten Morgen, meine schlafende Schönheit,“ wünschte er ihr. „ Guten Morgen John. Wie spät ist es denn?“ erwidert sie ihm noch ziemlich schläfrig, während sie sich an ihn schmiegt und ihren Arm auf seinen muskulösen Oberkörper legt.

„Acht Uhr,“ antwortet er ihr. „Das ist noch viel zu früh zum aufstehen, ich kann gar nicht verstehen, wie die anderen da schon wach sein können,“ entgegnet ihm Marguerite, die sich ein Gähnen nicht mehr verkneifen konnte. „Bis jetzt ist ja auch nur Veronika wach. Sie will heute wohl früh aufbrechen und bereitet schon einmal das Frühstück vor,“ erzählt Roxton. „Hoffentlich vergisst sie nicht den Kaffee,“ fügt sie hinzu und schließt wieder ihre Augen. „Marguerite, wach bleiben. Lass uns auch aufstehen, sonst kommt uns noch jemand wecken,“ entgegnet er, während er versucht, mit Küssen, die er auf ihrem ganzem Gesicht verteilt, wach zu halten. „Nur noch ein Bisschen,“ bettelt sie, bis ihr der Satz, sonst kommt uns noch jemand wecken, bewusst wurde. Plötzlich war sie hellwach, denn sie konnte sich noch an das letzte Mal erinnern, wo sie jemand wecken wollte und sie nicht in ihrem Zimmer fand, dann Roxton wecken wollte, damit dieser Suchen hilft und dabei beide schlafend in seinem Bett vorfand.

Als sie dann am gedeckten Frühstückstisch antrafen, waren die restlichen Baumhausbewohner schon mitten in der Planung, wie sie vorgehen wollen, um die beiden Geister aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Wo bei sich eigentlich nur Veronika und Challenger unterhielten, da Finn und Melone noch viel zu müde waren, um irgendwas sinnvolles hinzuzufügen.

„Gut, dann währe dies ja besprochen. Ich pack noch schnell ein paar wichtige Geräte ein, zum Erforschen dieser Höhle und dann kann es ja in einer halben Stunde los gehen,“ fasste Challenger zusammen.

„Was hat er nur jetzt wieder vor?“ flüstert Finn leise zu Marguerite. „Ich hab keine Ahnung, aber wie ich Georg kenne, wird er sein halbes Labor mitschleppen, oder besser gesagt schleppen lassen, damit er auch ja alles was wir auf unserem kleinem Ausflug antreffen, wissenschaftlich Untersuchen kann,“ antwortet sie Finn mit einem verschmitztem Lächeln, bevor sie sich umdreht und in ihr Zimmer geht. Finn sieht ihr verwundert hinterher und wendet sich Veronika zu. „Was ist das?“ fragt sie neugierig Veronika, während sie sich auf die Zehenspitzen stellt, um ihr über die Schulter zu schauen. „ Das ist ein Bild meiner Eltern und das hier ist das Foto, welches aus dem Buch gefallen ist. Ich nehme es mit, vielleicht hilft es uns die beiden zu befreien,“ antwortet ihr Veronika in Gedanken versunken.

Nachdem Anscheinend keiner wirklich mit Finn reden will, geht auch sie in ihr Zimmer um ihre Armbrust vorzubereiten und was sie sonst noch so braucht.

Nach einer halben Stunde sind alle bereit und steigen in den Fahrstuhl, um das Baumhaus zu verlassen.

Veronika geht mit Melone voraus, mit der Karte fest in ihren Händen, um auch ja nicht vom Weg abzuweichen.

Challenger läuft mir Finn in der Mitte. „Challenger, glaubst du wirklich, dass die beiden auch die sind für die sie sich ausgeben? Ich mein, sind wir nicht schon öfter in solche Fallen getreten?“ „Ich bin mir auch nicht so sicher, aber solange die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie es sind, werden wir alles tun, was in unserer Macht steht um ihnen zu helfen,“ gab ihr Challenger zu verstehen. „Ich hoffe, für Veronika, dass es diesmal keine Falle ist und sie ihren Vater endlich wieder trifft,“ fügte Finn noch hinzu. „Das wünsche ich ihr auch. Nach so langer Zeit, wie sie schon wartet, hat sie es wirklich verdient,“ erwidert Challenger bevor er sich noch einen Schluck aus seiner Kantine nimmt. .

Mit ein paar Meter abstand, schlendern Roxton und Marguerite hinterher. „John, wie weit ist es denn noch?“ fragt Marguerite ihn schon wieder ungeduldig. „Es wird wohl noch so um die zwei Stunden dauern, bis wir da sind,“ antwortet er ihr leicht genervt. „ Können wir nicht eine Pause einlegen?“ ist ihre nächste Frage. „Marguerite, wir haben erst vor 15 Minuten eine Pause eingelegt, du wirst es ja wohl noch eine Weile aushalten. Manchmal kannst du wirklich schlimmer nerven wie ein kleines Kind,“ gab er gereizt von sich. „Marguerite, ich...“ versucht sich Roxton noch zu entschuldigen, aber weiter kam er nicht, da Marguerite bereiz beleidigt nach vorne stürmte, um neben Veronika zu laufen.

„Oh, oh, ärger im Paradies,“ flüstert Finn Challenger zu, als Marguerite gerade an ihnen vorbei gestürmt war. „Und ich dachte, dass sie diese Phase endlich überwunden hätten,“ flüstert Challenger zurück

Eine halbe Stunde später erreichten sie einen Bach und beschlossen dort eine Pause ein zu legen.

Roxton und Marguerite haben während der ganzen Zeit kein Wort miteinander Gewechselt. Roxton hat es ja versucht, aber Marguerite hat ihn noch nicht einmal eines Blickes gewürdigt.

Als Marguerite sich zum Bach begab, um sich ein wenig zu erfrischen, nutzte Roxton die Chance um endlich mit ihr zu sprechen. Als er sich ihr näherte, trat er auf einen Ast, der daraufhin knackte. Marguerite hörte dies und ohne sich umzudrehen, wusste sie das es Roxton war.

„Was willst du? John,“ fragt sie ihn barsch, mit dem Rücken immer noch zu ihm gedreht. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen,“ antwortet er ihr reumütig. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich wüsste auch nicht für was, du hast doch nur die Wahrheit gesagt,“ erwidert Marguerite kalt. „ Marguerite, ich hab es doch nicht so gemeint, nur mit deinen ständigen Fragen haben mich ein wenig reizbar gemacht und dann hab ich grundlos überreagiert. Es tut mir wirklich aufrichtig Leid,“ entschuldigte er sich.

Er sah zu ihr hoffend hinüber, doch Marguerite rührte sich kein Stück, sondern blieb immer noch mit ihrem Rücken zu ihm stehen.

„Marguerite, bitte, sag doch was,“ bittet er mit flehender Stimme. Erst nach diesem Satz drehte sie sich langsam zu ihm um und sah ihn an. Als sie gerade den Mund aufmachte um Roxton zu antworten, hörten sie Challenger rufen, dass es weitergehe. Ohne ihm zu antworten lief Margerite zu den anderen, um neben Veronika weiter zu laufen. Roxton setzt sich seinen Hut auf, den er die ganze Zeit in seinen Händen hielt und begab sich ebenfalls zu den anderen.

Nach zwei weiteren sehr stillen Stunden, haben sie die Höhle erreicht. Challenger, Roxton und Melone entzündeten jeder ein Fackel, da sie erkennen konnten, dass es in der Höhle sehr dunkel war.

Langsam betraten die Expeditionsteilnehmer die Höhle und sahen sich vorsichtig um. Nach ein paar Meter erreichten sie so was wie das Zentrum der Höhle, denn von dort aus begannen unendlich viele weitere Tunnel. Sie konnten dort die Fackeln wieder ausmachen, denn es war dort aus irgendeinem unerklärlichem Grund sehr hell.

Da standen sie am Ende ihres Tunnels und sahen in einen riesigen Raum. „Was machen wir jetzt? Wir können ja wohl schlecht alle diese Tunnel einzeln absuchen,“ fragt Finn. „Wenn ich dadurch meinen Vater wieder finde,“ erwidert Veronika und geht zum Mittelpunkt des Zentrums, um von dort eine bessere Übersicht zu bekommen. „Veronika warte!“ rief ihr noch Melone hinterher, doch sie lies sich nicht aufhalten. Wieder willig folgten ihr die anderen, nach dem Challenger die Höhle, aus der sie kamen, markierte, damit sie auch wieder zurück finden würden.

Als sie da nun standen und sich umsahen, kam ihnen ein Mann in einem weisen Umhang, grauweißlich langen Haaren und langem Bart entgegen. Er sah sehr freundlich aus und war anscheinend unbewaffnet.

„Ich bin Georg Challenger und das hier sind meine Expeditionsteilnehmer. Miss. Marguerite Crew, Lord John Roxton...“ „Ich weiß wer sie sind,“ unterbrach ihn der alte Mann.

„Woher wissen sie das?“ fragt Challenger verblüfft. „Wir haben sie erwartet,“ entgegnet ihm Fremde. „Wer wir, ist mein Vater auch hier?“ fragt Veronika voller Hoffnung. „Ja er ist hier,“ entgegnet ihr der Mann. „Wer sind sie überhaupt?“ mischte sich Finn nun ein. „Mein Name ist Radek. Ich bin hier der Wächter.“ Antwortet ihr der alte Mann freundlich. „Also so was wie Petrus vor der Himmelstür?“ fragt jetzt ein neugieriger Melone. „So was in der Art, ja,“ antwortete Radek mit einer immer noch ruhigen Stimme. „Und mein Vater, wo ist er?“ fragt Veronika ungeduldig.

„Dort,“ entgegnet er ihr, während er mit seiner Hand auf einen der Gänge zeigt, der sich nun hell erleuchtet.

Veronika machte sich sofort auf den Weg zu dem besagten Tunnel, gefolgt von den Anderen.

„Halt!“ hörten sie plötzlich rufen und sahen plötzlich Radek, der gerade noch hinter ihnen war, vor ihnen stehen. „Was ist?“ fragt Finn einer lauteren Stimme. „Dieser Gang ist nur für Veronika bestimmt,“ entgegnete ihr Radek. „Und dieser hier ist für Sie Margerite,“ fügte er hinzu und zeigte auf einen weiteren Tunnel, neben den von Veronika, der sich nun ebenfalls hell erleuchtete.

„Für mich? Wieso?“ fragte ihn Margerite verunsichert. „Gehen sie und sehen sie selbst, die anderen werden hier auf sie beide warten,“ gab er ihr als antwort und verschwand.

„Wo ist er denn jetzt hin? Ist ja richtig unheimlich,“ meinte Finn überrascht. „Mir ist es egal was er sagte, ihr werdet nicht alleine gehen,“ entgegnet Roxton hartnäckig, während er nach vorne, Richtung Tunnel lief. Doch er musste feststellen, dass dort eine unsichtbare Wand ist, die Veronika und Margerite von dem Rest der Gruppe trennt, die er nicht durchschreiten kann. „Wir werden schon zurecht kommen, macht euch keine Sorgen, wir können auf uns selbst aufpassen,“ versuchte Veronika ihn und die anderen zu beruhigen. „Veronika hat Recht, macht euch keine Sorgen, uns wird schon nichts passieren,“ fügte Margerite hinzu. „Es bleibt uns ja anscheinend auch nichts anderes übrig, als das zu hoffen. Ich wünsch euch viel Glück,“ entgegnete Challenger.

Veronika und Margerite sahen sich noch ein letztes Mal um, bevor sie die leuchtenden Eingänge ihrer jeweiligen Gänge durchschritten und somit aus der Sichtweite der anderen verschwanden.

Als Margerite auf der anderen Seite ankam, stand sie vor einer braunen Holztür, die sie vorsichtig öffnete. Nach dem sie durch diese Tür ging, befand sie sich in einem großem Kinderzimmer. In diesem Zimmer stand ein Bett mit weisen Bettbezug, eine Spiegelkommode auf dem sich zwei Bürsten befanden und in den Regalen saßen jede menge Puppen.

„Oh, nein, nicht schon wieder,“ murmelte Margerite zu sich selbst, denn dieser Raum kam ihr ziemlich bekannt vor.

Als sie sich umsah, konnte sie plötzlich wunderschöne Klaviermusik hören, die eindeutig von einem unterem Stockwerk kamen.

Sie öffnete die andere Tür und begab sich den Flut entlang, womit es eindeutig war, dass sie sich in einem großem Haus befand.

Als sie das Ende des Flures erreichte und nun an einer Treppe, die nach unten führte, stand, konnte sie im unterem Stockwerk deutlich einen älteren Mann, etwa Anfang fünfzig und schick gekleidet, am Flügel sitzen sehen.

Er hört plötzlich mit dem Spielen auf und dreht sich langsam zu ihr, wo immer noch an der Treppe stand, um. „Margerite, du bist tatsächlich gekommen.“ „Wer sind sie und was wollen sie von mir?“ fragt Margerite. „Komm herunter und setzt dich zu mir, dann kann ich dir alles in Ruhe alles erklären,“ bot ihr der Fremde an, während er mit der Hand auf den Platz neben sich zeigte.

Unsicher schritt Margerite die Stufen hinab und stellte sich vor ihm „wer sind sie?“ fragte sie noch einmal. „Mein Name ist Maurice Lorant Depardieu und ich ... ,“ er stand auf, denn er konnte diesen Satz nicht vor ihr sitzend zu ende bringen . „Wie kann ich es dir nur am besten sagen?“ murmelt er vor sich hin, während er sich verunsichert an die Stirn fasst. „Was sagen?“ fragt nun Margerite, ebenfalls ein wenig verunsichert.

„Margerite, ich bin dein Vater,“ platzte es aus ihm heraus.

Für eine kurze Weile wurde es ziemlich still, keiner der beiden sprach auch nur ein Wort.

„Nein, sind sie nicht, ich habe keinen Vater,“ gab Margerite plötzlich von sich.

„Doch hast du. Margerite, ich weiß du denkst wir hätten dich weggegeben, aber das stimmt nicht. Ich hätte dich niemals weggegeben, ich habe dich doch über alles geliebt und tue es auch immer noch,“ erklärte er ihr.

„Ach ja, und warum habe ich dann mein ganzes Leben in Klosterinternaten verbracht, wo mich nie jemand besuchen kam?“ fragt Margerite, die verzweifelt versucht ihre Tränen zurück zu halten. „Das ist eine sehr lange Geschichte, die ich dir auch gerne erzählen möchte, aber vorher will ich dir noch etwas geben, wovon ich weiß dass du es schon lange suchst,“ sagte er, bevor er sich zum Bücherregal umdrehte, um dort aus einem verstecktem Fach eine Mappe heraus zu holen.

Nachdem er es ihr gegeben hat, sieht sie ihn fragend an „was ist das?“. „Schau nach,“ entgegnet er ihr sanft.

Sie öffnet es langsam, „meine Geburtsurkunde,“ kam wie ein flüstern von ihr.

Sie sah es lange an, denn in der Mappe war nicht nur ihre Geburtsurkunde sondern auch ihre Adoptions-Papiere, sowie zwei Fotos mit ihr und ihren Eltern.

Sie hoffte so sehr das es wahr war, aber wenn es wieder nur eine Halluzination ist, wüsste sie nicht ob sie dies verkraften könnte.

Aber sie konnte nicht mehr anders, als ihn zu umarmen.

Als sie merket, dass er sie zurück umarmte, lies sie ihren Tränen freien lauf.

Als sie sich aus seiner Umarmung langsam löste, fragte sie ihn was denn damals geschehen ist und nachdem sie sich beide an einem Tisch gesetzt hatten fing er an zu erzählen.

„Als ich deine Leiblichen Mutter Sarah Montgomery kennen lernte, war ich noch sehr jung, erst Anfang zwanzig. Sie war etwas älter und auch schon verheiratet. Sie wurde dann plötzlich schwanger und es war eindeutig dass ich der Vater bin, da ihr Mann zeugungs-unfähig war. Ich hatte gerade erst von meinem verstorbenem Vater die Restaurants geerbt und war zudem noch Teilhaber einer Oper, in der ich auch als Komponist tätig war. Wir hatten sehr lange diskutiert und kamen dann zu dem Entschluss, dass es am besten währe wenn ich dich zu mir nehmen würde, damit sie ihr Leben gewohnt weiter leben kann. Dein Taufpate Thomas Lyton hat mir geholfen dein Zimmer herzurichten und alles vorzubereiten. Dann am 14. Mai 1887 kamst du um 04.15 Uhr am Morgen zur Welt.

Ich verliebte mich dann in Amanda Parker, die bei mir in der Oper tätig war und wir heirateten dann bald darauf. Als du dann ungefähr ein Jahr alt warst unterschrieb sie die Adoptions-Papiere, damit, für den Fall dass mit was zustößt, es keine Probleme geben wird und du in sicheren Händen bist. Da aber keiner wusste wo deine leibliche Mutter war, konnte diese nicht unterschreiben, aber mein Anwalt meinte, dass es trotzdem gültig währe.

Leider lag er damit aber falsch. Am 23. Mai 1890, war ich am Abend auf dem Weg nach hause, von einem meiner Restaurants. Ich wurde dann in einer Gasse überfallen und ermordet, meine Leiche hat man nie gefunden, da sie diese in der Themse versenkt hatten.

Ich wurde dann einen Monat später für Tod erklärt und mein Testament bekannt gegeben, in dem du als Haupterbe eingetragen warst.

Kurz darauf bekam Amanda ein schreiben von einem Anwalt, dass Sarah dich wieder zurück haben möchte. Es kam zu einer Gerichtsverhandlung, in der durch die Fehlende Unterschrift von Sarah auf den Adoptions-Papiere, das Gericht es für ungültig erklärt hat und dich Sarah zusprach.

Deine Mutter Amanda hat dich über alles geliebt, es hat ihr das Herz gebrochen, dich weggeben zu müssen. Sie war es auch die dir dieses Medaillon gegeben hat. Sie hat dich noch Jahre lang gesucht, aber dadurch dass du keinen Nachnamen mehr hattest und ständig in andere Klosterschulen versetzt wurdest, war es unmöglich dich zu finden.“ Margerite konnte erkenne, welche Gefühle es wieder in ihm hoch brachte, als er ihr dies erzählte.

„Meine leibliche Mutter hat mich nur wieder gewollt, damit sie an das Erbe heran kann,“ sagte Margerite leise, dass Maurice mit einem langsamen Nicken bejahte.

„Woher weißt du das alles, wenn du doch Tod warst?“ fragte nun Margerite vorsichtig. „Ich war zwar Tod, aber das was hier unten geschah, bei euch, habe ich alles mitbekommen,“ antwortete er ihr und „Margerite, ich war die ganze Zeit da, ich hab dich nie alleine gelassen,“ fügte er noch hinzu.

„Du hast alles gesehen, alles was ich getan habe?“ fragt sie ihn und sah ihn verunsichert an. „Ja, aber ich weiß auch aus welchen Gründen du dies alles getan hast. Du warst in einer sehr schweren Situation, jeder hätte so gehandelt. Ich bin sehr stolz auf dich,“ beruhigte er sie.

„Es ist Zeit, du musst wieder gehen, die Anderen warten schon auf dich,“ sagte er ruhig und stand auf. „Du kannst deine Unterlagen mit nehmen, denn alles was du in den Händen hältst, kannst du aus dieser Zwischenwelt mit nehmen, in die Welt der Lebenden,“ erklärt er ihr, während er sie zur Tür bekleidet.

Als sie an der Tür angekommen sind, umarmen sie sich noch mal und Margerite macht sich auf den Weg, hindurch zu gehen. Aber kurz davor, dreht sie sich noch mal um und reicht ihm die Hand. „Kannst du nicht mitkommen?“ fragt sie in leise. „Nur wenn du dir auch ganz sicher bist, dass ich mitkommen soll,“ antwortet er und gab ihr seine Hand, um zusammen mit ihr hindurch zu schreiten.

Als sie aus dem Gang heraus kamen, sahen sie die anderen, mit Veronika und ihrem Vater, schon ungeduldig warten.

Sie begrüßten sich und Margerite stellte sie einander vor. „Darf ich vorstellen, das ist mein Vater Maurice Lorant Depardieu und das sind Georg Challenger, der Leiter unserer Expedition, Ned Melone, unser Reporter, Finn, die aus der Zukunft zu uns kam, Lord John Roxton ist Jäger und Veronika, die hier aufgewachsen ist und ihren Vater kennst du ja.“

Nachdem sie sich gegenseitig die Hände geschüttelt hatten machten, machten sie sich alle auf den Weg nach Hause. Unterwegs mussten Maurice und Thomas rede und antwort stehen, denn sie wurden mit fragen gerade zu bomadiert.

Challenger sprach davon, wie erstaunlich es doch ist, was so alles auf dem Plateau passiert und das er diese Höhle unbedingt noch einmal untersuchen muss.

Melone stellte alle möglichen Fragen, damit er auch alles ausführlich aufschreiben kann.

Margerite und Veronika liefen neben ihren Vätern und hörten gespannt zu, was diese zu berichten hatten.

Finn und Roxton liefen hinter her. „Kaum zu glauben, was heute alles passiert ist, „ meint Finn zu Roxton. „Stimmt aber hier, auf dem Plateau, ist alles möglich. Mich überrascht so schnell nichts mehr,“ antwort Roxton. „Ich freu mich für die beiden, dass sie endlich ihre Väter gefunden haben, immer hin hat Margerite ihr ganzes und Veronika ihr halbes Leben lang nach ihnen gesucht,“ fügt Finn hinzu. „Ja, mich freut es auch. Endlich haben beide ihren Selenfrieden,“ sagte Roxton. „ Aber wo sollen die beiden schlafen, ich mein wir haben in dem Baumhaus wirklich keinen Platz mehr für die beiden, es ist kein Zimmer mehr frei. Aber wir könnten ein Zelt draußen, neben dem Baumhaus aufstellen,“ erwidert Finn. „Wir werden schon noch eine Lösung finden, wie alle im Baumhaus Platz haben ohne das jemand im Zelt schlafen muss, denn das kann ja wohl unmöglich dein Ernst sein,“ konterte Roxton ein wenig entsetzt. „War ja nur ein Scherz,“ meinte Finn mit einem verschmitztem Lächeln auf den Lippen.

Als es nun dunkel wurde und alle das Abendessen, wo Roxton und Challenger zubereiteten, gegessen hatten, wurde es Zeit schlafen zu gehen.

„Wie machen wir das jetzt mit der Zimmer Aufteilung?“ fragt Finn. „Also wegen mir müssen sie sich keine Umstände machen, ich kann auch hier auf der Couch schlafen,“ schlug Maurice großzügig vor. „Das kommt nicht in Frage. Finn kann bei Veronika schlafen, dann ist ihr Zimmer frei und wenn dann noch jemand sein Zimmer mit einem teilt, haben wir auch schon das zweite,“ antwortete Challenger, dabei sah er zu Marguerite und Roxton, wollte es aber nicht laut aussprechen. „Ich kann bei Roxton schlafen, dann währe mein Zimmer auch noch frei,“ warf Melone ein, als er sah wie Marguerite bei Challengers Vorschlag rot anlief.

Nachdem dies geregelt war, wünschten sich alle eine gute Nacht und gingen in ihre Zimmern.

Etwa eine Stunde später lag Roxton immer noch wach in seinem Bett. Es lag nicht daran, dass er nicht müde war oder ihn irgendwas belastete, aber wer hätte gedacht, dass ein Reporter so laut schnarchen kann.

„Das hat doch keine Sinn mehr,“ sagte er zu sich selbst und stand daraufhin auf. Er schlich leise zu Marguerites Zimmertür, öffnete sie vorsichtig und ging hinein.

Marguerite konnte ebenfalls nicht schlafen und war noch hell wach. „John, was willst du?“ fragt sie ihn erstaunt. „Melone schnarcht lauter, als ein T-Rex brüllen kann,“ gab er ihr als antwort, woraufhin sie sich ein Lächeln nicht mehr verkneifen konnte. „Kann ich bei dir schlafen?“ fragt er sie und sah sie erwartungsvoll an.

Sie antwortete erst nicht, sondern dachte darüber nach, was wohl die anderen am nächsten Morgen dazu sagen würden. Aber als sie Roxton so an sah, konnte sie nicht anders, als ihm mit einer Geste, den Platz neben sich an zu bieten.

Als Roxton sich zu ihr gelegt hatte und sie behutsam in den Arm nahm, fragte er sie warum sie nicht schlafen könne. „Du bist doch nicht mehr wegen dem sauer, was ich heute sagte? Es tut mir wirklich leid, ich hab es nicht so gemeint,“ fügt Roxton noch hinzu. „Nein John, dass ist es nicht. Ich weiß, dass es dir leid tut, denk nicht mehr darüber nach,“ beruhigte ihn Marguerite. „Wegen deinem Vater?“ fragte er weiter, was sie mit einem Nicken bejahte.

„Mein ganzes Leben lang dachte ich, dass sie mich nicht wollten, dass sie von Anfang an gesehen hätten, was für ein schlechter Mensch ich bin. Jetzt hab ich endlich heraus gefunden, was wirklich passiert ist,... dass sie mich nicht hassen,“ antwortet Margerite mit zitternder Stimme. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so glücklich sein würde, dass ich deshalb nicht einschlafen kann,“ fügt Margerite mit einem winzigem Lächeln hinzu.

„Wie könnte jemand dich nicht lieben,“ entgegnete ihr Roxton, mehr als eine Aussage als eine Frage und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.

„Marguerite, ich hab über uns nachgedacht,“ fing er vorsichtig an. Marguerite sah ihn leicht verunsichert an, da sie ein wenig Angst davor hat, was er als nächstes sagen würde. „Wir könnten doch zusammen ein Zimmer teilen. Was hältst du davon?“ fragt er sie und wartet nervös auf ihre Antwort. „Ich weiß nicht, ich finde es schön, so wie es ist,“ antwortet sie ihm. „Wir müssten uns nicht mehr in der Nacht heimlich in das Zimmer des anderen schleichen und das Zimmer wo dann übrig ist, könnten wir deinem Vater geben, dann währe auch das mit dem Platzmangel fast geregelt,“ versucht er sie zu überzeugen. „Aber wenn du nicht mit mir ein Zimmer teilen willst, musst du es nur sagen,“ fügte er ein wenig gekränkt hinzu. „Nein John, es liegt nicht an dir, es ist nur... ach ich weiß auch nicht,“ versucht sie ihm zu erklären. „O.k., wie währe es wenn wir es dann einfach nur auf Probe machen, ich ziehe in dein Zimmer oder du in meins und wenn es dir nicht mehr gefällt, dann machen wir es rückgängig,“ bot er ihr an. „Aber wir nehmen dann mein Zimmer, denn es ist nicht nur größer sondern auch schöner,“ entgegnet sie ihm. „Ist das ein Ja?“ fragt er sie, was sie mit einem Nicken bejahte und trotz der Dunkelheit konnte sie seine Augen vor Glück strahlen sehen.

