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6.13 Bekanntmachung

Auf dem Londoner Flughafen

"John!" Marguerite kommt überglücklich auf ihren Mann zu gerannt. "Ich habe dich schrecklich vermisst."

"Und was ist mit mir?" fragt Mailyn und zupft ihrer Mutter am Mantel um auf sich Aufmerksam zu machen.

"Dich habe ich natürlich auch ganz doll vermisst! Warst du ein liebes Mädchen?" erkundigt sich die Brünette.

"Sicher!" antwortet die Kleine. Marguerite wendet sich an ihren Mann um sich Klarheit zu verschaffen: "Ist das wahr, John?"

"Ja, mein Schatz, sie war ein ganz tolles Mädchen. Und wie war dein Flug?"

"Gut, ein bisschen lange, aber mich hat jemand begleitet!" Marguerite wendet sich an einen Herrn hinter ihr, erst jetzt bemerkt Roxton ihn. "James Worthing, das ist Lord John Roxton! John, das ist James!" stellt die Brünette die Männer einander vor.

"Sie sind also ihr zweiter ‚noch‘ Ehemann?"

"John, das war nicht gerade taktvoll. Würdest du uns einen Augenblick entschuldigen, James?"

"Sicher, Mylady!" antwortet dieser. Marguerite nimmt ihren Mann auf die Seite. Sie besprechen die merkwürdige Situation im Flüsterton.

"Das ist also dein Ehemann... deine grosse Liebe?"

"Ja, Roxton, das ist er mein ‚noch‘ Ehemann, aber ich werde mich von ihm scheiden lassen, morgen früh. Ich hoffe, dass du dich dann besser fühlst... und bitte sei etwas netter zu ihm!" Marguerite geht wieder zu James und Mailyn zurück.

"Onkel James hat mir gerade erzählt, dass du mit ihm verheiratet warst." Die Brünette schaut James verwirrt an. "Ja, das stimmt meine Süsse!"

"Übernachtet Onkel James bei uns?" fragt die Kleine hoffnungsvoll.

"Ähm... ich halte das für keine so gute Idee" versucht sich Marguerite herauszureden.

"Wieso denn nicht?" will das Kind wissen.

"Weil Daddy mit ihm nicht so gut auskommt deshalb."

"Aber ich will, dass er bei uns wohnt, er ist doch so lieb. Ausserdem will ich mehr über eure gemeinsame Zeit erfahren" behauptet das Mädchen weiter.

"Du bist ja ein richtig neugieriger Fratz!" meint James und grinst Mailyn herzlich an.

"Das haben schon viele gesagt. Ach komm schon, Papa. Ich will, dass Onkel James bei uns wohnt bis er eine eigene Wohnung gefunden hat. Bitte!" Roxton kann seiner Tochter nicht widerstehen und lädt James schliesslich zu sich nach Hause ein.

 

In der verlorenen Welt

"Veronica! Veronica! Bist du Zuhause?" fragt ein singhalesisches Fräulein. Veronica, die gerade ein Buch auf dem Balkon gelesen hat, schaut aus dem Fenster und erblickt: "Anh-Thu, was machst du denn hier?"

"Ich wollte nur mal vorbeischauen und fragen wie es dir so geht. Kann ich heraufkommen?"

"Sicher! Ich schick dir den Fahrstuhl runter." Veronica schleppt sich zum Aufzug und betätigt den ‚nach unten‘ Hebel. Schon nach kurzer Zeit steht Anh-Thu neben Veronica im Baumhaus und betrachtet dieses: "Ich hätte nie gedacht, dass es so schön ist." Das Fräulein entdeckt ein Bild von Veronicas Eltern. "Abigail war eine tolle Beschützerin, sie hat sich um alles gesorgt und war ständig Abruf bereit."

"Ja, Mum, war ein Engel... ist ein Engel. Sie ist doch jetzt ein Engel?"

"Das weiss niemand so genau."

"Aber sie erscheint mir oft in meinen Träumen als ein Engel" behauptet Veronica weiter.

"Das ist gut möglich. Aber wie du weißt, sind Träume zusammengestellte Gedanken aus unserem Unterbewusstsein. Darum erscheint sie dir als Engel, weil du denkst, dass sie jetzt ein Engel ist" erklärt die Gehilfin der Blondine alles haargenau bis ins kleinste Detail.

"Dann können Träume nicht wahr werden?" will Veronica wissen.

"Es gibt verschiedene Arten von Träumen. Es gibt die Wunschträume, dort sieht man alles was man sich sehnlichst wünscht. Dann gibt es die Traumvisionen, die verwirklichen sich in Form eines Déjàvus. Die dritte Traumform sind die Alpträume, diese Art von Träumen fasst all unsere Ängste in diesen einen Traum. Ach ja, die Mischträume darf ich nicht vergessen, in denen verarbeitest du deinen Alltag. Dies muss nicht genau der vergangene Tag sein, manchmal verarbeitest du etwas später und manches eben früher. Und natürlich gibt es da noch die Kontaktträumen, in diesen will jemand, in deinem Fall deine Mutter, mit dir Kontakt aufnehmen."

"Wow, das ist ja erschreckend, wie viele Träume es gibt" staunt die Blondine nicht schlecht.

"Du sagst es!" Anh-Thu betrachtet Veronicas Bauch. "Darf ich mal?" fragt die Singalesin. Veronica nickt, Anh-Thu streichelt sanft über den grossen Bauch der Blondine. "Wie wirst du sie nennen?" erkundigt sich die Gehilfin.

"Jessica Abigail und Joshua Thomas! Gefallen dir die Namen?"

"Ja, sehr! Wo ist eigentlich Malone?" will die Dunkelhaarige wissen.

"Er ist auf der Jagd!"

 

"Roxton komm bald zurück, wenn ich noch einen Tag länger jagen muss, drehe ich durch! Wieso krieg ich nie einen dieser doofen Raptoren vor mein Gewehr!? Ich habe die Wildschweine und Fasane langsam satt... Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde. Leider ist Summerlee auch nicht hier, sein Gulasch ist so köstlich, das würde mich jetzt so richtig anmachen!" Malone ist so in seine Gedanken versunken, dass er das Fräulein neben sich gar nicht bemerkt hat.

"So sieht man sich wieder!" sagt die Rothaarige.

"Isadore, die Zigeunerin?(1.19Prophezeihungen)" fragt Malone überrascht.

"Ja, ich bin es. Wie ich sehe, habt ihr immer noch keinen Ausweg aus dieser verlorenen Welt gefunden."

"Da irrst du dich, ich habe den bereit zwei Jahre später nach unserem Zusammentreffen entdeckt. Marguerite und Roxton verbringen ihre Zeit gerade in London."

"London? Dort wollte ich auch mal hin, ich habe schon viel über diese zivilisierte Welt gehört über meine Freunde, du verstehst was ich meine."

"Ja. Du, ich muss unbedingt nach Hause, war schön dich wiederzusehen." Der Reporter will sich gerade von dem Fräulein abwenden und gehen, als sie sich bei ihm unterhakt und dazu meint: "Ich würde dich gerne begleiten und Veronica wieder einmal treffen. Ich habe gehört, dass sie jetzt die Beschützerin des Plateaus ist. Das muss gefeiert werden!"

 

In London

Die Familie Roxton sitzt am Tisch und führt gerade das Abendessen durch.

"Es freut mich sehr, dass Sie heute bei uns sind, Mister Worthing." meint Madame Roxton "Die Zeitung hat bereits darüber berichtet, dass Sie und Marguerite die Mafia übers Ohr hauen konnten." Berichtet Silvia stolz weiter.

"Ja, solch eine Nachricht verbreitet sich relativ schnell" stimmt James der alten Dame zu.

"Ich werde Mailyn dann mal ins Bett bringen!" sagt Roxton, steht auf und geht mit der Kleinen nach oben.

"Entschuldigt mich bitte!" sagt Marguerite und folgt ihrem Mann.

"John, warte doch!" ruft sie ihm nach. Er bleibt stehen, wendet sich jedoch nicht zu ihr um. "Warum bist du heute so still? Du hast das ganze Essen durch nichts gesagt. Freust du dich denn gar nicht, dass ich wieder Zuhause bin?" will die Brünette wissen. Er geht weiter ins Kinderzimmer, wo Mailyn ihr Pyjama anzieht.

"Doch sehr, aber mir wäre es lieber gewesen, wenn du diesen James in Russland gelassen hättest!"

"Liebling, ich habe dir doch bereits gesagt, dass ich mich von ihm scheiden lassen werde. Ich verspreche dir, ich gehe morgen auf das Zivilamt und reiche die Scheidung ein, okay!?"

"Von mir aus. Darf ich dich dorthin begleiten?"

"Hast du etwa Angst, ich könnte einen Rückzieher machen?" stellt Marguerite ihm eine Gegenfrage. Mailyn kommt mit geputzten Zähnen aus dem Bad. Roxton legt seine Tochter ins Bettchen, gibt ihr

einen Gutenachtkuss, bevor er Marguerite nach draussen in den Flur führt. "Um ehrlich zu sein, ein bisschen schon, immerhin ist er deine grosse Liebe, die du nun endlich wieder gefunden hast" meint Roxton mit betrübter Miene.

"John, ich glaube wir sollten uns kurz unterhalten!"

 

"Ist es nicht zu spät, jetzt noch bei den Roxtons vorbeizuschauen?" will sich Richard vor dem Besuch drücken.

"Ach komm schon, ich habe Marguerite über einen Monat nicht gesehen, dass muss sofort nachgeholt werden" sagt Finn bestimmt.

"Wenn du meinst, aber wir bleiben nicht lange!"

"Okay!" gibt die Blondine nach. Sie setzen sich in ein Taxi.

"Wohin soll es gehen?" fragt der Fahrer.

"Aufs Avberry Gelände, bitte!" sagt Richard und schon düst das Fahrzeug los in die besagte Richtung.

 

Marguerite führt Roxton ins Schlafzimmer, wo sie sich aufs Bett setzen. "Also, worüber wolltest du dich mit mir unterhalten?" erkundigt sich der Lord.

"Soll ich dir erzählen wie unsere erste Begegnung war? Ich meine die von James und mir!"

"Muss das sein?"

"Ja, es muss. Hör zu, als ich ihn das erstemal getroffen habe, da habe ich ihn gar nicht erkannt. Erst als er mir auf die Sprünge geholfen hat, kam ich darauf, dass es er sein könnte. Das hat mir bedenken gemacht, ich habe mich gefragt, ob man jemanden als seine grosse Liebe bezeichnen kann, wenn man diese Personen nach 10Jahren nicht wiedererkennt? Die Antwort lautet Nein. Auch als ich ihn dann umarmt habe, verspürte ich kein Kribbeln im Bauch, ich war nur froh ihn wieder gefunden zu haben." "Und weiter?"

Marguerite fährt fort. "An diesem besagten Tag habe ich geträumt... von meiner Familie... von dir... und von Mailyn. Ich war mit euch auf einem Schiff und habe die frische Meeresluft genossen, da wurde mir klar, dass ich mich nur bei euch so wohl fühlen und ich selber sein kann. Ich wollte bei euch sein... bei meiner Familie, die ich über alles Liebe. Ich liebe dich!" Mit diesen drei Worten schliesst Marguerite das Gespräch ab.

"Ich liebe dich auch!" sagt Roxton ganz erleichtert. "Ja, ich weiss!" meint die Brünette nur dazu. Die beiden fallen in einen leidenschaftlichen Kuss, doch werden sie so gleich von der Türklingel gestört. "Wer mag das zu solch später Stunde denn noch sein?" fragt die Lady überrascht.

Roxton und Marguerite begeben sich nach unten um die Türe zu öffnen, doch Louis, der Butler, ist schneller. Marguerite erblickt ihre Freundin als erste: "Finn, was machst du denn hier?"

"Unsere liebe Finn wollte Ihnen unbedingt noch ‚hallo‘ sagen. Verzeihung, ich bin Richard Worthing." Der junge Herr hält Marguerite seine Hand entgegen, sie nimmt diese höflich an. "Richard, was in aller Welt machst du denn hier?" James und Silvia sind ebenfalls an der Türe angelangt.

"Dasselbe könnte ich dich fragen, Bruderherz." rechtfertigt sich Richard.

"Ich bin gerade eben aus Russland zurückgekommen."

"Entschuldigung für die Unterbrechung, aber was soll das hier werden?" fragt das Finny ein bisschen geschockt.

"Finn, das ist James, mein verschollener älterer Bruder."

"Das ist also James" fragt Finn überrascht.

"Ja, Süsse, das ist mein ‚noch‘ Ehemann James Worthing."

"Cool, wir haben den gleichen Geschmack" stellt das Finny fest.

"Dann stehst du auch auf mich?" hakt Roxton mit einem Grinsen nach.

"Naja, ich stehe nicht auf dich, aber du bist schon ein ganz toller Typ!"

"HEY!" fährt es Marguerite und Richard wie aus einem Mund. Marguerite übernimmt: "Dieses Thema hatten wir doch schon einmal vor rund einem Jahr!" Richard fährt fort: "Du bist mit mir zusammen schon vergessen!?"

"Nein natürlich nicht" meint Finn ganz verlegen.

"Sorry, das war meine Schuld!"

"Ja, John du solltest dich schämen" schaltet sich nun auch noch Madame Roxton ein.

"Es tut mir leid, Mum! Lasst uns an den Tisch setzen und das alles in Ruhe besprechen!" schlägt der Lord vor. Dies wird einstimmig angenommen.

 

In der verlorenen Welt

"Schatz, ich bin wieder Zuhause!" ruft Malone ins Baumhaus.

"Ich bin im Wohnzimmer!" hört er sie antworten. Malone führt Isadore zum Esstisch. Veronica sitzt mit dem Rücken zu den beiden und spricht mit einem dunkelhäutigen Fräulein. Die Blondine wendet sich um und starrt die Rothaarige neben ihrem Mann überrascht an.

