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7.07 Der Hippie Stamm

"Und, du willst Richard wirklich nicht wecken?" fragt Marguerite ihre Freundin.

"Nein, ich bin der Meinung, dass er noch einen Tag entspannen soll" behauptet Finn. "Ich meine, er ist noch recht angeschlagen von Andreas Trance."

"Das stimmt. Er war von den dreien am stärksten und längsten unter der Trance."

"Können wir losgehen?" fragt Roxton, der vollbepackt mit seinem Gewehr und Proviant ist.

"Von mir aus gerne" sagt Finn, schnappt sich ihre Armbrust und geht in Richtung Ausgang zu.

"Hey, wohin geht ihr?" Richard steht verschlafen in der Schlafzimmertür und blickt fragend in die Runde.

"Wir gehen jagen" sagt die Blondine.

"Ohne mich?"

"Ja, weißt du, Richard" übernimmt Marguerite das Reden "wir sind der Meinung, dass du noch nicht fit genug für eine lange Wanderung bist."

"Ich will aber mitkommen!"

"Tut uns leid, Richie, du bleibst hier."

"So, kannst du mit deiner Kleinen reden, Roxton, aber nicht mit mir. Ich bin kein kleines Kind mehr!" beharrt der junge Herr aus London.

"Da wäre ich mir nicht so sicher" rutscht es Finn raus.

"Wie meinst du das?"

"Ach, nichts!"

"Finn, seid ihr so weit?" erkundigt sich Challenger beim Fräulein.

"Ja, wir können gehen."

"Wer kommt jetzt alles mit?" will der Professor wissen.

"Marguerite, Roxton, Malone, du und ich" sagt Finn. "Jesse bleibt mit Veronica, den Zwillingen und Mailyn zu Hause. Richard leistet ihnen ebenfalls Gesellschaft, nicht wahr, Süsser!?"

"Stimmt ja gar nicht!" protestiert Richard. "Ich bin auch dabei."

"Nein, mein Schatz, das geht leider nicht. Erstens bist du noch sehr schlapp und zweitens nicht angezogen."

"Ich komme mit, Pasta!" Richard verschwindet in der Türe.

"Veronica und Jesse sind alleine mit den Kindern!? Geht das gut? Ich meine, werden sie mit drei Kindern zu recht kommen?" fragt sich Challenger.

"Ich habe Mailyn gesagt, dass sie artig sein soll" lautet Roxtons Antwort.

"Und ich habe ihr noch vorgeschlagen, dass sie Veronica und Jesse die Arbeit abnehmen soll, so gut sie kann" fügt Marguerite hinzu.

"Na, dann bin ich ja beruhigt" meint George erleichtert. "Können wir jetzt endlich gehen?" Richard hat das gehört und kommt sofort bekleidet wieder aus dem Zimmer. "Von mir aus kann es losgehen."

 

"Ich will ihn wirklich nicht dabei haben. Sieh dir ihn mal an, er ist jetzt schon beinahe ausser Puste" sucht Finn bei Roxton Verständnis.

"Das sehe ich. Trotzdem, wenn er mitkommen will, darfst du ihn nicht zwingen Zuhause zu bleiben."

"Ich mache mir doch bloss Sorgen um ihn. Was ist wenn uns plötzlich ein T-Rex verfolgt und er nicht schnell genug wegrennen kann. Ich will so etwas nicht schon wieder miterleben müssen" schüttet die Blondine bei Roxton ihr Herz aus.

"Ich verstehe dich!" John schaut zu Marguerite hinüber und fügt dann hinzu. "Sollte ihr so etwas zu stossen, dann könnte ich mir das nie verzeihen."

Richard unterhält sich ein paar Schritte weiter vorne mit Malone. "Finn kann manchmal unmöglich sein!"

"Das kenne ich. Veronica hat auch ständig das Gefühl, sie müsse mich beschützen. Dabei will ich das gar nicht."

"Tja, Jungs, bei euren Beziehungen haben eben die Frauen die Hosen an" lautet Marguerites Kommentar. Sie schreitet an denn beiden vorbei und beginnt ein Gespräch mit Challenger.

"Sie ist so arrogant!" murmelt Richard Malone zu.

"Glaub‘ mir, sie war schon schlimmer drauf. Ganz am Anfang, da war sie unerträglich. Sie hat meine Tagebücher gelesen und hat auch sonst ständig meine Privatsphäre ignoriert."

"Oh je, das kann ich mir gut vorstellen."

Marguerite möchte von Challenger wissen, ob er es nicht bereut, dass er die Erfindung der Rakete einem anderen verkauft hat.

"Nein, überhaupt nicht. Ich musste mich entscheiden zwischen Familie oder Beruf und ich habe mich für die Liebe entschieden, weil ich denke, dass ich genug im Leben erfunden oder entdeckt habe und ich ja schon älter bin."

"Na, dann, hast du die richtige Entscheidung gefällt. An was experimentierst du gerade?" will die Brünette wissen.

"Momentan experimentiere ich gerade nichts, aber ich habe vor ein paar Tagen im Wald ein goldenes Ei gefunden, na wie findest du das?"

"Sagtest du Gold?" Marguerite traut ihren Ohren kaum.

"Ja, es ist ein goldenes Ei und ich frage mich, was sich darin befindet."

"Vielleicht ein Drache" ratet die Brünette.

"Nein, das glaube ich eher weniger. Das Komische ist, ich habe auch keinen Eintrag über ein goldenes Ei in den Tagebüchern gefunden."

"Ach darum sah ich dich letzte Zeit immer hinter Büchern sitzen" geht Marguerite ein Licht auf.

"Ich bin schon irrsinnig gespannt, was daraus schlüpft" gesteht der Professor.

"Das ist doch nichts Neues. Schlüpft daraus überhaupt etwas?"

"Ja, weil ich es in einem zertretenen Nest, das am Boden lag, gefunden hatte. Auch habe ich es ins Licht gehalten und gesehen, dass sich darin etwas bewegt hat. Momentan liegt es gerade unter der Wärmelampe... das soll die Brutzeit verkürzen, sagt man."

"Und wie geht es unserem lieben Käfer Arthur? Hast du noch Augen im Kopf für ihn?"

"Ja, klar hab‘ ich das. Ihm geht es prächtig. Er ist schon wieder ein Stück gewachsen und so merkwürdig es auch klingen mag, er erinnert mich immer mehr an Summerlee" erzählt Challenger.

"Mir fehlt Summerlee, er war wie ein Grossvater für mich" gesteht die Brünette.

"Ja, geht mir genau so, er war ein toller Kumpel. Schade hat Finn ihn nicht mehr gekannt."

"Sie hätte ihn bestimmt sehr gemocht und auch er würde sie sympathisch finden, da bin ich mir hundertprozentig sicher."

 

"Veronica? Kommst du zurecht mit den beiden?" fragt Jesse und beobachtet die junge Frau, als diese gerade damit beschäftigt ist Joshua zu wickeln.

"Ja, bestens. Ich rufe dich, wenn es Probleme gibt. Wie läuft’s mit Mailyn?"

"Gut, sie baut gerade ein Zelt aus den Bettlaken ihren Eltern."

"Oh, da werden sich Marguerite und Roxton, aber drüber freuen" meint Veronica sarkastisch.

"Wem sagst du das. Ich hoffe nur, dass ihnen auf der Jagd nichts zustösst" sagt Jesse besorgt.

"Ja, hoffentlich geschieht nichts. Auch wäre ich sehr froh darüber, wenn sie heute wieder kommen würden und uns nicht mit den Zwillingen im Stich lassen, weil in der Nacht sind die beiden am schlimmsten." Veronica legt Joshua zurück in sein Bettchen.

"Sie fürchten sich eben jetzt schon vor der Dunkelheit... dem Sturm, den sie als Beschützer des Plateaus bekämpfen müssen, so wie es deine Aufgabe war."

"Ich wäre so froh, wenn sie das nicht tun müssten, aber eben... sehr wahrscheinlich gehört dies dazu, so eine Art Eignungstest, den man zu bestehen hat. Schrecklich, allein schon die Vorstellung, dass eines Tages die beiden das erleben müssen." Veronica blickt auf die beiden hinunter, wie sie friedlich schlafen und wünscht sich, dass die beiden es überstehen und meistern werden. Ansonsten würde diese wunderbare Welt für immer verloren gehen, deshalb auch der Name: DIE VERLORENE WELT

 

"Warum wandern wir überhaupt so lange, wenn wir doch nur etwas jagen wollen?" fragt Richard den Reporter.

"Weil Roxton behauptet er habe Rehe und Hirsche gesehen, und jetzt wollen wir wissen, ob das wirklich stimmt" erklärt Malone geduldig.

"Na dann, laufe ich gerne noch ein paar Schritte. Ich liebe ‚normales‘ Wild, das erinnert mich an zu Hause, da haben wir jeden Sonntag im Herbst Rehpfeffer gegessen, das vermisse ich schon sehr."

"Ja, ich esse auch lieber ‚bekanntes‘ Fleisch anstelle von Dinosaurier, obwohl mich einige Saurierarten an Pouletfleisch erinnern."

"Ja? Findest du?" ist Richard überrascht. "Mir kommt es immer so vor als würde ich eine Schlange essen."

"Ehrlich? Hast du schon einmal eine gegessen?" erkundigt sich Ned.

"Nein, noch nicht und ehrlich gesagt bin ich auch gar nicht scharf darauf."

"Hey, seht mal da vorne, da ist ein Dorf!" ruft das Finny ihren Freunden zu.

"Was ist das denn für ein Stamm?" fragt sich Roxton.

"Ich dachte, du wärst hier schon mal vorbeigekommen" glaubt Marguerite sich zu erinnern.

"Ja, das ist wahr, aber damals war dieses Dorf noch nicht hier."

"Oder du hast es nicht gesehen" behauptet Finn.

"Gehen wir ihnen ‚hallo‘ sagen" schlägt Challenger vor.

"Aber was ist, wenn es kein freundlicher Stamm ist?" fragt Richard ängstlich.

"Dann haben wir ja noch unsere Gewehre" sagt Roxton und marschiert auf das Dorf zu. Die anderen folgen ihm.

Am Tor werden sie von zwei Wachen überrascht. "Tata ne se do!?"

"Was hat er gefragt?" will Challenger von Marguerite wissen.

"Er hat uns gefragt, was wir hier wollen. Ähm, Nono heje te oj woge. Nono spikie englisi" (Wir sind nur auf der Durchreise. Wir sprechen Englisch.) "Go ju sa do?" (Wie lange lebt ihr schon hier?) fragt die Brünette weiter.

"Sis heve jior!" (Seit zehn Jahren!) antwortet die andere Wache.

"Was für eine Sprache sprichst du mit ihnen?" will Malone wissen, der nur Bahnhof versteht.

"Es ist eine Mischung aus keltisch und einer afrikanischen Sprache" behauptet Marguerite.

"Frag sie, ob wir eintreten dürfen" ist Finn gespannt.

"Muss das wirklich sein?" Richard würde am liebsten wieder nach Hause gehen.

"Ja, das muss sein, DU wolltest schliesslich mitkommen, ich habe dich dazu nicht gezwungen" meint die Blondine schnippisch.

"Hört auf zu streiten" schlichtet Marguerite den Streit. "Ist es uns erlaubt einzutreten und das Stammoberhaupt kennenzulernen?" fragt Lady Roxton in der anderen Sprache.

"Surre!" (Sicher!) Die Wache öffnet das Tor und tritt beiseite. Es ist ein schönes Dorf, überall hängen bunte Tücher und Ketten.

"Barbara, wir haben Besuch von englischen Touristen" ruft die Wache ins Dorf. Kurze Zeit später erscheint eine Frau in ebenfalls bunten Tüchern gewickelt und mit ganz viel Schmuck um den Hals, die Armen und die Hüften am anderen Ende des Ortes.

"Hallo! Seid herzlich Willkommen!" Sie kommt mit offenen Armen den Expeditionsmitgliedern entgegen.

"Sie sprechen unsere Sprache?" ist Challenger überrascht.

"Ja, ich stamme ursprünglich aus Schottland, und Sie?"

"Wir kommen aus England! Naja, fast alle zumindest" sagt Marguerite.

"Da freue ich mich aber riesig darüber. Ich konnte schon lange nicht mehr mit Gleichgesinnten sprechen."

"Wie meinen Sie das?"

"Naja, ich liebe diese eigene Sprache meines Stammes, aber ich vermisse schon meine Muttersprache. Ich gebe den jüngsten Stammitgliedern zwar Englischunterricht, aber es ist nicht dasselbe."

"Wenn ich es vorhin richtig verstanden habe, dann heissen Sie Barbara" sagt Marguerite.

"Das ist korrekt. Ich bin Barbara Gin." Marguerite stellt der Frau die Expeditionsmitgliedern vor. Nachdem dies geschehen ist, lädt Barbara unsere Freunde auf ein Essen ein, das sie natürlich nicht ablehnen dürfen.

 

Das Essen schmeckt allen sehr gut. Sie trinken Wein und lernen ein paar Bewohner des Dorfes kennen.

"Entschuldigung für die Frage, aber was riecht hier so übel?" fragt Malone die Anführerin.

"Ach das... das ist nur Olias Zigarette" erklärt Barbara. Malone hat sein Weinglas leer getrunken, doch ehe er sich versieht, ist es schon wieder voll. Scheinbar trinkt man hier sehr viel Wein.

"Ich muss mal dringend, wo ist die..."

"Toilette?" fragt Barbara den Reporter. Er nickt. "Das dritte Zelt rechts." Ned steht auf und verlässt den Tisch.

"Der mit der Wasserpfeife dort drüben, ist Plumbum... Er ist ein sehr friedlicher Mensch, wenn er seine Pfeife hat, aber wehe sie geht ihm einmal verloren, dann kann er recht ungemütlich werden" erzählt Barbara dem Professor, der sehr interessiert zu hört. "Und die Frau rechts von ihm ist Rhea, seine Tochter. Sie liebt jegliche Art von bunten Tabletten. Möchten Sie eine probieren, Challenger?"