Er konnte nicht mehr anders als ihre Lippen durch einen leidenschaftlichen Kuss, in Besitz zu nehmen. Als sich ihre Lippen trennten, küsste er sich über ihren Nacken immer weiter nach unten während einer seiner Hände einen Träger ihres Nachthemdes langsam von ihrer Schulter streift. Er spürte ihre Hand, die seine festhielt um ihn daran zu hindern. „John, nicht, mein Vater schläft nebenan,“ erklärt sie ihm, denn sie wollte nicht das dieser eine schlechte Meinung von ihr bekommt. „Du hast Recht, wir sollten das lieber lassen und ein wenig schlafen, wer weiß was morgen passiert,“ gab ihr Roxton Recht und gab ihr noch einen letzten zärtlichen Kuss auf die Lippen, bevor sie sich eine gute Nacht wünschten und einschliefen.

Marguerite wurde in der Nacht durch ein merkwürdiges Geräusch, das aus der Küche kam, geweckt. Da sie Roxton nicht beunruhigen wollte, stand sie leise auf und schlich sich aus dem Zimmer, um nachzusehen was dort los sei.

Als sie dann am Kücheneingang stand, sah sie ihren Vater im Nachtgewand, mit dem Rücken zu ihr stehen.

Er muss sie wohl kommen gehört haben, denn er drehte sich plötzlich um. „ Ich hoffe ich hab dich nicht geweckt,“ fragt er sie. „Um ehrlich zu sein, ja,“ entgegnet sie ihm verunsichert, denn die Situation ist immer noch sehr neu für sie. „Das tut mir leid, ich hab versucht leise zu sein, aber das ging wohl daneben,“ entschuldigt er sich höflich. „Ich mache gerade Tee, willst du auch was,“ bot er ihr an, was sie mit einem Nicken bejahte.

Als sie sich zusammen an den Esstisch saßen, war es erst ziemlich still, da keiner so recht wusste was er sagen soll.

„Wieso kannst du nicht schlafen?“ fragt Marguerite ihn schließlich. „Ich bin generell eher ein Nachtmensch, wo dafür dann den ganzen Vormittag verschläft. Ich hab früher sehr viel in der Nacht gearbeitet und die Umstellung kann noch ein Weilchen dauern. Um ehrlich zu sein, es ist heut auch viel passiert, worüber ich nachdenke und dadurch ich ebenfalls nicht schlafen kann,“ erklärt er ihr.

„Wenn du irgendwas wissen willst, kannst du jederzeit fragen, ich werd dir alles beantworten so gut ich kann,“ bot er ihr an.

„Da gibt es schon so einige Fragen die ich an dich habe,“ entgegnet sie ihm nicht mehr ganz so unsicher wie am Anfang. „Erst einmal, wie soll ich dich eigentlich nennen? Mr. Depardieu? Maurice? Oder... Dad?“ fragt sie ihn, wobei das letzte etwas zögernd kam. „Womit du dich am wohlsten fühlst, wobei ich hoffe dass das nicht Mr. Depardieu ist,“ antwortet er ihr, wobei sich beide ein Lächeln nicht mehr verkneifen können. „Gut, dann nenn ich dich Dad,“ entgegnet sie ihm, wobei sie ihn fragend ansah und er sah sehr glücklich über diese Entscheidung aus.

Sie fing nun an Fragen zu stellen, über ihre Mutter und leibliche Mutter, ihre ganze Familie, seine Kindheit und seine Arbeit.

Er erzählte ihr, dass er ebenfalls in eine Klosterschule ging, zusammen mit Thomas Lyton und was für Streiche sie zusammen den Nonnen gespielt hatten. Sie erfuhr auch, dass ihr Urgroßvater noch lebte, dass dieser Franzose ist, genauso wie er und seit dem seine Frau starb in England lebt, sich aber strickt dagegen weigert, die Englische Sprache zu erlernen.

Sie redeten die ganze Nacht hindurch, über alles mögliche, was für beide wohl etwas befreiendes hatte.

Als sich langsam der Morgen näherte, hielt es Maurice für das Beste, wenn sie doch noch einwenig schlafen würden. Sie standen beide auf und Maurice gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Träum was schönes,“ wünschte er ihr. „Du auch,“ entgegnet sie ihm, worauf hin dann beide in ihre Zimmern verschwanden.

Als Marguerite sich in ihr Bett legte, wachte Roxton durch die Bewegungen auf.

„Wo warst du?“ fragt er sie noch ziemlich müde. „In der Küche. Ich hab mit meinem Vater Tee getrunken und wir haben die halbe Nacht geredet,“ antwortet sie ihm glücklich. „Das freut mich,“ sagte er noch halb im Schlaf, bevor er seinen Arm um sie legte und wieder weiter schlief.

Am Morgen versammelten sich alle, bis auf Marguerite und ihr Vater, am Frühstückstisch. Roxton berichtete ihnen, dass die beiden die halbe Nacht hindurch geredet haben und alle waren sich eins, dass es wohl das Beste währe, die beiden ausschlafen zu lassen.

„Sagen sie mal Mr. Lyton...“ fing Challenger an, kam aber nicht weiter, da dieser ihn unterbrach. „Bitte nennen sie mich Thomas,“ bot er ihm an. „Aber nur wenn sie, am, du mich Georg nennst,“ entgegnet Challenger ihm. „Gut, Georg, was wolltest du mich fragen?“ fragt ihn nun Thomas, während die anderen gespannt der Konversation zwischen den beiden lauschten.

„Mich würde interessieren, ob du nicht zufällig den Weg vom Plateau kennst?“ fragte ihn Challenger schließlich. „Denk dir nichts dabei, das fragt er so ziemlich jeden, den wir hier antreffen,“ mischte sich nun Finn ein.

„Ja, ich kenne den Weg vom Plateau,“ antwortet schließlich Mr. Lyton, wobei ihn nun alle überrascht ansahen.

„Wirklich und wo ist er?“ fragt nun Melone. „Das würde mich auch interessieren, wir haben schließlich alles abgesucht,“ fügt John hinzu. „Nicht alles John. Ich vermute auch, dass es unmöglich ist das ganze Plateau zu besichtigen, da es sich ständig verändert,“ erklärte nun Challenger. „Mein Vater wird schon wissen, wo es ist. Last ihn doch erst mal ausreden,“ unterbrach Veronika sie, wobei nun alle Thomas fragend ansahen.

„Es ist nicht weit von hier, höchstens vier Stunden entfernt, in einer Höhle. Diese Höhle führt direkt zur anderen Seite, durch die sind wir auch damals hier her gekommen,“ erzählt schließlich Mr. Lyton. „Durch eine Höhle, wie ich es immer vermutet hatte,“ murmelt Challenger vor sich hin.

Als Thomas ihnen gerade den Weg dorthin erklärte und dies in eine Karte aufzeichnete, kam Marguerite aus ihrem Zimmer und fragte erstaunt, was denn hier los sei.

„Wir gehen nach Hause,“ antwortet ihr Roxton. „Was?“ fragt sie verwirrt. „Thomas kennt den Weg vom Plateau, es sieht also ganz danach aus, als würden wir bald London wieder sehen,“ erklärt ihr Challenger.

Es war erst ziemlich still, niemand wusste was sie sagen sollten. Es machte den Anschein als währe niemand wirklich begeistert.

„Wann werdet ihr losgehen?“ fragt Veronika. „Du kommst nicht mit?“ fragt Melone ein wenig enttäuscht. „Nein ich kann nicht. Ich bin ja die zukünftige Beschützerin und daher geht es leider nicht. Ihr werdet wohl ohne mich gehen müssen,“ erklärt sie, während sie sich eine Träne wegwischt. „Ich werde auch hier, bei Veronika, bleiben,“ entgegnete Finn und fügte noch hinzu, dass sie sich in London sowieso nicht zurecht finden würde und dass sie sich hier im Baumhaus am wohlsten fühle.

„Wer geht wo hin?“ fragt plötzlich Maurice, der so eben aufgestanden war. „Ich habe ihnen gerade den Weg vom Plateau erklärt und jetzt wird gerade darüber diskutiert wer geht und wer nicht,“ erzählt ihm Thomas. „Aha, und wer will hier nicht weg?“ fragt Maurice nun. „Finn und ich bleiben hier,“ antwortet ihm Veronika bestimmt. „So, und warum? Hast du es ihnen noch nicht gesagt?“ wobei er nun Mr. Lyton fragend ansah. „Nein ich bin noch nicht dazu gekommen,“ entgegnet ihm Thomas. „Was erzählt?“ ist nun Challengers Frage.

„Es ist so, dass wir alle das Plateau verlassen können, sogar Veronika. Als dies mit der Zeitraumverschiebung war, hat sie das Plateau gerettet und das Gleichgewicht zwischen den Mächten wieder hergestellt, somit wurde ihre Aufgabe erfüllt und sie kann ihr Leben wieder normal weiter Leben,“ erklärt Maurice kurz und knapp.

„Könnt ihr beiden denn ebenfalls das Plateau verlassen, denn eigentlich seit ihr doch Geister, oder?“ fragt nun Finn ein wenig verwirrt.

„Ja können wir, denn dadurch dass wir die Welt der Geister verlassen haben wurden wir wieder zu Menschen, wie ihr es seit. Und wie schon gesagt, waren wir ja nicht offiziell Tod, denn unsere Leichen wurden eigentlich ja nie wirklich gefunden. Wir werden einfach erzählen, dass Maurice überfallen wurde und so einen kräftigen Schlag auf dem Kopf bekam, dass er Amnesie hatte und selbst nicht weiß wie er hier her kam. Dass er sich an die letzten 33 Jahren nicht erinnern kann, aber an das davor schon wieder. Über mich werden wir einfach sagen, dass ich die ganze Zeit auf dem Plateau war und hier lebte,“ erklärt Thomas ihnen.

„Es ist nur, dass dies keine gewöhnliche Höhle ist, wer dort hindurch geht, wird mit seinen eigenen Erinnerungen konfrontiert. Sie werden für jeden sichtbar, die guten so wie die schlechten,“ fügte Thomas hinzu.

„Du bist da ja auch schon einmal hindurch gegangen, dann können wir das auch,“ entgegnete ihm Challenger überzeugt.

Sie einigten sich darauf, dass sie morgen das Plateau verlassen. Veronika, ihr Vater, Maurice, Melone und Finn machten sich auf den Weg zum Zenga Dorf, um sich von Assai und den anderen zu verabschieden. Challenger ging ins Labor, um seine wichtigsten Geräte zusammen zu suchen, sowie seine Forschungs-Ergebnisse. Marguerite war damit beschäftigt ihre Diamanten zu finden, sie hatte sie so gut versteckt, dass sogar sie sich schwer tat sie zu finden. Und Roxton war in seinem Zimmer und packte das Nötigste ein, wo er mitnehmen wollte.

Marguerite war gerade dabei das Fünfte Loch innerhalb des Elektrischen Zaunes auszuheben, in der Hoffnung dass dies endlich die Richtige Stelle ist, als sich Roxton ihr vorsichtig näherte.

„Marguerite, hast du kurz Zeit? Ich will mit dir reden,“ fragt sie Roxton ein wenig nervös.

„Ja, aber nur kurz. Was gibt es denn?“ erwidert sie ihm, während sie sich aufrichtet und ihn nun fragend ansah. „Ich wollte mit dir darüber reden, wie es mit uns weiter geht, wenn wir nach London zurückkehren, ich ...“ fing er an und machte einen sehr nervösen Eindruck, während er sich plötzlich vor sie nieder kniete. „Marguerite, würdest du mir die Ehre erweisen und mich heiraten?“ fragte er sie, während er einen Ring aus seiner Hosentasche kramte und diesen nun in seinen Händen vor ihr hielt.

„John, ich...das geht nicht,...es tut mir leid,“ antwortet sie ihm schluchzend, während ihre Augen schon ganz glasig wurden. „Warum nicht? Wir lieben uns doch...,oder?“ fragte er und sah sie verunsichert und ein wenig gekränkt. „Das hat damit nichts zu tun, du weißt wie sehr ich dich liebe, es ist nur...,wenn wir erst durch diese Höhle gegangen sind und du teile meiner Vergangenheit gesehen hast, wirst du mich nicht mehr heiraten wollen,“ antwortet sie ihm und versucht sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. „Das denke ich nicht. Nichts wird mich davon abbringen dich heiraten zu wollen,“ antwortet er ihr ruhig, um sie zu beruhigen und vielleicht doch noch die erhoffte Antwort zu erhalten. „Das werden wir ja dann sehen. Du kannst mich ja immer noch fragen, wenn wir durch diese Höhle gegangen sind, wenn du willst,“ erklärte sie ihm, drehte sich danach um und ging weg, um nicht weiteren Fragen von ihm ausgesetzt zu sein. „Das werde ich auch,“ rief er ihr noch hinterher, bevor er sich Richtung Aufzug begab.

Am Abend waren wieder alle Vollzählig und jeder berichtete, mit Ausnahme von Roxton und Marguerite, was so alles im laufe des Tages geschehen ist.

Veronika richtete allen die lieben Grüße aus, die sie von Assai und den anderen im Zanga Dorf, zum Auftrag bekam.

Bald machten sich alle auf ins Bett, denn sie wollten am morgigen Tag früh los.

Roxton schlief diesmal bei Challenger, in der Hoffnung dass dieser weniger schnarchen würde. Wobei er diesmal auch anscheinend Glück hatte, denn dieser schnarchte nicht annähernd so laut, wie Melone es letzte Nacht tat.

Finn schlief wieder bei Veronika, da anscheinend keiner der beiden schnarcht, gab es da auch keine Probleme.

„Veronika, schläfst du schon?“ fragt Finn leise. „Jetzt nicht mehr,“ antwortet ihr diese, mit immer noch geschlossenen Augen. „Es tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe,“ entschuldigt sich Finn. „Ist schon O.k., was ist denn?“ wobei sich Veronika fragend zu ihr hindreht.

„Es ist wegen morgen, was denkst du wie es in auf der anderen Seite sein wird?“ war nun Finns frage. „Ich weiß es nicht. Ich war noch nie dort, aber so wie die anderen berichteten, muss es dort sehr schön sein,“ antwortet Veronika ihr aufmunternd. „Besser wie in New Amazonia wird es alle mal sein,“ fügt Finn noch hinzu. „Ja und ich hoffe nicht so laut, mir tun immer noch die Ohren weh,“ scherzte Veronika, wobei beide lachen mussten.

„Wenn es uns dort nicht gefallen sollte, können wir ja wieder zurück kehren,“ schlug ihr Veronika vor, was Finn befürwortete.

„Georg hat mir angeboten, dass ich bei ihm in London wohnen kann, solange ich möchte,“ erzählt Finn. „Scheint als würde Challenger voll und ganz in seiner Vaterrolle aufgehen,“ antwortet Veronika.

Die beiden unterhielten sich noch sehr lange, bevor sie einschliefen, um am nächsten Tag wieder Top Fitt zu sein.

Am frühen Morgen waren alle Baumhausbewohner hell wach und schon mit dem Frühstück fertig. Sie waren alle bereit das Baumhaus zu verlassen und sahen sich noch einmal mit gemischten Gefühlen um, denn es sind doch noch sehr viele Erinnerungen damit verbunden, wo sie nicht einfach so hinter sich lassen konnten. Veronika nahm das Schild mit der Aufschrift „Home sweet Home“ ab und steckte es in ihren Rucksack.

Schweigend machten sie sich auf den Weg zur Höhle, von der sie hofften dass diese sie nach Hause führte. Jeder von ihnen trug einen vollgepackten Rucksack auf seinem Rücken, welcher ihnen durch die Hitze noch schwerer vor kam.


„Sag mal Challenger, euer wievielter Versuch ist das eigentlich schon, das Plateau zu verlassen?“ fragt Finn neugierig und sah dabei Challenger fragend an. „Gute Frage. Ich muss zugeben so genau weiß ich es auch nicht mehr. Dieser müsste aber so ungefähr unser 7ter sein,“ antwortet er ihr. „Und obwohl es jedes Mal schief lief, versucht ihr es dennoch immer wieder,“ entgegnete Finn. „Ja, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Außerdem bin ich diesmal sehr zuversichtlich, dass es klappt und wir diesmal wirklich nach Hause kommen,“ antwortete Challenger überzeugt.

Auf dem Weg zur Höhle war es sehr ruhig. Es begegnete ihnen kein Dinosaurier oder Affenmenschen, aber auch keiner aus der Gruppe sprach besonders viel. Sie waren alle in Gedanken versunken, wegen London und was sie in der Höhle erwarten würden.

Nach viereinhalbe Stunden, sind sie schließlich an der besagten Stelle, wo die Höhle sein soll, angekommen.

„Wir sind da,“ sagte Mr. Lyton und zeigte mit seiner Hand auf eine Steinwand, wo sie kaum erkennen konnten, vor lauter Pflanzen. „Also, ich sehe hier keine Höhle,“ entgegnete Finn ein wenig sarkastisch. „Sie ist auch hinter diesen Pflanzen. An der linken Seite ist eine kleine Öffnung, durch die man sich durchzwängen kann,“ antwortet Thomas ruhig. „So gut wie sie versteckt ist, ist es kein Wunder, dass wir sie nie fanden,“ entgegnete Challenger, während er sich fasziniert umsah.

„Bevor wir diese Höhle betreten, muss ich euch warnen. Es ist als würde sie einen nach dem Anderen herauspicken und analysieren,“ erklärte Thomas. „Wie meinst du das?“ fragte Challenger interessiert. „Die Höhle ist sehr lang, als wir damals durchgingen dauerte es mehrere Stunden bis wir auf der anderen Seite herauskamen. Es erschien immer wieder so etwas wie eine Wand vor uns, auf der wir einige Lebensabschnitte desjenigen sehen konnten, wo sie gerade herauspickte. Erst als sie mit dieser besagten Person fertig war, verschwand diese Wand und wir konnten weiter gehen,“ erläuterte Thomas näher. „Was passiert mit demjenigen wo sie sich aussuchte?“ fragte nun Finn skeptisch. „Nichts. Manchmal wussten wir am Anfang noch nicht einmal, von wem diese Vergangenheit war und erst nach einer Weile kamen wir darauf,“ erklärte Thomas.„Gut dann lasst uns hineingehen, damit wir heute noch auf der anderen Seite ankommen,“ brachte Challenger ein.

Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Eingang der Höhle, als Marguerite plötzlich stehen blieb „Ich komme nicht mit, ich werde hier bleiben“. „Was wieso?“ fragt Roxton sie entsetzt. „Irgendjemand muss sich doch um das Baumhaus kümmern,“ rechtfertigt sie sich und versucht dabei überzeugend zu wirken. „Das kannst du nicht ernst meinen. Während der ganzen Zeit, wo wir schon hier sind, redest du von nichts anderem als das Plateau zu verlassen und jetzt wo wir kurz davor sind willst du einen Rückzieher machen,“ entgegnet ihr Roxton fassungslos. „Wenn es wegen deiner Vergangenheit ist. Keiner wird dich deswegen verurteilen, das ist doch schon alles lange her und du hast dich verändert,“ fügte er beruhigend hinzu und die anderen bestätigten seine Aussage mit einem freundlichen Nicken.

Marguerite sah sie alle prüfend an und konnte an ihren Gesichtsausdrücken erkennen, dass sie es so ehrlich meinten, wie sie es sagten. Unsicher und immer noch misstrauisch willigt sie doch ein, sie durch die Höhle zu begleiten.

Vorsichtig betraten sie die dunkle Höhle. Roxton und Melone waren gerade dabei eine Fackel anzuzünden, als es plötzlich hell wurde. „Woher kommt dieses Licht?“ fragt Veronika verblüft. „Das ist wirklich erstaunlich,“ murmelte Challenger vor sich hin. „Anscheinend erwartet uns schon die erste Rückblende,“ erklärte Thomas.

Die Expeditionsteilnehmer gingen langsam die Höhle entlang, bis sie an so eine besagte Wand ankamen. Gespannt und sehr nervös, darüber was nun passieren wird, standen sie davor.

Plötzlich war es als könnten sie in eine andere Welt sehen. Sie konnten mehrere Kinder, im alter zwischen 7 und 12 Jahren, erkennen, die gerade in einem Klassenzimmer sitzen. Der Lehrer steht vor ihnen und liest einen Aufsatz laut vor, den anscheinend einer von ihnen geschrieben hat. Als er fertig war, sah er sich suchend um. „Edward, aufstehen,“ sagte er in einem ernsten Ton. In der zweitletzten Reihe stand daraufhin ein schmächtiger Junge auf, mit blonden kurzen Haaren. „Wolltest du nicht Journalist werden?“ fragte der Lehrer in einem lauten Ton. „Ja, Sir,“ antwortete der blonde Junge. „ Warum jetzt nicht mehr?“ fragt er den Jungen streng. „Ich will es immer noch werden,“ stellt der blonde Knabe richtig. „Ach ja und wieso gibst du mir dann so einen Aufsatz ab? Das ist einer der schlechtesten Aufsätze die ich je gelesen habe. Wenn du deinen Berufswunsch als Journalist noch nicht aufgegeben hast, dann solltest du es nach dieser Arbeit hier tun, denn du bist definitiv nicht dafür geeignet,“ fährt er den kleinen Edward an, worauf hin er zu weinen beginnt und aus dem Klassenzimmer hinaus rennt.

Die Expeditionsteilnehmer sahen dies und keiner wusste wie er darauf reagieren sollte. Melone stand fassungslos und erschüttert da, denn dieses Erlebnis hatte er verdrängt und nun wurden die ganzen Gefühle wieder in ihm aufgewühlt. Veronika nahm seine Hand, „du bist der beste Journalist, den ich kenne,“ flüsterte sie ihm ins Ohr. „Ich bin ja auch der einzige, den du kennst,“ flüsterte er zurück, woraufhin beide lächelten und er sich schon ein wenig besser fühlte.

Die Wand begann nun wieder ein Ereignis zu zeigen. Sie konnten London deutlich erkennen, sowie das Zoologische Institut, in der Challenger seinen Vortrag gehalten hat. Diesmal erkannten sie Melone sofort, denn er sah fast genauso aus wie auf dem Plateau, nur vielleicht ein klein wenig jünger und naiver. Bei ihm stand eine junge Frau mit blonden hochgesteckten Haaren. „Nedy, du solltest an dieser Expedition teilnehmen, dass würde dir nur gut tun,“ sprach sie auf ihn ein. „Gladys ich weiß nicht, das währe so weit weg von dir und ich würde dich furchtbar vermissen,“ versuchte er sich zu rechtfertigen. „Aber, wenn du dann zurückkommst, als ein Held, haben wir genügend Zeit um für immer zusammen zu sein,“ versuchte sie ihn zu überzeugen. „Es wird ja nicht für lange sein. Außerdem sind wir ja schon verlobt und wenn du dann wieder zurückkommst werden wir heiraten,“ fügte sie noch hinzu. „Du hast Recht,“ gab er schließlich nach und willigte ein.

Wieder verschwand die Szene an der Wand und eine neue war zu sehen. An diese Landschaft konnten sich Marguerite, Roxton und Challenger auch noch erinnern. Sie sahen den Ballon und eine Kraterlandschaft, das war zweifelsfrei dort, wo sie landeten als sie die Kontrolle über den Ballon verloren und in eine Krater eines erloschenen Vulkans landeten. Melone brachte gerade Veronika die Notizen ihrer Eltern, die er gefunden hatte und dann beschlossen sie nur Freunde zu bleiben.

Auch diese Szene verschwand, aber diesmal mit ihr auch die ganze Wand. „Scheint als währe das alles gewesen,“ meinte Finn. „Ich bin froh, dann habe ich es jetzt wenigstens hinter mir,“ entgegnete Melone.

Die Gruppe machte sich wieder auf den Weg, die Höhle zu durchqueren.

Nach einer Weile, tat sich wieder eine Wand vor ihnen auf. Diesmal konnten sie einen rothaarigen Jungen erkennen, der gespannt Fische beobachtet und Testet mit welchen Ködern sie sich am schnellsten anlocken ließen. Neben ihm lag eine Liste, in der er all seine Ergebnisse eintrug.
Er muss sich zu weit nach vorne gebeugt haben, denn plötzlich viel er ins Wasser. Anscheinend konnte er nicht schwimmen, denn er begann mit seinen Armen um sich zu schlagen und um Hilfe zu rufen. Langsam verstummten die Hilfeschreie des Jungen, sowie der verzweifelte versuch sich über Wasser zu halten.
Ein Mann, der zufällig vorbei kam, sprang ins Wasser und zog ihn heraus. Er begann mit den Wiederbelebungsmaßnahmen woraufhin der Junge zu husten anfing und das geschluckte Wasser wieder ausspuckte.

Die Szene wechselt sich, wobei der Mann, den sie jetzt sahen, schon eher wie Challenger aussah. Es war eindeutig zu erkennen, dass das seine Hochzeitsfeier sein musste. Er war sehr schick gekleidet und seine Frau trug ein wunderschönes, der damaligen Zeit topmodisches, Brautkleid. Es waren sehr viele Gäste anwesend und jeder war von dem vielfältigem Menü satt. Challenger stand auf und entschuldigte sich bei Jesse, dass er noch wichtige Arbeiten zu erledigen hätte. Sie entgegnete ihm daraufhin, dass sie dachte dass das nach der Eheschließung endlich aufhörte und er sich endlich mehr Zeit für sie nehmen würde, so wie er es ihr versprochen hatte. Challenger meinte, dass es ihm Leid tue und wenn diese wichtige Arbeit beendet ist, er sich wirklich mehr Zeit für sie nehmen würde. Daraufhin verließ er seine Hochzeitsfeier und ließ eine verletzte Jesse zurück.

Das Bild änderte sich und nun konnten sie das Plateau erkennen. Sie konnten Jesse erkennen so wie Challengers jüngeres Ich und Challenger selbst.

Finn kam das sehr bekannt vor, denn irgendwie erinnerte sie das an die Zeit wo Challenger versuchte ein Ersatznahrungsmittel zu finden.

Sie konnten sehen wie Challengers jüngeres Ich versucht Jesse zu erwürgen, während Jesse ruft, dass er sie umbringe.

Damit verschwand die Szene ebenso wie die Wand.

Challenger sah sehr betrügt aus, worauf hin Finn zu ihm meinte dass dies damals nur aus seiner Fantasie entsprungen sei und daher nie wirklich passierte. „Ich weiß,“ entgegnete Challenger ihr, woraufhin er als erster sich auf den Weg machte die Höhle weiter zu beschreiten. Die anderen folgten ihm still schweigend, denn keiner wusste was er sagen sollte und jeder machte sich Gedanken darüber, was wohl über ihn ans Licht käme.

Sehr weit kamen sie nicht, denn es stand schon wieder so eine Wand vor ihnen auf der sie ein blondes junges Mädchen im alter von ungefähr elf Jahren erkennen konnte. Sie war im Baumhaus und eine andere Frau war bei ihr. Diese versuchte gerade dem langhaarigem Mädchen zu erklären warum sie ihre Eltern für eine lange Zeit nicht mehr sehen werde. Die weißgekleidete Frau holte was, wo aussah wie Sand, aus ihrem Beutel und streute es über dem Kind. Dann erzählte sie, dass dessen Eltern spazieren gegangen waren und nicht mehr zurückkehrten.