"Hallo Veronica, wie geht es dir?"

"Gut. Malone kann ich mit dir kurz unter vier Augen sprechen?"

"Sicher! Was ist los?" Veronica führt ihn auf den Balkon. "Was macht sie hier?"

"Sie hat sich mir angehängt, ich wollte sie ja abschütteln, doch sie liess sich nicht. Wer ist deine Gesprächspartnerin, jemand aus dem Zanga-Dorf?"

"Nein, das ist Anh-Thu, meine singhalesische Gehilfin."

"Klar doch, du hast mir von ihr erzählt. Hab das ganz vergessen." Das Ehepaar geht wieder an den Tisch zurück, wo sich die beiden Fremden miteinander unterhalten.

"Weißt du noch damals bei dieser Party?" fragt Isadore das Fräulein.

"Oh ja, dein Dad ist ziemlich ausgerastet nur weil er seine Maske nicht finden konnte."

"Du sagst es. Mann, hatte ich zu der Zeit noch Respekt vor ihm."

"Ja ich auch!" behauptet Anh-Thu.

"Ihr kennt einander?" fragt Veronica erstaunt.

"Ja, Anh-Thu und ich sind beide Zigeunerinnen. Übrigens, dass du schwanger werden würdest, das habe ich auch gesehen. Wie geht es Marguerites Kind?"

"Gut, sie sind zur Zeit gerade in London!"

"Ich weiss, Malone hat mir schon darüber berichtet!" sie zwinkert dem Reporter zu.

6.14 Die Unterhaltung

In London

Alle sitzen am Tisch und geniessen das Abendessen, nur Roxton steht auf der Terrasse und blickt in die Ferne, er hört nicht, wie sich jemand an ihn heranschleicht.

"Lord Roxton?" Bei diesen Worten fährt John zusammen. "Oh... ich wollte Sie nicht erschrecken. Es tut mir leid!" Roxton wendet sich zu James um.

"Was wollen Sie?" fragt der Lord ein bisschen forsch.

"Ich wollte mich bei Ihnen nur bedanken, dafür dass ich bei Euch wohnen kann, so lange ich nicht eine eigene Wohnung habe."

"Wieso gehen Sie nicht einfach zu ihren Eltern zurück!?"

"Nun ja, weil sie auf mich nicht gerade gut zu sprechen sind. Als ich die Militärschule abgeschlossen hatte, ging ich nicht wieder zu meinen Eltern zurück, ich reiste statt dessen nach Paris. Nach einigen Jahren, die ich dort verbrachte, lief mir dann Marguerite über den Weg. Ich traf sie in einer Bar, wo sie jeden zweiten Abend in Abwechslung mit ihrer Freundin Adrienne, die für meinen Geschmack zu eingebildet war, sang."

"Wie interessant!" meint Roxton monoton.

"Ich kann verstehen, dass Sie sauer auf mich sind, Lord Roxton, aber Marguerite hat Ihnen doch versprochen, dass sie sich morgen von mir scheiden lässt, oder ist Ihnen dies etwa entgangen!?"

"Nein natürlich nicht!" wehrt John sich.

"Dann verstehe ich nicht, warum es Ihnen so schwer fällt nett zu mir zu sein. Ich für meinen Teil könnte auch wütend sein, immerhin haben Sie mit Marguerite ein wirklich bezauberndes Mädchen, was wollen Sie noch mehr?"

"Ich will, dass Sie aus unserem Blickfeld verschwinden, das scheint Ihnen schliesslich nicht schwer zu fallen."

"Sie sind eifersüchtig auf mich, ja, das ist es weshalb Sie mich derart abstossend finden, nicht wahr. Sie sind beleidigt, weil mir Marguerite schon zweimal gefolgt ist. Sie haben Angst, dass Sie diese Schönheit an mich verlieren könnten!" Roxton antwortet diesen Vermutungen nicht, es stört ihn, dass er so leicht zu durchschauen ist.

 

Challenger ist gerade damit beschäftigt seine Briefe durchzulesen, da er während des Tages keine Zeit dafür hatte. "Was haben wir denn hier: eine Rechnung... noch eine Rechnung... oh ein Brief von der Roxtonfamilie!" Der Professor öffnet den Brief:

Lieber George, 19th November 1925

wie du vielleicht schon erfahren hast, konnte Marguerite den Auftrag in Russland ausführen. Sie wird heute nach Hause kommen! Es wäre schön, wenn du sie zusammen mit mir, Mailyn und hoffentlich auch Finn am Flughafen abholen kommst.

Wir erwarten dich!

Viele liebe Grüße

Lord John Roxton

"Mist, das wäre ja heute gewesen! Tja, das kommt davon, wenn man sich nicht von seinen Erfindungen trennen kann. Was für Briefe finden wir denn noch unter diesem Haufen: wieder eine Rechnung... einen Brief für meine Frau, ach den bring ich ihr in die verlorene Welt... hier ist noch was für mich... und zwar von Sergej Koroljow... Aber was will der denn nur von mir?" Challenger öffnet den Brief.

Lieber Professor George Challenger 17th November 1925

Ich schreibe Ihnen, weil unser Termin, der in knapp einem halben Monat sein wird, aus Privaten Gründen verschoben werden muss. Da ich Sie nicht einschätzen kann, bin ich so frei gewesen und halte mir folgendes Datum für unser wichtiges Zusammentreffen offen: 25th January 1926.

Bitte melden Sie sich!

Liebe Grüsse

Sergej Koroljow

"Oh nein, dann hat Jesse Geburtstag, das kann ich ihr unmöglich antun... aber ich will diese Projekt durchführen. Es ist glaube ich das Beste, wenn ich das Ganze erst einmal überschlafe, morgen sieht die Welt sicher besser aus!" Challenger macht sich auf den Weg in sein Schlafzimmer, dort zieht er sich sein Pyjama an und legt sich ins Bett, wo er dann schon nach kurzer Zeit tief und fest schläft.

 

Mittlerweile sind Finn und Richard wieder nach Hause gegangen. Roxton liegt bereits im Bett, doch er kann nicht schlafen, weil er weiss, dass Marguerite jetzt zusammen mit diesem James im Gang steht und die beiden sich miteinander unterhalten.

"So, morgen werden wir offiziell nicht mehr zusammen sein!" seufzt James.

"Ja, dann bin ich endgültig von dir getrennt. Auf irgendeine Art wird das ein komisches Gefühl sein, ich meine, ich war über zehn Jahren mit dir verheiratet. Ich hätte jederzeit mit dir Kontakt aufnehmen und unsere Beziehung versuchen können aufzufrischen..."

"Warum hast du das nicht getan?" unterbricht Mr. Worthing die Brünette.

"Ich... ich war zu beschäftigt!" behauptet sie. denkt Roxton, der jedes einzelne Wort mit verfolgt hat.

"Ja, das kann ich verstehen" meint James. "Okay, dann schlaf gut und träum süss, Mylady!" Der Mann will Marguerite küssen, doch sie weicht ihm aus. "James, ich... ich kann das nicht tun!"

"Klar, das verstehe ich doch!" Er nimmt ihre Hand und küsste diese. "Bis morgen!"

"Ja, bis dann!" James macht sich auf den Weg ins Gästezimmer, Marguerite schaut ihm noch nach. Danach schleicht sie sich in ihres und Roxtons Zimmer, sie legt sich zu ihm unter die Bettdecke. Sie spürt, dass er sich bewegt: "John? Oh, habe ich dich geweckt?"

"Nein, nein, ich habe noch nicht geschlafen." Dann schweigen die beiden wieder. Plötzlich meint Marguerite so in die Stille: "Ab morgen werden wir offiziell und legal verheiratet sein!"

"Ja!" ist das einzige was dem Lord dazu einfällt.

"Irgendwie bin ich gespannt auf die Zeit danach, aber ich habe schon ein bisschen Angst, ich hoffe nur, dass ich dann keinen Zusammenbruch erleide. Aber ich denke nicht, wahrscheinlich werde ich mich sogar darüber freuen, wenn ich dann endlich richtig mit dir verheiratet bin!"

"Wahrscheinlich?" hakt Roxton nach.

"Nein, ich bin mir sogar ganz sicher, dass ich mich, wenn ich die Papiere unterschrieben habe sehr gut fühlen werde!"

"Das hoffe ich, mein Schatz!" Er legt einen Arm um ihren Körper, Marguerite schmiegt sich an ihn und so schlafen die beiden glücklich nebeneinander ein.

 

In der verlorenen Welt

"Das war voll lieb von euch, dass wir hier übernachten durften" meint Isadore zu dem Ehepaar. Jesse ist zur Zeit gerade bei Selina, der Anführerin der Amazonen, auf Besuch.

"Kein Problem!" meint Veronica nur, die das Frühstück gemacht hat.

"Mhm, es riecht aber lecker hier" behauptet Anh-Thu die gerade zu den Freunden gestossen ist. Sie setzen sich an den Tisch und beginnen zu essen. "Was gibt es denn so in Avallon zu essen?" erkundigt sich die Blondine.

"Früchte, Gemüse, Truthahn, Eier, eigentlich das meiste, was ihr auch habt, aber das Essen in Avallon riecht immer so komisch, irgendwie anders... nicht so frisch vielleicht!? Es ist schwierig zu beschreiben!"

"Ich glaube, was du meinst" vermutet Malone.

"Wenigstens hast du immer etwas zu essen, bei mir ist das Lunchpaket oft mager bis ganz leer" behauptet Isadore.

"Tja, du lebst halt immer noch, wie eine Zigeunerin, was ich von mir nicht gerade behaupten kann" sagt Anh-Thu.

"Ich weiss, das habe ich alles vorausgesehen!" denkt der Reporter für sich und verdreht seine Augen.

"Und was siehst du noch, Isa?" will das singhalesische Mädchen wissen und reicht der Rothaarigen ihre mit Muscheln bedeckte Haarspange.

"Ich sehe, ich sehe, dass du bald eine Nachricht erhalten wirst!"

"Gut oder schlecht?" hakt die Dunkelhaarige nach.

"Das darf ich dir leider nicht sagen" blockt Isadore ab.

"Was ist mit mir! Wird meine Geburt gut verlaufen?" will die Blondine wissen und überreicht der Zigeunerin ihr Armband.

"Mal schauen, also so genau kann ich das nicht sagen... Sie wird... sie wird..." Isa sieht die erwartungsvollen Augen der Blondine "Sie wird dementsprechend verlaufen!" sagt sie statt dessen nur.

"Aha... und geht es nicht ein bisschen konkreter?" hakt Malone nach.

"Tut mir leid, manche Visionen sind stärker und manche eben schwächer!"

"Und diese war, also eine schwächere!?" beendet Veronica ein bisschen enttäuscht die Gedanken.

"Ja, diese war sehr schwach!" "Ich muss mal, bin bald zurück!" weicht die Zigeunerin den Fragen von der Blondine aus.

"Okay! Das Bad ist gerade aus und dann die erste Türe links!" Isadore eilt davon.

"Was meinst du, ob sie die Wahrheit gesagt hat?" will der Reporter von seiner Frau wissen.

"Isa würde nie lügen!" springt Anh-Thu für ihre Freundin an.

"Aber warum hat sie das Zimmer denn so schnell verlassen?" hakt Ned nach.

"Weil sie auf die Toilette musste, deshalb!" behauptet das dunkelhaarige Fräulein weiter.

"Ich spreche zufälligerweise nicht mit dir, sondern mit meiner Frau!" sagt Malone ein bisschen barsch zum Fräulein. Diese wendet sich beleidigt weg.

"Ich denke, dass sie die Wahrheit gesagt hat!" Doch im Innern ist sich Veronica nicht sicher, ob Ned nicht doch möglicherweise mit seiner Vermutung Recht hat.

 

In London

Challenger setzt sich an den Tisch und beginnt einen Brief an seinen Studienkollege Sergej zu schreiben. Er hat noch einmal über alles nachgedacht und einen Strich gezogen. Er wird schweren Herzens dieses Projekt aufgeben, damit er mit seiner Frau zusammen sein kann. Schliesslich hat er ja schon die verlorene Welt entdeckt und das bedeutet ihm alles!

Lieber Sergej 20th November 1925

Danke für deine Nachricht. Leider muss ich dir mitteilen, dass ich an diesem Datum nicht zur Verfügung stehe, ich habe da aber einen Kollegen, der über den Bau von Instrumenten und Fortbewegungsmitteln viel Bescheid weiss. Seine Name ist Buckminster Fuller.

Trotzdem vielen Dank für deine Zusammenarbeit.

Liebe Grüsse

Professor George Edward Challenger

 

"Aufwachen, Liebling!" sagt Roxton zu seiner Frau und küsst sie zärtlich auf den Mund. Er ist bereits angezogen. Er trägt seinen grau karierten Anzug, welchen er schon beim ersten Treffen mit Marguerite getragen hat. "Wie spät haben wir es denn?" fragt Marguerite noch ganz verschlafen.

"Halb zehn Uhr! Ich will dich ja nicht drängeln, aber könnten wir nicht in einer halben Stunde zum Zivilamt gehen?"

"Von mir aus!"

"Unten wartet eine Tasse Kaffee und frische Gipfeli auf dich!"

"Mhm, hört sich gut an! Hast du mir auch schon ein passendes Kleid herausgesucht?" scherzt die Brünette.

"Ja, das habe ich. Besser gesagt ich habe dir ein neues gekauft, ich hoffe es gefällt dir!" Roxton geht zum Stuhl, wo ein Plastiksack drüber gehängt ist. Er streift den Sack vom Haken und präsentiert ihr ein hellblaues Kleid. "Passend zu deinen Augen!" fügt der Lord noch hinzu.

"Danke, dass ist reizend von dir!" Sie will aufstehen, doch er ist schneller und hält ihr die Hand. "Oh, du bist ja heute ein richtiger Gentleman" meint die Brünette nur dazu.