"Ich... ich bin mir nicht sicher" meint George misstrauisch.

"Ach, tun Sie nicht so, geben Sie sich einen Ruck" drängt Barbara.

"Na schön, von mir aus, aber nur eine Tablette." Die Stammanführerin ruft Rhea zu sich, sie soll jedem anwesenden Expeditionsmitglied eine Tablette verteilen. Obwohl sich Rhea darüber nicht gerade freut, gehorcht sie.

"Mhm, die sind lecker" meint Richard und nimmt sich glatt eine Zweite. Finn und Marguerite möchten sich ebenfalls die Tablette in den Mund schieben, als Roxton sie davon abhält.

"Was ist?" fragt die Brünette ihren Mann.

"Ich habe ein ungutes Gefühl, was diesen Stamm betrifft."

"Wie kommst du darauf" will Finn wissen.

"Na, schaut euch mal die Leute an... der eine trinkt seit wir hier sind Alkohol, Rhea und ihre zwei Freundinnen schlucken all Halbstunde eine Tablette, Plumbum zieht die ganze Zeit an seiner Pfeife und Olias Zigarette riecht schon etwas eigenartig, findet ihr nicht!?"

"Keine Ahnung, ich rauche nicht" sagt die Blondine.

"Aber mein Vater hatte geraucht..." sagt John "und nicht nur Stumpen und Zigarren, ab und zu genoss er sogar eine Zigarette... ich schwöre, die hat nicht derart seltsam gerochen."

"Worauf willst du hinaus, John!?" fragt Marguerite ihren Mann.

"Alle Leute hier, ausgenommen von Barbara und der Wache, stehen stets unter Trance schon seit wir hier angekommen sind. Ist euch das nicht aufgefallen?"

"Also, ich habe nur gemerkt, dass selten jemand etwas sagt" erzählt Finn. Richard greift nach einer weiteren Tablette.

"Und ich traue diesen Leuten ebenfalls nicht." Ned ist von der Toilette zurückgekehrt. "Lasst uns gehen. Es ist schon halb Vier und ich möchte Veronica nicht alleine über Nacht mit den Zwillingen lassen."

"Sie wollen schon gehen?" Barbara hat den letzten Teil der Krisensitzung mitgehört.

"Ja, wir wollten eigentlich nur auf die Jagd gehen und so schnell wie möglich wieder Zuhause sein" behauptet Malone.

"Das ist aber schade. Wenn ihr wollt dürft ihr heute Abend hier schlafen" bietet Barbara Gastfreundschaft an.

"Danke, aber wir bevorzugen unser Zuhause. Ich kann meine Frau nicht alleine mit den Zwillingen lassen" bleibt Ned stur.

"Ach komm schon, Neddy! Es ist so schön hier!" sagt Richard zu seinem Freund.

"Ja, Malone, sei kein Spielverderber, bleiben wir noch eine Weile hier" stimmt George dem jungen Herrn aus London zu und schiebt die zweite Tablette in seinen Mund.

"Oh je, das erinnert mich stark ans Paradies und den roten Früchten."

"Ja, klar John, da standen auch alle unter einer Trance... genau wie hier" geht Marguerite nun ebenfalls ein Licht auf.

"Oh nein, ich will nicht noch einmal so etwas durchmachen" zerfällt Ned in Trauer. Finn steht auf und geht zu Richard hin und legt ihre Arme um ihn. "Mein Schatz, komm lass uns nach Hause gehen!"

"Nein, ich will nicht. Lass mich in Ruhe!" Er befreit sich aus Finns Umarmung und geht davon. Rhea folgt ihm unauffällig.

"George, du willst doch nicht Jesse alleine über Nacht im Baumhaus lassen, oder? Ich meine, sie hat keine Chance, wenn Affenmenschen unser Haus angreifen, hab ich Recht!?" will Marguerite vom Professor wissen.

"Ja, du hast Recht. Lasst uns gehen!" Er steht auf, fällt jedoch sogleich wieder auf seinen Stuhl zurück.

"Was ist los mit ihm?" fragt Finn besorgt und eilt zu ihm hin. Niemand hat bemerkt, dass Barbara ihm während dem Aufstehen eine Betäubungsspritze verabreicht hat.

"Was haben Sie ihm angetan!? Was sind das für Tabletten!?" Finn stürzt sich auf Barbara, doch diese hat bereits der Wache ein Zeichen gegeben.

"Sperrt dieses Gör und den Reporter in eine Zelle" befiehlt sie in der anderen Sprache der Wache. Diese führt den Befehl sofort aus und bringt die beiden fort.

"Barbara, das können Sie nicht machen!" sagt Marguerite.

"Wieso, was meinst, was geht hier vor?" fragt Roxton, der kein Wort verstanden hat.

"Sie will Finn und Malone in eine Zelle stecken!" Der Lord überlegt nicht lange und richtet seine Waffe auf die Anfüherin, doch bevor er sich versieht, fällt er bewusstlos zu Boden. Er wurde am Hinterkopf mit einem Holzprügel getroffen.

"Hören Sie auf!" schreit Marguerite und lässt sich neben Roxton auf den Boden fallen. Sie nimmt seinen Kopf in ihre Armen und streicht ihm liebevoll über die Wangen. "John, wach auf! Lass mich mit ihr nicht allein!" flüstert sie ihrem Mann verzweifelt zu. Doch dann wird er ebenfalls von der Wache gepackt und weggeschleppt. Als Marguerite an sich hinunterschaut, sieht sie, dass Roxton blutet, weil ihre Bluse ganz rot ist. "Oh mein Gott, er blutet. Lasst mich zu ihm!" Sie rennt der Wache hinterher und geht freiwillig mit John in eine Zelle, damit sie ihn so gut es geht versorgen kann. Er wird unsanft auf eine Pritsche gelegt. "Hey, seid nicht so grob zu ihm! Bringt mir Wasser, sofort!" befiehlt die Brünette der Wache. Doch diese rührt sich nicht vom Fleck.

"Tut was sie sagt" meint Barbara schliesslich.

"Warum tun Sie uns das an?"

"Weil ihr mich verlassen wolltet. Dabei war ich so nett zu euch" behauptet die Anführerin.

"Sie sind eine durchtriebene, arrogante, selbstsüchtige Frau!" schimpft Marguerite.

"Ich kann es mir mit dem Wasser auch noch anders überlegen" droht sie. "Soll ich der Wache den Befehl wieder aus dem Kopf schlagen?"

"Nein, natürlich nicht" murmelt Lady Roxton und schaut betrübt zu Boden. Mit einem Lachen verlässt Barbara die Zelle. Marguerite kann ihre Tränen nicht mehr länger zurückhalten und lässt ihnen freien Lauf.

7.08 Die geheimnisvolle Schrift

Marguerite kniet neben der Pritsche, auf der John liegt. Sie legt ihm erneut einen Verband um den Kopf. Er blutet immer noch, jedoch nicht mehr so stark wie am Anfang. Sie fährt ihm zärtlich durch die Haare.

"Na, kommt dir das nicht bekannt vor!?" Roxton ist aus der Bewusstlosigkeit erwacht.

"Ja, aber damals hattest du einen Schusswunde in deiner Schulter und die Dorfbewohner wollten uns erhängen."

"Stimmt! Aber das Wesentliche hat sich nicht verändert. Ich liege verletzt auf einer Pritsche, während du mich liebevoll pflegst." Er schaut ihr lange in die Augen. "Vielen Dank."

"Für was?"

"Dass du meine Frau bist. Dass du mich liebst. Dass wir zusammen ein Kind haben."

"Gern geschehen."

"Ich liebe dich" haucht Roxton und erhebt seinen Kopf.

"Ich liebe dich auch." Marguerite beugt sich zu ihm hinunter und küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund. "Ach ist das nicht süss!" behauptet Barbara sarkastisch. Sie beobachtet die beiden nun schon eine ganze Weile und hat sich endlich gewagt den Raum zu betreten.

"Barbara, was willst du von uns?" will der Lord wissen.

"Ich möchte, dass ihr meine Freunde werdet und dass ihr hier bleibt."

"Tut uns leid, aber wir rauchen und trinken nicht. Ausserdem nehmen wir keine Pillen, die unsere Gesundheit schädigt und komisches Zeug rauchen wir auch nicht" sagt die Brünette und wendet sich ihrem Mann wieder zu.

"Aber ich brauche euch. Ich brauche jemanden, mit dem ich mich in meiner Muttersprache unterhalten kann!" lautet Barbaras Kommentar.

"Wie gesagt, wir liegen nicht auf der gleichen Wellenlänge" seufzt Marguerite.

"Eine Frage..." John versucht sich aufzurichten, doch der Kopf schmerzt ihm zu sehr, er legt sich wieder zurück. "Wo sind Finn und Ned. Und was hast du mit Challenger gemacht. Ach ja, und wo ist Richard plötzlich hin verschwunden."

"Challenger geht es gut. Er liegt in meinem Zelt und schläft. Es war bloss eine Betäubungsspritze, weiter nichts. Finn und Malone wurden wie ihr in eine Zelle verfrachtet, wo sie keinem etwas zu leide tun können. Und Richard vergnügt sich gerade mit Rhea. Vielleicht werden sie bald heiraten."

"So ein Quatsch. Richard und Finn lieben sich. Sie gehören zusammen" sagt Marguerite.

"Tja, das sieht Rhea aber anders." Mit diesen Worten geht Barbara wieder raus.

"Oh Mann, ich würde dieser Frau allzu gerne die..."

"Scht! Sag so was nicht, meine Süsse. Lass dich nicht auf ihr Niveau sinken."

"Ich hasse sie! Das darf sie Finn und Richard nicht antun, wenn sie wirklich unsere Freundin werden will, sollte sie wenigstens diesen Punkt einhalten."

"Es wird sicher alles wieder gut, Marguerite."

"Ich hoffe, du behältst recht."

 

"Richard, bist du hier drinnen?" Rhea sucht immer noch nach dem jungen Herrn aus London.

"Wer ist da?" fragt dieser verwirrt. Er hat zu viele Pillen geschluckt um noch klar denken zu können.

"Ich bin’s... Rhea" sagt das Fräulein sanft. Sie ist die Einzige Stammbewohnerin, die ebenfalls Englisch spricht. Die fleissige Schülerin von Barbara.

"Krieg ich eine weitere Pille?" hofft Richard, da die Wirkung bald schon wieder nachlässt.

"Jetzt noch nicht, aber später vielleicht."

"Ich will jetzt aber EINE!" wird er aggressiv.

"Richie, ich sehe, dir tun die Pillen nicht gut."

"Doch! Das ist das Beste, was mir passieren konnte."

"Ich dachte, das wäre Finn." Rhea geht um Richard herum.

"Dieses Gör kann mir gestohlen bleiben" meint der junge Herr abschätzig.

"Das ist gut zu hören" behauptet Rhea, dieses Mal mit verführerischer Stimme. Sie legt ihre Arm um seinen Hals und beginnt ihn leidenschaftlich zu küssen. Er erwidert die Küsse heisshungrig.

Richard hat sich bis auf seine Unterwäsche ausgezogen und ist nun damit beschäftigt, Rhea die Tücher vom Leibe zu reissen. "Nicht so hastig" meint das Fräulein und küsst ihn immer wieder voller Begierde.

"Ich... kann... es... kaum.... abwarten" sagt Richard, während er Rhea küsst.

"Ich auch nicht. Heute soll es geschehen, findest du nicht auch!?"

"Auf jeden Fall!" Wieder möchte er sie küssen, doch Rhea drückt ihn überrascht nach hinten.

"Du bist auch dafür?"

"Wofür?" Der Herr hat keine Ahnung wovon das Fräulein spricht.

"Du willst mich wirklich heiraten?"

"Wer spricht denn hier vom Heiraten?"

"Na, alle. Das ganze Dorf freut sich schon riesig auf unsere Hochzeit." Sie will ihn küssen, doch dieses Mal ist es Richard, der Rhea von sich zurückhält.

"Unsere Hochzeit?"

"Ja, mein Dummerchen, wir heiraten übermorgen."

"Aber ich liebe dich nicht." Jetzt ist Richard wieder hellwach und nüchtern. "Ich bin mit Finn zusammen. Wenn eine meine Frau wird dann sie!" Traurig rennt Rhea aus dem Zelt.

 

"Barbara! Barbara!" ruft Rhea ihre Anführerin.

"Süsse, was ist los mit dir? Du bist so aufgelöst."

"Er.... er...." Das Fräulein bricht in Tränen aus. Barbara tröstet das Mädchen. Jetzt erscheint Plumbum und sieht wie seine Tochter weint. "Was ist passiert?" fragt er in der anderen Sprache.

"Richard will mich nicht heiraten!" schluchzt Rhea.

"Dieser verdammte Mistkerl soll froh sein, dass er überhaupt solch ein Angebot von meiner schönen Tochter erhält" schimpft der Vater.

"Warum mag er dich nicht?"

"Er ist immer noch in diese Finn verliebt!" erklärt das Fräulein.

"Das werde ich gleich ändern!" Mit diesen Worten stolziert Barbara davon.

 

"Was haben wir ihr nur getan, dass sie uns einsperren lässt?" will das Finny von Malone wissen.

"Ich vermute mal, weil wir gehen wollten. Wir wollten sie im Stich lassen."

"Trotzdem, das ist doch kein Grund uns hier einzusperren..."

"Oh, doch das ist er!" unterbricht Barbara die Blondine.

"Na und, sie sind aber auch selber schuld, dass ihre Dorfbewohner so sind wie sie sind. Sie hätten ihnen eben keine Drogen geben dürfen."

"Halt deinen Mund! Du hast keine Ahnung, wie es ist alleine zu sein" behauptet die Anführerin.