Damit verschwand die Szene und eine neue tat sich vor ihnen auf. In dieser war Veronika schon etwas älter, ungefähr 17 Jahre alt und es war das Zanga Dorf zu erkennen. Sie saß auf dem Boden mit drei anderen in ihrem Alter. Aus dem Gespräch, dass sie führten konnte man erkennen, dass es Assai, Jarl und Danu waren. Sie sprachen über ihre Zukunft und vereinbarten, dass sie einmal eine Doppel Hochzeit feiern würden, in der Assai Jarl heiratet und Veronika Danu.

Diese Szene wurde durch eine Andere ersetzt, in der sie wieder das Baumhaus erkennen konnten. Aber es war anders, außerhalb war alles von einem gelben Licht umgeben. Veronika steht in der Mitte des Baumhauses und hält mit ihren Händen eine Kette in die Höhe. Das Unwetter wird immer stürmischer und Veronika schreit „bin ich die Beschützerin?“. Plötzlich ist alles weg, es ist alles komplett schwarz und ruhig.

Die Wand verschwindet wieder und Veronika steht da mit Tränen in den Augen. Ihr Vater nimmt sie vorsichtig in den Arm „es ist alles gut, das ist die Vergangenheit und deine Zukunft wird besser werden, versprochen,“ versucht er sie zu beruhigen während er behutsam mit seiner Hand ihren Rücken auf und ab fährt. „Wie kannst du das versprechen, niemand kennt die Zukunft,“ gab sie von sich. Ihr Vater wischte ihr daraufhin die Tränen aus dem Gesicht und versprach ihr, dass er sie nie wieder verlassen würde.

Als sie sich wieder beruhigt hatten, ging die Gruppe wieder weiter, bis zur nächsten Wand.

Diesmal konnten sie wieder London erkennen, aber diese Szene spielte ein wenig außerhalb. Es standen dort einige Bäume und zwei Jungs, die gerade ein Loch aushoben. Der eine war ein wenig älter ungefähr 11 und der andere war kleiner und nicht älter als 8 Jahre alt. Sie warfen was in das Loch und schütteten es wieder zu. „Also John, wenn dich Mum fragt, wo ihre teure Porzellan Vase aus Paris hin kam, was antwortest du?“ fragt der ältere seinen kleinen Bruder. „Das ich es nicht weiß,“ antwortet der Jüngere. „Genau, denn ohne Beweise wird sie uns nicht beschuldigen können und somit auch nicht bestrafen,“ erklärte der Größere. „Aber ich hab sie ja nicht kaputt gemacht,“ wiedersprach John seinem Bruder. „Das stimmt, aber durch deine Mitwissenschaft bist du mitschuldig geworden und du würdest mich doch nicht verpetzen, oder?“ und sah ihn fragend an. „Nein, William würde ich nicht,“ antwortet der Jüngere und schüttet mehr Erde in das Loch.

Die Szene verschwand und eine Neue war zu erkennen.

Sie konnten Roxton erkennen, im Alter von ungefähr 20 Jahren und weiter voraus lief sein Bruder William. Neben Roxton lief Piercen Rice und es war unschwer zu erkennen, dass sie sich auf einer Safari in Afrika befanden. Plötzlich tauchte ein riesiger Affe auf, der William anfiel. Roxton zielte auf ihn, konnte aber nicht feuern, da er angst hatte seinen Bruder zu treffen. „Schieß, schieß doch endlich,“ rief Piercen Rice Roxton ihm ununterbrochen zu. Als sich die Gelegenheit bot und Roxton den Affen genau vor seinem Zielrohr hatte, schoss er. Der Affe blieb leblos am Boden liegen, aber auch sein Bruder lag verletzt am Boden. John stürmte sofort zu ihm hin und musste leider erkennen, dass sein Bruder sehr schwer verletzt ist. Überall war Blut. Roxton hielt seinen Bruder in seinen Armen und rief ihm zu er solle durchhalten, während Piercen Rice ihn die ganze Zeit für seinen unglaublich guten Schuss lobte. Auf einmal hörte William auf zu zucken und blieb leblos in Johns Armen liegen. Roxton fing bitterlich an zu weinen.

Die Szene verschwand und während sich eine neue auftat, nahm Marguerite vorsichtig seine Hand, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist.

Diesmal erkannten sie wieder das Plateau. Roxton war in seinem Zimmer und es sah so aus als würde einen Text einstudieren. „Marguerite, nichts würde mich glücklicher machen, als dich zur Frau zu haben..., nein das ist nicht das Richtige,“ sprach er zu sich selbst. John stellte sich nun vor seinen Spiegel, „Maguerite, ich liebe dich über alles. Ich könnte mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen und ich will es auch nicht. Ich hoffe das du genauso fühlst wie ich und deshalb will ich dich fragen, ob du mich heiraten willst?“ er strahlte noch mal in den Spiegel und machte sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Auf dem Weg nach unten überprüfte er noch mal seine Hosentasche, dass er auch ja den Ring dabei hat. Als er dann Marguerite sah, konnten sie erkennen, dass er leicht nervös wurde. John ging zu ihr und machte ihr tatsächlich einen Heiratsantrag, woraufhin sie schweren Herzens antwortete, dass es nicht möglich währe, er sie aber, wenn er es immer noch möchte, auf der anderen Seite noch mal fragen könne und ging dann von ihm weg. Als sie aus seinem Blickfeld verschwand, machte auch er sich wieder auf den Weg, zurück ins Baumhaus und als er sich umdrehte, konnten sie seinen verletzten Gesichtsausdruck erkennen.

Und die Wand verschwand wieder. Marguerite hielt immer noch Roxtons Hand, wusste aber nicht was sie sagen sollte und konnte ihn daher auch nicht ansehen, sie wusste ja nicht, dass es ihn so sehr verletzte. Roxton merkte dies und wenn die anderen nicht dabei gewesen währen, hätte er sie auch in den Arm genommen, aber da er wusste, dass sie was dagegen gehabt hätte, lies er es lieber. Stattdessen flüsterte er ihr „sobald wir aus der Höhle sind, werde ich dich wieder fragen,“ ins Ohr.

Die Expeditionsmitglieder gingen weiter, kamen aber nicht weit, da sich schon wieder eine neue Wand vor ihnen auftat.

Sie konnten so was wie eine Klosterschule erkennen, aber in dieser waren nur Jungen zugelassen. Es schien als würde es gerade Mittagessen geben und zwei Jungs vielen besonders auf. Sie waren beide ungefähr 10 Jahre alt, der eine hatte längeres blondes Haar und der andere leicht gelockte dunkel braune. Das Essen wurde gerade ausgeteilt und die beiden sahen es entgeistert an. Bevor man es sich versah, hatte der dunkelhaarige Junge auch schon was auf seinen Löffel geschaufelt und zielte damit auf einen Jungen, der etwas weiter wegsaß. Dieser war sehr sauer, als er plötzlich so was wie Kartoffelpüree im Gesicht hatte und warf auch prompt etwas zurück. Einen Augenblick später war eine richtige Essenschlacht im gang, in der die beiden Jungs anscheinend die Hauptübeltäter waren. Die Nonnen versuchten verzweifelt das geschehen aufzuhalten, aber erst die Oberschwester konnte mit einem lautem „Ruhe!“ die Masse zum schweigen bringen. Nachdem sie allen Kindern einen Vortrag über Benehmen gehalten hat, befahl sie Thomas und Maurice mit in ihr Büro zu kommen. Beide saßen dort vor ihrem Schreibtisch und waren von oben bis unten mit Essen vollgekleckert. „Wieso müsst ihr beiden immer wieder ärger machen? Wieso könnt ihr euch nicht wie normale Kinder aufführen? Ist das denn so schwer?“ fragt sie die beiden zornig. „Es tut uns leid Schwester Angela,“ entschuldigte sich Thomas reumütig. „Aber das Essen ist auch wirklich ekelerregend, sie hätten es auch nicht gegessen,“ verteidigte sich Maurice. „Mir ist bewusst, dass du das angezettelt hast, Maurice. Du bist der schlimmste kleine Junge der mir je unter kam und ich frage mich warum sich ein so wohl erzogener Junge wie Thomas es ist, sich überhaupt mit so was wie dir abgibt,“ fuhr ihn die Nonne an. Maurice war gekränkt und wusste nicht was er sagen sollte. Da stand Thomas plötzlich auf. „So können sie nicht mit meinem besten Freund reden. Sie haben ja keine Ahnung, er ist der netteste Kerl den ich kenne und so was wie ihnen sollte man den Umgang mit Kindern verbieten,“ schrie der kleine Thomas die Nonne an. Und damit verschwand die Szene.

„War das jetzt deine Erinnerung oder meine?“ fragt Maurice Thomas verwirrt. „Ich hab keine Ahnung,“ antwortet ihm dieser.

Jetzt konnten sie das Innere eines Gebäudes sehen. Es war ein Büro in dem ein junger Thomas Lyton wartend saß, als plötzlich eine jüngere Ausgabe von Maurice Loran Depardieu hereinstürmte. „Tom, da bist du ja, ich brauch deine Hilfe“ „bei was?“ fragte Thomas überrascht. „Es kommen gleich ein paar Leute die bei mir ein Vorstellungsgespräch haben, aber ich habe leider keine Zeit. Könntest nicht du für mich einspringen?“ fragte Maurice und sah ihn erwartungsvoll an. „Das ist jetzt schon das dritte mal, aber gut ich mach es, weil du es bist,“ antwortet Thomas nicht gerade begeistert. „Danke, du bist der Beste. Ich muss jetzt auch gleich wieder los, du bleibst einfach hier in meinem Büro sitzen und ich schicke dir die erste rein,“ und damit verabschiedet sich Maurice auch wieder.
Die Tür öffnet sich wieder und eine junge hübsche Frau mit langen blonden Haaren kommt herein. „Hi, mein Name ist Abbygail Smith,“ stellt sie sich ihm vor, während sie seine Hand schüttelt. „Freut mich sehr sie kennen zu lernen, ich bin Thomas Lyton und bin stellvertretend für Mr. Depardieu hier,“ erzählt Thomas.

Die Szene verschwand wieder und wurde durch eine andere ersetzt.

Sie erkennen das Baumhaus. Es ist schon sehr dunkel, aber trotzdem können sie sehen, dass es Veronikas Zimmer ist, in dem sie gerade schlief. Veronika scheint noch ein junges Mädchen zu sein, nicht älter als vierzehn Jahre. Plötzlich taucht eine weisliche Gestalt auf, wo genau wie Thomas Lyton aussah. Er nähert sich ihr langsam und zog ihre Decke vorsichtig über ihre Schultern, dann gab er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn und verschwand wieder.

Damit verschwand auch die Szene und mit ihr die ganze Wand.

„Du warst die ganze Zeit über bei mir,“ sagte Veronika gerührt, bevor sie ihrem Vater in die Arme fiel. „Natürlich, ich hab dich nie alleine gelassen,“ entgegnet er ihr.

Als sich alle wieder gefangen hatten, gingen sie weiter.

Nach einer guten weile kamen sie wieder an eine Wand, auf der sie diesmal ein kleines, ungefähr vier Jahre altes Mädchen, mit blonden langen haaren, erkennen konnten. Sie hielt einen Teddy fest in ihren Händen, während sie in einem Türrahmen stand. „Mama, unter meinem Bett sind Monster,“ gab das kleine Mädchen ganz aufgeregt von sich. Das Licht ging plötzlich an und sie konnten ein großes Schlafzimmer erkennen, in dem zwei erwachsene Personen schliefen. Eine blonde Frau richtet sich im Bett auf und sah noch etwas müde zu dem blondem Mädchen. „Komm her Finn, du kannst heute Nacht bei uns schlafen und morgen besorgen wir ein Antimonster Spray, dann können sie nie wieder kommen,“ erzählt sie der kleinen Finn, woraufhin diese zu dem Bett stürmte und hineinsprang. „Finn, unsere kleine Monsterjägerin,“ nannte sie ihr Vater noch halb im Schlaf und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er weiter schlief.

Die Szene wechselte und jetzt konnten sie New Amazonia erkennen. Sie sahen Finn wie sie völlig aufgelöst vor einem Kerl steht. „Du hast mich die ganze Zeit belogen, du sagtest, dass du mich liebst, aber das war auch nur Mittel zum Zweck,“ warf sie ihm unter Tränen vor. „Ach, nah komm schon Finn, stell dich jetzt nicht so an, dass hast du doch von Anfang an gewusst,“ schrie er zurück. „Nein hab ich nicht, woher auch,“ gab sie kontra, während sie versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. „Wie können ja immer noch eine Menge Spaß miteinander haben, es ist ja nicht so, dass das jetzt vorbei sein muss,“ versucht er sie mit gespieltem Charme zu besänftigen. „Vergiss es!“ schrie sie ihn an und lief daraufhin weg.

Die Szene wechselte wieder und diesmal sahen sie das Plateau, so wie sie es kannten. Finn steht dort im Labor bei Challenger. „Ich weiß nicht ob ich wirklich mitkommen soll,“ beichtet sie Challenger. „Warum nicht? Ich dachte du wolltest schon immer mal wissen wie die Welt aussah, bevor sie zerstört wurde,“ fragt sie Challenger besorgt. „Ja schon, aber ich währe dort auch total fremd und würde auch niemanden kennen,“ erklärt sie ihm ein wenig verunsichert. „Du würdest uns kennen. Wenn du willst, kannst du so lange bei mir in London wohnen wie du willst,“ bot ihr Challenger an. „Danke für das Angebot, aber ich möchte keinem zur Last fallen,“ entgegnet sie ihm. „Das würdest du nicht. Wenn ich erst wieder in London bin, könnte es dort, im vergleich zum Plateau, sehr langweilig werden. Was ich damit sagen will ist, dass du nicht zur Last fällst, sondern durch deine Ideen einem das Leben aufregender gestaltest, als es ist,“ gesteht er ihr. „In dem Fall nehme ich das Angebot an. Aber ich möchte später keine Klagen hören,“ antwortet sie ihm, woraufhin sie das Labor mit einem Lächeln verlässt.

Damit verschwand die Wand wieder.

Finn sah Challenger fragend an. Er legt seine Hand auf ihre Schulter „und das Angebot besteht auch weiterhin,“ bestätigt er ihr, bevor sie sich wieder auf den Weg durch die Höhle machten.

Nach etwa 15 Minuten tat sich wieder eine Wand vor ihnen auf. Auf dieser sahen sie einen kleinen Jungen, im Alter von ungefähr neun Jahren, mit dunklen leicht gelockten Haaren. Diesen Jungen konnten sie vorhin schon einmal sehen, aber diesmal rennt er über eine Wiese und steuert direkt auf ein Haus zu. Als er am weißem Zaun ankam, sah er auf der Terrasse eine ältere Dame in einem Schaukelstuhl sitzen. „Hi, Misses Marguerite, wie geht es ihnen heute?“ rief er ihr fröhlich zu, als er vor der Terrasse stand. „Gut, danke Maurice. Komm setzt dich zu mir, ich hab auch schon Tee und Kekse vorbereitet,“ entgegnet ihm die alte Dame freundlich und bot ihm den Stuhl neben ihr an. Als er sich hinsetzte fragte sie ihn, wie es heute in der Schule war. „War ganz O.k.“ gab er ihr als antwort und biss von einem Keks ab. „Das klingt aber begeistert. Weißt du, jetzt wird es dir noch als sinnlos erscheinen, aber wenn du eines Tages älter bist, wirst du es zu schätzen wissen; dass du intellektuell so gefördert wurdest,“ erklärte die ältere Dame. „Kann schon sein, aber ich werde eines Tages Komponist und da brauche ich kein Algebra,“ entgegnete der kleine Maurice überzeugt. „Ich bin davon überzeugt, dass du das wirst, aber Allgemeinwissen hat noch keinem geschadet,“ fügte sie mit einem Lächeln hinzu.
„Wissen sie Marguerite, sie sind das netteste ältere Mädchen, dass ich kenne,“ gestand ihr der dunkelhaarige Junge, woraufhin sie sich ein Lachen nicht mehr verkneifen konnte. „Maurice, dass hat bestimmt noch keiner zu mir gesagt,“ entgegnete sie ihm immer noch lächelnd.

Die Szene verschwand und eine neue tauchte auf. Sie konnten Maurice wieder erkennen. Er war ungefähr Anfang- Mitte Zwanzig, seine dunklen Haare sind zurückgekämmt und trägt Koteletten wie es damals üblich war. Er stand da in einem sehr vornehmen Anzug und verbrannte in seinem Büro einen Brief. Plötzlich klopfte es an die Tür und eine blonde Frau mit einem kleinem dunkelhaarigem Mädchen an der Hand kam herein. „Maurice was machst du da?“ fragt sie ihn verblüfft. „Nichts, mir war kalt,“ antwort er ihr kurz und knapp. „Daddy weint,“ rief das kleine Mädchen dazwischen, denn die roten Augen ihres Vaters waren nicht zu übersehen. „Nein mein kleiner Engel ich hab nicht geweint,“ sagt er beruhigend zu seiner kleinen Tochter, während er sie in den Arm nimmt und ihr dann einen zärtlichen Kuss auf die Stirn gibt. „Und warum sind deine Augen so rot,“ fragt sie ihn neugierig. „Ich hab was ins Auge bekommen dass ist alles,“ entgegnet er ihr und lächelt sie dabei an. „Marguerite, wie währe es wenn du mal nachsiehst was Onkel Steven so macht?“ fragt die blonde Frau Marguerite freundlich, was diese mit einem Kopfnicken bejahte. Nachdem sie die kleine Marguerite nach draußen gebracht hat, fragte ihre Mutter Maurice was wirklich passiert sei. „Nichts,“ entgegnete er ihr. „Und was war das für einen Brief, den du da verbrannt hast?“ hakt sie weiter nach. Er gab schließlich nach und meinte dass es besser währe, wenn sie sich setzen würde. „Der Brief war von Sarah,“ fing er an zu erzählen. „Was will sie?“ fragte Amanda entsetzt. „Sie will eine Menge Geld von mir, anscheinend ist sie gerade pleite gegangen und jetzt versucht sie mich zu erpressen,“ fuhr er fort. „Mit was?“ „In dem sie meinen Ruf ruiniert. Sie hat behauptet, dass ich gar nicht der leibliche Vater von Marguerite währe, sondern ein anderer,“ erzählt er ihr, wobei seine Augen schon wieder sich mit Tränen füllten. „Was hast du jetzt vor?“ fragt sie ihn besorgt. „Nichts. Sie wird von mir keinen Cent erhalten, den Brief habe ich verbrannt. Niemand nimmt mir mein Kind weg,“ sagte er bestimmt.

Die Szene wurde wieder durch eine andere ersetzt. Sie sehen ein Klosterinternat , wo nur für Mädchen ist. Es ist schon dunkel und nur noch ein winziges Licht brennt in dem großem Schlafsaal. Sie sehen Maurice, wie er als Geist an eins der Betten herantritt. Auf dem Boden liegt ein Teddy, den er aufhebt. Im Bett vor ihm schläft ein ungefähr siebenjähriges Mädchen mit langen, dunklen gelockten Haaren. Er legt den Teddy zu ihr ins Bett und zieht die Bettdecke über ihre Schulter. Dann lehnt er sich über sie und gibt ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn, „gute Nacht mein kleiner Engel,“ wünschte er ihr noch und verschwand dann auch wieder.

Die Wand verschwand wieder und der Weg durch die Höhle wurde somit wieder frei.

Marguerite war ganz gerührt von dem was sie sah und wischte sich mit der Hand eine Träne weg. Er lächelte sie ein wenig verlegen an und da konnte sie nicht mehr anders, als ihm in die Arme zu fallen und ihren Tränen freien lauf zu lassen. Ihr war es egal, dass die anderen sahen, wie sie weinte, denn sie hatte nicht mehr das Gefühl als müsse sie sich immer noch verstellen.

Als sie und ihr Vater wieder beruhigt hatten, konnte die Gruppe wieder weiter gehen.

Nach einer Weile tat sich erneut eine Wand vor ihnen auf. Sie sahen wieder ein Klosterinternat für Mädchen. Alle Mädchen waren im Schlafsaal und dabei ihre Sachen für die Sommerferien zu packen. Nur ein dunkelhaariges Mädchen, im Alter von ungefähr 10 Jahren, saß traurig auf ihrem Bett und packte nichts. Ein blondhaariges Mädchen, wo ein wenig älter war, bemerkte dies und stellte sich vor ihr. „Marguerite, bist du etwa schon fertig mit packen?“ fragte es spöttisch, worauf sie von dem dunkelhaarigem Mädchen keine Antwort bekam. Marguerite saß da, mit einer Puppe im Arm und starrte auf den Boden. „Ich fahre über die Ferien zu meinen Eltern, nach Leeds und du?...Ach, Entschuldigung, ich vergas du hast ja keine,“ spottete die blonde weiter. Die anderen Mädchen wurden darauf aufmerksam und alle versammelten sich nun um Marguerites Bett. „Natürlich hat sie Eltern, jeder hat Eltern. Ihre wollten sie einfach nicht haben,“ rief nun ein rothaariges Mädchen, woraufhin ein anderes dunkelhaarige Mädchen hinzu fügte, dass dies auch kein Wunder sei, da Marguerite auch sehr merkwürdig sei. Während der ganzen Zeit hat sich Marguerite kein einziges Mal versucht zu wehren, auch nicht, als alle anfingen mit dem Finger auf sie zu zeigen und sie auslachten.

Die Szene verschwand und alle Expeditionsteilnehmer waren geschockt, denn es konnte ja keiner Ahnen, was Marguerite in ihrer Kindheit durchmachte. Marguerite lies sich nicht anmerken, wie sehr sie dieser Bilder doch verletzten, noch nicht einmal als Roxton versuchte beschützend seinen Arm um dir zulegen, ließ sie das zu.

Auf der Wand tauchte nun eine neue Szene auf. Sie sahen Marguerite im Alter von ungefähr 25 Jahren. Sie ist sehr schick gekleidet und sitzt auf einem Stuhl in einem Haus. Plötzlich ging die Haustür auf und ein großer Mann kam herein. „David, wo warst du?“ fragte sie ihn besorgt. „Ich musste heute länger arbeiten,“ erklärt er ihr knapp. „So lange? Wieso hast du mir nicht bescheit gesagt?“ fragt sie ihn weiter. „Einer von uns muss ja schließlich das Geld verdienen und das bin hier ja eindeutig ich. Was denkst du, woher die ganzen Dinge kommen? Und dann sich auch noch darüber beschweren, wenn ich zu spät nach Hause gekommen bin,“ fuhr er sie an und es war nicht zu übersehen, dass er leicht angetrunken war. Marguerite wirkte sehr verletzt und bemerkte nun die Lippenstiftspuren an seinem Hals. „Bei wem warst du? Und lüg mich nicht an, ich weiß genau du warst bei einer anderen Frau,“ sagte sie selbstkontrolliert. „Willst du es wirklich wissen? Na gut, ich war bei einer Anderen und habe den schönsten Abend erlebt, seit dem ich mit dir zusammen bin,“ gestand er ihr spöttisch. Marguerite war fassungslos und wusste gar nicht was sie sagen sollte. „Wenn du mich nicht liebst, warum hast du mich dann geheiratet?“ fragt sie ihn verletzt. „Du bist hübsch und ich musste ja irgendwie meine Geschäfte aufbauen,“ erzählt er ihr, wobei sie ihn entsetzt ansah. „Ich hab die ganzen Kredite auf deinen Namen beantragt,“ gestand er ihr stolz. Marguerite drehte sich um und rannte weinend nach oben.

Die Szene wechselte nach dieser Stelle wieder. Sie sahen das Baumhaus, es war schon dunkel und alle anderen schienen schon zu schlafen, außer Marguerite. Sie sitzt am Balkon und schaut in den Sternenhimmel. Plötzlich taucht Roxton auf und fragt sie, ob er sich zu ihr setzten könne. „Du kannst wohl auch nicht schlafen?“ fragt er sie, nachdem er sich neben sie setzte. „Ich frag mich, wie lange du gebraucht hast, dies zu erkennen,“ erwidert sie sarkastisch. „Aber du hast recht. Es ist nur so vieles wo in meinem Kopf herumschwirrt,“ fügte sie hinzu. „Du denkst über das nach, wo heute geschehen ist,“ erwiderte er fürsorglich, wo sie mit einem zaghaften Nicken bejahte. „Das war der schlimmste Augenblick in meinem Leben, dich durch diese Raum- Zeitverzerrung verschwinden zu sehen,“ gestand ihr Roxton. „Für mich auch. Ich dachte ich würde dich nie wieder sehen,“ erwiderte Marguerite zaghaft. „Aber jetzt sind wir hier und es ist noch mal alles gut gegangen,“ versuchte sie Roxton zu beruhigen und wischte ihr zärtlich eine Träne weg, die langsam über ihre Wange lief. „Das was du heute morgen sagtest, das ich dir immer ausweiche, wenn du anfängst über uns zu sprechen, damit hattest du Recht. Als die Druiden versuchten mich umzubringen, wurde mir bewusst, dass ich dir nie wirklich sagte was ich empfinde,... für dich empfinde,“ gestand ihm Marguerite. „Dazu hast du ja jetzt die Gelegenheit,“ versucht sie Roxton zu animieren. „Es fällt mir nicht leicht...aber ich will dir sagen, dass ich ....ich dich ...über alles liebe,“ gestand sie ihm zögernd. „Ich liebe dich auch und ich will mit dir zusammen sein,“ erwidert er und sah sie fragend an. „Ich auch,“ flüstert sie leise, was beide mit einem leidenschaftlichen Kuss besiegelten.

Damit verschwand die Wand wieder.

Bevor einer der Expeditionsteilnehmer etwas dazu sagen konnte, rief Finn, dass sie weiter vorne Tageslicht sah. Sie machten sich auf den Weg dorthin und nach nicht all zu langer Zeit kamen sie am Ausgang der Höhle an.

„Sind wir jetzt nicht mehr auf dem Plateau?“ fragte Finn skeptisch, da sie immer noch von einem Urwald umgeben waren. „Das ist der Amazonas – Regenwald, wir sind nicht mehr auf dem Plateau. Wenn wir in Richtung Norden laufen, werden wir in ein paar Tagen in einem Dorf ankommen und von dort aus ist es fast nur noch ein Katzensprung bis nach London,“ erklärte Challenger aufgeregt.

Alle waren sie überglücklich und umarmten sich gegenseitig. Sie beschlossen noch eine Pause einzulegen bevor sie sich wieder aufmachten.

Als sich alle auf den mitgebrachten Decken saßen und gerade fertig waren mit der Brotzeit, stand Roxton plötzlich auf und kniete sich vor Marguerite, die sich auf einen umgefallenen Baumstamm nieder gelassen hatte.

Es war ganz ruhig, alle waren gespannt was nun passieren würde.