Die halbe Stunde ist vergangen, Marguerite hat gefrühstückt und trägt nun das hellblaue Kleid. James ist noch nicht erwacht, doch das stört Roxton überhaupt nicht.

"Können wir?" fragt John ungeduldig seine Frau, die gerade damit beschäftigt ist, Madame Roxton zu fragen, ob sie auf Mailyn aufpassen könnte, solange das Ehepaar weg ist.

"Ja, das werde ich natürlich gerne für euch übernehmen!" sagt Silvia verständnisvoll. Das Paar steigt ins Taxi und verlässt das Avberry Gelände.

Nach fünf Minuten treffen sie beim Zivilamt vor. Roxton bezahlt die Fahrkosten. Marguerite betrachtet das Gebäude: "Oh mein Gott!"

"Was ist?" will der Lord wissen.

"Ich... ich bin ein bisschen nervös" gesteht die Brünette. John überlegt nicht lange und ergreift ihre Hand: "Keine Sorge, ich bin ja bei dir... das werde ich immer sein!"

Marguerite und Roxton betreten das Gebäude, sie werden sofort in ein Büro geführt, wo Marguerite die Scheidungspapiere unterschreiben muss. Nachdem Marguerite ihren Namen auf die besagte Stelle gekritzelt hat, wendet sich der Herr hinter dem Pult an Roxton: "So, jetzt müssen nur noch Sie unterschreiben und dann..."

"Aber ich bin nicht James Worthing!" unterbricht Roxton den Beamten.

"Oh, aber wir brauchen von diesem James Worthing auch noch ein Unterschrift." Marguerite schaut ihren Mann ein bisschen geschockt an. "Mist, das haben wir ganz vergessen!" meint Roxton zu ihr. Der Lord blickt auf seine Uhr: halb elf. "Wann wird das Zivilamt schliessen?"

"Sie sind der letzte Kunde, ansonsten müssen Sie morgen noch einmal kommen!" sagt der Beamte höflich.

vermutet Roxton mit finsterem Blick....

6.15 Die Trennung

"James, wo bist du!!!!!" Roxton kommt ins Haus gerast, er stürmt die Treppe in den ersten Stock hinauf, Marguerite folgt ihm und versucht ihn zu beruhigen. "John, bitte, vielleicht hat er es nicht gewusst. Das kann doch passieren!"

"Nicht, wenn DU die Ehefrau bist!" gibt der Lord zurück.

"Wie meinst du das?" fragt Marguerite verblüfft. Sie ist stehen geblieben. Roxton wendet sich zu ihr um. "Er liebt dich! Mann, wie kann man nur so blind sein!" meint der Lord kopfschüttelnd. "Hast du nicht gemerkt, wie er dich ansieht!?"

"Nein, wie sieht er mich denn an, sag es mir doch!"

"Er sieht dich als seine Frau an, als würdest du nur ihm gehören!"

"Ach, das stimmt doch gar nicht!" bestreitet Marguerite.

"Oh, wirklich!? Na mal schauen, was er darauf sagen wird, wenn wir ihm erzählen, dass er auch noch unterschreiben muss!" Roxton macht sich wieder auf den Weg in Richtung des Gästezimmers. "John! Warte!" Die Brünette eilt ihm hinterher. Der Lord öffnet die Türe. "James, es wird Zeit zum Auf..." Roxton bleibt wie angewurzelt stehen. Das Bett ist leer. "Wo ist dieser Mistkerl!!!!"

"Möglicherweise ist er gerade am Frühstücken oder auf Wohnungssuche, das hat er dir schliesslich versprochen" vermutet die Brünette.

"Ha, das glaubst auch nur du. Der ist bestimmt schon über alle Berge! MUM!" John geht an seiner Frau vorbei und die Treppe hinunter.

"Ja, John was ist los? Was ist passiert?" will Madame Roxton wissen, die fragend aus dem Wohnzimmer kommt.

"Wo ist James?"

"Du meinst Mr. Worthing? Er ist zusammen mit Ravell ausreiten gegangen!" gibt die Frau Auskunft.

"Siehst du, er ist noch hier!" wirft Marguerite ihrem völlig aufgelösten Mann entgegen. "John, bitte, beruhige dich wieder, ja!?" Marguerite geht auf den Lord zu, umarmt ihn und flüstert ihm ins Ohr: "Es wird alles gut, das verspreche ich dir. Ich werde dich nicht verlassen, schliesslich bin ich immer noch hier!"

"Ja, ich weiss, und ich bin froh darüber. Trotzdem, ich traue James nicht. Was ist, wenn er sich nicht mehr unter Kontrolle hat sowie dieser Dietrich."

"James ist nicht wie Dietrich!"

"Siehst du, du verteidigst ihn schon wieder!" meint John.

"Weil er nicht so ist! Ich kenne ihn, glaub mir! Du musst ihm ja nicht vertrauen, es wäre aber schön, wenn du mir wenigstens dein Vertrauen schenken könntest!"

"Ich werd’s versuchen!"

 

"Was!? Du wirst mich morgen schon wieder verlassen?" fragt Richard geschockt.

"Ich wollte es dir schon früher sagen, aber ich konnte es einfach nicht" gesteht Finn.

"Kannst du nicht hier bleiben... bei mir?" fragt der junge Herr hoffnungsvoll.

"Das geht leider nicht! Ich habe Veronica versprochen, dass ich da sein werde, wenn sie die Zwillinge bekommt..."

"Und die kommen sicher bald zur Welt, nicht wahr!?" fragt er beleidigt.

"Ja, in rund einem Monat. Bitte, sei mir nicht böse." Finn streicht ihrem Freund liebevoll durchs Haar. "Ich komme bald wieder zurück! Okay?"

"Könnte ich nicht mitkommen?"

"WAS!?" fragt das Finny sichtlich überrascht.

"Ich will nicht so lange auf dich warten, ich will dich dorthin begleiten!"

"Ich weiss nicht, ob das geht."

"Wieso denn nicht?" will Richard wissen.

"Na, weil deine Eltern sicher etwas dagegen haben und weil ich mir nicht sicher bin, ob noch jemand unsere verlorene Welt sehen darf" behauptet das Fräulein schüchtern.

"Heisst das etwa, dass du mir nicht vertrauen kannst!?"

"Nein, natürlich nicht... es ist nur so... Ich habe schon mal jemanden, den ich sehr liebte, durch eine Dummheit und einen Saurierbiss verloren. Ich will nicht, dass dir dasselbe widerfährt."

"Du hast jemanden durch einen Saurierbiss verloren?" fragt Richard erstaunt.

"Ja! Mein letzter Freund, einen Zanga namens Kalle, habe ich dadurch verloren."

"Wie viele Freunde hattest du denn schon?" erkundigt sich der junge Mann.

"Zwei, meinen ersten Freund habe ICH in den Tod geschickt, weil er alle meine Freunde und auch meine Familie an die Sklavenhändler verkauft hat und Kalle war eben der zweite."

"Sklavenhändler?"

"Ja, Richard, das ist meine Vergangenheit... eure Zukunft."

"Also jetzt verstehe ich gar nichts mehr!"

 

Challenger hat gerade eben den Brief für Sergej in einen Umschlag gesteckt und die Adresse darauf geschrieben. "So nun werde ich den Auftrag endgültig in den Sand setzen!" Der Professor zieht sich seinen Mantel an und setzt seinen Hut auf den Kopf, danach nimmt er seine Brieftasche und den Umschlag und verlässt sein Haus.

Er geht zur Post, wo alle Briefe aufgenommen und entsprechend frankiert werden. Er muss nicht lange warten, bald schon wird einer der drei Schalter frei.

"Guten Tag!"

"Guten Tag, Sie wünschen?"

"Ich würde diesen Brief gerne an diese Adresse schicken lassen!" Challenger überreicht der Dame den Brief. Sie betrachtet die Adresse kurz und schlägt dann in einem Heft die Kosten nach. Schon nach kurzer Zeit hat sie es gefunden: "Das macht dann 2Dollar." Der Professor kramt in seiner Brieftasche und holt einen 2Dollarschein heraus.

"Danke!"

"Gern geschehen!" George verlässt die Post.

 

Finn hat Richard gebeten sich aufs Bett zu setzen. "Also gut, Richard, ich kann es dir nicht länger verheimlichen.... Ich komme aus der Zukunft.... um genau zu sein aus dem Jahr 2033."

"Aber wie kannst du denn hier sein?"

"Wegen der Atmosphäre auf dem Plateau, Challenger hat es auf irgendeine Weise geschafft eine Art Zeitmaschine zu erbauen, mit der er, Roxton und Marguerite mich dann aus dieser schrecklichen Zukunft geholt haben."

"Oh mein Gott! Und was geschah in der Zukunft?"

"Willst du wirklich alles erfahren?" Der junge Herr nickt. "Okay, die Welt wurde durch chemikalische Waffen zerstört. Die Überlebenden wurden von den Sklavenfänger auf die Ölfelder von New Amazonia verfrachtet, wo sie arbeiten mussten bis sie durch das Gift starben. So auch meine Eltern und Freunde. Ich bin also ein Waisenkind. Die Restlichen lebten in den Schächten unterhalb der zerstörten Welt, so auch ich. In den Schächten lernte ich dann auch meinen ersten Freund kennen, anfangs war er zärtlich und lieb, doch dann wurde er gefasst und hat unser Versteck an die Sklavenfänger verraten. Ich habe mich als einzige gegen sie wehren können, und dann kam Challenger mit seiner Truppe. Er hatte mir angeboten mitzukommen und ich nahm diese Chance schliesslich war... Und so lebe ich nun in der verlorenen Welt." Richard starrt die Blondine an. Finn weiss nicht, was sie sagen soll. Doch dann kommt ihr dieses Schweigen ziemlich nervig vor. "Na, willst du mich immer noch in die verlorene Welt begleiten?"

"Ja, jetzt erst recht. Ich muss dich doch beschützen!"

"Aber du bist dir der Gefahr dort bewusst, denn ich habe schon genug damit zu tun, alleine dort zu recht zu kommen. Ausserdem brauche ich keinen Beschützer, das finde ich nämlich nicht so toll." "Schon klar!"

 

"Mann, wie lange gehen die denn ausreiten?" Roxton sitzt ungeduldig am Tisch, vor ihm liegen die Scheidungspapiere und einen Schreiber.

"Sie kommen sicher jeden Augenblick nach Hause." Kaum hat Marguerite das gesagt, betreten Ravell und James das Haus über die Terrasse. Sie scheinen sich gut zu verstehen, denn sie lachen gerade über etwas.

"Was ist so lustig, wenn ich fragen darf?" erkundigt sich der Lord.

"Ich habe Ravell eben einen Witz erzählt... Wenn ich dich so ansehe, Lord Roxton, dann müsste ich dir diesen auch erzählen, denn siehst nicht gerade beglückt aus."

"Drei mal darfst du raten weshalb!" sagt Roxton forsch.

"John, hör auf damit!" warnt Marguerite ihren Mann, dann wendet sie sich an James: "Wie uns gesagt wurde, musst du die Scheidungspapiere ebenfalls unterschreiben."

"Wirklich? Das habe ich gar nicht gewusst" behauptet er.

"Lügner!" murmelt Roxton vor sich hin, doch James hat es gesehen. "Ich lüge nicht, wieso sollte ich auch, ich will euch nicht ihm Wege stehen... Wo sind die Papiere?"

"Tust du nur so oder bist du wirklich so dumm."

"John! Sei still!" zischt Marguerite ihn an.

"Wow, das nenne ich eine glückliche Familie." Roxton steht vom Stuhl auf und stellt sich drohend vor James hin. "Halt deine Klappe und unterschreibe die Papiere!" Er streckt ihm den Schreiber entgegen. Ravell wird das zu viel und macht sich auf die Socken ins Zimmer. Der ‚noch‘ Ehemann nimmt den Schreiber und setzt sich an den Tisch. Doch bevor er unterschreibt, wendet er sich noch einmal an Marguerite: "Schatz, bist du dir ganz, ganz sicher, dass ich nicht doch der Richtige für dich bin!?" Die Brünette schliesst ihre Augen und antwortet dann: "Ja, ich bin mir sicher."

"Das kommt ja sehr gequält!" stellt James fest. Nun steht er auf und geht zu ihr hin. "Marguerite, schau mir in die Augen und sag mir, dass ich mich von dir scheiden lassen soll!"

 

"Klingeling!" Challenger öffnet die Türe. "Hallo Finn! Hallo Richard! Was macht ihr denn hier?"

"Hi Challenger, wir haben da eine klitzekleine Frage wegen morgen!"

"Na, dann schiess mal los, Finn."

"Also... ähm, wie soll ich es sagen... Darf Richard von dir aus uns in die verlorene Welt begleiten?" "Sicher, das sollte kein Problem sein nur..." Der Professor wendet sich an den jungen Herr: "Was sagen deine Eltern dazu, sind sie einverstanden damit?"

"Um ehrlich zu sein, habe ich es ihnen noch nicht gesagt" gesteht Richard. "Sie würden eh ‚nein‘ sagen, aber ich will euch begleiten... und ich will Finn nicht schon ‚Auf Wiedersehen‘ sagen müssen. Das würde ich nicht überleben!"

"Aber deine Eltern haben ein Anrecht zu erfahren, wo sich ihr Kind aufhält."

"Bei James haben sie es auch nicht gewusst, wieso sollte das bei mir anders sein!?"

"Weil du der jüngere bist! Sie würden das nicht überlegen. Wissen sie eigentlich schon, dass James wieder zurück ist?" erkundigt sich der Professor.

"Nein! Okay, ich werde mit ihnen darüber sprechen, aber meine Entscheidung steht fest: Ich komme mit!"

"Na, dann viel Spass bei der Diskussion!" wünscht Challenger.

