Rahelh87's Webseite

6.07 Die Auserwählte

"Das macht ihr super! Weiter so!" kommentiert Finn die Arbeit der Zangas und Amazonen. Glücklicherweise verstehen sich die beiden Stämme gut miteinander. Die Amazonen gehen Holzhacken, während die Zanga-Krieger den nächstliegenden dicken Baum begehbar gemacht haben und die Holzbalken jetzt oben festnageln.

"Du, Finn!" Marguerite stupst ihre Freundin sanft an.

"Ja, Süsse, was ist?"

"Damals vor drei Monaten in Avallon ist dir der Name Morgan, eben die Druidenpriesterin, doch ein Begriff gewesen, den du nicht zuordnen konntest. Weißt du in der Zwischenzeit woher du den Namen schon gehört hast?"

"Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, aber momentan fehlt mir jegliche Spur wo ich diesen Namen hätte aufschnappen können. Sorry."

"Ach schon in Ordnung, lass dir einfach Zeit, ja!?" sagt Marguerite ein bisschen enttäuscht.

"Was weißt du denn noch alles über diese Morgan, ausser dass sie eine Druidenpriesterin und deine Verwandte ist?" erkundigt sich das Finny.

"Nun, ein Druide Borkra bat mich vor sechs Jahren hier auf dem Plateau um Hilfe. Ich musste für ihn und seine Gefährten zwei grüne Diamanten in den Formen von zwei Augen suchen gehen. Ich fand diese dann auch und brachte sie ihm. Er meinte nur, die Geschichte hätte sich somit verändert und sie seien gerettet. Ein anderer Druide behauptete, dass Morgan magische Kräfte besitzt und so den Sturm der Finsternis heraufbeschworen hat."

"Was ist der Sturm der Finsternis?" will Finn wissen.

"Der Sturm des Todes!"

"Genau! Veronica hat vor drei Jahren mit ihrem Anhänger ‚der Pyramide des Lichts’ gegen diesen Sturm kämpfen müssen."

"Sie hat es geschafft zum Glück!"

"Ja, sonst wäre ich jetzt immer noch in New Amazonia gefangen und müsste wahrscheinlich bei den Ölfeldern arbeiten! Was weißt du sonst noch über diese Frau?"

"Morgan war auf der Flucht vor dem Druidenanführer. Die Prophezeihung besagte, dass der Sturm aus heiterem Himmel aufziehen würde. Der Sturm hat die Macht alle Lebewesen zu zerstören."

"Oh, oh!"

"Was meinst du mit ‚oh, oh‘, Finn?"

"Morgan hat mit Scalf wahrscheinlich zusammengearbeitet! Das ist der Zerstörer der Welt des 21.Jahrhunderts!"

"Aber das ist doch gar nicht möglich, sie lebte viel früher als dieses Monster!" meint Marguerite verwirrt.

"Keine Ahnung, vielleicht hängt das mit dem Baumhaus und diesem Plateau zusammen!"

"Hä?"

"Nun, das Baumhaus ist das Zentrum des Plateaus, darum darf Veronica weiterhin ungestört hier wohnen. Es ist aber zugleich auch die Energiequelle der verschiedenen Gezeiten."

"Und das heisst?"

"Na, dass man in jede beliebige Zeit reisen kann. Natürlich nur wenn man die Möglichkeit dazu hat!" "Der Oroborus!" wird Marguerite nun alles klar.

"Was ist der Oroborus und was spielt der für eine Rolle in diesem ganzen Chaos?" ist es dieses Mal Finn, die fragt.

"Nun, wenn man das vollständige Medaillon des Oroborus hat, kann man sich an einen x-beliebigen Ort wünschen, also eben an seinen Lieblingsort! Das würde auch erklären, warum der Oroborus hier auf dem Plateau war" meint Marguerite mehr zu sich selber als zu Finn.

"Und du meinst, dass Morgan sich vielleicht an den Druiden rächen wollte und so ins 21.Jahrhundert gekommen ist um die Welt zu zerstören?" reimt Finn weiter.

"Möglich, warum aber ausgerechnet ins 21.Jahrhundert, dort gibt es doch gar keine Druiden mehr, oder irre ich mich etwa?"

"Also ich weiss nichts von Druiden, die im 21.Jahrhundert gelebt haben oder besser gesagt, leben werden. Merkwürdig ist das! Es macht doch alles keinen Sinn!" behauptet das Finny.

 

"Na, wie geht es meiner schwangeren Frau?" fragt Malone Veronica. "Mir geht es gut!" Die Blondine liegt auf dem Bett und liest gerade ein spannendes Buch. Der Bauch ist nun an etlichen Stellen runder als zuvor. Marguerite hat ihrer Freundin den Schwangerschaftsrock geschenkt, welchen Finn ursprünglich für die Brünette genäht hat. Auch trägt Veronica jetzt eine Bluse von ihrer Mutter, damit ihr Bauch schön warm hat.

"Was liest du da?" fragt der Reporter und wirft einen Blick auf den Titel "Alice im Wunderland?"

"Ja, mir war gerade danach dieses Buch zu lesen, ausserdem wird das später mein Job sein, den Kleinen eine Gutenachtgeschichte vorzulesen."

"Damit hast du vollkommen recht!" muss Malone seiner Frau zu stimmen.

"Und, wie weit sind sie schon mit dem Baumhaus?" erkundigt sich Veronica.

"Sie haben schon den Baum begehbar gemacht und sind nun dabei die Umrisse zu nageln!"

"Toll! Und was machen die anderen so?" will die Blondine weiter wissen.

"Challenger bereitet sich auf das Treffen mit Sergej Koroljow, mit einem seiner Studienkollegen vor. Er ist schon ganz aufgeregt, wie ein kleines Kind! Er wird Marguerite als Dolmetscherin mitnehmen, was verständlich bei ihrer Sprachkunst ist! Roxton ist auf der Jagd, Finn kontrolliert die Baustelle und Jesse spielt mit Mailyn verstecken!"

"Das gefällt ihr sicher, ich meine George und sie haben ja keine Kinder!"

"Ja, das stimmt. Sie lacht die ganze Zeit, ich habe sie noch nie so fröhlich gesehen!" gesteht der Journalist.

 

"Ich zähle auf 30 und du wirst dich in der Zwischenzeit verstecken gehen, aber nur hier oben im Baumhaus, verstanden?" sagt Jesse zur kleinen Mailyn. Diese nickt gehorsam. Jesse schliesst ihre Augen und beginnt zu zählen "Eins, zwei drei, vier, fünf, sechs...." Mailyn eilt die Treppe zum Labor hinunter und versteckt sich dort unter dem Arbeitstisch von Challenger. Challenger hat sich in sein Zimmer verzogen, dort kann er ungestört an seinen Fragen für Sergej arbeiten.

"Dreissig! Ich komme!" ruft Jesse. Sie sucht zuerst im Wohnzimmer, dann in den Schlafzimmern, schliesslich überwindet sie sich doch noch und betritt das Labor.

"Ton angeben!" ruft die Frau.

"Piep" macht das Mädchen. Jesse geht langsam zum Tisch rüber.

"Wo kann sie nur stecken, meine kleine Mailyn!" Das Mädchen kann sich das Lachen nicht mehr länger verkneifen und kugelt sich nun vor Lachen auf dem Fussboden hin und her.

"Da ist sie ja!" sagt Jesse und guckt unter den Tisch. Die Frau beginnt ebenfalls zu lachen.

"So jetzt musst du mich suchen. Und nicht schummeln" warnt Jesse die Kleine.

"Okay! Eins, zwei, drei..."

 

Malone ist immer noch bei Veronica im Zimmer und liest nun ebenfalls ein Buch. Als plötzlich ein "Autsch!" die Stille durchbricht. Sofort sitzt Ned kerzengerade und schaut seine Frau panisch an. "Was ist los? Was ist passiert?" fragt er ängstlich.

"Eines der beiden Kinder hat sich bewegt!"

"Ehrlich? Das ist ja toll!" Malone hält seine Hand auf ihren Bauch.

"Ich denke nicht, dass es sich nochmals bewegen wird, schliesslich sind die beiden noch sehr jung und schwach!" behauptet die Blondine.

"Egal, ich will trotzdem sie fühlen und mit ihnen sprechen, darf ich?" fragt Ned. Veronica nickt nur.

 

Roxton schleicht durch den Urwald und hofft auf einen Raptor, einen Fasan oder ein Wildschwein. Da plötzlich huscht etwas braunes durch das Gebüsch. Roxton macht sein Gewehr schussbereit, dann zählt er auf drei, er schiesst und das Tier fällt tot um.

"Ich bin einfach gut!" schreit Roxton freudig herum. Dann holt er seinen mitgebrachten Sack hervor, versorgt das erlegte Tier darin und macht sich auf den Weg nach Hause zum Baumhaus, dem Lexus der Gezeiten.

"Aber warum wurde Morgan gesucht und getötet?" fragt Marguerite.

"Keine Ahnung, was ist überhaupt eine Druidenpriesterin? Was hat die für Aufgaben?"

"Vielleicht tauft sie die Kinder der Druiden und ist so etwas ähnliches wie Jakarta bei den Zangas!" "Also eine Medizinfrau? Macht das jetzt mehr Sinn?" will das Finny von ihrer Freundin wissen.

"Ein bisschen schon. Das würde zumindest ihre Fähigkeiten erklären, dass sie zaubern und Feuer ohne schrammen überwinden kann! Was weißt du denn noch von diesem Scalf?"

"Also er hat sehr gerne mit Frauen zusammen gearbeitet. Als er und seine Freunde euch damals ersetzt haben(3.17 The Imposters), sprachen sie die ganze davon, dass sie eine Frau namens Salamaine zu befreien hätten, die ebenfalls in dieser Dämonenwelt gefangen ist."

"Was ist wenn Morgan ihren Namen geändert hat und sie diese Salamaine ist. Ich meine sie war in dieser Höhle gefangen, vielleicht ist ihre Seele dadurch in diese Dämonenwelt geraten!" reimt Marguerite weiter.

"Aber klar doch. Die andere Frau, die dich ersetzt hat, sagte die ganze Zeit über, dass dies ein Fehler sei eben diese Frau herauszuholen, da Salamaine alles zerstören wolle und auch könne" bestätigt Finn.

"Wir kommen der ganze Geschichte immer näher heran!"

 

Malone ist immer noch damit beschäftigt mit Veronicas Bauch zu reden, als er plötzlich zurück zuckt. "Hast du das gerade auch gespürt?" fragt Ned unsicher.

"Ja, Darling, schliesslich sind diese kleinen Tramplern in mir drin!"

"Ach ja, hab ich doch glatt vergessen! Ich habe endlich eines unserer Kinder erfühlen können!" sagt der Reporter freudig. "Diese Kleidern stehen dir echt gut!"

"Danke! Da du die Zwillinge jetzt auch mal gefühlt hast, wäre ich dir sehr verbunden, wenn ich jetzt mein Nickerchen halten dürfte! Also bye, bye!" Veronica gibt ihrem Mann einen kleinen Stoss und winkt ihm noch zum Abschied. Der Journalist verlässt das Zimmer enttäuscht, aber er versteht und respektiert die Gefühle seiner Frau.

 

"So, endlich bin ich mit meinem Skript fertig. Jetzt muss ich das nur noch Marguerite zeigen. Mal schauen was sie davon hält." Challenger hat endlich geschafft sein Frageblatt für Sergej fertigzustellen. Natürlich will er es sofort Marguerite präsentieren, doch als er die Brünette draussen zusammen mit Finn reden sieht, muss er gestehen, dass das noch warten kann.

 

"Aber wenn Morgan in dieser Dämonenwelt gefangen war, wie kam sie denn an den Oroborus? Und warum hat sie sich Scalf angeschlossen?"

"Das ist eine gute Frage, Finn!" muss Marguerite zu geben. "Vielleicht hat sie den Oroborus auch erst später entdeckt, als sie schon aus der Höhle fliehen konnte!"

"Möglich! Und Scalf hat sich dann mit ihr verbündet. Vielleicht hat er Morgan ja angeben, dass im 21.Jahrhundert ganz viele Druiden wohnen würden, nicht!?"

"Wahrscheinlich. Ach, der ist ja so was von fies!"

"Das kannst du laut sagen" behauptet das Finny.

"Hey, ihr beiden, seht mal was ich gefangen habe!" Roxton stosst zu den beiden Frauen und präsentiert ihnen das Wildschwein.

"Mhm, endlich gibt es mal wieder was fettiges zum Essen" meint Finn und erinnert sich an die Zeit in San Francisco zurück, als sie mit Paige Matthews in einem McDonalds Hamburger und Pommes essen war.