"Da irren sie sich aber gewaltig! Ich war rund 20Jahren, also schon mein halbes Leben lang, für mich selber verantwortlich. Ich musste in einer gefährlichen Stadt überleben!"

"Wie schön für dich!"

"Ähm, eine Frage... wie geht es Challenger?" lautet Neds Frage.

"Dem geht es gut. Er liegt in einem Zelt und ruht sich aus. Die Betäubungsspritze hat ihre Wirkung nicht verfehlt" erklärt Barbara.

"Wieso hast du das getan?" erkundigt sich das Finny.

"Das war die einzige Möglichkeit, dass ihr hierbleibt."

"Und wo sind Marguerite und Roxton?" will Malone weiter wissen.

"Soll das etwa ein Verhör sein!?"

"Nein, ich bin bloss Reporter und sorge mich um meine Freunde."

"Denen geht es gut. Sie sind ebenfalls in einer Zelle eingesperrt, damit sie keinen Ärger machen."

"Und wo ist Richard?" fragt Finn.

"Ach ja, Richard... der vergnügt sich mit Rhea. Es tut mir leid" schwindelt Barbara.

"Oh nein, tut es dir nicht. Du hast Rhea sicher auf ihn gehetzt!!" äussert sich die Blondine verärgert.

"Wenn ich ehrlich bin, tut es mir wirklich nicht leid. Ich möchte, dass Rhea die Frau von Richard wird!"

"Das wird nie passieren!"

"Sag niemals nie! Ich kenne da noch ein weiteres Sprichwort, das auf dich zutrifft: Aus den Augen, aus dem Sinn! Kennst du das!?" Barbara macht auf dem Absatz kehrt und geht nach draussen.

"Was meint sie damit!?" will Finn von Malone wissen. Dieser zuckt nur mit den Achseln.

 

"Hörst du das auch?" fragt Marguerite Roxton.

"Ja, das Dorf wird zusammen getrommelt."

"Eine Sitzung?"

"Wie es mir scheint, wollen sie was Wichtiges besprechen" vermutet der Lord. "Kannst du verstehen, was gesprochen wird?"

"Ich versuch’s!" Marguerite bedeutet Roxton ganz still zu sein und horcht auf.

Nachdem alle Dorfbewohner zum Treffpunkt geeilt sind, wo Barbara auf einem Podium steht, kann die Sitzung beginnen.

"Ich habe euch etwas mitzuteilen" sagt Barbara in der anderen Sprache. "Es wird eine Hinrichtung geben." Die Dorfbewohner schrecken bei diesem Wort auf. "Ich weiss, ich weiss... bei uns gab es zuvor noch keine Hinrichtungen, aber es wird an der Zeit, dies einzuführen. Wie ihr sicher alle wisst, haben wir Gäste unter uns. Eigentlich ganz liebe Menschen bis auf eine Person. Diese Person gestattet Rheas zukünftigem Mann nicht, sie zu heiraten, deshalb muss sie sterben. Nur so kann unser Sonnenschein ein glückliches und gerechtes Leben führen. Nun, seid ihr dafür, dass wir diese Person morgen töten?" Die Bewohner bestätigen den Vorschlag mit einem Jubel.

"Was geht da draussen vor?" will Finn vom Reporter wissen.

"Ich habe keine Ahnung."

"Schade, ist jetzt Marguerite nicht bei uns. Sie hätte es sicher verstanden."

"Was hat sie gesagt?" will Roxton von Marguerite wissen.

"Oh mein Gott, Barbara will Finn morgen hinrichten."

"Wieso?"

"Weil sie die Freundin von Richard ist und wie es scheint, er sich für Finn und gegen Rhea entschieden hat." Marguerite kann nicht anders und bricht in Tränen aus. Roxton geht zu ihr hin und schliesst sie in seine Arme.

"Jetzt bleibt uns nur noch eine Frage offen, wie soll die Hinrichtung sein?" fragt Barbara ihr Publikum. "Zu Tode kitzeln" schlägt eine von Rheas Freundinnen vor.

"Erhängen!" lautet Plumbums Antwort.

"Steinigen!" ruft Olias.

"Köpfen! So habe ich immer ein schönes Andenken von ihr über meinem Bett hängen" sagt Rhea und die anderen finden diese Idee klasse.

"Igitt! Sie wollen Finn köpfen, damit Rhea ihren Kopf über ihr Bett hängen kann!" Marguerite verzieht ihr Gesicht.

"Das können die nicht machen!" meint Roxton und versucht die Stahltüren aufzubrechen, doch er ist zu schwach.

"Hast du einen Plan, wie wir das Verhindern können?" fragt Marguerite ihren Mann, doch momentan fällt ihm nichts ein.

 

"Hallo? Seid ihr noch wach?" fragt die eine Freundin von Rhea, die an der Sitzung nichts gesagt hat, Marguerite und Roxton.

"Ja, das sind wir. Du sprichst ebenfalls unsere Sprache?" bemerkt der Lord.

"Ich spreche nicht viel, aber ich bin eine gute Schülerin."

"Und wer bist du?" will die Brünette von dem Fräulein wissen.

"Ich bin Moschena, die Freundin von Rhea. Ich habe euch Wasser mitgebracht. Hier!" Sie schiebt Marguerite die Schüssel unter dem Spalt der Gittertüre zu.

"Wir haben aber keinen Durst" behauptet Lady Roxton und wendet sich von Moschena ab.

"Bitte, trinkt es" fleht das Mädchen die beiden an. John kniet sich auf den Boden und hebt die Schale auf. Er führt sie an seinen Mund... "Tu das nicht!" warnt Marguerite ihren Mann.

"Wieso nicht!?"

"Vielleicht ist das Wasser vergiftet."

"Ist es nicht" flüstert Moschena.

"Und warum sollten wir dir glauben?" meint die Brünette schnippisch.

"Weil ich auf eurer Seite bin, aber das muss unser Geheimnis bleiben. Die anderen wissen nicht, dass ich jetzt hier bin und sie dürfen es auch nie erfahren."

"Keine Sorge, wir verraten es ihnen nicht" gibt Roxton ihr sein Wort.

"Danke vielmals!" Mit diesen Worten geht Moschena wieder.

"Du willst jetzt doch nicht ernsthaft dieses Wasser trinken!" ist Marguerite aufgewühlt.

"Doch, denn ich traue ihr und das solltest du auch!"

"Mit welchem Grund!? Sie lügt doch nach Strich und Faden" behauptet Lady Roxton.

"Tut sie nicht!"

"Und warum bist du dir das so sicher!?"

"Überzeuge dich doch selbst!" Roxton streckt seiner Frau die Schüssel hin.

"Ich trinke nicht daraus" lehnt sie seine Geste ab.

"Du sollst auch nicht daraus trinken, bloss lesen..." Tatsächlich in der Schüssel ist eine goldene geheimnisvolle Schrift eingeprägt.

"Kannst du sie lesen?" erkundigt sich John.

"Ich kann’s versuchen. Gib mir Licht!" Roxton holt die nächste Fackel vom Ständer und hält sie über die Schüssel.

Raum und Zeit von Ketten befreit,

schwebt der Geist endlos weit.

Geister die ihr mich lenkt,
es wär schön, wenn ihr mir was schenkt.
Zeigt mir den Weg, den ich nicht finden kann
damit wir Finn retten
und unsere Seele Frieden findet, sodann.

"Was hat das zu bedeuten?" fragt John, doch Marguerite weiss selber nicht so recht, was dieser Spruch bezwecken soll.

Plötzlich verschwindet die Schale und an ihrer Stelle erscheint eine rote Statue. "Aber das ist doch Omaks Götze, den er mir als einziger Schmuck zurück gelassen hat" erkennt Marguerite die Statue wieder. "Du hast den aufbewahrt?" erkundigt sich John.

"Nein, ich hatte ihn damals Challenger gegeben."

"Scheinbar hatte er gefallen an François Locke Geschenk."

"Offensichtlich. Und was soll uns dieser Götze jetzt nutzen. Diese Statue dient doch nur um uns zu verspotten" behauptet Marguerite.

"Nicht so voreilig, meine Teuerste!" hört man eine Stimme sagen. "Locke?" fragend blickt sich die Brünette in der Zelle um.

7.09 Der Befreiungsakt

"Ich wusste, eines Tages würden Sie mich wiedersehen wollen" behauptet François Locke.

"So ein Unsinn! Wenn ich gewusst hätte, was dieser Spruch auslöst, hätte ich ihn nicht angewandt."

"Tja, zu spät, nun bin ich hier!" grinst der Franzose glücklich. Er bemerkt den Hochzeitsring an Marguerites Finger und sein Grinsen erlischt. "Wer ist der Glückliche, wenn man fragen darf?"

"Der bin ich!" kommt nun endlich auch Roxton zu Wort. "Siehst du, ich bedeute ihr doch mehr als alles Geld auf der Welt."

"Wovon spricht ihr zwei nun schon wieder" will die Brünette wissen.

"Ach nichts!" sagen die beiden, wie aus einem Mund. "Auf jeden Fall! Wo habt ihr beiden geheiratet? Etwa hier im Dschungel?"

"Meinen Sie so wie Tarzan und Jane?" fragt Marguerite. Locke nickt. "Da muss ich Sie leider enttäuschen. Wir haben in London geheiratet."

"Auf dem Avberry Gelände, meinem Zuhause" fügt Roxton hinzu.

"Wie ich sehe, habt ihr nun doch einen Ausweg aus diesem Ort gefunden."

"Ja, wir mussten durch viele Höhen und Tiefen gehen, aber es hat sich gelohnt." Der Lord nimmt Marguerite in seine Arme. "Ein Jäger verlässt nie das Grundstück ohne etwas Kostbares ergattert zu haben! Schon gewusst!?"

"Davon habe ich gehört, ja!"

"Könntet ihr zwei bitte eure Machtspiele für einen Augenblick nach hinten stellen und statt dessen Finn helfen" sagt Marguerite gelangweilt.

"Wer ist Finn?" will Locke wissen.

"Das erkläre ich Ihnen, sobald wir hier draussen sind. Worauf warten Sie noch, öffnen Sie die Gittertüre."

"Es ist mir ein Vergnügen" behauptet François, verbeugt sich, schnippt danach drei mal mit den Fingern und auf der anderen Seite ausserhalb der Zelle erscheinen seine Gefährte. Sie steigen aus dem Portal ins Zelt. Hinter Ihnen sieht man gerade noch den Roten Platz von Moskau verschwinden.

"Blum und Condillac, wie schön euch wiederzusehen" behauptet Marguerite.

"Oh nein, nicht schon wieder diese Person" gibt Condillac, der Buchhalter, von sich.

"Müssen wir DIE befreien?" fragt Blum, der Koch, entgeistert.

"Helft uns sofort hier raus!" wird Locke laut.

"Ähm, es wäre von Vorteil, wenn Sie Ihre Stimme etwas senken könnten" meint die Brünette zu dem Franzose.

"Oh tut mir leid. Nun öffnet die Türe!" befiehlt er seinen Gefährten.

"Und wir sollen wir das anstellen?" will Blum wissen.

"Mit dieser Haarspange sollte es klappen" sagt Lady Roxton und überreicht dem Koch ihr silberner Haarschmuck. "Aber das ich die Spange auch wieder kriege!"

"Die behalten wir als Belohnung dafür, dass wir Ihnen hier herausgeholfen haben" meint Condillac siegessicher, der nur wieder ans Geld denkt. Blum hat mittlerweile das Schloss geknackt und möchte die Haarspange gerade einsacken, als Locke dazwischen geht. "Gib ihr den Schmuck wieder zurück, aber sofort!" Widerwillig gehorcht ihm der Koch. Condillac wirft Marguerite einen bösen Blick zu.

 

"Rhea, was machst du da?" fragt Barbara ihren Schützling.

"Ich probiere nur die Kleider an. Was meinst du, soll ich das hellblaue Kleid mit grünem Schleicher oder das Weisse mit rotem Schleier an meiner Hochzeit tragen?"

"Ich bin für das traditionelle weisse Kleid" gibt Barbara ihre Meinung preis.

"Dann nehme ich das selbstverständlich."

"Du, Rhea, weshalb ich hier bin. Weißt du wo Richard steckt?" erkundigt sich die Anführerin.

"Ja, er liegt gefesselt auf meinem Bett... nicht das er mir noch entwischt."

"Sehr gut" meint Barbara sichtlich erleichtert. "Dann ist ja alles gut." Mit diesen Worten geht sie wieder und lässt Rhea weiter ausprobieren.

 

"Du, Malone?" Für Finn ist es seit langem wieder das erste Mal, dass sie mit dem Reporter alleine ist.

"Ja?"

"Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich und deine jetzige Einstellung zum Leben bewundere."

"Wie soll ich das denn verstehen?" Malone legt seinen Kopf schräg.

"Deine Entwicklung in den letzten drei Jahren war enorm" behauptet das Finny. "Ich hatte ja schon viel über dich erfahren bevor ich dich kennenlernte... nun ja, anfangs fielst du mir als eifrigen Reporter auf, der nur selten seine Meinung öffentlich preisgab. Und nun bist du zu einem selbständigen Ehemann und Vater herangewachsen. Sicher hat das auch was mit der Geburt der Zwillingen und dem Zwischenfall mit Veronicas Beinen zu tun, aber ich finde es wie gesagt bewundernswert."

"Danke, Finn, ich fühle mich geschmeichelt" meint Ned gerührt.

"Du hast dich aber auch ganz schön gemacht... hast lesen und schreiben gelernt und dich unters Volk gemischt, das finde ich klasse."

"Echt!? Danke!" Das Finny fühlt sich ebenfalls geschmeichelt.

"Nein, wie süss!" Barbara hat erneut dem Gespräch gelauscht.