Roxton holte einen wunderschönen Ring aus seiner Hosentasche und nahm Marguerites Hand. Er sah ihr tief in die Augen, um ihr zu zeigen, wie ehrlich er es meinte. „Ich hab dich schon einmal gefragt und nun frag ich dich noch mal. Marguerite ich liebe dich über alles und ich würde mir nichts mehr wünschen als den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen. Willst du mich heiraten?“ fragt er sie und sah sie hoffend an. Erst sagte sie gar nichts sondern sah ihn nur an, bis sie doch noch den Mut dafür fand ihm zu antworten. „Ich liebe dich auch,“ antwort sie ihm zögernd. „Ist das ein Ja?“ fragt er sie hoffend. „Ja, ist es, ich will dich auch heiraten,“ antwortet sie ihm glücklich. Er streifte vorsichtig den Ring über ihren Ringfinger und umarmte sie überglücklich. Nach dem sie sich voneinander lösten und sich noch einen Kuss gaben, wandten sie sich den Anderen zu, die sich schon um sie versammelt hatten.

Veronika war die erste wo beide umarmte und ihnen sagte wie sehr sie sich doch für sie freue.

Melone gab Roxton seine Hand und umarmte Marguerite und sprach ebenfalls beiden seine Glückwünsche aus.

Challenger umarmte Marguerite und gab Roxton seine Hand und konnte sich nicht verkneifen, zu bemerken, dass das ganz schön lange gedauert hat, bis die beiden zusammen kamen.

Thomas umarmte beide und wünschte ihnen alles gute für die Zukunft.

Finn drückte beide sehr fest und war so begeistert, dass sie gar nicht wusste was sie sagen soll.

Maurice war der letzte. „Endlich komme ich auch mal dazu euch zu gratulieren,“ scherze er. „Ihr passt beide wirklich gut zusammen,“ fing er an und wandte sich dann Marguerite zu. „Ich wünsch dir alles gute,“ sagte er ihr und nahm sie dann in den Arm. Danach drehte er sich zu Roxton, „du bist ein netter Kerl, pass gut auf meine Tochter auf,“ und umarmte ihn auch.

Nachdem alle ihre Glückwünsche ausgesprochen hatten, beschlossen sie doch dort zu campen und erst am nächsten Tag weiter zu gehen.

Nach drei Tagen kamen sie in dem besagten Dorf an. Die Bewohner waren sehr freundlich und boten ihnen ohne Gegenleistung ihre Hilfe an. Die Expeditionsmitglieder konnten von dort aus über Funkwellen Nachrichten nach England senden.

Nach weiteren acht Tagen, hatten sie einen Hafen erreicht, bei dem sie mit einem großem Schiff, direkt nach England fahren konnten.

Jeder von Ihnen bekam seine eigenen Kabine, in diesen sie bis zur Ankunft in England übernachten konnten.

Es ist die dritte Nacht auf See und Marguerite konnte nicht schlafen. Sie begabt sich auf das Deck, um sich den Sternenhimmel anzusehen und über alles nachzudenken. Marguerite blieb nicht lange alleine, denn Roxton konnte anscheinend ebenfalls nicht schlafen.

Leise schlich er sich zu ihr und umarmte sie von hinten. Marguerite hat sich ziemlich erschrocken, als sie plötzlich von hinten umarmt wurde, doch beruhigte sich gleich wieder, als sie merkte, dass es Roxton war und lehnte sich in seine Umarmung.

„Haben wir heute nicht eine wunderschöne Nacht?“ begann sie verträumt zu fragen. „Nicht annähernd so schön wie du es bist,“ antwortet er ihr. Marguerite musste Lächeln und fragte ihn dann, warum er nicht schlafen könne. „Mein Bett ist so leer. Ich hab mich schon so daran gewöhnt, dass du bei mir schläfst, dass ich alleine gar nicht mehr schlafen kann,“ erzählt er ihr mit einem hoffenden Ton.

„Bald sind wir verheiratet und dann musst du nie wieder alleine schlafen,“ erklärt sie ihm verschmitzt. „Wie meinst du das? Muss ich warten bis wir verheiratet sind?“ fragt er sie mit gespieltem entsetzten. „Lord John Roxton, was denkst du von mir?“ fragt sie ihn mit ebenfalls mit gespieltem entsetzten und dreht sich nun zu ihm um, um ihm direkt in die Augen sehen zu können. „Na ja, bis jetzt hat es dich ja auch nie gestört,“ antwortet er ihr in einem warmen Ton und neigt sich ein wenig hinab, um sie zu küssen. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher. Als Roxton den Kuss unterbrach, sah er sie fragend an „warum kannst du eigentlich nicht schlafen?“. „Mein Bett war so leer ohne dich,“ gab sie ihm lächelnd zur antwort. „Das können wir ändern,“ sagte er, bevor er ihre Lippen wieder in Besitz nahm. Nach diesem Kuss, löste er sich aus ihrer Umarmung und nahm ihre Hand, „komm lass uns in meine Kabine gehen,“ forderte er sie liebevoll auf und sie folgte ihm ohne zu zögern.

Am nächsten Morgen wachte Marguerite in Roxtons Armen auf. Sie dreht sich vorsichtig zu ihm um, um ihn nicht zu wecken falls er noch schläft. Doch dieser war schon hellwach, „guten Morgen, meine verschlafene Schönheit,“ wünschte er ihr und beugt sich zu ihr, um ihr einen guten Morgen Kuss zu geben. „Guten Morgen John,“ wünschte sie ihm, nachdem sich seine Lippen wieder von den ihren lösten.

„Wie spät ist es?“ fragt sie ihn, während sie sich wieder an ihn kuschelt. „Es ist halb zehn,“ antworte er ihr. Plötzlich war Marguerite hell wach, „wollten wir uns nicht mit den anderen um halb neun zum Frühstück treffen? Warum hast du mich nicht geweckt?“ fragt sie ihn und sah ihn ungläubig an. „Du sahst so friedlich aus, als du geschlafen hast, da konnte ich dich einfach nicht wecken,“ verteidigte er sich.

„Aber das hättest du müssen, die anderen werden schon nach uns suchen, was werden die nur von uns denken?“ meinte Marguerite aufgebracht und sprang aus dem Bett um sich anzuziehen. „Das hat dich früher auch nicht interessiert,“ brachte Roxton ein, der nun ebenfalls aufgestanden ist. „Das war früher, mittlerweile hat sich einiges geändert“ erklärt ihm Marguerite, die inzwischen ihre Unterwäsche wieder an hat.

„Du hast Recht, ich hätte dich wecken sollen, es tut mir leid,“ entschuldigt sich Roxton und sah sie reumütig an. Bei diesem Anblick konnte Marguerite nicht anders, als ihm zu verzeihen. Als sie fertig angezogen war, gab sie denn immer noch nackt dastehenden Roxton einen Kuss und verschwand dann, um die anderen zu suchen.

Als sie im Frühstückssaal ankam, warnen nur noch Thomas und Maurice anwesend. Sie wünschte ihnen erst eine guten Morgen und fragte dann wo die anderen waren. Maurice erzählte ihr, dass sie die anderen nur ganz knapp verpasst hätte und sie gerade eben in ihre jeweiligen Zimmern gegangen sind.

Marguerite setzte sich zu ihnen und ihr Vater schenkte ihr einen Kaffee ein, da er wusste dass sie dieses immer am Morgen trank.

Thomas entschuldigte sich ebenfalls, da er noch etwas müde war und sich lieber noch etwas schlafen legen sollte.

„Da waren es nur noch zwei,“ sagte Maurice scherzend, nachdem Thomas gegangen ist.

„Schläft John noch?“ fragt Maurice seine Tochter, die daraufhin erst mal sprachlos war und nicht wusste was sie sagen sollte. „Ich weiß das du bei ihm geschlafen hast. Ich wollte dich wecken und nachdem deine Kabine leer war, nehme ich mal an, dass du heute Nacht bei ihm warst,“ erklärt er ihr. Marguerite wusste immer noch nicht was sie sagen sollte, da sie vollkommen überrascht über seine Offenheit ist. „Wenn ich dir zu nahe getreten bin, tut es mir leid,“ entschuldigte sich ihr Vater bei ihr, nachdem er bemerkte wie unangenehm ihr die Situation ist. „Ist schon O.k. Es stimmt, ich habe heute Nacht bei John geschlafen. Ich weiß dass es vor der Ehe nicht erlaubt ist, aber ...“ gestand Marguerite kleinlaut, bis sie von ihrem Vater unterbrochen wurde. „Du musst dich nicht vor mir rechtfertigen, immerhin bin ich hier derjenige mit dem unehelichem Kind, wie du weißt und zudem bin ich sowieso nicht so religiös,“ beruhigte er sie, woraufhin sie sichtlich erleichtert war.

„Thomas und ich sind dabei herauszufinden wie alt Challenger wirklich ist,“ erzählt Maurice und versucht so vom Thema ab zu lenken. „Das klingt nach einer richtigen Herausforderung,“ scherzte Marguerite. „Ist es auch, aber wir denken, dass wir kurz davor sind das Geheimnis zu lüften,“ erwiderte Maurice grinsend. „So, und darf ich dich fragen, wie alt du eigentlich bist?“ fragt ihn Marguerite neugierig. „Hm, du darfst, aber du darfst es keinem Verraten und es bleibt unser Geheimnis,“ meinte Maurice geheimnisvoll, worauf dann Marguerite ihr Versprechen gab. „Also ich bin 58 Jahre alt,“ gestand er ihr, „aber Thomas ist schon 59 und wird bald 60“ fügte er hinzu, um sein Alter ein Bisschen jünger aussehen zu lassen.

Sie redeten noch lange und auch John traf schließlich noch ein und setzte sich zu ihnen.


Sie waren nun schon mehrere Wochen unterwegs und am heutigen Tag sollten sie in England ankommen. Alle waren sie schon den ganzen Tag aufgeregt und nervös, denn jeder war gespannt, wie sich England im Laufe der letzten vier Jahren verändert hat.

Sie standen alle gespannt auf dem Deck, als sie das Schiff langsam dem Hafen in England näherte. Es war eine riesige Menschenmasse zu sehen, die sie alle winkend begrüßten.

Das Schiff legte langsam an und ein schickgekleideter älterer Herr betritt es, um sie zu begrüßen.

„Ich freue mich euch herzlich wieder in England willkommen zu heißen. Mein Name ist Peter Claren. Wir haben ihre Nachrichten erhalten und haben schon alles für die Willkommensfeier vorbereitet. Ihre Wagen stehen schon bereit, die euch zur Empfangshalle bringen werden, wo ihre Angehörigen schon sehnsüchtig auf euch warten,“ begrüßte Mr. Claren sie freundlich und zeigte ihnen den Weg zu den Wagen.

In drei Wägen fuhren sie zu der Empfangshalle und beschritten sie gemeinsam.

Sie waren alle sehr nervös, wer sie alles erwarten würde.

Kaum hatten sie den Raum betreten, wurden sie auch schon eifrig begrüßt.

Challenger umarmt glücklich seine Jesse, wo die ganzen Jahre auf ihn gewartet hat und ihre Tränen genauso wenig wie er zurückhalten kann. Dann stellt er ihr Finn vor, die ein wenig schüchtern wirkte, aber Jesse nahm sie ebenfalls sofort in den Arm.

Melone begrüßt seine Eltern, die extra aus Amerika kamen um ihn endlich wieder in die Arme schließen zu können. Auch Gladys ist gekommen um ihn zu begrüßen. Sie hat allerdings in der Zwischenzeit einen anderen geheiratet und ist auch schon Mutter einer einjährigen Tochter Namens Anna.

John umarmt überglücklich seine Mutter und stellt ihr dann Marguerite vor. Seine Mutter ist erst sehr überrascht, umarmt sie aber dann und sagt ihr, wie sehr sie sich freue sie kennen zu lernen.

Thomas Layton wird von einer blonden Frau, seines Alters begrüßt. Er stellt sie Veronika als seine Schwester Kathrin vor, worüber beide erst mal überrascht sind, da keiner von dem andern wusste.

Maurice erblickt plötzlich eine braun gelockte Frau, wo so Mitte 50 ist. Sie sieht in unsicher an und dann plötzlich erkennt er sie wieder. „Amanda,“ flüstert er zu sich selbst und geht langsam auf sie zu. Sie geht ihm entgegen und als sie sich dann gegenüberstanden, sah sie ihn mit glasigen Augen an. Er wusste erst gar nicht was er sagen sollte. „Maurice, du lebst. Ich habe dich so vermisst, ich habe gehört was passiert sei und mir tut es so leid, ich weiß nicht ob du mir jemals verzeihen kannst,“ fing sie an und brach dann in Tränen aus. „Ich dir verzeihen? Ich sollte eher dich um Verzeihung bitten. Amanda es tut mir wirklich leid, das ich dich allein gelassen hab,“ entschuldigt er sich und nimmt sie vorsichtig in den Arm. „Ich habe all die Jahre darauf gewartet dich wieder zu sehen, ich wusste das du nicht tot warst,“ sagte sie während sie schluchzte. „Du hast die ganze Zeit auf mich gewartet? Du warst nie mit einem anderem verheiratet?“ fragt er sie überrascht. „Nein, war ich nie, da ich die Hoffnung nie aufgab,“ antwortet sie ihm aufrichtig.

„Maurice ich habe sie verloren,“ sagte sie plötzlich und ist schon wieder den Tränen nahe, nachdem sie sich eben noch beruhigt hatte. „Wen verloren?“ fragt Maurice. „Marguerite, sie haben sie mir weggenommen. Ich habe noch versucht sie wieder zu finden, aber ich habe es nicht geschafft und hab sie seit dem nie wieder gesehen,“ gestand sie ihm und er fühlte wie sehr sie sich doch die Schuld dafür gab und all die Jahre auch darunter litt. „Ich weiß, aber weißt du was, ich habe sie gefunden, sie ist hier,“ versucht er sie zu beruhigen. „Was wo?“ fragt sie ihn erschrocken.

Er nahm ihre Hand und führte sie zu ihr, die noch immer bei Roxton und seiner Mutter stand.

„Marguerite, hast du mal kurz Zeit? Ich will dir jemanden vorstellen,“ unterbrach er sie höflich, die sich ihm daraufhin zu wand. „Ich hab dir doch von deiner Mutter Amanda erzählt,“ fing er an, woraufhin sie wissend nickte. „Sie ist hier und ich würde sie dir gerne vorstellen,“ sprach er weiter, woraufhin Marguerite so überrascht war, dass sie gar nicht mehr wusste was sie sagen sollte. Maurice tritt einen Schritt zurück und sie sieht nun eine hübsche ältere Frau, die sie mit Tränen in den Augen ansieht. „Darf ich vorstellen, Amanda Depardieu das ist Marguerite Isabel noch Depardieu, Marguerite das ist deine Mutter Amanda,“ stellte er sie einander vor. „Marguerite, du bist eine wunderschöne Frau geworden,“ fing ihre Mutter an und wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht. „Es tut mir so leid was passiert ist,“ erzählte sie weiter, während immer mehr Tränen über ihr Gesicht laufen. Auch Marguerite kann ihre Tränen nicht mehr zurückhalten und umarmt ihre Mutter schließlich. Beide lassen nun ihren Tränen freien lauf.

Als sie sich wieder beruhigt hatten, wanden sie sich wieder den anderen zu und Marguerite stellte ihrer Mutter ihren Verlobten und seiner Mutter vor. Sie blieben noch sehr lange beieinander stehen, um über alles zu reden.

Nach einer Weile wurde die Empfangshalle immer leerer.

Challenger ging mit Jesse und Finn zu sich nach Hause.

Veronika konnte mit ihrem Vater bei seiner Schwester bleiben.

Melones Eltern hatten ein Hotel für sich gebucht, in dem natürlich auch für Ned ein Zimmer reserviert war.

Roxton ging mit seiner Mutter nach Hause, nachdem Marguerite versprochen hat mit ihm am nächsten Tag zu Mittag zu essen.

Marguerite ging mit ihren Eltern nach Hause. Ihre Mutter lebte immer noch in dem selben Haus in dem sie auch früher zusammen wohnten. Sie hat sogar Marguerites altes Kinderzimmer so gelassen wie es war, da sie die Hoffnung nie aufgab sie wieder zu sehen.

**
Challenger verleugnete es, die verlorene je Welt gefunden zu haben. Er gestand dass er sich geirrt hatte und machte danach auch keine Expeditionen mehr. Er lebte mit Jesse noch viele Jahre glücklich zusammen, bis er im Alter von 82 Jahren friedlich einschlief. Seine Frau Jesse folgte ihm drei Monate später.

Finn lebte zweieinhalbe Jahre bei Challenger und seiner Frau. Dann heiratete sie einen Jeffrey und bekam einen Sohn, den sie George nannten, von ihm. Die Ehe hielt nicht lange, denn sieben Jahre nach der Hochzeit war auch schon wieder die Scheidung, da er sie betrogen hatte.
Als George zehn war, lernte sie einen Paul kennen, denn sie dann ein Jahr später Heiratete und von ihm eine Tochter Namens Jessica bekam.
Finn starb im Alter von 69 Jahren an Hautkrebs. Ihr Mann überlebte sie um fünf Jahre
Ihr Sohn George erbte von Challenger sämtliche Aufzeichnungen und wurde selbst Wissenschaftler.


Veronika heiratete ein Jahr später Melone und lebte mit ihm in London. Sie wurden stolze Elter von drei Kindern.
Ihr ältester Sohn Thomas wurde ein berühmter Schriftsteller.
Ihre Tochter Abbygail wurde, als Veronikas Tochter, ebenfalls die Beschützerin des Plateaus und musste daher einmal mit ihren Eltern dorthin. Ansonsten war sie Kinderärztin von Beruf.
Ihr jüngster Sohn Andrew wurde später ein erfolgreicher Musiker in einer Band.
Veronikas Vater, Thomas Layton lebte erst bei seiner Schwester, doch als es im Alter immer schwieriger wurde für sich selbst zu sorgen, zog er zu seiner Tochter und ihrem Mann. Dort lebte er bis er im Alter von 81 Jahren an einem Schlaganfall starb.
Veronika starb im Alter von 72 Jahren an einer Lungenentzündung und Melone starb drei Jahre später im Alter von 79 Jahren an Alzheimer, durch die er noch nicht einmal den Tod seiner Frau wahrnahm.

Maurice Lorant Depardieu zog bei seiner Frau Amanda wieder ein. Er hat es geschafft das meiste seines ehemaligen Besitzes wieder zu bekommen, daher bestand er auch darauf, die Hochzeit von Marguerite und John zu bezahlen. Dies lehnte Roxton erst mal ab, da er so was nicht annehmen könnte, doch Maurice ist genauso stur wie Marguerite und bekam auch seinen Willen.
Amanda starb im Alter von 68 Jahren an den Folgen ihrer Zuckerkrankheit.



Marguerite und Roxton heirateten drei Monate nachdem sie wieder in London ankamen. Roxtons Mutter war am Anfang gegen die Hochzeit, besonders nachdem sie so einiges über Marguerites Vergangenheit herausgefunden hatte, doch John hielt fest zu Marguerite und seine Mutter duldete es dann doch.
John half Marguerite ihre meist Finanzielle Probleme zu lösen.
Sie wurden stolze Eltern von vier Kindern.
Ihre älteste Tochter Elizabeth, benannt nach seiner Mutter, wurde später Lehrerin.
Ihr Sohn William Richard wurde später ein erfolgreicher Rechtsanwalt.
Die Zwillinge Matthew John und Rebecca Marguerite kamen dicht hinter William zur Welt.
Matthew wurde Musiker und spielte mit Andrew in der selben Band und Rebecca wurde Dolmetscherin, da sie ebenfalls wie ihr Zwillingsbruder die linguistischen Fähigkeiten ihrer Mutter geerbt hatte.
Lord John Richard Roxton starb im Alter von 82 Jahren an Herzversagen. Er lebte bis zu seinem Tode glücklich mit Marguerite zusammen und beide hatten es nie bereut geheiratet zu haben.
Marguerite zog dann zu ihrem Vater, der trotz seines hohen Alters immer noch sehr selbstständig war.
Marguerite starb im Alter von 93 Jahren an Altersschwäche, sechs Monate nachdem ihr Vater im Alter von 112 Jahren friedlich einschlief.

ENDE

Die Asche meiner Mutter

Mein Name ist John Krux und ich möchte mit diesem Wege erzählen wie meine Mutter wirklich war. Viele trafen sie, viele hörten von ihr, sie hatte viele Namen, aber nur die wenigsten kannten sie wirklich.

Meine Mutter lebte bis zur ihrem Tode unter dem Namen Marguerite Krux. Erst danach fand ich durch einen Zufall heraus, dass ihr richtiger Name Marguerite Isabel Depardieu war. Ihr ganzes Leben lang hatte sie nach ihren Wurzeln gesucht, aber nie gefunden. Ich frage mich manchmal ob sie dort wo sie jetzt ist Antworten auf all ihre Fragen bekam.

Meine Mutter hat mich ganz alleine großgezogen, da mein Vater noch vor meiner Geburt verstarb. Sie hatte seinen Tod nie überwunden und auch nie versucht ihn durch einen Anderen zu ersetzen.

Mein Vater hieß Lord John Roxton und war Jäger. Meine Eltern lernten sich auf einer Expedition in Südamerika kennen und lieben.

Vier Jahre verbrachten sie dort zusammen, bis sie endlich einen Weg zurück in die Zivilisation fanden.

Die Höhle, durch die sie den Ort dort verlassen haben, begann zu beben und stürzte plötzlich ein. Alle Expeditionsteilnehmer, bis auf meinen Vater, kamen auf der anderen Seite an.

Seine Überreste sind noch heute in der verschütteten Höhle, da sie nie geborgen werden konnten.

Es fand aber trotzdem eine richtige Beerdigung auf dem Londoner Friedhof für ihn statt. In seinen Sarg wurden Fotos von ihm gelegt und dann in seinem Familiengrab beigesetzt.

Am Anfang lebte ich mit meiner Mutter zusammen in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung. Als sie aber ihre Arbeit als Dolmetscherin verlor, auf Grund ihrer Vergangenheit, konnte sie die Miete nicht mehr bezahlen.

Ich erfuhr erst später dass sie auf dem Plateau, in Südamerika, sehr viele Juwelen und Diamanten zusammen gesucht hatte. Sie hatte sie aber dort gelassen, weil mein Vater sie darum gebeten hatte. Er versprach ihr dass er ihr aus den Schwierigkeiten, in denen sie steckte, helfen wird. Er konnte ja nicht ahnen dass er nicht mehr die Chance dazu bekommen würde.

Als unser Geld immer weniger wurde und wir mit unserer Miete schon im Rückstand waren, tat meine Mutter etwas was sie normalerweise nie täte. Sie bat Lady Elizabeth Roxton, die Mutter meines Vaters, um Hilfe.

Ich konnte geradezu fühlen wie viel Überwindung sie das kostete, als sie mich an die Hand nahm und dann mit mir zu diesem großem Haus in Avebury ging.

Ich war vielleicht erst fünf Jahre alt, aber den herablassenden Blick, welcher Lady Roxton auf meine Mutter warf, konnte ich schon damals deuten.

„Wie können sie es wagen, die Ehre meines Sohnes so in den Dreck zu ziehen, in dem sie behaupten ein Kind von ihm zu haben, nur um an sein Erbe zu gelangen,“ warf sie ihr vor. Ich werde diese Worte niemals vergessen und auch nicht den verletzten Gesichtsausdruck meiner Mutter.

Wir gingen wieder nach Hause, aber mir war damals noch nicht klar wie ernst unsere finanzielle Lage war.

Meine Mutter gehörte nicht zu den Personen denen es leicht viel jemanden um etwas zu bitten, oder über ihre Probleme zu reden.

Als uns dann aber schließlich der Mietvertrag gekündigt wurde, überwand sich meine Mutter, nach der letzten Niederlage, doch noch und fragte meinen Onkel George um rat. Dieser war glücklicherweise sofort bereit uns aufzunehmen und so zogen wir mit den wenigen Sachen die wir noch hatten zu ihm.

Als ich sechs Jahre alt war, kam ich in die Schule. Bis dahin wusste ich nicht wie schwer es sein würde, in den 30er Jahren Sohn einer alleinerziehenden Mutter zu sein.

Es waren nicht nur die Schüler und deren Eltern, die mich zum Außenseiter machten, es waren auch die Lehrer.

So kam es dass ich sehr viel Zeit mit Onkel George verbrachte. Er hatte in seinem Haus, welches nun auch unser Zuhause war, ein richtiges Labor im Keller eingerichtet. Ich sah im unglaublich gerne bei seinen Experimenten zu und war immer sehr stolz wenn ich ihm assistieren durfte.

Er beschaffte meiner Mutter auch eine Stelle in der Universität, in der sie dann Linguistik lehren konnte. Ich habe meine Mutter schon immer für ihre Sprachgewandtheit bewundert und versucht es ihr gleich zu tun, leider hatte ich aber ihr Talent nicht geerbt.

Auch wenn ich sehr wenige Freunde in der Schule hatte, eigentlich fast keinen außer Bobby Hogen, ging ich doch gerne hin. Zumindest meisten.

Nicht weit von uns stand ein altes verlassenes Haus. Es wurde gemunkelt, dass dort einst ein älterer Herr mit seiner jungen Frau lebte, die plötzlich spurlos verschwand. Keiner weiß was mit ihr geschehen ist.

Unter den Schülern wurde diese Geschichte natürlich noch ein wenig erweitert, besonders an Helloween. Wir waren alle fest davon überzeugt dass ihr Geist noch in dem alten Haus herumspukt. Nur die Tapfersten unter uns trauten sich und besichtigten um Mitternacht das Haus.

Als ich zwölf Jahre alt war, war ich an der Reihe.

Ich ging am Abend normal ins Bett, wie jeden Abend. Als es halb zwölf war, schlich ich mich vorsichtig aus dem Fenster. Ich musste sehr leise sein, da meine Mutter anscheinend wiedereinmal nicht einschlafen konnte und noch wach war.

Als ich es endlich geschafft hatte und immer noch unbemerkt vor unserem Haus stand, rannte ich so schnell ich konnte zu unserem Treffpunkt.

Eine Gruppe von dreizehn bis fünfzehnjährigen warteten schon auf mich. Bobby war auch schon da und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu diesem unheimlichen Haus.

Ich war so aufgeregt, dass war unsere Chance in diese Gruppe aufgenommen zu werden.

Als wir endlich ankamen erklärte uns Mark, einer der älteren, was unsere Aufgabe währe. Wir sollten in das Haus gehen, bis zum Dachboden hinauf steigen und dann aus dem Fenster winken. Wenn wir das geschafft hatten, würden wir einer von ihnen sein.

In dem Haus war es wirklich unheimlich. Es standen noch Möbel darin, auf denen eine dicke Schicht Staub lag, sowie Spinnweben, die an der Wand hingen.

Vorsichtig machten wir uns auf den weg nach oben. Es war sehr dunkel dort, da wir nur eine kleine Laterne bei uns trugen.

