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6.19 Das neue Zuhause

"Veronica! Ned! Jesse! Seid ihr da?" ruft Finn das Baumhaus hinauf. Sie und die anderen Expeditionsmitglieder sind gerade erst angekommen und warten nun ungeduldig im Vorgarten des Baumhauses auf ihre Freunde. Jetzt erscheint Jesse auf dem Balkon. Da es am Eindunkeln ist, kann die Frau ihre Freunde zuerst nur spärlich erkennen, schliesslich erkennt Jesse sie doch: "Hallo zusammen! Schon zurück?" fragt sie überrascht.

"Selbstverständlich" behauptet George. "Kannst du uns den Aufzug hinunter schicken?"

"Sicher!" Mit diesen Worten wendet sich die ältere Frau vom Balkon ab und betätigt den Lift.

Die Freunde steigen nacheinander in den Aufzug, sie müssen in zwei Schritten dies vollbringen, da sie zu viele sind. Zuerst gehen Finn, Richard und George nach oben, dann folgt ihnen die Roxton Familie. Endlich sind alle oben angekommen und begrüssen Jesse. "Wie geht es Ihnen, Frau Challenger?" will Roxton wissen.

"Gut, die frische Luft hier hat meiner Gesundheit gut getan! Ich fühle mich wieder wie 40!"

"Schön das zuhören" meint Challenger und drückt seiner Frau einen Kuss auf die Wange.

"Wo sind Ned und Veronica?" erkundigt sich Marguerite.

"In ihrem Zimmer. Sie wollten sich ein bisschen hinlegen um morgen wieder fit zu sein" gibt Jesse Auskunft.

"Ich geh sie wecken!" meldet sich das Finny freiwillig und läuft in Richtung der Schlafzimmer.

"Und wer sind Sie, junger Mann?" Jesse wendet sich an Richard.

"Ich bin Richard Worthing, Finns Freund."

"Und bald ihr Verlobter" meint Marguerite und tätschelt dem Herrn auf die Schultern.

"Ach ja? Das hört man gern" erwidert Jesse.

 

Finn klopft an die Türe des Ehepaars. "Ja, herein?" fragt Malone. Die Blondine öffnet die Türe und ruft so gleich. "Wir sind wieder Zuhause!"

"Finn!" Veronica kriecht aus dem Bett und stürmt auf ihre Freundin zu. Die beiden Fräuleins umarmen sich überglücklich.

"Wow, dein Bauch ist aber rund geworden, seit ich ihn zum letzten Mal gesehen habe!"

"Ja, ist das nicht super!"

"Auf jeden Fall und wann ist der Stichtag?"

"In 3 oder 4Wochen!"

"Cool! Hoffentlich verläuft die Geburt gut! Ich meine bei dir werden dann zwei Babys zur Welt kommen und nicht nur eines, sowie bei Marguerite."

"Hallo Finn!"

"Hi!" Malone und Finn umarmen sich ebenfalls.

"Sind die anderen im Wohnzimmer?" erkundigt sich der Reporter.

"Jeep, sie freuen sich schon riesig darauf euch zu sehen! Gehen wir zu ihnen!" Die drei Freunde begeben sich wieder ins Wohnzimmer, wo das Ehepaar sofort herzlich empfangen wird. Auch Marguerite ist über das Ausmass von Veronicas Bauch erstaunt, doch freut sie sich sehr für ihre Freundin.

"Das ist Richard! Ich hab dir schon viel von ihm erzählt!" stellt Finn Veronica ihren Freund vor.

"Allerdings! Herzlich Willkommen in der verlorenen Welt!" Da Malone Richard bereits kennt und er ebenfalls in seinem Alter ist, freut er sich sehr über den neuen Gast.

"Ich habe eine Überraschung für euch. Richard und ich werden heiraten!"

"Was echt, wo ist dein Verlobungsring" freut sich Veronica, doch betrachte sie den Ringfinger ihrer Freundin skeptisch.

"Tja, das ist eine lange Geschichte... Ich konnte mich von Finn nicht trennen und so fragten wir meine Eltern um Erlaubnis. Sie sagten, ich dürfte nur mitgehen, wenn ich Finn heiraten würde. Allerdings konnte ich ihr noch keinen Antrag machen, es war alles einfach viel zu hektisch."

"Ich freue mich so für dich!" Veronica schliesst ihre Freundin in die Arme. Auch Jesse wünscht ihnen alles Gute und Malone ist ebenfalls von dieser Neuigkeit entzückt.

"Wir haben auch eine Überraschung für euch!" meint er schliesslich.

"Eigentlich sind es ja zwei!" hört man eine Frauenstimme sagen. Isadore steht im Türrahmen und hat das ganze Geschehen von dort aus beobachtet.

"Isadore, die Zigeunerin?" fragt Marguerite überrascht und ein bisschen entsetzt.

"Hallo Marguerite! Tag Roxton! Euch geht es wie ich sehe gut und eure gemeinsame Tochter sieht ebenfalls gut aus."

"Du hast davon gewusst?" fragt die Brünette verwirrt.

"Aber klar doch! Ich habe das alles gesehen. Dein Herzanhänger hat mir so vieles über dich verraten, vor allem die Sachen, welche dich und deine langersehnte Familie betreffen!"

"Wie schön das zuhören" schwindelt Marguerite, doch am liebsten würde sie nicht wollen, dass Isadore bereits so viel gesehen hat...

"Und was machst du hier?" fragt Roxton barsch.

"Ich war auf der Durchreise und dachte mir, dass ich euch wieder mal besuchen kommen könnte. Nun, das liegt jetzt schon etwa einen Monat oder so zurück."

"Aber du hast nicht vor hier weiterhin zu bleiben, oder?" fragt John bedenklich.

"Keine Angst, Lord Roxton, ich werde euch in vier Wochen wieder verlassen."

"Und wieso genau in vier Wochen?" will Finn wissen.

"Weil dann wieder Vollmond ist und dies der Tag ist an dem ich immer oder meistens den Ort wechsle, deshalb."

"Aha!" entfällt es George.

"Und was ist bei euch so passiert?" fragt Veronica gespannt.

"Marguerite ging für einen Monat nach Russland um einer Mafia das Handwerk zu legen" erzählt Finn freudig.

"Dabei traf sie auf James, ihren ersten Ehemann" übernimmt Roxton.

"Ist das nicht der, dem du bis nach Schanghai gefolgt bist!?" erinnert sich Veronica.

"Ja genau" bestätigt Marguerite.

"Ausserdem ist er Richards Bruder" wirft das Finny ein.

"Echt!? Dann bist du Richard Worthing?"

"Korrekt!"

"Zurück zu James, er wollte nicht, dass Marguerite die Scheidung einreicht" fährt Roxton fort.

"Was!? Du warst noch mit ihm verheiratet?" fragt Ned ganz geschockt.

"Das war ich!" gesteht die Brünette.

"Zum Glück hat sie sich dann für mich und Mailyn entschieden" erzählt der Lord weiter. "Dann reisten wir wieder nach Hause. Wir kamen in einen Sturm und dabei fiel Mailyn über Boot. Ich sprang ihr hinterher."

"Das ist ja schrecklich!" wirft Jesse entsetzt ein.

"Glücklicherweise fanden wir sie schon am nächsten Tag wieder... auf einer Insel, auf der ein Vulkan hauste" berichtet Finn.

"Da habt ihr aber viel erlebt in dieser kurzen Zeit" meint Veronica.

"Du hast es erfasst und darum bin ich jetzt auch hundemüde!" Der Professor gähnt vor sich hin.

"Dann sollten wir schlafen gehen" schlägt die Blondine vor.

"Ist das zweite Baumhaus schon fertig erbaut worden?" erkundigt sich Roxton.

"Das war die grosse Überraschung!" kommt es Ned wieder in den Sinn.

"Ja, die Zangas und Amazonen haben gute Arbeit geleistet. Das Baumhaus ist gestern fertig geworden" erzählt Jesse.

"Klasse! Dann können wir die heutige Nacht dort verbringen!" meint der Lord erleichtert.

"Ja, aber eure Sachen sind noch nicht eingerichtet, nur rüber transportiert worden"

"Kein Problem, Ned! Einräumen können wir dann auch morgen noch" sagt Marguerite bestimmt.

"Dann lasst uns rüber gehen" schlägt Finn vor und gemeinsam mit Richard und der Roxton Familie verlässt sie Veronicas Baumhaus über den Durchgang in der Luft, der die Häuser miteinander verbindet.

 

"Es ist wunderschön!" Marguerite und auch die anderen staunen nicht schlecht. Obwohl das Baumhaus wesentlich kleiner als das andere ist, gefällt es ihnen sehr.

"Ich glaube in diesem Zimmer werdet ihr schlafen!" ruft Finn von der einen Türe her der Roxton Familie zu.

"Und in diesem hier, werden wir wohl schlafen" meint Richard und blickt in einen kleinen Raum in dem ein Doppelbett steht. "Juhui! Endlich darf auch ich in einem Doppelbett schlafen!" Finn wirft sich sofort aufs Bett. "Schuhe ausziehen!" befiehlt Richard und schliesst die Türe.

"Oh, sorry, das habe ich ganz vergessen!" Finn zieht ihre schwarzen Stiefel aus und kriecht in ihrer gesamten Reisekleidung unter die Bettdecke. Währenddessen zieht sich Richard das Pyjama an, als er sich wieder zu seiner Freundin wendet, ist diese bereits eingeschlafen.

 

"Mailyn schläft bereits" flüstert Marguerite ihrem Mann zu und kuschelt sich zu ihm unter die Decke. Er nimmt sie in den Arm. "Gefällt dir das neue Baumhaus?" will die Brünette wissen.

"Ja, es ist klein aber fein!"

"Das kann man laut sagen! Hoffentlich schlafe ich so gut wie im Alten. Gute Nacht!" sagt Marguerite und schliesst die Augen.

"Danke gleichfalls und träum was Schönes" Roxton drückt seiner Frau noch einen Kuss auf die Stirn, dann fallen ihm ebenfalls die Augen zu.

 

Am nächsten Morgen ist Finn schon ganz früh wach und durchschaut die Kartons, welche Veronica mit Neds Hilfe gefüllt hat aus den Sachen ihren Freunden. Die Blondine ist super aufgeregt und würde am liebsten alles einrichten, was in ihr Zimmer gehört, doch Richard schläft noch und sie will ihn nicht wecken.

Zum Glück sind die Kartons angeschrieben, so muss Finn nicht lange nach ihren Sachen suchen.

"Schon wach!?" hört die Blondine eine Stimme fragen.

"Morgen Marguerite! Hast du gut geschlafen?"

"Ja, sehr wie ein Engel... und du?"

"Kaum war ich im Bett, da bin ich auch schon eingeschlafen. Hast du Lust auf einen Kaffee?"

"Gerne" Marguerite setzt sich an den Tisch, während Finn in der Küche den Kaffee zubereitet.

"Hier!" Sie streckt ihrer Freundin die Tasse mit der bräunlichen Flüssigkeit hin.

"Danke, das ist lieb von dir!" Die Brünette kostet. "Schmeckt gut! Wie ich sehe, hast du bereits die Kartons nach Namen sortiert" bemerkt Marguerite.

"Ja, glücklicherweise hat Veronica alles beschriftet, sonst wäre ich jetzt noch mit Suchen beschäftigt."

"Sie haben also tatsächlich alles aus meinem Zimmer rausgenommen" meint Marguerite bedenklich.

"Ja, wieso hast du ein Problem damit?" fragt die Blondine unsicher.

"Nein, es ist nur... naja, es ist das erstemal, das jemand meine Sachen zusammen räumt und dabei nicht sauer auf mich ist."

"Echt!? Ist dir das schon öfters passiert?"

"Ein paarmal, aber meistens habe ich meine Sachen selbst gepackt und die Menschen... hauptsächlich Männer verlassen." Finn ist dieses Thema unangenehm, darum versucht sie ihre Freundin jetzt abzulenken: "Du hast am meisten Gepäck. Ist mir nur so aufgefallen!"

"Schon möglich, ich habe eine Unmenge an Kleidern und Diamanten."

"Ich weiss. Sollen wir gemeinsam das Baumhaus einrichten und die Männer auf die Jagd schicken?" fragt Finn hoffnungsvoll.

"Von mir aus, aber das Einräumen wird bestimmt lange dauern."

"Egal, so können wir wieder mal ein bisschen Zeit zusammen verbringen."

"Gute Idee!"

"Meinst du Veronica hilft uns?" fragt das Finny unsicher.

"Vielleicht, kommt ganz drauf an, wie es mit ihrem Bauch und dem Bücken steht."

"Und Isadore?"

"Nein, sie würde ich lieber nicht dabei haben!"

"Wieso eigentlich nicht? Sie scheint nett zu sein!"

"Das mag schon sein, aber du hast ja gehört, sie muss nur ein persönliches Ding von jemandem anfassen und sieht bereits Visionen aus der fernen Zukunft."

"Oh nein, dann lieber nicht. Ich will meine Zukunft selbst gestalten und nicht nach Prophezeiungen leben!"

"Diese Einstellung gefällt mir!"

"Ihr jagt uns aus dem Haus?" fragt Roxton bestürzt über die Tatsache jetzt schon wieder auf die Jagd gehen zu müssen.

"Jeep! Wir wollen einen Frauentag veranstaltet und dabei das Baumhaus einrichten und da können wir euch Männer nur schlecht gebrauchen!"

"Aber Finn, ich weiss ja gar nicht wie man jagt, geschweige denn wie man eine Waffe bedient."

"Ach das wird kein Problem sein. John kann dir alles beibringen!" sagt Marguerite bestimmt.

"Tatsächlich!? So denkst du also von mir?"

"Ja, John, so denke ich von dir und nun macht einen Abflug!"

"Aber...." will Roxton protestieren, während Marguerite ihn aus der Türe schiebt. Finn drückt ihm die Waffen in die Hand.

