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7.19 Es schlüpft!

Nachdem sich die Freunde auf den Rückweg zum Baumhaus gemacht haben, worüber Veronica nicht gerade erfreut ist, treffen sie auf Roxton und Challenger, die zusammen mit Silberfang, dem Hund, auf der Suche nach Tribune sind.

"Hey, was macht ihr denn schon wieder hier? Und wo habt ihr den..." Roxton deutet auf Tribune "...aufgegabelt? Wir haben vergebens nach ihm gesucht."

"Er ist uns gefolgt und hat uns ausspioniert" gibt Veronica erzürnt wieder.

"Ich wollte mir lediglich das Innenleben der Zangas genauer unter die Lupe nehmen" versichert die Echse.

"Ja und, deinetwegen haben sie uns rausgeschmissen!" Die Blondine läuft davon, gefolgt von Finn.

"Was hat sie denn bloss, so schlimm war es nun auch wieder nicht" behauptet Tribune.

"Also ich wundere mich nicht über ihre Reaktion" sagt Marguerite. "Zuerst war sie befreundet mit den Zangas. Dann war sie verhasst, weil sie den Häuptling nicht heiraten wollte. Dann hat sie endlich geschafft die Freundschaft zu ihnen zurück zu erlangen und dann tauchst du auf und ruinierst ihr alles. Ihr Ruf ist erneut im Eimer."

"Es überrascht mich nicht, dass die Zangas Angst vor dir bekommen haben, schliesslich sind sie ein friedliches Volk" meint Challenger zur Echse.

"Da muss ich Ihnen leider recht geben, Professor... wenn es um Eindringlinge geht, die gefährlich aussehen, geraten wir in Panik" bestätigt Assai seine Worte.

"Und wer sind Sie?" erkundigt sich Roxton bei Stephanie, die gebürtigen Abstand zu den Freunden hält. Jetzt geht sie auf den Lord zu und streckt ihm die Hand hin. "Ich bin Stephanie Seymour."

"Weshalb sind Sie hier?" will George interessiert wissen und begrüsst sie ebenfalls.

"Ich wurde von Tribune zur Hilfe gerufen, weil ich ihm etwas Übersetzen sollte."

"Und warum sind Sie dann jetzt noch hier" fragt Marguerite barsch. Sie hat die Anwesenheit der Frau langsam satt.

"Weil ich erst wieder fortgehen kann, wenn ich gerufen werde."

"Oh je, darüber wird sich Vee aber gar nicht freuen" glaubt Assai ihre Freundin zu kennen..

"Wir haben gar keinen Schlafplatz für Sie" bemerkt Jesse, die im Zanga-Dorf Tücher geschenkt erhielt, obwohl sie sich dagegen gewehrt hat. "Unser Haus ist zurzeit ziemlich überfüllt." Das ist wahr, denn nebst den 8Freunden mit 3Kindern plus Echse werden auch noch Jar, Assai und Illario bei ihnen übernachten wollen, was entschieden zu eng wird, dennoch wagt es niemand die Zangafamilie nach Hause zu schicken.

"Tja, dann schlafe ich eben auf der Couch oder am Boden. Jedenfalls kann ich nicht fortgehen, ehe ich gerufen werde."

"Stephanie, Sie wiederholen sich" ist Marguerite aufgefallen und eilt ihren beiden Freundinnen hinterher, damit sie sich nicht länger mit der Wanderin unterhalten muss.

 

Nachdem man alle einquartiert hat, die Malonefamilie wird ins Kinderzimmer ziehen, damit die Zangafamilie ihr Zimmer haben kann, Tribune bleibt seiner Wohnzimmercouch treu und Stephanie hat auf dem Balkon Platz genommen, kehrt Challenger in sein Labor zurück. Er nimmt das Ei aus dem Brutkasten und hält es gegen eine Kerze, so dass er es röntgen kann und seiner Meinung nach, müsste das Wesen bald schlüpfen.

Er legt es behutsam wieder an seinen altgewohnten Platz, als er von Vee besucht wird.

"Diese Frau ist unglaublich! Hat sich ohne meine Einwilligung hier einquartiert!"

"Veronica, jetzt übertreibe mal nicht, so schlimm ist sie auch wieder nicht."

"Ach ja!? Sie taucht plötzlich auf, um bloss zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, das kann nicht wahr sein."

"Vielleicht ist sie einfach nur nett!"

"So eingebildet wie die tut, kann diese Frau doch nicht nett sein!" beharrt Veronica.

"Dann ist sie eben nicht sonderlich nett zu Frauen, weil sie weiss, dass sie von ihnen nicht gemocht wird, da sie doch relativ gut und unique aussieht."

"Willst du damit etwa andeuten, sie sei hübscher als Marguerite, Finn und ich!? Ich meine, wir alle drei sehen gut aus und sind unique, du wirst keine weitere Frau finden, die so aussieht wie eine von uns dreien und Marguerite mit ihrem Lockenkopf und den blaugrünen Augen ist bezaubernd. Sie könnte Cleopatra sein, wenn du verstehst, was ich meine."

"Nein, das habe ich damit nicht gemeint. Ihr drei seid wirklich alle wunderschön... es war bloss eine Theorie... eine Vermutung."

"Okay, Entschuldigung angenommen. Trotzdem traue ich ihr nicht über den Weg und du weißt haargenau, dass ich mich nie irre!"

"Da muss ich dir Recht geben, du hast wirklich eine tolle Intuition" gibt George der Blondine schliesslich Recht.

"Ich werde mal in den Tagebücher meiner Eltern nach ihr blättern, vielleicht steht dort etwas über sie." Mit diesen Worten verlässt Vee das Labor wieder. Challenger wendet sich erneut dem Ei zu.

"Wie lange muss ich noch warten, bis du endlich schlüpfst!? Langsam aber sicher verliere ich die Geduld!"

 

"Was machst du hier draussen?" Stephanie hat den Balkon betreten, worauf Tribune steht und in die Ferne blickt. "Ich denke nach!"

"Und worüber?"

"Das geht dich nichts an!" Tribune möchte sich an der Frau vorbei schleichen und weggehen, doch sie hält ihn zurück.

"Du denkst an Marguerite, hab ich Recht?"

"Woher weißt du das!?"

"Ich kann deine Gedanken lesen, weil du mich gerufen hast."

"Beruhigend" meint die Echse sarkastisch. "Nimm es mir nicht übel, aber ich würde jetzt gerne ein bisschen für mich alleine sein."

"Ich könnte dir bei der Eroberung deiner Angebeteten behilflich sein."

"Tatsächlich?" Tribune wendet sich interessiert der Wanderin zu.

"Wenn ich Roxton ablenken würde, könntest du dich an sie heranmachen..."

"Das funktioniert nie im Leben" unterbricht die Echse die Frau.

"Würdest du mich bitte ausreden lassen? Okay, ich werde mich an ihn heranmachen und wenn Marguerite mich vielleicht mit Roxton im Bett erwischt, verlässt sie ihn endgültig."

"Mhm... hört sich interessant an. Okay, auf in den Kampf!"

 

Roxton ist gerade damit beschäftigt Holz zu hacken, als Stephanie zu ihm gelangt. Er trägt kein Hemd, da das Wetter zu warm dafür wäre.

"Hier etwas zu trinken" sie wirft ihm die Thermosflasche hin.

"Danke." Er trinkt genüsslich daraus. "Wow, das tut gut."

"Verständlich, bei solch heissem Wetter Holz zu hacken, das muss wirklich sehr anstrengend sein. Und dir hilft niemand dabei?"

"Nun ja, wir haben eine gewisse Arbeitseinteilung und darauf steht, dass ich heute mit Holz hacken an der Reihe bin."

"Verstehe!" Stephanie nimmt ein Tuch aus ihrer Tasche hervor. "Damit kannst du dir den Schweiss abtrocknen."

"Danke, aber das wäre nicht notwendig gewesen."

"Ach, mach dir deswegen keine Sorgen, ich kann es nachher mit weiteren Kleidern von mir waschen."

"Wenn du meinst. Vielen Dank!" Er wischt sich mit dem Tuch übers Gesicht und seinen Oberkörper.

"Mhm... das riecht gut. Dein Parfum, vermute ich mal."

"Ähm... mein Parfüm? Ja, ganz genau" schwindelt Stephanie. Sie hat das Tuch mit einem Aphrodisika eingesprüht. Roxton beginnt plötzlich zu schwanken. "John, ist alles in Ordnung mit dir?" Sie geht zu ihm hin und stützt ihn unter den Armen. "Komm mit, wir setzen uns dorthin." Sie deutet auf einen umgefallenen Baumstamm.

"Danke, ich weiss nicht, was plötzlich in mich gefahren ist" meint der Lord kurze Zeit später. "Zum Glück hast du mich aufgefangen."

"Ja, wir hatten wirklich viel Glück auf unserer Seite. Bedenke, wenn du in Ohnmacht fällst und dich niemand innerhalb von 5Minuten auf die Seite wendet, kannst du sterben" erzählt die Wanderin.