"Du schon wieder." Finn verdreht die Augen. Barbara tut so als hätte sie diese Geste nicht bemerkt. "Morgen werden wir was zu feiern haben."

"Ach ja!? Und was, wenn man fragen darf" sagt die Blondine uninteressiert.

"Soll ich dir das wirklich verraten?"

"Wenn es etwas mit mir zu tun hat, dann würde ich es schon gerne wissen."

"Na schön, aber dass du mir nachher nicht böse bist" sagt Barbara. "Wie du vielleicht gehört hast, findet übermorgen die Hochzeit von Richard und Rhea statt..."

"Das denkst auch nur du!" unterbricht Finn die Anführerin, wieder versucht sie Finns Kommentar so gut es geht zu ignorieren. "Aber bevor wir diese Hochzeit feiern können, muss jemand geköpft werden... eine Art Opferung, dass ein neuer Bund entstehen kann, wenn du verstehst, was ich meine."

"Nicht ganz" sagt Finn ehrlich. "Wer oder was wird geköpft?"

"DU!"

"Was? Ich? Warum? Weshalb? Ich habe doch gar nichts gemacht, oder etwa doch!?" Finn ist völlig durch den Wind.

"Das kannst du nicht machen, Barbara" ergreift Malone die Initiative. "Wenn du wirklich unsere Freundin sein möchtest, dann musst du Finn schon verschonen."

"Ich kann nicht. Rhea will Richard, doch Richard will Finn. Also muss jemand gehen und das ist nun mal die Person mit F."

"Warum ein Glück zerstören, wenn bereits eines vorhanden ist? Finn liebt Richard und Richard liebt Finn. Es ist doch offensichtlich, dass da für Rhea kein Platz ist." Ned versteht die Welt nicht mehr.

"Na und. Rhea ist mir wichtiger als Finn. Und Rhea will nun mal Richard heiraten und als Geschenk zur Hochzeit will sie Finns Kopf über ihrem Bett hängen sehen" erklärt Barbara.

"Ich höre hier immer nur die beiden Worte ‚Rhea will‘. Was ist mit mir, was ist mit ‚Finn will‘? Ich WILL zum Beispiel leben. Ich WILL Richard heiraten." Das Finny ist verzweifelt.

"Sorry, aber ich kann dir nicht helfen. Mein Dorf hat abgestimmt und morgen Nachmittag möchten sie deinen Kopf rollen sehen." Mit diesen Worte verlässt Barbara das Zelt.

"Ich will aber nicht sterben!" sagt Finn mit Tränen in den Augen. Malone geht zu ihr hin und tröstet sie. Er nimmt sie in seine Arme.

 

"Okay, und wie lautet unser Plan?" will Blum wissen.

"Keine Ahnung! John, hast du einen Plan?" fragt Marguerite ihren Mann, doch dieser schüttelt nur den Kopf.

"Klasse! Nicht mal das konntet ihr hinkriegen" sagt Condillac genervt.

"Wenn es dir nicht passt Condi, schicke ich dich ins Reich der Toten, möchtest du das?" droht Omak, Gott der Lüge alias François Locke seinem Komplize.

"Nein natürlich nicht, mein Herr!" Er verneigt sich und fleht um Verzeihung, die Locke ihm schliesslich auch gewährt.

"Ich hab‘ was!" sagt der Lord nach kurzer Denkzeit. "Blum hat doch grosse Ähnlichkeiten mit Plumbum, findest du nicht auch, Schatz!?"

"Worauf willst hinaus, Darling!?"

"Da wir nicht wissen in welchem Zelt sich Finn und Malone befinden, soll Blum alias Plumbum nach ihr auf die Suche gehen."

"Eine tolle Idee, die aber nur einen Hacken hat... wie soll Blum Finn erkennen?" hinterfragt Marguerite Roxtons Plan.

"Er muss ja nur nach Gitterstäben und einer blonden Frau Ausschau halten."

"Das sollte ich gerade noch so hinbekommen" meint der Koch.

"Gut! Dann viel Glück auf der Suche nach ihr" wünscht die Brünette dem Herrn, überreicht ihm die Haarspange erneut und lässt ihn loslaufen.

"Und was sollen wir in der Zwischenzeit machen?" erkundigt sich Condillac.

"Wie wär’s mit einem Ratespiel" antwortet Locke ihm.

"Nein, danke!" sagt der Buchhalter und verkriecht sich wieder ins Zelt.

"Er hasst Ratespiele, müsst ihr wissen" erklärt Omak dem Pärchen.

 

"Dad? Wohin gehst du?" fragt Rhea ihren Vater in der anderen Sprache, doch es ist nicht ihr Vater... es ist Blum. Er dreht sich fragend um, weil er kein Wort verstanden hat. "Willst du mein Hochzeitskleid sehen?" Blum schaut sie verständnisvoll an, nickt dann schliesslich. Rhea nimmt sofort seine Hand und führt ihn ins Zelt. "Das ist es!" Sie zeigt ihm das Kleid. "Und wie findest du es?"

Da Rhea übers ganze Gesicht strahlt, hält Blum einfach seinen Daumen hoch. Dann sagt er. "Finn?"

"Was ist mit Finn? Möchtest du sie etwa nochmals sehen? Ihr die Meinung sagen, hä!?" Wieder nickt Blum. "Dann folge mir!" Rhea bedeutet ihrem angeblichen Vater sie zu begleiten. Nachdem sie an einer ganzen Reihe von Zelten vorbeigelaufen sind, machen sie endlich einen Halt. "So da wären wir!"

Blum macht einen Knick und bedeutet dem Fräulein dann wieder zu gehen. Sie gehorcht ihm und geht. Blum betritt das Zelt, dort sieht er Finn in Malones Armen kauern. "Sind Sie Finn?" fragt Blum.

Die Blondine schaut auf. Sie hat ganz rote, befeuchte Augen. "Ich heisse Blum. Ich wurde von Marguerite geschickt, ich soll Sie und ihren Kollegen retten."

"Und woher sollen wir wissen, das dass keine Falle ist!?" bleibt Ned misstrauisch.

"Weil Sie sonst geköpft werden und ich eure einzige Chance bin, dass ihr hier wieder herauskommt." Blum zückt Marguerites Haarspange. "Woher haben Sie die?" fragt Finn, die das Schmuckstück sofort wieder erkannt hat.

"Das habe ich von Marguerite ausgeliehen bekommen, es dient als Schlüssel." Er öffnet das Schloss der Gittertüre und befreit die beiden Gefangenen.

 

"Finn! Gott sei dank, dir geht es gut" schliesst Marguerite ihre Freundin in die Armen.

"Die wollen mich köpfen, kannst du dir das vorstellen?" weint die Blondine.

"Ich weiss! Ich weiss! Ich kann das auch nicht verstehen, aber jetzt wird ja alles wieder gut."

"Was sind dass denn für Leute?" mustert Ned die drei Franzosen.

"François Locke, Condillac und Blum" stellt Roxton seinem Freund die drei Männer vor. "Wir haben schon einmal das Vergnügen mit ihnen gehabt. Damals warst du noch ein Geist und hast uns vor ihnen gewarnt."

"Stimmt, jetzt mag ich mich wieder daran erinnern. Omak, Gott der Lüge und seine Gefährte. Danke für eure Hilfe, hätte ich nie von euch erwartet" gibt Malone zu.

"Tja, das kann halt vorkommen, wenn der Anführer auf meine Frau fliegt" grinst der Lord. Locke tut so, als hätte er das nicht gehört. "Und was nun? Wie kann ich... können wir euch sonst noch behilflich sein?"

"Wir müssen noch Challenger und Richard befreien" sagt Roxton.

"Schicken wir wieder Blum auf Reisen" schlägt Marguerite vor.

"Ich halte das für keine so gute Idee!" wehrt sich der Koch. "Ich verstehe kein Wort, was deren Sprache betrifft."

"Das haben wir gleich..." Locke öffnet ein neues Portal und holt daraus ein Mikrophon, das angeschlossen an eine Art Radio ist, plus einen dazugehörigen Kopfhörer in Form eines Ohrsteckers. Die Expeditionsmitglieder schauen die Gegenstände nur komisch an. "Und was sollen wir damit anstellen?" fragt Malone.

"Dieses Gerät wird von Agenten aus dem 21.Jahrhundert benützt. Probiert es aus! Es funktioniert! So kannst du, meine Muse" er schaut dabei Marguerite an "Blum das Gesprochene übersetzen und einflüstern, was er antworten soll."

"Okay! Ich hoffe nur, dass das klappt."

 

"Ich suche das Zelt, worin Challenger, der ältere Herr gefangen gehalten wird" fragt Blum Olias, den Jointjunkie. Olias hält Blum ebenfalls für Plumbum. "Las sec homo wetzt."

"Aha" Blum versteht nur Bahnhof. "Er hat gesagt: das zweite Zelt rechts" übersetzt Marguerite. Blum sucht dieses Zelt auf und wird sofort fündig. Challenger liegt auf dem Bett. Es sieht so aus, als würde er schlafen. "Challenger? Professor Challenger?" fragt Blum sachte.

"Hä!?" George erwacht aus seinem Tiefschlaf. "Wer sind Sie? Und wo bin ich hier?"

"Sie kriegten von einer gewissen Barbara eine Betäubungsspritze verpasst. Ich bin Blum, der Koch von Ludwig dem 14. Und jetzt arbeite ich für François Locke... Omak, Gott der Lüge."

"Aha!" endlich hat Challenger den Mann wieder erkannt.

"Kommen Sie mit mir zu Ihren Freunden. Sie müssen aber Acht geben, da Sie nicht gesehen werden, verstanden!?"

"Selbstverständlich" meint der Professor nickend und folgt Blum aus dem Zelt. Sie werden von niemandem beobachtet, das glauben sie zumindest...

"Challenger! Du bist wieder auferstanden" sagt Finn überglücklich und umarmt George stürmisch.

"Na, alter Knabe, hast dein Nickerchen gemacht?" fragt Roxton humorvoll.

"Ja, es war herrlich."

"Schön, dass du nichts mitbekommen hast" behauptet Marguerite und muss Challenger natürlich sofort alles beichten, was in seiner Abwesenheit passiert ist.

 

"Barbara! Barbara!" Plumbum stürmt ins Zelt der Anführerin.

"Was ist denn los mit dir?" will die Frau wissen.

"Challenger, Finn und Malone wurden befreit. Jemand von uns hat einen grossen Fehler begonnen."

"Bist du dir ganz sicher?"

"Ja, hundertprozentig sogar! Und ich habe auch schon einen Verdacht" ist sich Rheas Vater sicher...

"Barbara, Sie haben mich rufen lassen!?" Moschena steht im Eingang des Zeltes.

"Wir haben schlechte Neuigkeiten" beginnt die Anführerin.

"Das hört sich aber gar nicht gut an" meint das Mädchen schüchtern.

"Allerdings. Jemand hat den Gefangenen zur Flucht verholfen. Hast du eine Ahnung, wer das gewesen sein könnte?" Moschena schüttelt den Kopf. "Bist du dir ganz, ganz, ganz sicher!?"

"Okay, okay, es tut mir leid... aber ich konnte nicht mit ansehen, dass eine unschuldige Frau nur wegen Rhea getötet werden sollte. Das ist nicht gerecht!"

"Ha, was habe ich dir gesagt, Barbara" jubelt Plumbum auf. "Wir haben die Verräterin und sie muss bestraft werden."

"Ja, Plumbum, du hattest Recht, hast Recht und wirst auch immer Recht haben. Moschena, ich beschuldige dich des Verrates!"

"Wie soll die Strafe ausfallen?" fragt Rhea, sie hat gelauscht. Kein Wunder, wenn sie Barbara als Vorbild hat.

"Das darfst du entscheiden, Teuerste!"

"Gut, dann möchte ich ihren Kopf neben dem von Finn!"

"Rhea, das kannst du nicht machen, ich bin deine Freundin!" versucht sich Moschena zu wehren.

"Eine ECHTE Freundin verrät einem nicht!"

"Tut mir leid, Moschena, aber das Urteil wurde gefällt!" verkündet Barbara. "Plumbum, nimm eine Axt und folge uns auf den Dorfplatz."

"Jawohl, meine Herrin!"

 

"Richard muss hier irgendwo sein" behauptet Finn und möchte am liebsten zu ihm hinstürmen, doch sie wird von Challenger zurückgehalten. "Lass das Blum machen!"

Und so wird Blum ein letztes Mal auf Befreiungsakt geschickt. Er wird schon bald fündig. "Richard!?"

"Plumbum?"

"Nein, ich bin Blum. Ein Freund und Helfer von Challenger und CO. Folgen Sie mir bitte, ich tue Ihnen nichts" versichert der Franzose ihm. Misstrauisch folgt Richard dem Mann schliesslich.

"Richard!" Finn ist überglücklich ihren Freund wieder heil und munter zu sehen. "Ich habe dich vermisst!"

"Ich habe dich auch vermisst" gesteht Richard dem Fräulein.

"Zum Glück sind jetzt alle wieder vereint" meint Challenger erleichtert.

"Dann können wir ja aufbrechen" behauptet Roxton.

"Aber zuerst möchte mich bei euch noch bedanken" sagt Marguerite und wendet sich den drei Franzosen zu. "Vielen herzlichen Dank, dass ihr uns aus der Patsche geholfen habt, das hätte ich echt nie von euch erwartet."

"Es war uns ein Vergnügen" lautet Omaks Antwort darauf. Er verbeugt sich vor der Brünette. Er gibt ihr sogar einen Handkuss zum Schluss. "Wir werden euch noch nach draussen begleiten."

"Oh, danke Locke, aber das ist wirklich nicht notwendig." Marguerite ist geschmeichelt.

"Ach was, es wäre mir eine Ehre." Die Freunde verlassen das Zelt, gerade als sie draussen angekommen sind, hören sie jemanden aufschreien. "PAPA! Hilf mir! Ich will zu dir zurückkommen!"