"Viel Spass!" Die Brünette schliesst die Türe hinter ihnen ab.

"Das ist gemein!" hört sie den Lord rufen und an die Türe poltern.

"Bis am Abend!" sagt Finn und kann sich dabei ein Lachen nicht verkneifen. "Was denkst du, wie lange werden sie noch dort draussen bleiben und Däumchen drehen?" erkundigt sich die Blondine.

"Na, hoffentlich nicht allzu lange, schliesslich wollen wir heute Abend doch etwas essen, oder sehe ich das falsch!?"

"Nein natürlich nicht!"

Draussen vor der Türe fragt Richard den Lord. "Werden sie uns wieder hereinlassen und alles war nur ein Scherz?"

"Sieht nicht so aus. Tja, dann müssen wir eben doch auf die Jagd gehen, schliesslich will ich heute Abend nicht verhungern. Vielleicht wird uns sogar Malone begleiten, wenn wir ihn lieb fragen!"

"Na, dann worauf warten wir noch!" sagt Richard fest entschlossen und läuft den Durchgang entlang.

 

Die beiden Frauen konnten Veronica dazu überreden bei der Einräumarbeit zu helfen. Sie beschäftigen sich gerade mit Finns Zimmer und unterhalten sich dabei angeregt über das Erlebte in der Abwesenheit von Marguerite und der Blondine.

"Was du bist hingefallen?" fragt das Finny geschockt.

"Ja, Malone und ich wollten vor der Saurierdame fliehen, als ich stolperte. Anfangs konnte ich nicht aufstehen und ich spürte ein fürchterliches Stechen in meinem Bauch" erzählt Veronica ihren Freundinnen.

"Und wie geht es deinem Bauch?" fragt Marguerite entsetzt.

"Wieder besser. Gott sei Dank. Zum Glück habe ich keines der Babys verloren, glaubt mir, das wäre mein Ende! Ich will nicht noch jemanden von meiner Familie verlieren und ich habe mich doch schon so sehr an die beiden gewöhnt!"

"Ja... ich kenne dieses Gefühl" schwelgt die Brünette in Erinnerungen. "Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich Mailyn mehr verbunden bin, als John es jemals sein wird."

"Was ist mit dir Finn, willst du später auch mal Kinder haben?" will die Blondine wissen.

"Ja, einen kleinen Knaben, dem ich das Armbrust schiessen und kämpfen beibringen kann."

"Und wie soll er heissen?" erkundigt sich Marguerite.

"Mir gefällt William sehr oder Lukas, vielleicht auch Elias. Ach ich habe noch keine Ahnung wie er heissen soll, aber ein oder zwei Kinder will ich schon."

"Und was ist mit dir, Marguerite?" hakt Veronica nach. Während sie das Bild mit dem Titel Meine Heldin, welches Mailyn Finn geschenkt hat, an die Wand hängt.

"Ich bin zufrieden mit meiner Tochter und möchte eigentlich kein zweites."

"Und was sagt Roxton dazu?" fragt das Finny.

"Tja, der würde am liebsten ein Duzend haben, aber ich bin mit Mailyn gedient. Sie ist und bleibt einzigartig!"

"Wo ist sie überhaupt?" will Finn wissen.

"Noch am Schlafen. Die lange Reise hat sie sehr müde gemacht. Was ist bei euch sonst noch so passiert?"

"Ach nicht viel, ausser eben dass Isadore bei uns eingezogen ist. Das könnt ihr euch nicht vorstellen, sie ist gekommen und hat sich doch gleich bei uns niedergelassen und dann noch ohne zu fragen."

"Einfach unerhört, aber sie war schon immer so!"

"Vielen Dank für deine Meinung, Marguerite, ich wusste von Anfang an, dass du mich nicht mögen würdest." Isadore steht im Türrahmen und schaut den Frauen bei der Arbeit zu.

"Wer hat dir erlaubt hier einfach hereinzuschneien?" fragt die Brünette barsch.

"Du bist wie dein Ehemann, auch so grob und gemein zu mir. Ich habe euch ja gar nichts gemacht."

"Ach nein!? Ich hätte wegen dir fast John erschiessen müssen!"

"WAS!?" Finn ist geschockt. "Wann ist das denn passiert?"

"Vor gut fünf Jahren" erzählt Veronica. "Marguerite und Roxton wurden von einer Zigeunertruppe gefangen genommen. Malone musste gegen den Boss dieser Gruppe ums Leben kämpfen... entweder er oder der andere, wenn du verstehst, was ich meine. Zum Glück hatte mir Isadore dann doch noch geholfen, aber zuerst wollte sie den Ernst der Lage nicht sehen."

"Ich wusste doch, dass Malone gewinnen würde, warum regt ihr euch so darüber auf. Das ist Schnee von gestern" verteidigt sich die Zigeunerin.

"Isadore, ich glaube, es wäre besser, wenn du uns in Ruhe lassen würdest!" sagt Finn bestimmt.

"Wenn ihr das unbedingt wollt..."

"Ja, das wollen wir! Und Tschüss!" Marguerite deutet auf die Türe. Die Rothaarige verlässt widerwillig das neue Baumhaus.

 

Malone hat zugesagt. Challenger haben sie auch noch gefragt, doch er will lieber die Zeit mit Jesse verbringen, was sie ihm nicht verübeln können.

"Und was werden wir jagen? Dinosaurier?"

"Nein, nein, das hatten wir schon gestern zum Abendessen. Heute gibt es eine zarte Putenbrust."

"Ach so. Ist es schwer so einen Vogel mit der Flinte zu treffen?"

"Nö, ich schaffe das in 5Minuten" gibt der Lord an.

"Aber er ist auch ein ausgebildeter Grosswildjäger. Ich als Fortgeschrittener brauche meistens zwei Anläufe. Für einen Schuss mit berechnen und zielen vergehen rund 15Minuten."

"Und für Anfänger?" will Richard wissen.

"Drei bis vier Anläufe, vielleicht aber auch mehr."

"Beruhigend Roxton, das ist wirklich beruhigend." Mit einem entsetzten Gesichtsausdruck läuft der junge Herr weiter.

"Na, das kann mir ja heiter werden" meint Roxton zu Malone im Flüsterton.

 

"Jetzt haben wir mein Zimmer und das Badezimmer fertig eingerichtet, fehlen uns nur noch die Küche, das Wohnzimmer und das Zimmer von der Roxtonfamilie" hält Finn die geleistet Arbeit fest. "Was meint ihr schaffen wir das bis zum Abendessen?"

"Ich denke nicht, darum lassen wir mein Zimmer vorläufig aus, das kann ich immer noch mit John einrichten."

"Aber Marguerite wir wollten das doch gemeinsam tun" protestiert Finn.

"Ja, ich weiss und es tut mir auch schrecklich leid, dass ich das Versprechen brechen muss, aber ich will nicht, dass ihr in meinen Sachen herumwühlt. Okay?"

"Sicher, das verstehen wir" meint Veronica verständnisvoll und wendet sich wieder der Arbeit zu. Marguerite macht es ihr gleich. Finn ist zwar beleidigt, doch sie akzeptiert den Wunsch ihrer Freundin.

 

"Ich habe dich sehr vermisst" gesteht der Professor seiner Frau.

"Tatsächlich? Ich habe dich auch vermisst."

"Glaub mir, ich habe dich mehr vermisst. Ich wollte doch dieses Projekt mit der Rakete durchführen, doch es hätte zu lange gedauert und so habe ich mich für dich entschieden!"

"WAS!?" fragt Jesse schockiert. "Du hast dich für mich und gegen die Wissenschaft entschieden?"

"Ja, sonst wäre ich jetzt nicht hier!" grinst George seine Frau an.

"Ich danke dir!" Sie umarmt ihn.

"Weshalb? Das war doch selbstverständlich."

"Nein, war es nicht, George. Ich weiss wie sehr du an der Wissenschaft und Dinosauriern hängst und ich hätte dich niemals darum gebeten, dass du die grösste Erfindung des Jahrhunderts wegen mir fallen lässt... natürlich habe ich oft gehofft, dass es eines Tages so kommen würde, aber ich hätte es nicht so früh erwartet."

"Früh? Jesse ich werde bald sechzig, das ist nicht früh, das ist beinahe schon zu spät! Ich wäre mit 63Jahren sowieso pensioniert worden. Es war höchste Zeit einen Schlussstrich zu ziehen. Das Wichtigste habe ich bei mir."

"Und das wäre?" fragt Jesse neugierig.

"Du, meine geliebte Frau, Finn, mein Mädchen aus der Zukunft, alle Expeditionsmitglieder an einem Ort und zwar in der verlorenen Welt, das geheimnisvollste Plateau, dass die Menschheit je gefunden und gesehen hat. Ausserdem können wir jederzeit nach London zurückkehren. Ich bin froh, diesen Weg genommen zu haben und werde es bestimmt nie bereuen!"

6.20 Erinnerungen

"Jippie! Ich habe einen erlegt!" ruft Richard stolz und hält den Vogel in die Höhe.

"Sehr gut!" meint Malone und klopft ihm anerkennend auf die Schulter.

"Und das für einen Anfänger... nicht schlecht."

"Wow, Roxton, dass aus Ihrem Mund zu hören. Ich fühle mich geehrt" sagt der junge Herr dankbar. Der Lord nickt ihm zu.

"Dann können wir jetzt nach Hause gehen" behauptet der Reporter. "Schliesslich haben wir, oder besser gesagt habt ihr, zwei Vögel erlegt."

"Nächstes Mal wirst du auch wieder treffen" versichert Roxton Ned.

"Na hoffentlich! Lasst uns jetzt gehen."

 

Das ganze Baumhaus ausser das Zimmer der Familie Roxton ist bereits eingerichtet. Finn und Veronica haben es sich in der Küche gemütlich gemacht und warten auf ihre Männer, während Marguerite ihr Zimmer einrichtet. Als sie so die Kartons durchstöbert findet sie eine Truhe. fragt sie sich und öffnet sie. Die Brünette findet einen Zettel, darauf steht:

Die schönsten und bewegendste Momente zwischen mir und Marguerite

"Oh Gott, dass kann mir ja heiter werden!" meint Marguerite und findet als Erstes eine rote Frucht. "Das ist doch diese gefährliche Frucht aus dem Paradies, die einem ewige Jugend und Schönheit verspricht..."

Marguerite küsst Roxton, doch er küsst sie nicht zurück, statt dessen schaut er sie misstrauisch an. "Du hast zu viel Wein getrunken!"

"Es ist nicht Wein, John... mhm, vielleicht doch, aber das erste Mal in meinem Leben kann ich alles so klar sehen. Ich sehe dich, ich sehe mich. Bitte, ich will nicht wieder so wie früher sein, lass mich einfach mich selbst sein... nur für diese eine Nacht." Marguerite zieht Roxton zu sich auf die Bettkante. Dann küsst sie ihn, doch wieder hält der Lord inne. "Malone..."

"...kann auf sich selbst aufpassen!" beendet sie den Satz. Der Lord kann ihr nicht länger widerstehen und schliesslich fallen die beiden in einen leidenschaftlichen Kuss. Plötzlich hört Roxton, wie jemand eine Harfe beginnt zu spielen und horcht auf. "Was ist?" will Marguerite wissen.

"Weshalb wird gefeiert?" Marguerite lacht ihn an. "Später!" sagt Roxton und gibt ihr einen kurzen Kuss auf den Mund. "Später, was meinst du mit später?" Roxton verlässt das Zelt. "Roxton!" sie rennt ihm bis zum Ausgang hinterher, bleibt dort aber stehen. "Ich hab dir mein Herz geöffnet! Verdammt, niemand lässt mich sitzen!" meint sie wütend, aber bestimmt.

"Wie konnte ich damals nur so blöd sein und nicht verstehen, dass es wichtiger war Malone zu finden... Ich hätte Roxton helfen sollen, aber diese blöde Frucht hat mich wie unter eine Droge gesetzt." Sie schmeisst die Frucht wütend aufs Bett und nimmt einen Dolch aus der Truhe. "Aber das ist doch der Dolch von Fortritt..."

Marguerite stürzt sich vor Gawain um ihn zu schützten. Der Dolch trifft sie an der rechten Schulter, sie lässt sich auf ihre Knie fallen. Währenddessen ersticht Roxton Fortritt mit seinem Schwert und kniet sich dann ebenfalls zu Marguerite hin. "Marguerite!?" Roxton zieht ihr den Dolch raus.

"Mein Ritter Lanzelot ist gekommen!" sagt die Brünette und lässt sich bewusstlos in Roxtons Arme fallen.
"Alles wird gut, du wirst sehen!"

"Ja, zum Glück ist alles nochmals gut gegangen, was habe ich mir nur dabei gedacht, mich vor Gawain zu stürzen. Okay, ich wollte IHN, den König von Camelot retten, aber im Nachhinein war das eine ziemlich riskante Sache!" Sie legt den Dolch auf die Seite und wühlt in der Truhe umher. Ein blaues Stoffteil verfängt sich um ihre Hand, die Knöpfe wurden abgerissen "Das suche ich schon lange. Wann habe ich das denn das letzte Mal getragen und warum ist es hier drinnen!? Jetzt fällt es mir wieder ein, diese Bluse habe ich getragen, als ich von dieser blonden Kriegerin fast getötet wurde..."

Roxton und Marguerite liegen in einem Zelt, da es ziemlich kalt ist, hat Roxton Marguerite angeboten, unter seine Decke zu schlüpfen. Sie liegen beide auf dem Rücken, als die Brünette plötzlich fragt: "Ist das dein Knie?"

"Oh... Entschuldigung."

"Nein, nein, schon okay. So wird mir wenigstens ein bisschen wärmer. Und du?"

"Ja, ja, ein bisschen! Vielleicht hilft noch mehr Körperwärme!" Er wendet sich auf die Seite, Marguerite rückt zu ihm hinüber und lächelt dabei. "Willst du nicht noch etwas näher kommen?"

