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8.01 Trauer über dem Plateau

Rückblick: "Vielleicht hat Jesse den Sturz auch überlebt?" sagt Marguerite. "Es wurde schon oft gesagt, dass dies ein Ausweg von der verlorenen Welt ist, vielleicht stimmt das ja auch."

"Nein, das glaube ich nicht."

"Aber du glaubst doch sonst auch alles, George" glaubt die Lady ihn zu kennen.

"Dieses Mal nicht!" Challenger wendet sich von Finn und Marguerite ab und geht in Richtung Baumhaus zurück.

"Dad! Warte auf uns" ruft Finn ihrem Adoptivvater nach, doch der Professor bleibt nicht stehen. "Dad!" Finn möchte ihm hinterher gehen, doch sie wird von Marguerite zurückgehalten.

"Lass ihn gehen! Ich glaube, er braucht jetzt ein bisschen Abstand von dem Ganzen."

"Aber wenn auch ihm etwas passiert... dann habe ich wieder keine Eltern." Das Finny ist den Tränen nahe und kann diese schliesslich nicht mehr zurückhalten. Marguerite nimmt ihre Freundin in den Arm und drückt sie ganz fest an sich. "Er wird heil im Baumhaus ankommen, das kann ich dir versichern. Lass uns hier Platz nehmen und ausruhen, okay?" Finn nickt bloss und lässt sich zu Boden fallen.

"Ich kann nicht mehr!" sagt sie schluchzend und vergräbt ihr Gesicht in Marguerites Schulter. "Süsse, ich bin bei dir. Ich werde dich nicht alleine lassen."

"Versprochen?"

"Ja, selbstverständlich."

"Ich mochte sie von Anfang an" sagt das Finny nun. "Meinst du Jesse?" Die Blondine nickt. "Ja, sie war echt ein Goldschatz! Sie war Mailyns Ersatzoma. Zum Glück ist Mailyn noch so klein und wird es nicht ganz so verstehen können wie wir Erwachsenen" ist die Brünette erleichtert.

"Schön für sie" sagt Finn zähneknirschend. "Ich vermisse Jesse jetzt schon! Gestern Abend haben wir solch ein schönes Mutter-Tochter-Gespräch geführt wie ich es noch nie erlebt habe."

"Ich weiss! Und es tut mir schrecklich leid, dass sie gehen musste."

 

George eilt auf dem schnellsten Weg zum Baumhaus zurück, er hat bereits die Hälfte der Strecke zurückgelegt und schliesslich trifft er auf Veronica und Roxton. "Hey George!" ruft Roxton ihm zu, erst jetzt blickt der Professor auf. "Ah... hallo. Was macht ihr denn hier?" fragt er verwirrt.

"Wir sind auf der Suche nach dir und den anderen. Wo hast du den Rest der Bande gelassen?" hakt John nach. "Finn und Marguerite stehen beim Abgrund des Wasserfalls und Jesse ist..." Er verliert seine Stimme.

"Oh nein, ist sie gestürzt!?" fragt Vee besorgt und mit schlimmster Befürchtung.

"Ja, das Seil hat gerissen. Auch diese Vision wurde nun war."

"Und ihr seid euch sicher, dass sie nicht auf irgendeinem Felsvorsprung gelandet ist und den Sturz somit überlebt hat?" möchte Veronica wissen. "Völlig ausgeschlossen. Wir konnten sie nicht mehr sehen! Sie ist wie vom Erdboden verschluckt."

"Vielleicht wird sie nochmals zurückgeschleudert sowie Malone damals" vermutet die Blondine. "Oder aber sie hat einen weiteren Ausweg aus der verlorenen Welt gefunden" phantasiert der Lord.

"Nein, nein, das ist bloss ein Märchen!" bestreitet Challenger. "Sie ist tot! Und dieser verdammte Koffer" er deutet auf den Sanitätskoffer "wird euch auch keinen Dreck weiterhelfen."

"Möchtest du nicht eine Beruhigungstablette schlucken oder etwas Alkohol trinken" lautet Roxtons Frage.

"Nein, ich muss mit dem Schmerz selbst fertig werden. Sonst falle ich bloss noch in ein tiefes Loch!" Mit diesen Worten verlässt der Visionär die beiden und macht sich weiter auf den Weg nach Hause.

"Wieso musste sie nur sterben?" fragt sich Vee und blickt dem älteren Herrn mitfühlend hinterher. "Sie war so fantastisch und herzlich. Sie wäre eine tolle Oma für die Zwillinge geworden."

"Ich weiss. Hoffentlich nimmt Mailyn dies nicht allzu ernst. Für ihr Alter ist sie doch schon sehr reif... fast ZU reif" sagt John besorgt um sein Kind.

"Ja, das hoffen natürlich alle. Und Finn erst, sie wird am Boden zerstört sein."

"Lass uns zu ihnen gehen" schlägt Roxton vor.