"Oh je, das wusste ich gar nicht."

"Viele sind sich dessen nicht bewusst... War gar nicht leicht, dich aufzufangen für eine Frau wie mich. Manchmal wäre ich froh, wenn ich etwas stärker wäre und nicht so gertenschlank" behauptet die Brünette.

"Also mir gefällst du, wie du bist."

"Das sagst du jetzt bloss."

"Nein, das ist mein voller Ernst. Du bist eine der bezauberndsten Frauen, die ich kennen gelernt habe."

"Tatsächlich? Freut mich sehr zu hören. Komm, trink noch einen Schluck." Der Lord trinkt erneut aus der mitgebrachten Thermosflasche.

"Dein Kleid gefällt mir!" bemerkt er und schaut ihr in den Ausschnitt. Er steht unter Trance.

"Oh danke" sie rückt näher. "Dein Oberkörper gefällt mir ebenfalls, und deine Muskeln sind einfach der Hammer." Sie streicht ihm über den nackten Oberkörper... und schliesslich küssen sich die beiden.

 

Marguerite spielt mit Finn und Mailyn gerade Mensch-ägere-dich-nicht, als Tribune sie unterbricht.

"Marguerite, ich muss mit dir reden."

"Ja, um was geht es?" fragt diese gelangweilt.

"Ich würde dies gerne unter vier Augen besprechen."

"Okay, schon gut, wenn es unbedingt sein muss." Sie steht vom Tisch auf und folgt der Echse auf den Balkon.

"Worum geht es denn?"

"Ich muss ständig an dich denken... Ich kann kaum meine Augen von dir lassen, ich... ich bewundere dich" gesteht die Echse. "Ich bin sehr eifersüchtig auf Roxton, wenn ich sehe, wie glücklich du mit deiner Familie bist..." Tribune blickt in den Vorgarten hinunter und entdeckt dort das Pärchen schmusend. "Eigentlich müsste ich an seiner Stelle stehen."

"Wie bitte?"

"Ich meine, ich würde nie eine andere Frau küssen und das auch noch in der Öffentlichkeit."

"Wovon sprichst du?" Tribune deutet auf die beiden, die sich sitzend auf dem Baumstamm amüsieren. "Oh mein Gott!" Marguerites Knie lassen nach, ehe sie zu Boden fällt, wird sie gerade noch rechtzeitig von Tribune aufgefangen und auf die Bank gesetzt. "Das darf nicht war sein!" flüstert die Brünette immer wieder. "Warum tut er mir das an!?"

"Weil er ein Mann ist und keine Manieren hat!" behauptet der Echsenmann. Finn betritt den Balkon und schaut in Marguerites Gesicht. Besorgt fragt sie: "Geht es dir nicht gut, Süsse?"

"John.... John.... er ist..." stottert die Brünette und deutet über das Gerüst.

"Was tut er denn da!? Was ist in ihn gefahren!?" Das Finny sieht, wie sich die Hand des Lords nun auf dem Dekolleté der Wanderin plaziert hat. "Merkwürdig, das sieht ihm doch gar nicht ähnlich!"

"Tja, so kann man sich irren" meint Tribune gelassen.

"Er... er küsst diese Stephanie" spricht Marguerite es schliesslich aus.

"Ja, das kann ich sehen, aber ich bin überzeugt davon..." Finn spricht nicht weiter. "Tribune könntest du uns für eine Sekunde alleine lassen. Danke!" Widerwillig trottet die Echse davon.

"Ich hätte das, nach allem was passiert ist und was er mir versprochen hat, nie von ihm erwartet" schluchzt Marguerite und bricht endgültig in einen Tränenfluss aus.

"Ich bin derselben Meinung und es kommt noch besser, ich befürchte schwer, er steht erneut unter einem Bann."

"Meinst du wirklich?" horcht die Brünette auf.

"Ja, ich bin mir sogar hundertprozentig sicher. So viel ich weiss, blättert Vee auch schon in den Tagebüchern ihrer Eltern. Malone und Jesse helfen ihr dabei. Und wir alle wissen doch, dass sie die beste Intuition von allen besitzt" sagt das Fräulein aus der Zukunft.

"Wäre es dann vielleicht möglich, dass sie John einen Trank verabreicht hat, der seine Hormon veranlasst über seinen Verstand zu regieren."

"Richtig! Und wenn ich nicht ganz falsch liege, war dies nicht ihr Werk allein. Ich vermute stark, dass sie und Tribune unter einer Decke stecken" gibt das Finny Preis.

"Nein, das glaube ich nicht."

"Wieso hat er dich dann hier hinaus gelockt?"

"Er beichtete mir von seinen Gefühlen mir gegenüber und wollte mir seine Liebe gestehen" erzählt Marguerite.

"Wach auf, Süsse! Er hat dich nur hier nach draussen geschleppt, damit du Stephanie mit John knutschen siehst, somit enttäuscht wirst und in seine Arme läufst. Das Ganze war ein fieser, fast perfekt durchdachter Plan" beharrt die Blondine auf ihrer Theorie.

"Aber welchen Kostennutzen fällt dabei für Stephanie ab?"

"Möglicherweise ist sie scharf auf deinen Mann oder..."

"...sie braucht einen Samenspender, damit sich ihre Fähigkeiten ‚Menschen in Not helfen‘ weitergeben kann." fügt Vee hinzu und hält eines der Tagebücher in die Höhe.

"WAS!? Und dieses Werk will sie mit meinem Mann veranstalten!" Marguerite steht schlagartig auf und beugt sich über das Gerüst. "John! JOHN! Ich warne dich, solltest du auch nur noch einen Schritt weitergehen, darfst du Mailyn und mich verlassen... denn dann hast du eine neue Familie gegründet. Hörst du mich, dann bist du erneut ein Vater! Willst du DAS etwa!?" Der Lord schreckt sofort zurück. Er ist bei den Worten seiner Frau aus der Trance erwacht. Nun stösst er Stephanie von sich weg und rennt zum Aufzug.

Malone erscheint neben Marguerite mit einem Gewehr. "Gib mir das!" Die Brünette reisst dem Reporter die Waffe aus der Hand und ruft: "Verschwinde von hier oder stirb sofort!"

"Aber dann verstosse gegen meine Regeln."

"Ja und, sonst nimmst du es auch nicht so ernst mit Regeln einhalten. Noch nie was von ‚Ehemännern verführt man nicht‘ gehört!? Hau ab und komm nie wieder zurück!" droht die Lady.

"Nein, das werde ich nicht tun" bleibt die Wanderin stur stehen. Marguerite löst die Sicherung. "Ich zähle auf drei und dann schiesse ich auf dich! Eins..."

"Ich kann nicht gehen! Es tut mir leid!"

"Zwei..."

"Bitte hab verbarmen mit mir!"

"Dr.." Noch ehe Marguerite fertig zählen kann, wird ihr das Gewehr aus der Hand gerissen. "Lass das!!" schreit sich Tribune an. "Nein, Mord ist keine Lösung dafür! Ich werde mit ihr gehen, damit sie gegen keine weiteren Regeln mehr verstossen muss, verstanden... und ihr haltet euch gefälligst aus meinen Angelegenheiten raus."

"Von mir aus sehr gerne!" brummt Vee und setzt sich genervt auf die Couch.

 

Nachdem Stephanie und Tribune die Baumhäuser verlassen haben, tischt Assai ein wunderbares Abendessen auf. "Vielen herzlichen Dank, aber das hättest du nicht machen müssen" bedankt sich Jesse bei der Zangarin.

"Doch das habe ich gerne gemacht... schliesslich wissen wir eure Gastfreundschaft zu schätzen."

"Danke vielmals!" antwortet Jar, der dieses Wort gerade eben gelernt hat. Auch Illario zwinkert Mailyn aufmunternd zu. Alle verteilen sich um die beiden Tische herum und beginnen mit dem Essen.

"Wo ist George?" fragt sich Jesse, da ihr Mann immer noch ich im Esszimmer erschienen ist.

"Keine Ahnung, wahrscheinlich wartet er immer noch sehnlichst darauf, dass sein Ei schlüpft" vermutet Richard.

"Was steht noch alles über Stephanie im Tagebuch deiner Eltern?" erkundigt sich Marguerite bei Veronica.

"Eigentlich nicht viel..." Vee blättert im Tagebuch und schlägt die Seite, worauf Stephanie abgebildet ist auf und liest vor: "Die Wanderin ist eine selbstbewusste Frau, die anderen Menschen in der Not hilft. Sie hat die Fähigkeit Hilferufe über Tausenden von Metern zu hören und in Windeseile dorthin zu gelangen. Sie kann die verschiedensten Sprachen übersetzen, sowie sprechen und beherrscht die Linguistik beinahe perfekt. Seit Generationen liegt dieses Erbe in den Händen der legendäre Familie Seymour, welche nur das ‚blaublütige Blut‘ anstrebt, damit sind Adelige gemeint... also du, Roxton... jedoch heiraten sie die Männer nie sondern benötigen lediglich deren Fortpflanzungsgene um später das Kind... meistens sind es Mädchen, in hundert von eins Fällen entspringt eine Junge aus dem Samen... aufzuziehen."