"Danke! Finn, unterstützt du mich?" Richard schenkt seiner Freundin einen total süssen Hundeblick. "Von mir aus! Aber ich kann dir nichts versprechen!"

 

"Mr. und Mrs. Worthing, ich denke, dass ihrem Sohn diese Reise gut tun würde. Sie können und dürfen ihn nicht einsperren, sonst wird er ihnen eines Tages noch entwischen, sowie James es getan hat, der übrigens wieder hier in London ist." Erzählt Finn der Familie Worthing.

"James ist wieder zurück?" fragt Mrs. Worthing überrascht, doch sichtlich erleichtert zur gleichen Zeit.

"Ja, es ist wahr, Mum. James ist wieder da! Er wohnt derweil auf dem Avberry Gelände bei der Familie Roxton.

"Hast du das gehört, Paul, er ist wieder zu Hause... unser ältester Sohn ist endlich wieder in London!" "Ja, Yvonne, ich hab’s mitbekommen."

"Und darf ich gehen?" fragt Richard voller Hoffnung.

"Na schön von mir aus" meint Yvonne.

"Aber?" hakt Richard nach.

"Du musst sie zuerst heiraten!" Mit diesen Worten deutet die Frau auf Finn.

"Das geht nicht!" sagt der Sohn sofort.

"Wieso denn nicht?" erkundigt sich Paul.

"Weil wir erstens schon morgen auf diese Reise gehen wollen und vor einem halben Jahr nicht wieder zurückkommen werden und zweitens entspricht sie nicht euren Vorstellungen!" behauptet Richard.

"Warum entspreche ich nicht ihren Vorstellungen?" will das Finny wissen. Richard nimmt die Blondine auf die Seite und teilt ihr im Flüsterton mit: "Du bist ein Waisenkind, sie wollen immer mit den Eltern über die Heirat diskutieren und du kommst nicht aus einer besseren Familie deswegen."

"Oh, das ist schade" meint Finn ganz bedrückt.

"Du würdest mich tatsächlich heiraten wollen?"

"Ja, denn ich liebe dich! Ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen."

"Ist das dein Ernst?"

"Ja, nur das wird leider nie geschehen. Ich bin ein Waisenkind."

"Hast du nicht gesagt, dass Challenger dich sieht als wärst du seine Tochter und dass er und seine Frau keine Kinder bekommen können?" hakt Richard nach.

"Ja, das stimmt... Du meinst doch nicht etwa, dass sie mich adoptieren werden, oder doch!?"

"Fragen kannst du ja mal, aber das würde ich erst in der verlorenen Welt besprechen. Wir können meinen Eltern doch einfach sagen, dass wir sobald wir wieder hier sind, heiraten werden, dann solltest du nämlich auch, wenn es mit der Familie Challenger klappt endlich wieder Eltern haben."

"Das wäre fantastisch!" meint Finn ganz gerührt und wischt sich mit dem Handrücken eine Träne fort.

"Mum! Dad! Wir werden heiraten, wenn wir von der Reise zurückkommen, einverstanden?"

"Okay, aber nicht dass du uns einen Rückzieher machst" mahnt Yvonne ihren Sohn noch.

"Keine Sorge, das wird nicht vorkommen!" Mit diesen Worten begibt sich das Paar in Richards Zimmer um die Sachen für die Reise zu packen.

 

Marguerite öffnet ihre Augen, doch sagt sie noch nichts. Nun kommt auch John zu ihr hinüber. "Schatz, alles wird gut. Du brauchst keine Angst zu haben." Er legt einen Arm um ihre Schultern. Dies bemerkt James natürlich sofort, deshalb nimmt er nun ihre Hände in die seine.

"Willst du dich wirklich scheiden lassen? Oder sind das die Gedanken von Lord Roxton? War es nicht schön das Gefühl jemanden zu haben zu dem man immer zurück gehen kann?" Marguerite blickt ins Leere. Roxton spürt wie die Brünette wieder diese unsichtbare Wand aufbaut und lässt sie darum los. "Darling, es ist deine Entscheidung, ich will dich zu nichts drängen" sagt der Lord verständnisvoll. Dann jedoch fügt er noch hinzu: "Egal wie du dich entscheidest, du sollst wissen, dass Mailyn unsere Tochter ist und dass du sie jeden Tag besuchen kommen kannst." Erst jetzt wird Marguerite klar, dass, wenn sie sich jetzt für James entscheiden würde, sie Roxton verlieren würde und auch Mailyn.

Hört Marguerite ihre Tochter in Gedanken mit ihr kommunizieren. Nun blickt sie James an. "Ich will, dass du die Papiere unterschreibst!" sagt sie bestimmt.

"Aber..." Der Mann wendet sich von der Brünette ab, geht zum Tisch hinüber, unterschreibt die Scheidungspapiere und verschwindet dann im Gästezimmer. Als Marguerite die Türe zu knallen hört, schreckt sie zusammen. Roxton legt sofort seine Arme um sie.

"Keine Angst, mein Schatz, du hast das richtige getan." Er küsst sie zärtlich auf den Mund. "Ich liebe dich!" Er streicht seiner Frau eine Locke aus dem Gesicht. Nun kullert eine Träne an ihrer Wange hinab. Roxton küsst diese weg und drückt Marguerite dann ganz fest an sich. Schon als er es aufgegeben hat, dass sie ihm antworten würde, vernimmt er doch noch ein leises ‚Ich liebe dich auch‘.

6.16 Der Sturm

Die Expeditionsmitglieder haben es sich auf dem Schiff, das sie ins Amazonasgebiet bringen wird, gemütlich gemacht. Das Schiff hat Zweibetten Kajüten, darum können Finn und Richard beisammen schlafen, genau wie die Familie Roxton und in Challengers zweitem Bett wird das Gepäck gelagert. Sie verbringen nun schon vier Tage auf dem Schiff, in rund einer Woche kommen sie beim Amazonas an.

Sie haben gerade zu Abend gegessen und geniessen nun noch den Tagesausklang. Finn ist in ihrer Kajüte, als Marguerite den Weg zu ihr gefunden hat. "Hey Finn!"

"Hi!" meint diese ganz abwesend und schaut weiterhin aus dem runden Guckloch.

"Hast du Lust mit mir an die frische Luft zu kommen, schliesslich müssen wir das schöne Wetter noch geniessen. Es wird sicher bald Schnee fallen." (weil es schon Mitte November ist)

"Auf dem Plateau hat es kein Schnee."

"Ja, ich weiss... aber hier schon. Und kommst du jetzt mit raus?"

"Ne, kein Bock."

"Süsse, was ist los mit dir? In letzter Zeit bist du ständig in Gedanken versunken, was geht in deinem Köpfchen vor, los sag es mir" bettelt Marguerite.

"Nichts!" behauptet Finn und legt sich aufs Bett.

"Ich kann dir nicht helfen, wenn du mir nicht sagst, was du hast" versucht es die Brünette weiter. Doch Finn bleibt stumm wie ein Fisch.

"Na schön, wenn du es mir nicht sagen willst auch gut." Mit diesen Worten wendet sich Marguerite von der Blondine ab um die Kabine zu verlassen, als sie eine Hand spürt, die ihren Arm zurückhält. "Nein, geh‘ nicht!" hört sie das Finny schluchzen. Die Brünette setzt sich zu dem Fräulein auf die Bettkante. "Schon gut, ich bleibe hier. Willst du mir jetzt verraten, was der Grund für dein Schweigen ist!?" hofft Marguerite.

"Okay... Wie alt warst du, als du Roxton geheiratet hast?" erkundigt sich Finn.

"Weißt du das nicht?" fragt die Brünette überrascht. Die Blondine schüttelt betrübt den Kopf. "Ich war 36... warum?"

"Wir haben doch Richards Eltern gefragt, ob er mitkommen darf."

"Ja, das habe ich bereits erfahren... und was haben sie dazu gemeint?"

"Nun, da James einfach auf und davon gegangen ist, und sie Richard nicht einfach mit einer wild fremden Frau mitschicken wollen, hat er ihnen versprechen müssen, dass er mich heiraten wird, sobald wir wieder in London sind."

"Das ist doch schön!?"

"Find ich nicht. Siehst du, bei dir und Roxton, da wolltet ihr beide in den Bund der Ehe eintreten, aber Richard wurde sozusagen gezwungen, er hatte keine andere Wahl."

"Glaubst du, er liebt dich nicht?"

"Ich weiss es nicht" meint das Fräulein verzweifelt "Ich denke schon, dass er mich liebt... jetzt zumindest noch, aber was ist, wenn er sich plötzlich von mir entfernt oder von einem Saurier getötet wird... ich würde das nicht aushalten."

"Kann ich verstehen. Hat er denn schon einen Antrag gemacht?" will Marguerite wissen.

"Nein, an diesem Abend waren wir zu sehr mit packen beschäftigt."

"Verstehe. Du hast, aber keine Angst mit ihm eine Ehe zu führen?"

"Ich kann es nicht sagen. Ich bin doch noch so jung, erst 24. Was ist, wenn ich jemand anders finde und diesen heiraten will, dann muss ich mich von ihm scheiden lassen, hab‘ seine Eltern belogen und ihm das Plateau gezeigt."

"Finn, du sollst nicht gerade den Teufel an die Wand malen, so ist er doch gar nicht. Anfangs war ich bei John auch misstrauisch. Ich hatte Angst, dass er gleich wie alle andern Männern ist... doch jetzt schau uns an, wir sind verheiratet und haben ein Kind zusammen... und auch wenn sich das jetzt doof anhört, aber ich bekomme immer noch Schmetterlinge im Bauch, wenn er mich küsst oder einfach nur im Arm hält."

"Ja, dieses Gefühl habe ich zurzeit auch noch..."

"Und du darfst es nicht aufgeben!" sagt Marguerite bestimmt. "Geh‘ das Risiko ein und vertraue ihm, okay?"

"Ich werd’s versuchen, aber ich gebe keine Garantie darauf ab" verspricht das Finny schliesslich.

"Na ihr?" Challenger hat sich zu Roxton und Richard an die Bar gesetzt. "Worüber unterhaltet ihr euch gerade?" will der neugierige Professor wissen.

"Hast du gewusst, dass Richard und Finn heiraten wollen, wenn sie wieder zurück in London sind?" erkundigt sich der Lord.

"Nein, das habe ich nicht gewusst... Gratuliere!"

"Danke" meint Richard ganz schüchtern.

"Und wie seid ihr darauf gekommen?" hakt George nach.

"Nun, meine Eltern wollten mich nicht mit euch gehen lassen und so versprach ich ihnen, dass ich Finn heiraten werde."

"Wow, bewundernswert. Komisch, dass sie das noch gar nicht erwähnt hat. Aber du willst sie hoffentlich von ganzem Herzen heiraten, nicht!?"

"Ja, denn ich liebe sie, aber ich glaube, dass sie Angst hat" vermutet Richard.

"Wie kommst du denn auf diesen Blödsinn?" fragt der Professor geschockt.

"Sie ist seit der Abreise so still. Letzten Abend wollte ich sie darauf ansprechen, doch statt dessen mir zu antworten, hat sie einfach die Sachen gepackt und ist irgendwo anders schlafen gegangen."

"Deswegen schlief sie letzte Nacht bei mir... Als ich sie nach dem Grund fragte, meinte sie nur, dass du schnarchen würdest und sie deshalb nicht mehr einschlafen könnte" berichtet George.

"Ach Quatsch, ich schnarche doch nicht!" behauptet Richard.

"Vielleicht solltest du sie nochmals darauf ansprechen" schlägt Roxton vor. "Bei mir hat diese Methode immer geholfen."

"Ja, das stimmt. Ich hätte nicht die Geduld gehabt, solange auf Marguerite zu warten."

"Tja George, dafür kann ich das Leben jetzt voll und ganz geniessen oder siehst du das etwa anders?" "Nein natürlich nicht."

"Ich werde mich dann mal in die Kajüte verduften!"

"Geht klar. Viel Glück!"

"Danke Roxton, das kann ich gut gebrauchen!" Er zwinkert den beiden Herren zu und geht dann Richtung Kajüte.

 

Marguerite steht auf der Reling und geniesst die frische Abendluft, als sie von ihr vertrauten Armen umschlungen wird.

"Huch, hast du mich erschreckt. Wo ist Mailyn?"

"Sie schläft schon."

"Gut... John, habe ich dir schon von meinem letzten Traum erzählt?" fragt die Brünette.

"Welchen?"

"Du, Mailyn und ich waren ebenfalls auf einem Schiff und ich fühlte mich einfach, als wäre ich zu Hause. Diesen Traum habe ich in Russland geträumt!"

"Ja, davon hast du mir berichtet. Dieser Traum ist auch der Auslöser gewesen, weshalb du dich dann für Mailyn und mich, und nicht für James entschieden hast" erinnert sich der Lord wieder.

"Und genauso fühle ich mich jetzt gerade!" gibt Marguerite zu.

"Hast du Lust...?" Er zwinkert ihr zu.

"John, das geht nicht. Mailyn schläft bei uns."

"Ach Mist, das habe ich ja ganz vergessen. Aber angenommen sie würde nicht da schlafen, wärst du dann bereit dafür?"

"Wofür?" will die Brünette wissen und stellt sich extra doof an.

"Du weißt was ich meine... für Sex natürlich!" Marguerite spürt wie sie innerlich beginnt zu glühen, nur schon wenn er das Wort ausspricht, schmelzt sie dahin.

"Tja, leider besetzt Mailyn unser Kajüte und wir sollten sie nicht beim Schlafen stören. Du weißt, doch wie sie danach immer schlecht aufgelegt ist."

"Ja, sie ist schliesslich deine Tochter!"

"Was soll das nun schon wieder heissen!?"

"Ach nichts... wir könnte es uns doch auch auf dem Deck gemütlich machen, nicht!?" schlägt Roxton vor. Marguerite nickt nur. "Ich geh‘ eine Decke holen!"