"George? Du bist schon wieder zurück?" fragt Malone verwirrt, als der Professor so unerwartet wieder erscheint. Ned trägt gerade die kleine Jessica auf seinen Armen und gibt sich toll als Vater.

"Jesse.... sie ist..."

"Gestürzt?" Der Reporter hat bereits damit gerechnet, dass man auch diese Vision nicht verhindern konnte und somit ereignet hat.

"Ja, das ist! Das Seil riss und sie verschwand in der ewigen Tiefe der Schlucht" behauptet Challenger geknickt.

"Oh nein, das tut mir leid für dich. Dann ist Marguerites Hilfe wohl zu spät gekommen" vermutet Ned.

"Allerdings. Sie ist bei uns in dem Moment angelangt, als das Seil riss. Oder so ziemlich fast in dem Moment. Wir konnten es nicht verhindern. Ich habe es vergessen und auch Finn hat nicht mehr daran gedacht."

"Opapa!" kommt Mailyn daher gesprungen.

"Ach mein Mädchen." Challenger nimmt das Kind auf die Armen, sofort beginnt sie zu reden.

"Wo ist Oma?"

"Sie kehrt nicht mehr hierher zurück" sagt der Visionär nur.

"Ah dann ist sie nach London gegangen?"

"Nein, Mailyn, das ist sie nicht."

"Aber wo ist sie dann!?" hakt die Kleine nach.

"May, sie ist im Himmel. Gott hat sie zu sich geholt. Er brauchte dringend einen hilfsbereiten Engel bei sich oben und Jesse ist perfekt für diese Aufgabe" erzählt Challenger das Märchen.

"Und wann wird sie zu uns zurückkehren?" fragt das Mädchen ungeduldig weiter.

"Mailyn, sie wird nicht mehr zurückkehren. Sie bleibt im Himmel. Mehr kann ich dir auch nicht sagen." Er trocknet sich mit einem Taschentuch die Augen.

"Aber warum weinst du dann!? Ist das keine schöne Aufgabe?"

"Oh doch, mein Schatz, das ist eine tolle Aufgabe. Ich freue mich bloss so sehr für sie, das ist alles" schwindelt der ältere Mann und muss die Kleine geschwächt auf den Boden absetzen.

"Wir haben Paige, die Hexe von den Charmedones, gerufen! Weil Mama behauptet hat, dass etwas Schlimmes mit Oma passieren wird" erzählt Mailyn artig.

"Und warum hast du sie nicht zu uns weitergeleitet!?" fragt er mit strengem Tonfall.

"George, es ist nicht ihre Schuld, dass Paige nicht kommen konnte. Ihr war es nicht erlaubt zu helfen. Sie hätte zu viele Dämonen an diesen Ort gelockt, wir wären in grösste Lebensgefahr gekommen und auch durfte sie sich und ihre Schwestern nicht verraten, denn momentan gelten sie als tot."

"Oh, das wusste ich natürlich nicht. Tut mir leid, meine Süsse" wendet sich George an Mailyn.

"Kein Problem, Opa. Ich verzeihe dir" sagt das Mädchen mit dem grossen Herzen. "Ich werde Oma vermissen!"

"Da bist du nicht die Einzige. Sie wird uns allen fehlen" sagt Ned.

 

"Finn, geht es dir wieder etwas besser?" fragt Marguerite hoffnungsvoll.

"Nicht wirklich."

"Wir sollten nach Hause gehen" behauptet die Brünette und schaut auf ihre teure Uhr, das Hochzeitsgeschenk von Jesse und George.

"Nein, ich kann nicht. Ich bin zu schwach" sagt das Finny leidend.

"Ich weiss und kann dich verstehen, aber wir können hier nicht übernachten, es ist zu gefährlich. Wir sind weder von Bäumen noch von Gras oder Felsen geschützt. Wenn uns jemand angreifen möchte, sind wir eine leichte Beute für ihn" drängt Marguerite, sie hat ein ungutes Gefühl.

"Okay, okay, ich komme ja gleich. Lass mich bloss noch zwei Minuten sitzen und mich mental auf den Nachhauseweg vorbereiten" bittet die Blondine innig.

"Von mir aus. Wenn du unbedingt darauf bestehst." Während Marguerite aufsteht und sich die eingeschlafenen Beine vertretet, wischt sich Finn mit dem Handrücken über das nasse Gesicht. "Wie sehe ich aus?" fragt sie ihre Freundin.

"Naja, deine Augen sind rot und aufgequollen, dein Haar ist zerzaust und dein Shirt ist klatschnass... Den Umständen entsprechend nicht schlecht."

"Dann ist ja alles perfekt" sagt Finn sarkastisch, streckt Mägi die Hand hin und lässt sich von ihr hochziehen. "Danke. So jetzt können wir nach Hause gehen und..."