"Interessant!" Marguerite verzieht ihr Gesicht.

"Es geht noch weiter" äussert sich Malone. "Um den Mann ihrer Träume betören zu können und von der Lebenspartnerin wegzulocken... denn Wanderinnen sind verdammt auf verheiratete ‚blaublütige‘ Männer zu treffen... brauen sie ein Aphrodisika zusammen, dass sie entweder in kaltes Wasser geben, oder als Parfüm benutzen."

"Dann war das also der Grund, weshalb ich beinahe zusammengebrochen bin, weil ich dieses Aphrodisikum glatt zweimal verabreicht bekommen habe" fällt es dem Lord wie Schuppen von den Augen.

"Ja, und du bist darauf hereingefallen" bemerkt Marguerite traurig.

"Was hätte ich dagegen denn tun sollen. Darling, wie oft soll ich mich denn noch bei dir entschuldigen."

"Keine Ahnung! Aber immer wenn ich dieses Bild vor meinen Augen sehe, wie du mich hintergehst mit ihr und sie küsst, habe ich Angst, dass es für immer so bleiben könnte. Ich kann dir nicht mehr trauen!" Marguerite steht auf und verlässt den Tisch.

"Schmeckt es dir nicht?" fragt Assai besorgt.

"Nein, nein, Assai, das Essen ist super lecker, mir ist lediglich der Appetit vergangen. Entschuldigt mich bitte!" Die Brünette macht sich aus dem Staub. John folgt ihr. "Mummy? Daddy? Wohin geht ihr!?" fragt Mailyn traurig.

"Keine Sorge wir kommen bald wieder zurück, iss du bis dahin die Mahlzeit, okay?" Sagt John und stösst dabei mit dem Professor zusammen. "Ich habe tolle Neuigkeiten!" verkündet dieser.

"Sei mir nicht böse, George, aber ich habe momentan weit besseres zu tun, als mir deine neuste Erkenntnis anhören zu müssen." Der Lord eilt davon.

"Dann eben nicht" murmelt Challenger wütend. "Wollt ihr wissen, was aus dem Ei geschlüpft ist?" fragt George in die Runde.

"Haben wir den eine andere Wahl" bemerkt das Fräulein aus der Zukunft, die jetzt lieber zu Marguerite gehen würde um sie zu trösten.

"Aus dem goldenen Ei ist ein... Phoenix geschlüpft!" erzählt der Professor stolz.

"WAS!? Ist das dein Ernst?" fragt Malone hell begeistert.

"Ja, seht her." Challenger öffnet seine Hände, die er bislang hinter seinem Rücken versteckt gehalten hat und zum Vorschein kommt ein winzig kleiner Vogel, das einem Küken ähnelt.

"Das sieht ja aus wie ein Küken" bemerkt Jesse etwas angewidert von dem Tierchen.

"Ja, schon möglich, aber könnt ihr die goldroten Federn erkennen, den goldenen Schnabel und Krallen. Dieser Vogel ist definitiv ein Phoenix und das Beste kommt erst noch, er kann mit seinen Tränen..."

"...Menschen heilen" beendet Veronica den Satz.

"Wow, ein Menschenheiler, wie faszinierend. Hoffentlich schnappt Silberfang nicht nach ihm" meint das Finny amüsiert.

"Ich warne deinen Köter, sollte das geschehen, schmeisse ich ihn eigenhändig raus!" schimpft Challenger.

"Hey, halt dich bloss von meinem Hund fern. Sonst zücke ich meine Armbrust und ziele auf dich!" gibt die Blondine zurück.

"Auseinander!" mischt sich Jesse ein. "Ich will nichts von Rausschmiss und Töten hören, wir sind hier beim Abendessen, verdammt noch mal. Und sollte es tatsächlich Ärger mit den Haustieren geben, müssen die Tiere uns verlassen" setzt die ältere Dame ein Ultimatum. "Einverstanden!?"

"Okay, wenn es sein muss!" antwortet Challenger wütend.

"Von mir aus!" meint Finn gelangweilt.

"Schön und gut, nun lasst uns wieder dem Essen zu wenden. Guten Appetit!"

"Schatz?" Roxton möchte die Schlafzimmertüre öffnen, doch sie ist verschlossen. Er klopft daran. "Darf ich herein kommen, Darling, bitte."

"Nein, geh weg!" hört man die Brünette schluchzen.

"Sieh mal, es tut mir leid. Aber wenn du mir nicht verzeihst, dann werden alle darunter leiden und am meisten Mailyn."

"Wie kann ich mir sicher sein, dass du mich bei der erste nächsten Begegnung mit einer schönen Frau, nicht wieder betrügst."

"Gar nicht, denn ich werde dir kein Versprechen geben. Jedoch solltest du wissen, dass meine Liebe so stark zu dir ist, dass Stephanie glatt zwei Aphrodisiken benötigte um mich verzaubern zu können, überzeugt dich dass denn nicht!?" Roxton lehnt sich verzweifelt an die Türe, als diese ruckartig geöffnet wird und er rücklings zu Boden fällt.

"Doch das ist Überzeugung genug." Sie kniet sich zu ihm hinunter und küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund.

7.20 Der Antrag

"Guten Morgen, Finn, hast du gut geschlafen?" fragt Richard seine Freundin und küsst sie leidenschaftlich auf den Mund.

"Naja, es geht so..." gähnt die Blondine und kriecht hundemüde aus dem Bett.

"Ich habe tolle Neuigkeiten für dich, wir werden Silberfang heute ausführen, du musst dich also nicht um ihn kümmern."

"Wie schön, das ist lieb von dir. Ihr geht jagen, vermute ich mal."

"Ganz genau. Unser Fleischvorrat leidet sehr darunter, dass zwei weitere erwachsene Personen unsere Gastfreundschaft geniessen."

"Das ist verständlich" meint die Blondine nur dazu. "Ich geh dann mal duschen." Und mit diesen Worten verschwindet die Blondine aus dem Zimmer.

 

"Aufwachen, meine Süsse!" Roxton drückt seiner Frau einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.

"Wie spät ist es denn?" fragt Marguerite ohne die Augen auch nur einen Spalt zu öffnen.

"Halb neun!"

"Oh nein. Warum hast du mich so früh geweckt?" erkundigt sich die Brünette bei ihrem Mann.

"Weil wir jagen gehen werden und ich möchte, dass du etwas mit Mailyn unternimmst, denn ich möchte nicht ständig Jesse um ihre Hilfe als Aufpasserin bitten und sie dafür einspannen..." Marguerite möchte gerade etwas sagen, doch John kommt ihr zuvor. "Ja, auch wenn sie Kinder über alles liebt, auch sie hat eine Pause verdient."

"Wie du meinst!" Marguerite schleppt sich aus dem Bett und schaut sich im Spiegel an. "Oh nein, ich werde von Tag zu Tag älter." Sie berührt wehmütig ihre Wange und die Halspartie, woran man das alter am Ehesten erkennt.

"Also, ich finde dich wunderschön und bin keineswegs der Ansicht, dass du älter geworden bist und an Schönheit verloren hast." Wieder schenkt er ihr einen Kuss, diesmal auf die Wange.

"Wenn du meinst!" meint die Brünette gelangweilt.

"Hoffentlich streichst du diesen Spruch ‚Wenn du meinst!‘ frühzeitig aus deinem Wortschatz. Der Lord verlässt das Zimmer, nachdem er sich das Gewehr und die Pistolen geschnappt und umgebunden hat.

"Viel Glück und noch was, John: Ich hasse es, wenn du die Waffen in unserem Schlafzimmer aufbewahrst, eines Tages könnte sich Mailyn daran vergreifen, oder ich taste versehentlich danach."

"Ja! Ja!" sagt der Jäger nur und macht sich auf den Damm.

 

Zur selben Zeit im Kinderzimmer der Malonefamilie. "Veronica, aufstehen, es ist halb neun und ich werde zusammen mit Roxton, Jar und Richard auf die Jagd gehen. Ich wäre also froh, wenn du in der Zwischenzeit auf die Zwillinge aufpassen könntest."

"Ja, ja, geht in Ordnung" meint Vee nur und wendet sich auf die andere Seite.

"Nein, mein Schatz, nicht wieder einschlafen" mahnt Ned seine Frau.

"Nur noch zehn Minuten, ich versprech’s dir."

"Nein, sofort! Oh hörst du, Joshua braucht sein Fläschen" schwindelt Ned.

"Wo sind die beiden denn?" fragt Veronica, da sie im Kinderzimmer schläft, weil Jar und Assai es sich in ihrem Schlafzimmer bequem gemacht haben.

"Ich habe sie ins Krabbelgitter gesperrt."