"Okay!"

"Bin gleich zurück." Und schon düst der Lord davon.

"Finn, schläfst du schon?" Als Richard keine Antwort erhält, zieht er sich um und legt sich schliesslich zu seiner Freundin ins Bett. Durch das Knarren des Bettes erwacht die Blondine.

"Oh, tut mir leid, ich wollte dich nicht absichtlich wecken."

"Schon okay."

"Ich hoffe nur, dass du wieder einschlafen kannst" meint Richard.

"Wieso sollte ich nicht mehr einschlafen können?" fragt das Finny sichtlich überrascht.

"Weil ich doch so laut schnarche!"

"Oh, Challenger hat es dir also doch erzählt."

"Ja, das hat er. Warum gehst du mir aus dem Weg, Finn?" Sie antwortet ihm nicht. "Hast du Angst, dass es zwischen uns nicht funktioniert? Fühlst du dich noch zu jung?" hakt der junge Herr nach.

"Ich weiss es nicht" gibt Finn kleinlaut zu. "Vielleicht habe ich einfach nicht mehr die Kraft noch ein Familienmitglied zu verlieren."

"Das ist doch Blödsinn, ich werde dich nie verlassen" behauptet Richard.

"Das haben meine Eltern auch behauptet und wo sind sie jetzt... im Himmel."

"Finn, ich bleibe bei dir. Ich... ich liebe dich! Wie oft muss ich es denn noch sagen?"

"Solange bis es auch über meine Lippen bringe."

"Ich kann warten. Besser spät als nie, oder!?"

"Du hast Recht, ich hätte es schon viel früher sagen müssen. Ich liebe dich auch." Die beiden fallen in einen langen und vielsagenden Kuss.

 

Während Roxton die Decke holen geht, bemerkt Marguerite, dass am anderen Ende des weiten Ozeans dunkle Wolken aufgezogen sind. Der Lord kehrt zurück.

"John, sieh nur... da kommt eine dunkle Wand auf uns zugerast!"

"Du hast Recht. Sollen wir dem Kapitän Bescheid sagen?"

"Ja gerne."

"Mr Watson, was halten Sie von der Wolkenwand, die auf uns zugerast kommt?" Das Ehepaar steht in der Kajüte des Kapitäns, dieser trinkt gerade seinen Tee. Er schaut aus dem Guckloch.

"Mhm, das sieht nicht gut aus."

"Müssen wir von Bord gehen?" will Marguerite wissen.

"Nein, das denke ich nicht. Unser Schiff kann nicht sinken" versichert Mr Watson.

"Tja, das hat man auch von der Titanic gehalten, nicht wahr" kontert die Brünette.

"Wenn die Wolken in ein zwei Stunden noch kein Wasser geworfen haben, dann sind wir aus diesem Wetter raus..."

"Und sonst?" hakt Roxton nach.

"Vielleicht kommen wir auch in einen Sturm."

"Oh mein Gott, ich geh‘ die anderen warnen. Sie sollen die Schutzweste anziehen." Mit diesen Worten eilt Marguerite davon.

 

"Challenger! George!" Marguerite hämmert an Türe seiner Kajüte. Nun öffnet ein ganz verschlafener Professor die Türe.

"Marguerite, was ist los? Habt ihr euch wieder gestritten?"

"Nein, zieh deine Schutzweste an, wir kommen vermutlich in einen Sturm!"

"Was für ein Phänomen" meint Challenger fasziniert.

"Vergiss die Wissenschaft..." Marguerite wird durch einen heftigen Ruck umgeworfen. Sie steht wütend wieder auf und reibt sich ihren Allerwertesten. "Es ist mein voller Ernst, George! Ach ja, und bring die zweite Weste auch noch mit... für John, wenn du verstehst, was ich meine!" Challenger nickt bedenklich und geht dann entschlossen wieder in seine Kajüte zurück.

"Finn! Richard! Zieht eure Schutzwesten an und kommt dann aufs Deck. Ein Sturm nähert sich" ruft

Marguerite vor der Türe ihren Freunden zu. Sie hört Finn antworten "Ein Sturm, wieso muss das ausgerechnet mir passieren. Ist gut, wir treffen uns in fünf Minuten auf dem Deck."

"Bis dann!"

"Mailyn, wach auf!" Marguerite rüttelt ihre Tochter sanft.

"Ich will aber noch ein bisschen schlafen."

"Das geht nicht mein Schatz. Ein Sturm ist aufgezogen, wir müssen unsere Schutzwesten montieren." Die Brünette öffnet den Schrank und holt zwei orangeleuchtende Westen daraus. Sie zieht Mailyn die eine an und sich die andere.

"Mama, ist diese Weste nicht zu gross für mich?" fragt die Kleine und versinkt fast unter dem orange Teil.

"Nein, das geht schon." Sie nimmt ihre Tochter an die Hand und gemeinsam gehen sie aufs Deck.

 

Es hat bereits angefangen zu regen und der Wind saust auch schon um die Freunde. Sie sind fast die einzigen auf dem Schiff. Nur noch eine ältere Frau, ein Mann und ein frisch verliebtes Paar begleiten unsere Freunde nach Südamerika.

Jetzt können die Passagiere miterleben, wie die Wellen immer höher und höher steigen. Marguerite ist derart hin und weg von diesem Naturphänomen, dass sie Mailyns Hand löst lässt. Da das Mädchen noch Halt braucht, geht sie zum Geländer um sich daran fest zu halten.

Das Schiff schaukelt hin und her, die Passagiere sind nun patschnass. "Challenger, werden wir sterben?" fragt Finn.

"Ich hoffe nicht" meint der Professor nur.

"Ich hasse Stürme, zuerst als wir aufs Plateau kamen, dann als wir Summerlee als Geist begegnet sind, danach kam dieses dumme Flugschiff und jetzt noch hier, das halte ich nicht aus!" Marguerite wirft sich verzweifelt in Roxtons Arme.

"Wo ist Mailyn?" fragt er überrascht.

"Was!? Oh mein Gott, ich muss sie losgelassen haben."

"Dort hinten ist sie!" ruft Richard, denn er muss richtig gegen den Lärm ankämpfen, und deutet auf das Mädchen.

"Mailyn!" ruft Marguerite ihrer Tochter zu. Sie will zu ihr laufen, doch dann kommt eine grosse Welle und Mailyn wird über das Geländer in die Tiefe gezogen.

"NEIN! Mailyn!!!!!!!!" rufen alle geschockt. Roxton überlegt nicht lange und springt seiner Tochter hinterher. "John, komm zurück!" ruft Marguerite verzweifelt und beugt sich über das Geländer, wo zuvor ihre Familie verschwunden ist, und hält nach ihnen Ausschau, doch die beiden sind wie vom Erdboden besser gesagt vom Wasser verschluckt.

6.17 Überlebt

Auf dem Schiff

Es ist früh am Morgen... gegen sechs Uhr. Der Sturm ist mittlerweile vorübergezogen, doch von Mailyn und Roxton fehlt jede Spur. Marguerite sitzt in der leeren Kabine auf dem Bett, sie kann es immer noch nicht fassen. Sie ist so sehr in ihren Gedanken versunken, dass sie das Klopfen an der Türe nicht hört, erst als Finny die Kajüte betritt, wird sie abrupt in die Realität zurückgeholt. Die Brünette entdeckt das Tablett, welches Finn in den Händen hält. "Wofür ist das denn?"

"Ein Glas voll Wasser und eine Beruhigungspille, damit du wieder fit wirst."

"Danke, Finn, aber das ist nicht nötig."

"Der Kapitän besteht aber darauf, dass du die Pille nimmst... damit du keinen Nervenzusammenbruch erleidest."

"Was soll das jetzt bitte noch bringen!?" schreit Marguerite ihre Freundin an. Diese zuckt erschrocken zusammen. "Irgendwann muss ich es doch verarbeiten und das tue ich jetzt. Wenn du bitte den Raum verlassen könntest." Die Brünette deutet zur Türe.

"Nein! Ich werde nicht gehen, ich bleibe hier. Es hilft über seine Probleme zu sprechen, dass hast du mich selbst gelehrt" bleibt das Finny stur. "Du brauchst mich jetzt. Was ist dein Problem?"

"Du kennst mein Problem, ich habe meine Familie verloren, was gibt es da noch zu besprechen!?" "Sehr vieles... Es besteht zum Beispiel immer noch die Möglichkeit, dass sie es überlebt haben. Ich meine hier in der Nähe hat es so viele kleine Inseln, wahrscheinlich wurden die beiden zu einer hingetrieben."

 

Roxton erwacht durch das Gekreische einer Möwe. Er treibt im Wasser. Er umklammert etwas... es ist seine Tochter, die er in seinen Armen hält. "Mailyn? Mailyn? Aufwachen!"

"Daddy?" Die Kleine öffnet langsam ihre Äuglein. "Wo sind wir?"

"Ich weiss es nicht. Kann ich dich für einen kurzen Moment neben mir schwimmen lassen? Du kannst dich dann gleich wieder an mir festhalten, ich muss mich nur drehen. Damit ich die Gegend abchecken kann." Mailyn nickt. Der Lord dreht sich auf den Rücken und sieht sich um.

"Da vorne ist eine Insel!" meint er ganz erleichtert. "Hier, du darfst auf meinen Rücken krabbeln."

"So als wärst du mein rettender Delfin?"

"Ja, genau, das bin ich."

 

In der verlorenen Welt

"Einen Spaziergang?" fragt Malone seine Frau überrascht.

"Ja, wieso nicht. Hast du was dagegen?"

"Nein natürlich nicht... schliesslich ist es so schönes Wetter..."

"Aber?"

"Es ist noch so früh morgens und wird das eigentlich nicht zu anstrengend für dich. Ich meine mit diesem dicken Bauch." Malone kann miterleben wie sich der Ausdruck in Veronicas Augen von zuckersüss zu stinksauer verwandelt. Er hat etwas Falsches gesagt, doch zurücknehmen kann er es nicht mehr.

"Ich bin also fett!?" schreit die Blondine ihn an.

"Sicher nicht, du bist wunderschön, das weißt du doch. Du bist die schönste und tollste Frau, die ich je kennen gelernt habe!"

"Dann bin ich also besser und schöner als diese Gladys?" hakt Veronica nach.

"Na, mit wem bekomme ich denn ein Kind?"

"Selbstverständlich mit mir."

"Eben!" Er gibt ihr einen Kuss auf die Wange. Veronica reicht Malone die Waffe. "Dann lass uns jetzt mal gehen."

"Wenn du unbedingt willst."

"Ja, das will ich" sagt die Blondine bestimmt. "Ich hinterlasse Jesse und Isadore eine Nachricht."

 

Auf der Insel

Roxton und Mailyn lassen sich erschöpft in den warmen Sand fallen. Die letzten 500Metern sind ihnen wie eine Ewigkeit vorgekommen, doch nun haben sie es geschafft.

"Werden sie uns suchen kommen?" fragt die Kleine ihren Vater.

"Ja, bestimmt!"

"Dann werden wir Mami bald wiedersehen?" erkundigt sich das Mädchen weiter. Als Mailyn das fragt, spürt Roxton einen leichten Stich im Herzen. Wird er seine geliebte Marguerite je wieder in die Arme schliessen können?

"Wir werden Mami mit Sicherheit wiedersehen. Hey, du könntest doch versuchen mit ihr Kontakt aufzunehmen" schlägt der Lord vor.

"Oh ja. Aber was soll ich sie fragen?"

"Alles zu seiner Zeit, ja?"

"Okay!" Mailyn schliesst die Augen und konzentriert sich ganz fest.

 

"Na, geht es wieder?" fragt das Finny hoffnungsvoll. Marguerite wischt sich eine Träne fort.

"Ja, alles wieder bestens."

"Wir sollten den Kapitän jetzt fragen, ob er vor hat die Inseln in der Nähe abzusuchen."

"Geht klar. Was meinst du, wird er ‚ja‘ sagen?"

"Ich hoffe es! Wir werden das schon irgendwie hinkriegen... schliesslich sind wir Frauen!" Finn zwinkert ihrer Freundin zu.

"Ganz deiner Meinung, wir werden das mit links schaffen!" Entschlossen steht Marguerite auf und verlässt das Zimmer, Finn folgt ihr.

 

In der verlorenen Welt

"Ich habe Durst und ich bin müde" klagt Veronica bereits nach einer halben Stunde.

"Tja, ich habe dich gewarnt, dass es zu streng für dich wird nach so langer Zeit Stubenhocken wieder in höchst Form zu kommen. Aber wer nicht hören will, muss fühlen."

"Ja, ja schon verstanden. Du hast mit allem Recht. Können wir jetzt nicht doch eine kleine Pause einlegen? Dieser Platz wäre perfekt ausgestattet mit Trinkwasser und Sitzmöglichkeiten!" Veronica wirft dem Reporter einen unwiderstehlichen Hundeblick zu. "Na gut, aber nicht lange!"

"Dankeschön! Du bist der beste!" meint die Blondine und umarmt Ned.

"Ich werde dich beim Wort nehmen!"

"Gehst du mir die Flasche füllen?"

"Okay!" Während Malone zum Fluss geht, setzt sich Veronica auf einen Felsen, doch dieser bricht unter ihr zusammen. Sie schaut verdutzt zu Boden und sieht eine gelbliche Flüssigkeit an ihrem Schwangerschaftsrock kleben: "Oh mein Gott, das ist das Nest eines Stegosaurus!" Kaum hat Veronica dies gesagt, hört man auch schon das furchteinflössende Brüllen des Stegoweibchens.

 

Auf dem Schiff

"Mr Watson, wir wären Ihnen wirklich sehr verbunden, wenn Sie nach meinem Mann und meiner Tochter suchen würden" fleht Marguerite den Kapitän an.

"Nein, das ist leider nicht möglich. Wir müssen den Terminkalender einhalten."