"Moschena, mein Schatz" sagt François Locke und eilt auf den Dorfplatz, wo Plumbum, Barbara und Rhea gerade dabei sind, das Mädchen auf einen Baumstrunk zu drücken. Plumbum holt mit der Axt aus. "Das wirst du nicht tun!" schreit Locke und stürmt auf den Mann zu. Er wirft ihn voller Wucht zu Boden.

"Was geht hier vor?" fragt Finn verwirrt übers Schauspiel.

"Moschena ist Omaks Tochter?" wiederholt Malone.

"Aber klar doch. Locke hat erzählt, dass er einen Stamm gehabt hat..." glaubt sich Lady Roxton zu erinnern.

"Die Tschakos" ergänzt George.

"Dann kann es gut möglich sein, dass Moschena seine Tochter ist und einfach nicht mit ihm und seiner Truppe mitgehen wollte" schlussfolgert Roxton.

"Hört sich vernünftig an" stimmt Richard dem Jäger zu.

"Und Locke musste sie jetzt vor der Axt retten, weil nur er kann sie zu einem Geist machen" erzählt die Brünette.

"Es könnte aber auch sein, dass sie schon ein Geist ist und somit unsterblich. Jedoch darf sie nicht gewaltsam umgebracht werden, sonst wird sie ganz sterben" behauptet der Lord.

"Oh Mann, das wird mir jetzt aber wirklich zu kompliziert" meint das Finny kleinlaut.

"Ich erkläre es dir später!" sagt Marguerite zu ihrer Freundin. "Lasst uns jetzt wirklich nach Hause gehen. Ich glaube, es wäre jetzt sowieso das Beste, wenn wir Locke, seine Truppe und seine Tochter das Ganze klären lassen sollten."

"Aber was ist, wenn Locke Barbara und den Rest des Dorfes umbringt..." ist Challenger besorgt.

"Das wird nicht passieren, weil Moschena noch bei ihm ist. Sie ist nicht wie ihr Vater, sie hat eine gute Seele" behauptet Lady Roxton.

"Aber die Dorfleute wollten sie umbringen, da hält sie doch nicht zu denen."

"George, mach dir nicht so viele Gedanken." Marguerite legt ihren Arm um den Professor. "Sie werden das Richtige tun!"

7.10 Das goldene Jenseits

"Roxton? Bist du schon wach?" fragt Marguerite ihren Mann. Sie kamen so gegen 3Uhr morgens aus dem Camp der Hippies zurück und gingen sofort schlafen. Jetzt ist es 9Uhr und Marguerite kann im besten Willen nicht mehr einschlafen.

"Ja, ich bin wach. Ich konnte nicht schlafen..."

"Wieso? Schmerzt dein Kopf noch?"

"Nein, der geht schon wieder. Aber mich beunruhigt die Tatsache, dass Omak jetzt immer noch hier ist und ich frage mich auch, was er mit den anderen gemacht hat."

"Denkst du wirklich, dass Locke noch hier in der Gegend ist?" fragt die Brünette erstaunt.

"Ich bin mir sogar ziemlich sicher."

"Und was macht dich da so sicher, John!?"

"Condillac hat behauptet, dass Omak immer noch auf dich steht und Locke hat diese Beschuldigung nicht verleugnet."

"Darling, du machst dir zu viele Sorgen. Ich habe Locke ausdrücklich gesagt, dass ich mit dir verheiratet bin."

"Schön und gut, aber ich traue ihm trotzdem nicht über den Weg."

"Hey, er hat uns das Leben gerettet, dass heisst doch schon viel, findest du nicht!?" ist sich Lady Roxton unsicher.

"Das hat er doch bloss für dich getan" behauptet der Lord schmollend.

"Ach, du bist so süss, wenn du sauer bist" meint Marguerite und küsst ihren Mann leidenschaftlich auf den Mund. Dieser erwidert sofort heisshungrig ihre Küsse.

"Das geht nicht. Mailyn..." weicht Marguerite zurück.

"Sie ist nicht im Zimmer. Sie wollte bei den Zwillingen schlafen, wir haben also alle Zeit der Welt."

"Okay..." Die Brünette nimmt Roxtons Kopf zwischen ihre Hände und schenkt ihm herzliche Liebkosungen. Er geniesst dies sichtlich. Ganz langsam nimmt er eine ihrer Handgelenke und drückt sie sanft ins Kissen zurück. Er überstreut sie mit Küssen. Er wagt sich schliesslich sehr vorsichtig an ihr seidenes Nachthemd heran und streift es ihr über den Kopf vom Körper.

Marguerite weicht dieses Mal nicht zurück. Es soll heute passieren und es ist ihr momentan egal, ob sie nochmals schwanger wird oder nicht. Sie hat seine Berührungen und Liebkosungen sehr vermisst, das wird ihr jetzt klar.

Auch sie beginnt ihm sein Pyjama auszuziehen. Da John seine Frau nicht erdrücken will, rollt er sich vorsichtig auf sie. Marguerite umklammert sofort seine muskulösen Schultern und lässt ihn in sich eindringen.

Ein überwältigendes Gefühl überkommt die Brünette, sie hat erneut Schmetterlinge im Bauch... und es fühlt sich toll an...

 

"Es tut mir wirklich so leid, dass du die halbe Nacht alleine mit den Zwillingen sein musstest!" entschuldigt sich Malone zum tausendsten Mal bei Veronica. Die beiden frühstücken bereits. Jessica und Joshua schlafen noch friedlich in ihren Bettchen.

"Ned. Ich sage es dir gerne noch einmal. Das ist nicht schlimm. Jesse war auch noch hier... und wie du sehen kannst, hat alles bestens funktioniert."

"Aber ich...."

"NED!" unterbricht die Blondine ihren Mann. "Es ist okay. Ich bin nur froh, dass ihr wieder heil aus diesem Dorf rausgekommen seid, der Rest ist im Moment unwichtig. Hast du mich verstanden!? Es ist UNWICHTIG!"

"Es war aber..."

"Malone! Behandle mich nicht andauernd wie eine behinderte Person, ich fühle mich gut und ich kann für mich alleine sorgen!" wird Veronica wütend.

"Sorry!"

"Ich hasse es! Wieso könnt ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen. Es ist schon schlimm genug, dass ich nicht mehr gehen kann, macht es also nicht noch schlimmer." Sie bricht in Tränen aus. Der Reporter legt sofort seine Arme um sie. Er will ihr damit Trost spenden und zeigen, dass er sie versteht. Er weiss, was sie meint und wie sie sich fühlt.

 

Nachdem die beiden einen wunderbaren Höhepunkt erlebt haben, schläft Marguerite mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Währenddessen geht Roxton duschen. Er wollte eigentlich nach der Jagd duschen, doch dann kam der Zwischenfall mit Barbara und nun hat er schon seit Tagen kein frisches Wasser mehr gesehen.

Das lauwarme Wasser rinnt über sein Gesicht. Die Augen geschlossen, muss er immer wieder daran denken, was Marguerite gesagt hat. Er hofft bloss, dass er den Kampf gewonnen hat. Er möchte nicht, dass seine Frau wieder dem Geld und Reichtum verfällt. Er will Locke zeigen, dass Marguerite widerstehen kann und ihr die Liebe und Freundschaft nun wichtiger ist.

Auch muss er an das eben Geschehene denken. Woher kam plötzlich Marguerites Sinneswandel, will sie nun doch ein zweites Kind?

 

Die Türe zu Marguerites und Roxtons Schlafzimmer wird einen Spalt weit geöffnet. Man sieht Marguerite mit dem Rücken zur Türe liegen und schlafen. Gerade mal ein dünnes, weisses Seidenlacken bedeckt die wichtigsten Teile ihres Körper, doch der Rücken bleibt unbekleidet.

Er betritt den Raum. Er kann ihr erneut nicht widerstehen. Sie ist einfach bezaubernd, wunderschön und in seinen Augen ist die Brünette ein göttliches Wesen.

Er geht auf sie zu. Er setzt sich auf die Bettkante und beugt sich zu ihr hinunter. "Meine Muse" haucht er, während seine Lippen schon beinahe ihren Hals berühren.

Er liebkost ihren Hals und während er dies tut, erwacht Marguerite aus dem Schlaf. Sie wendet sich ihm zu, umklammert jedoch das Seidenlacken gut. "Du kannst wohl nie genug davonkriegen, was!?" meint die Brünette mit einem Lächeln.

Sie hält ihre Augen geschlossen da sie seine Küsse zum Entspannen gut findet. "Du solltest dich wirklich wieder mal rasieren" schlägt Marguerite vor.

"Ganz wie du wünscht, meine Teuerste!" Marguerites Augen sind nun sperrangelweit offen. "Oh mein Gott!!!!"

"Was ist!?" fragt Roxton und kommt die Türe hinein gestürmt. Er hat bereits geduscht und sich frisch angezogen. "RAUS!" brüllt John.

"Und wenn ich nicht gehe?" will niemand geringeres als François Locke wissen. Er hat Marguerite gesucht, gefunden und vernascht.

"Ich werde sie eigenhändig aus dem Zimmer prügeln" droht Roxton seinem grössten Konkurrenten.

"Sie haben wirklich eine bezaubernde Frau, My Lord" sagt Locke mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

"Verschwinden Sie, ehe ich die Waffe zücke!" Roxton umkreist den Franzosen und geht zum Nachttisch hin, wo er seine Pistole aufbewahrt. Marguerite sitzt immer noch perplex auf dem Bett, das Lacken beschützend vor ihrem Körper haltend, muss sie immer wieder an Lockes Küsse denken.

Der Lord hat die Waffe geschnappt und richtet sie auf den Franzosen, doch ehe er abdrücken kann, ist er auch schon wieder durchs Portal verschwunden.

"Wie geht es dir?" fragt Roxton seine Geliebte.

"Ähm... was?" Sie war völlig in Gedanken versunken. "Ja, mir geht es gut. Es ist nichts passiert. Glaub ich!" John legt seine Arme um Marguerite. "Dann ist ja alles wieder gut" behauptet er, doch in seinem Innern rumort es fürchterlich. Tausend Fragen schwirren ihm durch den Kopf.

 

 

"Was!? Er war hier?" fragt Finn ungläubig, als Marguerite ihr das Geschehene bei einer Tasse Kaffee erzählt.

"Ja, Locke war hier und Roxton ist jetzt super wütend auf ihn. Ich glaube, wenn Locke nochmals vorbeischauen sollte, dann knallt John ihn ab."

"Glaubst du denn, dass er noch einmal zurückkommt?" Marguerite nickt mit dem Kopf. "Ich bin mir fast hundertprozentig sicher, weil..."

"Ja?"

"Ich mochte seine Küsse. Sie waren ganz anders als die von Roxton... irgendwie heisshungrig, begehrend..."

"Oder einfach nur unbekannt?" unterbricht Finn ihre Freundin. "Süsse, es ist klar, dass du momentan seine Küsse mehr magst als die von Roxton, aber vergiss nicht mit wem du zusammen bist. Wer dich von Herzen liebt und gemeinsam mit dir alt werden will. Oder willst du lieber jemanden, der dich töten will, damit du an seine Schätze kommst?"

"Nein, natürlich nicht" meint Marguerite kleinlaut.

"Mama!" Mailyn kommt auf ihre Mutter zu gerannt.

"Mailyn, mein Schatz." Marguerite schliesst ihre Tochter in die Armen. "Oh, wie hab ich dich vermisst!"

"Tatsächlich?"

"Ja, bestimmt sogar. Hast du gut geschlafen bei den Zwillingen?" Das Mädchen nickt mit seinem Köpfchen. "Hast du eine wilde Nacht hinter dir?" erkundigt sich die Brünette, da Mailyns braune Locken noch ganz ungezähmt sind.

"Mhm. Ich habe geträumt, dass ich mit einem Bären gekämpft habe."

"Und, hast du gewonnen?"

"Klar doch! Ich war eine richtige Heldin." Mailyn zwinkert Finn zu. Offensichtlich hält sie die Blondine immer noch für ihre Heldin und will im Unterbewusstsein sogar so sein wie sie, deshalb dieser Traum.

"Wo ist dein Daddy?" erkundigt sich Marguerite bei der Kleinen.

"Er ist spazieren. Er hat gemeint, er sei ver... ver... versüsst!"

"Versüsst!?" spricht die Brünette mit fragendem Blick nach. "Meinst du nicht eher verwirrt!?"

"Ja, genau verwirrt!" behauptet das Mädchen und überlegt schliesslich angestrengt. "Mami? Was bedeutet verwirrt?" will die Kleine wissen.

"Verwirrt sein bedeutet, wenn man durcheinander ist... ähm, keinen klaren Kopf kriegen kann."

"Aha!" sagt das Mädchen, doch Marguerite bezweifelt, dass sie jetzt weiss, was das Wort bedeuten soll.

Mailyn steigt von den Knie ihrer Mutter hinunter und rennt aus der Küche ins alte Baumhaus zurück. Marguerite schaut ihr glücklich nach. "Ist sie nicht ein Goldschatz!?"

"Sicher" meint das Finny. "Vergiss das bloss nie!"

"Versprochen!"

 

Marguerite geht ins Badezimmer, sie möchte dort ein Entspannungsbad nehmen. In viel Schaum und heisses Wasser steigt sie kurze Zeit später hinein. Sie lehnt sich zurück und schliesst ihre Augen. Die Haaren nach oben gesteckt, damit sie nicht nass werden.

Als Marguerite so da liegt in der Badewanne, überkommt sie plötzlich ein kalter Schauer. Obwohl sie an nichts gedacht hat, was ihr kalt über den Rücken laufen könnte, friert es sie doch ein wenig. Aber das ist zum Glück nicht von Dauer, der warme Dampf umschliesst den kalten Schauer und lässt ihn wie eine Seifenblase platzen.