"Psst!" unterbricht Marguerite Finn und hält ihr den Mund zu.

"Was ist los?" fragt die Blondine verwirrt.

"Hast du das eben gehört?"

"Nein, was denn?"

"Ich bin mir zu 99,9 % sicher, dass ich Stimmen gehört habe."

"Du phantasierst bloss, das war sicher nur der Wind" redet Finn dieses Detail nichtig.

"Aber wenn ich dir doch sage..."

"Mägi, ich will dich ja nicht beleidigen, aber ich bin schon immer die bessere Gefahrenlauscherin von uns beiden gewesen, wieso überlässt du nicht weiterhin mir diesen Part."

"Aber wenn ich mir doch sicher bin!" widerspricht Lady Roxton strikte.

"Lass uns jetzt nicht darüber streiten, das ist nur kräfteraubend. Gehen wir statt dessen doch endlich nach Hause" beschliesst Finn über Marguerites Kopf hinweg und setzt sich in Bewegung.

"Finn, pass auf!" Marguerite hechtet verzweifelt nach vorne, erwischt Finn am Shirt und reisst sie mit sich auf den Boden. "Shit! Was war das?" fragt die Blondine schockiert.

"Es war ein Speer!" keucht die Brünette und deutet auf die Waffe, die neben ihnen im Boden stecken geblieben ist. "Glaubst du mir jetzt!?"

"Okay, sorry, ich war im Unrecht. Schnell, lass uns von hier verschwinden!" ruft das Finny und steht bereits wieder, doch Marguerite bleibt regungslos am Boden liegen. "Was ist? Was hast du?"

"Es geht nicht. Ich kann nicht aufstehen. Ich habe mir beim Sturz wohl das linke Knie geprellt" behauptet die Lady.

"Verdammt! Aber auf dem anderen Bein kannst du schon noch stehen?" hakt Finn nach.

"Ich glaube schon..." Das Finny fackelt nicht lange umher, greift unter Marguerites Arm, hievt die Brünette vom Boden hoch und geht nun in Richtung Wald davon. "Wieso attackieren sie uns nicht mehr?" lautet Mägis Frage, denn normalerweise hätten andere Angreifer die beiden schon längst in Gefangenschaft genommen.

"Ich habe keine Ahnung!" Finn entdeckt eine Hölle. "Lass uns da hinein gehen!"

 

Während sich Challenger im Labor verkrochen hat und dort seinem Phoenix, der Taube Jesse und dem Käfer Arthur Gesellschaft leistet, kehrt Richard vom Spaziergang mit Finns Hund Tassilo zurück.

"Hallo, ich bin wieder Zuhause." Er geht ins Wohnzimmer und ist verwundert, dass es so still im Baumhaus ist. "Hey, wo seid ihr denn alle?" Nun kommt Malone aus dem Kinderzimmer spaziert. "Na, Ned, wo ist der Rest der Familie?"

"Möchtest du die Kurzfassung hören oder jedes einzelne Detail?" stellt Malone eine Gegenfrage.

"Oh nein, was ist jetzt schon wieder passiert!? Vorerst gerne einmal die Kurzfassung."

"Also schön. Finn ist Challenger und Jesse hinterhergelaufen, weil sie auch mit nach London wollte..."

"Tatsächlich? Das kommt jetzt etwas überrascht. Und weiter?"

"Als Marguerite dies erfahren hat, ist sie ausgeflippt und ebenfalls den Dreien gefolgt."

"Oh nein, die Vision!" mag sich Richard sofort daran erinnern. "Und jetzt?"

"Nun ja, es kam, wie es kommen musste. Das Seil um Jesse Bauch riss und sie ist in die Tiefe gestürzt."

"WAS!? Das wird Finn niemals verkraften können."

"Wem sagst du das. In der Zwischenzeit ist George vom Ausflug wieder zurückgekehrt. Veronica und Roxton suchen immer noch nach Finn und Marguerite. Deswegen ist es so still im Haus."

"Und wie gehst du mit der Tatsache um, dass Jesse jetzt nicht mehr unter uns weilt?" will Richard von Malone wissen, denn so komisch es klingen mag, er hat damit gerechnet und nimmt es deshalb ziemlich gefasst auf.

"Nun ja, man musste damit rechnen, dass sie früher oder später sterben würde. Wenn nicht durch diesen Unfall, dann eben an einer Alterskankheit oder durch einen Saurier. Geben wir doch zu, dass es für ältere Personen nicht leicht ist, in solch einer gefährlichen Welt zu leben. Das beste Beispiel ist Summerlee und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, wie lange es George hier noch aushalten wird."

"Okay, bei Challenger ist es etwas anderes, er liebt diesen Ort, aber du hast schon recht. Ältere Personen gehören einfach nicht hierher" behauptet der junge Herrn aus London.

 

"Kannst du das Knie beugen?" fragt Finn. Die beiden Fräuleins haben es in die Höhle geschafft und kümmern sich nun um die Verletzung.