"Bitte, nur für einen Tag oder einen halben... bitte!"

"Wie viele Inseln gibt es überhaupt hier in der Nähe?" erkundigt sich das Finny.

"Da müsste ich mal nachschauen." Mr Watson begibt sich zur Landkarte und studiert diese eine Weile. "Es befinden sich hier in der Nähe, also im Umkreis von 15km, sieben Inseln."

"Wie lange bräuchten wir dafür?" will Marguerite sofort wissen.

"Also mit einem Tag müssen wir schon rechnen, aber wie gesagt, ein Tag verändert das ganze Konzeptes unserer Fahrzeit."

"Ich flehe Sie an, bitte, lassen Sie diese Verspätung in der Fahrzeit zu und retten Sie dafür meine Familie. Mein Mann wird Ihnen mit Vergnügen einen Check ausfüllen, sobald er wieder hier ist."

Diese Worte haben eingeschlagen wie der Blitz. Der Kapitän befiehlt seiner Mannschaft zur Rettung eines Lords und dessen Tochter.

"Mr Watson, ich bin Ihnen sehr dankbar!" sagt Marguerite erleichtert.

"Kein Problem, Mylady, was immer Sie wünschen soll befolgt werden. Wenn ich Sie und ihre Freundin nun bitten dürfte sich auf dem Deck in Position zur Ausschauhaltung zu plazieren."

"Klar doch!" Die Freundinnen und der Kapitän machen es sich auf dem Deck bequem und halten nach Roxton und Mailyn Ausschau. Bald kommen ihnen auch noch Richard und Challenger zur Hilfe.

 

In der verlorenen Welt

"Steh auf Veronica!" ruft Malone seiner Frau verzweifelt zu. Doch die Blondine kann nicht aufstehen, das Gewicht des Bauches zieht sie nach unten. Jetzt hat der Reporter die Wasserflasche fallen gelassen und eilt zu Veronica hin.

"Gib mir deine Hand!" Die Blondine befolgt dies, Ned zieht mit aller Kraft daran. Schliesslich hat er es geschafft, doch das Stegoweibchen ist bereits beim Nest angekommen und somit auch bei ihnen. Es schnuppert daran, dann kreischt es wieder auf. Das Weibchen entdeckt die beiden, sie sind nicht weit von ihr entfernt, es fehlen ihr nur wenige Meter. Sofort kommt es auf das Paar zu galoppiert.

"Lauf! Lauf!" schreit Malone gestresst. Veronica rennt voraus, anfangs geht das auch noch gut, doch plötzlich stolpert sie über eine Wurzel und fällt hin. "Steh auf! Verdammt noch mal steh auf!" wieder versucht der Reporter die Blondine aufzuziehen, doch dieses Mal sackt sie zurück. "Ich kann nicht" flüstert sie. "Doch du schaffst es!"

"Nein, es geht nicht. Es... es tut so weh."

"Was tut dir weh, etwa dein Knöchel?" will Malone wissen.

"Nein, mein Bauch... er schmerzt total!" Nun hat der Stegosaurus die beiden eingeholt, doch Malone gibt sich nicht so leicht geschlagen. Er schiesst und schiesst und schiesst... Er weiss nicht wie lange oder wie viele Schüsse er gebraucht hat, doch dann endlich plumpst der Saurier auf den Boden und bleibt dort regungslos liegen. Ned wendet sich wieder an die Blondine. "Kannst du aufstehen?"

"Ich weiss nicht!" meint Veronica.

"Warte ich helfe dir" sagt Malone und streckt ihr die Hand hin. Sie greift nach dieser und zieht sich daran wieder auf die Füssen. "Ah!"

"Was ist? Immer noch dein Bauch?"

"Ja, es drückt und sticht fürchterlich."

"Lass uns nach Hause gehen, vielleicht weiss Jesse oder Isadore was mit dir los ist."

"Ist gut." Veronica darf sich auf Neds Schulter abstützen, gemeinsam machen sie sich auf den Nachhauseweg.

 

Auf hoher See

Marguerite blickt in die Ferne, als sie plötzlich eine ihr vertrauten Stimme wahrnimmt. "Mama? Mama, kannst du mich hören?"

"Ja, Mailyn, ich höre dich. Wie geht es dir, meine Süsse?"

"Gut! Daddy und ich sitzen auf einer Insel fest."

"Dann habt ihr es also gut überstanden" meint die Brünette erleichtert.

"Ja, wir haben es beide überlebt. Wir sind nur ein bisschen erschöpft, das ist alles!"

"Beschreibe mir die Insel, wie sieht es dort aus?"

"Der Sand ist weiss, die Klippen enorm und die Palmen saftiggrün" sagt die Kleine sofort.

"So sehen hier alle Inseln aus!" meint Marguerite bedrückt "Gibt es ein Merkzeichen, woran wir sie erkennen können?"

"Da muss ich Paps mal fragen." Mailyn wendet sich an ihren Vater. "Mami fragt nach einem Merkzeichen auf der Insel. Was ist ein Merkzeichen?"

"Das ist etwas besonderes... etwas, das einmalig ist, wie zum Beispiel das Muttermahl auf deinem rechten Schulterblatt."

"Ach so!" meint das Mädchen bedenklich und schaut die Insel an. Roxton macht es ihr gleich.

"Sieh nur, da hat es ein ganz grosser Berg!" behauptet Mailyn und deutet auf den sogenannten Berg. "Das ist ja ein Vulkan! Sag, Mami, dass es auf dieser Insel einen Vulkan gibt."

"Mach ich!" Das Mädchen wendet sich wieder ihren Gedanken und somit ihrer Mutter zu. "Auf dieser Insel hat es einen ganz grossen Berg... einen Vulkan um genau zu sein."

"Das ist es! Danke mein Schatz, bis später!" Marguerite geht zum Kapitän und berichtet ihm, was sie eben gerade erfahren hat. Obwohl dieser es nicht so ganz glauben kann, dass jemand die Gabe der Linguistik und ‚Gedanken lesen‘ besitzt, befolgt er Marguerites Rat. Und hält nach einem Vulkan Ausschau.

 

In der verlorenen Welt

Malone und Veronica sind beim Baumhaus angekommen, sie schleppen sich in den Lift. Oben angekommen, legt der Reporter Veronica auf ihr Bett und geht dann Jesse und Isadore suchen. Auf der Baustelle des zweiten Baumhauses wird er schliesslich fündig. Sofort begeben sich die drei wieder nach oben.

Nach einer Weile meint Jesse: "Es sieht nicht so aus, als ob du eine Fehlgeburt erlitten hast, aber das war knapp."

"Dann habe ich die Zwillinge noch?" fragt die Blondine hoffnungsvoll.

"Ja, soweit ich es mit Tasten beurteilen kann, sind die beiden noch dort, wo sie sein sollten. Jetzt können wir nur hoffen, dass dieser Sturz keine Folgen auf die Geburt der beiden hat."

"Ist das denn möglich?" fragt Ned erstaunt.

"So was kann immer passieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Trotzdem ausschliessen kann man so etwas nie." versucht Jesse das Ehepaar zu beruhigen.

"Ich habe das kommen sehen!" behauptet nun Isadore.

"Ja, aber warum hast du mich denn nicht vorgewarnt!?" will Veronica wissen.

"Ich wollte es dir sagen, oder dich zumindest von einem Spaziergang abhalten, aber ich konnte ja nicht ahnen, dass du das Haus bereits im Morgengrauen verlassen wirst. Es tut mir leid."

"Schon okay, der gute Wille mich davon abzuhalten war schliesslich da. Naja und was passiert ist, ist nun mal passiert. Man kann es nicht mehr ungeschehen machen."

 

Auf der Insel

"Daddy, da ist ein Schiff!" ruft Mailyn ihrem Vater zu, der gerade versucht ein Feuer zu machen um sich daran zu wärmen.

"Sie haben uns tatsächlich gefunden!" Er steht auf, nimmt Mailyn auf seine Arme und gemeinsam gehen sie von der Klippe wieder zur Bucht hinunter. Das Feuer brutzelt weiter.

"Da ist ein Vulkan und weiter unten sehe ich Rauch!" Finn hat das Feuer als erste entdeckt. "Wir haben sie gefunden!" Sofort lässt die Mannschaft das Beiboot zu See, vier Matrosen und Marguerite nehmen darin Platz. Nun wird die Brünette zu ihrer Familie gerudert. Noch bevor das Rettungsboot ganz aus dem Wasser herausgezogen ist, springt Marguerite auch schon in das kühle Nass und eilt ihrer Familie entgegen.

"John! Mailyn! Ach, ich bin so froh euch wiederzusehen!" Mit offenen Armen wird sie empfangen. Roxton setzt Mailyn ab und nimmt dann seine Frau in die Armen. "Marguerite, ich bin so was von erleichtert. Vielen lieben Dank, dass ihr nach uns gesucht habt."

"Das war doch selbstverständlich. Was meinst du denn, ich hätte es ohne dich keine Sekunde länger ausgehalten."

"Und was ist mit mir?" fragt Mailyn und zupft ihrer Mutter am Rock. Marguerite nimmt das Mädchen in die Arme. Diese schlingt sofort ihre kleinen Ärmchen und Beine um ihren Hals und Bauch. "Dich habe ich natürlich auch ganz doll vermisst."

"Ehrlich?"

"Ja, das ist die volle Wahrheit! Ich kann ohne euch nicht leben."

6.18 Das Portal

Die Freunde sind endlich im Amazonasgebiet angelangt. Sie haben es alle gut überstanden und sind heil froh, dass Roxton und Mailyn wieder unter ihnen weilen. Sie haben gerade den Bergtunnel erreicht, als Challenger was auffällt. "Mhm, findet ihr nicht auch, dass der Tunnel etwas anders als sonst aussieht... heller vielleicht!?"

"George, ich habe wirklich keine Lust auf deine Verdächtigungen. Ich bin hundemüde und freue mich schon aufs Baumhaus. Ich will endlich wieder was richtiges Essen und ich habe schrecklichen Durst."

"Na schön, überredet, aber ich habe euch gewarnt."

"Ja, ja, George, wir sind dir dafür auch sehr dankbar" behauptet Finn und stosst den Professor vor sich hin in die Höhle, die anderen Folgen ihnen. Richard hat ein mulmiges Gefühl, bald wird er von Sauriern und Affenmenschen gejagt werden, doch das sollte längst nicht das einzige sein, was ihn dort erwartet....

Als die Truppe weiterläuft und gedanklichen schon ganz im Baumhaus sind, wo sie sich ausruhen und endlich wieder Veronica, Jesse und Malone in die Arme nehmen können, entdecken sie plötzlich viel zu früh das helle Licht des Ausgangs.

"Ist das der Ausgang? Sind wir schon so weit gelaufen?" fragt Roxton beunruhigt.

"Wirklich komisch, meiner Messungen zu folge, fehlen uns noch 2Meilen bis wir den Ausgang erblicken."

"Vielleicht täuscht du dich auch nur, George" widerspricht Marguerite ihm. "Ich meine, das kann doch mal passieren, es wäre nicht das erstemal und... ein Tisch!"

"Hä? Was war das letzte, das du gesagt hast?"

"Dort vorne hat es einen Tisch mit Essen drauf." Marguerite deutet geradeaus, wo vor ihnen jetzt ein gedeckter Tisch steht. "Was meint ihr, ist es eine Falle?" fragt Finn ihre Freunde sogleich.

"Nein, das glaube ich nicht, das wäre zu offensichtlich. Umgehen wir es einfach" sagt Roxton und will gerade weitergehen, als er bemerkt, dass Marguerite wie gefesselt dieses Anblickes stehen bleibt. "Schatz, komm, gehen jetzt nach Hause, wo du essen, trinken und dich ausruhen kannst. Na was hältst du davon?"

"Wieso können wir nicht einfach hierbleiben. Essen, Getränke, Stühle... alles steht bereit und wartet nur noch darauf gebraucht zu werden."

"Wo sie Recht hat, hat sie Recht" meint Finn und setzt sich glatt auf einen Stuhl. Mailyn, die wie immer fasziniert von ihrer Heldin ist, macht es ihr gleich. Das Mädchen lugt über die Tischkante hinweg. Nun setzen sich auch noch Richard und Marguerite hin.

"Ich halte das für keine so gute Idee!" versucht John weiterhin die anderen zum Weitergehen zu überreden. "Challenger hilf mir doch!"

"Ich glaube, wir sollten es ihnen nachmachen und einfach das Essen geniessen. Es sieht nicht vergiftet aus!" Mit diesen Worten setzt sich der Professor auf den nächstliegenden Stuhl neben Richard. Die weiblichen Gäste haben bereits mit Essen begonnen. Wehmütig lässt sich der Lord auf den Stuhl sinken, jedoch rührt er das Essen nicht an.

Finn hat solch einen Hunger, dass sie bereits alles aufgegessen hat, was zuvor noch ihren Teller schmückte, gerade will sie sich nachschöpfen, als sie einen Spruch auf ihrem Teller bemerkt.

"Hat es auf euren Tellern auch ein Spruch eingeritzt?" fragt sie in die Runde. Ihre Freunde schütteln die Köpfe. "Komisch..."

"Lies ihn uns doch mal vor" schlägt Marguerite vor.

"Okay, haltet euch fest" sagt Finn und versetzt ihrer Stimme einen dramatischen Unterton.

"Rau da la miso, zuku fara asch. Seri sera ostriso, merma da la... vasch"

"Kannst du es übersetzen?" fragt Challenger Marguerite hoffnungsvoll.

"Ja, der Spruch heisst so viel wie: Ehe ihr euch versieht, hat die Zukunft gesiegt. Wird euch halten feste da, bis alle Zeit... für jeden Tag."

Nichts geschieht... Sie wenden sich enttäuscht wieder dem Essen zu. Auch Roxton kann nicht länger widerstehen und beisst ein grosses Stück von seinem Pouletschenkel ab.