"Aha. Na dann, werde ich wohl oder übel aufstehen müssen."

"Du hast es erfasst" sagt Malone erfreut. "Bis später dann!" Und schon huscht er aus dem Zimmer. Veronica greift ihren Morgenmantel und wirft ihn sich über.

 

"Na, seid ihr auch schon wach?" fragt Veronica ihre beiden Freundinnen, die sich um den Morgentisch gesetzt haben.

"Ja, wir wurden kaltblütig aus unserer Heia(Bett) vertrieben" klagt Marguerite.

"Wenigstens noch mit etwas Liebe, aber es war trotzdem unverschämt und gemein von ihnen" behauptet Finn.

"Aha, und da kommt auch schon Assai. Na, wie geht es dir?" fragt Marguerite die Zangarin.

"Nicht gut, ich wurde von Jar regelrecht aus dem Bett geschmissen."

"Oh nein, du auch?" meint Veronica mitfühlend.

"Tja, wie es aussieht, wurde niemand von uns Frauen verschont" stellt das Fräulein aus der Zukunft fest.

"Ausser Jesse, sie schläft bestimmt noch tief und fest, nur weil ihr Mann ein fanatischer Wissenschaftler ist, der es vorzieht Zuhause zu bleiben, anstatt sich ins Abenteuer zu stürzen" lästert die Brünette.

"Schön zuhören wie du über mich denkst." Challenger steht im Türrahmen.

"Es tut mir leid, George, du hättest das eigentlich nicht hören sollen. Ach was soll’s, jetzt weißt du wenigstens, was ich von dir halte."

"Beruhigend!"

"Wo hast du Jesse gelassen?" erkundigt sich Finn bei dem Professor, dieser füllt sich gerade eine Tasse mit Kaffee. "Sie ist Wäsche waschen gegangen."

"Ohne Begleitung, ist das nicht gefährlich!? Hast du keine Angst um sie?" fragt Assai sofort.

"Nö, sie hat endlich das Umgehen mit Waffen gelernt und kann sich nun selbst verteidigen" bleibt der Visionär cool. "Ausserdem wird sie nicht sterben, solange ich nicht bei ihr bin und sie wird erst recht nicht ermordet" behauptet der Professor gelassen. "Jesse wird statt dessen den Felshang hinunterstürzen."

"George, darüber macht man keine Witze!?!" ist Marguerite empört, die sich diese schreckliche Vision ansehen musste.

"Ich weiss, aber ist doch wahr. Ich bin dann im Labor, falls ihr mich sucht, aber das ist ja nichts Neues."

 

"Was meint ihr, sind die Frauen sehr böse auf uns, weil wir sie schon um halb neun geweckt haben" fragt Richard schlechten Gewissens.

"Wahrscheinlich, aber sie werden‘s überleben" lautet Roxtons Antwort.

"Bestimmt. Und schliesslich mussten wir noch viel früher aufstehen" kommentiert Malone.

"Ihr habt Recht, ich sollte mir darüber wirklich nicht den Kopf zerbrechen."

"Genau! Das wären nur unnötige Sorgen" stimmt Jar den anderen zu.

"Hattet ihr eigentlich grossen Bammeln den Heiratsantrag zu machen?" erkundigt sich Richard bei seinen Freunden.

"Kein bisschen" behauptet Roxton, obwohl er am Ehesten von allen eine Abfuhr erteilt bekommen hätte. "Wieso fragst du?"

"Hast du etwa vor, Finn heute zu fragen?" fällt es Malone wie Schuppen von den Augen.

"Schon möglich!"

"Ey, super. Ich wünsche dir viel Glück dabei" klopft Roxton stolz seinem Schützling auf die Schulter.

"Und bist du nervös?" möchte der Reporter sofort wissen.

"Ein bisschen, aber es wird schon schief gehen. Sie wird doch ja sagen oder etwa nicht!?"

"Bestimmt wird sie ja sagen, da bin ich mir sicher" versucht Malone ihn aufzuheitern und Mut einzureden. Richard seufzt erleichtert.

 

"Na, wie geht es deinem Vogel?" fragt Finn und betritt das Labor des Professors. Zwischen den beiden herrscht immer noch dicke Luft. "Wo hast du deinen Köter gelassen?" erkundigt sich George.

"Er wurde zur Jagd mitgenommen im Gegensatz zu dir."

"Na und, ist mir doch egal."

"Nun, was kann dieses Kerlchen noch nebst der Wundheilung durch seine Tränen?" möchte die Blondine wissen.

"Ich werde ihn zusätzlich als Alarm einsetzen, denn diese Vögel besitzen die besseren Augen als Eulen oder Adler und können somit Eindringlinge schon von weitem entdecken."

"Toll, aber das kann mein Hund ebenfalls. Er dient zur Alarmmeldung, Silberfang hört alles 7fach besser als wir Menschen, nicht schlecht, oder!?"

"Ja, es geht so."

"Echt, Challenger, du hast keine Ahnung!" empört verlässt Finn das Labor. George wendet sich wieder seinem Vogel zu, der bereits einige Zentimeter gewachsen ist.

 

Am selben Abend kehren die Männer von der Jagd mit ernüchterndem Ergebnis zurück.

"WAS!? Ihr habt keinen einzigen Fleischbrocken schiessen können?" ist Finn darüber schockiert. "Auch nicht mit Hilfe meines Hundes?"

"Nein, leider nicht" antwortet Roxton entrüstet.

"Dann müssen wir also weiterhin Gemüse und Kohlenhydrate vertilgen?" Das Fräulein aus der Zukunft ist sprachlos. "Und wir haben tatsächlich nichts fleischiges mehr an Lager?"

"Leider nein, Finn" gibt Jesse Auskunft, welche sich in Küche und Vorräte bestens auskennt.

"Aber, Richie, du weißt doch haargenau, dass Silberfang nur Fleisch und trockenes Brot frisst."

"Na und, jetzt bin ich wieder an allem Schuld, oder was!?"

"Natürlich nicht, das habe ich so nicht gemeint" versucht sich die Blondine heraus zu schwatzen.

"Ach tatsächlich. Echt, momentan taugt dieser Köter sowieso nichts... ausser dass er uns das Essen wegfrisst." Das Letzte, was Richard von seiner Freundin zu Gesicht bekommt, ist ein böser Blick und dann ist sie zusammen mit ihrem Hund auch schon im Zimmer verschwunden.

"Oh je, das habe ich jetzt aber schrecklich verbockt."

"Was hast du verbockt?" möchte Marguerite von dem Herrn wissen

"Richie wollte unserer Finn heute den Heiratsantrag machen" erzählt der Lord sofort.

"Das ist nicht dein Ernst!?" Marguerite scheint überglücklich und verständnislos zur gleichen Zeit zu sein.

"Danke, John, du kannst es auch noch in die Nacht herausbrüllen damit jeder es mitbekommt. Doch es ist mein voller Ernst, ich möchte Finn einen Heiratsantrag machen."

"Dann kann ich dir nur zustimmen, du hast es verbockt und zwar grausam."

"Kannst du nicht mal mit ihr reden, Mägi?" bittet Richard die Brünette um einen Gefallen.

"Ich kann’s ja mal versuchen" seufzt die Lady.

 

Finn steht vor dem Spiegel in ihrem Zimmer und kämmt sich gerade ihr Haar, als es an der Türe klopft.

"Wer ist da?" fragt sie gelangweilt.

"Ich bin’s, bitte öffne die Türe." Kurze Zeit später sitzt Marguerite auf dem Bett, krault Silberfang unter dem Ohr und Finn betrachtet sich weiterhin im Spiegel.

"Hat er dich etwa geschickt und dich gebeten mich umzustimmen?"

"Schon möglich. Hör zu, Finn, er hat es ganz bestimmt nicht so gemeint. Ich meine, er war derjenige, der dir diesen Hund geschenkt hat, schon vergessen?"

"Natürlich nicht, aber es nervt mich, dass er..." Die Blondine bricht mitten im Satz ab.

"Ja?"

"Ach nichts!"

"Komm schon, Finn. Wer A sagt, muss auch B sagen. Dass er was?"

"Okay, wenn du so sehr darauf bestehst. Es stört mich, dass er sich auf Georges Seite geworfen hat und mir den Hund abraten will."

"Welch ein Quatsch, Finn. Niemand will dir den Hund wegnehmen."

"Ach ja, wirklich nicht, denn es kommt mir so vor, als sei ich die Einzige, die Silberfang hier haben möchte... Du bist nicht damit einverstanden, sowie Malone, Roxton und Vee, weil er die Kinder gefährdet oder besser gesagt sein Feind den Kinder etwas anhaben könnte. Jesse nervt es, dass Silberfang so viel Fleisch frisst und uns jeglichen Vorrat leer mampft, George hat Angst um seinen Vogel und Assai hat im Allgemeinen Angst vor Hunden."

"Jetzt übertreibe nicht, Finn" mahnt Marguerite ihre Freundin streng. "Auch wenn wir anfangs uns zuerst in diese Situation eingewöhnen mussten, sind wir nun doch froh Silberfang bei uns zu haben."