"Nein, es schmerzt zu sehr. Siehst du diese Erhöhung?" Marguerite deutet auf das Knie, welches nicht ganz ebenmässig erscheint.

"Ja und?"

"Ich glaube das ist meine Kniescheibe" vermutet die Brünette, welche sich bestens in der Medizin auskennt.

"Tatsächlich!? Und was machen wir jetzt?"

"Ich muss schnellstmöglich nach Hause gehen. Nur dort können wir es richten lassen."

"Aber das geht momentan nicht. Da draussen hat es zu viele Kannibalen." Finn schaut aus der Höhle hinaus und entdeckt plötzlich Veronica. "Scheisse!"

"Was hast du?" fragt Marguerite sofort.

"Vee und Roxton sind auf der Suche nach uns. Ich muss sie warnen, ehe die beiden auch noch attackiert werden. Kann ich dich kurz alleine lassen?" fragt die Blondine nervös.

"Ja klar. Ich habe meine Pistole mit dabei!"

"Okay, dann sieht man sich" sagt das Finny.

"Sei vorsichtig!" mahnt Marguerite ihre Freundin.

"Immer doch." Und schon ist das Fräulein verschwunden. Sie kriecht am Boden entlang, da sie somit von einer Art Hecke geschützt ist. Danach versteckt sie sich hinter einem Baum. "Vee! Roxton!" ruft sie im Flüsterton. Die beiden Freunde sind nur noch 3Meter von ihr entfernt.

"Hast du das gehört?" fragt Veronica den Jäger.

"Nein, was denn?"

"Da hat jemand unsere Namen gerufen" behauptet Veronica tief und fest. "Ich glaube sogar, dass es Finn war!"

"Das ist bloss Einbildung, weil wir Finn und Marguerite nun schon so lange suchen."

"Ich bin mir aber 100% sicher!" widerspricht Vee dem Herrn.

"Ich will dich ja nicht kränken Veronica, aber ich habe ein ziemlich gutes Gehör. Also vertraue mir, es war doch nur der Wind!" bleibt Roxton auf seiner Meinung hocken. wird dem Finny nun einiges klar. "Veronica! Roxton! Passt auf!" ruft die Blondine verzweifelt und hofft, dass sich die beiden noch rechtzeitig ducken werden, denn durch das Rufen hat sie die Aufmerksamkeit in deren Richtung gelenkt.

"Finn!" Veronica ist sich nun sicher. Und schon kommt der erste Speer angeflogen. Während sich Vee und John in Deckung begeben, folgt Finn ihnen und kommt schliesslich hinter einem Felsen zu stehen, wo die beiden schon auf sie warten. "Hey Finn! Wie geht es dir?"

"Gut, Vee, mir geht es gut. Wir konnten gerade noch rechtzeitig fliehen."

"Und wo ist Marguerite jetzt?" hakt der Lord sofort nach.

"Sie ist dort in der Höhle. Sie hat mich vor einem Speer gerettet und hat sich dabei das linke Knie auf dem Boden geprellt. Sie vermutet jetzt, dass ihre Kniescheibe verschoben ist" erzählt Finn.

"Wie viele Angreifer sind es?" fragt Veronica weiter.

"Keine Ahnung. Ich glaube aber es waren acht."

"Hast du deine Armbrust mit dabei?" will Roxton wissen.

"Jeep!"

"Gut, dann lasst uns diese Kerle fertigmachen. Auf in den Kampf!" Er klettert auf den Felsen. Die Kannibalen zögern nicht lange und werfen einen weiteren Speer, doch Lord John Roxton erstattet dem Werfer eine Rückantwort, in dem er auf ihn zielt und erlegt. Und nun hagelt es nur noch so von Speeren. Doch Veronica und Finn eilen ihm zur Hilfe und in kürzester Zeit, sind alle Feinde tot.

"Das habt ihr nun davon!" behauptet Finn und sammelt ihre blutverschmierten Metallpfeile wieder ein, während Vee nach ihren drei Messern sucht. "Wo befindet sich die Höhle?" will Roxton wissen.

"Dort drüben ist sie!" Finn deutet in Richtung Hecke.

Es dauert nicht lange und der Lord steht im Eingang des Versteckes. "John? Was machst du denn hier?" fragt Marguerite verwirrt und glücklich zur selben Zeit.

"Wir haben euch gesucht. Wir sind Challenger auf dem Weg hierher begegnet und hat bloss gesagt, wo wir euch ungefähr finden können. Wie geht es dir?"

"Nun ja, es war nicht gerade schön mit anzusehen wie wir Jesse verloren haben, aber es musste wohl so kommen." Die Brünette hat Tränen in den Augen. "Ich hätte niemals hierher kommen dürfen... nur weil ich bei allen Visionen anwesend war, gingen sie auch in Erfüllung."