"Ganz toll, ich bin stolz auf dich, mein Schatz!" sagt die Brünette und gibt dem Jäger einen Kuss auf die Wange.

"Wo sind die anderen?" erkundigt er sich.

"Veronica ist in ihrem Zimmer, Challenger schreibt an seinen Raketenfragen herum, Jesse spielt mit Mailyn verstecken und Ned liest ein Buch."

"Ah schön. Und was habt ihr zwei hübschen in der letzten Stunde so angestellt?" scherzt Roxton.

"Wir plaudern über diese Morgan und versuchen herauszufinden warum sie das gemacht hat!"

"Die Hohepriesterin der Druiden etwa?"

"Ja!" sagt Marguerite nur.

"Und was hat sie böses angestellt?" will Roxton wissen.

"Sie hat Scalf dabei geholfen, dass jetzt New Amazonia nicht mehr neu und schön sondern alt und verdreckt ist!"

"WAS!? Deine Verwandte hat dabei geholfen die Welt zu zerstören!?" fragt John geschockt.

"Leider" meint Marguerite kleinlaut.

"Was habt ihr denn schon alles herausgefunden?" erkundigt sich der Lord. Finn fasst alles kurz zusammen: "Morgan ist eine Druidenpriesterin. Sie ist so etwas ähnliches wie Jakarta, also eben eine Medizinfrau. Sie kann zaubern. Aus irgendeinem Grund musste sie fliehen. Doch sie wurde gefunden, in diese Höhle geschafft und dort wurde ihre Seele dann für immer eingesperrt. Sie wurde somit der Dämonenwelt überlassen, weil ihre Seele nicht in Frieden ruhen konnte. Dort traf sie auf Scalf, er nannte sich damals Kayle und sie sich Salamaine. Er machte mit ihr einen Deal, er verhalf ihr aus der Dämonenwelt dafür musste sie für ihn arbeiten. Er wusste, dass sie die Macht hatte den Sturm der Finsternis oder besser gesagt den Sturm des Todes heraufbeschwören konnte. Sie tat es dann auch, während sie den Sturm einsetzte, benütze er noch zur sicheren Zerstörung Chemikalien."

"Wow, das ist aber schon eine ganze Menge!" staunt Roxton nicht schlecht.

"Es geht aber noch weiter" fährt Marguerite fort "Wir glauben, dass wir diesen Scalf nun endgültig besiegt haben, da du und ich in dieser Höhle waren und Morgans Seele befreit haben! So war es für Veronica kein Problem mehr gegen diesen Sturm mit ihrem Pyramidenanhänger zu kämpfen, weil Morgan ja erlöst war und endlich in den Himmel aufsteigen konnte. Da wir Finn aus der Zukunft in die Vergangenheit mit genommen haben, konnten wir jetzt das besiegen!"

"Dann wird New Amazonia in Zukunft nicht zerstört werden?" fragt der Lord freudig.

"Nein, denn wir haben geschafft das Ganze zu verhindern!" behauptet das Finny stolz.

 

"So, meine kleine Mailyn, was sollen wir jetzt machen?" fragt Jesse ganz erschöpft.

"Weiter spielen!"

"Nein, Süsse, weißt du Oma Challenger ist müde, wie wär’s denn mit Keksen backen?" schlägt die Frau vor.

"Oja, das wäre toll!" behauptet Mailyn. Also gehen die beiden in die Küche und bereiten dort alles vor. Mailyn gefällt das sehr, vor allem das Naschen des Teiges macht ihr grossen Spass.

"Wenn du zu viel davon ist, wird dir später noch schlecht" warnt Madame Challenger die Kleine. "Nein, nein, das wird schon nicht passieren!"

 

Finn, Marguerite und Roxton begeben sich ins Baumhaus. Da Marguerite nicht will, dass die Familie Challenger davon jetzt schon erfährt, machen sie es sich im Zimmer der Roxtonfamilie bequem.

"Was, war denn deine Aufgabe als Druidenpriesterin?" will das Finny von Marguerite wissen.

"Also, meine Aufgabe war den Druiden diese beiden smaragdgrünen Augen zurückzubringen an seinen richtigen Platz. Und ich habe den Oroborus wieder vervollständigt, nur leider ist er nicht mehr im Besitz von mir!" sagt die Brünette ein bisschen enttäuscht.

"Vielleicht ist das auch besser so, ich meine, wenn du ihn damals in dieser grässlichen Lavahöhle in die Hand genommen hättest, dann wärst du vielleicht anstelle von Morgan getreten" meint Roxton. "Könnte sein! Ja, das würde alles ergänzen. Ich musste den Oroborus abgeben sonst wäre das 21.Jahrhundert wieder zerstört worden!"

"Ein weiterer Grund zum sagen, dass wir es geschafft haben und die Welt nun von diesem Scalf geschützt ist!" meint Finn.

"Was wird dann aus Mailyn, ich meine sie ist doch die Auserwählte, dass hat deine Mum und auch Jakarta hat das gesagt!"

"Ja, ich weiss, John. Ich denke, dass Mailyn eben die Nachfolgerin dieser Morgan ist und ich hoffe nur, dass ich sie vor dem bösen beschützen kann! Vielleicht wird Scalf es durch sie versuchen wollen, wer weiss. Aber solange sie nicht stirbt und eingeschlossen oder vom bösen gefangen genommen wird, sehe ich kein Zweifel, dass das 21.Jahrhundert zerstört wird."

6.08 Das Böse schlägt zu!

"Und du bist dir ganz ganz sicher, dass du nicht mitkommen willst?" fragt Challenger bittend seine Frau. "Nein, mein Schatz, denn die Hinreise war schon anstrengend genug. Ausserdem brauchen Veronica und Ned sicher Hilfe beim Haushalt und Kochen!" Jesse wendet sich an das junge Ehepaar "Mit dieser Annahme liege ich doch hoffentlich richtig?"

"Ja, Madame Challenger, wir würden uns sehr freuen, wenn sie hier bleiben würden, nur alleine schon wegen ihrem Essen. Es ist einfach immer köstlich!" schwärmt Veronica.

"Ned, und du bleibst nun endgültig hier?" erkundigt sich Roxton bei seinem Freund.

"Ja, schliesslich muss jemand diese beiden Frauen beschützen!"

"Hey, ich kann mich sehr gut selber verteidigen!" protestiert Veronica.

"Nein, denn du bist jetzt schwanger, nun musst du auf die Kleinen aufpassen, das ihnen nichts passiert!" Veronica setzt eine Grimasse auf. Dann zieht sie Finn auf die Seite und will von ihr im Flüsterton wissen: "Warum gehst eigentlich du mit, Finn? Warum die anderen drei und Mailyn mitgehen weiss ich. Challenger trifft diesen Sergej. Marguerite ist die Dolmetscherin beim Treffen und Roxton spielt den Beschützer. Mailyn nehmen sie mit weil sie die Kleine nicht alleine hier lassen wollen, was ich verstehen kann. Ausserdem könnte die Kleine Heimweh bekommen."

"Also, ich gehe mit, weil ich noch mit Richard reden muss. Ach, Malone?" Finn wendet sich von ihrer Freundin ab. "Darf ich dann in deinem Appartement wohnen, das wäre sehr lieb!"

"Selbstverständlich, Finn!" sagt der Reporter grosszügig.

"Finn, wieso willst du nicht bei mir wohnen? Ich meine Jesse bleibt eh hier!"

"Danke, Challenger das ist wirklich nett von dir. Aber da du doch nur die ganze Zeit mit diesem Sergej beschäftigt bist, wäre ich dann wieder alleine. Da kann ich es mir grad so gut bei Malone gemütlich machen!"

"Gutes Argument, Finn!" kommentiert Marguerite.

"Ich weiss!" sagt die Blondine selbstsicher.

"Habt ihr alles?" erkundigt sich Roxton bei seinen Freunden. Diese bestätigen dies mit einem deutlichen Nicken.

"Na dann, kann die Reise zurück nach London doch angetreten werden!" meint Marguerite bestimmt und will gerade zum Lift gehen, als Roxton sie zurückhält.

"Wir haben doch Summerlees Asche, die wir neulich aus seinem Skelett brannten, eingepackt!? Ich meine, er wollte unbedingt in London auf dem Grabs Friedhof neben seiner Frau Anna begraben werden!"

"Ich habe daran gedacht, John!" meldet sich Challenger und beruhigt somit seinen Freund "Arthurs Asche liegt gut verstaut in einer Urne in meinem Rucksack!" Die vier Freunde und Mailyn verabschieden sich von den anderen und machen sich endlich auf den Weg zurück nach Europa.

 

"Wow, hier hat es sich aber stark verändert" bemerkt das Finny und betrachtet kritisch den Weg zum Bergtunnel.

"Stimmt, letztes Mal war es irgendwie grüner, saftiger und lebendiger" behauptet nun auch Marguerite.

"Du hast recht, jetzt sieht alles so ausgestorben aus" meint Roxton zu seiner Frau. "Der Boden ist ausgetrocknet, die Bäume und Büsche verlieren enorm an Blättern. Das Einzige, was an diesem Ort noch zu gebrauchen ist der Fluss."

"Könnten wir hier echt eine kleine Rast machen? Ich muss mal dringend. Ausserdem sollte ich noch die Wasserbehälter nachfüllen."

"Okay, Marguerite, aber wir bleiben nicht lange hier!" sagt Challenger streng.

"Ja, ist gut!" Während Roxton seine Gewehre nachlädt, Finn ihre Pfeile schleift und Challenger seine Fragen noch einmal durchgeht, entfernt sich Marguerite von den Freunden um sich ihre Blase zu leeren. Doch Marguerite ist nicht die Einzige, die sich davon schleicht. Mailyn ist ebenfalls unterwegs... auf Entdeckungstour.

Sie entfernt sich immer weiter von ihrer Familie und Freunden, diese haben noch nicht bemerkt, dass das kleine Mädchen fehlt. Mailyn geht immer tiefer in den Dschungel hinein, die Sonnenstrahlen werden vom dichten Urwald ausgesperrt.

"Mama! Mummy!!!!!!!!! Wo bist du? Daddy? Ich bin hier!" ruft das Mädchen ängstlich nach ihrer Familie. In ihrer Angst bleibt Mailyn an einem Ast hängen und bildet sich ein, dass das eine Hand eines Fremden ist. Sie reisst sich vom Ast los, dabei verliert sie ihr Halstuch, das sie von Finn geschenkt bekommen hat. "Finn, kannst du mich hören? Kann mich jemand hören?"

"Hallo meine Kleine, wen suchst du denn?" hört Mailyn eine Stimme hinter sich fragen. Die Brünette wendet sich um und entdeckt eine Frau, die eine rote Robe trägt. Die Frau hat ganz schwarze Haare, und grüne Augen.

"Ich suche meine Mummy und meinen Daddy! Sie rasten derzeit am Fluss, ich muss wohl zu weit weggelaufen sein. Sie müssen wissen, ich bin eine kleine Tagträumerin, das behauptet zumindest immer meine Mummy! Sie heisst Marguerite und mein Daddy ist ein Lord." Erzählt die Kleine der fremden Frau.

"Hast du Geschwistern?" will die Frau wissen.

"Nein, ich bin ein Einzelkind! Und Sie?"

"Ich bin auch ein Einzelkind! Wie war noch gleich dein Name?" fragt die Schwarzhaarige weiter. "Meine Name ist Mailyn Roxton Montegomery! Und wie heissen Sie?"

"Ich bin Lady Cassandra van Harem. Du darfst mich aber Cassandra nennen."

"Das ist lieb von Ihnen, Lady Cassandra. Ähm, könnten Sie mir vielleicht helfen und mich wieder zu meiner Familie zurückbringen?"

"Aber sicher! Zuerst müssen wir aber warten bis die Sonne wieder scheint!" behauptet die Frau.

"Hä?"

"Na, weißt du das denn nicht. Im Wald an den dunklen Stellen, dringt die Sonne erst am späten Nachmittag durch."

"Warum ist das so?" erkundigt sich Mailyn.

"Na, weil die Sonne die Blätter erst einmal wärmen muss, dann werden die Blätter plötzlich durchsichtig und so verdrängen dann die Sonnenstrahlen die letzten Schatten im Wald. Aber bis dahin musst du dich noch ein Weilchen gedulden." Mailyn will gerade die Hand der Frau nehmen, als diese sie sofort zurückzieht.

"Ich tue ihnen doch nichts!" meint Mailyn.

"Natürlich nicht, aber ich habe es eben nicht so gerne weißt du!" lügt die Frau.

 

"Hey, wisst ihr wo Mailyn steckt?" fragt Marguerite besorgt die anderen.

"Nein, wieso ist sie etwa verschwunden?" scherzt Roxton.