"Ich nehme dich wohl besser in den Arm." Roxton legt seinen Arm um ihre Schulter.

"Ja, so ist es besser" meint die Brünette. Dann fallen die beiden in einen leidenschaftlichen und langen Kuss...

 

"Hey, da seid ihr ja wieder!" meint Finn erleichtert, springt vom Stuhl auf und umarmt Richard überglücklich.

"Stell dir vor, ich habe einen dieser Vögeln erschossen!"

"Klasse! Ich bin stolz auf dich! Dann können sie dich von nun an immer mit auf die Jagd nehmen."

"Danke für das Angebot, aber ich glaube, dass ich mehr Glück hatte, als Können."

"Ach nun tu nicht so bescheiden, ausserdem muss jeder von uns einen Job ausführen, der mit Nahrung was zu tun hat. Veronica und ich beispielsweise sind im Garten tätig. Roxton und Malone sind für die Jagd zu ständig, Jesse und Marguerite kochen regelmässig und Challenger versucht einen Nahrungsmittelersatz zu erfinden."

"Was, er ist immer noch damit beschäftigt?" fragt Roxton überrascht.

"Besser gesagt, schon wieder. Aber dieses Mal soll es was zu Essen sein und nicht was zu trinken."

"Und probiert es an sich aus?" will Veronica schockiert wissen.

"Nein, nein, die Mäuse helfen ihm dabei!" schaltet sich nun Malone ins Gespräch ein.

"Du hast davon gewusst?" fragt die Blondine erstaunt.

"Ja, er hat mich gestern noch darüber informiert, bevor er ins Bett gegangen ist."

"Ach so! Dann lasst uns jetzt kochen gehen." Mit diesen Worten verlassen Malone und Veronica das neue Baumhaus.

"Richard, übernimmst du für heute das Kochen?" fragt Roxton.

"Okay!"

"Ich geh dann mal zu Marguerite. Übrigens ihr habt das hier schön eingerichtet."

"Danke!" Finn strahlt übers ganze Gesicht. Roxton geht in sein Zimmer.

 

"Was machst du da?" fragt der Lord.

"Oh! Hast du mich aber erschreckt... ich... ähm... nun ja... ich wollte unser Zimmer einrichten und bin dabei auf diese Truhe gestossen." Sie lächelt ihn verzweifelt an. "Bist du sehr sauer?"

"Warum sollte ich wütend auf dich sein, ist doch nichts passiert."

"Aber ich habe in deiner Privatsphäre herumgewühlt."

"Schatz, du bist meine Frau, da sollte ich keine Geheimnisse vor dir haben."

"Aber, das habe ich doch auch!" meint Marguerite ungläubig.

"Frauen ist es erlaubt, Geheimnisse zu haben!"

"Wirklich?" fragt die Brünette unsicher. Roxton nickt ihr zu. "Ich geh dann mal kochen!" meint Marguerite und will gerade das Zimmer verlassen, als der Lord sie zurückhält. "Richard kocht!"

"Soll nicht ich, ich meine er hat schon dafür gesorgt, dass wir was zum Essen haben."

"Marguerite, entspanne dich. Ich bin froh, dass du diese Truhe gefunden hast, nun lass uns die restlichen Erinnerungen anschauen, okay?"

"Von mir aus!" Roxton geht zur Truhe hin und nimmt eine Vodoopuppe mit Marguerites Ring daraus hervor.

"Hier steckt also die Puppe. Warum hast du das denn aufbewahrt?"

"Nun ja, in erster Linie wollte ich mich bei dir rächen, weil du mir höllische Schmerzen zugefügt hast, doch dann ist mir klar geworden, dass du mich damals vor meinem sicheren Tod gerettet hast und dafür bin ich dir bis heute noch dankbar."

"Ach nicht der Rede wert. Das hätte doch jeder für dich getan" verteidigt sich die Brünette.

"Schon möglich, aber im Endeffekt warst du es, die mich gerettet hat." Roxton beugt sich wieder über die hölzerne Schatulle und dieses Mal kommt ein Hemd von Roxton zum Vorschein. Das Hemd hat auf der linken Seite ein Loch.

Marguerite kniet neben Roxton, der auf deiner Pritsche liegt und streichelt seinen Kopf. Jetzt öffnet John seine Augen. "Weißt du was, ich träumte, dass du mich mit Trauben gefüttert hast und das am

Ufer eines Flusses." Marguerite schenkt ihm ein Lächeln, schaut sich dann die Wunde in Roxtons linker Schulter an. Das Lächeln verschwindet aus ihrem Gesicht. "Ja, das sollten wir jetzt eigentlich tun." Roxton hebt die Hand und streicht Marguerite über die Wange. "Du hast mir mein Leben gerettet."

"Du... du hast mir versprochen, mich vor dem Henker zu schützen." verteidigt sich die Brünette wie so oft. "Oh… ist das der einzige Grund?"

Marguerite schüttelt den Kopf und meint: "Nein." Der Lord zieht sie näher zu sich heran und schliesslich küssen sie sich. Nachdem sie sich voneinander gelöst haben, meint Roxton: "Ah... ich sollte mehr erschossen werden!" Marguerite lacht verzweifelt auf. "Nicht bevor wir hier rausgekommen sind."
"Ich bin tatsächlich am Träumen!" gibt Roxton von sich. Marguerite küsst seine Stirn.

"Und schon wieder hast du mir das Leben gerettet."

"Ja, und von da an, haben wir uns dann auch geduzt."

"Genau, jetzt erinnere ich mich wieder. An diesem Abend bist du in mein Zimmer gekommen und hast die erste Nacht bei mir verbracht."

"Ja, aber dann ging es wieder ne Zeit lang, bis ich soweit war bei dir zu übernachten!"

"Und nun kommen wir zum nächsten Goldstück... dein blaugrünes Halstuch!"

"Oh ja, du weißt bis heute nicht, wo mein Schatz, der Piratenschatz versteckt ist, aber eines Tages... werde ich es dir zeigen!"

"Das hoffe ich doch schwer! Magst du dich überhaupt noch erinnern, wo du es vergraben hast?"

"Sicher, so was vergesse ich doch nicht!"

"Stimmt, und schon sind wir bei der nächsten Erinnerung." Roxton hält ein Blattpapier in der Hand, worauf Lady Marguerite Roxton steht.

Die vier Freunde stehen an der Ruine des Gottes Omak, die einst ein wunderschöner Tempel gewesen sein musste .

Marguerite bekommt von Veronica eine Statue mit der Begründung: "Er wollte dich zerstören, so wie er all die anderen zunichte gemacht hat. An deiner Stelle wäre ich glücklich!"
Marguerite schaut die rötlich Statue angewidert an. "Ich und glücklich? Ich habe alles verloren, meine ganzen Schätze! Nimm du sie!" Die Brünette überreicht Challenger das Ding, er geht damit davon. Jetzt holt Roxton ein Stück Papier hervor und sagt gelassen: "Nicht ganz."
"Was ist das denn?" fragt Marguerite überrascht.

"Ein Geheimnis." er geht auf sie zu. "Wahrscheinlich dein wertvollstes überhaupt." Er reicht es Marguerite, sie entfaltet es und liest für sich, was darauf steht: Lady Marguerite Roxton.

"Du denkst, dass ich deine Frau sein will?"
"Es ist mehr der Wunsch noch mehr über dich zu erfahren."

Marguerite ganz abschätzig: "Lady Marguerite Roxton… Ich hab nicht an dich gedacht, sondern an dein Vermöge,n John." Roxton nimmt Marguerite den Zettel weg. "Ich behalte es mal, man kann nie wissen." Er geht weg und pfeift dabei das Hochzeitlied.

"Und jetzt bin ich tatsächlich mit dir verheiratet!" meint Marguerite in Gedanken schwelgend.

"Ja. Nun im Ernst, was bedeutet dieser Zettel... hast du dabei an mich oder an mein Vermögen gedacht?" Roxton schaut sie erwartungsvoll an.

 

"Essen ist fertig!" Jesse hat den Vogel bereits gebraten und die Kartoffeln gedämpft, im Gegensatz zu Richard, der immer noch damit beschäftigt ist, die Kartoffeln zu schälen. Obwohl Finn ihm dabei hilft, kommen sie nicht wirklich vorwärts.

"Mhm, Jesse, das sieht einfach köstlich aus!" meint Challenger und setzt sich hin, auch Isadore hat bereits Platzt genommen. Malone und Veronica kommen nun ebenfalls ins Esszimmer. "Na, wie geht es dir?" erkundigt sich Isadore. Es scheint so, als wäre sie nicht mehr traurig, darüber, dass sie nicht mithelfen durfte beim Einrichten.

"Mir und den Zwillingen geht es gut. Momentan schlafen sie gerade und boxen nicht immer gegen meinen Bauch, das kann echt anstrengend sein."

"Das glaube ich dir" meint Ned mitfühlend.

"Hey George, wie weit bist du schon mit deinem neuen Nahrungsmittelersatz gekommen?" erkundigt sich Veronica.

"Ach, es will einfach nicht, aber ich lasse mich deswegen nicht stressen. Ich geniesse es erstmals wieder hier zu sein!" Während er das sagt, zwinkert er seiner Frau zu.

"Wir haben verstanden" behauptet Malone und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie beginnen mit dem köstlichen Abendessen.

 

"Damals, ich weiss nicht mehr..."

"Ach komm schon, sag die Wahrheit, warst du damals schon in mich verschossen? Wann hast du es überhaupt geschrieben?"

"Okay! Okay! Ich habe es damals geschrieben, als du dem Kapitän des Luftschiffes eine rüber gehauen hast, als ich merkte, wie sehr du mich magst."

"Und was hast du dabei gedacht... Geld oder Liebe?"

"Definitiv Geld!" Als Marguerite dies sagt, verschwindet die gute Laune aus Roxtons Gesicht. "Kleiner Scherz, ich wollte sehen, wie du reagierst... natürlich war es Liebe, was denn sonst! Ich bin keines Wegs geldgierig!" behauptet die Brünette.

"Ach ja!?"

"Okay, vielleicht ein klein wenig, aber nicht mehr so extrem wie früher!"

"Angenommen! Hier, habe ich noch was... und zwar eine Kokosnuss!"

"Eine Kokosnuss, von wo hast du die denn schon wieder her?" fragt Marguerite erstaunt.

"Wir waren am Strand..."

Marguerite liegt in einer Hängematte und gönnt sich einen kühlen Drink aus einer Kokosnuss, während Roxton eine Sandburg baut. Die Brünette ergreift das Wort: "Es ist zwar nicht Briton Beach, aber wenigstens genau so schön."
"Den Strand habe ich auch entdeckt."

"Willst du damit sagen, dass wir jetzt öfters herkommen sollten?"

"Von mir aus sogar jeden Tag!" Roxton geht zu ihr hinüber. Er hilft ihr von der Hängematte aufzustehen und zieht sie hinter sich her: "Komm mit, lass uns schwimmen gehen!"
"Aber ich habe keinen Badeanzug dabei!" protestiert Marguerite.
"Wen stört das, wir sind alleine. Das wäre ja nicht das erste Mal."

"Damals kannte ich dich noch nicht."

"Inzwischen kennst du mich schon eine Ewigkeit!" Wirbelt sie um sich herum. Beide beginnen zu lachen. "Um ehrlich zu sein, es hat mich sehr beeindruckt, wie mutig du warst" gesteht der Lord.

Marguerite läuft um ihn herum, er verliert sie dabei nicht aus den Augen. "Und ich war nicht minder beeindruckt, was für ein Gentleman du warst."

"Ah!" er wendet sich zu ihr.

"Ich hab noch ganz genau das Bild vor Augen, wie du versucht hast aus Anstand in die andere Richtung zu blicken."

"Das war gar nicht so einfach und das wusstest du genau, so wie heute!" Marguerite gibt ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen. "Also gut, ich verspreche dir wieder den Anstand zu wahren." Während er das sagt, kreuzt er hinter seinem Rücken die Finger. Er geht um sie herum, die Brünette zögert zuerst, doch dann öffnet sie entschlossen ihre Bluse...

"Hättest du damals eigentlich den Anstand gehabt wegzuschauen, wenn der Mann nicht gekommen wäre? Oder hättest du mich beobachtet?"

"Ich hätte dich beobachtet!" gibt Roxton ohne zu zögern zu.

"Wow, das kam ja wie aus der Pistole geschossen."

"Ich liebe deinen Körper, deine Schönheit einfach alles an dir und DAS... bringt uns sogleich zur nächsten Erinnerung."

"Der Sheriffstern!" entdeckt Marguerite das rostige Metall in Roxtons Hand.

Roxton und Marguerite sitzen auf der Bank auf dem Balkon. "Bist du etwa eifersüchtig?" fragt er schadenfroh.

"Was... auf ein Landei!?"

"Sie war die schönste Frau, die mir je begegnet ist" behauptet Roxton.

"Du hast gesagt, dass sie genau so aussieht wie..." Marguerite stoppt. Roxton zieht seine Augenbrauen nach oben. "...ich!" Ihr ist gerade aufgefallen, was dies zu bedeuten. Sie lacht erleichtert und peinlich berührt so gleich vor sich hin. "Lass uns einfach den Sonnenuntergang geniessen." meint der Lord.

"Oh Gott, so peinlich!"

"Ich fand es süss" beruhigt Roxton sie.

"Ich war rasend vor Eifersucht, und du hast es gemerkt... das ist peinlich!"

"Wenigstens wusste ich so, wie viel ich dir bedeute."

"Okay, das stimmt auch wieder."

"Essen!" hören sie Finn rufen.

"Hast du schon Lust was zu essen, oder sollen wir hier weitermachen?" fragt Marguerite ihren Mann. "Bleiben wir hier" entscheidet sich Roxton. "Wir kommen später essen, ihr könnt schon damit beginnen!" ruft der Lord Finn zu.