"Nein, das glaube ich dir nicht. Es wäre so oder so passiert... Glaube mir, daran trägst du keine Schuld! Und wie geht es deinem Knie?"

"Nicht gut. Schau mal!" Marguerite rollt den Rock etwas hoch und zeigt dem Lord die Verletzung. Mittlerweile ist das Knie ganz blau angelaufen. "Oh je, das sieht nicht gut aus!" behauptet der Mann und stellt den Sanitätskoffer zu Boden. "Mal sehen, was wir hier so haben. Alkohol, ein Verband, eine Beruhigungstablette, Klebeband, Arnika Salbe, Cardiospermum Salbe, eine Pinzette, eine Schere und Chlorophyll!?"

"Ja, Chlorophyll zum Betäuben. Dann mach mir doch bitte einen Verband als Stütze. Dazu benötigst du die Schere, das Klebeband, den Verband und unter drunter gerne noch etwas Arnika Salbe... das hilft sehr gut bei stumpfen Verletzungen."

"Wow, wieso kennst du dich damit so gut aus?" ist der Lord beeindruckt.

"Ich habe für kurze Zeit mal als Krankenschwester im Krieg gearbeitet."

"Okay.... ich glaube, ich kenne dich doch nicht so gut, wie ich angenommen hatte."

"Tja, ich bin eben ein Buch mit sieben Siegeln" behauptet die Brünette und cremt sich währen dessen das Knie ein. Nun legt John ihr den Verband um. "Kannst du auf das Bein drauf stehen?"

"Nein, keine Chance."

"Gut, dann werde ich dich wohl oder übel tragen müssen!" sagt der Jäger und nimmt seine Frau auf die Armen.

 

"Finn! Wie geht es dir?" Richard hat Kochen übernommen, jetzt wo Jesse nicht mehr unter ihnen weilt und deshalb den Aufzug im Auge behalten können. Nun eilt er auf seine Verlobte zu. "Wie fühlst du dich?"

"Mies. Ich fühle mich verdammt schlecht! Und ich vermisse meine Mum sehr" antwortet die Blondine traurig darauf. "Wo ist Dad? Wir haben einen Notfall."

"Challenger ist in seinem Labor" sagt Malone, der dazugekommen ist und Veronica mit einem Kuss begrüsst. "Was ist denn passiert?"

"Marguerite hat sich eine Verletzung am Knie zugezogen" erzählt Vee. Alle folgen Roxton, der Mägi immer noch auf den Armen trägt, ins Labor. "George, wir benötigen deine Hilfe!"

"John, was ist passiert? Marguerite, was hast du angestellt?"

"Sie hat mich vor einem heranfliegenden Speer beschützt und sich dabei das Knie beim Aufschlag auf den Boden geprellt" erklärt Finn.

"Ich glaube meine Kniescheibe hat sich verschoben... Es tut irrsinnig weh. Bitte, hilf mir!" fleht die Brünette.

"Lass mich überlegen..." Der Professor wendet sich von den Freunden ab, dabei fällt sein Blick auf den Phoenix, der bekannt ist für seine Heilungskünste. "Ich kann dir zwar nicht versichern, ob es klappen wird, aber einen Versuch ist es wert" beginnt Challenger. "Es heisst doch, dass Phoenixe magisch Heilkräfte besitzen. Eine einzige Träne kann vieles bewirken. Die Methode ist ganz einfach und schnell vollzogen, Nebenwirkungen können Juckreiz an der Stelle sein, wo die Träne hinfällt oder aber auch ein Ohnmachtsanfall kann nach der Behandlung eintreten."

"Dieses Risiko nehme ich gerne in Kauf. Hauptsache ist bloss, dass ich nicht operiert werden muss" antwortet Lady Roxton darauf.

"Wir werden dich sicherheitshalber auf diesen Stuhl setzen, falls du doch in Ohnmacht fallen solltest und die Cardiospermum Salbe gegen den Juckreiz halten wir auch griffbereit" verkündet Veronica.

"Das ist lieb von euch! Wo ist Mailyn?"

"Sie ist bei den Zwillingen und passt auf die beiden auf" gibt Ned Auskunft.

"Sollte nicht jemand von euch zu ihnen gehen!? Nicht dass noch etwas Unerwartetes passiert. Und du" wendet sich Mägi an Richard "du gehst wohl besser wieder hinter den Herd. Wir wollen doch keinen Hausbrand heraufbeschwören." Während Veronica zu den Kids geht und Richard ebenfalls den Raum verlässt, holt Challenger den Phoenix aus dem Käfig hinaus. Roxton setzt Marguerite in den Schaukel, welcher für Georges Überlegungskünste gedacht ist, und legt ihres verletze Bein auf einen Schemel. Finn setzt sich auf den Arbeitstisch ihres Vaters und schaut der Szenerie zu. Malone hat sich neben sie gestellt und verfolgt das Ganze mit einem Notizblock in der Hand.