"Das ist nicht lustig, John!"

"Mach dir keine Sorgen, Darling. Sie hat sich wahrscheinlich nur irgendwo versteckt und will das wir sie suchen gehen!" versucht Roxton seine Frau zu beruhigen.

"Ja, meinst du wirklich?"

"Bestimmt! Lass sie uns doch gemeinsam suchen gehen!" schlägt der Lord vor.

"Okay! Challenger könntest du in der Zwischenzeit die Wasserflaschen nachfüllen?"

"Sicher!"

"Soll ich euch bei der Suche helfen?" bietet Finn an.

"Gerne!" Roxton, Marguerite und Finn machen sich auf die Suche nach der kleinen Mailyn.

 

"Da wären wir!" meint Cassandra und deutet auf ein kleines Häuschen, das auf einer Lichtung steht. "Hier wohnst du also?" erkundigt sich die Kleine.

"Ja, meine Süsse, das ist mein Zuhause!" Die beiden betreten das Haus. Cassandra führt Mailyn ins Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch setzt. "Darf ich dir etwas anbieten, Tee und Kuchen vielleicht?"

"Ähm... nein danke!"

"Hast du denn keinen Hunger? Und bist du nicht durstig? Es sind noch genau 8Stunden bis es Abend wird. Willst du nicht doch etwas haben. Ich hätte auch noch Kekse, wenn du magst."

"Dann würde ich gerne eine Tasse Tee und Kekse haben wollen" sagt die Kleine schüchtern.

"Sehr schön. Ich bin gleich zurück." Behauptet Cassandra und lässt Mailyn alleine im Wohnzimmer zurück. In der Zwischenzeit schaut sich die Kleine im Haus um.

"Mailyn!!! Mailyn!!! Süsse, wo steckst du nur?" ruft Marguerite verzweifelt. "Wir werden sie nie finden!"

"Liebste, erzähl nicht so einen Unsinn, wir werden sie finden, das verspreche ich dir!" Roxton nimmt seine Frau in die Armen und küsst sie zärtlich auf die Stirn.

"Ich habe Angst, John. Was ist, wenn wir sie nicht mehr finden oder wenn das Böse zugeschlagen hat und sie zurück in die Dämonenwelt holen will!"

"Das wird schon nicht passiert sein." Der Lord drückt Marguerite noch fester zu sich hin. Doch auch er ist sich nicht ganz sicher, ob das was Marguerite da gerade eben behauptet hat, die Wahrheit sein könnte. versucht Roxton seine negativen Gedanken zu vertreiben.

"Marguerite! Roxton! Kommt mal schnell her, ich glaub ich bin fündig geworden" behauptet das Finny. Das Ehepaar rennt zur Blondine hin. Finn streckt ihnen etwas hin und meint dann: "Das ist Mailyns Schal, hundertpro. Den habe ich ihr damals zu ihrem 2.Geburtstag geschenkt!"

"Ja, das stimmt. Sie muss wohl hier entlang laufen sein."

 

"So Mailyn, da wären deine Kekse und der Tee!" sagt Cassandra und stellt dem Mädchen das Tablett hin. Mailyn nimmt sofort die Tasse Tee und trinkt daraus.

denkt Cassandra zu sich selbst. "Mailyn, wärst du so freundlich und würdest mir in der Küche eine Tasse holen gehen?" fragt die Schwarzhaarige das Mädchen.

"Was immer Sie wünschen, Lady Cassandra" sagt Mailyn monoton.

Die grünen Augen der Frau beginnen zu leuchten und werden zu einem grässlichen giftgrün.

 

"Verdammt, wir werden sie nie finden!" sagt Marguerite verzweifelt.

"Versuch doch mal über die Gedanken zu ihr zu gelangen" schlägt Finn vor.

"Gute Idee!" Doch Marguerite bekommt keine Antwort zurück.

"Sie antwortet nichts, irgend etwas blockiert ihr Gehirn!"

"Da!" Roxton deutet auf eine Lichtung, auf der ein Haus steht. Doch um das Haus herum hat es einen Feuerkreis.

"Da will uns jemand wohl nicht dabei haben!" behauptet Roxton. "Vielleicht wird Mailyn dort gefangen!"

"Und von wem?" will das Finny wissen.

"Vom Bösen!" entfährt es Marguerite.

"Und was soll das bedeuten?"

"Na, dass sie versuchen Mailyn in die Dämonenwelt zu schicken! Aber das lasse ich nicht zu, Finn!" Marguerite tritt zum Feuer hin und verfällt plötzlich in einen Singsang, den schon vor sechs Jahren angewendet hat(1.06 Out Of Time).

"Was macht sie da!? Sie wird sich doch noch verbrennen!" schreit Finn verzweifelt und will ihrer Freundin hinterher rennen, doch Roxton hält sie zurück und meint nur: "Sie weiss was sie tut. Sie benützt nun die Kräfte der Morgan!"

 

Marguerite hat es geschafft. Sie steht vor der Haustüre und betrachtet das Schildchen: "Na dann wollen wir dieser Cassandra van Harem doch mal einen Besuch abstatten!" Mit diesen entschlossenen Worten betritt Marguerite leise das Haus. Sie schleicht zu einer Türe hin und blickt dahinter, als sie etwas schreckliches sieht.

Cassandra legt ein Messer auf den Tisch und sagt: "Nimm es in deine Hand und nun bereite deinem nutzlosen Leben endlich ein Ende. Erlöse dich von den Qualen und befreie dich! Du kannst es schaffen!"

"Zu Befehl Lady Cassandra von Harem!" Jetzt wird Marguerite alles klar.

"Sie muss Mailyn mit diesem Tee vergiftet haben, den auch schon dieser Möchtegern Thomas Layton bei uns angewendet hat." Marguerite betritt das Wohnzimmer.

"Tag, Cassandra!"

"Was machen Sie denn hier!? Ich habe doch ein Schutzfeld vor mein Haus gezaubert!"

"Naja, Sie müssen wohl vergessen haben, dass auch in mir diese Morgan lebt. Ich habe das nur Dank ihr geschafft" meint Marguerite.

"Verschwinden Sie von hier!" droht Cassandra und ihre Augen beginnen zu funkeln.

"Ich werde diese Haus nicht ohne meine Tochter verlassen!"

"Zu spät. Sie gehorcht jetzt nur noch mir!" behauptet die Frau.

"Hoffentlich nicht! Mailyn, leg das Messer weg und komm mit nach Hause!" bittet Marguerite ihre Tochter.

"Töte dich!" Mailyn schaut unschlüssig von einer Frau zur anderen.

"Mailyn, Prinzessin, bitte lass das Messer fallen und komm mit mir!" fleht die Brünette.

"Bring dich um und du wirst für immer erlöst sein!"

"Süsse, lass uns nach draussen gehen zu deinem Vater und zu Finn, deiner Heldin!" versucht es Marguerite weiter mit schönen wahren Worten.

"Ich befehle dir, töte dich!" schreit nun die Frau. Mailyn zuckt zusammen.

"Schatz, du brauchst keine Angst zu haben, alles wird wieder gut" sagt Marguerite und geht auf ihre Tochter zu. Sie nimmt Mailyn in den Arm und redet zu ihr in Gedanken: Mailyn scheint sich zu entspannen. Entschlossen wirft Mailyn das Messer weg und tritt statt dessen näher zu Cassandra hin. "Ich warne dich, fass mich bloss nicht an!" Doch Mailyn lässt sich nicht mehr davon abhalten. Sie berührt den Arm von Cassandra und diese verpufft sofort in der Luft. Auch verschwindet das Haus und der Schutzkreis.

"Ihr habt es geschafft!" ruft Roxton, rennt auf die beiden zu und umarmt seine Tochter und seine Frau überglücklich. Auch Finn steht nun neben der Familie und umarmt diese.

 

"George, wir sind wieder zurück!" ruft Marguerite schon von weitem.

"Bin ich froh!" sagt dieser nur. "Na dann lasst uns jetzt gehen! Sonst verpasse ich noch mein Treffen mit Sergej und das wollen wir doch nicht, oder?"

"Nein, natürlich nicht, Challenger" beruhigt Finn ihn.

"Und wo habt ihr die Kleine gefunden?" fragt der Professor neugierig.

"Ach, weißt du, George. Das ist eine lange Geschichte!" behauptet Marguerite.

"Wir haben doch Zeit, bis nach London sind das noch 4Tage!"

6.09 Das Zusammentreffen (1)

In London

"So, endlich haben wir es geschafft!" meint Challenger ganz erschöpft zu den Freunden. Sie stehen vor seinem Haus. Mailyn ist bereits in Roxtons Armen eingeschlafen. Der Professor wendet sich an Marguerite: "Dann sehen wir uns am Montag?"

"Ja, ist gut George. Ich werde um Punkt halb zehn Uhr hier sein, versprochen!" Dann verabschiedet sich die Roxton Familie von Finn und Challenger und steigen ins Taxi ein.

"Und du, Finn. Möchtest du nicht lieber übers Wochenende mir Gesellschaft leisten?" fleht der Professor das Finny an.

"Nein, denn du bist sicher zu beschäftigt. Ausserdem weiss Richard, wo Malone wohnt, dann kann er gleich nach meinem Anruf vorbeikommen" hofft sie.

"Na gut. Dann wünsche ich dir ein schönes Wochenende und viel Glück!"

"Danke. Wir sehen uns am Dienstag bei den Roxtons zum Abendessen." Mit diesen Worten macht sich Finn auf den Weg zu Malones Appartement und Challenger betritt den Garten seines Hauses.

 

"Mama, wir sind wieder zurück!" ruft Roxton ins Haus. Sofort erscheint die Dame am Eingang. "Geht es euch gut?" erkundigt sie sich.

"Ja, uns geht es bestens und wie läuft es bei euch so?"

"Ravell ist ein toller Stallbursche" schwärmt die alte Dame. "Er hat sich doch glatt in Frederica verliebt. Louis ist wie immer in Bestform und" Silvia wendet sich zu Marguerite "deinen Eltern geht es ebenfalls gut. Sie kommen mich oft besuchen."

"Das ist gut zu hören! Soll ich Mailyn ins Bett bringen?" fragt sie ihren Mann. Der nickt nur und überreicht ihr das Mädchen. Marguerite verschwindet im oberen Stock.

"Und wie geht es Jesse? Ich hoffe doch sehr, dass sie bei euch heil angekommen ist."

"Ja, mach dir keine Sorgen. Ihr geht es gut. Nur für die Rückreise war sie noch nicht bereit. Sie will jetzt in der verlorenen Welt mit George wohnen, darum bauen wir ein neues Baumhaus für uns und Finn."

"Ach das ist schön zu hören. Ich kann Jesse gut verstehen, sie liebt ihren Mann und hat ihn schrecklich vermisst. Wer ist sonst noch hier in London?"

"Finn und George. Die restlichen sind dort geblieben. Veronica ist jetzt bereits im 5.Monat schwanger, sie erwartet Zwillinge!" berichtet Roxton artig.

"Ich freue mich so für sie. Sie hat es wirklich verdient, nach all diesen Jahren, die sie ohne Familie verbringen musste!" Silvia schwelgt in Gedanken. John nützt diese günstige Gelegenheit aus und verabschiedet sich von seiner Mutter mit der Begründung, dass er sehr müde ist.

 

"Wo hat Malone noch gleich die Schlüssel versteckt? Ach ja unter dem Fussteppich in einer Ritze." Finn guckt unter den Teppich, wo sie auch gleich fündig wird und den Schlüssel entdeckt. "Auf Malone ist verlass!" murmelt die Blondine vor sich hin und öffnet die Wohnungstüre. Sie betritt das Appartement knallt ihre Ledertasche, die sie von Veronica bekommen hat, in die Ecke und wirft sich samt den Kleidern aufs Bett. Sie schläft sofort ein.

 

Roxton liegt bereits im Bett, als Marguerite endlich aus dem Badezimmer kommt. Sie hat ein weisses Nachthemd an. "Mailyn ist im Bettchen und schläft" gibt sie Auskunft.

"Gut" sagt Roxton nur. Marguerite kriecht unter die Decke und will gerade das Licht löschen, als Roxton sie fragt: "Bist du sehr müde?"

"Wieso meinst du?" fragt sie zurück.

"Nun, hättest du Lust für noch ein bisschen..." Er zwinkert ihr zu.

"Nein, John, denn ich finde es irgendwie merkwürdig. Schliesslich ist das dein Elternhaus!" versucht sich die Brünette herauszureden.

"Ach komm schon..."

"Nein, John, es geht nicht, klar!?" unterbricht sie ihn forsch. Sie löscht genervt das Licht. "Und Kuscheln?" Roxton will so schnell nicht aufgeben. "Vergiss es! Nicht heute und ganz bestimmt auch nicht morgen!"