"Schaut mal, die Sonne scheint." Mailyn deutet durch eine Fensterscheibe auf die Strasse hinaus.

"Aber... wie sind wir hierher gekommen?" fragt Challenger verblüfft und fasziniert so gleich.

 

"Wo sind wir denn hier gelandet?" Roxton schaut sich in einem Restaurant um, das von Robotern bedient wird.

"Sieht so aus als wären wir in die Zukunft gereist" meint Challenger bedenklich.

"Toll und wie kommen wir hier wieder fort!?" fragt Marguerite sauer.

"Vielleicht weiss jemand, was mit uns passiert ist."

"Finn hat Recht. Das beste ist, wenn wir uns trennen und jemandem suchen, der uns helfen kann wieder zurückzukommen." schlägt Richard vor.

"Gut" Challenger wendet sich an die Familie Roxton: "Ihr hört euch zusammen in der nächstgrösseren Stadt um, Finn und Richard, ihr werdet euch hier in der näheren Umgebung umschauen. Ich werde..."

"...alleine losziehen?" beendet Roxton den Satz. "George, das kannst du nicht machen! Das ist zu gefährlich."

"John, beruhige dich. Es wird mir schon nichts geschehen – schau mich nicht so an – ich weiss, was ich tue!" Der Professor steht entschlossen von seinem Stuhl auf, während er sich auf den Weg nach draussen macht, ruft er seinen Freunden noch zu. "Wir werden uns in drei Stunden wieder hier besammeln! Seid also pünktlich!" Challenger verlässt das Restaurant.

"Na dann, vorwärts" sagt Marguerite und dirigiert die anderen aus der Türe. Finn schlurft langsam ihrer Freundin hinterher, als sie angestupst wird. "Sie haben vergessen zu zahlen" sagt eine monotone Stimme hinter ihr. Sie wendet sich genervt um, vor ihr steht ein... Roboter, er trägt eine Schürze und in der Hand hält er den Notizblock für die Bestellungen. Sie sieht wie sich Roxton, Marguerite und Mailyn von Richard verabschieden.

"Es tut mir wirklich schrecklich leid, aber wir haben das Geld zu Hause liegen gelassen. Könnte ich das nicht ein anderes Mal bezahlen, ginge das?" Die Blondine bemerkt wie sich das Metall des Roboters leicht rosa färbt. Seine Augen schauen sie verträumt an: "Kein Problem, Tobi übernimmt das für Sie, gnädige Dame."

"Wer ist Tobi?" will das Finny wissen.

"Das bin ich" meint der Roboter stolz. Er reicht Finn gerade mal bis zur Hüfte. "Oh, verstehe!"

"Haben Sie Lust mit mir Abend zu essen?" fragt der Roboter schüchtern.

"Tobi, ich würde..." Noch bevor Finn antworten kann, wird sie von Richard unterbrochen. "Finn kommst du endlich!" Er steht im Türrahmen und wartet schon ungeduldig auf sie.

"Ähm... ich muss leider gehen, ein anderes Mal vielleicht. Trotzdem danke für die Einladung."

 

"Ich sage dir, wir laufen im Kreis!" behauptet Marguerite und schaut sich in der Gegend um. Wie sie bemerkt hat, gibt es fast keine echten Pflanzen mehr, die meisten wurden durch künstliche ersetzt. Nebst Menschen gibt es hier noch Roboter, sprechende Autos, die fliegen können, allerdings gibt es keine Tiere mehr, dafür eine Mischung aus Robotern und Menschen. Die sogenannten Harohame!

"Wir haben uns nicht verlaufen, hier sieht einfach alles gleich aus. Das ist alles."

"Ach ja, sagt der Experte!" giftet Marguerite zurück.

"Ja, das sage ich... manchmal bist du wirklich unerträglich."

"Danke gleichfalls, du kannst einem wirklich auf die Nerven... Wo ist Mailyn?" Roxton und Marguerite haben nicht bemerkt, dass Mailyn sich davongeschlichen hat, während die beiden miteinander gestritten haben. "Mailyn!? Mailyn!"

"Ich bin hier. Seht mal, wen ich gefunden habe!" Das Mädchen präsentiert ihnen einen weinenden Knabe. "Wie ich herausfinden konnte, heisst er Cornell. Er hat seine Mami beim Einkaufen gehen verloren."

"Oh, das ist ja schrecklich" meint Marguerite mitfühlend. Sie nimmt den Jungen auf die Arme. "Na, wo hast du deine Mutter zuletzt gesehen?"

"Wir... wir waren in diesem Laden mit den Spielsachen und plötzlich war sie weg." Der Kleine schluchzt hörbar auf. "Wo wohnst du denn?" erkundigt sich Roxton.

"In der Seifenblasenstadt."

"Und wo liegt diese Stadt?"

"Nicht weit von hier... wenn wir die Buslinie 3aFlug nehmen und bei der Haltestelle ‚glitzernde Krönung‘ aussteigen, müssen wir durch ein Tor gehen und schon sind wir dort."

"Eine Frage, wie alt bist du eigentlich?" will der Lord wissen.

"1½ Jahre, wieso fragen Sie?" Der Junge schaut Roxton misstrauisch an. "Ach nur so" erwidert dieser.

"Was hier wohl drinnen ist?" fragt sich Challenger und blickt ein weisses Gebäude an, dass so gross wie ein T-Rex und so breit wie ein Fussballfeld ist. "Faszinierend!" Der Professor betritt das Gebäude ohne sich grosse Gedanken über die Konsequenten zu machen.

Das Gebäude ist auch innen ganz weiss. "Diese Farbe scheint wieder gross im Kommen zu sein." "Kann ich Ihnen behilflich sein?" fragt eine Frau auf einer Leinwand.

"Ähm, ja... wo bin ich hier und wer sind Sie?"

"Ich bin Claire, die Empfangsdame und stehe Ihnen stets zur Verfügung, sollten Sie Fragen haben. Das hier ist das Zentrum der Erfindungen."

"Dann bin ich hier ja genau richtig" murmelt Challenger vor sich hin.

"Wenn Sie mir bitte folgen würden." Während Claire in der ausgespannten Rolle der Leinwand entlang läuft, erkundigt sie sich: "Und mit wem habe ich das Vergnügen?"

"Professor George Edward Challenger, Wissenschaftler der Zoologischen... Grundgütiger! Ist DAS da eine Rakete?" Challenger wollte gerade weitergehen, als er rechter Hand ein weisses, atemberaubendes Modell erblickt hat, welches ihm nur zu bekannt vorgekommen ist.

"Das ist die Rakete ‚Mars‘. Wie der Name schon verrät, fliegt diese Rakete zum Mars."

"Zum Mars!?"

"Ja, dem roten Planeten, wo die reichen Leute wohnen. Ich meine, irgendwie müssen sie mit uns in irgendeiner Art und Weise verbunden sein, damit wir ihnen Lebensmitteln zuschicken können oder sehe ich das etwa falsch."

"Nein, im Gegenteil, sie haben natürlich vollkommen Recht."

"Ich weiss!" meint Claire von sich überzeugt. "Das hier ist die Rakete zum Mond, wo hauptsächlich die Roboter wohnen." Challenger beäugt das metallene Fluggerät, welches bereits einige Beulen hat. "Und das hier ist die Rakete der Harohame, diese Gattung aus Roboter und Mensch lebt auf dem Pluto. Mein Lieblingsplanet müssen Sie wissen, obwohl die Venus auch nicht schlecht ist."

"Aha! Unglaublich, wie sich die Menschheit entwickelt hat."

"Allerdings. Hier haben wir unsere neuste Erfindung, der Riechfernseher. Nebst sehen und hören, können wir das Gefilmte nun auch noch riechen. Ist das nicht toll!?"

"Hört sich grandios an, aber was ist ein Fernseher?"

"Bitte! Aus welchem Jahrhundert stammen Sie" meint Claire verständnislos.

"Aus dem 20."

"Aus dem 20.Jahrhundert? Aber wie kommen Sie denn hierher... ins 26.?"

"Keine Ahnung. Wir, das heisst meine Freunde und ich, sassen an einem Tisch in einer Höhle und plötzlich fanden wir uns in einem Ihrer Restaurants wieder."

"Sie leben noch in Höhlen?" fragt das Fräulein geschockt.

"Nein, natürlich nicht... das ist eine lange Geschichte. Wir leben in einem Baumhaus."

"Ein Baumhaus!? Ist das nicht was für Kinder?"

"Nun, eigentlich schon. Um auf meine Frage zurückzukommen: Was ist ein Fernseher?" Während Claire dem Professor erklärt, was ein Fernseher ist, ist Challenger hin und weg von dieser Erfindung und wirft immer wieder ein paar ‚Aaahs‘ und ‚Ooohs‘ ein. Als Claire dann endlich wieder auf den Riechfernseher hinüber kommt, stellt sich Challenger vor, wie es wäre, wenn man einen Tierfilm sehen würde und den toten Kadaver riechen könnte.

 

"So da wären wir!" Cornell deutet nach oben zur Stadt, die in der Luft fliegt. Diese Stadt ist sozusagen in einer Seifenblase gefangen. "Und wie kommen wir da hinein, ohne dass die Blase zerplatzt?" erkundigt sich Marguerite.

"Die Seifenblase zerplatzt nicht, weil es noch eine weitere Schicht rundum gibt, aus Seife, die das verhindert. Jedoch müssen wir Sauerstoffmasken tragen, nicht dass wir noch ersticken." Cornell hat sich bereits seine Maske angezogen und geht durch das Tor hindurch. "Kommen Sie!" Er macht ein einladende Geste. Schliesslich stülpen sich Mailyn, Roxton und Marguerite ebenfalls je eine Maske auf und gehen zu Cornell auf die andere Seite.

"Das ist ein komisches Gefühl, so als ob ich fliegen könnte!" meint Marguerite und streckt ihre Arme aus. Cornell antwortet ihr geduldig: "Es ist ähnlich wie im Wasser, nur dass die Flüssigkeit Seife enthält. Schwimmen wir nach oben! Mailyn, du kannst dich an mir festhalten." Cornell hält ihr die Hand hin, sie nimmt diese dankbar an und obwohl Cornell kleiner und jünger ist, schwimmt er ausgezeichnet.

"Wer war das denn? Ein Roboter?" fragt Richard seine Freundin und blickt zum Restaurant zurück.

"Ja. Tobi hat für uns bezahlt und wollte mich gerade zum Abendessen einladen, als..."

"Finn! Miss Finn!" Tobi kommt ausser Atem bei ihr an. "Hier, das wollte ich Ihnen noch schenken!" Er hält ihr einen künstlichen Blumenstrauss hin.

"Wie romantisch... künstliche Blumen" meint Richard verächtlich. Finn wirft ihm einen bösen Blick zu. "Vielen Dank, die sind wunderschön."

"Nicht so schön wie sie natürlich" kontert der Roboter sofort.

"Igitt! Lass Sie uns in Ruhe... Sie Blechbüchse!" Richard zerrt Finn mit sich.

"Das war aber nicht gerade nett von dir. Aua, du tust mir weh!" Die Blondine reisst sich von ihm los. "Hast du sie noch alle. Er hat mir nur etwas geschenkt, dass ist alles!"

"Ich mag keine Roboter und vor allem nicht solche, die meine Freundin belästigen. Suchen wir weiter!" Beleidigt läuft Finn hinter ihm her.

 

"Oh Gott sei Dank, Cornell, wo hast du nur gesteckt!" Die Mutter von Cornell kommt erleichtert auf ihren Schützling zu gerannt. "Mami, schau mal wer ich mitgebracht habe."

"Guten Tag, ich bin Monika, die Mutter von Cornell. Ich bin Ihnen ja so dankbar."

"Keine Ursache, ich weiss, wie es ist, wenn man sein Kind verliert. Ich bin Marguerite!" stellt sich die Brünette vor.

"Ich bin Lord John..." will Roxton gerade sagen, als er von einer Männerstimme unterbrochen wird: "Cornell, hier steckst du also, wir haben dich schon überall gesucht."

"Daddy? Solltest du nicht bei der Arbeit sein?" fragt der Knabe verwirrt.

"Ich konnte mich nicht konzentrieren, so sehr habe ich dich vermisst. Zum Glück haben diese netten Menschen dich gefunden. Ich bin Jack und arbeite im Zentrum für umweltfreundliche Erfindungen. Jedoch vergisst man das ‚umweltfreundlich‘ meistens auszusprechen. Kommen Sie doch herein." Die beiden Familien gehen in ein gelbes Haus. Monika geht sofort in die Küche und bereitet dort Kuchen und Kaffee zu, für die Kinder gibt es Limonade.

"Sie haben ein schönes Haus" meint Marguerite schliesslich.

"Ja, das ist es wahrhaftig. Alles umweltfreundlich, sogar unser Auto ist nach der Umwelt gerichtet." "Ich will Ihnen ja nicht die Show stehlen, aber hier gibt es doch gar keine echten Pflanzen mehr... ich meine sowie früher."

"Ja, leider. Trotzdem müssen wir darauf achten, dass sich das Ozonloch nicht noch weiter ausdehnt." "Ach so, das erklärt natürlich einiges." Marguerite schaut zu den Kindern hinüber. "Wie kommt es eigentlich, dass Cornell unsere Sprache schon so gut beherrscht?"

"Nun, das ist ein lange Geschichte, die bis zurück ins 16.Jahrhundert führt..."

"Kaffee, Kuchen und Limonade ist fertig!" Monika kommt mit den Leckereien auf einem Tablett ins Wohnzimmer geschneit. "Cornell, das ist für dich und deine Freundin. Oh wir hatten ja noch gar nicht das Vergnügen euch näher kennenzulernen. Wie heisst sie denn, eure Tochter?" fragt Monika und schaut das Ehepaar erwartungsvoll an.

"Ich bin Mailyn" sagt das Mädchen stolz.