"So, mein lieber Phoenix, heile das Knie unserer Freundin." Challenger hält den Vogel in Höhe von Marguerites Bein. Alle warten gespannt... Und schliesslich fällt eine einzige goldene Träne aufs Knie. Gebannt wird darauf gestarrt, doch weder die Wölbung vergeht noch fällt Marguerite in Ohnmacht. Es scheint als täte sich nichts.

"War das alles?" fragt das Finny wütend.

"Wem sagst du das!?" schliesst sich Mägi ihrer Freundin an. "Verdammtes..." Doch die Brünette kann den Satz nicht vervollständigen, denn plötzlich ist die Erhebung verschwunden. "Es ist geheilt!"

"Hat es weh getan?" fragt Roxton sofort.

"Nein, kein bisschen" sagt die Lady glücklich und erleichtert.

"Cool" sagt Finn fasziniert und auch George scheint erleichtert zu sein, dass es funktioniert hat.

"Gut hast du das gemacht, mein Phoenix. Sehr gut." Er hält ihm einen Keks hin, dieser wird sofort verschlungen.

"Und spürst du schon irgendwelche Symptome? Juckreiz oder Schwindelgefühl?" will Malone interessiert wissen.

"Nein, nichts im Anflug. Ich fühle mich einfach nur prächtig... wie neu geboren!"

 

Nachdem das Abendessen mit Appetit verspeist wurde und viel Lob geerntet hat, findet eine kleine Zeremonie in Gedenken an die verstorbenen Jesse statt. Alle Freunde und auch die Kids haben sich um Jesses Lieblingsort, den Blumengarten, versammelt. Während Finn ein Bild ihrer Adopitvmutter in die Mitte der Blumen gestellt und Challenger noch eine Halskette seiner Frau beigelegt hat, hält Roxton die Rede.

"Liebste Jesse. Du warst eine liebevolle Ehefrau, Freundin, Mutter und Grossmutter. Du hast uns stets mit Freude und Herzlichkeit in dein Leben mit einbezogen, uns Liebe und Anmut geschenkt, dafür danken wir dir. Der Zeitpunkt deines Ablebens ist unserer Meinung nach zu früh erschienen, doch kann man nicht ewig Leben. Wir hoffen, dass du nicht leidest musstet und dass es dir gut geht, wo auch immer du bist. Wir lieben dich!" schliesst der Lord seine Rede ab. Er legt anschliessend eine weisse Rose neben das Bild. Marguerite, Malone, Veronica, Richard und Mailyn machen es ihm gleich. Finn und Challenger halten je eine rote Rose in der Hand. "Ich werde dich vermissen, Mum!" sagt das Finny, legt die Rose ebenfalls daneben und wischt sich dabei eine Träne von der Wange. Sofort wird sie von Richard in die Armen genommen. "Danke!"

"Keine Ursache. Ich halte zu dir! Schliesslich wirst du bald meine Frau werden" sagt der junge Herr verständnisvoll.

Nun legt auch Challenger die Rose ab und flüstert dabei. "Es tut mir leid, dass ich nicht auf dich gehört habe und dass du oftmals Zweite gemacht hast gegen die Wissenschaft! Ich hoffe, du kannst mir verzeihen. Lebe in Frieden!" Auch er vergräbt sein Gesicht in den Händen und wendet sich um, wobei er von Marguerite abgefangen wird. "Komm her, George! Lass mich dir Beistand leisten."

"Wir werden alle für euch das sein" sagt Malone zu Finn und Challenger. "Ihr müsst nicht alleine um sie trauern. Wir sind bei euch und stehen euch bei!"

8.02 Gefangene der Vergangenheit

"Dann lasst uns also aufbrechen" sagt Challenger. Seit Jesse Tod sind 2Monate vergangen, anfangs war er noch geschwächt und uninteressiert seiner Umwelt gegenüber, doch dann hat ihn wieder die Wissenschaft gepackt. Er hat eine neue Höhle entdeckt, die er an diesem schönen Tag nun erforschen möchte. Roxton, Veronica und Marguerite haben sich ihm natürlich sofort angeschlossen, Finn konnte auch noch überzeugt werden, die seit Jesses Tod ziemlich ruhig und nachdenklich geworden ist. Richard kommt ebenfalls mit, jedoch nur Finn wegen, denn er hat sich vorgenommen ihr für immer und ewig beizustehen.

Malone wird Zuhause bei den Kindern gelassen, weil er sowieso gerade die Schnauze voll von Geschichten schreiben hat.

"Wir sind ready! Lasst uns gehen" schliesst sich Mägi dem Professor an.

"Wir kehren heute Abend wieder zurück. Bis dahin viel Spass mit den Kids und einen schönen Tag, wünsch ich dir" sagt Challenger zu Malone.

"Danke gleichfalls und viel Glück!" sagt dieser.