"Wieso denn nicht?" fragt Roxton trotzig wie ein kleines Kind.

"Liebling, ich bin todmüde und habe einfach zurzeit keine Lust dazu" behauptet Marguerite.

"Hast du etwa Angst nochmals schwanger zu werden?" Der Lord lässt nicht locker. Als Marguerite ihm nicht antwortet, zündet er das Licht wieder an. "Mir kannst du es ja sagen!" meint er einfühlsam. "Lass mich einfach in Ruhe, ja!?" sagt sie sauer, steht auf, holt sich eine Wolldecke aus dem Kleiderschrank und begibt sich auf den Weg ins Gästezimmer. John folgt ihr und schneidet ihr den Weg ab bevor sie die Türe öffnen kann.

"Du nervst!" meint sie wütend und will ihn auf die Seite schieben, doch er bewegt sich keinen Zentimeter. "John! Geh auf die Seite!" Die Brünette verliert langsam aber sicher die Geduld, als dann auch noch Mailyn im Türrahmen steht und sagt, dass sie nicht schlafen kann, flippt Marguerite endgültig aus. Sie packt ihre Sachen, lässt sich ein Taxi rufen und fährt zu ihren Eltern.

 

"Süsse, aber was machst du denn hier? Seid ihr schon wieder zurück aus der verlorenen Welt?" fragt Marguerites Mutter überrascht.

"Mum, können wir dieses Gespräch morgen weiterführen. Ich bin momentan mit den Nerven am Ende und stinkfaul."

"Aber klar doch, Liebling." Meint ihre Mutter verständnisvoll und zeigt ihr das Gästezimmer, wo Marguerite sofort einschläft.

Mailyn Montegomery schliesst die Türe hinter sich und begibt sich ebenfalls ins Schlafzimmer zu ihrem Mann. Dort berichtet sie ihm kurz, dass ihre Tochter wieder Zuhause sei und dass die Laune von Marguerite nicht die beste ist.

 

"Du Papi?" Mailyn zupft an Roxtons Hemdsärmel. "Ja, was ist mein Schatz?"

"Wo ist Mummy hingegangen und warum ist sie sauer auf dich?" Wie es Kinder so haben, müssen sie natürlich alles hinterfragen. Doch Roxton ist in der Geduld geübt und meint nur: "Weißt du, Mummy muss sich nur wieder mal erholen gehen und ein bisschen Dampf rauslassen. Morgen werden sie wir dann bei Oma und Opa Montegomery besuchen gehen."

"Klasse!" Das Mädchen freut sich schon riesig über diesen Besuch.

"Willst du heute in Mummys Bett schlafen?" fragt John seine Tochter. Diese nickt freudig und so darf die Kleine ihrem Vater Gesellschaft leisten.

 

In der verlorenen Welt

Jesse hat sich freiwillig gemeldet und hält nun auf der Baustelle Wache. Sie schaut den Zangas und Amazonen interessiert zu, als eine Frau in einer goldenen Uniform direkt auf sie zukommt. "Guten Tag, Sie müssen Jesse sein, die Frau von Professor Challenger" behauptet die Brünette.

"Ja, das ist richtig und mit wem habe ich das Vergnügen?" erkundigt sie sich.

"Ich bin Selina. Nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen, komme ich Ihnen wohl bekannt vor!?" vermutet die Anführern.

"Ja, mit dieser Annahme liegen Sie vollkommen richtig."

"Sind Sie zufrieden mit unserer Arbeit?" will Selina wissen.

"Wie bitte?"

"Ob Sie zufrieden sind wie meine Gehilfinnen am neuen Baumhaus arbeiten."

"Ach so. Ja, ich finde es ziemlich beeindruckend, wie hart ihre Freundinnen anpacken können" meint Jesse ganz ehrlich.

"Da unserer Stamm hauptsächlich aus Frauen besteht, müssen wir eben auch die Arbeiten der Männer erlernen" erklärt Selina ausführlich.

"Kann ich verstehen. Haben Sie Hunger oder Durst? Wollen Sie mit mir einen Kaffee trinken?" fragt Jesse höflich. "Ja, das wäre mir ein Vergnügen!" gesteht die Anführerin.

"Wenn Sie mir dann bitte folgen würden" die beiden Frauen verschwinden gemeinsam im Baumhaus.

In London

"John! Marguerite! Ravell! Essen kommen!" trommelt Madame Roxton die Bande an den Tisch. Als Marguerite nicht erscheint, fragt Silvia überrascht: "Wo ist deine Frau?"

"Sie ist sauer auf mich und gestern in der Nacht noch zu ihren Eltern gefahren. Mailyn und ich werden sie heute dort besuchen gehen."

"Aber was hast du nun schon wieder angestellt?" hakt die Dame nach.

"Mum, das ist ziemlich persönlich."

"Okay. Ich hoffe nur, dass du das Ganze wieder hinbiegst!" mahnt Silvia ihren Sohn.

"Ja, das hoffe ich auch! Und Ravell, wie kommst du mit den Pferden klar?" erkundigt sich Roxton bei dem ehemaligen Sklavenanführer.

"Gut. Nochmals vielen Dank, dass sie mich zurück in die zivilisierte Welt gebracht haben."

"Ach keine Ursache, es war schliesslich notwendig" gesteht der Lord.

"Ja, damit haben sie vollkommen Recht" muss Ravell zugeben. Nach dem Frühstück machen sich Mailyn und Roxton auf den Weg zur Familie Montegomery.

 

Finn erwacht langsam. Sie reibt sich die noch ganz verschlafenen Augen und gähnt herzhaft. Heute ist einer dieser Tage, auf die man sich freuen kann, denn die Sonne scheint in dem sonst so trüben London.

"Hoffentlich verspricht sich mein Tag dem des Wetters." Finn ist nicht sonderlich überrascht, dass sie ihre Kleidung an hat. Doch geht sich dann doch noch umziehen. Schliesslich kann sie in London nicht so halbnackt herumlaufen. Sie zieht sich eine olivgrüne Hose an und einen roten Rollkragenpullover. Nachdem sie gefrühstückt hat, setzt sie sich entschlossen ans Telefon. Sie drückt auf den grünen Knopf.

"Hier ist die Auskunft, wen wollen Sie anrufen?" fragt eine Frauenstimme am anderen Ende des Apparats. "Ich würde gerne Mr. Richard Worthing sprechen. Die Nummer lautet 647 329 004." Man hört ein Knacken und dann ein Klingeln. "Gina Worthing, hallo?"

"Guten Tag, hier spricht Finn. Ähm, könnten Sie mir bitte Richard geben?" fragt das Finny Finn ganz höflich.

"Sicher!" sagt die Stimme und dann kann Finn ein ‚Richard, eine gewisse Finn ist am Apparat‘ hören. Man hört Schritte und dann sagt eine Stimme: "Ja, hallo? Richard am Apparat!" Finns Bauch beginnt zu kribbeln. "Hallo Richard. Ich bin’s Finn."

"Hallo Finn!" sagt er freudig "Na seit ihr wieder aus der verlorenen Welt zurück?"

"Jeep! Ich wollte dich fragen, ob du heute Nachmittag schon etwas vor hast."

"Nein, ich bin noch frei. Wieso?"

"Willst du mir Gesellschaft in einem Café leisten?" fragt das Finny. Den Ausdruck Café hat Finn bei Marguerite abgehört.

"Gerne, soll ich dich abholen kommen?"

"Ja, das wäre toll. Und wann?"

"So gegen drei Uhr?" schlägt Richard vor.

"Cool! Ich meine, geht klar!" Finn legt den Hörer mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurück in die Gabel. "Jippie! Ich habe ein Date!" freut sich Finn wie ein kleines Kind und macht aus dem Bett doch gleich ein Trampolin.

 

"Marguerite, aufwachen, du hast Besuch!" sagt ihre Mutter sanft. Sie hat sich über ihre Tochter gebeugt und streicht ihr liebevoll eine Locke aus dem Gesicht.

"Und wer?" fragt Marguerite noch ganz schlaftrunken.

"Lass dich überraschen!" sagt ihre Mutter nur, reicht ihr den Morgenmantel und geht dann wieder nach unten ins Wohnzimmer. meint Marguerite schlecht gelaunt. Die Brünette bindet sich den Mantel um und folgt dann ihrer Mutter ins Wohnzimmer.

"Mummy!" hört sie ihre Tochter schon von weitem rufen.

"Hallo, mein Schatz, und hast du gut geschlafen?" fragt Marguerite mit gespielter Fröhlichkeit.

"Ja und wie, ich durfte Daddy Gesellschaft leisten und auf deiner Seite liegen!" sagt das Mädchen stolz.

"Schön für dich" meint Marguerite mit einem aufgesetzten Lächeln, schaut dann ihren Mann an und wirft ihm einen eiskalten Blick zu.

"Hallo Marguerite, gut geschlafen?" fragt er statt dessen zurück. "Kann ich dich kurz sprechen?"

"Von mir aus!" Roxton nimmt sie an seine Hand und führt sie zurück ins Gästezimmer, dort setzt er sich mit ihr aufs Bett. "Was ist los, Liebling?" fragt er sie einfühlsam. Doch er merkt, dass Marguerite wieder beginnt diese undurchdringliche Wand aufzubauen.

"Nichts" sagt sie kalt.

"Schatz, mir kannst du es doch erzählen." Roxton streicht ihr zärtlich über den Rücken, doch merkt sofort wie sie sich wieder innerlich verkrampft und ihre Schultern hochzieht.

"John, hör auf damit" haucht sie so leise, dass er sie beinahe nicht verstanden hätte. Er gehorcht ihr und verschränkt die Arme vor seiner Brust. "Wegen meinem Verhalten gestern abend, tut es mir echt leid! Ich habe nur auf meine Gefühle geachtet und nicht auf deine" entschuldigt sich der Lord. "Kannst du mir verzeihen?" fragt er sie und versucht ihr in die Augen zu schauen, doch sie blickt sofort weg. Er wiederholt seine Frage, doch sie sagt wieder nichts.

"Marguerite, was muss ich noch tun? Soll ich mich vor dich hinknien und dich so um Verzeihung bitten? Oder reicht das nicht! Soll ich dir eine Halskette schenken, oder den teuersten Diamanten dem Museum entwenden? Soll ich..."

"Hör auf damit, John!" sagt Marguerite und winkt ab. Er kann kurz einen Blick in ihre Augen werfen und sehen, dass sie den Tränen nahe ist. "Geh jetzt bitte!" fleht sie ihn an. Ihren Blick auf den Boden gerichtet. Doch dieses Mal gehorcht er ihr nicht und nimmt sie statt dessen in seine Arme. Obwohl sie um sich schlägt und versucht aus seinen Armen zu entgleiten, lässt er sie nicht los. Nach einiger Zeit hat sie sich wieder beruhigt. Der Lord küsst sie auf die Stirne und meint nur: "Du musst es mir nicht sagen, wenn du nicht willst." Mit diesen Worten steht er auf, bevor er nach unten geht und sie alleine lässt, wendet er sich noch einmal um und sagt dann: "Ich liebe dich und Mailyn braucht dich mehr als alles andere in der Welt!" Dann schliesst er die Türe hinter sich zu.

 

In der verlorenen Welt

Veronica kommt gerade die Treppe hinunter, als sie die beiden Frauen beim Kaffee trinken sieht. "Hallo Veronica!" begrüsst Selina sie.

"Hallo" sagt die Blondine ganz erstaunt.

"Ich habe gehört du seihst schwanger."

"Ja, die kleinen Biester können es kaum erwarten!" sagt Veronica und versucht zu scherzen, obwohl ihr dieses Bild der zwei Frauen nicht ganz behagt. Schliesslich ist Selina die Affäre von George und Jesse seine Frau.

"Diese Kleider stehen dir gut, hatte die nicht auch schon Marguerite an?" erkundigt sich die Amazonen- Anführerin weiter.

"Ja, genau. Sie hat mir die Kleider geschenkt!" sagt Veronica stolz.

"Wo sind die anderen überhaupt?" will Selina wissen.

"Sie sind nach London zurückgegangen und kommen erst wieder später zurück" behauptet die Blondine. "Stichwort verschwunden: Wo finde ich meinen Mann?"

"Er ist draussen und hält Wache" gibt Jesse Auskunft. Veronica verlässt erleichtert das Baumhaus.

6.10 Das Zusammentreffen (2)

In London

Finn hat Marguerites Rat befolgt und sich noch ein bisschen frisch gemacht. Nun wartet sie ungeduldig darauf, dass Richard sie abholen kommt.