"Na toll, jetzt haben wir uns solche Mühe gemacht und was ist der Dank dafür" meint Finn beleidigt.

"Egal, soll ich dich füttern?" fragt Richard hoffnungsvoll.

"Ich bin zwar kein Kind mehr, aber für dich könnte ich eine Ausnahme machen."

 

"Das war lecker, Jesse" lobt Isadore die ältere Dame. "Ich werde dann mal schlafen gehen. Gute Nacht, allerseits!" Mit diesen Worten verabschiedet sich die Rothaarige von den Freunden und begibt sich ins Gästezimmer.

"Ich glaube, ich hau mich auch aufs Ohr" sagt Veronica. "Ned, kommst du mit?"

"Ja, ja. Dann bis morgen. Schlaft schön ihr beiden." Das Ehepaar verlässt Challenger und Jesse.

"Und was sollen wir noch machen?" fragt Madame Challenger ihren Mann.

"Wie wäre es mit einem Toast... auf uns!"

"Eine gute Idee!"

 

Marguerite wühlt weiter in der Truhe und findet ein hölzernes Kärtchen mit zwei chinesischen Zeichen drauf. "Was ist das denn, doch nicht etwa die Visitenkarte von Kallum?" fragt Marguerite schockiert.

"Du hast es erfasst!"

Marguerite begibt sich auf den Balkon und schaut Veronica nach, wie sie ihr zu Hause verlässt. Roxton folgt der Brünette nach draussen.

"Es tut mir leid, aber ich muss dich fragen. Es geht um die Geburtsurkunde, die Kallum erwähnt hat." "Ich weiss, dass du das wissen willst. Du hattest Recht, Xhan hatte meine Geburtsurkunde. Ich wollte den Oroborus dafür eintauschen."

"Du hast deine Geburtsurkunde niemals gesehen, du weißt nicht..."

"Ich weiss überhaupt nichts... ehrlich!" meint die Brünette verzweifelt.

"In dieser Höhle war das, was du brauchtest direkt vor dir, du hättest es nur aufheben müssen. Du bist doch nur auf dieses Plateau gekommen, weil du unbedingt dieses Medaillon finden wolltest.."

"Hiergeblieben bin ich jedoch aus einem anderen Grund." Marguerite lässt einen tiefen Seufzer hören.

"Wann immer du bereit bist.... deine Geheimnisse sind bei mir gut aufgehoben!" versichert Roxton der Brünette. Dann lässt er sie alleine auf dem Balkon zurück, sie lächelt und ist erleichtert.

"Und hat es sich gelohnt, dass du mir deine Geheimnisse anvertraut hast?" fragt John seine Frau.

"Ja, es war die beste Investition meines Lebens!" gesteht die braunhaarige Schönheit.

"Das glaube ich dir gerne. Glücklicherweise weißt du jetzt, wie du heisst!" schliesst Roxton diese Erinnerung ab.

"Ja. Schon merkwürdig, ich kann mir ein Leben ohne Name gar nicht mehr vorstellen... Danke, dass du für mich da bist... in guten wie in schlechten Zeiten!" Marguerite kullern ein paar Träne über die Wangen. Roxton küsst eine davon weg. "Schatz, jetzt ist doch alles gut... du musst nicht weinen."

"Ich will ja gar nicht weinen. Ich bin einfach nur erleichtert."

"Schon klar! Hier sie mal eine Dose mit Schlamm!"

"Und dazu ein Büschel von Giftzumach."

"Pass bloss auf, dass du keinen Ausschlag davon erhältst, ansonsten musst du wieder ein Schlammbad nehmen und das wäre dann schon das dritte Mal!" mahnt Marguerite ihren Mann.

Marguerite und Roxton nehmen gerade ein Schlammbad, dass den Juckreiz vermindern soll. "Es ist widerlich!" protestiert die Brünette.

"Ja, aber es fühlt sich gut an" verteidigt John diese Methode. Beide lachen.

"Ich glaube der Juckreiz ist weg" meint Marguerite schliesslich. "Aber was den Ausschlag betrifft, dass kann ich noch nicht genau sagen." Sie lässt wieder einen Lacher von sich hören.

"Das werden wir sehen, wenn wir den Schlamm nachher im Fluss abgewaschen haben" schwafelt Roxton gelassen vor sich hin. "Wir!?" fragt Marguerite und rückt näher an ihn heran.

"Oh nein, Marguerite, bitte, nicht hier drin!"

"Also wirklich, du denkst immer nur an eines!" Während sie dies sagt, schiebt sie eine Ladung Schlamm auf Roxton. Es beginnt eine Schlammschlacht zwischen den beiden.

"Ich werde jetzt schwimmen gehen und du wirst schön hierbleiben und zwar bis ich fertig bin! Okay?" droht sie ihm spielerisch."Gerne!"

"Und mach die Augen zu!" Marguerite will aus dem Schlamm steigen, als sie den Blick von Roxton bemerkt, sie wendet sich wieder zu ihm hin. "Ich schmier dir Schlamm auf die Augen, wenn du sie nicht zu machst, hörst du!"

"Danke, dass mach ich alleine!" Roxton befolgt sein Versprechen. Doch als die Brünette schlussendlich doch aussteigt, guckt er ihr hinterher.

Die braunhaarige Schönheit steht hinter den Gebüschen, als sie bemerkt, dass ihre Kleidung gestohlen wurde. "John!?"

"Was ist denn?" Er will gerade auch raussteigen.

"Nicht hersehen" mahnt Marguerite ihn. "Jemand hat unsere Sachen gestohlen." Er schaut wieder hin. "Ich sagte nicht hersehen!"

"Oh... tut mir leid!"

"Das war lustig! So gelacht hatte ich damals schon lange nicht mehr."

"Geht mir genau so" stimmt der Lord seiner Frau zu. Die Brünette findet ihren geliebten Diamanten. "Wie kommt denn den hierhin, ich dachte, dass du mir ihn wieder zurückgegeben hast."

"Ich konnte nicht, nicht nachdem was ich dir angetan habe, als ich dir diesen wieder zurückgeben wollte und du mir dann die Geschichte mit den Scheidungspapieren und dem Geld auf dem Nachtisch erzählt hast."

"Ja, aber wie du es angestellt hast war schon lustig und schön, ich habe es total genossen. Eigentlich war ich zur jener Zeit selber Schuld."

Roxton sitzt auf seinem Bett und hält die Diamanten von Marguerite in der Hand. fragt er sich ungläubig. Er schreckt aus seinen Gedanken auf, als er ein Klopfen an der Türe hört. Er versteckt die Diamanten in seiner Hosentasche. "Herein!" Marguerite betritt den Raum und kommt sofort zur Sache.

"John, ich weiss doch, dass du sie hast, wieso gibst du sie mir nicht einfach wieder zurück?" fragt sie ihn sehr höflich.

"Nun, ich werde dir die Diamanten zurückgeben, aber nur unter einer Bedingung..."

"Und die wäre?"

"Also, ich möchte, dass du eine Woche lang so tust als würde ich dir etwas bedeuten."

"Und das tat ich dann auch!"

"Ja genau. Aber die Wand war immer noch zwischen uns... zumindest bis zu Weihnachten hin. Schau" Roxton hält ihr einen Zettel hin worauf steht: Ich wünsche mir, dass die Wand zwischen mir und Marguerite ganz verschwindet. "Das habe ich mir damals gewünscht."

"Und der Wunsch ging in Erfüllung" schlussfolgert Marguerite.

25.Dezember, 1:30Uhr

"Roxton!?" Marguerite steht im Türrahmen. "Ja, was ist?" erkundigt sich der Lord.

"Ich habe kalt, kann ich zu dir unter die Bettdecke schlüpfen?" fragt sie schüchtern.

"Sicher! Sei mein Gast!" meint er. Marguerite geht zum Bett, Roxton rutscht ein bisschen hinüber und sie gesellt sich zu ihm. Vorsichtig legt er seinen Arm um sie. Ein Weile schweigen sie, dann bricht Roxton die Stille: "Mein Schatz, sollen wir jetzt nicht endlich die Wand zwischen uns wegnehmen?"

"Welche Wand meinst du? Die Zimmerwand oder die Seelische?"

"Wie wär’s mit beiden?"

"Klingt gut!" Dann kuschelt sie sich in seine Umarmung und schläft sofort ein.

"Von da an, lebten wir dann gemeinsam in einem Zimmer" meint Marguerite glücklich und stolz zugleich.

"Ja genau. Die Zimmerwand war verschwunden und Grösstenteils auch die seelische!"

"Stimmt. Hier habe ich noch was, das ist ja Mailyns Taufdeckchen, woher hast du die denn?"

"Ich habe sie aus der Schublade geklaut."

"Ach ja!?"

"Ja, so war’s. Verzeihst du mir?"

"Selbstverständlich!" meint Marguerite bestimmt.

"Ich taufe dich auf den Namen Mailyn! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligengeistes, Amen!" Jakarta hält das Baby in das Mondlicht. Jetzt ist es für ewig gesegnet und beschützt.

Dann reicht er es dem Paar. Marguerite hält das Kind in ihren Armen und Roxton umarmt sie.

"Von da an, war die Kleine getauft auf den Namen Mailyn."

"Und wir heirateten noch im selben Jahr." Roxton nimmt ein silbernes Krönchen aus der Truhe.

"Das habe ich an der Hochzeit in meinen Haaren getragen!" kreischt Marguerite auf und freut sich riesig über das Wiedersehen mit diesem wunderschönen Schmuck.

"So und nun kommen wir zur zweiten Hochzeit! Lord John Roxton, wollen Sie die hier Angetraute Marguerite Montegomery zu Ihrer Frau nehmen, sie ehren und respektieren bis dass der Tod Euch scheidet?"

"Ja, ich will!"

"Und wollen Sie, Miss Marguerite Montegomery, den hier Angetrauten Lord John Roxton zu Ihrem Mann nehmen, ihn lieben und ehren in guten sowie in schlechten Zeiten?" Marguerite schaut sich in der Kirche um, sie scheint verwirrt zu sein. Challenger und Finn nicken ihr aufmunternd zu, auch Veronica und Malone geben ihr das "Ja" Zeichen. Madame Roxton schaut sie mit grossen verständnisvollen Augen an. Die Wärme, welche diese Augen ausstrahlen, lassen alle Ängste und Sorgen in Marguerite verschwinden. "Ja, ich will!" Roxton gibt einen erleichterten Seufzer von sich. Ohne auf die Aufforderung des Pastors zu warten, zieht er seine Frau zu sich und küsst sie leidenschaftlich und dankbar zur gleichen Zeit. Die Gäste toben vor Freude.

"So schön, ich liebe diesen Tag. Ich liebe dich und meine geliebte Tochter, Mailyn."

"Damals haben wir ein Foto gemacht, welches dir half dich an mich und Mailyn zu erinnern, als du einen Gedächtnisverlust erlitten hattest."

"Ja, ich erinnere mich."

"Jenny, können Sie mir nicht sagen, wie ich heisse, bitte?"

"Ihr Name ist Marguerite! Das ist leider das einzige, was ich von Ihnen weiss!" Marguerite steht vom Bett auf und geht zum Spiegel hinüber. Sie betrachtet ihre Kleidung: "Warum trage ich das? Ich meine, wo sind meine normalen Kleider, denn das sind definitiv nicht meine, so etwas würde ich nie freiwillig anziehen, das ist sicher!"

"Ihre Kleidung liegt in der Kommode dort. Sie werden sie in der obersten Schublade finden!" gibt Jenny Auskunft.

"Danke!" Marguerite begibt sich zur Kommode. Als sie ihre Kleider hinaus nimmt, flattert ein Foto auf den Boden. Sie hebt es vorsichtig auf "Da bin ja ich drauf! Kommen Sie mal her!" bittet die Brünette Jenny "Was würden Sie sagen, wer das sind?"

"Sieht so aus, als ob das ihre Hochzeit wäre. Rechts neben Ihnen steht Ihr Mann und in Ihren Armen halten Sie Ihre Tochter, würde ich sagen!"

"Das ist Mailyn, meine Tochter!" Marguerite hat Tränen in den Augen. Endlich hat sie ihr Gedächtnis wiedergefunden.

"Schade musste Jenny sterben. Aber Ravell hat sich jetzt gebessert und zwar zum Guten."

"Darüber bin ich super erleichtert" gibt Roxton mit einem tiefen Seufzer zu. "Und ein halbes Jahr später wärst du fast gestorben."

"Da warst du dann an der Reihe und konntest mich endlich wieder einmal retten."

"Ja, zum Glück konnte mich Elodie nicht einschüchtern, sonst hätte ich es nicht geschafft mich selbst zu töten."

Roxton begibt sich ins Zelt. Marguerite hat ein grünes Kleid an, das ist bei den Zangas so üblich, dass tote Menschen schöne Kleidung für ins Grab erhalten.

Er setzt sich zu ihr ans Bett. Mit zittrigen Händen streicht er ihr eine Locke aus dem Gesicht. Vorsichtig öffnet sie die Augen. Sie schaut sich um.

"Wo bin ich hier?" fragt sie noch ganz schlaftrunken.

"Du bist zurückgekehrt!" sagt der Lord mit Tränen in den Augen. "Du bist jetzt in Sicherheit! Und ich muss sagen: Du siehst einfach göttlich aus!"

"Du hast es also tatsächlich geschafft?" meint Marguerite freudig.

"Du hast davon gewusst?"

"Ja, John, ich habe alles gewusst. Denn meine Seele kam zu Elodie... ich habe all deine Worte gehört! Ich danke dir, dass du ein solches Vertrauen in mich hast und denkst dass ich für Mailyn auch alleine sorgen könnte! Ich liebe dich!" Sie nimmt seine Hand und drückt diese liebevoll.

"Ich liebe dich auch!" Dann fallen die beiden in einen leidenschaftlichen Kuss...