Aber wir haben es tatsächlich geschafft und sind am Dachboden angelangt. Wir schritten zum Fenster und wollten gerade den anderen Winken, als wir dieses Geräusch hörten.

Ein Knacksen, direkt hinter uns. Ich traute mich vor lauter Angst gar nicht mich umzudrehen. Aber Bobby drehte sich reflexartig um und schrie so wie ich noch keinen schreien gehört habe.

Ich drehte mich dann ebenfalls um und fühlte eine Angst in mir wie noch nie in meinem Leben zuvor.

Vor uns stand eine weise Gestalt, die sich auf uns zu bewegte.

Voller Panik rannten wir los. Wir versuchten um sie herum zu rennen, wobei Bobby über einen Karton stolperte. Er stand aber sofort auf und rannte voran die Treppe hinab.

Ich rannte hinter Bobby und an der Treppe stürzte ich. Ich riss ihn mit mir nach unten und wir landeten beide unsanft auf dem Boden.

Bobby stand auf und rief dass ich ebenfalls aufstehen sollte um weiter zu rennen. Aber ich konnte nicht, da ich mir beim Sturz das linke Bein gebrochen hatte.

Heute frage ich mich, was damals größer war, die Schmerzen oder die Angst. Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, aber ich weiß dass ich unbedingt von dort weg wollte. Und so schaffte ich es doch noch, mit gebrochenem Bein, aufzustehen und dank Bobbys Hilfe, dass Haus zu verlassen.

Als wir endlich bei den Anderen ankamen und ihnen berichteten was wir gesehen haben, fingen sie plötzlich fürchterlich zu lachen an. Da verstanden wir es. Einer von ihnen hatte sich auf dem Dachboden mit einem weißem Bettlacken versteckt, um uns dann Angst ein zu jagen.

Erst als sie mein gebrochenes Bein sahen, hörten sie auf zu lachen.

Sie brachten mich ins Krankenhaus, wo mir ein Gips angelegt wurde. Der Arzt verständigte auch meine Mutter und so saß ich dann da, in meinem Gips und wartete auf sie.

Die Anderen waren schon alle gegangen, da sie keinen Ärger bekommen wollten, als meine Mutter endlich kam. Ich war so froh dass sie endlich da war, dass ich die Angst vor Ärger vollkommen vergas.

Besorgt fragte sie mich, ob ich große Schmerzen hätte, was ich bestätigte. An ihren Augen konnte ich sehen dass sie geweint hatte, was sie natürlich leugnen würde.

Onkel George erzählte mir später, dass sie in der Nacht noch mal nach mir sehen wollte und dann bemerkte dass ich weg war.

Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen weil ich meiner Mutter solchen Kummer bereitet habe, so dass ich mir selbst schwor dass ich es nie wieder tun würde.

Aber ich hielt es nicht ein.

Mit fünfzehn hatte ich meinen ersten Rausch.

Sturzbetrunken kam ich in der Nacht nach Hause.

Durch den Lärm, den ich verursachte, wachten alle im Haus auf.

Ich kann mich nur noch schwach daran erinnern, was geschah. Aber ich weiß, dass ich in dieser Nacht meine Mutter sehr enttäuschte.

Onkel George stützte mich und versuchte mir auf mein Zimmer zu helfen. Meine Mutter stand ungläubig auf der Treppe. Fassungslosigkeit konnte ich in ihrem Gesicht lesen.

Ich befreite mich aus den Armen meines Onkels und rief, dass ich keine Hilfe bräuchte, ich schaffte das auch alleine.

Langsam torkelte ich die Treppe hinauf. Auch von meiner Mutter wollte ich mir nicht helfen lassen.

Irgendwie schaffte ich es tatsächlich in mein Zimmer und legte mich in mein Bett.

Das Weinen meiner Mutter waren das letzte, was ich noch hörte, bevor ich einschlief.

Ich wachte erst gegen Mittags wieder auf und beschämt begab ich mich hinab in die Küche. Als ich dort keinen Vorfand, sah ich im Labor nach, ob dort jemand war.

Natürlich war Onkel George wieder mit einer seiner Erfindungen beschäftigt, als ich es vorsichtig betrat.

Er schien ziemlich sauer zu sein, nicht wegen meinem Verhalten ihm gegenüber, sondern weil ich meine Mutter zutiefst gekränkt hatte.

Es tat mir so furchtbar leid und ich habe mich auch sofort bei ihm entschuldigt, aber er meinte nur dass nicht er es ist bei dem ich mich entschuldigen müsste. Leider wusste er aber nicht wo meine Mutter hingegangen ist und so blieb mir nichts anderes übrig als zu warten.

Trotz den Kopfschmerzen und der Übelkeit, die ich verspürte, blieb ich im Labor und half meinem Onkel bei seinen Experimenten.

Ich wartete aber vergeblich darauf dass die Haustür sich öffnen würde und meine Mutter endlich nach Hause käme. Mein schlechtes Gewissen wurde von Stunde zu Stunde noch größer und auch die Ablenkung, die ich durch Onkel George hatte, halfen nichts.

Sie kam erst in der Nacht zurück.

Ich hatte die ganze Zeit auf sie gewartet und schritt nun unsicher auf sie zu. Das erste was ich sagte war, dass es mir sehr leid täte, aber sie antwortete nicht. Sie hängte ihren Mantel auf und ging an mir vorbei als ob ich dort gar nicht stehen würde.

Sie ging die Treppe hinauf und in ihr Zimmer. Erst wusste ich nicht was ich tun sollte, dann entschied ich mich doch dafür ihr zu folgen. Als ich vor ihrer Zimmertür stand klopfte ich vorsichtig. Erst einmal und dann noch einmal. Ich erhielt aber keine Antwort.

Würde sie nun nie wieder mit mir sprechen? Ich musste es herausfinden.

Vorsichtig öffnete ich die Tür und betrat ihr Zimmer. Sie saß auf ihrem Bett und hatte ein Bild in ihrer Hand. Ich wusste dass es ein Foto von meinem Vater war, welches sie in ihrem Zimmer aufbewahrte.

„Mama, können wir reden?“ fragte ich sie vorsichtig, während ich immer noch unsicher an der Tür stand. Sei nickte nur und ich ging zu ihr, um mich neben sie auf ihr Bett zu setzten.

„Das von gestern tut mir wirklich leid, ich hatte es nicht so gemeint,“ entschuldigte ich mich. „Ich weiß,“ erwiderte sie, während sie immer noch auf das Foto schaute.

„Wie war Dad so?“ fragte ich neugierig, wobei ich es eigentlich schon wusste, aber es doch immer wieder gerne hörte.

„Er war ein Held. Ohne ihn würde jetzt wohl weder ich noch dein Onkel George oder deine Tante Finn leben,“ fing meine Mutter zum erzählen an.

Ich wusste dass ich sie sehr an ihn erinnerte, ich weiß nur nicht ob es positiv oder negativ war. Ich hatte sein Lachen, seine Augen und seine Gestik, zumindest wurde das mir immer wieder erzählt. Aber ich hatte die Haare von meiner Mutter, weshalb ich sie auch ziemlich kurz hielt, um die Locken ein wenig zu vertuschen.

Als ich 17 war bekam ich einen Brief von Lady Elizabeth Roxton. Sie war anscheinend Tod krank und sie wollte mich doch noch kennen lernen.

Ich schrieb ich nicht zurück und ich ging auch nicht auf ihre Beerdigung, viel zu sehr schmerzte die Erinnerung daran wie sie meine Mutter und mich damals abgewiesen hat.

Mit 18 war ich mit der Schule fertig und ich war bereit mein Studium zu beginnen. Auch wenn meine Mutter nicht verstehen konnte warum ich ausgerechnet Physiker werden wollte, war sie doch sehr stolz dass ich die Schule mit Auszeichnung bestand.

Dank Onkel Georges Kontakte habe ich einen sehr guten Studiumsplatz erhalten. Ich studierte natürlich in London, so dass ich immer noch bei meiner Mutter wohnen konnte.

In meinem zweitem Semester lernte ich dann Sarah kennen. Sie war einzigartig, zumindest dachte ich dass. Ich wollte den Rest meines Lebens mit ihr verbringen.

Meine Mutter mochte sie aber nicht und so traf ich sie heimlich.

Später wünschte ich mir ich hätte auf meine Mutter gehört, da Sarah mich wegen einem Anderem sitzen lies. Noch enttäuschter war ich, als ich erfuhr dass der Andere mein ehemaliger bester Freund Bobby war. Ich habe ihn dafür gehasst. Jetzt hasse ich ihn nicht mehr, aber damals hätte ich für nichts mehr garantieren können. Ich fragte mich warum ausgerechnet er. Er hatte die Schule abgebrochen und arbeitete als Schreiner. Damals verstand ich es nicht, jetzt weiß ich dass mehr als nur sozialer Status zählt.

Das Studium verging wie im Flug. Mit dem Diplom in meinen Händen stand mir nun die Welt vor den Füßen. Aber ich wusste was ich machen wollte. Ich wollte Wissenschaftler sein, wie mein Onkel Georg. Er war zwar inzwischen nicht mehr der Jüngste, aber trotzdem immer noch mein Vorbild.

Aber ich hatte auch noch einen anderen Traum. Ich wollte einmal in meinem Leben den Ort sehen, an dem meine Eltern vier Jahre ihres Lebens verbrachten. Nur wie sollte ich dort hingelangen?

Ich hatte die Aufzeichnungen meines Onkels und ich kannte den Weg, aber ich konnte meine Mutter nicht alleine zurück lassen. Ich wusste sie würde niemals dort hin mit kommen und ich wollte auch nicht dass sie mich begleitete.

Und so blieb es bis heute nur ein Traum von mir, den ich vielleicht noch eines Tages erfüllen werde.

Als ich 25 war verstarb Onkel George an Lungenentzündung. Auch wenn ich schon 25 war hing ich doch noch sehr an ihm, immerhin kannte ich ihn schon mein ganzes Leben lang und er war immer für mich da. Ich denke auch heute noch ab und zu an ihn und an die Ratschläge die ich von ihm bekam.

Er wurde im Grabe seiner Frau Jesse beerdigt, so wie er es gewollt hatte. Ich hatte sie nie kennen gelernt, aber nach seinen Erzählungen, muss sie eine sehr nette Frau gewesen sein. Ich glaube er hatte für den Rest seines Lebens Schuldgefühle ihr gegenüber, weil er nicht da war als sie starb.

Onkel George hatte mir und meiner Mutter seinen gesamten Besitz vererbt und so blieben wir in dem Haus, dass nun unser eigen war.

Meine Mutter arbeitet schon seit längerem nicht mehr. Sie war inzwischen zu alt dafür, auch wenn sie es nicht gerne hörte und hatte gesundheitliche Probleme. Aber ich verdiente genug Geld für uns beide, da ich als Physiker sehr erfolgreich war.

Mit 28 heiratete ich Amanda. Sie war drei Jahre jünger wie ich und Krankenschwester. Ich lernte sie im Krankenhaus kennen, da meine Mutter von der Treppe stürzte und sich schwer verletzt hatte. Sie musste drei Wochen lang im Krankenhaus bleiben und ich kam sie jeden Tag besuchen.

Ich war erleichtert als ich merkte dass meine Mutter Amanda mochte, da mir die Meinung meiner Mutter immer noch sehr wichtig war.

Als wir heirateten zog sie zu mir und meiner Mutter. Ich hatte Angst dass es eventuell nicht gut gehen würde, aber ich hatte mich Gott sei dank geirrt, da die Beiden sich wirklich prima verstanden.

Ich wurde stolzer Vater von zwei wunderbaren Töchtern, Marguerite und Jessica.

Ich war 37 als meine Mutter unerwartet an einem Schlaganfall verstarb. Manchmal frage ich mich ob es vielleicht anders verlaufen währe, wenn jemand da gewesen währe. Auch wenn die Ärzte sagte dass man so was nicht beeinflussen kann und es einfach eine höhere Macht war, die sie von uns nahm, gebe ich doch mir die Schuld dass sie alleine Daheim verstarb.

Meine Frau war mit unseren Töchtern übers Wochenende zu ihren Eltern gefahren, ich ging nicht mit da ich mich nicht sehr gut mit ihnen verstand und ich war so in meine Arbeit vertieft, dass ich das gesamte Wochenende mit einem Kollegen in dessen Labor verbrachte.

Erst als ich am Sonntag zurück kam fand ich meine Mutter am Boden liegend vor. Sie war bereits tot und nichts konnte das ändern.

Ich erinnerte mich daran dass sie einmal mit mir über den Tod sprach. Ich wollte nicht mit ihr darüber reden und ich wollte auch nicht darüber nachdenken wie es sein würde wenn sie Tod währe. Aber nun war es soweit und ich erinnerte mich daran, dass sie sagte. Sie wolle neben der Höhle, in der mein Vater verschüttet war, begraben werden.

Es war ihr größter Wunsch und auch wenn es sehr weit von England weg währe, wollte ich ihn ihr erfüllen.

Ich hatte alles dafür arrangiert und weil die Reise ein wenig lange dauern würde musste ihre Leiche eingeäschert werden.

Auch Tante Finn, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte da sie in Amerika lebte, kam zur Beisetzung nach Südamerika.

Es waren nicht sehr viele anwesend, da die Meisten nicht so eine lange Reise auf sich nehmen wollten. Aber es war ein Pfarrer, Tante Finn und ihre Familie sowie ich mit meiner, da.

Ich hatte meiner Mutter eine wunderschöne Urne gekauft, die ihr bestimmt gefallen hätte. Ihr Medaillon, welches sie ihr ganzes Leben lang bei sich trug und die einzige Verbindung zu ihren Eltern war, legte ich in die Urne, bevor ich diese in das Loch, neben der Höhle, gab.

Ich ließ auch einen Grabstein anbringen, für Beide.

Jedes Jahr besuche ich sie an ihrem Grab, genau wie heute.

Mit einem Tuch wische ich ihren Grabstein und lege Blumen davor, während ich ihnen erzähle, was im laufe des vergangenen Jahres alles passiert ist.

Die Reise dort hin wird immer anstrengender und ich weiß nicht ob ich es nächstes Jahr überhaupt noch schaffen werde wieder zu kommen. Inzwischen bin ich nämlich selbst schon 68 Jahre alt und siebenfacher Großvater.

Ihr wundert euch vielleicht warum ich es euch erzähle. Ich weiß es selbst nicht, aber vielleicht tue ich es damit ihr auch die andere Seite der Marguerite Krux kennen lernt, die der liebevollen Mutter, wo in meinem Herzen und jetzt vielleicht auch in euren, für immer weiter leben wird.

ENDE

Eine schöne FF. Finde das mit den Sterbedaten zwar ein bisschen krass(ich könnte mir nie vorstellen so etwas zu schreiben), aber es war ganz gut!

Challengers Missgeschick

„Endlich bin ich fertig,“ meinte Challenger stolz zu sich selbst, in seinem Labor und erhob ein Glas in welchem sich eine rote Flüssigkeit befand. „Leider bringt es mir nichts wenn ich es an einer Labormaus oder einem sonstigem Tier ausprobiere,“ fügte er ein wenig enttäuscht hinzu. „Aber ich bin trotzdem sehr zuversichtlich dass es funktioniert und daher brauche ich kein Versuchskaninchen,“ beruhigte er sich selbst wieder.

Voller Vorfreude verlies er das Labor, in der Hoffnung seinen Freunden sein neustes Werk zu präsentieren.

„Wo sind sie nur alle?“ fragte er sich, als er sich im Wohnzimmer ratlos umsah.
„Veronika,... Finn,... Marguerite,.... Roxton,“ rief er laut durchs Baumhaus, aber er erhielt keine Antwort.

Erst dann bemerkte er einen Zettel, welcher auf dem Esstisch lag. Neugierig nahm er ihn an sich und las laut vor sich her. „Veronika und Finn sind im Garten, Roxton ist Jagen und meine Wenigkeit ist schwimmen gegangen. Unterzeichnet, Marguerite.“

Er schaute im Fenster hinaus und bemerkte dass draußen wunderschönes Wetter war und so beschloss er das Baumhaus ebenfalls für ein paar Stunden zu verlassen. Zuvor stellte er das Glas mit der Flüssigkeit, welches er immer noch in der Hand hielt, auf dem Küchentisch ab.

Als er mit dem Fahrstuhl unten ankam machte er sich gleich auf dem Weg zum Garten, um Veronika und Finn von seiner neusten Erfindung zu berichten.

Inzwischen hatte sich Marguerite vom Schwimmen wieder abgekühlt und fährt gerade mit dem Fahrstuhl nach oben. Sie und Challenger hatten sich nur knapp verpasst.
Ihre Haare waren von den warmen Sonnenstrahlen schon leicht getrocknet, aber man konnte immer noch sehen dass sie vom See kam.

Durstig machte sie sich gleich auf den Weg in die Küche, als sie auf dem Tisch das Glas entdeckte, welches Challenger noch zuvor hingestellt hatte.

„Kühl ist es bestimmt nicht mehr,“ murmelte sie zu sich selbst und griff danach, um es wegzuschütten. Als sie es aber berührte merkte sie dass es doch angenehm kühl war.

Überrascht und auch froh darüber dass sie sich jetzt nichts selber machen musste, führte sie das Glas zu ihren Lippen und trank es genüsslich aus.
Als es leer war stellte sie es zum spülen ab, da sie gerade keine Lust verspürte dies selbst zu tun.

Dann machte sie sich auf den Weg in ihr Zimmer, um ihre Kleidung zu wechseln, da ihre immer noch ein wenig nass waren.

„Und du bist dir sicher dass es funktioniert, immerhin hast du so was bei deinem Nahrungsersatzmittel auch gedacht?“ fragte Finn skeptisch. „Das war doch was ganz anderes und diesmal bin ich mir absolut sicher dass ich keinen Fehler gemacht habe. Außerdem, sobald wir es wieder mit ungebetenen oder fragwürdigen Gästen zu tun haben können wir es ausprobieren und dann werdet ihr mir noch dankbar sein dass ich dies erfunden habe,“ verteidigte Challenger sich. „Ich glaub dir George und ich glaube auch dass wir so etwas gut gebrauchen können. Daher bin ich froh dass du dies in deinem Labor aufhebst,“ lobte Veronika ihn.

Challenger wurde plötzlich ganz blass und meinte nur zu den Beiden dass er noch schnell was im Baumhaus erledigen müsste.

Fragend sahen sich Veronika und Finn an, als Challenger ganz eilig Richtung Fahrstuhl sprang.

Als er endlich oben ankam lief er sofort zum Küchentisch, um entsetzt fest zu stellen dass das Glas nicht mehr da war. Suchend sah er sich um, in der Hoffnung dass er es eventuell wo anders hingestellt haben könnte, als er sein Glas plötzlich leer am Spülbecken fand.

„O mein Gott,“ war alles was er sagen konnte, vor lauter entsetzten und Selbstvorwürfen. Er versuchte sich zu beruhigen und redete sich immer wieder zu dass es auch gut möglich währe dass es einer seiner Freunde ausschüttete.

Er starrte immer noch das leere Glas an als Marguerite ihr Zimmer verlies und ebenfalls in die Küche ging.

„Hallo George,“ begrüßte sie ihn. „Hallo Marguerite,“ grüßte er sie zurück und sah sie musternd an.

„Was ist?“ fragte sie ihn, da ihr sein merkwürdiger Blick nicht ganz geheuer war. „Nichts, ich frage mich nur wer dieses Glas leer getrunken hat,“ erwiderte er und sah sie wieder musternd an. „Das war ich, konnte ja keiner Ahnen dass du auch einmal dein Labor verlässt und dir was zum Trinken holst. Das nächste mal warte ich bis alle Anwesend sind und dann frage ich jeden einzelnen ob es ihm recht ist dass ich etwas trinke,“ antwortet sie ihm schnippisch, woraufhin sie selbst ganz überrascht von ihrer Wortwahl war.

„Ist schon O. k. Marguerite, ich mach mir was anderes,“ entgegnet er ihr um sie nicht zu verunsichern. „Ist wohl das Beste. Du kannst auch gleich deinen Namen drauf schreiben, damit es dir auch ja niemand wieder weg nimmt,“ platzt es wieder aus ihr heraus, woraufhin sie sich sofort entsetzt mit der Hand den Mund zu hält.

Challenger wusste genau was los war, er wusste aber nicht wie er es Marguerite sagen sollte und so entschuldigte er sich bei ihr und fuhr mit dem Fahrstuhl wieder nach unten. Dort machte er sich sofort wieder auf den Weg zu Veronika und Finn, um ihnen alles zu Beichten.

„Nah George, hast du alles erledigt, was auch immer es war?“ fragte Finn ihn scherzend, woraufhin auch Veronika lachen musste. Als sie aber Challengers entsetzten Gesichtsausdruck entdeckten verstummte ihr Gelächter.

„Was ist denn los?“ frage Veronika besorgt. „Nun ja, ich weiß jetzt zumindest ganz sicher dass meine neuste Erfindung funktioniert,“ erwiderte er, woraufhin die Beiden ihn erst mal fragend ansahen. Er gestand ihnen alles und erzählte auch dass Marguerite noch gar nichts davon wüsste.

„Also wenn Marguerite dies getrunken hat und es tatsächlich funktioniert dann will ich das unbedingt sehen,“ erwiderte Finn. „Finn, so was ist überhaupt nicht komisch,“ ermahnt Veronika sie. „Wir müssen es Marguerite sagen,“ fügte sie noch hinzu. „Ich weiß nicht ob dies so eine gute Idee ist,“ erwiderte Finn. „Nein, Veronika hat Recht, wir müssen es ihr sagen,“ meinte Challenger und so machten sie sich zu dritt auf den Weg ins Baumhaus um ihr gemeinsam Challengers Missgeschick zu gestehen.

Als sie mit dem Fahrstuhl oben ankamen, konnten sie Marguerite nirgendwo entdecken. Sie riefen nach ihr, was aber unbeantwortet blieb. Veronika kam dann auf die Idee dass sie vielleicht in ihrem Schlafzimmer sein könnte und so machte sie sich auf den Weg dort hin, während Challenger und Finn am Esstisch warteten.

Veronika klopfte einmal an die Tür. Sie klopfte noch ein zweites mal, aber wieder ohne Antwort und so öffnete sie einfach diese und ging hinein.

Marguerite saß auf ihrem Bett und sah durch das Fenster vor ihr in den Dschungel hinaus.

„Wir haben nach dir gerufen, warum hast du nicht geantwortet?“ fragte Veronika sie vorsichtig. „Das waren nur Mitleidsrufe denn in Wahrheit wolltet ihr mich gar nicht finden,“ erwiderte Marguerite ohne dass sie überhaupt antworten wollte.

„Das ist doch Unsinn. Wieso sollten wir dich rufen, wenn wir dich nicht finden wollten?“ fragte Veronika nach. „Glaub mir, ich weiß wovon ich rede,“ entgegnete Marguerite.

Veronika wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte und so setzte sie sich neben Marguerite aufs Bett.

„Du hast dieses Getränk, welches von Challenger war und dieser in der Küche stehen lies, ausgetrunken,“ fing Veronika an. „Also wenn ich gewusst hätte dass dies ein Schwerverbrechen ist hätte ich es gelassen,“ zischte Marguerite dazwischen.

„Nein ist es nicht und es ist auch nicht deine Schuld, sondern die von Challenger. Diese Getränk war nicht zum trinken gedacht, sondern es war eins von Challengers neusten Erfindungen,“ fuhr Veronika fort. „Jetzt bin ich auch schon euer Versuchskaninchen,“ murmelte Marguerite dazwischen.

„Nein, es war keine Absicht und es tut Challenger auch schrecklich leid,“ versuchte Veronika sie zu beruhigen. „Was für eine Erfindung war es denn?“ frage Marguerite dann doch noch nach.

„Es war eine Mixtur die Andere dazu bringen soll die Wahrheit zu sagen, dass was sie gerade denken, egal ob man will oder nicht,“ erwiderte Veronika kleinlaut, da sie wusste was Marguerite davon halten würde.

„Ihr wollt wohl unbedingt mehr über mich und mein Leben vor der Expedition erfahren, aber dass ihr zu solchen Mitteln greift hätte ich nicht gedacht,“ zischte Marguerite Veronika an. „Marguerite, es war ein Unfall und keine Absicht, dass musst du glauben,“ versuchte Veronika sie zu beruhigen.

„Ich weiß, euch kann ich vertrauen, immerhin seit ihr die einzige Familie die ich jemals hatte,“ erwiderte Marguerite, wobei sie nach diesem Geständnis nicht gerade glücklich aussah, da sie es eigentlich nicht sagen wollte.

„Und das werden wir auch immer bleiben,“ entgegnete Veronika und umarmte ihre Freundin. „Challenger wird schon eine Lösung finden, vielleicht hält die Wirkung auch gar nicht so lange an,“ sprach Veronika beruhigend auf sie ein. „Und falls du doch mehr erzählen würdest als du wolltest, dann kannst du sicher sein dass deine Geheimnisse bei uns allen sicher aufgehoben sind und keiner von uns würde dir irgendwas nachtragen,“ fügte sie noch hinzu und sah Marguerite dabei an, um ihr zu zeigen dass sie es ernst meinte.

„Da währe ich mir nicht so sicher, immerhin wisst ihr fast gar nichts darüber und wenn du wüsstest dass ich im ersten Weltkrieg...“ Marguerite konnte sich gerade noch rechtzeitige die Hand auf ihren Mund halten, sonst hätte sie wohl eins ihrer größten Geheimnisse verraten.

Beiden hörten sie den Fahrstuhl wieder nach oben fahren. „Das muss wohl Roxton sein,“ vermutete Veronika, die Marguerites Fastgeständnis einfach ignorierte. „Es ist wohl besser wenn ich kurz zu den Andern gehe und erzähle wie es dir geht,“ schlug Veronika vor. „Nein, ich will nicht dass sie es wissen,“ erwiderte Marguerite, nickte aber dann doch zustimmend.

Veronika verlies dann das Zimmer um zu den Anderen zu gelangen.

Roxton war fast außer sich als Challenger ihm sein Missgeschick gestand. Er wollte sofort zu Marguerite und sehen wie es ihr geht, aber Finn und Challenger konnten ihn gerade noch zurückhalten.

Veronika betrat den Raum und alle sahen sie fragend an. „Es geht ihr ganz gut,“ erleichterte sie alle. „Aber sie möchte alleine sein,“ fügte sie noch hinzu.

„Ich muss sie aber sehen,“ wiedersprach Roxton und machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer.

„Challenger, du hast doch ein Gegenmittel dagegen, oder?“ frage Veronika ihn hoffend. „Nein, habe ich nicht, aber die Wirkung müsste sowieso nur von kurzer Dauer sein,“ versicherte er ihr. „Morgen, müsste die Mixtur schon an ihrer Wirkung verloren haben,“ fügte er noch hinzu, woraufhin Veronika erleichtert war. „Weiß Roxton das?“ wollte sie noch wissen. „Ja, weiß er,“ erwiderte er.