Marguerite merkt nicht, dass Locke sie schon wieder beobachtet. Er hat den kalten Schauer verursacht, weil er durchs Portal aufgetaucht ist. Er schaut ihr gerne zu, obwohl er weiss, dass es gefährlich für ihn werden könnte, muss er es noch einmal bei ihr versuchen. Er will sie für immer an seiner Seite haben, jedoch möchte er sie entscheiden lassen. Er möchte nicht schon wieder den gleichen Fehler wie letztes Mal begehen, als er sie zwingen wollte mit ihm zu gehen...

Marguerite verspürt erneut einen kalten Schauer. vermutet die Brünette, ist jedoch zu müde um aus dem Bad zu steigen, geschweige denn die Augen zu öffnen.

"Dad! Hier bist du also!"

"Moschena!?" fragt Locke schockiert.

"AH! Nicht schon wieder! Sie sind ein verdammter Spanner, Locke!" schreit Marguerite auf und wickelt ihr Handtuch um sich.

"Dad, wie oft habe ich dir gesagt, du sollst diese Frau in Ruhe lassen!? Sie ist glücklich verheiratet. Ausserdem finde ich es Mum gegenüber nicht fair. Hast‘ sie etwa schon vergessen!?"

"Natürlich nicht."

"Raus hier! Aber alle beide!" sagt die Brünette aufgebracht. Moschena und François Locke führen ihr Gespräch draussen weiter.

Roxton ist immer noch nicht zurückgekehrt. Anscheinend braucht er viel frische Luft. Und so ist Marguerite mit Moschena und Locke alleine im neuen Baumhaus, weil Finn und Richard ebenfalls ausgeflogen sind. Sie wollen Kräuter für Challenger sammeln und vielleicht pflücken auch die beiden einen Giftzumach, wer weiss!?

"Ich finde es unverschämt von ihnen, wie sie mit meiner Privatsphäre umgehen" beschimpft die Brünette den Franzosen. Er konnte Moschena abwimmeln mit der Begründung, dass er sich noch bei Marguerite entschuldigen würde, bevor er nachkomme.

"Ich konnte nicht widerstehen. Sie sind einfach wunderschön."

"Ach ja!? Haben Sie das Gleiche auch Moschenas Mutter gesagt!?"

"Ja, und wissen Sie warum?" gesteht Omak.

"Nein, woher sollte ich das denn wissen!?" meint die Brünette schnippisch.

"Weil Sie Moschenas Mutter kennen!" Marguerite zieht bloss eine Braue hoch. "Ihr Name war Morgan."

"Oh mein Gott, aber das ist ja meine Vorfahrin, die Druidenpriesterin, mit der ich fast verwechselt worden bin."

"Ich habe sie kennen und sofort lieben gelernt."

"Und warum ist sie jetzt nicht hier? Ist sie etwa keine Unsterbliche?"

"Leider nein. Sie wollte nicht mit mir kommen, sie hat den Himmel bevorzugt!" Locke knirscht mit den Zähnen. "Dabei hätte ich ihr alles geben können. Seidenbettwäsche, Perlenketten, Porzellangeschirr..."

"Ich muss Sie ebenfalls enttäuschen. Ich habe das nämlich schon alles" beharrt Marguerite.

"Und wenn schon. Ich kann dir dafür in kürzester Zeit alle Länder zeigen, die du sehen möchtest."

"Danke, aber ich bevorzuge wenige Städte, die ich in Ruhe besuchen und durchlaufen kann" weicht Marguerite aus.

"Egal. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir uns wie ein Ei dem anderen gleichen. Sie haben dieselben Bedürfnisse und Wünsche wie ich."

"Tja, ich bin aber der Meinung, dass Gegensätze sich anziehen."

"Ich kann Ihnen Gold schenken so viel Sie wollen. Goldenes Geschirr, goldene Statuen, goldener Schmuck, goldene Gewänder" bietet der Franzose der Lady an.

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt."

"Marguerite, ich flehe Sie an" Er kniet sich vor ihr auf den Boden und zückt einen Verlobungsring mit grossem Diamant geschmückt. "Ich will Sie heiraten, werden Sie meine Frau!"

"François, ich bin bereits GLÜCKLICH verheiratet."

"Ein Mann ist für mich kein Hindernis!" behauptet der Franzose siegessicher.

"Mama?" Mailyn betritt den Raum.

"Die ist nicht hier" sagt Locke ohne sich zu dem Mädchen umzudrehen.

"Mama, Veronica hat mir aus meinen Haaren einen Zopf geflochten" zeigt die Kleine die Frisur stolz ihrer Mutter.

"Das hat sie aber schön gemacht!" erwidert Marguerite. Erst jetzt wendet sich Locke zum Mädchen und er sieht seinen Sieg schwinden. "Ihr.... ihr habt ein Kind!?" stottert François. Er steckt den Ring zurück in seine Hosentasche.

"Siehst du, ich habe bereits meinen Goldschatz!?" sagt die Brünette.

"Und Roxton ist der Vater?" will Locke wissen.

"Ja, ich bin ihr Vater!" Roxton steht im Türrahmen. "Ich kann Marguerite eben doch mehr bieten als Sie!" behauptet der Lord.

"Ach darum ging es die ganze Zeit. Ihr habt um mich gekämpft?" Das gefällt der Brünette.

"Jeep! Und wer hat den Kampf gewonnen?" erkundigt sich Locke.

"Alles Geld der Welt oder Liebe und Freundschaft" fügt John hinzu.

"Ich weiss nicht so recht" behauptet Marguerite und nimmt Mailyn auf ihre Arme. "Ich weiss nur, dass Mailyn an meiner ersten Stelle steht und auch immer an meiner ersten Stelle bleiben wird!"

"Juhu!!!" lautet Roxtons Jubelschrei.

"Ich habe es geahnt, Sie sind genau gleich wie Morgan" behauptet Locke.

"Er meint doch nicht DIE Morgan!?" schreckt John auf.

"Wenn du meine Vorfahrin meinst, dann liegst du mit deiner Vermutung richtig. Morgan war seine Frau und Moschena ist die Tochter von den beiden." Roxtons Mund bleibt sperrangelweit offen stehen. "Na dann, wünsche ich euch eine gute Zeit. Roxton, Sie sind mich ein für allemal los."

Mit diesen Worten verschwindet François Locke im Portal, wo dahinter Moschena schon ungeduldig auf ihn wartet.

"Ich bin so froh, dass du dich für mich entschieden hast" sagt Roxton erleichtert.

"Ich weiss, das konnte ich spüren. Und auch wenn ich anfangs dachte, seine Küssen wären toller als deine, war mir klar, dass ich deine vermissen würde. Du machst mich glücklich. Du weißt alles über mich und ich kann dir alles erzählen. Auch wäre es Mailyn nicht fair gegenüber und ich habe immer noch Schmetterlinge im Bauch, wenn ich dich sehe, spüre, höre."

"Geht mir genauso!"

"Mum! Dad! Spielt ihr mit mir etwas?" fragt Mailyn ihre Eltern.

"Ja, was denn, meine Süsse?" erkundigt sich Marguerite.

"Verstecken! Daddy, beginnt mit suchen!" Die Kleine rennt fort.

"Und auf wieviel soll ich zählen?" will Roxton wissen.

"Ich weiss nicht, vielleicht sollten wir sie ein bisschen in ihrem Versteck zappeln lassen, während wir..." Marguerite legt ihre Arme um Roxtons Hals. "...anderweitig beschäftigt sind."

"Mhm, das hört sich klasse an!" John zieht Marguerite ins Schlafzimmer und schliesst die Türe hinter ihnen zu.

7.11 Die hinterlistige Muse

Finn betritt die Küche. "Was macht ihr da?" fragt sie Jesse und Mailyn.

"Ich koche das Mittagessen" erzählt Jesse "und Mailyn stellt einen Zaubertrank her. Gäll, meine Süsse!?"

"Ich bin eine Hexe" behauptet Mailyn stolz. Finn betrachtet das Gebräu mit hochgezogenen Augenbrauen. "Was hast du da alles zusammen gemischt?" will die Blondine wissen.

"Sie hat einen halben Liter Wasser, zwei Karotten, fünf Apfelschnitze, drei Oliven und ein Stück Saurierfleisch beigefügt" antwortet Jesse für die Kleine.

"Du hast was vergessen" meint das Mädchen beleidigt und deutet auf etwas Goldenes.

"Was ist das?" erkundigt sich Finn.

"Sie hat das angeblich in Challengers Labor gefunden" meint die ältere Dame. Das Finny nimmt das goldene Ding in die Hand und beäugt es argwöhnisch. "Sieht aus wie die Schale von einem Ei."

"Gut möglich. Ach, du kennst doch Challenger... der findet überall irgend etwas Faszinierendes."

"Ich werde das mal konfiszieren." Finn steckt es in ihre Tasche. Die Kleine rührt mit dem Schwingbesen in der bräunlichen Brühe. Sie greift zur Schüssel, die mit Salz gefüllt ist, nimmt eine Prise daraus und wirft es in die kochende Masse. Es gibt einen Knall!

"Was ist hier passiert!?" Roxton kommt in die Küche gerannt. Er sieht den umgekippten Stuhl, worauf Mailyn gestanden hat. Das Mädchen liegt am Boden sowie Finn und Jesse. Sofort eilt er zu seiner Tochter hin und hilft ihr aufzustehen. Dem Mädchen ist nichts passiert.

"Autsch!" Finn reibt sich den Kopf. "Wow, das war aber heftig."

"Du sagst es!" stimmt Madame Challenger der Blondine zu. "Oh nein, schaut euch jetzt diese Schweinerei an." Die Brühe ist überall in der Küche verteilt. "Das Mittagessen können wir jetzt vergessen" behauptet Jesse und kratzt die Masse von dem gedämpften Gemüse.

"Das kannst du glatt in den Kompost werfen" meint Roxton und verzieht sein Gesicht.

"Sieht so aus, als hätte dein Zaubertrank gewirkt" meint Finn zum Mädchen, das den Tränen nahe steht.

"Du warst das?" fragt John seine Tochter. Die Kleine nickt bedrückt ihr Köpfchen. "Dann wirst du das auch sauber machen!"

"Roxton, sei nicht so streng zu ihr. Schliesslich habe ich ihr erlaubt zu kochen" verteidigt Jesse das Mädchen.

"Trotzdem... das entschuldigt nicht diese Schweinerei." Er drückt Mailyn einen Schwamm in die Hand. "Ich wollte das nicht, ehrlich" fleht die Kleine.

"Das interessiert mich herzlich wenig. Du putzt das jetzt und wenn ich wiederkomme sieht die Küche wieder blitzblank sauber aus. Hast du mich verstanden!?" Der Lord verlässt den Raum ohne auf eine Antwort zu warten. Mailyn macht sich an die Arbeit. Sie beginnt den Boden zu schrubben. fragt sich das Mädchen.

Eine wunderschöne Frau mit goldenem Kleid erscheint aus dem Nichts im Raum. "Wow, du bist so schön!" sagt Mailyn.

"Mit wem sprichst du, meine Maus?" fragt Jesse überrascht.

"Offensichtlich ist sie auf den Kopf gefallen" behauptet das Finny.

will Mailyn von der Muse wissen.

Ohne zu zögern steigt das Mädchen auf dieses Angebot ein.

 

erzählt Mailyn weiter. Unbewusst vergisst das Mädchen Richard. Er liegt mit hohem Fieber im Bett und geniesst es von Finn verwöhnt zu werden.

behauptet Yolanda. Die Frau stellt sich neben Jesse, die gerade damit beschäftigt ist saubere Kartoffeln zu rüsten.

"Was gibt es eigentlich zu Mittag?" möchte das Finny wissen.

"Ich habe an einen Eintopf gedacht" antwortet die Dame. Yolanda schüttelt den Kopf und beginnt eine Melodie in Jesses Ohren zu summen. "Andererseits könnte ich auch Entenbrust an einer Weinsauce zubereiten mit pürierten Kartoffeln als Beilage!"

"Das hört sich himmlisch an" stimmt Finn der Frau zu. Yolanda stellt sich nun auch neben Finn und summt ihre ebenfalls dieselbe Melodie vor. Die Blondine beginnt zu singen: "Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann..."

 

Yolanda schaut sich im Zimmer der Malonefamilie um, wo sie schliesslich Veronica und Ned findet. Veronica sitzt bereits vor ihrem Malblock und zeichnet die Umrisse eines Kopfes. Yolanda haucht ihr die gewohnte Melodie ins Ohr. "Was malst du da?" erkundigt sich Malone.

"Keine Ahnung, das was mir gerade so einfällt" meint Veronica schulterzuckend. Ned schaut sich die Umrisse an. "Sieht aus wie das Portrait der berühmt berüchtigten Mona Lisa."

"Wer?" Veronica hat natürlich nicht den blassesten Schimmer, wovon ihr Mann spricht, doch er winkt das Ganze ab. Er möchte jetzt keine Erklärungen abgeben. Man hört Joshua aufschreien.

"Darling, gehst du nachschauen?" bietet Veronica ihren Mann. "Und könntest du später Jesse noch beim Abwasch helfen, schliesslich kocht sie schon für uns." Ned verdreht seine Augen. Nun versucht die Muse bei ihm ebenfalls ihr Glück und stosst auf Erfolg.

"Die Bühne meines Lebens muss dies sein: Unsichtbar gespannt zwischen den Betten die Seile, auf denen wir alltäglich versuchen die Balance zu halten zwischen Abwasch und Kindergeschrei."

"Ich wusste gar nicht, dass du dichten kannst" meint die Blondine schüchtern.

"Das war mir bis heute auch verschwiegen, doch meine Lippen sind nicht länger versiegelt. Ich gebe dir ein Geheimnis kund, Gedichte aufsagen mein grösster Fund. Ich möchte dir..."