"Was ist dass den? Ein Schreiber und was soll der bedeuten?" fragt Marguerite überrascht.

"Mit dem hat James die Scheidungspapiere unterschrieben!"

"Egal wie du dich entscheidest, du sollst wissen, dass Mailyn unsere Tochter ist und dass du sie jeden Tag besuchen kommen kannst." Erst jetzt wird Marguerite klar, dass, wenn sie sich jetzt für James entscheiden würde, sie Roxton verlieren würde und auch Mailyn.

Hört Marguerite ihre Tochter in Gedanken mit ihr kommunizieren. Nun blickt sie James an. "Ich will, dass du die Papiere unterschreibst!" sagt sie bestimmt.

"Aber..." Der Mann wendet sich von der Brünette ab, geht zum Tisch hinüber, unterschreibt die Scheidungspapiere und verschwindet dann im Gästezimmer. Als Marguerite die Türe zu knallen hört, schreckt sie zusammen. Roxton legt sofort seine Arme um sie.

"Keine Angst, mein Schatz, du hast das richtige getan." Er küsst sie zärtlich auf den Mund. "Ich liebe dich!" Er streicht seiner Frau eine Locke aus dem Gesicht. Nun kullert eine Träne an ihrer Wange hinab. Roxton küsst diese weg und drückt Marguerite dann ganz fest an sich. Schon als er es aufgegeben hat, dass sie ihm antworten würde, vernimmt er doch noch ein leises ‚Ich liebe dich auch‘.

Wieder hat weint Marguerite. Roxton zieht sie zu sich hin. "Ich liebe dich wirklich, mein Schatz!"

"Ja, ich weiss. Das tue ich doch auch!" Roxton will seine Frau gerade küssen, als er ein Geräusch hört und aufhorcht. "Hörst du das auch?" fragt er Marguerite.

"Ja, hört sich an wie Gelächter. Wer mag denn das noch zu solch später Stunde sein?"

"Wieso, wie spät haben wir es denn?" erkundigt sich der Lord.

"Bald Mitternacht!"

"Vielleicht sind das die Geister von Abigail und Thomas Layton, die hier herumspuken!" vermutet der Lord.

"Haha, sehr witzig! Komm, lass uns nachschauen gehen." Marguerite schleift Roxton hinter sich her. Sie überqueren den Durchgang und öffnen die Türe zum alten Baumhaus einen Spalt breit. Sie erblicken Jesse und George im Licht einer Kerze. "Sie tanzen!" erspäht die Brünette.

"Wollen wir auch?" fragt Roxton und hält Marguerite die Hand hin. Sie nimmt diese Geste sofort an und so tanzen sie bis spät in die Nacht...

6.21 Visionen

Finn, Richard und Malone suchen im Osten nach einem zweiten Ausweg vom Plateau, während Marguerite, Roxton und Isadore im Westen unterwegs sind. "Reicht Challenger denn nicht einen Weg? Jetzt müssen wir noch einen zweiten suchen! Wir wissen doch haargenau, dass es weit und breit keinen weiteren Ausweg von diesem Plateau gibt. Wieso kann George, dies nicht einfach einsehen!" lästert Marguerite über den Professor ab.

"Du kennst doch George, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, wird er es auch durchziehen. Ausserdem finde ich es besser, wenn wir zwei Auswege haben, sollte eine der beiden verschüttet werden" verteidigt Roxton Challenger.

"Ja, da bin ich ganz deiner Meinung" schliesst sich Isadore Roxton an. Marguerite gefällt dieser Input überhaupt nicht und reisst John auf die Seite. Sie flüstert ihm zu. "Es wäre ja nicht halb so schlimm nach diesem Weg zu suchen, wenn wir alleine ohne dieses lästige Anhängsel wären. Sie nervt mich, ich finde sie unerträglich."

"Schatz, jetzt tu doch nicht so. Akzeptiere es doch einfach, du musst auch kein Wort mit ihr wechseln, ich erledige das für dich."

"Danke, du bist der Beste!" Die Brünette beugt sich zu Roxton rüber und will ihn gerade küssen, als die beiden von Isadore unterbrochen werden. "Seht mal, was ich gefunden habe!" Sie hält einen grünen Smaragd in die Höhe.

"Der ist ja wunderschön! Zeig mal her!" Marguerite reisst ihn dem rothaarigen Fräulein aus den Händen. "Der kostet ja ein Vermögen! Sicher so um die 20‘000Pfund kann man dafür rechnen." Plötzlich durchfährt die Brünette einen Blitz und sie fällt ohnmächtig zu Boden. "Marguerite! Darling! Geht es dir gut?" Roxton kniet sich neben sie hin.

"Ich fürchte, sie ist bewusstlos!" stellt Isadore mitfühlend fest.

"Wir müssen sie sofort nach Hause bringen!" Roxton nimmt Marguerite auf seine Arme und trägt sie so zurück zu den Baumhäusern. Was er jedoch nicht sieht ist, dass Isadore den Smaragd vom Boden aufliest und mitnimmt.

 

"Was ist passiert?" fragt Challenger besorgt, als Roxton Marguerite auf ihr Bett legt. "Sie berührte einen Smaragd und erhielt dadurch einen Blitzschlag" erzählt der Lord.

"Oh nein! Marguerite, kannst du mich hören!" Veronica hat sich über ihre Freundin gebeugt und versucht sie wach zu rütteln.

"Veronica, ich glaube das wir ihr so auch nicht weiterhelfen."

"Entschuldigung George, ich bin einfach nur geschockt über diese Tatsache!"

"Veronica, du kennst dich doch hier auf dem Plateau recht gut aus, nicht wahr!?" erkundigt sich Isadore bei der Blondine.

"Ja, wieso fragst du?"

"Nun, sie hat diesen Stein hier berührt!" Isadore hält inne und holt dann aus ihrer Tasche den grünen Diamanten. Sie will ihn der Blondine reichen, doch sie lehnt diese Geste ab.

"Oh, das sieht gar nicht gut aus!"

"Was meinst du damit, das sieht gar nicht gut aus!?" will Roxton wissen.

"Dieser Stein oder Smaragd wie auch immer ihr ihn nennen wollt, ist auf dem Plateau als Stein der geliehenen Gaben bekannt!"

"Und was soll das bedeuten?" hakt Jesse nach, die nun ebenfalls in Marguerites Zimmer mit Mailyn auf dem Arm angekommen ist.

"Nun, das heisst, dass sie jetzt Isadores Kraft besitzt in die Zukunft zu blicken... also Visionen zu empfangen."

"Und ist das schlimm?" fragt Roxton.

"Es kommt darauf an, wie gut sie die Visionen verkraften kann. Manche Leute halten dies 24Stunden aus, solange dauert die Wirkung des Steins, andere schaffen es nicht länger als einen halben Tag."

"Was geschieht mit diesen Personen, welche die neue Gabe nicht verarbeiten können?" meldet sich nun Challenger zu Wort.

"Die werden entweder wahnsinnig oder sterben!"

 

"Was denkt ihr, hatten die andere mehr Glück als wir?" fragt Finn die Männer, während sie den Vorgarten der Baumhäuser erreicht haben.

"Ich denke nicht. Schliesslich brauchten wir für die Suche eines Ausweges knapp vier Jahre. Einen zweiten zu finden, der tauglich ist und nicht gleich davon schwimmt oder verschüttet wird, ist praktisch unmöglich!" erzählt Malone.

"Da bin ich ganz deiner Meinung" schliesst sich Richard ihm an. "Ich bin hundemüde!"

"Tja, du bist dich eben noch nicht an die ständige Wanderei gewöhnt, aber das wirst du noch, das verspreche ich dir."

"Muss das sein, Finn!? Ich habe keinen Bock darauf" fragt der junge Herr gelangweilt.

"Nun ja, ich muss dir, so wie es aussieht, nachhelfen, indem wir jeden Tag mindestens 2Stunden laufen gehen."

"Nein, lieber nicht, ich werde auch nie mehr lästern, okay!?" versucht sich Richard verzweifelt zu entschuldigen.

"In Ordnung, aber sollte ich es merken, dass du dich vor richtiger Arbeit drückst, nur weil du in London verwöhnt worden bist, werde ich dieses Lauftraining knallhart durchführen!" Mit diesen Worten drückt das Finny den ‚nach oben‘ Knopf. Sie steigen in den Aufzug.

Als sie oben angekommen sind, wundert es sie, dass es so still im alten Baumhaus ist. "Vielleicht schauen alle unser Baumhaus an, wie schön wir es eingerichtet haben!" behauptet Finn. Die drei Freunde begeben sich ins neue Haus.

"Gott sei Dank, da seid ihr ja endlich!" sagt Veronica, springt von ihrem Stuhl auf und umarmt Finn. "Geht es euch gut?" erkundigt sich Jesse, die nun ebenfalls vom Stuhl aufgestanden ist.

"Ja, uns geht es gut. Wieso, was ist hier denn los?" erkundigt sich das Fräulein aus der Zukunft.

"Nun ja, Marguerite hat den Stein der geliehenen Gaben berührt und nun die übernatürliche Kraft von mir erhalten."

"Marguerite kann nun auch Visionen empfangen?" fragt Malone überrascht.

"Ja, und wenn sie damit nicht umgehen kann, dann stirbt sie" erzählt George weiter.

"WAS!? Das kann nicht euer Ernst sein!" meint das Finny und rennt sofort ins Zimmer der Roxtonfamilie, die anderen folgen ihr. John sitzt am Bett seiner Frau und hält ihre Hand. Mailyn hat es sich auf Roxtons Knie bequem gemacht.

"Wie geht es ihr?" will Finn wissen.

"Oh hallo Finn. Das Fieber hat nachgelassen, aber sie hat ihre Augen noch nicht geöffnet."

"Darf ich mich zu euch setzen?" fragt Finn Mailyn und Roxton.

"Klar doch!" sagt die Kleine und deutet ihrem Vater ein bisschen zur Seite zu rücken.

"Danke!" meint die Blondine, nimmt einen Stuhl und setzt sich darauf. Jetzt öffnet Marguerite die Augen und schaut verdutzt im Raum umher. "Was macht ihr denn alle hier?" fragt sie und will gerade aufsitzen, als ihr einen fürchterlichen Schmerz durch die Stirne fährt. "Aua.... Was ist passiert?"

"Wir wollten einen zweiten Ausweg vom Plateau suchen gehen, als Isadore einen Smaragd gefunden hat, du ihn berührt hast und in Ohnmacht gefallen bist."

"Das hört sich aber gar nicht gut an."

"Du magst dich nicht mehr daran erinnern?" fragt Isadore ungläubig.

"Nein, kein bisschen!"

"Dir fällt nichts mehr ein? Was weißt du denn noch!?" fragt Veronica verzweifelt.

"Ich fand eine Truhe, worin Roxton Gegenstände mit unseren Erlebnissen aufbewahrt hatte."

"Das war vor zwei Tagen!" erinnert sich der Lord.

"Oh! Das ist aber gar nicht gut" wiederholt die Brünette.

"Das kannst du laut sagen!" wirft Challenger ein. "Du hast eine neue Gabe durch die Berührung des Steines erhalten, besser gesagt, hast du dir die Gabe von Isadore geliehen... du kannst jetzt Visionen empfangen."

"Was? Du scherzt doch nur wieder, George." Marguerite will es nicht glauben.

"Hat Challenger uns je angelogen!?" fragt Roxton seine Frau.

"Nein, natürlich nicht.... Ich will keine neue Gabe, wie werde ich sie wieder los, oder werde ich sie überhaupt noch los!?"

"In 24Stunden wird der Fluch vorbei sein, aber bis dahin musst du es schaffen, dich nicht von dem Gesehenen in den Wahnsinn treiben zu lassen."

"Wie schön. Und was passiert, wenn ich es nicht schaffen sollte?"

"Dann stirbst du!" sagt Finn traurig. "Ich will dich nicht verlieren, bleib bei uns!"

"Finn, ganz ruhig, ich lebe schliesslich noch!"

"Aber vielleicht nicht mehr lange" meint Jesse mit einem grossen Bedenken.

"Jesse, jetzt mach es nicht noch schlimmer als es ohnehin schon ist."

"Tut mir leid, George, ich war nur gerade dabei die Geschichte zu Ende zu führen."

"Du wirst das schon schaffen... du bist eine starke Frau" sagt Malone.

"Wow, diese Worte aus deinem Mund zu hören, ist wirklich schmeichelnd, danke Ned."

"Das Beste wäre, wenn wir dich jetzt wieder schlafen lassen würden... dann gehen die 24Stunden schneller vorbei" meint Richard und streckt Finn die Hand hin. "Nein, ich bleibe noch ein Weilchen hier, okay!?"

"Na schön, bis nachher." Die Freunde verlassen das Zimmer und setzen sich an den Küchentisch, jetzt ist niemandem zum Arbeiten zu Mute.

 

"Und hast du irgendwelche Schmerzen, fühlst die neue Kraft?" will das Finny wissen.

"Leider nein, aber es ist erschreckend zu wissen, dass etwas in dir steckt, das dich möglicherweise töten könnte."

"Sprich nicht so davon!" Finn nimmt die Hand ihrer Freundin und küsst diese. "Bitte versprich mir, dass du immer bei mir bleiben wirst!"

"Ich verspreche..." weiter kommt Marguerite nicht, weil sie gedanklich wie aus der Gegenwart in eine andere Zeit gestossen wird.

Sie sieht Finn vor dem Spiegel in ihrem Zimmer stehen. Die Blondine kämmt sich gerade ihr Haar, als es an der Türe klopft. "Ja, herein" bittet das Finny. Richard öffnet die Türe. "Finn, kann ich mit dir reden?"

"Sicher, worum geht es denn?"

"Über uns." Als Richard dies sagt, legt Finn die Haarbürste auf die Kommode.

"Ich hoffe nur, dass es etwas Gutes ist!"