Sie schaut ungeduldig auf die Wanduhr in Malones kleinen Küche... halb drei Uhr... Viertel vor drei... zehn vor drei... acht vor drei Uhr... fünf vor drei... drei Uhr. Als ob jemand die Uhr gestoppt hätte, klingelt es an der Türe. Finn springt vom Stuhl auf und öffnet die Türe.

"Hallo Finn!" sagt Richard mit einem Grinsen im Gesicht und überreicht ihr einen Blumenstrauss und eine Schachtel Pralinen. "Oh danke, dass ist lieb von dir" meint Finn ganz schüchtern. "Willst du kurz hereinkommen, dann kann ich gleich die Blumen in eine Vase stellen" schlägt das Finny.

"Gerne!" Er betritt das Appartement. Während Finn die Blumen in der einzigen Vase, die Malone besitzt, stellt, schaut sich Richard in der Zwischenzeit die Wohnung des Reporters an. "Nett hat er es hier!" meint er nur dazu.

"Gefällt es dir. Ist klein, dafür sehr praktisch und günstig" macht Finn unbewusst Werbung.

"So eine hätte ich auch sehr gerne, aber meine Eltern erlauben mir das nie!"

"Das ist hingegen blöder für dich! Übrigens ist Gina deine Schwester?" will Finn wissen. Diese Frage nagt an ihr, seit sie die Stimme dieser Frau gehört hat.

"Gina ist meine Cousine ersten Grades. Sie ist zurzeit bei uns auf Besuch!"

"Und da darf sie einfach ans Telefon gehen?"

"Ja! Komm lass uns jetzt gehen!" sagt Richard und hält ihr den Arm hin. Finn hängt sich freudig unter. Und dann machen sich die beiden auf den Weg ins nächstliegende Café.

 

Marguerite ist immer noch im Gästezimmer ihrer Eltern. Sie weiss nicht wie lange sie nun schon dort sitzt und in Gedanken schwelgt, als plötzlich Mailyn die Türe öffnet und sich schüchtern neben ihre Mami setzt.

"Du? Mummy, geht es dir nicht gut?" fragt die Kleine vorsichtig. Marguerite schaut ihre bildhübsche Tochter an und sagt dann nur: "Doch mir geht es gut."

"Bist du wegen mir sauer, weil ich einfach mit einer fremden Frau mitgegangen bin?" fragt das Mädchen in sich gekrochen.

"Nein, mein Schatz, das ist es nicht. Und ich bin auch nicht sauer auf dich!" beruhigt die Brünette die Kleine.

"Bist du auf Daddy wütend?" fragt das Mailyn ein bisschen ängstlich. Marguerite antwortet ihrer Tochter nicht, statt dessen schliesst sie die Kleine ganz fest in ihre Arme. Schon nach kurzer Zeit beginnt Marguerite zu schluchzend. Mailyn blickt überrascht auf.

"Aber Mummy, was hast du denn? Warum weinst du?" erkundigt sich das Mädchen.

"Ach Süsse, alles ist so kompliziert."

"Was ist kompliziert?" hakt die Auserwählte nach.

"Das Leben, die Liebe... einfach alles!" sagt Marguerite und beginnt schon wieder Tränen zu vergiessen.

"Sag so was nicht!" unterbricht Mailyn die Gedanken ihrer Mutter.

"Ach, ich habe ganz vergessen, dass du ja meine Gedanken hören kannst" meint die Brünette mit einem Lächeln und streicht der Kleinen sanft über Wangen. "Du bist so schön, mein Schatz!" Mailyn lächelt ihre Mutter verlegen zurück. "Kommst du mit mir nach unten?" fragt sie ihre Mutter hoffnungsvoll.

"Okay!" antwortet diese nur. Mailyn nimmt die Hand von Marguerite und gemeinsam gehen sie ins Wohnzimmer hinunter.

In der verlorenen Welt

"Du wirst es nicht glauben, Ned, aber Selina und Jesse führen einen Kaffeekranz durch!" berichtet Veronica ihrem Mann.

"Ich weiss, sie haben mich vorhin gebeten, ob ich nicht hier unten Wachen halten könnte. Schon merkwürdig, nicht!?"

"Allerdings. Was meinst du, werden sie auch über ihn reden?" fragt Veronica ihn mit hochgezogener Augenbraue.

 

"Challenger ist wirklich, total treu. Wahrscheinlich hat er es dir(die beiden haben bereits Duzis gemacht) noch nicht erzählt, aber wir trafen uns wieder. Ich wollte natürlich immer noch etwas von ihm, doch er hielt strikt dagegen. Und meinte nur, dass er dich nicht nochmals betrügen will! Ein richtiger Gentleman ist er."

"Ja, das ist er, mein lieber George."

"Was macht er eigentlich in London?" erkundigt sich Selina.

"Er will einen alten Studienkollegen treffen um mit diesem über seine neuste Entdeckung zu sprechen."

"Was ist es dieses Mal?"

"Eine Rakete, das ist ein Flugobjekt, das später auf den Mond fliegen soll!"

"Hört sich interessant an" muss Selina mit Bedenken zu geben.

"Schon, aber ich sage immer zu ihm: Du und deine verrückten Ideen."

"Sie sagen es. Was glaubst, baut er lieber die Erfindungen oder spricht er lieber darüber?" "Er redet viel lieber darüber!" kommt es von Jesse wie aus einer Pistole geschossen.

"Das sehe ich auch so!"

"Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich mal mit dir über ihn sprechen würde!"

"Geht mir genau so! Oh es wird an der Zeit, dass ich wieder mal meine Gehilfinnen überwachen gehen. Ich hoffe, dass wir dieses Gespräch bald weiterführen werden."

"Ja, das hoffe ich auch!" verabschiedet sich Jesse von der Amazonen- Anfüherin.

 

In London

"Was für ein schönes Café!" staunt das Finny nicht schlecht.

"Gefällt es dir?"

"Ja, sehr." Die beiden setzen sich an einen Tisch und gehen gemeinsam die Getränke- und Dessertkarte durch. Als der Kellner kommt, haben sie sich bereit entschieden.

"Für mich bitte einen Espresso und ein Stück von der Erdbeertorte und für die Lady ein Mineralwasser und einen Brownie" bestellt Richard. Der Kellner notiert sich alles und verschwindet wieder.

Schon nach wenigen Minuten kommt er mit einem Tablett und den Köstlichkeiten darauf zurück. "Hier für die Lady ein Mineralwasser und ein Brownie und Sie bekommen den Espresso und das Stück Erdbeertorte. Das macht dann 9Pfund und dreissig Cent." Der Kellner kassiert ein. Richard bezahlt natürlich, sowie es sich einem Gentleman gehört.

"Danke! Deine Torte sieht lecker aus" sagt Finn und merkt wie ihr das Wasser im Mund läuft. "Willst du kosten?" fragt Richard, sticht ein Stück ab und hält es Finn hin. Diese schaut ihn zuerst verdutzt an, lässt sich dann aber doch von ihm Füttern und so geht das weiter bis sie alles getrunken und gegessen haben.

"Mhm, das war lecker. Das sollten wir öfters machen."

"Ganz deiner Meinung, Finn!" Die beiden begeben sich wieder auf den Nachhauseweg. Als sie bei Malones Wohnung ankommen, fällt es beiden sehr schwer den Anfang zu machen um sich voneinander zu trennen.

"Das war ein tolles Date!" sagt Finn und grinst in bis über beide Ohren an. Dann gibt sie ihm einen Kuss, haucht ihm noch ins Ohr, dass er sie anrufen kann und verschwindet hinter der Türe, dort sinkt sie überglücklich auf den Boden. Richard steht noch immer ganz verdutzt vor der Türe. Damit hatte er jetzt überhaupt nicht gerechnet. Fröhlich macht er sich auf den Nachhauseweg und muss immer wieder an die weichen Lippen von Finn denken.

 

"Hallo mein Schatz!" sagt Papa Montegomery überglücklich und schliesst seine Tochter in die Armen. Marguerite hatte ganz vergessen ihm Hallo zu sagen und darum holt sie das auch gleich nach. "Hallo Papa, und wie geht es dir?"

"Gut, gut, deine Mutter will wie immer, dass ich mich zu Tode essen. Sie kocht einfach zu gut musst du wissen. Kekse?" fragt Oscar und hält ihr die Büchse mit den leckeren Keksen hin. Marguerite nimmt dankbar einen entgegen und setzt sich dann zusammen mit Mailyn aufs Sofa. Roxton sitzt ihr gegenüber. Er versucht sie anzuschauen, doch sie weicht seinem Blick absichtlich aus.

"John hat uns schon erzählt, dass Veronica Zwillinge erwartet. Ist das nicht schön, dann hat Mailyn endlich Spielgefährten!" sagt Madame Montegomery mit Tränen in den Augen.

"Ja, das ist toll!" sagt Marguerite wieder gespielt fröhlich.

"Mailyn hast du Lust mit mir und Opa ein Spiel zu beginnen, Eile mit Weile vielleicht?" fragt die Frau das Mädchen.

"Klar!" meint das Mädchen freudig und begibt sich zusammen mit ihren Grosseltern in die Küche. Jetzt sind Roxton und Marguerite schon wieder alleine. Beide schweigen. Doch schon bald hält der Lord diese Stille nicht länger aus und steht auf. "Wo gehst du hin?" fragt Marguerite überrascht.

"In die Küche. Ich meine, was bringt es mir, wenn ich noch länger hier sitzen bleiben, ich kann dich ja nicht zum Sprechen zwingen." Als Marguerite nichts sagt geht er weiter.

"John!" sagt sie so leise, dass er es beinahe überhört hätte, sofort bleibt er stehen und wendet sich zur ihr um. "Ich wollte dir es eigentlich noch nicht erzählen, aber... die britische Krone will, dass ich nach Russland reise um dort einem möglichen Mafiageschäft eine Falle zu bauen. Kurz: Sie will, dass ich wieder als Spionin arbeite. Der Brief kam zusammen mit der Antwort für Challengers Treffen mit diesem Sergej. Er muss es wohl erzählt haben, dass ich dann wieder im Lande bin und... dass ich als Dolmetscherin für genau diese Sprache unterwegs bin." Roxton hat bis jetzt geschwiegen, mit dieser Nachricht hat er nicht gerechnet. "John, sag doch was, bitte!" fleht Marguerite ihren Mann an.

"Du hast diesem Auftrag doch nicht zugesagt, oder?" fragt Roxton hoffnungsvoll. Marguerite schweigt. "Liebling?" Die Brünette schaut in mit Tränen in den Augen an. Ihr Blick ist ängstlich, als sie sagt: "Doch."

"WAS!?" fragt der Lord geschockt.

"Es war gerade so ein dummer Augenblick und da habe ich einfach zu gesagt" behauptet sie zu ihrer Verteidigung.

"Die russische Mafia, aber das ist ja die schlimmste von allen!"

"Ich weiss, John und es tut mir auch schrecklich leid, aber der Vertrag ist schon unterschrieben."

"Das darf doch alles nicht wahr sein" sagt Roxton kopfschüttelnd.

"Doch es ist die volle Wahrheit" sagt Marguerite ganz leise.

"Und wann wirst du dorthin geschickt?"

"In zwei Wochen."

"Na dann wünsche ich dir viel Spass!" sagt Roxton knapp.

"John, ich weiss es hört sich jetzt dumm an, aber... ich habe Angst. Was ist wenn ich getötet werde oder nie mehr zurückkehre?"

"Das hättest du dir früher überlegen müssen."

"Ich weiss, aber daran habe ich gar nicht gedacht..."

"An was hast du dann gedacht?" unterbricht er sie barsch.

"Kann ich dir nicht sagen."

"Es gibt also noch einen anderen Grund, warum du dorthin reist?" hakt Roxton nach.

"Ja, aber den kann ich dir nicht verraten." Marguerite geht auf ihren Mann zu und umarmt ihn, dieser erwidert diese Umarmung, obwohl er es immer noch nicht fassen kann. Sie wird ihn verlassen...

 

Am Montag morgen steht Marguerite um Punkt halb zehn vor Challengers Türe.

"Hallo Marguerite, schön dich zu sehen. Und hast du gut geschlafen?" erkundigt er sich.

"Ja, mir geht es gut. Und dir, schon nervös?" föbbelt sie ihn.

"Meine Knie zittern und ich habe keinen Bissen heruntergebracht" gesteht der Professor.

"Und wo werden wir diesen Sergej nun treffen?" will Marguerite wissen.

"Er kommt hierher, ah ich sehe ihn bereits! Hallo Sergej!" sagt Challenger und geht auf seinen Studienkollegen zu. Die beiden Herren umarmen sich freudig.