"Wenn du das sagst." Es klopft erneut an die Türe. "Ja, herein" bittet das Finny ohne nachzudenken. Richard öffnet die Türe. "Finn, kann ich mit dir reden?"

"Soll ich euch unter vier Augen lassen?" fragt die Brünette sofort.

"Nein, nein nicht notwendig" meint Richard gelassen.

"Worum geht es denn?" möchte das Finny wissen.

"Über uns." Als Richard dies sagt, legt Finn die Haarbürste auf die Kommode.

"Ich hoffe nur, dass es etwas Gutes ist!"

"Ja, das ist es! Ich weiss, momentan ist der falsche Zeitpunkt, aber ich kann es nicht länger für mich behalten." Der junge Herr greift in seine Tasche, holt eine Schatulle heraus und öffnet diese. Zum Vorschein kommt ein goldener Ring mit einem roten Rubin. Richard kniet sich vor die Blondine hin. "Finn... Willst du meine Frau werden?"

"Nein..."

"Was?" fragt die Brünette sofort.

"Nein, so..."

"Sie hat nein gesagt" meint Richard völlig perplex.

"Finn, jetzt übertreibst du aber" setzt sich Marguerite sofort für den Engländer ein.

"Nein, ich..."

"Du bist so gemein, das hätte ich dir nie zugetraut" schimpft die Lady vor sich hin.

"Würdet ihr mich bitte einmal ausreden lassen!?" setzt sich die Blondine schliesslich durch. "Ich habe nein gesagt, weil ich so überrascht bin, dass du mir einen Heiratsantrag machst in solch einer Situation. Ich wollte vorhin sagen: Nein, das ist nicht dein Ernst."

"Oh!" kann Richard nur dazu sagen. Finn hat Tränen in den Augen. "Und dies sind Freudentränen. Denn ja, ich möchte dich heiraten."

"Bist du dir sicher?"

"Hundertprozentig!" Nun steht der Mann vom Boden auf und hält Finns Hände in die seinen.

"Ich will dich heiraten, weil ich dich über alles liebe und für immer mit dir zusammen sein möchte!" Richard küsst seine zukünftige Verlobte zärtlich auf die Lippen.

"Wow! Endlich hast du sie gefragt!" lautet Marguerites Kommentar.

"Sieh mal, was für einen schönen Ring ich erhalten habe!"

"Oh Finn, ich freue mich so für dich!" Die Lady umarmt ihre Freundin glücklich. "Und der Ring sieht echt klasse aus. Woher hast du den? Der muss eine Unmenge an Geld gekostet haben." Marguerite hält nun Finns Hand in ihren und betrachtet das Goldstück interessiert.

"Ich habe ihn gefunden" sagt Richard.

"Nicht schlecht."

"Wieso, was meinst du?" will das Finny sofort wissen.

"Na, weil das echtes Gold ist und der Stein ein Rubin. Der ist bestimmt Millionenschwer."

"Eigentlich wollte ich den Wert des Ringes gar nicht wissen" rechtfertigt sich Finn. "Ich habe zu Richard gesprochen. Was meinst du mit: Ich habe ihn gefunden?"

"Na, so wie ich es meine, ich habe in eines Tages aus meiner Hosentasche gezogen."

"Kann es sein, dass ich den Ring irgendwo schon einmal gesehen habe? Hat ihn dir deine Mutter etwa untergejubelt!?"

"Nein, das wüsste ich."

"Aber ich mag mich doch noch ganz genau an den Tag erinnern. Ein Butler, der sich wie ein Roboter verhalten hat, überreichte dir oder mir diesen Ring. Das weiss, ich jetzt nicht mehr so genau. Auf jeden Fall warst du gar nicht erfreut darüber."

"Das ist gar nicht möglich. Da irrst du dich, wir haben keinen Butler."

"Wenn du meinst!"

"Oh nein, jetzt fängst du auch schon damit an" bemerkt Marguerite sofort. "Roxton regt diesen Spruch unheimlich auf. Ich würde also aufpassen, was du vor ihm zu sagen hast. Kommt, lasst uns ins Wohnzimmer gehen und die gute Neuigkeit allen erzählen" schlägt die Brünette vor.

"Von mir aus. Wenn du meinst! Oh je, das ist mir so herausgerutscht" entschuldigt sich die Blondine sofort.

7.21 Die alles entscheidende Frage

"Ich kann es immer noch nicht fassen" meint Veronica einige Wochen später beim Mittagessen. "Dass ihr nun verlobt seid, ist einfach super!"

"Ja, mir kommt es auch so vor, als wäre der Antrag erst gestern gewesen" gesteht das Finny.

"Und habt ihr schon eine Nachricht von deinen Eltern erhalten?" erkundigt sich Marguerite bei Richard.

"Leider noch nicht. Wahrscheinlich hatte Jesse Mühe den Weg zu finden" vermutet der Londoner Herr, da sie die Taube einen Tag darauf losgeschickt haben.

"Möglich wär’s" mischt sich George ins Gespräch ein "Schliesslich ist sie nicht mehr die Jüngste."

"Trotzdem nochmals herzlichsten Dank, dass wir sie als Postbote benutzen durften."

"Keine Ursache, Richard, das habe ich doch gerne gemacht."

"Wie geht es eigentlich dem Phoenix" möchte Marguerite interessiert wissen.

"Gut. Das Kerlchen wächst von Minute zu Minute einige Zentimeter und ist bald ausgewachsen."

"Gefällt es ihm in deinem Labor?" will Vee wissen.

"Ich denke schon, sonst hätte er sich schon längst aus dem Staub gemacht" behauptet Challenger.

"Du musst es wissen. Ich hätte ihn jedoch schon seit Geburt auf in ein Käfig gesteckt" meint Marguerite bestimmt.

"Nein, das wäre Tierquälerei. Er liebt es die Flügel weit auszustrecken. In einem Käfig würde er mir versauern."

"Wenn du meinst" rutscht es Marguerite heraus. Roxton ist sofort ganz Ohr und räuspert sich.

"Du weißt, was ich von diesem Satz halte!?"

"Ja, es tut mir leid, John."

"Jetzt übertreibe doch nicht, Roxton" ergreift Veronica sofort Partei. "Dieser Satz gehört nun mal in den Wortschatz deiner Frau. Find dich damit ab!"

"Ich kann ihn dennoch nicht leiden."

"Musst du auch nicht, aber ausflippen brauchst du deswegen auch nicht gleich."

"Okay, schon gut, ich hab’s verstanden, Vee. Ich geh dann mal an die frische Luft!" meint der Lord beleidigt, ruft den Hund zu sich und verlässt das Baumhaus.

"Danke, dass du für mich eingesprungen ist" bedankt sich die Brünette.

"Ach, das habe ich doch gern gemacht."

"Vee, kannst du mal kommen?" hört man Ned aus dem Nebenzimmer rufen.

"Klar worum geht’s?" fragt die Blondine, wendet sich dann an die andern, entschuldigt sich und verschwindet ebenfalls.

Marguerite steht auf und geht auf den Balkon. Finn folgt ihr. Die Brünette schaut Roxton hinterher, der im Vorgarten mit dem Hund spielt, indem er ihm das Stöckchen wirft. "Was ist los mit dir?" fragt Finn schüchtern.

"Nichts! Alles bestens" meint die Lady wenig überzeugend.

"Komm schon, mir kannst du’s doch verraten."

"Ich... ich glaube, ich bin erneut schwanger."

"Echt!? Das ist doch fantastisch." Finn will gerade ihre Freundin umarmen, doch diese weicht zurück.

"Nein, ist es nicht."

"Warum sollte es denn nicht schön sein?"

"Ich weiss nicht wie Mailyn darauf reagieren wird. Wird sie eifersüchtig aufs Baby sein? Es deshalb ausschliessen und versuchen fortzuschaffen? Was meint Roxton dazu? Ist er erfreut darüber oder..."

"Ganz bestimmt" unterbricht Finn die Lady.

"Ausserdem ist es noch gar nicht sicher. Vielleicht habe ich auch bloss eine Magendarmgrippe. Wer weiss."

"Fühlst du dich denn nur morgens so und nachdem essen oder den ganzen Tag lang?" hakt das Finny nach.

"Das kann ich dir nicht genau sagen. Zurzeit habe ich immer ein mulmiges Gefühl in der Magengrube."

"Weshalb?"

"Keine Ahnung. Vielleicht liegt es daran, dass ich sehe, wie glücklich du mit Richard bist und ich mich nicht mehr daran erinnern mag, wie es bei Roxton und mir anfangs so war. Ich fühle einfach keine Schmetterlinge mehr im Bauch und mache mir deswegen grosse Vorwürfe. Ich werde nie wieder den 1.Kuss erleben. Auch frage ich mich, ob ich John überhaupt noch liebe."