"Man sieht sich! Tschüss" verabschiedet sich Vee von ihrem Mann mit einem Kuss auf den Mund und dann sind die Freunde aus dem Haus.

 

"Da vorne ist sie" erklärt George und deutet auf den Eingang der Höhle.

"Die scheint nicht gerade allzu gross zu sein" behauptet Finn bestimmt.

"Schon möglich, aber wer weiss, worauf wir dort drinnen stossen werden" äussert sich Veronica dazu.

Nacheinander betreten die Freunde die Höhle. "Wow, ist es hier angenehm kühl" bemerkt Marguerite, da es draussen heisse 32Grad sind und es hier drinnen gerade mal die Hälfte ist.
"Allerdings!" stimmt John ihr bei und zündet drei Fackeln an. Eine bekommt Challenger, die Zweite bleibt bei Marguerite und Roxton, die Dritte geht an Finn. Während Challenger zügig ins Innere der Höhle läuft, schlendern die anderen ihm gemächlich hinterher und haben grosse Mühe mit ihm Schritt zu halten. "Hey Dad! Warum hast du es so eilig?" fragt das Finny ihren Vater.
"Weil wir nicht ewig Zeit haben und..." Er bleibt augenblicklich stehen.
"Was ist los?" will Veronica wissen.
"Hier ist das Ende!" sagt der Professor niedergeschmettert.
"Nein, das kann nicht sein" behauptet die Blondine.
"Offenbar schon" meint Richard. Finn geht der Wand entlang und tastet sie ab. "Ah!" Sie bleibt stehen.
"Was hast du?" fragt Richard sofort mit besorgter Stimme.
"Hier ist ein Kopf eingmeisselt!" behauptet das Finny.

Nun versammeln sich alle darum. Tatsächlich ist ein grosser runder Kopf in die Höhlenwand geritzt worden. Das Mund der Statue wurde speziell tief ausgehöhlt.
"Was meint ihr, was passiert, wenn man die Hand in den Mund dieser Figur steckt?" fragt sich Roxton und blickt argwöhnisch ins Loch.
"Keine Ahnung, aber ich glaube, hier hat es eine Schrift" sagt Challenger. "Kannst du sie entziffern."
"Klar. Das sind Keltische Runen, das ist eine sehr einfache Sprache" behauptet Marguerite und schaut sich die Zeichen oberhalb der Statue genauer an. "Tor der Offenbarung! Folgt dem Pfad und verschafft euch Klarheit!"

"Was auch immer das heissen mag, ich will wissen was dahinter steckt!" sagt George bestimmt und legt seine Hand in den Mund der Statue. "Nein, George, geh nicht! Du weißt doch gar nicht, was dich dahinter erwartet" sagt Veronica und berührt ihn dabei an der Schulter. Innerhalb einer Sekunde sind die beiden verschwunden... "Wo sind die beiden hin?" fragt Marguerite verwirrt.

"Vee! George! Könnt ihr uns hören?" ruft das Finny, doch in der Ferne hört man bloss ihr Echo.

"Wie ist das nur möglich?" fragt sich Richard.

"Darauf weiss ich leider auch keine Antwort, aber vielleicht sind die beiden auch bloss nur hinten angekommen und nun sind wir an der Reihe" vermutet Roxton.

"Meinst du wirklich!?" sagt Finn skeptisch.

"Wieso nicht, könnte doch sein" schliesst sich Marguerite ihrem Mann an, nimmt dabei seine Hand, legt die andere ebenfalls in den Steinmund und schon sind auch sie wie vom Erdboden verschluckt.

"Sind die denn jetzt alle wahnsinnig geworden!?" schimpft das Finny. "Sie wissen ja gar nicht, wie sie wieder hierher zurück gelangen."

"Wir sollten ihnen folgen. Vielleicht steht auf der anderen Seite der Höhle, wie man zurückkehren kann oder aber dort hat es ebenfalls einen Kopf mit solch einem magischen Mund" vermutet der junge Herr aus London.

"Okay, wenn du es unbedingt so haben möchtest!" Nun legt auch Finn ihre rechte Hand in den Mund, nimmt mit der linken diejenige von Richie und auch die beiden werden durch bunte Luft gewirbelt... ehe sie auf dem harten, erdigen braunen, Boden landen. Durch den abrupten Aufprall nicht vorbereitet, fällt Richard wie ein Mehlsack um.

"Alles in Ordnung mit dir?" fragt Finn besorgt und bückt sich zu ihm hinunter.

"Ja, nichts passiert. Wo sind die anderen?"

"Keine Ahnung! Ich glaube, sie sind an einem anderen Ort als wir geladet..." vermutet das Finny stark.

"Und was sollen wir jetzt tun?" fragt Richard ratlos.