Langsam öffnete Roxton die Tür vor ihm und betrat das Zimmer seiner Liebsten. Immer noch saß sie auf ihrem Bett und sah nachdenklich im Fenster hinaus.

„Ich habe gehört was passiert ist. Wie geht es dir?“ fragt er sie besorgt. „Jetzt bist du hier um mich auszuhorchen,“ erwiderte sie, ohne überhaupt etwas darauf sagen zu wollen. Roxton wusste dass sie dies nicht wollte und so entgegnete er sanft „nein, und du weißt dass dies nicht war ist und um dich zu beruhigen, Challenger hat versichert dass die Wirkung bald nachlassen wird.“

Sie entspannte sich daraufhin ein wenig, was er auch mitbekam. „John, du bist viel zu gut für mich, du hättest etwas besseres verdient,“ erwidert sie ihm. „Marguerite, du weißt dass das nicht stimmt. Ich liebe dich über alles und ich könnte niemals mit jemand anderem zusammen sein als mit dir,“ versicherte er ihr.

„Ich liebe dich auch John, mehr als alles andere, aber ich habe auch Angst davor dass es nicht gut gehen wird,“ gestand sie ihm, woraufhin sie ihren Blick wieder von ihm abwendet.

„Wieso sollte es nicht gut gehen. Wir lieben uns und nur das zählt, sonst nichts,“ sprach er weiter auf sie ein. „Manchmal reicht das aber nicht,“ entgegnete sie. „Meistens aber schon,“ wiedersprach er ihr.

„Ich möchte eigentlich nur noch schlafen und wenn ich aufwache hoffe ich dass die Wirkung wieder nachgelassen hat,“ erwiderte Marguerite.

Roxton stand von ihrem Bett auf, so dass Marguerite sich hineinlegen konnte. Liebevoll deckte er sie zu und gab ihr einen Gutenachtkuss.

Er wünschte ihr noch eine gute Nacht und verlies dann ihr Zimmer um wieder zu den Andern zu gelangen.

„Wie geht es ihr,“ fragte Challenger besorgt. „Es geht ihr den Umständen entsprechend. Jetzt schläft sie und wenn sie aufwacht ist alles wieder in Ordnung,“ antwortete Roxton. „Ich war noch mal in meinem Labor und habe ein wenig nachgeforscht. Meine Rechnungen haben ergeben dass die Mixtur noch ungefähr drei Stunden anhalten müsste und dann innerhalb von zwei Stunden sich vollständig abbaut. Also müsste in fünf Stunden alles vorbei sein,“ versicherte Challenger.

„Und das so was nicht noch einmal vorkommt,“ ermahnte Veronika ihn. „Nein bestimmt nicht,“ bestätigte Challenger.

Jeder ging wieder seinen normalen Beschäftigungen nach, aber jeder dachte noch daran wie sich Marguerite jetzt wohl fühlen musste.

Marguerite lag immer noch wach im Bett und dachte über Roxtons Worte nach. „Ich hoffe du hast recht,“ murmelte sie bevor sie einschlief.


ENDE

Erinnerungen sterben nicht
Es ist mitten in der Nacht und drei Jugendliche stehen vor einem großem, verlassenem Haus. Das Haus steht ein wenig abseits, da es ein riesiges, verwachsenes Grundstück um sich hatte.
"Ich weiß nicht ob wir dort wirklich hinein gehen sollten," meinte das Mädchen zu ihren beiden Begleitern. "Du willst jetzt doch nicht kneifen, oder Jenny," erwiderte einer der Beiden stichelnd. "Lasst uns endlich rein gehen," wurde der Andere langsam ungeduldig und machte sich schon einmal daran über den Zaun zu steigen. "Frank hat Recht, wir sollten uns beeilen, bevor uns noch jemand sieht," entgegnete er und machte sich ebenfalls auf den Weg. "Warte Andy," rief Jenny, während sie den Beiden nach ging.
Durch eins der alten Fenster gelangten sie in das Innere des Hauses. Alle drei waren mit Taschenlampen ausgerüstet und sahen sich staunend um.
"Ich möchte zu gerne wissen was auf dem Dachboden so herum liegt," fragte sich Frank und begab sich zur Treppe. Die andern Beiden folgten ihm vom ihrer Neugier angetrieben.

Als sie oben ankamen stellten sie fest dass dort noch mehr Staub lag, als es unten schon der Fall war. Es lagen dort sehr viele Kartons herum, die unbeschriftet waren.
"Was dort wohl überall drin ist?" fragte sich Jenny. "Finde es halt heraus," erwiderte Frank und öffnete schon einmal den ersten.
"Kleidung," gab er von sich und nahm eines davon heraus. "Das muss ja schon uralt sein. Dass die früher in so was herum liefen, einfach grässlich," meinte Jenny. "Vielleicht wird das in hundert Jahren auch mal jemand über unsere Kleidung sagen," entgegnete Frank.
"He, schaut mal hier rüber, was ich gefunden habe," rief Andy und hob ein Buch in die Höhe.
"Was ist das?" fragte Frank neugierig. "Ich bin mir nicht sicher, aber es sieht fast wie ein Tagebuch aus," rief Andy zurück.
"Was steht denn darin?" fragte Jenny, als sie mit Frank bei Andy standen.
Andy schlug das Buch auf und blickte hinein. "Es sieht wirklich so aus als währe es ein Tagebuch und zwar das Tagebuch von... Marguerite Krux. Weiß jemand von euch wer das ist?" "Keine Ahnung. Schau doch mal in welchem Jahr sie dies geschrieben hat?" fragte Jenny zurück.
Er blätterte eins weiter, wo auch schon der erste Eintrag begann. "Hier steht der 29.09.1919."
"Au Mann, das ist aber schon ganz schön lange her, immerhin haben wir jetzt April 2004," erwiderte Frank.
"Was schreibt sie denn so?" wollte Jenny wissen.
"Also gut, ich lese mal einen Teil vor," gab Andy nach und begann zu lesen.
"29.09.1919. Gestern hatte ein gewisser Professor George Challenger eine Vorlesung über die verlorene Welt gehalten. Dies war die Gelegenheit um endlich auf das Plateau zu gelangen. Sofort bot ich an die Expedition zu finanzieren, unter der Bedingung ebenfalls mit zu kommen. Lord John Roxton, ein Jäger welcher ebenfalls an der Expedition teilnahm, meinte dass dies kein Ort für eine Frau währe. Nachdem ich ihm aber direkt zwischen die Beine, nur ein paar Zentimeter unterhalb seiner Männlichkeit, mit einem Gewehr schoss, verstummte sein Gelächter.
An unserer Reise nehmen zudem noch ein Reporter Namens Ned Malone und Professor Arthur Summerlee teil, was bedeutet dass ich wohl die einzige Frau sein werde, aber wenn es darauf ankommt werde ich mich zu wehren wissen."
"Wow, ließ weiter," bat ihn Jenny, woraufhin er auch noch den nächsten Eintrag vorlas.
"26.10.1919. Wir sind nun endlich auf dem Plateau angelangt. Alle unsere Begleiter, die uns beim tragen halfen, sind unterwegs umgekommen. Es ist ein Wunder dass wir fünf noch Leben. Leider ging aber unser Ballon kaputt und wir wissen nicht wie wir diesen Ort wieder verlassen können.
Hier mitten im Dschungel sind wir einer jungen Frau Namens Veronika begegnet, die hier in einem bemerkenswertem Baumhaus lebt. Sie wohnt dort ganz alleine, da sie immer noch auf der Suche nach ihren Eltern ist, die vor 11 Jahren verschwanden.
Veronika war so gastfreundlich uns bei ihr aufzunehmen, so dass wir vor den Dinosaurier, welche es hier tatsächlich gibt, sicher waren.
Lord Roxton hatte vorhin versucht mich zu küssen. Sein Gesichtsausdruck, nachdem ich ihn gebissen hatte, werde ich nicht so schnell vergessen, einfach urkomisch. So schnell wird er es nicht noch mal versuchen."
"Dinosaurier? So ein Blödsinn," meinte Frank. "Vielleicht aber auch nicht. Was ist wenn es dieses Plateau wirklich gibt und es einfach nur geheim gehalten wird?" erwiderte Jenny. "Stimmt. Ich habe mal davon gehört dass ein Wissenschaftler behauptete dass es diesen Ort wirklich gibt, aber bewiesen wurde es nie," entgegnete Andy.
"Lies weiter. Ich will wissen was dann geschah," bat Jenny ihn, woraufhin Andy wieder zu lesen begann.
"27.10.1919. Heute lernten wir die Zangas kennen, wenn auch durch weniger glückliche Umstände.
Den Zangas war der Weg vom Plateau bekannt und da wir alle den Ort hier wieder verlassen wollen, bot ich an mit ihnen zu verhandeln. Wir sind uns dann schließlich einig geworden und ich konnte sogar noch einige Juwelen für mich heraus schlagen. Mir ist es egal was die anderen von mir denken. Warum sollten sie auch was anderes von mir halten als all die anderen Leute, denen ich vor ihnen begegnet war. Deshalb war es mir auch egal dass sie so entsetzt waren, dass ich Veronika an Jakob, den Stammeshäuptling, verkaufte, um den Weg vom Plateau, für uns alle, zu erhalten. Auch wenn es wohl niemand nachvollziehen kann, aber auch wenn es mir hinterher schrecklich leid tat, habe ich eigentlich nur an unser wohl gedacht und außerdem währe es Veronika, als die was weiß ich wievielte Frau an seiner Seite, bestimmt nicht schlecht gegangen.
Irgendwie mag ich meine Mitbewohner hier, auch wenn ich es niemals zugeben würde, besonders Summerlee hat es mir mit seiner liebenswürdigen Art angetan. Aber ich sollte mich nicht zu sehr an sie gewöhnen, denn spätestens wenn wir diesen Ort hier wieder verlassen haben, werde ich wieder allein da stehen und dass sollte ich nie vergessen."
Andy hörte auf zu lesen, aber auch nur um umzublättern.
"03.11.1919. Es ist fast unglaublich, aber es leben hier tatsächlich eine Art von intelligenter Echsenwesen. Es herrscht dort Diktatur und ihr Anführer nennt sich Tribune. Menschen werden dort als Sklaven gehalten. Wieder einmal dachten alle, ich hätte sie verraten und währe zu meiner Gunsten auf die andere Seite gewechselt, weil ich wollte mich nur an Tribune heranmachen um meine Freunde, kaum zu glauben dass sie so nenne, zu befreien.
Wie man sieht haben wir es geschafft, sonst könnte ich wohl kaum diese Zeilen hier schreiben."
"13.11.1919. Wir hätten heute beinahe Summerlee verloren. Er wurde von einer riesigen Biene gestochen, deren Gift tödlich ist. Während Roxton, Veronika und Malone das Gegenmittel besorgten, blieben Challenger und ich zurück, um auf Summerlee auf zu passen. Challenger war hauptsächlich damit beschäftigt seinen ach so tollen elektrischen Zaun zu bauen, wofür ich einen Teil meiner Unterwäsche opfern musste.
Summerlee hat mir eins seiner wahrscheinlich größten Geheimnisse anvertraut, unter welcher er immer noch an Schuldgefühlen leidet. Seine Frau Anna ist damals ganz alleine gestorben, da Summerlee es nicht mit ansehen konnte wie sie leidet. Später hatte er Halluzinationen und hielt mich für seine verstorbene Frau und bat mich um Vergebung. Natürlich habe ich ihm an ihrer Stelle vergeben, wer könnte so einem Mann nicht vergeben.
Roxton, Malone und Veronika hatten es noch rechtzeitig mit dem Gegenmittel geschafft und Summerlee konnte gerettet werden.
Er hat mir eins seiner größten Geheimnisse anvertraut, vielleicht kann ich ihm auch mal eines von mir anvertrauen. Irgendwann, wenn der richtige Zeitpunkt ist, aber noch nicht jetzt."
"Ich frage mich, was das für Geheimnisse sind?" fragte sich Jenny laut. "Vielleicht schreibt sie es ja einmal," erwiderte Andy. "Ich würde mal davon ausgehen, aber auf jeden Fall haben sie krasse Abenteuer erlebt," entgegnete Frank.
Jenny nahm jetzt das Buch um weiter zu lesen, da sie es kaum erwarten konnte zu erfahren wie es weiter ging und Andy damit beschäftigt war mit Frank darüber zu diskutieren, wie groß die Biene wohl gewesen war. Als Jenny aber begann zu lesen, verstummte ihre Argumentation, da auch sie den Verlauf ihrer Abenteuer wissen wollten.
"25.11.1919. Heute war der schrecklichste Tag meines Lebens. Mein Leben lief bisher nie wie geplant und eigentlich hätte ich nie gedacht dass es noch schlimmer kommen könnte, aber ich wurde eines besseren belehrt. Ich wünschte wir hätten nie nach diesem Sulfur gesucht, dann währe Challenger nicht gefangen genommen worden und wir hätten nie nach den sterblichen Überresten von Cassandras Ehemann suchen müssen. Die Überreste sollten und waren dann auch, in einer Höhle, in der Roxton und ich hinein gingen. Summerlee blieb vor dem Eingang um Wache zu halten, aber eigentlich wollte Roxton nur nicht dass Summerlee uns weiterhin bremste. Summerlee ist zwar schon ein wenig älter und kann daher manchmal nicht mit uns mit halten, aber dass Roxton deshalb gleich so zu ihm ist, fand ich vollkommen übertrieben.
In der Höhle trennten Roxton und ich uns dann, was wir wohl besser nicht getan hätten. Ich fand mich plötzlich in einem Raum wieder, der wie ein Kinderzimmer aus sah. Eine Frau mit dunklen Haaren, mittlerem Alters, kam auf mich zu und irgendwie spürte ich die Verbindung zu ihr. Das war der Moment nach dem ich mich mein ganzes Leben schon gesehnt hatte, endlich zu erfahren wo ich eigentlich herkomme und wo ich wirklich hin gehörte. Ich hatte nie eine Familie, weder als Kind noch als Erwachsene und noch nie war ich so voller Hoffnung, dass die Lücke in meinem Leben endlich ausgefüllt würde.
Aber ich wurde bitter enttäuscht.
Sie sagte mir zwar dass sie meine Mutter sei, aber auch dass sie mich nie geliebt hatte und dass sie von Anfang an gespürt hatte, dass ich anders war, dass ich tief in meinem Innerem böse war und es auch wusste. Sie meinte, dass keine Mutter die ihr Kind liebt, es weggeben würde. Und sie hatte recht. Mein Leben lang hatte ich so etwas befürchtet, aber es immer verdrängt, nun wusste ich dass es wahr war. Die Kinder im Internat, die Nonnen, meine Ehemänner, alle hatten sie recht und nun wusste ich es auch. Eigentlich wusste ich es immer, ich wollte es nur nie wahr haben.
Sie reichte mir dann meine Taufdecke und ich öffnete es. Darin war eine Pistole eingewickelt und sie meinte dass dies das einzig Richtige währe, was ich tun könnte. Sie hatte recht, ich sollte der Welt einen Gefallen tun und mich selbst erschießen.
Ich nahm die Pistole und führte sie zu meinem Kopf. Noch nie zuvor fühlte ich mich so befreit und bald würden meine Qualen endlich ein Ende haben. Doch dann kam Roxton und meinte, ob man mir nie erklärt hatte, dass man nicht mit Waffen spielt. Oh, wie sehr ich ihn dafür hasste und ich bin immer noch ein wenig sauer auf ihn, dass er mich davon abgehalten hatte dass einzig richtige zu tun.
Normalerweise bin ich immer sehr gefasst und halte meine Gefühle vor den Anderen zurück, sie sollen nicht sehen wie nahe mir manches geht oder wie schwach ich eigentlich wirklich bin. Aber diesmal konnte ich mich nicht zurückhalten. Ich begann fürchterlich zu weinen und hielt mich an Roxton fest. Gott sei Dank umarmte er mich zurück. Ich hätte es nicht ertragen in diesem Moment zurück gewiesen zu werden. An Summerlees Schulter weinte ich mich ebenfalls aus. Ich war so froh dass die Beiden da waren, da von all meinen Mitbewohnern ich ihnen am meisten vertraue.
Vorhin hatte ich mir noch einmal mein Medaillon angesehen. Manchmal fragte ich mich, weshalb ich es überhaupt noch hatte. Vielleicht weil ich tief in mir doch noch den Funken einer Hoffnung hatte, dass irgendwo da draußen meine Eltern sind, die mich lieben und vermissen. Doch diese Hoffnung wurde heute zunichte gemacht und dieses Medaillon soll mich für immer daran erinnern, wie dumm ich doch war, zu denken dass irgendwo da draußen jemand ist der sich für mich interessiert und sorgt."
"Oh man ist das traurig," meinte Frank und die Anderen stimmten dem zu.
Frank nahm nun dass Buch, da Jenny durch ihre Tränen nichts mehr sehen konnte.

"26.11.1919. Inzwischen geht es mir wieder besser. Heute Nacht konnte ich nicht schlafen, da mich die Erinnerungen des vergangenen Tages immer noch verfolgten. Also stand ich auf, um mir in der Küche was zu trinken zu holen. Ich staunte nicht schlecht als ich dort Roxton mit einer Tasse Tee erblickte. Ich erzählte ihm zwar nicht, was ich gesehen hatte, aber er versicherte mir, dass was auch immer es war, es nur eine Halluzination war und nicht real. Er erzählte mir, dass er seinen Bruder sah, den er damals versehentlich, beim Versuch ihn zu retten, erschoss. Seiner Meinung nach, waren dass nur unsere größten Ängste, die wir dort sahen und nicht mehr.
Ich glaube ihm, nicht nur weil ich dies glauben will, sondern weil es wirklich logisch klingt.
Vielleicht gibt es doch noch jemanden da draußen, der mich vermisst und irgendwie auch liebt."
"Ist dass nicht traurig? Sie ist mitten unter Menschen und doch ist sie einsam und allein," meinte Jenny. "So was ist wirklich übel," gab ihr Frank recht. "Das verstehe ich irgendwie nicht, denn wenn man das hier so liest scheint sie ganz in Ordnung zu sein," erwiderte Andy. "Vielleicht kommen wir ja noch darauf, lies mal weiter," bat Jenny und Frank begann wieder vor zu lesen.
"29.11.1919. Jetzt bin ich wirklich zu weit gegangen. Ich weiß selbst nicht was ich mir dabei gedacht hatte, aber erst einmal von Anfang an.
Wir fanden eine alte Grabkammer von einem König. An den Wänden waren Schriftzeichen, welche ich natürlich ohne Probleme übersetzte, worüber die Anderen nicht gerade schlecht staunten. Manchmal frage ich mich selbst warum ich dass kann, genau wie Malone mich heute. Ich Antwortete ihm, dass ich in Oxford eben gut aufgepasst hatte und eine fleißige Schülerin war, aber in Wahrheit frage ich mich auch wie ich zu dieser Gabe kam.
Heute bot sich auch endlich die Gelegenheit zu erfahren was Malone so über mich denkt. Als ich alleine war, nahm ich sein Tagebuch und las ein paar Zeilen darin, bis ich gestört wurde. Ich kann seinen Wutausbruch ja verstehen, aber ich muss zugeben dass mich diese Zeilen über mich tief getroffen haben. Denken sie etwa wirklich dass ich eine gefährliche Person bin und ihnen allen das Genick brechen könnte? Vielleicht haben sie damit nicht unrecht und es währe besser von mir ein wenig Abstand zu halten, wenn man bedenkt was ich in meiner Vergangenheit alles schon getan hatte.
Ich hoffe nur, dass niemand auf die Idee kommt einmal mein Tagebuch zu lesen, aber solange keiner weiß dass ich eines schriebe, wird auch keiner es lesen wollen.
Roxton versuchte später mit mir darüber zu reden und ich weiß selbst nicht was mich da geritten hatte, als ich zu ihm sagte, ob er mich genauso erschießen wolle, wie seinen Bruder.
Später versuchte ich mich bei ihm zu entschuldigen und er meinte daraufhin dass es vergessen währe und wir jetzt wichtigere Dinge hätten, aber ich weiß dass es für ihn ein Schlag mitten ins Gesicht war.
Ich mache mir immer noch Gedanken über den König, den wir fanden. Wenn wir ihn nicht gefunden hätten, würde sich jetzt niemand mehr an ihn erinnern. Roxton und ich führten ein kleines Gespräch darüber und er sagte, dass er mich nie vergessen würde. Dies lies mein Herz ein wenig höher springen, auch wenn ich davon überzeugt bin dass er es eines Tages bereuen wird mir jemals begegnet zu sein.
Wenn wir tatsächlich keinen Weg von diesem Plateau finden, dann wird niemals jemand etwas von uns erfahren. Wir werden nur ein paar Leute sein, die irgendwann einmal los gingen um eine Welt zu suchen, von der noch nie jemand gehört hatte.
Es gab schon viele Expeditionen, zu verschiedenen Orten, die nicht zurück kamen oder erfolglos blieben und heute kann sich keiner mehr an sie erinnern. Wir könnten hier alle sterben und keiner würde davon erfahren."
"Kraß," war alles was Frank noch hinzufügte.

"Habt ihr euch denn schon mal Gedanken über den Tod gemacht?" fragte Jenny. "Manchmal und ich muss zugeben dass ich es z.B. voll heftig finde, dass wenn man einen neuen Grabstein kauft, dass dann manche Namen nicht mehr hinauf geschrieben werden. Ich mein, auch wenn sie keiner mehr kennt, hat es sie doch einmal gegeben und dann erinnern noch nicht einmal ihre Namen mehr an sie," erwiderte Andy. "Aber wer liest denn schon die Namen von irgendwelchen Grabsteinen, die man nicht kennt?" fragte Frank skeptisch. "Also ich mach das," gab Jenny zu. "Ich ebenfalls," meinte Andy. "Na gut, ihr habt gewonnen. Lasst uns weiter lesen," gab Frank nach und wechselte das Thema.
"03.12.1919. Es ist eigentlich kaum zu glauben was einem hier auf dem Plateau alles passieren kann und wenn ich es nicht alles selbst erleben würde, würde ich es nicht glauben.
Lord John Roxton wurde angefallen und gebissen, dadurch hat er sich zu einem Vampir verwandelt. Ich hätte nie gedacht dass es so etwas wirklich gibt, aber es war tatsächlich so.
Erst merkte man ihm seine Veränderung nicht an, aber in der Nacht schlich er sich in mein Zelt und versuchte sich an mir zu vergehen. Leider war dies für mich keine ungewohnte Situation. Aber Roxton? Ich konnte es kaum glauben und wenn Challenger nicht gekommen währe, wer weiß was dann passiert währe. Aber ich weiß dass es nicht der wirkliche Roxton war, da er so etwas nicht tun würde. Wie dumm dies doch von mir klingt. Wieder beginne ich einem Mann zu vertrauen und dabei wurde ich doch schon so oft eines besseren belehrt.
Roxton lief davon und Challenger und ich mussten ihn dann suchen gehen. Ich befürchtete wirklich wir müssten ihn erschießen, auch wenn ich es nicht gekonnt hätte.
Zum Glück ging aber alles noch einmal gut aus und er ist jetzt wieder ganz der Alte. Wir haben nie darüber gesprochen, dass er bei mir ihm Zelt war, aber ich fragte ihn wie es als Vampir so war. Anscheinend hatte er sich noch nie so stark und befreit gefühlt wie dort.
Ich beneide ihn dafür. Wie gerne würde ich das Gefühl kennen, nicht kurz davor zu sein von der eigenen Vergangenheit erdrückt zu werden. Einfach nur frei sein. Frei von jeglichen Schuldgefühlen, Sehnsüchten und Misstrauen. Was würde ich nur dafür tun, nur einen Tag lang zu erfahren wie es ist ein normales Leben zu führen."
"So was wie Vampire gibt es doch nicht," meinte Jenny skeptisch. "Vielleicht ja doch," scherzte Frank. "Vielleicht ist es aber auch gar kein richtiges Tagebuch, sondern nur eine Geschichte die sich irgend jemand mal ausgedacht hatte," gab Andy zu bedenken. "Da währe ich mir nicht so sicher, immerhin würde die Kleidung, die wir fanden, perfekt in diese Zeit passen," erwiderte Frank. "Vielleicht finden wir ja irgendwo ein Foto von ihnen," entgegnete Jenny.
Frank überflog ganz schnell die Seiten in dem Buch und fand in der Tat ein altes schwarzweiß Foto.
"Wow, wer darauf wohl ist?" fragte Andy. "Keine Ahnung, vielleicht finden wir es heraus wenn wir weiter lesen," erwiderte Frank und blätterte im Tagebuch wieder auf die Seite zurück, auf der er stehen geblieben ist.

"07.12.1919. Wir haben hier das Paradies gefunden. Zumindest sah es am Anfang so aus als währe es dies. Aber welcher Preis darf ein ewiges Leben und ewige Schönheit haben? In diesem Fall währe es das Leben anderer gewesen.
Durch einen Zufall entdeckten wir in einer Höhle den Eingang zum vermeintlichem Paradies. Dort war ein Baum auf dem Früchte wuchsen, die einem ewiges Leben und Schönheit versprachen. Aber nicht nur das. Durch diese Früchte, welche wir ebenfalls aßen, wurde man auch Frei. Wir wurden von den Ketten unserer Ängsten und Sorgen erlöst und schwebten im vollkommenem Frieden und Glück. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so befreit gefühlt. Es war, als währe eine Zentner schwere Last von mir gefallen.
Der Preis für den eines Glücks war von anderen die Jugend. Wie wir später herausfanden, entzieht dieser Baum von seinen Opfern die Lebensenergie und lässt sie innerhalb von Sekunden zu alten Greisen altern. Malone wurde ebenfalls Opfer dieses Baumes, doch dank dieser Frucht wurde er wieder verjüngt.
Diese Frucht lies auch alle Hemmungen verschwinden. Als Roxton in mein Zelt kam, um nach Malone zu fragen, verspürte ich ein solches Verlangen, dass mir alles andere vollkommen egal war. Ich fühle mich schon seit längerem zu ihm hingezogen, was ich bis jetzt auch immer unterdrücken konnte, aber dort war es einfach anders. Ich wollte ihn einfach nur spüren, ihn berühren und von ihm berührt werden. Zum Glück hatte John nichts von dieser Frucht gegessen und hat es unterbrochen bevor mehr passiert währe. Ich will gar nicht daran denken was hätte passieren können.
Später wurden wir alle gefangen genommen und eingesperrt. Mir wurde das Angebot ewiger Jugend gemacht, was ich annahm. Natürlich nur um eine Chance zu bekommen meine Freunde, wenn man dies überhaupt so nennen kann, da diese wahrscheinlich nicht so für mich empfinden, zu retten. Wieder einmal dachten sie, dass ich sie verraten würde, wobei ich dann das Gegenteil bewies. Ich weiß dass sie mir nicht vertrauen, warum sollten sie auch? Mir hat noch niemand vertraut und die, die dies taten, haben dafür mit ihrem Leben bezahlt.
Als wir wieder im Baumhaus waren, stand ich am Abend am Balkon. Roxton stellte sich zu mir und fragte mich, warum ich ihm aus dem Weg ginge. Es stimmte, ich ging ihm aus dem Weg, ich weiß selbst nicht warum. Einerseits geht er mir mit seiner Art auf die Nerven, aber andererseits hat er etwas an sich, dass ich nicht beschreiben kann. Ich redete mich heraus indem ich sagte, dass er und ich nur in einer Katastrophe enden würden. Das meinte ich auch so. Er hätte dann eine weitere Trophäe in seiner Sammlung und ich wieder ein gebrochenes Herz, welches ich mühsam wieder zusammenflicken müsste. Wie lange muss ich es noch ertragen? Wie lange sind wir noch hier auf dem Plateau? Ich hoffe nicht mehr lange, denn ich weiß nicht wie lange ich es noch aushalte mich nicht in ihn zu verlieben."
"Wow, ein Baum, der einem ewiges Leben verspricht, dass ist wirklich cool," meinte Frank.