"Das ist nicht dein Ernst!?" ist Finn sichtlich überrascht. Marguerite nickt jedoch nur beschämt. "Du bereust es aber nicht, Mailyn zur Welt gebracht zu haben?"

"Nein, im Gegenteil... ich bin sogar sehr froh, dass es sie gibt. Ich liebe sie über alles und zwar so sehr, dass ich wie gesagt nicht weiss, wie meine Gefühle zu John stehen." Die Brünette schaut ihrem Mann erneut beim Spielen zu. "Ich möchte ihm einfach dieselben Gefühle widmen können, wie er für mich hat, ich weiss aber, dass dies unmöglich ist... Er hat mich schon immer mehr geliebt als ich je konnte. Ich weiss nicht, was ich jetzt tun soll."

"Warte erst noch ab und versuche eure Ehe so gut es geht zu managen" schlägt das Fräulein aus der Zukunft vor. "Okay, ich tu das."

 

Nachdem sich Roxton etwas beruhigt, betritt er das Baumhaus wieder und wird doch gleich von Veronica empfangen. "Na, hast dich wieder erholt?"

"Lass mich einfach in Ruhe!" meint dieser schroff und geht ins neue Baumhaus herüber. Dort geht er ins Badezimmer und trifft auf einen nervösen Richard, der sich im Spiegel anschaut. "Wie fühlst du dich?" erkundigt sich der Lord.

"Gut!" sagt Richard mit hoher Stimme.

"Wirklich? Wovor hast du Angst?"

"Dass meine Eltern Finn nicht mögen. Sie haben sie schon einmal getroffen und waren nicht gerade aus dem Häuschen. Ausserdem hat meine Mum eine Andere für mich Auge."

"Oh ja, das war auch meine grösste Angst, aber als meine Mutter Marguerite gesehen hat, war sie überglücklich. Vielleicht war sie auch nur froh, dass ich endlich unter der Haube war" vermutet Roxton.

"Aber meine Eltern sind da anders. Sie wollen, dass meine Frau ‚Blaublütig‘ ist."

"Oh je, das ist natürlich etwas anderes. Dann wünsch ich dir viel Glück bei der Beichte. Und jetzt würde ich gerne die Toilette benutzen."

"Klar, sicher!" sagt der junge Herr etwas ruhiger als zuvor und verlässt gemächlich das Badezimmer. In der Küche trifft er auf Marguerite, die an ihm vorbeistürmt und die Tür zum Bad öffnen möchte.

"Ist besetzt!" sagt Richard. "Wie es aussieht hast du’s sehr eilig."

"Du hast es bemerkt" meint die Brünette zähneknirschend. "Wer ist denn da drinnen? Finn etwa?"

"Nein, es ist Roxton. Er ist von seinem Ausraster zurückgekehrt."

"Tatsächlich?" Nun wirkt die Lady etwas verstört. "Dann muss ich wohl oder übel die Toilette im alten Baumhaus benutzen. Man sieht sich." Mit diesen Worten eilt die Brünette fort. Kurze Zeit später kommt der Lord aus dem Bad zurück. "Was ist?" fragt er barsch, als er bemerkt hat, dass Richard ihn anstarrt.

"Mägi wollte vorhin ebenfalls ins Bad. Sie hat ziemlich gestresst gewirkt und als ich ihr sagte, du hättest es besetzt, verschwand sie augenblicklich."

"Und wo ist sie jetzt?" fragt der Jäger besorgt. Richard gibt artig Auskunft und schon ist Roxton um die Ecke verschwunden.

Bei der anderen Toilette angekommen, bleibt er stehen und horcht auf. Er hört sich seine Frau übergeben und kann sich schliesslich nicht verkneifen an die Türe zu klopfen. "Schatz, geht es dir nicht gut?"

Zuerst ist es ganz still im Bad, ehe sie sich doch zu Wort meldet. "Nein, mach dir keine Sorgen... es ist alles bestens."

"Das hörte sich vorhin aber nicht so an." Nun wird die Türe aufgerissen.

"Es geht mir gut, wirklich" behauptet die Brünette und geht an ihrem Mann vorbei.

"Ganz sicher?" hakt dieser nach.

"Ja. Ich geh jetzt mit Mailyn nach draussen, einverstanden?"

"Klar. Soll ich mitkommen?"

"Nein! Geht schon."

Malone schreibt gerade in sein Tagebuch, als Jesse auf seinen Schreibtisch flattert und dort zur Ladung kommt. Am Fuss ist ein Brief befestigt. Neugierig öffnet der Reporter die Pergamentrolle und überfliegt es hastig. "Oh je, das könnte Probleme bereiten."

Eine kurze Weile später haben sich Finn und Richard ins Wohnzimmer begeben.

"Was ist denn los?" will das Finny wissen.

"Jesse ist nach Hause gekehrt und sie hatte diesen Brief bei sich" erzählt der Journalist und überreicht ihn Richard. "Der ist von deinen Eltern, Richie."

Lieber Richard, liebe Finn

Es freut uns zuhören, dass ihr euch verlobt habt, obwohl wir eine andere für unseren Sohn vorgesehen hatten.

Wie wir bereits wissen, stammt Finn nicht von Adeligen ab, was uns nicht weiter stört. Sollte sie jedoch keinen Elternteil besitzen, sehen wir keine Chance für eure Hochzeit, denn wir wollen kein Waisenkind in unsere Familie aufnehmen. Das macht sich nicht gut im Bekanntenkreis. Aber einen Elternteil wird sie sicher haben, wir freuen uns also sehr Finns Familie demnächst kennenzulernen.

Hoffentlich kehrt ihr bald aus der Verlorenen Welt zurück.

Freundlich Grüsse

Mister und Misses Worthing

"WAS!?" Finn kann es immer noch nicht glauben, was sie eben gelesen hat. "Wie können die so schlecht über mich und meine Herkunft reden. Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich ein Waisenkind bin" meint Finn in Rage.

"Sie haben eben hohe Ansprüche und wollen nur das Beste für mich. Verständlich nachdem es mit James und Marguerite, die damals ebenfalls ein Waisenkind war, nicht geklappt hat" sagt Richard gelassen.

"Du hältst das Verhalten deiner Eltern mir gegenüber für verständnisvoll!?"

"Nein natürlich nicht, aber sie wissen ja nicht, dass du ein Waisenkind bist."

"Dann musst du es ihnen eben verklickern!" bleibt Finn stur.

"Geht nicht, dann verbieten sie mir die Hochzeit und ich werde enterbt. Das wollen wir doch nicht!"

"Aber wenn es anders nicht geht.... Woher soll ich denn jetzt noch eine Familie kriegen? Ich bin erwachsen, in diesem Zustand adoptiert mich doch keiner mehr. Ich kann für mich selber sorgen und Geld verdienen" ist das Finny verzweifelt.

"Wir bräuchten ein Paar, das alt genug ist um vorgeben zu können, dass die Frau dich entweder geboren hat oder sie dich als du noch klein warst adoptierten."

"Das macht doch niemand. Ausserdem würden es deine Eltern auf den Papieren sehen, wann mich das Paar adoptiert hat."

"Nicht, wenn ich einen guten Kollegen darum bitten würde" sagt der Herr siegessicher.

"Dann hast du bestimmt schon ein Paar für mich im Auge, nicht wahr!?" vermutet die Blondine stark.

"Schon möglich!"

 

Alle Freunde, ausser Marguerite und Mailyn, sitzen am Tisch und besprechen Richards Idee.

"Wir hätten da so eine Idee" sagt dieser und wird doch glatt von Finn unterbrochen.

"Eigentlich ist es seine Idee!"

"Wie gesagt ich hatte eine Idee" und dann erzählt der junge Herr in welcher Lage die beiden sitzen. "Nun haben wir eine Frage an euch." Er wendet sich an George und Jesse und gibt dann Finn einen Ruck.

"Ich weiss, es klingt dumm und etwas unhöflich, aber ihr seid doch in euren älteren Jahren. Man könnte gut glauben, dass ihr meine Eltern wärt und mich, als ich noch klein war, adoptiert hätte. Auch kannst du, Jesse, keine Kinder kriegen, was wahr ist und somit ein super Grund gewesen sein könnte um eine Adoption durchzuführen. Auch hast du, Challenger, des Öfteren erwähnt, dass du dich wie meinen Vater fühlst. Nun lautet meine Frage: Wollt ihr mich adoptieren?"

"Ja, sehr gerne sogar!" sagt der Professor sofort und umarmt das Fräulein.

"Was meinst du dazu, Jesse?" fragt das Finny unsicher, nachdem sie sich von Challengers Umarmung befreit hat.

"Das fragst du mich noch!?" Die Frau hat Tränen in den Augen. "Endlich habe ich ein Baby!" Sie schenkt ihrer Tochter ebenfalls eine Umarmung. "Meine Allerliebste!"

"Eine andere Frage" meldet sich George zu Wort. "Wie können wir das Datum der Adoptionspapiere ändern?"