"Das ist Marguerite, unsere Dolmetscherin!" erklärt Challenger. Marguerite begrüsst den Herrn ebenfalls, jedoch in seiner Sprache und gibt noch eine kleine Kurzbeschreibung über sich selber ab, als es dann auch schon los gehen kann.

Marguerite übersetzt fleissig die Fragen und Antworten, die sich die beiden Herren zu stellen haben. Nach anderthalb Stunden, ist dann alles geklärt. Challenger hat Sergej das Raketenmodell vorgeführt und Sergej hat seine Kommentare und Änderungsvorschläge abgegeben.

"Auf Wiedersehen Sergej und wir sehen uns dann in drei Monaten wieder zur Erbauung der ersten Rakete" ruft Challenger ihm freudig hinterher. Marguerite übersetzt noch alles und dann verabschieden sie sich endgültig. Challenger schliesst die Brünette in seine Arme: "Vielen Dank, du warst meine Rettung."

"Ach keine Ursache, das mache ich doch gerne für dich" meint Marguerite ganz verlegen. "Lass uns diesen Erfolg feiern, ja!?" sagt der Professor und will sie schon mit sich in sein Haus nehmen, als sie abblockt: "George, mir ist zurzeit einfach nicht zum Feiern zu mute. Ich hoffe, dass du das verstehen kannst!"

"Aber sicher, dann sehen wir uns morgen beim Abendessen?"

"Okay! Bis morgen!" sagt Marguerite und die beiden schliessen sich noch einmal in die Arme bevor sie sich voneinander verabschieden.

Marguerite hat kein gutes Gefühl, am liebsten wäre sie im Erdboden versunken, was hatte sie sich dabei nur gedacht, einen derart gefährlichen Auftrag anzunehmen.

6.11 Der Auftrag

Vor zwei Wochen beim Abendessen im Haus der Roxtons

"WAS!? Und du willst uns wirklich verlassen?" fragt Finn ganz enttäuscht. Sie möchte nicht, dass ihre einzige weibliche Freundin weggeht und sie mit den Männern alleine lässt, so selbstbewusst wie sich das Finny verhält, ist sie nämlich gar nicht.

"Es geht nicht anders. Ich habe den Auftrag bereits angenommen. Es tut mir leid!" versucht sich Marguerite bei der Blondine zu entschuldigen.

"Ach schon gut. Ich mag es dir gönnen, dass du ein bisschen in der Welt herumkommst" meint Finn mit einem beleidigten Unterton.

"Aber wird das nicht sehr gefährlich werden. Ich meine, wenn ich mich nicht irre, dann ist die russische Mafia doch die schlimmsten von allen!"

"Ja, George mit dieser Annahme liegst du leider richtig."

"Aber warum gehst du dann dahin?" fragt das Finny ganz verzweifelt.

"Es gibt eben noch einen anderen Grund... den ich euch nicht verraten kann... noch nicht jedenfalls" gesteht Marguerite ihren beiden Freunden. Roxton fehlt am Tisch. Er ist mit seiner Mutter und Mailyn in den Zoo gefahren. Er kann es immer noch nicht glauben, dass seine Frau ihn verlassen will.

"Und wie geht Roxton damit um?" will Challenger wissen.

"Nun ja, wie soll es ihm schon gehen. Er hat Angst und er ist enttäuscht und gekränkt und... ach die Liste ist endlos lang!" seufzt Marguerite.

"Kann ich verstehen, schliesslich mach ich mir auch Sorgen um dich und ich bin nicht dein Ehemann!" meint der Professor.

"Ich mach mir auch schrecklich grosse Sorgen um dich! Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist diese Mafia genau so schlimm, wie die Sklavenfänger in New Amazonia!" vermutet Finn.

"Leider hast du damit Recht, Finn und es schmerzt mich sehr..." Challenger wendet sich an die Brünette "...dass du uns einfach so verlässt... ohne Vorwarnung... aus heiterem Himmel... Hätte ich dich doch bloss nicht um diesen Gefallen mit dem Dolmetschen gefragt" sagt Challenger mehr zu sich selber als zu seinen Freunden.

"George, es ist nicht deine Schuld. Du konntest ja nicht erahnen, dass Sergej gleich das englische Königshaus darüber informiert, wann wieder eine Dolmetscherin für Russisch im Lande ist." "Trotzdem, es wäre alles beim alten geblieben, wenn ich nicht so selbstsüchtig gewesen wäre." Der Professor macht sich grosse Vorwürfe, er hat Angst um sein einziges weibliches Expeditionsmitglied. Er hat die Vaterrolle übernommen und sollte eigentlich täglich auf seine Kinder aufpassen...

"Und wann wirst du gehen?" erkundigt sich Finn.

"In zwei Wochen geht mein Flug nach Russland!"

 

18:30Uhr am Londoner Flughafen

"Mach’s gut und pass auf dich auf!" Challenger umarmt die Brünette und schenkt ihr einen Glücksbringer... nämlich seinen Käfer Arthur. Er hat Arthur in einem kleinen Aquarium untergebracht, dass man überall mit sich herumtragen kann, da es gerade mal so gross wie eine Frauenhandtasche ist. "George, das wäre doch nicht nötig gewesen" meint Marguerite ganz verlegen.

"Jeder braucht einen Freund, du kannst Arthur alles erzählen, er wird es für sich behalten."

"Das ist ja so lieb von dir, George! Ich werde gut auf ihn aufpassen!" Marguerite umarmt den Professor und will dann noch wissen: "Wann soll ich ihm jeweils das Futter geben und was?"

"Ich habe dir das Notwendigste in diesen Rucksack gepackt. Einmal pro Tag sollte genügen!" Er überreicht ihr den Rucksack.

"Danke!" Dann ist Finn mit Abschied nehmen an der Reihe.

"Oh Mann, ich vermisse dich jetzt schon."

"Ich werde dich auch vermissen, mein Schatz!"

"Dann gehe nicht. Bleib hier... bei mir!" fleht die Blondine ihre Freundin an.

"Ich würde ja liebend gerne hier bleiben, aber es geht nun halt mal nicht."

"Mit wem soll ich dann über die Männern plaudern, wenn du nicht mehr da bist!" meint das Finny trotzig.

"Ach, du wirst das schon schaffen!" Marguerite nimmt ihre Freundin in die Armen und gibt ihr zum Schluss noch einen Kuss auf die Stirne.

"Ich werde für dich täglich eine Kerze anzünden!" sagt das Finny und schenkt ihrer Freundin ein Lächeln.

"Danke! Ich werde immer an euch denken" sagt Marguerite und blickt in die Runde "Ihr werdet auf meiner Reise dorthin immer dabei sein... in meinem Herzen!" Sie blickt ihren Mann an. Es ist das erste Mal, dass er ihrem Blick ausweicht. Marguerite geht auf ihn zu. "Pass gut auf die Kleine auf, ja!?"

"Keine Sorge, du kannst auf mich zählen" meint Roxton ganz betrübt. Die Brünette umarmt den Lord und flüstert ihm dann noch ins Ohr: "Ich liebe dich!" Marguerite erwartet keine Antwort, sie weiss nur zu gut, wie schwer es ist sich von einer Person zu trennen, die man liebt. "Ich habe euch alle ganz doll lieb!" sagt Marguerite nun zur ganzen Gruppe. Ihre Eltern haben sich ebenfalls am Flughafen versammelt. "Sei vorsichtig!" sagt ihre Mutter und drückt ihre Tochter liebevoll an sich.

"Das werde ich, Mum, das verspreche ich dir!"

"Ja, hoffentlich!" meint Madame Montegomery nur dazu. Nun schaltet sich auch noch Marguerites Vater ein: "Und wenn es zu gefährlich wird..."

"...dann werde ich mich sofort in den nächsten Flieger setzen und nach Hause kommen" verspricht sie.

"Wie lange wirst du fortbleiben?" will Mailyn wissen.

"Ich weiss es nicht, aber bis zu Weihnachten bin ich bestimmt wieder zurück!" sagt Marguerite und nimmt ihre Tochter auf die Arme um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben.

"Also in spätestens drei Monaten bist du wieder zurück" schlussfolgert das Mädchen.

"Ja, meine Süsse! Bis dahin sei ein braves Mädchen!"

"Das bin ich doch immer" meint die Kleine ganz überzeugt von sich selbst.

"Ich kann dich überwachen, das darfst du nie vergessen!" mahnt Marguerite ihre Tochter.

"Ja, ich weiss, Mum!" Sagt Mailyn bestimmt, dann umarmt sie ihre Mutter und lässt sich von ihr wieder auf den Boden setzen. Eine Frau tritt in die Halle vor das Mikrofon und sagt: "Der Flug 19D nach Russland wird in 10Minuten abheben. Wir bitten alle Fahrgäste sich laufend dieser Zeit ins Flugzeug zu begeben." Einige Leute marschieren auf den Ausgang zu.

"Das ist mein Flieger!" sagt Marguerite und hat dabei ein komisches Gefühl. Sie umarmt jeden noch einmal der Reihe nach:

"Mach ja keine Dummheiten!" mahnt sie George.

"Du kannst dich auf mich verlassen, das probieren meiner Tinkturen habe ich endgültig aufgegeben!" "Sag Richard einen lieben Gruss von mir und er soll dich bloss gut behandeln" meint sie zu Finn.

"Ich werde es ihm ausrichten!"

"Wenn du Probleme haben sollst, dann kontaktiere mich, ja!?" sagt die Brünette zu ihrer Tochter.

"Keine Sorge, mir wird schon nichts passieren, ich bin in diesen Sachen geübt" versucht die Kleine ihre Mutter zu beruhigen.

"Ich werde bei der kleinsten Gefahr nach Hause kommen" verspricht sie ihrem Vater Oscar Montegomery noch einmal.

"Sie haben noch fünf Minuten Zeit, dann ist das Flugzeug in der Luft" sagt wieder die Frau am Mikrofon. Marguerite wendet sich an John: "Denk immer daran, ich habe dich geheiratet und das nicht ohne Grund! Ich liebe dich!" Sie küsst ihn zärtlich auf die Lippen. Er küsst sie zurück, was sie nicht erwartet hätte, schliesslich ist es für den Lord sehr schwer sich von seiner Traumfrau zu trennen, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.

Sie macht sich auf den Weg und ist schon fast verschwunden, als sie sich noch einmal zurückblickt und ihrer Familie winkt. Sie will sich schon wieder umdrehen, als sie Roxton noch hören ruft: "Ich liebe dich auch, mein Engel!" Marguerite wendet sich um, lässt ihre Sachen stehen und liegen und rennt zu ihrem Mann zurück, küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund. Dann macht sie sich endgültig auf die lange Reise nach Russland...

 

20:00Uhr in Challengers Haus

"Jetzt ist sie endgültig weg!" meint Finn mit betrübter Miene. "Einfach unglaublich, dass sie es tatsächlich dorthin wagt, ob sie echt an uns denkt?"

"Das wird sie Finn!" versucht Challenger das Mädchen aus der Zukunft zu beruhigen. <Das hoffe ich zumindest!>

"Was meinst du Roxton, wird sie an uns denken?" will das Finny von dem Lord wissen. Er antwortet ihr nicht: "Erde an Roxton, jemand zu Hause?"

"Ähm... was?" fragt der Lord verwirrt. Er war so in Gedanken vertieft, dass er vom Gespräch nichts mitbekommen hat.

"Wird uns deine Frau vermissen?" wiederholt Finn ihre Frage.

"Bestimmt!" Er wendet sich wieder von seinen Freunden ab.

"Was denkst du, warum ist Marguerite dorthin gegangen und aus welchem Grund?" hakt die Blondine nach.

"Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer!" behauptet Roxton, doch im Innern seines Herzen spürt er einen Stich. <Ist sie möglicherweise wegen... Nein, das hätte sie mir doch gesagt. Aber vielleicht wollte sie mich nicht verletzen... und hat es darum lieber verheimlichen wollen... Oder bin ich an ihrer plötzlichen Abreise Schuld?... weil sie nicht mehr schwanger werden will... Unsinn! Das kann unmöglich der Grund sein... Aber warum ist sie bereit mich und Mailyn zu verlassen?... Etwa nur deswegen... oder doch wegen....> "John!" Roxton wird von Challenger jäh aus seinen Gedanken gerissen. "Finn hat dich was gefragt!"

"Entschuldigung, ich war gerade abwesend. Was gibt es denn?" will der Lord wissen.

"Ich wollte nur fragen, ob du morgen Lust hast mit mir und Richard essen zu gehen!"

"Ich bin momentan nicht in der Stimmung für das, sorry!"

"Schon gut, war ja nur ein Vorschlag!" sagt Finn verständnisvoll.