"Schon gut, schon gut, ich habe verstanden" unterbricht Veronica ihren Mann. "Geh und beglücke andere mit deinen Gedichten, nachdem du Joshua hast freudig gemacht."

"Aber..."

"Danke!" Sie bedeutet ihm das Zimmer zu verlassen. Jetzt hat sie endlich ihre verdiente Ruhe und widmet sich wieder ganz dem Portrait.

 

"May, ist jetzt die Küche wieder sauber?" Roxton betritt das Wohnzimmer.

"Ja, Daddy, alles wieder in bester Ordnung."

"Blitzblank sauber ist die Küche, freudig wird das Mahl gerichtet..." hört man Finn singen.

"Mhm, das riecht aber lecker!" meint der Lord und kostet die Weinsauce. Er langt mit seinem Finger in den Topf und erhält sogleich einen Klatscher auf seine Hand. "Naschen verboten!" mahnt Jesse ihn.

"Was gibt es denn?" erkundigt sich John. Die ältere Dame gibt ihm kurz über das Menü Bescheid.

"Ach so." Yolanda stellt sich neben Roxton und summt auch ihm ein Liedchen vor. "Du brauchst noch eine Ente. Kein Problem, ich erledige dir eine!" sagt John, schnappt sich sein Gewehr und geht auf Entenjagd.

"Jesse" Challenger betritt den Raum "ich brauche noch... köstlich, was gibt es?"

"Entenbrust à la Weinsauce und pürierte Kartoffeln. Wobei kann ich dir behilflich sein?"

"Ich wollte fragen" Yolanda haucht ihm die Melodie ins Ohr. "wann wir essen. Ich bin nämlich gerade an einem wichtigen Experiment beschäftigt. Bis später!" Der Professor eilt wieder davon.

Yolanda hat Marguerite entdeckt.

Marguerite ist gerade auf dem Weg in die Küche. Während sie schnellen Schrittes auf den Raum zusteuert, summt die Muse auch ihr die Melodie in ihre Gehirnzellen. Die Brünette kommt schliesslich bei Jesse, der Köchin, an. "Ola! Mhm, that’s smells delicious. Qu’ est-ce que tu faire là?"

"Pardon? Ich spreche kein Französisch, meine Süsse. Aber falls du dich fragst, was es heute Abend zu essen gibt..."

"Da!(Russisch: Ja)"

"...dann kann ich dir nur verraten, dass es Entenbrust a là Weinsauce sein wird."

"Hört sich gut an. Grazie!" Die Brünette geht wieder.

wundert sich Jesse und wendet sich dann wieder dem Mittagessen zu.

freut sich Yolanda.

 

"Mama? Spielst du mit mir verstecken?" fragt Mailyn ihre Mutter.

"Oui, si tu veux!" antwortet Marguerite kopfnickend.

"Gut. Du zählst auf zwanzig, okay?"

"Yes!" Mailyn rennt davon. Marguerite beginnt zu zählen. "Ece, dece, dunei, (1,2,3 auf Singalesisch) dört, bes, alti, (4,5,6 auf Türkisch) sette, otto, nove, zehn, elf, zwölf, thirteen, fourteen, fifteen, dieciséis, diecisiete, dieciocho, (16,17,18 auf Spanisch), dix-neuf, vingt. Ich komme!" Marguerite geht auf die Suche nach ihrer Tochter. "Where are you, chuchu?"

 

Finn ist bei Richard und singt ihm ein Gute-Nacht-Lied vor, jedoch ist es erst ein Uhr am Nachmittag. "Schlaf, Kindlein, schlaf. Der Vater hütet die Schaf und die Mutter schüttelt das Bäumelein, da fallen viele Träumelein. Schlaf, Kindlein, schlaf."

"Oh bitte, Finn, hör auf damit. Das bereitet mir Kopfschmerzen."

"Heilen, heilen, Segen, drei Tage Regen, drei Tage Schnee, jetzt tut’s meinem Schätzchen nicht mehr weh."

"Finn! Ich meine es ernst, diese Singerei verschlechtert meinen Zustand bloss. Also, sei bitte still! Was ist überhaupt in dich gefahren!? Kannst du etwa nicht mehr sprechen. Ist singen die einzige Möglichkeit, mit der du dich für den Rest deines Lebens verständigen kannst?" Die Blondine hört augenblicklich mit singen auf und schaut Richard lange an. Sie zuckt mit den Achseln. Malone betritt das Zimmer. "Stille herrscht in diesem Raum, es ist ein einziger Alptraum. Krankheitserreger schweben in der Luft, und doch liegt hier ein frischer Duft. Man kann nicht..."

"Halt die Klappe!" rastet Richard aus. "Was ist los mit euch? Warum seid ihr beide so komisch? Bin ich etwa die einzige Person hier in den Baumhäusern, die noch klar denken kann!?"

"Ich weiss nicht was in mich gefahren..." beginnt Ned von Neuem.

"Dichte nicht zu Ende! Mir reicht der Anfang völlig um zu wissen, das etwas mit euch nicht in Ordnung ist. Wo sind die anderen?" will Richard wissen.

"George ist ins Labor geflüchtet, während ich vor mich hin dichte. Vom Sprachchaos wurde Marguerite erwischt und Jesse deckt schön den Tisch. Roxton ist auf Entenjagd, Mailyn ist oder war seine Magd. Mit Bilder malen vergnügt sich meine Frau und Finn singt..."

"Okay, okay, ich habe verstanden. Ihr wurdet alle mit euren Stärken beglückt abgesehen von Mailyn und bekanntlich steckt eine Muse dahinter, die uns dafür inspiriert. Ist heute irgend etwas vorgefallen?" erkundigt sich Richard. Finn greift nach einem Block und einem Schreiber. Nach einer Weile streckt sie ihrem Freund das Geschriebene hin. Er liest es durch.

"Und du denkst wirklich, dass Mailyns angeblicher Zaubertrank der Auslöser dafür sein könnte, dass eine Muse das Reich der Gefangenen verlassen hat und nun wieder ein normales Leben führen möchte... was sie jedoch nicht verdient hat, da eine Muse nicht um sonst in diesem Reich gefangen gehalten wird?"

"Das klingt zu verrückt für mich, dämlich bin ich nun auch wieder nicht" behauptet Malone.

"Ruhe, Malone! Ich meine es ernst. Du musst das nicht verstehen, du bist Reporter, der sich nur auf Tatsachen und nicht Phantasien stützt. Wie können wir die Muse überlisten und sie wieder ins Reich zurückschicken?" hofft Richard eine gescheite Antwort von seiner Freundin zu erhalten.

 

"Wo ist Mailyn?" fragt Richard Jesse, die nun die Ente zubereitet. Roxton hat sich aufs Sofa geschmissen, wo er ausspannen kann. Das Gewehr jedoch in seinen Händen haltend.

"Mailyn spielt verstecken mit ihrer Mutter" gibt Jesse Auskunft.

"Danke! Übrigens, es riecht lecker" sagt der junge Herr aus London. "Mailyn! Wir brauchen dich hier, wo bist du?" ruft Richard, doch nichts rührt sich. Yolanda hat immer noch nicht bemerkt, das eine weitere Person im Baumhaus ist. Sie hat sich in eine Ecke gesetzt und wartet darauf sichtbar zu werden.

"Marguerite, hast du Mailyn schon gefunden?" fragt Finn singend ihre beste Freundin.

"I don’t know where she is. Elle est wie vom Erdboden verschluckt."

"Wir müssen das Kind finden, sonst wird uns ein Bösewicht verschwinden" sagt Ned auf.

"May! Komm raus! Deine Mama gibt auf!" ruft Richard erneut dem Mädchen, dann wendet er sich an seine Freundin. "Bereite du doch schon mal den Trank vor!" Finn nickt und macht sich an die Arbeit. Sie wird von Jesse grob angefahren, da diese nicht noch einmal das Gericht versaut haben möchte. Richard erklärt ihr und Marguerite kurz die Situation und schliesslich sieht Jesse es ein.

"Du kriegst auch einen Schokoladenkeks, wenn du wieder herauskommst" besticht Madame Challenger die Kleine. Endlich kriecht Mailyn aus ihrem Versteck hervor.

"Finn, bist du fertig mit der Brühe?" erkundigt sich der Herr aus London. Die Blondine nickt, hilft Mailyn auf den Stuhl, bedeutet allen in Deckung zu gehen, während sie selber das Mädchen ganz gut festhält. "So, nun wirf das Salz hinein und wünsche dir uns alle frei!" bittet Finn immer noch singend.

Die Kleine nimmt eine Prise Salz und wirft sie in die Pfanne.... nichts geschieht.

"Wieso funktioniert es nicht?" will Jesse wissen.

"Ich habe keine Ahnung, ich habe alles richtig gemacht" behauptet Finn.

"Gut, repetieren wir" schlägt die Dame vor. "Einen halben Liter Wasser"

"Hab ich!"

"Zwei Karotten, fünf Apfelschnitze"

"Ebenfalls drinnen" sagt Finn.

"Drei Oliven und ein Stück Saurierfleisch"

"Siehst du, ich habe alles drinnen" behauptet das Finny.

"Ihr habt schon wieder das Wichtigste vergessen" bemerkt Mailyn. "Die goldene Eischale!"

"Ja, richtig, die habe ich sogar noch in meine Hosentasche gesteckt" mag sich die Blondine wieder erinnern. Sie gibt das goldene Ding in die Pfanne und lässt Mailyn wieder das Salz hineinwerfen.

Dieses Mal funktioniert es. Zumindest hat es einen lauten Knall gegeben.

"Wir haben’s geschafft!" freut sich Richard.

"Da wäre ich mir nicht so sicher." Yolanda steht sichtbar vor den Freunden.

"Warum bist du noch hier?" fragt sich Finn.

"Vielleicht müsst ihr eure Fähigkeit überwinden, während sie noch vor uns steht" schlägt Richard vor.

"Kein Problem für mich. Singen ist nicht das Wichtigste in meinem Leben!" behauptet Finn und konzentriert sich. "Siehst du, es hat geklappt" meint die Blondine wieder mit völlig normaler Stimme.

"Mir war das Dichten noch nie geheuer, deshalb lass ich es lieber bleiben!" antwortet Malone.

"Un Languagechaos nützt mir ebenfalls nichts!" überwindet Marguerite ihre grösste Stärke.

"Roxton, du Schlafmütze, ist dir das Jagen wirklich wichtiger als die Familie?" rüttelt der Reporter seinen Freund unsanft aus dem Schlaf.

"Natürlich nicht!" antwortet der Lord und legt das Gewehr beiseite.

"Und ich koche zwar sehr gerne, aber irgendwann muss auch ich mal schlafen gehen" ergänzt Jesse. "Wie kriegen wir Challenger und Veronica hierher?" fragt Finn ihre Freunde.

"Ganz einfach! Veronica, komm mal schnell her, ich glaube etwas ist mit Joshua nicht in Ordnung!" ruft Malone durchs Baumhaus. Kurze Zeit später steht Vee neben ihm.

"Okay, jetzt fehlt nur noch George" sagt Marguerite.

"Schatz! Mailyn will gerade etwas Goldenes in die Pfanne werfen!" behauptet Jesse. Sofort steht Challenger im Raum.

"Nein, das könnt ihr nicht machen! Ich habe fest an euch geglaubt" sagt Yolanda und wird immer bleicher, bis sie wieder durchsichtig ist.

schimpft die Muse mit dem Mädchen.

mischt sich Marguerite ein.

"Ich weiss, diese Frau hat mich nur ausgenützt" sagt die Kleine laut. Die anderen schauen sie verdutzt an, aber von Marguerite erntet sie ein Lächeln. klärt die Mutter ihre Tochter auf.

7.12 Das Geschenk

"Happy Birthday to you, happy birthday to you, happy birthday dear Finn, happy birthday to you!" singen die Freunde im Chor für die Blondine. "Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag liebe Finn, zum Geburtstag viel Glück!" Alle klatschen in die Hände.

"Herzlichen Glückwunsch" sagt Richard und schliesst seine Freundin in die Arme.

"Alles Gute zum Geburtstag" wünscht Veronica ihr.

"Ja, von mir auch" fügt Malone hinzu.

"Ich gratuliere dir!" sagt Marguerite und umarmt sie ebenfalls.

"Da kann ich mich nur anschliessen" behauptet der Lord und nickt ihr zu.

"Danke Leute, das ist wirklich lieb von euch" fühlt sich das Finny geschmeichelt.

"Jetzt bist du schon 27Jahre alt" sagt Challenger.

"Oh Mann, wie die Zeit vergeht" meint Finn und wirkt verlegen.

"Das kannst du laut sagen" antwortet daraufhin Marguerite. "Mailyn wird dieses Jahr schon fünf!" Sie streicht ihrer Tochter eine Locke aus dem Gesicht.

"Aber wenn man mit ihr spricht, wirkt sie wie sieben" behauptet Finn.

"Das liegt nur daran, dass sie ebenfalls Sprachbegabt wie ihre Mutter ist" lautet Roxtons Kommentar.

"So, jetzt wollen wir aber den Kuchen anschneiden und nachher die Geschenke auspacken" trommelt Jesse alle an den Tisch. Jeder greift nach einem Stück, das bereits von Jesse geschnitten wurde.

"Was für ein Kuchen ist es eigentlich?" fragt Challenger und kostet. "Zimt?"

"Wir haben doch noch keine Weihnachten" meint daraufhin Malone.

"Ja, ich weiss, aber Finn wollte einen Zimtkuchen haben. Sie konnte wählen zwischen Zimt, Zitrone oder Apfel" redet sich Jesse raus.

"Tja, und da ich nun mal eine süsse Person bin, habe ich mir einen Zimtkuchen gewünscht" fügt das Finny hinzu.

"Aha?" geht George ein Licht auf.

Nachdem sie alle fleissig reingehauen haben und nun satt sind, wechseln die Freunde ins Wohnzimmer, wo Finn die Geschenke erhält.