"Ich kenne da eine Kollegen, der das sehr gerne für mich machen wird" behauptet Richard. "Ich werde ihm morgen Jesse schicken, damit er Bescheid weiss."

"Das heisst also, dass wir bald eine Reise nach London machen werden?" vermutet der Visionär.

"Richtig. Wir dürfen jedoch nicht mitkommen, weil ich meinen Eltern versprochen habe, dass ich Finn heiraten werde, sobald wir wieder nach Hause kommen."

"Aha, verstehe. Und wie steht es mit euch?" wendet sich Challenger an die Malonefamilie und Roxton.

"Wir werden nicht mitkommen" ergreift Veronica das Wort. "Mit den Zwillingen können wir einfach noch nicht reisen, da sie nur schlecht gehen können, wir sie daher ständig tragen müssten und mit all dem Gepäck ist das einfach zu viel."

"Verständlich! Und was ist mit dir Roxton? Kommt ihr auch mit?" hofft Challenger.

"Ich denke nicht, momentan läuft es nicht so zwischen Marguerite und mir, deshalb ist es unwahrscheinlich, dass wir euch auf eurer Reise begleiten."

"Ach so! Na dann." Challenger sagt dies so, jedoch hat er ein mulmiges Gefühl dabei, doch er will seiner Tochter helfen. Das steht für ihn jetzt im Vordergrund. "Wir werden morgen abreisen, denke ich!"

"Auf jeden Fall! Bis wir in London sind, ist die Taube dort schon längst angekommen" sagt Jesse bestimmt.

"Sehr schön! Au Mann, ich bin euch so dankbar! Echt!" Finn ist überglücklich.

"Das machen wir doch gerne für dich! Mein Schatz." Jesse und Finn bleiben in dieser Nacht noch lange auf und erzählen sich alle Geheimnisse. Als Marguerite und Mailyn am Abend zurückkommen um zu Essen bemerken sie das kaum und führen ihr Gespräch fort. Sie vergessen sogar zu Abendessen.

7.22 .... eines geliebten Menschen

"Marguerite, aufwachen! Es ist Zeit aufzustehen." Roxton steht fertig angezogen beim Bett seiner geliebten Frau.

"Nein, lass mich noch schlafen. Ich bin hundemüde!" antwortet daraufhin die Brünette.

"Okay, von mir aus!" John überlegt kurze Zeit, dann fügt er noch hinzu. "Jesse und George werden heute nach London gehen um die Adoptionspapiere für Finn ausfüllen zu lassen."

"Schön für die beiden" meint die Lady und hat gar nicht recht zugehört, geschweige denn das Gesagte realisiert. "Man sieht sich" gähnt Marguerite und schläft weiter.

"Aber mach mich dafür nachher nicht verantwortlich!" sagt John bewusst laut.

"Wofür sollte ich dich denn verantwortlich machen?" fragt Mägi abwesend.

"Nichts! Schlaf ruhig weiter."

 

"Ich werde euch vermissen" meint das Finny mit Tränen in den Augen und drückt ihre Eltern ganz doll. "Geht uns gleich" behauptet Jesse ebenfalls eine Träne aus dem Auge wischend.

"Aber denk immer daran, wenn wir zurückkommen, bist du endlich unsere Tochter" sagt Challenger von Ohr zu Ohr strahlend.

"Ja, darauf freue ich mich schon!" meint Finn happy. Jesse antwortet darauf nicht.

"Passt auf euch auf" sagt Veronica und verabschiedet sich wie Finn von dem Ehepaar.

"Da kann man sich nur anschliessen" lauten Malones Worte.

"Hier ist die Telefonnummer von meinem Kollegen, ihr könnt ihn anrufen, sobald ihr in London angekommen seid. Er weiss Bescheid!" überreicht Richard seinen baldigen Schwiegereltern die Notiz.

"Vielen Dank" nimmt George den Zettel entgegen und verstaut ihn in seiner Brusttasche. Jesse bückt sich währenddessen zu den Zwillingen runter und küsst beide auf die Stirn. "Wie gross ihr doch schon geworden seid. Ich liebe euch!"

"So jetzt müssen wir aber wirklich los" sagt der Professor bestimmt und möchte gerade zum Fahrstuhl gehen, als John in davor abfängt. "Ich wünsche euch eine gute Reise."

"Danke" sagt Challenger.

"Wo ist Marguerite?" erkundigt sich Jesse sofort.

"Sie schläft noch. Ich glaube, sie hat von gestern her immer noch Kopfschmerzen!"

"Aha! Gut, dann eben nicht. Tschau Mailyn. Pass gut auf deinen Daddy und deine Mum auf." Jesse umarmt das Mädchen sehr lange und sehr intensiv, ehe sie dann mit dem Professor in den Aufzug steigt und zum Abschied winkt.

"Ich vermisse die beiden jetzt schon" lautet Finns Kommentar, nachdem die Köpfe ihrer Adoptiveltern verschwunden sind.

"Das glaube ich dir aufs Wort!" meint Vee augenzwinkernd, schnappt sich dann die Zwillinge und geht mit den kleinen ins Spielzimmer.

Malone setzt sich an eines seiner Tagebücher(wahrscheinlich um diesen Moment festzuhalten) und kritzelt wie wild drauf los. Roxton setzt sich mit einem Poliertuch an den Esstisch und säubert seine Waffen, während Finn auf den Balkon geht und ihren Eltern hinterher schaut, bis das ältere Pärchen im Baum-/Tannenmeer verschwunden ist.

 

"Morgen alle zusammen!" Marguerite hat sich endlich aus dem Bett gewagt und betritt das Wohnzimmer des alten Baumhauses.

"Morgen? Du bist gut, es ist bald zwölf Uhr" meint Veronica kopfschüttelnd.

"Tatsächlich!?"

"Jeep!" Die Brünette gesellt sich in die Küche und betrachtet erstaunt das. Als sie schliesslich nach dem Kaffeekrug greifen möchte, entdeckt sie, dass dieser leer ist.

"Wo ist Jesse!? Ich drehe ihr den Hals um, wenn ich sie finde!" Die Lady eilt zum Fahrstuhl.

"Beruhige dich, Mägi! Was ist denn los?" fängt Vee ihre Freundin davor ab.

"Jesse" schnaubt die Lady ausser sich "vernachlässigt gröber ihre Arbeiten. Schliesslich ist die Küche ihr Revier und für den Kaffee kochen ist sie ebenfalls zuständig. Das ist ihr Job, nicht unser!!!"

"Das geht leider nicht."

"Was sagst du da?"

"Challenger und Jesse haben vor knapp zwei Stunde das Baumhaus verlassen und sind nun auf dem Weg nach London" gibt die Blondine Auskunft.

"WAS!?"

"Ja, und Finn hat vor ca. 30Minuten mit einem Rucksack bepackt das Baumhaus verlassen und nur gemeint, sie würde ihre Eltern zu doll vermissen und die beiden mit nach England begleiten wollen."

"Das ist nicht dein Ernst!" Marguerite läuft nun auf und ab.

"Was ist denn los?"

"Hast du es etwa vergessen!?"

"Was sollte ich etwa vergessen haben?" fragt Veronica überrascht.

"Meine Vision!"

"Welche denn?"

"Na, die, in der Jesse ums Leben kommt!!!" schreit die Brünette beinahe. "Wo werden sie absteigen?"

"So viel ich weiss, möchte George eine neue Route ausprobieren.. aber er hat nur Finn verraten, wo genau dies sein wird."

"Wie konntet ihr nur so nachlässig sein! Nimmt mich hier denn keiner Ernst!?" Marguerite geht in ihr Zimmer zurück, schnappt sich ihre Waffe, holt sich im Keller ein Kletterseil und eilt zum Aufzug.

"Wohin willst du gehen?" fragt Malone überrascht.

"Zum Abgrund des Wasserfalls natürlich!" brüllt Mägi und drückt den Schalter.

"Roxton, deine Frau dreht wie so oft durch" ruft Malone dem Jäger zu, der sich mittlerweile ins Labor von George umquartiert hat, weil er seine Ruhe wollte und um Finn ging dies nicht.

Gelangweilt trottet er nun die Treppen ins Wohnzimmer hoch. "Was hat sie nun schon wieder vor?"

"Sie schrie etwas vom Abgrund des Wasserfalls. Und wenn ich sage schrie, dann meine ich das auch so."

"Und was will sie dort, sich etwa umbringen, oder was?" Roxton ist jetzt völlig aus dem Häuschen. Er geht ins Labor zurück, Malone folgt ihm. "Ich habe leider nicht die ganze Unterhaltung mit Veronica mitbekommen, weil ich im Tagebuch schrieb, aber ich glaube, es ging um Jesse und ihre Vision."

"Oh nein, die habe ich ja ganz vergessen."

"Ich auch. Dabei hätten wir gestern Abend reagieren müssen, als uns Challenger von seinem Plan, an einem anderen Ort als normal abzusteigen, erzählt hat."