"Ja, das ist es! Finn," Der junge Herr greift in seine Tasche, holt eine Schatulle heraus und öffnet diese. Zum Vorschein kommt ein goldener Ring mit einem roten Rubin. Richard kniet sich vor die Blondine hin. "Finn... Willst du meine Frau werden?"

"Oh, Richard, ich weiss gar nicht was ich dazu sagen soll..." Finn hat Tränen in den Augen, nun steht der Mann vom Boden auf und hält Finns Hände in die seinen.

"Ja, ich will dich heiraten, weil ich dich über alles liebe und für immer mit dir zusammen sein möchte!" Richard küsst seine zukünftige Verlobte zärtlich auf die Lippen...

"Marguerite? Marguerite, kannst du mich hören?" fragt die Blondine zögerlich.

"Finn... ich hatte gerade eine Vision" meint die Brünette geschockt.

"Und? Was hast du gesehen?" will das neugierige Finny wissen.

"Ich sah dich und Richard, als er dir den Heiratsantrag gemacht hat" erzählt die Brünette.

"Was? Echt!? Das ist ja klasse! Und wie war es? Hab ich ja gesagt?" erkundigt sich Finn. Marguerite will gerade weiter erzählen, als Mailyn den Raum betritt. "Mami? Daddy fragt, ob du auch was essen magst."

"Gerne, er soll mir eine Suppe machen."

"Okay! Ach und Mami..."

"Ja, Mailyn?"

"Ich hab dich lieb!" Die Kleine geht auf ihre Mutter zu, steigt zu ihr aufs Bett und umarmt sie.

Mailyn hält eine Puppe in den Händen und spielt mit zwei Kindern, die offensichtlich jünger als das braunhaarige Mädchen sind. Marguerite kann die beiden Kindern nicht einordnen, aber sie haben blondes Haar, blaue Augen und ähneln sehr Veronica und Malone.

"Joshua, du musst liebevoller mit der Puppe umgehen, sonst machst du sie noch kaputt und dann werde ich stinksauer!" mahnt Mailyn den Jungen. "Und du, Jessica, solltest nicht alles immer in den Mund nehmen. Ich finde deinen Sabber eklig! Ausserdem ist mir langweilig. Lasst uns jetzt malen!" Mailyn setzt sich an den Küchentisch, doch als sie den Malkasten aufklappt und gerade mit Malen beginnen will, stürzen plötzlich eine Unmenge von Affenmenschen ins Wohnzimmer. "Nein!" hört man Mailyn schreien. "Mummy!!!!!!!" Doch niemand kommt den Kindern zur Hilfe. Marguerite muss mit ansehen, wie ihre Tochter und die Zwillinge von Veronica und Malone entführt werden.

"Nein, Mailyn!" Marguerite sitzt nun stocksteif im Bett.

"Was hast du? Was ist passiert?" will Finn wissen.

"Ich sah Mailyn, sie spielte friedlich mit den Zwillingen von Veronica und Malone. Plötzlich kamen ganz viele Affenmenschen und entführten die Kinder. Niemand war Zuhause, niemand half ihnen!"

"Zum Glück war es nur eine Visionen... oder werden diese Dinge, die du da siehst wahr?"

"Na, was glaubst du denn, warum diese Art von Sehen ‚Vision‘ und nicht ‚Traum‘ genannt wird" gibt Marguerite ein bisschen sauer zurück. Nun kommt Roxton ins Schlafzimmer. "Was ist hier los? Ich hab dich schreien gehört! Alles okay?" fragt der Lord besorgt.

"Mir geht es gut, John. Ich hatte nur gerade eben zwei Visionen."

"Oh, oh. Was hast du gesehen?"

"Zuerst habe ich was Schönes mit Finn gesehen und dann die Entführung von Mailyn."

"Oh nein, das tut deinem Gemüt sicher nicht gut." John streicht seiner Frau über den Kopf.

"Ja, das denke ich auch!" Ist das Letzte was die Brünette sagen kann, ehe sie eine neue Vision erhält.

Roxton steht mit dem Rücken an einen Baum gelehnt. "Such mich!" ruft er und wartet gespannt. Jetzt sieht man eine Blondine aus dem Gebüsch springen. "Da bist du ja, Liebster!"

"Wie hast du mich so schnell gefunden, Andrea?" will der Lord wissen.

"Ich bin eben gut in diesem Spiel." Sie geht auf ihn zu und küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund, doch Roxton weicht zurück. "Marguerite!"

"Vergiss, diese Schlampe, du willst nur mich! Hab ich Recht?"

"Ja, ich will nur dich!"

"Du begehrst mich!"

"Ich begehre dich" spricht John nach. Andrea reisst Roxton das Hemd vom Leib. "Du findest mich attraktiv!"

"Ich finde dich sogar sehr attraktiv!"

"Attraktiver als deine Frau?" will die Blondine weiter wissen.

"Ja, du bist die bezauberndste und schönste Frau, die mir je über den Weg gelaufen ist!"

"Nein, das glaube ich dir nicht! John, du lügst!" schreit Marguerite verzweifelt auf. Sie hat geweint.

"Schatz, hast du wieder was gesehen?" fragt Roxton. Die Brünette schaut zuerst verdutzt um sich, bis sie wieder weiss, wo sie sich befindet. "Ja... ja, ich hatte wieder eine Vision. Dieses Mal handelte sie von dir. Du hattest dich hinter einem Baum versteckt, kurze Zeit später kam eine Blondine und du hast ihr gesagt, dass du sie begehrst und die attraktivste Frau findest, die dir je über den Weg gelaufen ist."

"So ein Quatsch, das stimmt doch gar nicht! Wahrscheinlich stand ich unter einer Droge."

"Schon möglich. Du hast dich anders verhalten als sonst, deine Augen waren starr!" erinnert sich Marguerite wieder.

"Aber sicher bist du dir nicht, oder?" hakt das Finny nach.

"Also ich würde meine Hand dafür nicht ins Feuer legen" gesteht die Brünette schliesslich.

 

"Roxton, geht es dir nicht gut?" fragt Veronica, als John aus dem Zimmer von Marguerite ins Wohnzimmer des neuen Baumhauses kommt.

"Sie hatte gerade eben 3Visionen innerhalb von 10Minunten!"

"Keine gute Nachricht" bemerkt Richard.

"Und konnte sie was über die Visionen erzählen?" erkundigt sich Isadore.

"Ja, sie hat Finn und Richards Verlobung gesehen, sowie die Entführung von Mailyn und der Fremdgang von mir" erzählt Roxton bestürzt.

"Aber durch was wurden die Visionen ausgelöst?" will George wissen.

"Wir haben sie alle berührt" meint nun Finn. Sie steht im Türrahmen und hat gelauscht. "Passt auf, Marguerite, wird jetzt gleich rauskommen, fasst sie also nicht an, okay!?"

"Geht klar!" sagt Malone.

"Ist die Suppe schon fertig?" Marguerite erscheint an Finns Seite, Mailyn steht hinter ihr und wagt es nicht ihre Mutter zu berühren.

"Ja, ich bin soweit" antwortet Jesse und stellt den Teller auf den Tisch.

"Ich werde dann mal gehen" sagt Challenger und deutet zur Türe. "Ich will an meiner neuen Erfindung nochmals herumtüfteln, irgend etwas stimmt damit nämlich ganz und gar nicht."

"Schon okay, George, es ist wohl besser, wenn ihr euch von mir fernhält."

"Wenn du meinst, dann werde ich am neuen Abenteuer weiter schreiben" meint Malone und macht sich mit dem Professor auf den Weg ins alte Baumhaus.

"Ich geh die Wäsche waschen. Schliesslich wäscht sich diese nicht von alleine und aufhängen muss ich sie auch noch bei dem schönen Wetter" sagt Jesse und wendet sich an Mailyn. "Willst du mir dabei helfen, Süsse?"

"Ja, gerne Oma Challenger." Die beiden gehen ebenfalls aus dem Haus.

"Naja und ich werde mit Richard auf die Jagd gehen, er braucht noch viel Übung" behauptet das Finny.

"Muss das sein!" mault der junge Herr.

"Ich werde euch begleiten, schliesslich braucht Richard doch ein Gewehr, ausserdem bin ich der Schützenkönig!" behauptet Roxton.

"Ist gut! Bis später!" Jetzt sitzen nur noch Veronica, Isadore und Marguerite am Tisch.

"Erzähl mal, wie waren die Visionen. Was hast du dabei gefühlt, vielleicht kann ich dir helfen, sie besser zu verkraften oder zu verstehen" hofft die Rothaarige.

"Bei der ersten Vision, als Finn den Heiratsantrag bekam, war es so, als würde ein Film vor meinem geistigen Auge ablaufen. Es war schön, trotzdem fühlte ich mich nicht wohl in meiner Haut, da es die erste Vision war. Bei der zweiten Vision wurde ich regelrecht aus der Gegenwart in die Zukunft gerissen. Es war so, als wäre ich dort, aber ich konnte Mailyn und den Zwillingen nicht zur Hilfe eilen, ich stand da wie angewurzelt. Und bei der letzten Vision bekam ich gar keine Ankündigung mehr, ich stand plötzlich im Wald und sah wie Roxton diese Blondine begehrte."

"Ja, das war bei mir anfangs genau so, trotzdem musst du lernen, dies als eine Art Bestimmung aufzunehmen und nicht als einen Alptraum. Tu so, als würdest du die Leute nicht kennen und erzähle den entsprechenden Personen, was du gesehen hast" rät Isadore der Brünette.

"Ich werd‘s versuchen, aber leicht wird das bestimmt nicht."

"Du wirst das schon schaffen, da bin ich mir ganz sicher!" sagt Veronica und tätschelt unüberlegt Marguerites Hand. "Nein, nicht schon wieder!" hört man Marguerite noch sagen, bevor sie eine weitere Vision erhält. Veronica und Malone sitzen am Tisch und frühstücken, als Challenger ins Wohnzimmer kommt. "Na, wie geht es dir?" will der Professor von Veronica wissen.

"Naja, es geht es so!"

"George, was für eine blöde Frage!" schnauzt Malone den älteren Mann an, sowie es Marguerite noch nie vom Reporter erlebt hat. "Ihr geht es natürlich schlecht...."

"Ned, ist schon okay. Es geht mir gut, ehrlich, ein bisschen müde, aber sonst ist alles in bester Ordnung" versucht die Blondine ihren Mann zu beruhigen und streicht ihm über den Handrücken. "Ich werde dann mal wieder ins Bett gehen" sagt Veronica, doch anstatt aufzustehen, fährt sie samt den Stuhl, der mit Rädern versehen ist in Richtung der Schlafzimmern.

"Sie tut mir so schrecklich leid!" meint nun Malone, als er ihr mitfühlend hinterher sieht.

"Ja, es muss schlimm für sie sein, nach so vielen Jahren gehend jetzt sitzenden durch die Gegend zu wandern."

"Warum musste sie nur Zwillinge bekommen!" Ned schüttelt traurig den Kopf. "Ein Baby hätte doch gereicht! WIESO!" schreit der Reporter und blickt nach oben in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen.

"Was spielen die Zwillinge darin für eine Rolle?" fragt sich Marguerite und ehe sie sich versieht, sitzt sie auch schon wieder am Küchentisch. "Liebste, es tut mir leid, ich wollte nicht, dass du eine Vision erhältst" entschuldigt sich die Blondine.

"Schon gut, Veronica, du kannst nichts dafür."

"Du hast was von Zwillingen gemurmelt, was hast du gesehen?" will Isadore wissen.

"Nun ja, Veronica, Challenger und Malone sassen am Tisch und haben gefrühstückt" sie wendet sich an ihre Freundin. "Dann hast du gesagt, dass du müde bist und gingst ins Schlafzimmer. Aber anstatt dorthin zu laufen, fuhrst du mit einem Rollstuhl in Richtung der Schlafzimmern. Malone fragte sich dann noch, wieso du nur Zwillinge bekommen musstest, ihm hätte ein Kind gereicht."

"Ich kann nicht mehr gehen, aber das ist ja..."

"....schrecklich, ich weiss!" vollendet Marguerite bestürzt den Satz.

 

"Oh mein Gott, ich kann es gar nicht fassen!" meint Malone geschockt. "Du wirst nicht mehr gehen können, das ist doch unmöglich.... ich kann die Kleinen doch nicht alleine aufziehen... ich weiss gar nicht wie das geht... Was soll ich nur tun? Wie können wir das verhindern?" Ned ist verzweifelt.

"Na, wenn es etwas mit den Zwillingen zu tun hat, dann wäre es wohl besser, wenn ich sie nicht gebären würde" schlägt Veronica vor.

"So ein Unsinn! Vee, du kriegst Jessica und Joshua, Schluss mit der Diskussion!" Finn ist jetzt wütend, so viel Zukunft hält sie nicht aus.

"Finn hat Recht" schliesst sich Challenger dem Fräulein an. "Geniesse das Laufen solange du noch kannst, aber eine Abtreibung kommt mir nicht in Frage. Ausserdem wäre es sinnlos, schliesslich ist in zwei Tagen dein Stichtag. Ich werde mich dann wieder in die Arbeit stürzen und bitte, lasst Marguerite in Ruhe!" mahnt der Professor seine Freunde.

Die Brünette hat sich ins Bett gelegt und denkt über die Visionen nach, als Jesse zusammen mit Mailyn den Raum betritt. "Siehst du... Mami ist noch hier." Jesse deutet auf Marguerite, dann erklärt sie dem Fräulein. "Sie hat sich draussen grosse Sorgen um dich gemacht, ich werde sie dann mal lieber hier lassen." Jesse will gerade gehen, als Marguerite sie anspricht. "Danke für Ihre Hilfe, Madame Challenger. Ich bin sehr froh, dass Sie hier sind."

"Kindchen, nenn mich doch Jesse."