"Das ist von mir" sagt Mailyn und streckt ihrer Heldin eine Zeichnung hin. Auf dem Bild sind zwei Personen abgebildet. "Das bist du und das bin ich. Wir sind Superhelden und retten gemeinsam die Welt."

"Superhelden? Wow, Mailyn, ich fühle mich geehrt."

"Ja, klar seid ihr Superhelden. Schau dir nur mal die Kostüme an" meint Veronica und deutet auf die blaue Kleidung, die ein rotes S auf der Brust trägt.

"Danke, meine Süsse, das werde ich in meinem Zimmer aufhängen, okay?" schlägt Finn vor.

"Jaaah!" ist das Mädchen überglücklich.

"Hier, ich hoffe es gefällt dir." Roxton überreicht ihr sein Geschenk. Sie öffnet es.

"Neue Metallpfeile für meine Armbrust. Oh, das ist lieb von dir!" Sie umarmt den Lord.

"Du schenkst ihr Waffenteile zum Geburtstag" schüttelt Marguerite verständnislos den Kopf.

"Ich wusste nichts besseres und da ich sowieso immer meine Waffen auf Trab halte, fand ich das eine gute Idee."

"Also mir gefällt es" behauptet Finn. "Es vor allem sehr praktisch. Sie öffnet das nächste Geschenk. "Was ist das?"

"Mein Kompass, damit du dich nie verirrst!" erklärt Challenger.

"Danke vielmals... ist der aus Gold?"

"Wer weiss!" sagt George nur.

"Challenger, das wäre doch nicht nötig gewesen."

"Oh doch, ich finde schon" besteht der Professor. Finn nimmt das nächste Päckchen und öffnet es. "Von wem ist das?" fragt die Blondine, während sie es öffnet.

"Das ist von mir" sagt Veronica.

"Oh, wow!" Sie packt ein Abendkleid aus. "Das ist wunderschön!"

"Das kannst du an besonderen Anlässen anziehen" sagt Vee und flüstert dann Finn zu "oder an deiner Hochzeit."

"Wenn er mich fragt."

"Das wird er schon" versichert Veronica ihrer Freundin.

"Was flüstert ihr denn da!?" will Richard wissen. "Ach, nichts" sagen die beiden wie aus einem Mund. Finn nimmt ein weiteres Geschenk und öffnet es. "Ein Buch!?"

"Nicht irgendein Buch, Finn" klärt Malone sie auf "ein Tagebuch!"

"Danke" Finn wirkt nicht gerade begeistert darüber. "Und von wem ist dieses kleine Päckchen?"

"Das ist von mir" meldet sich Marguerite. "Und es kommt nicht auf die Grösse an."

"Marguerite, jetzt sei doch nicht beleidigt... ich habe das so nicht gemeint. Sorry!"

"Schon gut, pack es jetzt aus!" drängt die Brünette ihre Freundin. Finn gehorcht ihr und zum Vorschein kommt eine Schatulle, sie hebt den Deckel an. "Oh mein Gott! Nein... nein, das kann ich nicht annehmen!"

"Wieso? Was ist da drinnen?" möchten die anderen sofort wissen... neugierig wie sie sind.

"Ein diamantenbesetztes Medaillon" erzählt das Finny.

"Wow, das war sicher teuer" meint Veronica mit geöffnetem Mund.

"Wem sagst du das!?" schliesst sich Finn an Vees Aussage an.

"Egal, du bist es mir wert!" behauptet Marguerite.

"Oh, danke viel, viel Mals!" Die Blondine umarmt überglücklich ihre Freundin.

"Schon gut, schon gut, du erdrückst mich!" Finn lässt wieder von ihrer Freundin ab und öffnet schliesslich das letzte Geschenk. Es ist ein grosser Karton mit Löcher drinnen. "Ich nehme an, dieses Geschenk ist von dir, Richard" vermutet Finn.

"Richtig."

"Was da wohl drinnen ist?" fragt sich Malone.

"Soll ich raten?" schlägt die Blondine vor.

"Wenn du willst" sagt Richard nur.

"Ist es etwas zum Essen... ein Früchtekorb vielleicht?"

"Nein, den hätte ich nicht eingepackt."

"Ist es ein... neues Bettlacken?" rät das Finny weiter.

"Süsse, der Karton hat Löcher" hilft Marguerite ihr.

"Ja und!?"

"Jemand oder etwas braucht Luft" lüfte die Brünette das Geheimnis.

"Ein Tier!"

"Ja, aber was für ein Tier?" will der junge Herr wissen. Finn überlegt lange, plötzlich hört sie ein ‚Wau!‘

"Ein Hund!?" Sie packt es aus. "Oh mein Gott ist der süss! Wo hast du den her?" Fragen über Fragen schwirren ins Finns Kopf. "Ich habe ihn gestern im Wald gefunden. Ist er nicht niedlich?" Der Hund sieht aus wie ein Golden Retriever, nur das sein Fell nicht blond sonder silbern ist.

"Und wie heisst er?" erkundigt sich das Geburtstagskind. "Und was für eine Rasse?"

"Ich glaube das ist ein Silberfang" vermutet Veronica. "Ich habe so etwas mal in den Büchern meiner Eltern gelesen, aber ich bin mir nicht mehr sicher."

"Er hat noch keinen Namen. Du darfst ihm also einen geben" ist Richard grosszügig.

"Ist es ein Männchen oder ein Weibchen?" will das Finny weiter wissen.

"Ein Männchen."

"Gut, dann nenne ich ihn... Tassilo!" beschliesst Finn.

 

"Finn, du weißt aber, dass ein Hund viel Arbeit und Verpflichtungen mit sich bringt. Er braucht liebevolle Zuneigung und doch strenge, konsequente Erziehung." Marguerite und Finn sitzen auf der Terrasse und geniessen den Sonnenuntergang. Auf Finns Knie hat Tassilo es sich bequem gemacht.

"Ich weiss."

"Und ein Hund ist nicht gleich Katze!"

"Ja, Madame, das weiss ich auch."

"Und warum sitzt der Silberfang auf deinen Knien" hakt die Brünette nach.

"Weil er das bequem findet" antwortet Finn.

"Darf er auch bei dir im Bett schlafen?"

"Nein, sicher nicht. Tassilo schläft in seinem Körbchen neben dem Bett."

"Wirklich klasse, Finn. Du bist konsequent."

"Meinst du das jetzt ernst?" will die verunsicherte Blondine wissen.

"Natürlich nicht. Schau, jetzt liegt er nah bei dir und das möchte er dann auch in der Nacht, wo du ihn aber vom Bett werfen wirst. Er versteht somit die Welt nicht mehr. Darf er sich jetzt an dich kuscheln oder nicht!?" klärt Marguerite ihre Freundin auf.

"Oh, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Danke" meint das Finny kleinlaut.

"Wie konnte dir Richard bloss so ein Geschenk machen, hat der nicht mehr alle Tassen im Schrank oder was!?" schimpft Lady Roxton.

"Es war mein Vorschlag. Ich wollte schon immer einmal einen Hund besitzen."

"Ach so. Ich hoffe bloss, dass du weißt, worauf du dich da einlässt."

"Mach dir keine Sorgen, Süsse, ich werde das schon gebacken kriegen!" ist Finn von sich überzeugt.

 

Marguerite ist inzwischen ins Bett gegangen, während Finn ihren ersten Eintrag ins Tagebuch schreibt.

"Hey Finn!" Veronica betritt die Terrasse. "Was machst du gerade?"

"Ich schreibe das Erlebte in mein Tagebuch."

"Aha. Sorry, dass ich dich störe, aber ich habe den Eintrag über Silberfang im Tagebuch meiner Eltern gefunden."

"Cool, und was steht da?"

"Hör dir das an! Silver Catch, zu Deutsch Silberfang, verbringt sein Leben hauptsächlich im Dschungel, da er so vor Gefahren geschützt ist und einen nährreiches Territorium besitzt. Silberfänge ernähren sich hauptsächlich von Saurierfleisch, er liebt aber auch Gemüse oder Fisch. Er hat grosse Ähnlichkeit mit dem bekannten Golden Retriever, jedoch ist sein Fell silberblond anstatt weissblond. Er kann sich in gefährlichen Situationen mit Wasserstrahlen schützen. Die Hobbies eines Silberfangs sind: lange Spaziergänge, verstecken spielen, fressen und sich vor dem Dark Flareon zu verteidigen."

"Wer oder was ist ein Dark Flareon?" will Finn wissen.

"Das ist es ja gerade. Dark Flareon, zu Deutsch Feuerblitz, ist das ‚Böse Ich‘ des Silberfangs. Er ist jegliches Fleisch und macht keinen Unterschied zwischen Menschen- oder Saurierfleisch. Der Feuerblitz trägt orangerotes Fell und kann Feuer spucken, wenn ihm danach ist. Der Dark Flareon und der Silver Catch beschatten sich gegenseitig, deshalb sollte man bei der Haltung eines Silberfangs gut aufpassen."

"Oh nein, das hört sich aber gar nicht gut an" meint Finn traurig. "Und was soll ich jetzt machen, ich möchte Tassilo nicht fortgeben, ich habe ihn doch erst gerade erhalten. So ein Mist!"

"Warten wir ab, wie der morgige Tag verläuft. Bis dahin können wir nur hoffen, dass keiner dieser Monster uns hier findet. Gute Nacht!" Mit diesen Worten geht Veronica wieder. Finn wendet sich an den Hund. "Ich werde dich nicht weggeben, aber du musst mir versprechen keiner dieser Monster herbeizulocken, okay? Ach was, du verstehst mich doch gar nicht und du kannst auch nichts dafür, falls doch ein Dark Flareon auftaucht." Finn nimmt das Welpen und geht schlafen.

 

Am nächsten Morgen erwacht Finn mit einem unguten Gefühl im Magen. Sie geht zu den anderen, um sie vor fuchsähnlichen Geschöpfen zu warnen.

"Ich möchte, dass du den Silberfang wieder aussetzt" sagt Marguerite streng.

"Aber er ist doch mein Baby" behauptet das Finny.

"Finn, dieser Hund oder besser gesagt sein Gegner gefährdet unsere Kinder. Ich habe Angst, dass er eines Tages auftauchen wird und Mailyn oder einer der Zwillinge tötet... kannst du dass denn nicht verstehen!?" will Marguerite von ihrer Freundin wissen.

"Ich verstehe dich, aber Tassilo ist mir ans Herz gewachsen... wenn er geht, dann gehe ich auch!" setzt Finn eine Grenze.

"Süsse, ich kann nicht zwischen deinem Wohl und dem Leben meiner Tochter entscheiden, das geht einfach nicht."

"Tja, du hast die Wahl."

"Finn, das kannst du wirklich nicht machen" stellt sich Roxton auf Marguerites Seite.

"Ja, Finn, Roxton hat Recht, das ist nicht fair" sagt nun auch Malone.

"Uns wird schon nichts passieren" behauptet Challenger. "Wir besitzen den Elektrischenzaun, schon vergessen und zusätzlich ein Mienenfeld. Kommt Leute, das sollte reichen!"

"George, hier geht es nicht um deine Experimente sondern um das Leben unserer Kinder!" brüllt Marguerite den Professor an. "Finn, du musst den Silberfang wieder aussetzen."

"Nein, das werde ich nicht tun" bleibt die Blondine stur. "Und ausserdem hat der Silberfang einen Namen. Er heisst Tassilo! Schliesslich sage ich deiner Tochter auch nicht Menschenkind, oder!?"

"Das kannst du so nicht vergleichen, du bist so...."

"Seid jetzt endlich still!" meldet sich Veronica zu Wort. "Wir behalten den Hund, aber bei grösseren Gefahren, lassen wir in wieder frei. Einverstanden!?"

"Vee, das kannst du nicht machen... du setzt das Leben deiner Kinder aufs Spiel" behauptet Marguerite.

"Ich passe auf Joshua und Jessica auf, sowie Finn sich um Tassilo und du dich Mailyn kümmern wirst. Es ist immer noch mein Zuhause und ich kann bestimmen, was hier getan oder gelassen wird!" Mit diesen Worten stolziert die Blondine davon.

"Ich hoffe bloss für dich, dass du keinen Mist baust" warnt Marguerite zum ersten Mal ihre Freundin.

"Pass du besser auf dein Kind auf, bevor du mir Ratschläge erteilst!" Sauer geht Finn davon und lässt die Schlafzimmertür mit einem Knall ins Schloss fallen. "Oh, diese Person ist so stur! Warum mussten wir sie aus der Zukunft mitnehmen!? Die bereitet uns nur Sorgen!" Marguerite nimmt Mailyn an die Hand und zieht sie in ihr Zimmer.

"Das ist nicht gut" meint Richard und schaut bedrückt zu Boden.

"Wie konntest du ihr nur einen solch gefährlichen Hund schenken" belehrt Roxton ihn.

"Weil ich Finn liebe!" antwortet der junge Herr aus London.

"Hey, hört auf. Jetzt fangt ihr nicht auch noch damit an. Tassilo ist nicht gefährlich. Der Feuerblitz ist der gefährliche Hund" versucht Malone alles richtig zustellen.

"Halt die Klappe, Ned, und pass lieber auf die Zwillinge auf!" Roxton folgt seiner Frau ins Schlafzimmer, während Malone sich zu Veronica gesellt und Richard Finn Gesellschaft leistet.

"Super, jetzt haben sich unsere junge Paare zerstritten, das kann ja heiter werden" meint Challenger zu Jesse. "Da braut sich was zusammen, das sage ich dir."

"Wir können leider nichts daran ändern" sagt die ältere Dame und ist sehr besorgt. So wütend hat sie Finn noch nie erlebt... im allgemeinen wirken alle sehr gestresst und halten zu den jeweiligen Partnern.

Auf gehts zum 3.Teil(7.13-7.18)


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