"Wie konnten wir nur so nachlässig sein!?" Roxton schnappt sich seine Waffe und die beiden Pistolen, bindet sich den Halterungsgürtel um. "Wie konnten wir das nur vergessen!?" sagt der Lord immer wieder.

"Und Jesse hat es die ganze Zeit gewusst." Veronica steht auf der Treppe.

"Wie kommst du da drauf?" fragt Ned perplex.

"Hast du nicht gesehen, wie sie die Zwillinge und Mailyn umarmt hat. Oder hast du ihre Reaktion nicht bemerkt, als George zu Finn sagte: ‚Wenn wir zurückkommen, bist du endlich unsere Tochter‘. Ich habe das alles mitbekommen und bloss gedacht, sie möchte nicht gehen und noch länger bei ihrer Tochter sein. Ich bin so blöd! Es ist meine Schuld."

"Nein, ist sie nicht. Niemand hat Schuld daran. Wenn wir uns beeilen, können wir sie vielleicht noch warnen" sagt Roxton bestimmt. "Ausserdem gab es so viele Momente, wo wir darauf hätten kommen sollen. Gestern Abend hat Jesse noch sehr lange mit Finn gesprochen... sozusagen ein Abschiedsgespräch." Roxton geht nun rauf in das Badezimmer und greift dort nach dem Sanitätskasten, während Veronica sich ebenfalls für den Aufbruch rüstet. Malone bleibt zu Hause und hütet die Kinder.

 

Marguerite rast den Weg entlang. Sie kennt diesen noch allzu gut, als sie das letzte Mal mit George und Roxton hier war, weil die Freunde Ned gefolgt waren und um diesen schliesslich am Abgrund weinten, ehe er zwei Sekunden später wieder hinauf geschleudert wurde.

Marguerite schlägt wütend gegen einen Ast, dieser knickt um. Die Brünette kickt wütend gegen einen Stein. Die Lady ist verzweifelt und macht sich ständig Vorwürfe. fällt der Brünette plötzlich ein. "Piper! Phoebe! Paige! Könnt ihr mich hören? Ich brauche euch!" ruft Marguerite hoffnungsvoll, doch sie erscheinen nicht. kontaktiert sie nun ihre Tochter. Nach einer ganzen Weile erhält sie Antwort.

übernimmt das Mädchen die Verantwortung.

Die Verbindung wird von Mailyns Seite her unterbrochen. Marguerite wartet gespannt, doch nichts tut sich in ihren Gedanken.

Die Lady nimmt nun all ihre Energie zusammen und läuft los... so schnell sie ihre Beine tragen.

 

"Piper! Piper! Hörst du mich?" ruft das Mädchen verzweifelt. Doch sie erhält keine Antwort. "Phoebe, ich brauche dich!!!" Doch auch bei ihr funktioniert es nicht, da die beiden ‚nur‘ Hexen sind und die ‚Wächter des Lichts – Fähigkeit‘ von ihren Schützlingen oder Menschen in Not kontaktiert zu werden nicht besitzen. Mailyn überlegt und überlegt, doch der Name will ihr bei Gott nicht einfallen. Das Mädchen schüttelt nervös ihren Kopf und ihre Locken wirbeln nur so durch die Luft. "Blatt! Hilf mir! Seite, wo bleibst du? Notiz, es ist ein Notfall." Die Kleine geht nun alle Wörter, die etwas mit Papier zu tun haben durch. "Zettel, wir brauchen dich!"

"Mailyn, was tust denn da?" fragt der Reporter überrascht und kann sie ein Lachen nicht verkneifen. "Probst du etwa für ein Theater?"

"Nein! Nein! Ich sollte die Charmedones rufen, aber sie können mich nicht hören und ich habe vergessen wie Pipers Mann heisst oder die jüngste Schwester."

"Ah, du meinst etwa Leo und Paige?"

"Ja, genau, die meine ich! Paige, hilf mir!" brüllt das Mädchen erneut und nun erscheint ein grelles Licht.

"Honey, Süsse, was ist denn los mit dir?" fragt Paige besorgt.

"Einen lieben Gruss von Mama, du sollst dich sofort zu ihr beamen. Jesse schwebt in höchster Gefahr!" plaudert die Kleine nur so drauf los.

"Das geht leider nicht."

"WAS!?" kommt es von Mailyn und Malone wie aus einem Mund.

"Ich hätte gar nicht erst hierher kommen dürfen" redet Paige weiter.

"Weshalb nicht?"

"Weil wir als tot gelten und nun eigentlich ein normales Leben führen. Solche Aktionen, die durch viel Magie begleitet werden, lässt Dämonen aufhorchen und verrät uns."

"Nein, Paige, du darfst jetzt nicht kneifen... sonst stirbt meine Grandma."

"Ich kann nichts tun für dich, meine Süsse, mir sind die Hände gebunden." Die Hexe hat Tränen in den Augen. "Und besonders an einem solch wirren Ort, wärt ihr durch ein bisschen Magie schon von Tausenden von Dämonen umzingelt. Ihr dürft nicht all euer Leben riskieren, nur damit eines gerettet werden kann. Vielleicht gelingt es deiner Mutter ja, das Ganze zu verhindern."

 

Am Abgrund des Wasserfalls: Jesse und Challenger schauen in die Tiefe. "Ganz schön unheimlich" meint die ältere Dame. "Warum konnten wir nicht den anderen Weg nehmen, der hier ist doch nicht gesichert und viel gefährlicher!?"

"Weil ich diesen Weg vom Plateau ausprobieren möchte und zurzeit ist es gerade sehr günstig. Also lass uns jetzt darunter gehen. Du zuerst... ich folge dir dann."

"Von mir aus, aber sei bitte vorsichtig." Jesse bindet sich das Seil um den Bauch. "Dann treffen wir uns unten." Sie gibt dem Professor einen zärtlichen Kuss auf den Mund und steigt dann den Abgrund hinunter. Als sie in der Mitte ist, erkundigt sich George bei ihr: "Und, wie läuft es?"

"Bis jetzt gut! Lass bloss nicht das Seil aus deinen Händen gleiten."

"Daddy, warte auf mich!" hört man jemanden sagen. Challenger wendet sich um, Finn kommt auf ihn zu gerannt. "Ich will dabei sein, wenn ihr meine Adoption durchführt."

"Ich bin ja so glücklich, dass du doch noch gekommen bist."

"Warum gehen wir eigentlich nicht den sicheren Weg?" wundert sich das Finny.

"Weil ich diesen mal ausprobieren wollte und er scheint geeignet für uns zu sein, obwohl er ein bisschen gefährlich ist." Gerade als George dies gesagt hat, reisst das Seil. Challenger wird durch die Wucht nach hinten auf die Erde geschmissen, Finn reisst er mit sich um. "Jesse! Nein!"

"Mummy!" Die beiden rappeln sich vom Boden auf und blicken den Abgrund hinunter, doch von Jesse fehlt jede Spur. "Oh nein, ich habe sie umgebracht! Wie konnte ich nur so rücksichtslos sein!" schluchzt Challenger erbarmungslos, die Krokodilstränen fliessen ihm über die Wangen.

"Dad, du kannst nichts dafür..."

"Ach Finn, du weißt doch so gut wie ich, dass alles meine Schuld ist. Ich wusste, dass sie so sterben würde, aber ich habe es schlicht weg vergessen. Ich war so besessen davon diesen Abstieg auszuprobieren, dass ich sie ganz vergessen hatte!"

"Wer konnte denn wissen, dass das Seil genau in diesem Moment reissen wird..."

"Ich wusste es." Marguerite ist beim Unfallort angelangt. "Es ist meine Schuld! Mir ist jetzt gerade klar geworden, dass die Visionen nur war wurden, weil ich immer live mit dabei war. Bei der Geburt der Zwillinge war ich mit dabei, Roxtons Ausrutscher habe ich miterlebt, die Entführung von den Kids, der Antrag an dich von Richard und nun auch Jesses Tod. Ich wollte euch warnen und dir Finn sagen, dass du ihnen nicht folgen sollst, sonst würde sich meine Vision bewahrheiten und nun..." Die Brünette macht zum ersten Mal eine Pause und schluchzt hörbar auf. Finn nimmt sie sofort in ihre Armen. "Es liegt nicht an dir, sondern an mir. Wäre ich nicht so egoistisch gewesen und ihnen gefolgt, wäre das nie im Leben passiert."

"Nein, das stimmt so nicht. Niemand von uns trägt die Schuld!" meint der Professor bestimmt.

"Vielleicht hat sie es auch überlebt?" sagt nun Marguerite. "Es wurde schon oft gesagt, dass dies ein Ausweg von der verlorenen Welt ist, vielleicht stimmt das ja auch."

"Nein, das glaube ich nicht."

"Aber du glaubst doch sonst auch alles, George" glaubt die Lady ihn zu kennen.

"Dieses Mal nicht!" Challenger wendet sich von den beiden ab und geht in Richtung Baumhaus zurück.

Weiter geht's zur 8.Staffel


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