"Gerne." Die ältere Dame lächelt Marguerite zu, doch ehe sie diese Geste annehmen oder gar erwidern kann, wird sie wieder in die Zukunft gezogen. Dieses Mal reist sie länger, es kommt ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich am Abgrund eines Wasserfalls angelangt ist. Jesse und Challenger schauen in die Tiefe. "Ganz schön unheimlich" meint die ältere Dame. "Warum konnten wir nicht den anderen Weg nehmen, der hier ist doch nicht gesichert und viel gefährlicher!?"

"Weil ich diesen Weg vom Plateau ausprobieren möchte und zurzeit ist es gerade sehr günstig. Also lass uns jetzt darunter gehen. Du zuerst... ich folge dir dann."

"Von mir aus, aber sei bitte vorsichtig." Jesse bindet sich das Seil um den Bauch. "Dann treffen wir uns unten." Sie gibt dem Professor einen zärtlichen Kuss auf den Mund und steigt dann den Abgrund hinunter. Als sie in der Mitte ist, erkundigt sich George bei ihr: "Und, wie läuft es?"

"Bis jetzt gut! Lass bloss nicht das Seil aus deinen Händen gleiten."

"Daddy, warte auf mich!" hört man jemanden sagen. Challenger wendet sich um, Finn kommt auf ihn zu gerannt. "Ich will dabei sein, wenn ihr meine Adoption durchführt."

"Ich bin ja so glücklich, dass du doch noch gekommen bist."

"Warum gehen wir eigentlich nicht den sicheren Weg?" wundert sich das Finny.

"Weil ich diesen mal ausprobieren wollte und er scheint geeignet für uns zu sein, obwohl er ein bisschen gefährlich ist." Gerade als George dies gesagt hat, reisst das Seil. Challenger wird durch die Wucht nach hinten auf die Erde geschmissen, Finn reisst er mit sich um. "Jesse! Nein!"

"Mummy!" Die beiden rappeln sich vom Boden auf und blicken den Abgrund hinunter, doch von Jesse fehlt jede Spur. "Oh nein, ich habe sie umgebracht! Wie konnte ich nur so nrücksichtslos sein!" schluchzt Challenger erbarmungslos, die Krokodilstränen fliessen ihm über die Wangen.

"Dad, du kannst nichts dafür..."

"Ach Finn, du weißt doch so gut wie ich, dass alles meine Schuld ist."

"Marguerite! Lady Roxton, können Sie mich hören?"

"Sie sollen mich doch nicht duzen" meint Marguerite und versucht ein Lächeln aufzusetzen, doch dies gelingt ihr nicht.

"Was hast du gesehen?"

"Ihren Tod! Oh Gott, ich ertrage dies nicht mehr länger, was soll ich nur tun!" sagt die Brünette verzweifelt. "Ich will sterben!"

"Lady Roxton, hören Sie sofort auf damit, was fällt Ihnen denn eigentlich ein jetzt aufzugeben. Du weisst so gut wie ich, dass dies mein Schicksal ist, dafür kannst du nichts, du hast nur gesehen, wie es passieren wird, aber es nicht deine Schuld!" Jesse schüttelt Marguerite und versucht ihr diesen Schwachsinn aus dem Kopf zu schlagen.

"Vielleicht ist es meine Aufgabe Ihren... deinen Todessturz zu verhindern!"

"So ist es gut, kämpfe um dein Recht."

"Also gut, Isadore hat mir geraten über die Visionen mit den betreffenden Personen zu sprechen. Solltest du das nächste Mal nach London gehen wollen, dann..." weiter kommt Marguerite nicht, weil Challenger den Raum betritt. "Bald sind deine 24Stunden vorüber!" sagt er freudig. "Ist das nicht toll!?" Als keine der beiden antwortet, fragt er verlegen: "Störe ich?"

"Nein, Liebster, du bist im richtigen Augenblick gekommen!"

"Aber..." will Marguerite protestieren.

"Ich will es nicht wissen, okay!?"

"Was willst du nicht wissen?" erkundigt sich George.

"Eine weitere Vision, die aber nicht der Rede wert ist."

"Na dann ist ja gut" erleichtert verlässt der Professor den Raum. Marguerite hat Tränen in den Augen, sie kann die ältere Dame nicht verstehen.

"Marguerite, vergiss diese Vision, sie ist nicht wichtig. Es ist meine Bestimmung, daran kannst du nichts ändern!" wiederholt Madame Challenger geduldig.

"NEIN! Das lasse ich nicht zu!" Die Brünette will vom Bett aufstehen, doch wird sie von Jesse wieder zurück in die Kissen gedrückt. "Kindchen, bleiben Sie liegen!"

"Du hast mich berührt und nichts ist passiert! Ist der Fluch jetzt gebrochen?" fragt sich die Brünette. Jetzt hören sie einen Freudenschrei aus der Küche: "Ich habe meine Gabe wieder!"

denkt Marguerite entschlossen.

6.22 Die Geburt und ihre Ängste

Finn reibt sich den letzten Schlaf aus den Augen. Es ist früh am Morgen in den Baumhäusern und die Sonnenstrahlen glänzen auf den Taublättern. Das Finny möchte sich gerade an Richards warmen Körper kuscheln, als sie bemerkt, dass er gar nicht mehr im Bett liegt.

"Richard! Wo bist du?"

"Ich komme gleich wieder" hört sie ihren Freund aus der Küche rufen.

"Wie du meinst. Ich warte so lange auf dich!" Finn steht vom Bett auf und schaut nach draussen.

"Da bin auch schon wieder!" Finn wird von ihrem Freund jäh aus den Gedanken gerissen.

"Kannst du das nächste Mal nicht anklopfen!" schnauzt Finn ihn an und wendet sich zu ihm um. Erst jetzt erblickt sie das leckere Frühstück. "Ist... ist das für mich?" fragt sie unsicher. "Korrekt!"

"Oh, danke, dass ist so lieb von dir." Finn geht zu ihm hinüber und umarmt ihn überglücklich. "Und du hast sogar an die Orchideen, meine Lieblingsblume, gedacht!" Die Blondine riecht genüsslich an der duftenden Pflanze. "Aber warum kriege ich denn diesen Service? Hast du was Schlimmes angestellt?" Das Finny mustert Richard mit hochgezogener Augenbraue.

"Natürlich nicht! Ich habe nur bemerkt, wie nervös und angespannt du in letzter Zeit bist, da habe ich mir gedacht, dass du ein bisschen Ablenkung gut gebrauchen könntest" behauptet der junge Herr.

"Ja, damit hast du vollkommen recht... Die Geburt der Zwillinge bereitet mir grosse Sorgen" gesteht das Finny. "Ich will nicht, dass Veronica in den Rollstuhl kommt oder dass den Zwillingen was passiert, sie gehören doch mittlerweile zur Familie und ich freue mich schon riesig auf die beiden."

"Komm schon her" sagt Richard und umarmt Finn noch einmal.

"Woran denkst du gerade?" Finn hat dieses unerträgliche Schweigen zu lange gedauert. "Du überlegst dir sicher, was du sagen sollst um mich aufzuheitern, stimmt’s!?"

"Ja Finn, du hast mich durchschaut. Aber ich denke, dass ich alles gesagt habe und nun lass uns das Frühstück geniessen."

"Eine gute Idee!" stimmt die Blondine Richard zu und setzt sich aufs Bett.

 

Auch im Zimmer der Roxtonfamilie herrscht bedrückte Stimmung. "Was denkst du, wird es heute passieren? Und wird morgen dann meine Vision in Erfüllung gehen?" fragt Marguerite ihren Mann.

"Möglich wär’s! Schliesslich war ihr Stichtag bereits vor drei Tagen."

"Oh Gott, ich will nicht, dass sie heute die Zwillinge bekommt. Wie können wir diese Vision nur verhindern?"

"Ich glaube, dass sie nicht verhindert werden kann! Es tut mir Leid!" entschuldigt sich Roxton.

"Ach, du musst dich nicht entschuldigen, es ist ja nicht deine Schuld. Ich glaube der damalige Sturz hat ihr nicht gut getan" behauptet die Brünette.

"Welcher Sturz?" fragt John geschockt.

"Das weißt du nicht mehr!? Malone und sie mussten von einem T-Rex Weibchen davon laufen, Veronica hat die Wurzel nicht gesehen und ist darüber gestolpert. Vielleicht war dies der Auslöser, dass sie jetzt in den Rollstuhl kommt."

"Hast du mit ihr darüber gesprochen?" erkundigt sich Roxton bei Marguerite.

"Ja, habe ich. Sie ist sehr traurig, aber sie hat gesagt, dass egal was passiert, sie darum kämpfen will, dass wenigstens die Babys heil zur Welt kommen auch wenn es sie schlussendlich das Gehen kostet."

"Sie ist so eine tapfere Frau... genau wie du!"

"Ach meine Erlebnisse, sind dagegen harmlos!"

"Ach nein!!! Und deine Vergewaltigung, war das etwa nichts!?"

"John, bitte, tu mir das nicht an. Er ist jetzt tot und das ist die Hauptsache! Lass uns die Vergangenheit ruhen, ja!?" Marguerite blickt ihren Mann verzweifelt an. "Von mir aus!" gibt er schliesslich doch noch nach.

Auch im Zimmer des Ehepaars Challenger wird heftig über die bevorstehende Geburt diskutiert.

"Sie tut mir so schrecklich Leid! Wenn ich das sehe, bin ich sogar froh, dass ich keine Kinder bekommen kann."

"Jesse, so was solltest du nicht sagen!"

"Aber es ist doch wahr. Sie wird durch die Geburt behindert und ist doch immer so gerne gelaufen. Das wäre fast so, als würdest du deinen Verstand verlieren oder Lord Roxton sein Augenlicht, wodurch er dann nicht mehr die Beute sehen könnte."

"Trotzdem darfst du so nicht über diese armen Lebewesen sprechen. Sie wurden gezeugt und nun muss Veronica eben mit den Konsequenzen zurecht. Ausserdem hat Malone schon immer davon geträumt, dass er die Kinder eines Tages alleine erziehen muss."

"Du meinst, er hat es wie vorausgesehen... im Unterbewusstsein?" schlussfolgert die ältere Dame.

"Ganz genau. Wir dachten immer, dass er nur Angst davor hat Vater zu werden, aber jetzt im Nachhinein sind wir alle schlauer geworden..."

 

Malone sitzt im Wohnzimmer und trinkt seinen dritten Kaffee, als Isadore vollbepackt mit ihren Reisesachen hereingeplatzt kommt.

"Oh, ich hoffte, dass ich niemandem über den Weg laufen würde!"

"Ziehst du aus?" fragt Malone verblüfft.

"Ja, heute ist Vollmond und ich reise doch nur an diesen Tagen."

"Ja genau, jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich wieder an deine Worte. Aber bist du dir ganz sicher, dass du uns schon wieder verlassen willst."

"Ja, ich bin euch lange genug auf der Tasche gelegen oder in diesem Fall auf eurem Territorium. Es wird an der Zeit zu gehen."

"Ich wünsche dir alles Gute auf deiner Reise und du bist bei uns immer herzlich Willkommen, vergiss das nicht." Malone umarmt die rothaarige Frau.

"Danke. Ich hätte nie gedacht, dass ihr mich mal vermissen würdet." Der Reporter begleitet Isadore noch bis zum Aufzug.

"Naja, ich glaube Marguerite und Roxton sind froh, dass du gehst, aber ich habe dich näher kennen gelernt und mag dich nun wirklich sehr. Man sieht sich!"

"Bis irgendwann! Und... ich wünsche euch viel Glück bei der Geburt. Auf Wiedersehen!" Mit diesen Worten steigt sie in den Lift und macht sich auf den Weg.

 

Veronica ist nun auch endlich erwacht und blickt im Zimmer umher. Eine Taube fliegt auf Veronicas Fensterbrett.

"Challenger!" hört man die Blondine durch das Baumhaus rufen, sofort stehen alle an ihrer Seite.

"Was ist passiert? Ist die Fruchtblase geplatzt?" fragt Finn überstürzt.

"Tut dir was weh?" erkundigt sich Malone.

"Spürst du deine Beine noch?" will Roxton wissen.

"Haben die Wehen schon eingesetzt?" Marguerite schaut Veronica fragend an.

"Geht es dir gut?" Jesse ist besorgt.

"Tante Veronica! Ist alles in Ordnung?"

"Stopp! Mir geht es gut, danke. Und zu allen Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen, lautet die Antwort NEIN!"

"Was ist denn los?" fragt Challenger.

"Jesse, deine Taube, ist zurückgekehrt" sagt die Blondine und deutet aufs Fensterbrett, wo die weisse Taube mit einem Brief schon ungeduldig wartet.

"Ist der Brief für mich?" George geht zur Taube hinüber und schaut sich die Anschrift an. "Nein" sagt der Professor enttäuscht "Er ist für Richard. Hier hast du ihn." Er überreicht den Brief dem jungen Herrn und verlässt dann bedrückt den Raum. "Ich werde ihn trösten gehen" meint Jesse und läuft ihrem Mann hinter her.

"Oh nein, der Brief ist von meinen Eltern. Was wollen DIE denn nun schon wieder!?"

Lieber Richard

Geht es dir gut? Wie fühlst du dich bis jetzt in der verlorenen Welt, falls du nach Hause kommen möchtest, wir würden dich herzlich und mit offenen Armen empfangen.

Hast du Finn schon den Heiratsantrag gemacht? Wann wird die Hochzeit stattfinden? Ist sie schon schwanger?

Bitte schreibe uns zurück.

In liebe deine

Eltern

"Oh Gott, die wollen echt alles über mich und mein Leben wissen."

"Und auf alle Fragen musst du mit NEIN antworten" bemerkt das Finny etwas beleidigt.

"Tja, ich... wir lassen uns eben Zeit."

"Aber bloss nicht zu lange! Sonst könnte ich vielleicht noch mein Interesse an dir verlieren" mahnt Finn ihren Freund.

"Ach das wird schon nicht passieren, oder!?" fragt Richard unsicher.