"Hast du nicht richtig aufgepasst? Dafür mussten andere ihr Leben lassen," erwiderte Jenny entsetzt. "Ja, aber trotzdem ist es doch voll kraß," entgegnete er. "Ja, irgendwie schon," gab Andy ihm recht. "Und Marguerite ist voll verknallt," merkte Jenny an. "Ja, aber sie hat anscheinend schon total viele schlechte Erfahrungen gemacht und daher versucht sie ihre Gefühle zu unterdrücken," analysierte Andy. "Vielleicht ändert dies sich ja noch," erwiderte Jenny. "Mal sehen," entgegnete Frank und begann weiter zu lesen.
"09.12.1919. Heute ist Veronikas Geburtstag. Ich finde es vollkommen übertrieben, wie hier jeder tut als währe eine Staatsfeier. Was ist schon ein Geburtstag? Super, sie wird ein Jahr älter, na und? Ich versteh gar nicht warum man so was überhaupt feiert, als ob es so was besonderes währe, immerhin hat jeder Geburtstag. Jeder außer ich. Ich gebe zu dass ich nicht weiß wann mein Geburtstag ist und ich finde es auch nicht wichtig. Was ist schon ein Datum?
Nein, dass stimmt nicht, ich mache mir selbst etwas vor. Was würde ich dafür geben zu erfahren wann mein Geburtstag ist und wie mein voller Geburtsname ist. Ich weiß es nicht. Ich habe solange ich zurück denken kann nachgeforscht wo ich herkam und kam zu keinem Ergebnis. Niemand konnte mir diese Frage beantworten und jetzt feiern wir Veronikas Geburtstag und alle bemitleiden sie, weil sie, dass weiß ich wievielte Geburtstagsfest, ohne ihre Eltern feiern muss. Ich hatte noch nie eine Geburtstagsfeier mit meinen Eltern. Ich hatte überhaupt noch nie eine Geburtstagsfeier, weder als Kind noch als Erwachsene und ich will auch keine. Das ist schon wieder gelogen. Wie sehr würde ich doch gerne nur einmal meinen Geburtstag feiern, an dem Tag an dem ich vor ungefähr 29 Jahren geboren wurde, mit Menschen die mich lieben und die ich liebe. Ich weiß dass dieser Tag nie kommen wird und auch wenn man die Hoffnung nie aufgeben soll, so werde ich keinen Traum hinterher rennen, sondern realistisch bleiben. Wobei ich eigentlich einem Traum hinterher renne, sonst währe ich wohl kaum hier auf das Plateau gekommen..."
"Ich kann dass nicht mehr genau erkennen. Es scheint als währe es nass geworden," meinte Frank. "Sieht so aus, als hätte sie dabei geweint, als sie dies schrieb," vermutete Jenny. "Dann lies einfach weiter unten fort," schlug Andy vor.
"Ich kann sie lachen hören und wie sie feiern, während ich hier in meinem Zimmer sitze. Es ist genau wie damals im Internat, dort haben auch alle ohne mich gefeiert. Eigentlich sollte ich Ned beim Kochen helfen, aber ich sagte, dass mir nicht gut sei und seit dem habe ich nicht mehr mein Zimmer verlassen. Wahrscheinlich habe ich ihnen einen Gefallen damit getan, da ich ihnen allen mit meiner miesen Laune nur die Feier verderben würde.
Vorhin war Roxton bei mir und fragte mich wie es mir geht. Ich log ihn an und erwiderte, dass ich immer noch sehr starke Kopfschmerzen hätte und lieber noch liegen blieb. Er hat mir sogar ein Stück Torte vorbei gebracht, was ich wirklich süß fand, da noch nie jemand was für mich von der Torte übrig lies, aber ich sollte mich jetzt da nicht zu sehr hinein steigern. Auf seine Frage, wann ich eigentlich Geburtstag hätte, wich ich geschickt aus indem ich meinte, dass man eine Dame niemals nach ihrem Alter fragt. Auch als er weiterbohrte und meinte dass er nur das Datum wissen will, ohne Jahreszahl, blieb ich stur und erwiderte dass ich nichts davon hielt. Ich hoffe er konnte nicht sehen wie kurz davor ich war loszuheulen. Ich versuchte mich wirklich unter Kontrolle zu halten und ich schaffte es auch fast. Als er endlich mein Zimmer wieder verlassen hatte, lies ich alles raus.
Wie viele Geburtstage muss ich hier noch ertragen? Wie lange werde ich es vor ihnen verbergen können, dass ich nicht weiß wann ich geboren wurde? Ich würde ihre Befragungen nicht aushalten, ich weiß es und ich will nicht dass sie sehen wie sehr ich darunter leide.
Ich werde mich jetzt ins Bett legen und hoffen dass der Tag schnell vorbei geht."
"Sie weiß nicht wann sie Geburtstag hat? Das ist ja schrecklich," meinte Jenny als Frank den Eintag fertig gelesen hatte. "Jeder hat ein Geburtsdatum, wie kommt es dann, dass sie keinen hat?" fragte Andy sich. "Eigentlich müssten die im Internat es wissen, wann sie Geburtstag hat," erwiderte Jenny. "Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß was damals passiert ist," entgegnete Frank. "Also mir tut sie auf jeden Fall leid," meinte Jenny bestimmt. "Mir auch," sagten die anderen Beiden gleichzeitig.

Diesmal war Jenny es, die das Buch in die Hand nahm und begann den nächsten Eintrag zu lesen.

„25.12.1919. Es ist Weihnachten und so sehr ich Weinachten auch hasse, ist es dieses Jahr irgendwie anders. Ich weiß dass jeder Weihnachten liebt, gerade weil es ein Fest der Liebe ist, aber gerade deshalb hasse ich es. Es klingt vielleicht hart, aber so ist es, ich hasse es. Es ist der Tag, den jeder mit seiner Familie verbringt. Außer ich. Ich werde jedes Jahr an diesem Tag und auch schon die Tage davor, daran erinnert, dass ich keine Familie habe, dass ich noch nicht einmal wirklich Freunde habe. Manchmal dachte ich, ich hätte welche, aber immer wieder wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich mich geirrt hatte.
Jedes Jahr, um diese Zeit, wenn ich durch die Straßen ging, sah ich die Gesichter von strahlenden Kindern, die mit ihren Eltern unterwegs waren. Ich war nie eins dieser Kinder und später auch nie einer von den Eltern.
Die letzten Jahre ging ich um diese Zeit nicht mehr nach draußen, zu sehr schmerzte es mich Dinge zu sehen die ich nie hatte und auch nie haben werde. Es gibt Dinge, die kann man mit Geld nicht kaufen und wirkliche Liebe ist eins davon.
Als ich noch im Internat war, stellte ich mir manchmal vor, wie es sein würde eine richtige Familie zu haben. Welche zu haben, die einen während der Schulzeit vermissen und einen vor Freude glücklich in die Arme schließen, wenn man nach Hause kommt.
Auf mich wartete niemand. Als Kind verbrachte ich Weihnachten immer im Internat mit den Nonnen zusammen. Die anderen Mädchen waren bei ihren Familien und feierten, so wie ich es mir immer gewünscht hatte. Die Nonnen gaben sich wirklich mühe, mir ein schönes Fest zu bereiten, aber um ehrlich zu sein, wirkte es immer eher gequält. Ich konnte öfters hören wie sie über mich redeten und wie sie sagten, dass es bei meinem Benehmen kein Wunder sei, dass mich keiner haben wollte, bei so einem Kind würde jeder Anonym bleiben wollen. Wahrscheinlich hatten sie recht und ich sollte aufhören nach meinen Wurzeln zu suchen, aber ich muss einfach die Wahrheit wissen, auch wenn es noch so schmerzen sollte.
Heute war Weihnachten und wie gesagt, war es dieses Jahr anders. Alles war anders und um ehrlich zu sein, es war das schönste Weihnachtsfest, dass ich jemals hatte. Es war eigentlich so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte, zumindest fast so.
Wir hatten ein unglaublich leckeres Festessen, welches Veronika und Malone kochten. Ich und Summerlee schmückten das Baumhaus und Roxton und Challenger besorgten das Essen welches gekochte wurde.
Schon allein das Schmücken war klasse. Ich muss zugeben, ich mag Summerlee. Er hat so eine liebenswürdige Art an sich und gibt einem das Gefühl, als würde er einen auch mögen. Wir redeten dabei viel und er erzählte mir von den unzähligen Weihnachtsfeiern, die er schon in seinem Leben hatte. Manche Geschichten waren so komisch, dass ich fast nicht mehr aufhören konnte zu lachen und bei anderen konnte ich die Liebe in seinen Augen sehen, die er dabei empfand. Er fragte mich auch nach meinen vergangenen Weihnachtsfesten, aber als ich dieser Frage auswich bohrte er nicht mehr weiter nach.
Nach dem leckerem Essen saßen wir noch lange zusammen und redeten. Ich hatte das erste mal das Gefühl wirklich wo dazu zu gehören, obwohl ich so war, wie ich war. Genau so hatte ich mir Weihnachten immer vorgestellt und so sollte es auch immer sein.
Als ich dann in mein Zimmer gehen wollte ging mir Roxton nach und hielt einen Mistelzweig über uns. Dieser Tag war so wunderschön, dass ich nicht anders konnte, als ihm seine Bitte zu erfüllen und ihm einen, wenn auch nur kurzen, Kuss zu geben, bevor ich in meinem Zimmer verschwand.“

„Die sind jetzt ganz schön lange dort auf dem Plateau,“ meinte Frank. „Ja, wie das wohl ist Weihnachten mitten im Dschungel?“ fragte sich Andy. „Anscheinend besser als die vorigen Weihnachten, zumindest von ihr,“ erwiderte Jenny. „Ich kann es mir gar nicht vorstellen an Weihnachten alleine zu sein,“ entgegnete Frank. „Ich auch nicht, so was muss übel sein,“ gab Andy ihm recht und auch Jenny stimmte dem zu.

Jenny nahm wieder das Buch und begann mit dem Vorlesen des nächsten Eintrages.

„01.01.1920. Heute war der erste Tag im neuem Jahr, um genau zu sein, im neuem Jahrzehnt sogar. Jedes Jahr hoffen die Menschen an Sylvester, dass das nächste Jahr besser wird, sie nehmen sich sogar extra Vorsetzte, nur um ihrem Glück ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Ich mache so etwas nicht. Sylvester ist ein Tag wie jeder andere auch und daher nichts besonderes. Als ich noch ein Kind war, war es noch etwas besonderes, denn jedes Jahr an Sylvester fragte ich mich, ob dieses Jahr wohl das Jahr sein wird, an dem jemand kommen würde und mich abholt. Und so verbrachte ich dann das ganze Jahr über mit warten. Aber gekommen ist nie einer, nicht einmal eine Karte, nichts.
Dieses Jahr war es wieder ähnlich, da wir uns fragten, ob wir dieses Jahr das Plateau verlassen werden. Alle sind fest davon überzeugt und ich muss zugeben, ich eigentlich auch. Ich hoffe wir werden nicht enttäuscht.
Unsere Sylvesterfeier hier auf dem Plateau war ganz unspektakulär. Um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, hielt es Challenger für das Beste, dass Feuerwerk ausfallen zu lassen. Wir saßen alle Abends, nach einem gelungenem Abendessen von Veronika und Summerlee, zusammen und redeten über dies und jenes. Als es dann Mitternacht war, wünschten wir uns gegenseitig ein gutes neues Jahr und eine Stunde später war jeder schon in seinem Bett.
An so etwas könnte ich mich gewöhnen. Einfach nur zusammen zu sitzen und die Gesellschaft der Anderen zu genießen. Ich könnte mich daran gewöhnen, aber ich darf nicht, denn sobald wir wieder in London zurück sind, wird jeder wieder seinen eigenen Weg gehen und ich werde wohl die einzige sein, welche dieser Zeit hinterher trauern wird.“

„An Sylvester nur herum zu sitzen und zu quatschen könnte ich mir gar nicht vorstellen“ meinte Frank lachend. „Das glaube ich dir sofort, so voll wie du letztes mal warst,“ erwiderte Andy. „Damals war es eben noch so,“ erklärte Jenny und bevor die Anderen wiedersprechen konnten, begann sie weiter zu lesen.

„13.01.1920. Diesmal sind wir wirklich nur knapp dem Tode entronnen. Ich war ja schon oft in sehr lebensgefährlichen Situationen, aber diesmal konnte ich richtig spüren wie ich meine letzen Atemzüge von mir gab und immer mehr an Kraft verlor. Es war beängstigend, wie ich mit Challenger und Malone in dieser Miene verschüttet war und uns immer mehr und mehr die Luft zum Atmen ausging. Wir hofften dass Veronika rechtzeitig Hilfe holen würde, aber keiner konnte sicher sagen, ob sie nicht unter den Felsen vergraben wurde. Ohne Fackel hätten wir für ein bis zwei Stunden länger Luft gehabt, aber schon allein der Gedanke daran, im Dunkeln langsam zu ersticken, machte mir Angst.
Erst legte Malone so etwas wie ein Geständnis ab, in dem er von Glady seiner Verlobten berichtete. Später Challenger, der sich dafür entschuldigte uns hier her zum Sterben geführt zu haben. Ich weiß, sie fühlten sich dadurch besser und waren dann gewillt dem Tod ins Auge zu sehen, ich konnte ihnen aber nicht von meinen Gräueltaten erzählen, nur um mein Gewissen zu erleichtern. Ich wollte nicht und will auch immer noch nicht, dass einer von ihnen jemals von meiner Vergangenheit erfährt und den Grund, weshalb ich wirklich auf das Plateau kam. Dafür habe ich sie viel zu gern, auch wenn ich es immer noch nicht öffentlich zugeben würde, um sie durch dies zu verlieren.
Erst verlor Challenger sein Bewusstsein und als ich merkte dass auch ich immer schwächer wurde, konnte ich mich nicht mehr zurück halten und musste einfach in den vermeintlich letzten Minuten meines Lebens, die Gegenwart von jemandem fühlen. Mit letzter Kraft kroch ich zu Malone und nahm seine Hand. Es tat so gut, zu fühlen dass jemand da ist und ich nicht alleine war. Er bot mir an, dass ich ihm mein Herz ausschütten könnte, er würde mir zuhören. Ich war so dankbar dafür, aber zum Glück habe ich mich noch zusammen gerissen und lediglich erwidert, dass ich nichts zu bereuen hätte. Dies war natürlich gelogen, aber ich wollte nicht dass er mit dem Wissen über meine Vergangenheit ins Jenseits über ging.
Ich wurde ebenfalls Bewusstlos und als ich wieder aufwachte hörte ich merkwürdige Gesänge. Ich richtete mich auf und sah zu meiner Verwunderung Malone und Challenger. In diesem Augenblick war ich sehr verwirrt, da ich (falls es einen Himmel gibt) fest damit gerechnet hatte, das die beiden dort hin kämen und ich wohl eher in so etwas wie die Hölle.
Erst nach einer Weile begriff ich, dass wir nicht tot waren, sondern lediglich im Bergesinnern.
Die Menschen, die dort lebten, hatten noch nie Tageslicht gesehen und ein blinder Junge war ihr Orakel. Er sollte auch darüber entscheiden, ob wir weiterleben würden oder sterben. Einer nach dem Anderem von uns musste sich vor ihm Knien und versprechen, sein Volk niemals zu verraten. Bei Challenger und Malone gab er sein ok und erwiderte dass die Beiden sehr ehrlich seien. Als ich dann auf den Knien war, schrie er plötzlich los und sprach davon dass ich lügen würde und sein Volk verraten werde.
Als ich Malone und Challenger später davon überzeugen wollte, dass ich nicht gelogen hatte, glaubten sie mir nicht, warum sollten sie auch, auch wenn es diesmal die Wahrheit war.
Erst als er später Challenger auch einen Lügner nannte, fingen die Anderen an mir zu glauben. Als wir sie dann überzeugen konnten, dass der Vulkan bald ausbrechen würde, lies sie uns gehen und wir konnten uns mit mühe aus dem Berg retten.
Am Abend erzählten wir den Anderen was geschehen war. Sie glaubten uns nicht und als uns einfiel dass wir die Existent ihres Volkes nicht verraten durften, erwiderten wir, dass es wirklich sein könnte dass wir nur Halluziniert hatten.“

„Cool, ein Volk, welche nur in Minen lebt und keiner weiß von ihrer Existent,“ staunte Frank. „So was ist wirklich cool, aber es musste auch schrecklich gewesen sein, verschüttet zu sein und langsam zu ersticken,“ erwiderte Andy. „Aber sie sind nicht erstickt, sondern nur fast, was eigentlich auch schon schlimm ist,“ entgegnete Jenny.

04.02.1920. Ich habe jetzt schon seit fast einem Monat nichts mehr hier hinein geschrieben, da diese Zeit auch eigentlich ereignislos war. Bis auf die vergangenen zwei Tage.
Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass ich noch nicht einmal hier sicher vor meiner Vergangenheit bin.
Wir fanden ein deutsches Flugzeug, hier mitten auf dem Plateau. Keiner von uns kann es sich erklären, was ausgerechnet ein deutsches Flugzeug mitten in Südamerika zu suchen hat. Leider kannte ich den Piloten und er erkannte mich ebenfalls.
Sein Name ist Dieter und ich lernte in 1916 bei einem Offiziersbankett in Berlin kennen. Zu dieser Zeit war ich mit einem deutschen Offizier verheiratet, aus politischen Gründen. Es war damals der erste Weltkrieg und ich werde die Erinnerungen daran niemals vergessen. Eine davon war, wie eine Frau auf der Straße lag und einen Offizier anflehte, bettelte, gerade zu anwinselte, sie am Leben zu lassen. Plötzlich fiel ein Schuss und man hört nur noch Stille. Diese Szene habe ich immer noch vor Augen und sie ist nur eine von vielen, von denen ich jede Nacht träume.
Viele denken ich hätte kein Gewissen und ich habe auch zu Dieter gesagt, was er später wiederholte, dass es zu spät ist, um sein Gewissen zu entdecken.
Vielleicht habe ich auch keins. Vielleicht haben alle Recht und ich bin eiskalt, unberechenbar und grausam.
Aber wenn ich dies wirklich bin, wieso hatte sich dann Summerlee heute vor mich gestellt? Ich kann es immer noch nicht begreifen, was er und Malone für mich getan haben.
Dieter hatte mir seiner Waffe auf mich gezielt und wollte die Welt für immer von mir erlösen, als sich Summerlee vor mich stellte und ihm ´nur über meine Leiche´ zu rief.
Ich war sprachlos, noch nie hätte jemand zuvor sein Leben für das meine geopfert und als dann auch noch Malone hinzu fügte, dass er zuerst auch noch an ihm vorbei müsste, war ich noch überraschter als zuvor. Wenn man bedenkt, was ich Malone schon alles an den Kopf geworfen habe und doch hätte er sein Leben für das meine Riskiert. Warum sie dies taten, frage ich mich immer noch, da ich es einfach nicht begreife.
Vorhin stand ich noch am Balkon und Summerlee stelle sich dazu. Er sagte zu mir, dass dies ein wunderbarer Ort währe ein neues Leben an zu fanden, dass keiner zuvor so eine Chance dazu bekommen hätte und dass jeder von ihnen ihr altes Leben zurück gelassen hätte.
Darüber muss ich immer noch nachdenken.
Haben wir wirklich unsere alten Leben zurück gelassen und hier unsere Chance erhalten ein vollkommen neues zu beginnen? Wenn Dieter nicht gekommen währe, würde ich es tatsächlich glauben. Aber keiner erhält eine zweite Chance, jeder hat nur ein Leben und wenn er es schon am Anfang ruiniert, so wie ich, dann zieht sich dies wie ein roter Faden, bis zum bitterem Ende durch. Für die Anderen gibt es hier vielleicht ein Neuanfang, aber nicht für mich.“

Las Jenny vor und sah nach der letzten Zeile, von dieser Seite, vom Buch auf.

„1916, dass musste wohl der Erste Weltkrieg gewesen sein,“ vermutete Frank. „Scheint so, ich frage mich, was für eine Rolle sie damals hatte?“ fragte Andy sich. „Ich frage mich eigentlich nur, was sie in Deutschland zu suchen hatte und warum sie mit einem deutschen Offizier verheiratet war?“ wunderte sich Jenny. „Diese Frau ist voller Rätsel,“ entgegnete Andy kopfschüttelnd. „Vielleicht erfahren wir auf der nächsten Seite mehr,“ erwiderte Frank, welcher nun das Buch nahm und zum vorlesen begann.

14.02.1920. Heute ist doch tatsächlich wieder einmal Valentinstag. Ein deprimierender Tag mehr auf meiner Liste. Wiedereinmal stellt sich die Frage, wer kam auf die Idee, so einen Tag zu erfinden? Was für einen Sinn hat dieser Tag überhaupt? Für mich ist das nur Geldmacherei. Ein Tag mehr, an dem ich erinnert werde wie alleine ich doch auf der Welt bin.
Für Verliebte ist dieser Tag bestimmt etwas ganz besonderes, so wie wahrscheinlich jeder Tag, den sie mit ihrem Partner verbringen, aber ich bin noch nie in diesen Genuss gekommen.
Würde mir wahrscheinlich keiner glauben, wenn man bedenkt, wie oft ich schon verheiratet war und ich kenne auch das Gefühl, wenn man einen liebt, leider aber auch das Gefühl nicht zurück geliebt zu werden. In meinen vergangenen Beziehungen, war die Liebe immer nur einseitig und wahrscheinlich war ich einfach nur zu naiv, um dies zu erkennen. Vielleicht habe ich es auch gesehen, aber ich wollte es einfach nicht wahr haben, dass der Mensch, den ich über alles liebe, mich nicht zurück liebt und es wahrscheinlich auch nie getan hatte. Es schmerzt noch immer, wenn ich darüber nachdenke.
Es heißt dass es für jeden Menschen einen Seelenverwandten, einen Partner, auf der Welt gibt. Früher glaubte ich daran und war auf der Suche nach diesem Menschen, nach Liebe. Mittlerweile weiß ich, dass es dies nicht gibt, nicht für mich.
John hat mir heute einen Blumenstrauß geschenkt. Ich habe ihn hier in meinem Zimmer stehen und er sieht wunderschön aus. Sie haben sogar meine Lieblingsfarben und ich muss zugeben, dass es mich überrascht hat, dass er sich daran noch erinnern konnte. Es sieht fast so aus, als würde er mir zuhören, sich für mich als Person interessieren.
Ich muss mich zusammen reisen, da ich nicht schon wieder einer Illusion hinterher laufen darf/will. Zu oft wurde ich schon enttäuscht und zu groß ist der Schmerz, den ich immer noch in mir trage.
Ich weiß dass er es nicht ernst meint und eigentlich nur ein kleines Abenteuer sucht. Immerhin hat Malone schon ein Auge auf Veronika geworfen, was nicht zu übersehen ist und da sonst keine Andere in reichweite ist, gibt sich Roxton halt mit mir ab.
Was sollte er auch an mir finden, außer mein Äußeres vielleicht.
Trotzdem werde ich die Blumen behalten, aber nicht weil sie von ihm sind, sondern weil es meine Lieblingsblumen sind.“

„Gab es damals denn schon den Valentinstag?“ fragte Jenny verblüfft. „Scheint so,“ entgegnete Frank. „Ist es nicht traurig, dass sie niemanden hat?“ fragte Jenny weiter. „Doch, aber immerhin hatte ihr dieser Roxton Blumen geschenkt und die Anderen sind ja auch noch da, also so alleine ist sie ja doch nicht,“ erwiderte Frank. „Aber sie hatte sehr viele schlechte Erfahrungen gemacht und daher hält sie alle auf Abstand,“ meinte Andy. „Ich finde dass schlimm und so traurig,“ entgegnete Jenny. „Du fängst doch jetzt nicht etwa heulen an?“ fragte Frank entsetzt, während Jenny sich mit ihrer Hand eine Träne weg wusch. „Nein, tu ich nicht,“ log sie. „Lies bitte weiter,“ lenkte sie vom Thema ab.

„28.02.1920. Schon wieder hat jemand Geburtstag, wie könnte es auch anders sein. Diesmal ist es Summerlee, welcher seinen 69ten feiert. Müssen wir hier eigentlich von jedem den Geburtstag feiern? Immer noch frage ich mich, was das Besondere daran ist, da doch eigentlich jeder Geburtstag hat, außer ich natürlich.
Bei Summerlee ist es aber irgendwie doch anders. Er ist etwas besonderes und hat es daher auch verdient gefeiert zu werden. Diesmal habe ich mich nicht in meinem Zimmer verkrochen, sondern bei den Vorbereitungen geholfen. Meine Aufgabe war es Summerlee abzulenken, so dass Veronika und Malone sein Lieblingsessen kochen konnten und Challenger und Roxton das Baumhaus in Ordnung brachten.
Ich ging mit ihm zu einer wunderschönen Stelle, nahe eines Sees, wo wir ein Picknick machten. Ich glaube er ahnte es, dass ich zur Ablenkung mit ihm dort hin ging und die Anderen ´mysteriöser` Weise keine Zeit hatten uns zu begleiten. Zu meiner Überraschung schien er nichts dagegen zu haben, mit mir alleine Zeit zu verbringen.
Ich muss zugeben, ich genieße es mit Arthur zusammen zu sein. Er hat so etwas an sich, dass ich fast nicht beschreiben kann, fast schon väterlich, ist dass das richtige Wort? Ich weiß es nicht.
Wir redeten den ganzen Nachmittag, über alles mögliche. Bei ihm bekommt man das Gefühl ihm alles sagen zu können und dass er einen versteht.
Ich überreichte ihm bei unserem Picknick mein Geschenk, einen wunderschön leuchtenden Diamanten. Er staunte nicht schlecht und meinte, dass er dies nicht annehmen könnte, aber ich bestand darauf.
Dann sagte er etwas, was mich wirklich berührte. Er sagte, mit mir Zeit zu verbringen, währe ihm schon Geschenk genug.
Meinte er es wirklich so? Er kann doch unmöglich wirklich seine Freizeit gerne mit mir verbringen, oder?
Über diese Worte denke ich immer noch nach und über ihre Bedeutung. Ich entgegnete ihm ein einfaches Danke, da dies wirklich dass war, was ich empfand.
Ich glaube, langsam verstehe ich warum man Geburtstage feiert. Es wird der Person gedankt, dass es ihn gibt.
Wir gingen dann am späten Nachmittag wieder zurück zum Baumhaus und als wir mit dem Fahrstuhl oben ankamen schriehen alle „Überraschung“. Summerlees überraschter Gesichtsausdruck war einfach göttlich, damit hatte er anscheinend wirklich nicht gerechnet.
Wir feierten bis tief in die Nacht hinein und ich habe es sogar geschafft den Anderen mit ihren Fragen, über meinen Geburtstag, erfolgreich auszuweichen.“

„Cool, wieder Geburtstag und dann auch noch so ein Geschenk,“ meinte Frank staunend. „Das ist wirklich cool, ob es davon wohl noch mehr auf dem Plateau gibt?“ fragte sich Andy. „Bestimmt, sonst hätte sie wohl kaum ihren hergegeben,“ vermutete Jenny.
Andy nahm dass Tagebuch und begann weiter vorzulesen.