"Ich werde dann mal wieder nach Hause gehen. Meine Mutter wartet bestimmt schon ungeduldig auf mich" behauptet der Lord.

"Okay!" Challenger verabschiedet sich von seinem Freund. Dann sind Finn und er alleine unter sich. Challenger erzählt dem Mädchen aus der Zukunft, was er alles noch vor hat, was die Rakete betrifft und sie will von ihm gute Tips für Dates wissen. Überraschenderweise kann er ihr helfen.

 

03.45Uhr in Russland

<Oh Gott, nun bin ich tatsächlich hier! Ob er mich wieder erkennen wird?> Marguerite spaziert aus der Halle des Flughafens. Sie setzt sich auf eine Bank und betrachtet ihren neuen Ausweis. <Von nun an werde ich Anastasia Kiew heissen!> Sie entdeckt ein Taxi und steigt dort ein.

"Wohin soll es gehen?" fragt der Fahrer auf Russisch.

"Woronesch 36 in Moskau!" antwortet sie ihm ebenfalls in seiner Sprache.

Nach ca. 15Minuten kommen sie dort an. Marguerite bezahlt und betrachtet neugierig das Haus, in dem sie in der nächsten Zeit wohnen wird. <Na dann wollen wir mal schauen, wer meine Vermieterin ist!> Marguerite betätigt die Klingel. Sie ist hundemüde. Schon nach kurzer Zeit wird die Haustüre geöffnet und eine ältere Dame im Morgenmantel und Pantoffeln steht vor ihr.

"Hallo, ich bin Anastasia Kiew. Sind Sie Miss Charkow?" fragt Marguerite die Dame auf Russisch und lächelt sie freundlich an.

"Ja, die bin ich! Kommen Sie doch bitte herein!" Marguerite betritt die Eingangshalle, die Frau nimmt ihr den Mantel ab. "Wenn Sie mir bitte folgen würden!" Die beiden Frauen begeben sich in den ersten Stock, wo sich Marguerites Zimmer befindet. Die Frau begleitet sie dort hinein und gibt der Brünette noch wichtige Erklärungen und Hausregeln ab, bevor sie die Türe hinter sich schliesst.

Marguerite betrachtet das Zimmer, es ist ziemlich gross, hat einen Balkon und ein Badezimmer. Das einzige elektrische Gerät ist ein alter Radio. Die Brünette schlüpft in ihr Nachthemd und kriecht dann unter die Decke. <Zum Glück muss ich morgen nicht so früh raus!> denkt Marguerite noch während ihr langsam die Augen zu fallen.

 

6:00Uhr in der verlorenen Welt

"Was machst du da?" fragt Ned noch ganz schlaftrunken und sieht Veronica wie sie versucht ihren Schwangerschaftsrock anzuziehen.

"Oh, habe ich dich geweckt?" fragt Veronica ihren Mann, dieser nickt. "Das tut mir leid, Ned, ich wollte nur das Frühstück machen gehen, doch ich komme einfach nicht mehr in den Rock!" Die Blondine hat es mittlerweile aufgegeben und hält Malone das Kleidungsstück hin.

"Tja, du bekommst eben zwei Kinder und nicht nur eines, so wie Marguerite!" meint der Reporter dazu.

"T

"Trotzdem, es nervt mich ein bisschen! Könntest du mir einen Gefallen tun?"

"Was immer du wünscht, mein Engel!"

"Kannst du zu Assai gehen und sie bitten für mich einen neuen zu machen? Tücher haben sie ja genügend!" verlangt Veronica von ihrem Mann.

"Okay, aber jetzt komm doch wieder schlafen, es ist erst 6Uhr!" meint Malone und hält die Decke hoch. Veronica legt sich dankbar wieder zu ihm ins Bett und schläft sofort ein. Ned beobachtet sie noch lange, bis auch ihn die Müdigkeit wieder überkommt.

 

7:10Uhr in Russland

Marguerite wird durch ein Poltern an ihrer Türe geweckt. "Anastasia! Anastasia!" hört sie jemanden nach ihr rufen.

"Ja?" fragt Marguerite noch ganz schläfrig.

"Frühstück ist fertig!" Jetzt erkennt die Brünette die Stimme der alten Dame von vorhin wieder. Sie schleppt sich aus ihrem Bett und öffnet die Zimmertüre.

"Guten Morgen, Anastasia... Oh, sie sind ja noch gar nicht angezogen!" bemerkt die Frau.

"Entschuldigung, ich dachte nicht, dass ich heute so früh aufstehen muss, darum bin auch erst gerade erwacht!"

"Kindchen, das tut mir leid, aber in Lupas Haushalt gilt nun mal der Spruch: Morgenstund hat Gold im Mund!" Mit diesen Worten wendet sich die Dame auf dem Absatz um und begibt sich nach unten.

<Oh Gott, hoffentlich überlebe ich das Ganze hier!> denkt Marguerite und macht sich gegen ihren Willen für das Frühstück und den heutigen Tag parat.

6.12 Unerwartete Wendung

Ein Monat ist mittlerweile schon vergangen. Veronicas Bauch hat jetzt die Grösse eines Basketballs, wenn nicht noch grösser. Assai hat ihr einen Wickelrock genäht. Dieser ist sehr praktisch, da er sich in jede beliebige Grösse verstellen lässt.

Ned kann die Geburt der Zwillinge kaum erwarten, er freut sich schon riesig auf die Babys. Da das zweite Baumhaus schon fast fertig gebaut ist und sie ihre Freunden in nächster Zeit noch nicht von London zurück erwarten, hat er das Zimmer der Familie Roxton in ein Kinderzimmer verwandelt, wobei er die Möbel der Roxtons im Labor untergebracht hat.

Jesse und Selina sind in der Zwischenzeit richtig gute Freundinnen geworden, obschon ihr Altersunterschied über 30Jahren ist. Doch das stört die beiden überhaupt nicht. Jeden zweiten Tag trinken sie einen Kaffee zusammen. Sie sprechen dabei über Männer, diskutieren über die Unterschiede zwischen dem Leben in der zivilisierten Welt und in der verlorenen Welt und noch vieles mehr. Die beiden Frauen haben sogar herausgefunden, dass sie beide keine Kinder bekommen können, was sie natürlich noch enger zusammengeschweisst hat.

Auch Finn hat einen tollen Monat hinter sich. Sie trifft sich oft mit Richard im Café oder in einer Bar, sie sind sogar schon mit Mailyn in den Zoo gegangen, was nicht nur die Kleine sehr fasziniert hat, auch Finn ist von dem Zoo angetan.

Ausserdem hat Finn die Familie von Richard kennengelernt, was ihr nicht gerade angenehm war, denn die Eltern wollten alles über sie wissen. Finn sagte, dass sie ihre Eltern früh verloren hat, was auch stimmt, jedoch gab sie an, dass sie bei einem Verkehrsunfall gestorben sind. Auch ist die Cousine von Richard, eine ziemlich eifersüchtige Verwandte, die es nicht gerne sieht, wenn sich andere Frauen in das Leben ihres Cousins wagen. Doch das stört Finn nicht, soll diese Gina sie doch hassen. Hauptsache ist doch, dass Richard sie mag.

Roxtons Laune ist nicht die beste. Er vermisst Marguerite und erwartet jeden Augenblick eine Nachricht auf der steht, dass sie bald wieder zurückkommt, doch das ist bis jetzt noch nicht geschehen.

Um seinen Schmerz zu verdrängen, hilft er Ravell bei den Pferden. Die beiden sind schon öfters miteinander ausreiten gewesen und unternehmen auch noch andere Sachen zusammen, wie auf die Jagd gehen, Museen für die Allgemeinbildung besuchen oder einfach in einer Bar herumzuhängen. Ravell will unbedingt wissen, wieso Marguerite nach Russland gegangen ist, aber er hat sich noch nicht getraut Roxton darüber auszufragen.

Challenger arbeitet schon wieder an einer neuen Erfindung. Dieses Mal soll es eine Maschine sein, die einen Menschen röntgen kann, also eine Röntgenmaschine.

Auf diese Idee ist er durch das Ereignis mit Marguerite gekommen, als ihr Zwilling vom Baumhaus fiel und sich dabei das Genick brach. (2.06 Skin Deep) Damals gelang es ihm eine Röntgenaufnahme durch die Radioaktivität zu erzeugen, genau dass will er jetzt wiederholen.

Marguerite hat es geschafft sich innerhalb diesen Monats in die Mafia Gruppe einzuleben. Der Mafia Boss heisst Stubnick, ist ein richtiger Gangsterboss und zeigt Interesse an Marguerite bzw. Anastasia Kiew, was ihr auch

schon bald zu nutzen kommen wird...

 

"Anastasia! Frühstück ist fertig!" ruft Madame Charkow. Marguerite wird unsanft aus dem Schlaf gerissen und wirft einen Blick auf die Wanduhr, halb sieben zeigt diese an. Marguerite steht auf und zieht sich ihren flauschigen Morgenmantel an, sie würde am liebsten wieder ins Bett gehen und weiter träumen. Sie hat von Roxton und Mailyn geträumt, sie war mit den beiden auf einem Schiff und die Familie genoss diesen Ausflug sehr...

Marguerite schlendert die Treppe ins Esszimmer hinunter. "Morgen, Miss Anastasia! Haben Sie gut geschlafen?" erkundigt sich die alte Dame.

"Ja, Olga, ich habe wieder einmal sehr gut geschlafen, Ihr Kräutertee hat es einfach in sich, mich in den Schlaf zu wiegen."

"Das ist gut zu hören! Und müssen Sie heute wieder arbeiten?" fragt Olga.

"Leider, die Pflicht ruft."

"Dagegen kann man nichts machen." Marguerite setzt sich an den Tisch und beginnt mit dem Essen, als das Telefon klingelt. Madame Charkow geht heran. "Hallo, kann ich ihnen behilflich sein?"

"Ist Miss Anastasia Kiew zu Hause?" fragt eine Männerstimme am anderen Ende.

"Ja, das ist sie. Wen darf ich melden?"

"Mister Minsk!" Die alte Dame wendet sich an Marguerite und hält ihr den Hörer hin. "Wer ist dran?" fragt Marguerite in fliessendem Russisch.

"Ein gewisser Mister Minsk!" gab Olga Auskunft.

"Ja, hallo?"

"Anastasia Kiew?" versichert sich der Mann am anderen Apparat.

"Ja, die bin. Was gibt es neues? Ich denke mal, die nächste Versammlung findet heute Nachmittag statt."

"Darum geht es nicht, ich muss dringend mit Ihnen sprechen. Könnten wir uns heute Vormittag im Rostow Park treffen?" will der Herr wissen.

"Von mir aus! Welche Zeit?"

"Zehn Uhr?"

"Okay, bis dann!" Mit diesen Worten legt Marguerite den Hörer auf.

"Was wollte dieser Mann von Ihnen?" erkundigt sich Olga.

"Er will mich nur beim Rostow Park treffen. Wissen Sie wo der liegt?"

"Grad um die Ecke, Sie können ihn nicht verfehlen!"

"Danke!" Marguerite verschwindet in ihrem Zimmer.

 

In London

Ravell und Roxton sitzen in ihrer Stammbar und geniessen ihre Freizeit. "Was denkst du, warum ist Marguerite nach Russland gegangen?" will Ravell wissen.

"Ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht, zuerst dachte ich ja, dass es wegen mir ist oder...."

"Wie meinst du das?" unterbricht Ravell seinen Freund.

"Na, vielleicht hat Marguerite Angst, dass sie wieder schwanger werden könnte..."

"Denk ich nicht!" wirft Ravell ein.

"Aber möglich wär’s doch. Auf jeden Fall ist es nicht wegen mir oder Mailyn, weil die Kleine ist so was von einem Engel auf unsere Tochter kann sie einfach nicht böse sein und sonst wüsste ich nicht aus welchem Grund."

"Du sagtest doch, dass sie die Papiere damals in der verlorenen Welt unterschrieben hat?" will sich der ehemalige Sklavenanführer versichern.

"Ja, das stimmt!"

"Ist dort etwas passiert, was sie dazu gebracht hat den Vertrag zu unterschreiben?"

"Nein, alles lief bestens."

"Was könnte es dann noch sein!?" fragt Ravell ein bisschen verzweifelt. Er versteht genau so wenig wie Roxton, warum Marguerite einfach gegangen ist.

"Vielleicht... es ist möglich, dass... nein ich muss es dir erst von Anfang an erklären!" Roxton wartet einen Augenblick. Ravell rutscht ungeduldig auf dem Stuhl hin und her. "Marguerite hatte viele Ehemänner, wie du vielleicht weißt."

"Ja, drei, glaub ich!"