"Wer weiss, die Zangas haben schon tolle Männer, wenn ich mich an Kalle zurück erinnere..."

"Wage es bloss nicht!" Richard rennt auf Finn los, doch diese entwischt ihm durch die Türe. "Warte, ich kriege dich schon noch!" hört man ihn noch rufen, ehe die Stimmen verschwinden.

"Komm Mailyn, gehen wir wieder frühstücken, das Ganze war ein falscher Alarm" sagt Marguerite.

"Oh ja, mein Ei wartet schon darauf von mir gegessen zu werden."

"Und mein Kaffee wird sonst noch kalt" mischt sich nun auch Roxton ein. Die Familie verschwindet ebenfalls ins neue Baumhaus.

"Jetzt sind nur noch wir beide" bemerkt Malone.

"Ja, das sind wir." Nun herrscht betretene Stille. "Was sollen wir mit der Taube machen?"

"Ich werde sie gleich Challenger bringen, auch wenn er sie nicht sehen will" meint der Reporter.

"Tu das! Sie muss sich ausruhen von dem weiten Weg, den sie fliegen musste." Gerade will Ned gehen, als er sich doch noch zu einer Frage überwindet. "Werden die Zwillinge heute auf die Welt kommen, was meinst du?"

"Nun ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich Gott um ein Zeichen gebeten, ob ich die Kinder heute bekomme und er hat mir die Taube geschickt."

"Dann wird es also heute passieren?" fragt Malone unsicher und ängstlich.

"Ich denke schon, aber bitte, hänge dies nicht an die grosse Glocke, vielleicht war es ja auch nur ein Zufall... das mit dem Zeichen, der Taube, meine ich."

"Hoffentlich!" Mit diesen Worten verlässt auch der Reporter das Zimmer. Veronica überlegt sich gerade, ob sie nicht doch wieder ins Bett steigen sollte, als ihr einfällt, dass sie vielleicht noch ein allerletztes Mal joggen gehen soll, bevor sie ihr Schicksal erleidet.

 

"Finn, hast du Lust mit mir joggen zu gehen?" fragt die Blondine ihre Freundin.

"Aber ist das nicht ein bisschen riskant in deiner jetzigen Verfassung."

"Ach komm schon, bitte Finn, womöglich wird es mein letzter Tag sein, den ich gehend verbringe."

"Okay, okay, du hast mich überredet, aber wir sollten noch jemanden mitnehmen.... Mhm, wie wäre es mit Marguerite oder Isadore!"

"Gute Idee! Lass sie uns fragen gehen." Die beiden Blondine klopfen an der Türe der Roxtonfamilie an.

"Hey Marguerite, willst du mit uns joggen kommen?" fragt das Finny.

"Wenn es sein muss!" antwortet die Brünette. Die Zimmertüre ist immer noch geschlossen. "Soll ich Roxton mitnehmen, damit Richard noch einen Freund zum Quatschen hat?" erkundigt sich Marguerite.

"Ähm... ich gehe nicht mit Richard joggen."

"Ja, mit wem denn sonst?" Die Türe ist immer noch verschlossen.

"Mit Veronica!" meint das Finny zögerlich.

"WAS!?" Jetzt steht die Türe sperrangelweit offen. "Ihr macht wohl Witze, oder was!?"

"Nein, Süsse, das ist mein Ernst. Ich will meinen letzten Tag noch stehend und laufend geniessen" behauptet Veronica.

"Du bist verrückt! Und was ist, wenn Jessica und Joshua genau dann auf die Welt kommen, dann bist du den wilde Tieren und Sauriern ausgeliefert."

"Hey, Marguerite, nun mach aus einer Mücke keinen Elefanten" versucht Finn ihre Freundin zu beruhigen. "Und du bist auch übergeschnappt, Finn! Wie kannst du bei diesem Schwachsinn nur mitmachen, hä!?" schnauzt die Brünette das Fräulein aus der Zukunft an.

"Nun komm mal wieder runter von der Palme, wenn du nicht mitkommen möchtest auch gut." Veronica will sich gerade von Marguerite abwenden und fortgehen, als diese schliesslich doch noch zusagt. "Du bist eine wahre Freundin" ist Veronicas Kommentar dazu.

 

"Wir gehen joggen!" rufen die drei Freundinnen noch bevor sie in den Aufzug steigen.

"Das könnt ihr nicht machen" hören sie Malone zurückschreien.

"Na, dann versuch uns doch aufzuhalten" kontert die Schwangere.

"Bleibt hier!" ist Roxtons Befehl.

"Pass bitte auf Mailyn auf" antwortet Marguerite statt dessen ihrem Mann.

"Das ist zu riskant" behauptet Richard.

"Wir wissen was wir tun... und schliesslich ist es nur das Beste für Veronica!" behauptet Finn.

"Wo ist eigentlich Isadore?" will Jesse wissen. "Sie wäre heute mit dem Abwasch an der Reihe gewesen."

"Sie hat uns verlassen" gibt Malone Auskunft. "Weil heute doch Vollmond ist und das alles!"

"Ein weiteres Zeichen" murmelt Veronica vor sich hin.

"Schade, dass uns unsere rothaarige Freundin verlassen hat" gibt Challenger seinen Senf dazu. "Viel Spass beim Joggen!"

"Du erlaubst es ihnen zu gehen?" fragen Roxton, Malone, Richard und Jesse wie aus einem Mund.

"Ja, schliesslich ist das Veronicas letzter Tag, an dem sie noch gehen kann, oder etwa nicht!?"

Für dieses Argument hat keiner einer Gegenargument. Und so müssen sie mit ansehen, wie die drei Frauen die Baumhäuser verlassen...

 

"Ich hoffe bloss, dass alles gut geht und Veronica die Kinder nicht beim Joggen kriegt, das wäre der reinste Horror" findet Malone.

"Entspann dich, Ned, sie passt schon auf sich auf, da bin ich mir sicher."

"Ja, Roxton hat Recht, schliesslich sind Finn und Marguerite ja auch noch bei ihr und Marguerite hat bereits ein Kind bekommen" schliesst sich Richard dem Lord an.

"Trotzdem finde ich es unverantwortlich von Veronica. Sie denkt gar nicht an ihre Gesundheit!" behauptet Malone weiter.

"Ich kann mir deine Gejammer nicht länger anhören und werde deshalb zusammen mit Mailyn Jesse beim Abwasch helfen." Mit diesen Worten begibt sich Roxton zu der älteren Dame.

"Mir geht dies auch langsam auf den Geist. Ich werde Challenger bei seiner neuen Erfindung zu schauen, bis bald!" sagt Richard.

meint der Reporter sauer und setzt sich an sein neues Abenteuerbuch.

"Können wir eine Pause einlegen, ich bin hundemüde" sagt Veronica schliesslich eine Dreiviertelstunde später.

"Ja, von mir aus sogar sehr gerne" keucht Marguerite und stützt sich beim nächstliegenden Baum ab.

"Ihr habt wohl zu wenig trainiert in letzter Zeit" meint Finn und zieht eine Augenbraue hoch.

"Es können nicht alle so fit sein wie du" behauptet die Brünette.

"Da bin ich ganz Marguerites Meinung" schliesst sich Veronica ihrer Freundin an.

"Ja, das stimmt auch wieder. Wollt ihr was trinken?" fragt die Blondine und streckt den beiden Frauen die Thermosflasche hin.

"Gerne" sagt Veronica und gönnt sich einen grossen Schluck. "Igitt, was hast du da hereingetan?"

"Ganz normales Wasser, wieso stimmt etwas daran nicht?"

"Ich würde lieber Tee haben."

"Oh nein, ihre Hormone" murmelt Marguerite dem Finny zu.

"Sollen wir nach Hause gehen und dort Tee trinken?" erkundigt sich das Fräulein aus der Zukunft bei der Blondine.

"Es wäre mir ein Vergnügen." Veronica läuft bereits voraus, die anderen beiden folgen ihr mit Abstand.

"Vielleicht ist es besser so, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie die Zwillinge im Baumhaus gebären wird" meint Marguerite zu Finn.

"Das können wir nur hoffen. Malone wird sich sicher freuen und enorm erleichtert sein, dass wir wieder da sind."

"Ja, das glaube ich auch."

"Kommt ihr nun, oder was!?" fragt Veronica ungeduldig und ist stehengeblieben.

"Sicher, wir sind ja schon bei dir" versucht Finn die Schwangere zu beruhigen.

 

"Ist das richtig so, Daddy?" fragt Mailyn ihren Vater und zeigt ihm den abgetrockneten Teller.

"Ja Schatz, du machst das ausgezeichnet."

"AAAHH!!!" hört man plötzlich aus der Richtung des Aufzuges schreien.

"Was ist los? Was ist passiert?" Roxton steht zur Stelle. Jetzt bekommt er die Gesichter von Finn und Marguerite zu sehen, Veronica stützt sich an ihnen ab.

"Ich fürchte es ist soweit, ihre Fruchtblase ist geplatzt!" gibt Marguerite Auskunft.

"Schnell! Gebt sie mir, ich werde sie in ihr Zimmer tragen" sagt John und schon hat er Veronica vorsichtig auf seine Arme gehievt.

"Was hat sie? Veronica, geht es dir gut?" Malone ist ebenfalls bei den Freunden angelangt.

"Meine... meine Fruchtblase ist geplatzt."

"Ach du meine Güte!" Jesse hat sich den Saustall im Aufzug angesehen. "Ich werde das wegwischen nur keine Panik. Mailyn, hol mir bitte einen Waschlappen und du, Finn, bitte einen Kübel voll Wasser, ja!?"

"Geht klar, Frau Challenger" Finn und Mailyn machen sich sofort auf die Socken.

"Und lege sie vorsichtig aufs Bett" befiehlt Malone dem Lord, während er noch ein paar Tücher auf die Bettdecke plaziert.

"Volia!" Roxton hat die Blondine sanft aufs Bett gleiten lassen.

"Brauchst du ein Glas Wasser? Oder einen kühlen Waschlappen für deine Stirne?" fragt Marguerite zuvorkommend.

"Ja gerne, danke!"

"Ach keine Ursache, das gehört schliesslich dazu!" Die Brünette zwinkert ihrer Freundin zu.

"Wo bleibt George nur, er wollte doch die Hebamme spielen!" Malone ist ausser sich vor Aufregung.

"Bin schon da. Entschuldigung, dass es so lange gedauert hat, aber wir mussten noch die Kerzen ausblasen" erzählt George von seiner Erfindung, die er Richard demonstriert hat.

"Und ist sie schon fertig?" erkundigt sich Roxton.

"Leider noch nicht ganz, mir fehlt noch Chicle, aber das sollte leicht aufzutreiben sein, nicht mein Kumpel!?" sagt Challenger und klopft dem jungen Herrn auf die Schultern.

"Klar doch, Boss!" antwortet Richard artig und begeistert.

"Du nennst ihn bereits ‚Boss‘?" fragt der Lord überrascht.

"Du hast es erfasst!" Er hält den Daumen hoch.

"Ich habe Richard eigenhändig zu meinem Stellvertreter benannt" meint der Professor stolz.

"Und das heisst?" will Roxton weiter wissen.

"Falls mir mal etwas passieren sollte, erhält er das Labor und all meine Aufzeichnungen."

"Ach so, wie interessant."

"Könnt ihr das bitte ein anderes Mal besprechen und euch wieder an mich und meine Frau wenden" unterbricht Malone genervt diese Unterhaltung.

"Hier, da hast du dein Wasser und den kühlen Lappen!" Marguerite hält ihrer Freundin das Mitgebrachte hin.

"Danke, du bist ein Scha... AAAHHHH!"

"War das wieder eine Wehe?" fragt Malone besorgt.

"Ja!" antwortet Veronica gequält. "Ich glaube da will jemand ra... AU!"

"Schnell George, tu doch etwas" drängt Marguerite die angebliche Hebamme.

"Zu allererst braucht Veronica Ruhe."

"Verstanden! Lasst uns gehen, Jungs" sagt die Brünette und will sich mit den Männern gerade aus dem Staub machen, als Veronica zu ihr sagt: "Nein, Marguerite, bleib bitte bei mir, Malone und George. Du bist die Einzige, die schon ein Kind bekommen hat. Wir brauchen dich hier."

"Wenn du das unbedingt willst!"

"Ja, das will ich. Ach und Roxton, könntest du mir noch Finn hereinschicken... ich brauche meine kleine Schwester ebenfalls."

"Ihr nennt euch Schwestern?" fragt Ned verwirrt.

"Jeep! Das ist korrekt. Veronica ist meine grosse Schwester, die ich nie hatte." Das Finny hat bereits vor der Türe auf ihren Einsatz gewartet. Jetzt setzt sie sich zu Marguerite und Malone auf die Bettkante.

"Also gut, dann kann es jetzt los gehen. Bist du bereit für das erste Baby?" erkundigt sich Challenger bei der Blondine.

"Ja, bin ich."

"Okay, bei der nächsten starken Wehe presst du, verstanden!? Und bloss nicht das Atmen vergessen. Marguerite, würdest du sie bitte im Verlaufe der Geburt immer wieder daran erinnern."

"Geht in Ordnung, Sir!" Marguerite hält ihre Hand theatralisch an ihren Kopf.

"Und du, Finn, stehst ihr am besten zur Seite, wenn du mit ihr über nette Sachen sprichst, okay!?"

"Ich werd’s versuchen."

"Und was soll ich tun?" will der Reporter wissen.

"Fall nicht in Ohnmacht!"

"Wieso sollte ich denn in Ohnmacht fallen?" zickt Ned herum.

"Weil dir bei Blut immer schwindlig wird" behauptet das Finny.

"Ach das ist doch alles Quatsch."

"Na schön, dann sind wir ja jetzt bereit. Joshua! Jessica! Ihr dürft jetzt rauskommen."

Weiter geht's zur 7.Staffel


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