03.03.1920. Dass es hier auf dem Plateau viele Verrückte gibt, war mir von Anfang an bewusst, aber die, welche wir heute getroffen haben, hat alle übertroffen.
Wir sind durch Zufall auf sie gestoßen, als Summerlee ein misslungenes Foto entwickelte. Eigentlich sollten auf dem Bild Malone und ein Saurier sein, aber dann war nur Malone zu sehen, wie er sauer auf mich zustürmte. Als er vor der Kamera so posierte konnte ich mich einfach nicht zurückhalten und musste ihn mit Veronika und Gladys aufziehen. Ich weiß, dass es nicht nett von mir war und ich würde auch nicht wollen, dass Andere das Selbe bei mir machten, aber er stand geradezu Einladend dafür da.
Auf dem Foto konnte man eine ältere Frau mit Kopfhörern erkennen, was mitten im Dschungel schon ein wenig seltsam ist. Sofort machten wir uns auf die Suche dieser mysteriösen Person und wurden auch bald fündig.
Sie erzählte uns dass sie eine verwunschene Elfe sei und nur durch dass Blut einer Jungfrau erlöst werden könnte. Ein Beweis mehr, dass man im Alter senil wird.
Da wir unbedingt herausfinden mussten, woher sie diese Kopfhörer stammen, welche eindeutig zu einem Funkgerät gehörten, gingen wir auf ihre Geschichte ein.
Dadurch fanden wir auch heraus dass Malone doch tatsächlich noch Jungfrau ist, was ich ehrlich gesagt, nicht vermutet hätte. Immerhin ist er verlobt und wenn ich da an meine Vergangenheit zurück denke, an meine Erfahrungen mit Männern, wundere ich mich wirklich dass er nicht die erstbeste Gelegenheit genutzt hatte. Anscheinend ist er doch anders und ich hatte ihm mit meinen Sticheleien unrecht getan.
Er opferte ein wenig von seinem Blut, was sie dann mit Wasser mischte und drank. Sie sagte uns dann woher sie die Kopfhörer hatte und wir machten uns zugleich auf den Weg dorthin.
Wir fanden ein Flugzeug, welches direkt neben einem Dinosaurierkadaver lag. Malone versuchte so schnell wie möglich das Funkgerät auszubauen, da ein T-Recks schon auf den Weg zu uns war.
Als er es endlich geschafft hatte, war der T-Recks direkt vor uns und Malone lies das Funkgerät vor schreck direkt in den Kadaver fallen.
Dieses Funkgerät war unser Weg nach Hause und ich wollte es auf jeden Fall wieder holen, auch wenn Summerlee dagegen war. Ich hätte es geschafft, wenn Summerlee nicht darauf geschossen hätte. Hat er das Funkgerät wirklich zerstört um mich zu schützen? Ich kann es immer noch nicht richtige fassen, man könnte fast meinen ihm liegt was an mir. Aber auch die Anderen scheinen sich ein wenig um mich zu sorgen. Ich bin mir da aber nicht so sicher, da ich eigentlich nicht weiß wie es ist, wenn sich jemand um einen sorgt.“

„Eine Elfe, stark,“ lachte Frank. „Was wohl aus ihr geworden ist?“ fragte sich Jenny. „Wahrscheinlich irrt sie weiter im Dschungel umher, auf der Suche nach Blut von Jungfrauen,“ scherzte Frank. „Wie auch immer,“ meinte Andy und las weiter.

„08.03.1920. Heute vor 15 Jahren hat Roxton ausversehentlich seinen Bruder erschossen. Ich weiß es auch nur durch Zufall, dass heute der 15te Jahrestag ist. Roxton war schon den ganzen Tag sehr merkwürdig, still und zog sich vollkommen zurück, was eigentlich nicht seine Art ist. Er aß auch kaum etwas und als er dann nach dem Abendessen sofort in seinem Zimmer verschwand, musste ich ihm einfach nachgehen.
Normalerweise hätte ich es ignoriert und mich um meine eigenen Sachen gekümmert, aber Roxton und auch die Anderen haben schon so viel für mich getan und sich um mich gekümmert, wie noch keiner zuvor, da konnte ich doch nicht mit dem Wissen dass es ihm schlecht geht, ins Bett gehen und so tun als währe nichts.
Ich klopfte an seine Tür und trat dann ein, auch wenn er mich nicht herein gebeten hatte. Er stand an seinem Fenster und blickte nachdenklich hinaus. Wenn man seine Augen genau ansah, konnte man Tränen erkennen, welche sich darin spiegelten.
Ich stellte mich zu ihm und fragte ihn, was ihn bedrückt.
Freundlich war er nicht gerade als er sagte, ich solle mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern, wie ich es sonst auch immer täte und ihn in ruhe lassen.
Hatte ich wirklich immer so wenig Mitgefühl gezeigt? Glaubt er wirklich ich interessiere mich für keinen von ihnen, sondern nur für mich selbst?
Ich bot ihm an, dass falls er doch noch darüber sprechen wollte, ich jeder Zeit zuhören würde. Als ich mich dann auf den Weg machte, sein Zimmer zu verlassen, begann er doch es mir zu erzählen.
Er redete von seinem Bruder, was dieser ihm alles beigebracht hatte, was sie früher alles erlebt hatten und wie es zu diesem Unfall kam, bei dem er ihn erschoss.
Ich konnte spüren wie schwer es ihm viel, sich zusammen zu reisen und nicht den Tränen nachzugeben, die kurz davor waren über sein Gesicht zu fließen.
Als er fertig war versuchte ich ihn zu beruhigen, was eigentlich nicht gerade einer meiner Stärken ist. Ich erwiderte ihm, dass es ein Unfall war uns somit nicht seine Schuld, dass dies jedem passieren hätte können, dass sein Bruder jetzt bestimmt an einem wunderschönem Ort ist, auf ihn herabblickt und sich wünscht dass er sich endlich selbst verzeiht.
Ihm schienen diese Wort wirklich gut zu tun, da er mich umarmte, mir einen Kuss auf die Stirn gab und sich bedankte. Er sagte auch, dass wenn ich einmal reden wollte, er ebenfalls jeder Zeit zur Verfügung stände. Ich erwiderte dass es bei mir nichts gibt, über dass ich reden müsste. Dann wünschte ich ihm noch eine gute Nacht und verlies sein Zimmer.
In Wahrheit gibt es viel, über dass ich reden könnte, vielleicht sogar müsste, aber ich kann nicht. Ich fühle mich fast, als würde mich meine Schuld erdrücken. Es gibt nur wenige Momente, in denen ich nicht daran denken muss, was ich alles getan habe und was mir alles passiert ist. Eigentlich habe ich diese Momente nur, wenn ich mit Summerlee, Roxton, Challenger, Veronika oder Malone zusammen bin. Wenn sie von den Dingen aber wüssten, würde sich wahrscheinlich keiner mehr von ihnen mit mir abgeben und dass kann bzw. will ich nicht riskieren, dafür habe ich mich schon zu sehr an sie gewöhnt, auch wenn ich versucht hatte, dies nicht zu tun.“

„Ich frage mich wirklich, was Marguerite so sehr belastet?“ fragte sich Jenny. „Ich würde schätzten, zum einen dass sie nicht weiß wo oder wer ihre Familie ist und wo sie herkommt,“ vermutete Andy. „Vielleicht hatte sie auch noch schlechte Erfahrungen mit Männer gemacht,“ schätze Jenny. „Währe auch möglich, vielleicht finden wir es später noch heraus. Also lies bitte weiter Andy,“ bat Frank.

Andy nahm das Buch und las interessiert weiter vor.

„16.03.1920. Ich lernte heute meine Ur-Ur-Enkelin Kathrin kennen, die es jetzt wohl nicht mehr geben wird. Sie reiste durch die Zeit um mich davor abzuhalten eine tödliche Seuche in die Zivilisation zu bringen.
Wir hatten tatsächlich einen Weg vom Plateau gefunden, aber dieser Preis, den wir dafür hätten zahlen müssten, war es einfach nicht wert.
Schon allein der Gedanke, ich währe Schuld am Tod von Millionen von Menschen, lässt mich einen unermesslichen Schmerz tief in mir spüren. Sie währen alle wegen mir gestorben. Challenger, Malone, Summerlee und Roxton. Keiner außer mir hätte es überlebt.
Obwohl ich sie nicht kannte, spürte ich eine tiefe Verbindung zu ihr und spätestens als ich meine eigenen Tagebucheintragungen las, welche sie mir gab, wusste ich dass sie die Wahrheit sprach.
Ich frage mich, wem sie noch meine Tagebucheintragungen zeigte und vor allem welche Stellen daraus? Wissen jetzt alle was ich über sie denke? Wie ich fühle?
Ich habe mir schon überlegt, diese Buch hier zu vernichten, aber wem könnte ich mich sonst anvertrauen? Keiner würde verstehen, wie ich empfinde und was mich zu meinen Handlungen bewegt, nur dieses kleine Buch hier darf alles erfahren und ich kann mir sicher sein, dass es nicht voreilig über mich urteilen würde. In Zukunft werde ich es wohl noch besser verstecken müssen, um sicher zu gehen dass es von keinem jemals gefunden wird.
Es kam auch noch ein Anderer aus der Zukunft, welcher unbedingt wollte, dass vor allem ich diese Höhle betrat. Er erhoffte sich von dieser Seuche profitieren zu können, was ich aber nicht zu lies. Als er meinte, dass er wüsste was ich für eine kalte Person sei und dass ich noch nie zuvor Skrupel verspürt hätte, erwiderte ich, er hätte auch zwischen den Zeilen lesen sollen. Ob er wohl auch meine Tagebucheintragungen kannte? Ich glaube nicht, sonst hätte er gewusst, dass ich mit diesem Wissen, niemals diese Höhle betreten würde.
Ich konnte einen kurzen Abschnitt von einen meiner zukünftigen Tagebucheintragungen lesen. Darin stand, dass ich wieder geheiratet hätte und in zwei Jahren eine Tochter zur Welt brachte. Schwer vorzustellen, immerhin habe ich mir festvorgenommen nie wieder einen Mann an mich heran zu lassen, nicht nachdem was ich alles durchgemacht habe. Ich habe aber auch gelesen, dass ich ihn über alles geliebt hatte. Sollte ich es tatsächlich wieder zulassen jemanden zu lieben? Ich dachte ich währe stark genug, um nicht mehr diesem Gefühl nachzugeben, anscheinend hatte ich mich geirrt und ich muss noch mehr dagegen kämpfen. Auch wenn ich die Antwort eigentlich schon kenne, frage ich mich doch, ob es vielleicht möglich währe, dass dieser Mann mich auch, wenn auch nur ein wenig, geliebt hatte. Wer er wohl war, oder besser gesagt, sein wird. Vielleicht Roxton? Was für ein absurder Gedanke von mir, auch nur es im geringsten in Erwägung zu ziehen, dass Lord John Roxton was für mich empfinden könnte.
Die Zukunft wurde geändert und ich frage mich, was wohl jetzt auf uns zukommen wird?“

„Zeitreisen, wie cool,“ rief Frank. „Ich stelle es mir auch spannend vor, etwas über die eigene Zukunft zu erfahren,“ meinte Jenny. „Ja, solange diese positiv ist,“ erwiderte Andy und begann wieder weiter vorzulesen.

„24.03.1920, Challenger arbeitet heute wieder an einem seiner Experimente. Meistens sind diese eher erfolglos, aber diesmal hatte er mehr Glück, auch wenn er es wohl nicht so sah. Ich muss immer noch lachen, wenn ich an heute Nachmittag zurück denke, da ich so was komisches schon lange nicht mehr gesehen hatte.
Ich weiß noch nicht einmal woran Challenger genau arbeitete, ich weiß nur was aus seiner dickflüssigen Substanz geworden ist.
Summerlee, Malone und Veronika waren im Garten beschäftigt, Roxton war Jagen, Challenger wie schon gesagt in seinem Labor und ich bin schwimmen gegangen.
Roxton hatte nicht lange gebraucht einen Raptor zu erlegen und kam daher schon früher zurück. Ich kann nur erzählen, was die Beiden uns berichteten, daher weiß ich nicht genau wie es geschah und sich Roxton an Challenger festkleben konnte. Challenger nennt seine Substanz jetzt Sekundenkleber, da dieses unglaublich schnell und gut klebt, wie beide feststellen mussten.
Roxton ist anscheinend in Challengers Labor gegangen, um diesem zu berichten, wie erfolgreich er beim jagen war. Dabei muss er wohl irgendwie das Gefäß mit diesem Sekundenkleber umgestoßen haben und in die Pfütze reingetreten sein. Challenger versuchte noch das Schlimmste zu verhindern, indem er es auffangen wollte, was ihm aber nicht gelang. Seine Hände wurden dabei mit dieser Substanz beschmutzt und um das Gleichgewicht nicht zu verlieren hielt er sich reflexartig an Roxtons Unterarm fest.
Nach dem Schwimmen, machte ich mich zugleich wieder auf den Weg ins Baumhaus, um meine Kleidung zu wechseln. Als ich aus dem Fahrstuhl stieg, hörte ich schon ihre Rufe. Ich lief sofort hinab ins Labor, wobei ich mit einem solchen Anblick wirklich nicht gerechnet hätte. Zwei erwachsene Männer, die sich mehr oder weniger umklammern und zugleich verzweifelt versuchen wieder voneinander los zu kommen.
Als sie mir erklärt hatten, was geschehen war, machte ich mich sofort auf den Weg um Veronika, Malone uns Summerlee zu holen.
Challenger konnte Summerlee erklären, was dieser benötigt um ein entklebende Substanz herzustellen. In der Zwischenzeit versuchten Veronika und ich mit Wasser und Seife, die Beiden wieder auseinander zu bekommen.
Nach über einer Sunde hatten wir es tatsächlich geschafft, die Beiden voneinander zu befreien.
Malone hatte trotz Challengers und Roxtons Proteste Fotos davon geschossen, so dass wir uns für immer daran erinnern können. Ich habe natürlich gleich eins für mich beansprucht, nur um sicher zu gehen, dass ich diesen Tag niemals vergessen werde.“

„Dieses Foto würde ich zu gerne sehen,“ lachte Jenny. „Ich auch, schon allein die Vorstellung ist zum schießen komisch“ erwiderte Frank grinsend. „Ich glaube, so schnell haben die nicht noch mal Sekundenkleber hergestellt,“ vermutete Andy und als er sich wieder beruhigt hatte, begann er wieder den nächsten Abschnitt vorzulesen.

„30.03.1920. Das einzig gute am heutigem Tag war, dass ich heute morgen Roxtons und Malones Hemde gegen einen Beutel Salz sowie eine wunderschöne Elfenbeinkette tauschen konnte. Ich muss zugeben dass besonders Roxtons halbnackter Anblick einem den gesamten Tag versüßen kann.
Wir waren gerade auf den Weg zurück zum Baumhaus als wir einen Mann entdeckten, der blutübergossen an einem Baum festgebunden war. Wir banden in los und nahmen ihn mit. Unterwegs kam er wieder zu Bewusstsein und stellte sich als Thomas Layton vor. Wir waren alle sehr überrascht und freuten uns natürlich, speziell für Veronika, ihn lebend gefunden zu haben.
Wie erwartet war Veronika natürlich überglücklich ihren Vater wieder in die Arme schließen zu können und wich ihm auch nicht mehr von seiner Seite.
Roxton machte sich auf die Suche nach dessen Verfolgern, die ihn an diesen Baum gebunden hatten. Er erzählte uns, dass seine Expedition überfallen worden währe und sie versklavt hätte. Er hatte es gewagt zu fliehen, worauf die Todesstrafe stand. Natürlich glaubten wir ihm, immerhin deutete alles für seine Aussage.
Roxton kam aber nicht mehr zurück und nach einer gewissen Zeit machte ich mir Sorgen um ihn, was ich natürlich niemals öffentlich zugeben würde, auch wenn es Malone auch so schon erraten hatte.
Veronika ist inzwischen mit ihrem Vater spazieren gegangen, oder was auch immer, so dass Challenger, Malone und ich nach Roxton suchen gingen. Dabei ist Malone ebenfalls verschwunden, so dass Challenger und ich ziemlich ratlos da standen. Plötzlich hörten wir dann einen Schuss und fanden eine Patrone, die nur von Malone stammen konnte. Da wir keine Fußspuren entdeckten, machten wir uns wieder auf den Weg zum Baumhaus.
Challenger und ich besprachen gerade unsere weitere Vorgehensweise, als uns Summerlee einen Tee einschenkte. Challenger trank davon, was sich später als Droge herausstellte um Menschen willenlos zu machen.
Veronika zog währenddessen ein Kleid ihrer Mutter an, in dem sie wirklich wunderschön aussah.
Mir wurde sofort klar, dass dieser Blick, welcher ihr Vater ihr zuwarf, nicht der Blick eines Vaters auf seine Tochter war. So schaut kein Vater seine Tochter an und auch wenn man meinen könnte dass ich wohl die Letzte bin, welche so was beurteilen konnte, muss ich doch widersprechen. Ich kann so etwas beurteilen, da ich Zeit meines Lebens immer Familien beobachtet habe. Ich habe gesehen wie liebende Eltern ihre Kinder ansahen und mir oft vorgestellt wie es währe zu ihnen zu gehören. Auch wenn diese künstlichen Augenblicke der Wärme nur sehr kurz waren, da mich dann wieder die Realität einholte, so hatten mich diese Augenblicke des Träumens doch schon des öfteren über einen dunklen Tag hinweggeholfen.
Mit meiner Vermutung lief ich sofort zu Summerlee, da er mir von allen am nächsten steht, um ihn über seine Meinung zu fragen. Er war sehr merkwürdig und ehe ich mich versah verspürte ich einen heftigen Schlag auf meinem Hinterkopf und wurde Ohnmächtig. Ich wurde tatsächlich von denjenigen, welchen ich am meisten vertraute, von hinten niedergeschlagen. Ich bin immer noch ein wenig erschüttert darüber, auch wenn er eine sehr gute Entschuldigung dafür hatte.
Als ich wieder aufwachte, war Malone bei mir und ich erzählte mir dass es nicht der Verfolger des angeblichen Thomas Layton war, der mich niedergeschlagen hatte, sonder unser Arthur Summerlee.
Wir machten uns sofort auf den Weg die Anderen zu suchen. Nach kurzer Zeit lief uns auch schon Summerlee über den Weg, der uns frei heraus berichtete dass er uns alle erschießen würde, als währe es das normalste der Welt. Malone band ihn schnell an einem Baum fest, da er offensichtlich nicht wusste was er tat und wir liefen weiter.
Ich kam gerade rechtzeitig Veronika daran zu hindern Roxton zu erstechen. Ohne darüber nachzudenken stürzte ich mich auf sie und musste leider feststellen, dass sie tatsächlich ein wenig stärker ist als ich. Als Roxton dann Largo, wie ihr vermeintlicher Vater wirklich hieß, niederstach, lies sie endlich von mir ab.
Malone erklärte ihr, dass dies nicht ihr Vater sei, während ich mich sofort um Roxton kümmerte. Er hatte eine tiefe Schnittwunde seitlich an seinem Bauch. Veronika musste mit aller Kraft ihm ihr Messer hinein gerammt haben.
Challenger irrte noch ein wenig verwirrt im Dschungel umher, als Malone und Veronika ihn fanden, während ich Roxtons Wunde versorgte. Wir holten noch Summerlee und machten uns gemeinsam auf den Weg zum Baumhaus.
Dies ist nun zwei Stunden her und langsam sollte ich schlafen gehen, aber vorher muss ich noch mal nach Roxtons Wunde sehen, nur um sicher zu gehen.“

„Ein Tee, welcher andere willenlos macht, unglaublich,“ staunte Frank. „Schon heftig, aber dass Veronika nicht aufgefallen war, dass es gar nicht ihr Vater ist,“ wunderte sich Jenny. „Sie muss es sich so sehr gewünscht haben, dass sie dies einfach ignorierte,“ vermutete Andy und las weiter.

31.03.1920 Roxton geht es inzwischen besser, auch wenn er immer noch im Bett verbleiben muss. Er mag es nicht besonders derjenige zu sein, welcher umsorgt wird, dass ist unschwer zu erkennen, aber damit wird er sich wohl abfinden müssen, dass nicht immer er der Beschützer ist.
Seine Seite schmerz immer noch sehr stark, weshalb er sich nur schwer bewegen kann.
Veronika hatte sich schon unzählige male bei ihm dafür entschuldigt, woraufhin er ihr auch jedes Mal entgegnete dass sie nichts dafür konnte und es ein Unfall gewesen sei.
Ich bin froh, dass alles noch mal so gut ausgegangen ist, da mir schmerzlich bewusst wurde, dass ich kurz davor war meine einzige Familie, die ich jemals hatte, zu verlieren.
Auch wenn ich es nicht wollte, so fühle ich mich fast schon wie ein Teil von ihnen, was ich wohl nie für möglich gehalten hätte. Dies ist alles so neu für mich und ich weiß nicht ob ich es jemals verkraften würde einen von ihnen zu verlieren. Ich mach es mir zwar immer wieder bewusst, dass sie spätestens wenn wir wieder in London sind sich von mir abwenden werden, doch noch genieße ich es einfach ein Teil von etwas zu sein.“

Jenny nahm Andy das Tagebuch aus der Hand und las als nächste wieder weiter vor.

„05.04.1920. Roxton war gerade bei mir in meinem Zimmer. Wir sahen uns heute den gesamten Tag nicht und er meinte, er wollte mir nur Hallo sagen. Er fügte auch noch hinzu, dass er sehr froh sei, dass ich wieder da bin.
Nach den Ereignissen des heutigen Tages kann ich so etwas wirklich gut gebrauchen und nur um mir dies zu sagen, kam er extra in mein Zimmer.
Heute früh war ich mit Challenger und Malone unterwegs, als wir von Kannibalen angegriffen wurden. Es war vielleicht nicht die netteste Art mich hinter einem Gebüsch zu verstecken, aber es hätte ihnen auch nichts genützt, wenn ich mit ihnen davon gelaufen währe. Sie kamen sogar extra zurück um mich zu suchen, was mich ehrlich gesagt ein wenig verwunderte und zugleich berührte, dass sie sich anscheinend um mich sorgen machten.
Durch Zufall bemerkten wir, wie zwei Kannibalen ein Grab aushoben, was Challenger nicht zulassen konnte, da dies Grabschänderei sei. Als er aber, nachdem wir die Kannibalen verscheucht hatten, bemerkte dass dies eine Mumie sei, die dort begraben war, war er Feuer und Flamme den Leichnam zu bergen.
Die Mumie bewegte sich plötzlich und wir stellten fest, dass diese noch lebte. Nachdem wir ihn von seinen Bändern befreiten, stellte er sich uns als ´Ramses, der 13te Pharao seines Volkes` vor.
Wir nahmen ihn mit zum Baumhaus, in dem er sich ausruhen sollte. Er erzählte uns, dass seine Schwester ihn lebendig begraben lies, um an seiner Stelle den Thron zu besteigen.
Als ich in meinem Zimmer war fragte er mich höfflich, ob er sich hineinbegeben durfte. Ich gewehrte es ihm und er trat ein. Dort machte er mir ein unglaubliches Angebot. Wenn wir ihn zu seinem Volk begleiten würden, würde er mich mit sehr viel Reichtum belohnen.
Ich meinte zu Challenger, dass wir ihn nicht alleine ziehen lassen könnten und er erkannte, dass ich dies nicht umsonst tat. Er war sehr herablassend zu mir und ich machte ihm unmissverständlich bewusst, dass Geld und Karriere das selbe sind, woraufhin er verstummtem da er wusste dass ich vollkommen recht hatte.
Wir machten uns gemeinsam auf den Weg zu seinen Volk und staunten nicht schlecht als wir eine Pyramide vorfanden. Wir wussten nicht dass er vorhatte seine Schwester umzubringen und als er es uns mitteilte erwiderten wir, dass wir dabei nicht mitmachen würden und kehrten wieder um. Er folgte uns und machte uns glaubhaft, dass er nur das Zepter holen wolle und niemand dabei zu schaden kommen würde.
Wir halfen ihm und wurden bitter enttäuscht, da er seine eigene Schwester durch das Zepter erblinden lies.
Auch wenn er uns gehen lies, kamen wir später wieder, um sie zu befreien, denn immerhin hatten wir schuld daran. Ich gebe zu dass Challenger mich erst dazu überreden musste zurück zu kehren und als ich die Beiden noch vor Verfolgern warnte, meinte er doch tatsächlich zu mir, dass er stolz auf mich währe.
Dass konnte er unmöglich ernst meinen, oder etwa doch?
Wenn ich ehrlich zu mir bin, hat dies noch nie jemand zu mir gesagt und erst recht nicht so gemeint.
Natürlich wurden wir erwischt, beim Versuch seine Schwester zu retten, woraufhin er uns mit ihr in der Pyramide einsperren lies. Es dauerte eine Weile, doch wir fanden den Ausgang und somit nach draußen.
Wir mussten nicht sehr weit laufen, bis wir ihn eingeholt hatten und überwältigt. Somit ist seine Schwester jetzt wieder Herrscherin über ihr Volk und alles ist letztendlich noch einmal gut gegangen.
Auf den gesamten Weg zum Baumhaus redete mich Malone nur noch mit Hoheit, Herrscherin und unsere Königin an. Dass konnte wirklich ein wenig nerven, aber eigentlich genoss ich es von ihm ein wenig aufgezogen zu werden. Er ist eigentlich fast wie ein Bruder für mich, zumindest kommt es mir manchmal so vor, besonders in dieser Situation der Neckerei.“

„Eine Pharao und eine Pyramide und dass mitten in Dschungel,“ staunte Andy. „Schon unglaublich, oder? Mal schauen was es sonst noch alles dort gibt,“ erwiderte Frank und somit las Jenny wieder weiter.

Fortsetzung folgt...


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