"Oh, du beherrscht die Gabe der Linguistik auch!?" fragt Monika überrascht.

"Ja, das tue ich, gäll, Mami?"

"Ja, Mailyn." Die Brünette zwinkert ihrer Tochter zu.

"Wieso sagten Sie auch, Miss Monika?" schaltet sich Roxton ins Gespräch ein.

"Nun... ich glaube mein Mann wollte Ihnen gerade die Geschichte erzählen, als ich sie dummerweise unterbrochen habe. Tut mir leid."

"Schon gut, mein Schatz. Also, es war Ende des 16.Jahrhunderts als Morgan, die Druidenpriesterin geboren wurde."

"Sagten Sie gerade eben Morgan?" fragt Marguerite schockiert.

"Ja, wieso?" stellt Jack die Gegenfrage.

"Nun, weil ich... besser gesagt Mailyn die Nachfolgerin der Druidenpriesterin ist."

"Was?" Monika ist erstaunt über diese Neuigkeit. "Dann bist du also die berühmte Mailyn Roxton Montegomery?" Die Frau hat sich an Mailyn gewendet.

"Ja, so heisse ich."

"Und dann sind Sie, Lord John Richard Roxton und Lady Marguerite Roxton Montegomery?" fällt es Jack wie Schuppen von den Augen.

"Ja, die sind wir" antwortet Roxton verwirrt. "Und wer sind Sie?"

"Ich bin Jack Joachim Roxton und das ist meine Frau Monika Roxton Cardew. Unser Sohn heisst Cornell John Roxton."

"Oh Gott, was für ein Zufall" meint Marguerite ein bisschen verängstigt.

"Wie seid ihr hierher gekommen, ihr solltet doch in der verlorenen Welt sein!" sagt Monika bestimmt. "Nun ja, das ist eine andere Geschichte." Nachdem Roxton alles mit dem Tisch in der Höhle und des Restaurants erzählt hat, fällt den Elternpaare plötzlich auf, dass ihre Kinder unauffindbar sind.

"Oh nein, nicht schon wieder. Cornell vergisst uns immer Bescheid zu sagen, wohin er geht."

 

"Und haben Sie jetzt eine Idee, wie wir wieder nach Hause kommen können?" fragt Challenger ungeduldig. Claire überlegt lange, schliesslich meint sie: "Ihr müsst euch im Restaurant wieder an genau die gleichen Plätze des Tisches setzen und mit Essen beginnen."

"Danke, vielen herzlichen Dank! Ich muss jetzt leider gehen, ich würde liebend gerne noch länger bleiben, aber in einer halben Stunde treffe ich mich wieder mit meinen Freunden beim Restaurant. Auf Wiedersehen, Miss Claire und geniessen sie diese tolle Zukunft!" Mit diesen Worten eilt Challenger aus dem weissen Gebäude in Richtung des Restaurants.

 

"Vielleicht sollten wir jemanden von dieser Menschengruppe dort hinten fragen, möglicherweise können die uns Bescheid geben" schlägt Finn vor. Richard will eigentlich nicht fragen, aber er lässt sich doch noch überreden und schreitet nun auf die Gruppe zu.

"Tag allerseits. Ich bin Richard. Ich hätte da eine Frage bezüglich eines Restaurants."

"Sir, Ihnen ist doch hoffentlich bewusst, dass es uns nicht gestattet ist mit Ihnen zu reden" sagt ein magerer kleiner Kerl.

"Wieso nicht!?"

"Sir, weil wir Harohame sind und vom Planet Pluto kommen."

"Harohame? Was sind Harohame?" will das Finny wissen.

"Das ist die Mischung aus Roboter und Mensch" hört die Blondine eine monotone Stimme hinter sich sagen. "Da diese Kreaturen eine Form von beidem sind, ist es ihnen nicht gestattet, Vollblüter oder eben ganz Metallmaschinen anzusprechen."

"Tobi, was machen Sie denn hier. Ich dachte, Sie müssten arbeiten." Während Finn mit Tobi spricht, verschwindet die ‚Harohame‘ Gruppe vorsichtig hinter einem Gebäude.

"Tobi hat sich frei genommen um Ihnen, Miss Finn, dieses Geschenk zu bringen."

"Nicht schon wieder ein Geschenk!" meint Richard gelangweilt. Der Roboter wirft Richard einen bösen Blick zu und überreicht Finn dann das Päckchen. Die Blondine öffnet es mit zittrigen Fingern. "Ein Ring!?" fragt Finn überrascht. Im Schächtelchen befindet sich ein goldener Ring mit einem wunderschönen roten Diamanten.

"Gefällt er Ihnen, Miss?" fragt Tobi hoffnungsvoll.

"Ja, er ist bezaubernd, aber sie wollen mich doch nicht etwa heiraten, oder?" Finn weiss nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

"Um ehrlich zu sein, war das meine Absicht. Ja, ich möchte Sie zu meiner..."

"Du, Schrottbüchse!" Richard hat Tobi zu Boden geworfen und hält ihn dort nun fest. "Was fällt dir eigentlich ein, mir meine Freundin wegschnappen zu wollen!? Hä!" Er will gerade auf den Roboter einschlagen, als Finn dazwischen greift. "Hör auf Richard! Er kann tun und lassen, was er will!"

"Aber Finn ich wollte doch nur..."

"Sei still!" Das Finny ist jetzt stinksauer. Sie hilft nun Tobi auf die Beine zukommen. Sie beugt sich zu ihm hinunter. "Und du, Tobi, bist auch nicht viel besser. Du hast diese Harohame sehr verletzt mit deiner ausführlichen und gemeinen Erklärung, aber selber willst du einen Menschen heiraten. Hier, ich will dein Geschenk nicht." Finn drückt ihm das geöffnete Päckchen gegen seine Stahlbrust. Wütend verlässt sie den Schauplatz und geht in Richtung des Restaurants davon. Betrübt folgen ihr die beiden Streithähne.

 

"Mailyn! Cornell! Wo seid ihr? Antwortet uns, bitte!" Die Eltern suchen die Kinder nun schon über eine Stunde, aber von den beiden fehlt jegliche Spur.

"Es tut mir so leid, Marguerite! Es geschieht oft, dass Cornell unverantwortlich handelt, ich hätte Sie zuvor warnen sollen."

"Schon gut, Monika. Wir dürfen jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Wo haben wir denn noch nicht gesucht?"

"Bei der Grenze zwischen Luftblase und Seifenflüssigkeit. Cornell spielt dort gerne, obwohl es sehr gefährlich sein kann, wenn man zu weit über die Brüstung lehnt" erklärt Jack der Familie Roxton.

"Na dann, worauf warten wir noch!" sagt der Lord bestimmt und gemeinsam machen sie sich auf dem Weg zur Grenze.

"Siehst du es ist gar nicht gefährlich!" meint Cornell zu Mailyn und lehnt sich noch ein Stück weiter über die Brüstung. Das Mädchen hält gebührenden Abstand. "Kannst du sehen, wie schön sich die Sonne darin spiegelt?" will der Knabe weiter wissen.

"Nicht wirklich" sagt die Kleine schüchtern.

"Dann musst du dich eben noch ein bisschen weiter nach vorne lehnen, so wie ich."

"Okay!" Gerade als Mailyn dies macht, kommen die Eltern bei ihnen an.

"Mailyn! Was machst du da!? Komm sofort runter!" schreit Marguerite verzweifelt. Das Mädchen ist derart erschreckt, dass sie das Gleichgewicht verliert und in die Seifenflüssigkeit abrutscht.

"MAILYN!!!!!" Marguerite überlegt keine Sekunde lang, sie sprintet zur Brüstung. "Nein! Marguerite! Tu’s nicht! Du kannst darin ersticken!" ruft Roxton ihr nach, doch sie hört nicht auf ihn und springt ihrer Tochter hinterher. John kann nun den schlaffen Körper von Mailyn in der Flüssigkeit treiben sehen und plötzlich verschwindet Cornell samt seiner Familie. "Was geht hier nur vor sich? Wieso verschwinden sie? Wo sind sie hingekommen?"

Marguerite ist zu Mailyn gelangt, packt das Mädchen am Arm und schwimmt mit ihr gemeinsam wieder zur Grenze. Sie hat es geschafft und überreicht Roxton erschöpft das Kind. Der Lord legt Mailyn auf den Boden und beginnt sie zu beatmen.

"Wo sind Cornell und seine Eltern denn hin?" fragt Marguerite ausser Atem.

"Ich weiss es nicht, gerade als Mailyn bewusstlos geworden ist, haben sie sich in Luft aufgelöst" erzählt Roxtons einer Frau und beatmet das Mädchen weiter. Mailyns Äuglein zucken leicht. "Sie kommt wieder zu sich!" sagt Marguerite erleichtert. Zur selben Zeit erscheinen auch Cornell und seine Eltern wieder.

"Was ist passiert?" fragt Monika leicht verwirrt und schaut sich um.

"Ihr wurdet wie vom Erdboden verschluckt, als Mailyn bewusstlos geworden ist."

"Natürlich" entfährt es Jack. "Durch die Abwesenheit ihres Geistes hat sich die Zukunft von uns... also ihrer Nachfolgern verändert."

"Wie gut, dass du wieder unter den Lebenden bist" meint Cornell erleichtert und umarmt das Mädchen. "Ja, ich bin auch froh wieder hier zu sein" gesteht Mailyn.

"Sorry, dass ich dich dazu überredet habe."

"Es ist ja jetzt alles wieder so, wie es früher schon war!"

"Ja und so soll es auch bleiben." Marguerite nimmt ihre Tochter auf den Arm. "Wir müssen euch leider verlassen, unsere Freunde warten sicher schon ungeduldig auf uns." Mit diesen Worten verabschieden sich die beiden Familie voneinander und Marguerite, Roxton und Mailyn machen sich auf den Weg zurück zu ihrem Treffpunkt.

 

"Da seid ihr ja endlich" meint Challenger schon ganz ungeduldig. "Wo wart ihr solange?"

"Wir hatten einen kleineren Zwischenfall, aber jetzt sind wir ja hier, oder etwa nicht!?" berichtet Marguerite.

"Also, ich habe herausgefunden, dass wir uns wieder an genau die selben Plätze des Tisches setzen müssen und mit Essen beginnen. So sollten wir dann nach Hause beziehungsweise wieder in die Höhle gelangen."

"Na dann, lasst uns Essen gehen." Sie betreten das Restaurant, Tobi bedient gerade eine ‚Harohame‘ Familie am anderen Tisch und dies äusserst freundlich. Er sieht Finn kommen, doch beachtet sie nicht mehr, was Finn einen kleinen Stich im Herzen versetzt. Richard bemerkt Finns Ausdruck in den Augen. "Hey, es ist besser so, glaube mir. Ich bin doch dein Freund und ich liebe dich von ganzem Herzen!"

"Ich liebe dich auch. Trotzdem schade um den schönen Ring!" meint Finn bedrückt. Was Richard ihr jedoch nicht verrät ist, das Tobi ihm das Geschenk ehrwürdig überlassen hat und endlich eingesehen hat, dass Richard und Finn besser zusammenpassen, anstatt Mensch und Roboter.

"Weiss jemand noch wie unsere Sitzordnung war?" fragt Roxton in die Runde.

"Also ich habe dort gesessen, wo der Spruch im Teller eingeritzt ist."

"Das ist hier!" Challenger deutet auf den Teller, der nun bereits schon wieder mit köstlichem Essen gefüllt ist. Finn setzt sich dorthin. Mailyn macht es sich rechter Hand von ihr bequem und Richard linker Hand. Neben Richard plaziert sich Challenger und Marguerite setzt sich neben Mailyn. Roxton nimmt den einzig freien Stuhl für sich in Besitz. Alle beginnen sofort mit Essen, doch nichts geschieht. "Vielleicht müssen wir mehr Essen, als letztes Mal" meint Richard und schöpft sich erneut. Das Finny will gerade auch nochmals zuschlagen, als sie etwas bemerkt. "Hey, der Spruch hat sich verändert. Da ah beza zuku, not verda virda sche. Ireisd va da memofi, stopp not la possibli! Und? Was heisst das übersetzt?" fragt Finn ganz aufgeregt.

"Ihr habt überlistet die Zukunft, doch wird sie euch nichts schenken. Gelöscht wird eure Erinnerung, aufhalten könnt ihr das nicht!"

"Schade!" ist das einzige, was Mailyn noch sagen kann bevor sie sich in der Höhle wiederfinden. Der Tisch mit samt dem schönen Essen ist verschwunden und auch ist es jetzt dunkler, als zuvor, aber das bemerken unsere Freunde nicht. "Warum sind wir stehen geblieben?" erkundigt sich Marguerite.

"Keine Ahnung! Wir sollten uns jetzt wirklich beeilen, es wird bald dunkel draussen" meint Challenger entschlossen und führt seine Messungen fort. "Nur noch 2Meilen, dann bekommen wir den Ausgang zu Gesicht."

"Ach du und deine Messungen!" sagt Marguerite verächtlich und stolziert an dem Professor vorbei.

"Was ist Richard? Kommst du nicht mit, du hast doch nicht vor jetzt zu kneifen, oder?" fragt Finn ihren Freund, der stehen geblieben ist.

"Natürlich nicht, geh du schon mal voraus, ich muss mir noch die Schuhe binden" schwindelt er. Die Blondine schliesst sich den anderen an. Jetzt nimmt Richard eine kleine schwarze Schatulle aus seiner Hosentasche. Er öffnet es und ein goldener Ring mit einem bezaubernden roten Diamanten strahlt ihm entgegen.

Diese Folge widme ich meiner besten Freundin Ruani. Sie hat mir die Ideen für diese Zukunftsfolge gegeben und ich finde es ist mir gut gelungen diese umzusetzen. Wir hoffen sehr, dass euch diese Folge gefallen hat.

Weiter zum 4.Teil(619-622)


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