"Genau! Ein Millionär, der an Altersschwäche gestorben ist, Dietrich ein Deutscher Alkoholiker, den wir in der verlorenen Welt getroffen haben, der jetzt aber auch tot ist und... James."

"James? James... ist das nicht der, dem sie bis nach Schanghai gefolgt ist?" kommt es Ravell wieder in den Sinn. "Ja genau. Schanghai, nicht weit von Russland entfernt."

"Und du meinst, sie ist wegen ihm dorthin gereist?"

"Möglich wär’s da sie mir gesagt hat, er sei ihre grosse Liebe. Wahrscheinlich hat sich immer noch die Hoffnung, dass sie ihn dort wiedersehen wird und...."

"Aber das ist doch total unrealistisch!" fällt Ravell dem Lord schon wieder ins Wort. "Der Mann könnte schon längst tot sein, oder sonst irgendwo auf der ganzen Welt, warum sollte dieser James ausgerechnet in Russland verkehren?"

"Es ist unrealistisch, was aber wenn, James ebenfalls ein Spion ist und um den Auftrag Mafia abhacken zu können, weibliche Gesellschaft braucht. Marguerite wäre dafür perfekt!" behauptet Roxton.

"Na klar doch, sie beherrscht die Linguistik, also kann sie Russisch sprechen und sie kann eine ungeheure Anziehungskraft auf Männer ausüben" vollendet Ravell diese Vermutung.

"Ich hoffe nur, dass es nicht so ist. Was ist, wenn sie sich wieder in ihn verliebt? Was würde dann aus mir und Mailyn geschehen?" fragt Roxton entrüstet.

"Du willst sie nicht verlieren, dass ist mir klar!"

"Aber vielleicht habe ich das bereits" behauptet Roxton enttäuscht.

"So ein Blödsinn!" sagt Ravell sofort, doch auch er ist sich nicht sicher, ob dies möglicherweise stimmen könnte. Hat sich Marguerite von Roxton gelöst, ohne dass er es gemerkt hat?

 

In Russland

Marguerite träg ein rotes Kleid, hat Handschuhe an und ihre Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie stolziert selbstsicher auf den Rostow Park zu, als sie dort so steht und wartet, entdeckt sie Mister Minsk auf einer Parkbank sitzen. Sie strebt sofort auf ihn zu.

"Tag!" Sie hält ihm die Hand. Er nimmt diese entgegen und steht dabei auf. Dann deutet er auf die Bank. "Setzen Sie sich doch bitte!" Die beiden setzen sich wieder hin.

"Warum wollten Sie mich sprechen, Mister?"

"Schön das Sie kommen konnten." Er hält ihr eine Zigarette hin. Sie lehnt dankbar ab. Er hingegen steckt sich eine zwischen den Mund und zündet diese an.

"Geht es um das Geschäftliche, ist es wegen dem Geld, das ich besorgen sollte?" fragt Marguerite unsicher.

"Es ist wegen etwas Geschäftlichem, aber nicht wegen dem Geld." Er hält inne und nimmt ein paar Züge von seiner Zigarette. Marguerite sitzt ganz steif auf der Bank, da sie nicht weiss, was sie erwartet.

"Um genau zu sein, ich weiss, dass Sie eine Spionin sind!" sagt der Mann.

"Ach ja wirklich?" hakt Marguerite nach. Der Mann nickt. "Und woher wollen Sie das so genau wissen?" Der Mann wechselt nun die Sprache von Russisch in Englisch. "Weil ich dich angeheuert habe, Marguerite!"

"Wie bitte!?"

"Erkennst du mich nicht wieder, mein Schatz?" fragt der Mann. Marguerite betrachtet den Mann, der vor ihr sitzt. "Ich kenne ihr Gesicht, ja es kommt mir bekannt vor, aber ich kann es leider nicht einordnen!"

"War mir klar, schliesslich haben wir uns seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen. Na, klingelt es jetzt?" will der Mann wissen.

"Oh mein Gott!"

 

In der verlorenen Welt

"Na, wie findest du das Zimmer?" fragt Malone seine Frau stolz.

"Es ist wunderschön, nur die Blicke von unseren Freunden werden dich töten. Was hast du dir nur dabei gedacht, Ned? Marguerite wird dich umbringen, du hast ohne sie zu fragen, ihr Zimmer umgestellt und das heisst du hast IHRE Sachen angefasst... Wenn du es ihnen dann sagst, will ich, dass du mich daraus hältst, okay!?" Mit diesen Worten macht Veronica auf dem Absatz kehrt und verschwindet wieder in der Küche.

"Da will man ihr einmal eine Freude machen und dann versaut sie einem alles!" denkt Ned unbeabsichtigt laut vor sich hin.

"Aber sie hat Recht!" meint eine Stimme hinter ihm. Malone hat sich fürchterlich darüber erschreckt. "Jesse, Sie sollen mich nicht immer so anschleichen."

"Tut mir leid!"

"Schon gut, wahrscheinlich hat Veronica Recht, Marguerite wird mich zur Hölle schicken. Ach was soll’s!" Ned begibt sich nun ebenfalls in die Küche. Doch ein unwohles Gefühl hat der Reporter bei diesem Gedanke schon ein bisschen.

 

In Russland

"James? Bist du es wirklich?" fragt Marguerite unsicher.

"Ja, meine Liebste, ich bin es tatsächlich!" Die Brünette ist überglücklich und umarmt ihn.

"Wie geht es dir?" will James wissen.

"Toll, jetzt wo ich dich wieder habe!" Marguerite kann nicht von ihm ablassen, endlich hat sie ihn wieder gefunden.... Ihre grosse Liebe. Doch so schnell die Freude gekommen ist, verfliegt sich auch gleich wieder. Marguerite windet sich aus der Umarmung und ehe James etwas hätte sagen können, bekommt er von ihr eine gescheuert.

"Wofür war das denn?" fragt er völlig verblüfft.

"Dafür, dass du mich einfach im Stich gelassen hast, obwohl ich dich über alles Liebe. Dafür dass ich dir gefolgt bin und dabei in die Händen von Meister Xhan geraten bin, dafür dass ich immer noch mit dir verheiratet bin, obwohl ich bereits schon wieder geheiratet und eine Tochter habe. Ich wollte mit DIR glücklich werden. Du warst und bist die grosse Liebe meines Lebens, warum bist du einfach abgehauen?" Jetzt kullern Marguerite dicke Tränen über die Wangen. Er küsst ihr liebevoll eine Träne von der Wange weg. "Ich habe diesen Vertrag unterschrieben, weil es meine Aufgabe war mich an diesen Stubnick heranzumachen ohne dass er es merkt und du kannst dir nicht vorstellen, wie lange es braucht, bis man den besten Freund des Mafiosos wird."

"Ja und, du hättest mich doch mitnehmen können!?" fragt Marguerite verzweifelt. "Oder diesen dummen Vertrag niemals annehmen sollen!"

"Ich brauchte das Geld! Ausserdem wollte ich nicht, dass du in Schwierigkeiten gerätst, darum liess ich dich zu Hause!"

"Aber du hättest mir doch wenigstens etwas sagen können, dann hätte ich auf dich gewartet! Und wäre nicht zweimal unerlaubt verheiratet gewesen!"

"Schatz, es tut mir echt leid. Ich hatte einfach Angst, dass du dich dann von mir getrennt hättest, wenn ich dir gesagt hätte, dass ich ein Spion bin. Aber ich konnte ja nicht erahnen, dass du auch eine Spionin bist. Komm her!" Er nimmt sie in die Armen. "Es wird alles wieder gut!"

"Glaubst du wirklich!?"

"Ja!" Lange Zeit sitzen die beiden so da, bis James meint: "Ich brauche deine Hilfe. Du musst Stubnick verführen, währenddem ich in seinem Büro nach einer Akte suche in der ein schlimmes Attentat drin steht, ansonsten können wir ihm nichts nachweisen. Bist du dabei?"

"Sicher!"

 

Gesagt getan. Während Marguerite den Mafioso ablenkt und ihn versucht zu verführen, was ich recht gut gelingt, durchwühlt James das Büro des Gangsterbosses. Bald wird er fündig.

Marguerite hofft inständig, dass James es bald hat, denn sie kann den Kerl bald nicht mehr länger hinhalten. "Endlich bist du zu mir gekommen, Anastasia!" meint Stubnick.

"Ich konnte es einfach nicht mehr länger aushalten, das Verlangen nach einem starken und klugen Mann war einfach zu gross!"

"Aber jetzt bist du ja hier!"

"Ja, und ich bin froh darüber!" behauptet Marguerite.

James hat die richtige Akte gefunden, in seiner Eile stösst er gegen den Arbeitstisch und eine sehr teure Statue fällt zu Boden und zerspringt in Tausend Stücke. "Verdammt!" murmelt James vor sich hin.

"Was war das?" fragt der Mafioso und horcht auf. denkt Marguerite ein bisschen genervt.

"Da ist jemand in meinem Büro!" Der Mafioso will aufstehen und zur Türe gehen, als Marguerite ihn zurückhält und behauptet: "Meine Katze muss wohl aus dem Käfig entwischt sein, ich bezahl dir den Schaden, versprochen!"

"Nein, du musst es mir nicht bezahlen! Wie heisst den deine Katze und was für eine Rasse ist sie?" will der Mann wissen.

"Wollen wir über die Katze sprechen oder uns vergnügen?" fragt Marguerite und wirft ihm einen verführerischen Blick zu. Der Mann beugt sich wieder über sie und küsst sie den Hals entlang bis hin zu ihrem Ausschnitt. "Ich sollte doch mal nach meiner Katze sehen!" sagt die Brünette schnell und gleitet aus seiner Umarmung.

"Ach was, das ist nicht wichtig!"

"Doch für mich ist das sehr wichtig!" hält Marguerite alias Anastasia strikt dagegen. "Wir können uns ja morgen Abend treffen, sagen wir gegen 6Uhr hier?"

"Ja, das wäre klasse!" Er gibt ihr zum Abschied noch einen Kuss auf die Hand. Sie verlässt dankbar das Nebenzimmer, geht durch das Büro und ist dann im Freien draussen. James wartet schon ungeduldig auf sie.

"Mann, was sollte das werden!?" fährt Marguerite ihn ganz sauer an.

"Tut mir leid, ich bin gegen den Arbeitstisch gestossen, dabei ist eine Statue auf den Boden gefallen. Hat er denn nichts gemerkt?"

"Gemerkt!? Der wollte sogar nachschauen gehen, doch ich habe ihm gesagt, dass das nur meine Katze gewesen ist!"

"Du bist grandios!"

 

Am nächsten Tag wurde der Mafioso und seine Komplizen vom englischen Geheimdienst gefangen genommen und abgeführt. Marguerite und James stehen auf dem Balkon des Hauptquartiers der Mafia und geniessen die frische Abendluft.

"Hast du von Anfang an gewusst, wer hinter Anastasia Kiew stecken wird?" will Marguerite wissen.

"Nein, doch als ich dich dann gesehen habe, da wusste ich, dass du es bist. Ich habe viel von dir gehört, dass du in die verlorene Welt gereist bist. Du hast dich wirklich kein bisschen verändert. Ich liebe dich!" Er beugt sich zu ihr hinüber und will sie küssen, doch sie weicht zurück.

"Es... es tut mir leid, aber ich habe mich geändert. Ich bin verheiratet und habe eine süsse kleine Tochter, die schon sehnlichst auf ihre Mama wartet!"

"Es muss dir nicht leid tun, schliesslich ist es mein Fehler, dass ich dich einfach gehen liess! Mit wem bist du jetzt verheiratet?"

"Mit Lord John Roxton, du wirst ihn nicht kennen!"

"Doch, der grosse Abenteurer und Wildjäger! Ich habe schon viel von ihm gehört! Liebst du ihn?" Marguerite zögert zuerst doch dann sagt sie bestimmt: "Ja, ich liebe ihn. Wenn wir wieder in London sind, werde ich die Scheidung einreichen!"

"Tu was du nicht lassen kannst, aber mein Angebot steht immer noch!"

"Danke!"

"Hast du eigentlich jemand von meiner Familie später noch getroffen?" will James wissen.

"Nur Gina, deine eifersüchtige Cousine! Sie war bei der Rückkehr von mir und meiner Familie aus der verlorenen Welt. Ach ja, und Richard habe ich auch getroffen, jedoch hat er mich nicht wieder erkannt. Das glaube ich zumindest!"

"Hat Gina nach mir gefragt?"

"Na und ob, ich glaube sie steht auf dich oder mittlerweile auf Richard! Nur zu dumm, dass sie eure Cousine ist!"

Weiter zum 3.Teil(6.13-6.18)


Datenschutzerklärung
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!