"Ich denke, wir sollten mal diesem Gang entlang laufen, vielleicht stossen wir ja dort hinten auf einen Hinweis, oder so." Die beiden befinden sich in einem rechteckigen Tunnel, an dem sie nun entlang laufen. Und tatsächlich, am Ende dieses Ortes befindet sich dieselbe Statue wie vorhin.

"Sollen wir wirklich erneut!?"

"Es bleibt uns nichts anderes übrig..." meint Finn nur und legt ihre Hand in den steinernen Mund. Sofort verwandelt sich die Statue in eine Art Leinwand. "Hey, das sind ja wir beiden" sagt die Blondine völlig perplex und betrachtet das Schauspiel...

Der junge Herr greift in seine Tasche, holt eine Schatulle heraus und öffnet diese. Zum Vorschein kommt ein goldener Ring mit einem roten Rubin. Richard kniet sich vor die Blondine hin. "Finn... Willst du meine Frau werden?" Finn hat Tränen in den Augen. "Dies sind Freudentränen. Ich möchte dich heiraten."

"Bist du dir sicher?"

"Hundertprozentig!" Nun steht der Mann vom Boden auf und hält Finns Hände in die seinen.

"Ich will dich heiraten, weil ich dich über alles liebe und für immer mit dir zusammen sein möchte!" Richard küsst seine zukünftige Verlobte zärtlich auf die Lippen.

"Kann es sein, dass ich den Ring irgendwo schon einmal gesehen habe? Hat ihn dir deine Mutter etwa untergejubelt!?"

"Nein, das wüsste ich."

"Aber ich mag mich doch noch ganz genau an den Tag erinnern. Ein Butler, der sich wie ein Roboter verhalten hat, überreichte dir oder mir diesen Ring. Das weiss, ich jetzt nicht mehr so genau. Auf jeden Fall warst du gar nicht erfreut darüber."

"Das ist gar nicht möglich. Da irrst du dich, wir haben keinen Butler."

"Und weißt du jetzt, woher du diesen Ring hast?" fragt Finn ihren Verlobten.

"Nein, keine Chance."

"Also doch vom Butler."

"Nein, denn wie gesagt, wir haben gar keinen Butler" behauptet Richard strikte. Plötzlich werden die beiden weiter durch bunte Luft gewirbelt und landen in einem anderen Raum. Sie überlegen nicht lange und gehen weiter. "Dort ist wieder die Statue!" ruft Finn und eilt auf das Ding zu, legt ihre Hand darin und schon erscheint eine neue Szene...

"Mum! Dad!" Finn ist gerade mal 5Jahre alt und irrt in der zerstörten einst so schönen Stadt New Amazonia umher. "Mummy!" Doch das Mädchen erhält keine Antwort. Sie drückt ihren Teddybär ganz fest an sich. "Wo seid ihr bloss alle?" Sie blickt sich überall um. Doch wo sie nur hin kommt, hat es Leichen am Boden. Niemand scheint mehr am Leben zu sein. Jetzt steuert das Kind auf einen Stiefel zu. "Der gehört doch Papa" behauptet die Kleine und tatsächlich, da liegt er auf dem Rücken mit nur noch einem Stiefel am Fuss. "Papa! Ich habe ihn gefunden" sagt das Finny freudig, doch die andere Person regt sich nicht. "Dad!? Ist alles in Ordnung mit dir?" Sie tritt näher an ihn heran... "Ah!" Das Mädchen schreit auf und lässt sich im selben Moment zu Boden fallen. Ihr Vater liegt da mit weit geöffneten Augen und erstarrtem Mund, woraus eine Blutspur fliesst.

Finn greift nach der Hand ihres Vaters, doch diese ist bereits ganz kalt. "Er ist tot!" sagt ein Junge, der neben dem Mädchen zustande gekommen ist. "Nein, das glaube ich dir nicht!!!" sagt Finn weinend.

"Es ist aber so. Schau dir seine Augen an... Siehst du die Leere darin? Und fühle mal nach dem Puls, der schlägt auch nicht mehr. Oder lege deinen Kopf an Mund und Nase, du wirst von ihm keinen Atem mehr auf deiner Wange spüre." "Oh nein, Papa!" wiederholt Finn sich.

"Komm mit. Ich bringe dich an einen sicheren Ort" sagt der Knabe und nimmt Finns Hand.

"Wird da auch meine Mummy sein?" fragt die Kleine ängstlich und hoffnungsvoll zu gleich.

"Nur, wenn sie dem Angriff überlebt hat." Die beiden Kinder gehen weiter in Richtung Osten und plötzlich bleibt das Mädchen erneut stehen. "Mum!" ruft sie hysterisch. "Mum! Ich bin’s, Finn!!!" Sie reisst sich von dem Jungen los und kommt neben der Frau stehen. "Oh Gott! Kindchen, du lebst" sagt die Frau sichtlich erleichtert.

"Mami, ich habe dich so vermisst!"

"Ich dich auch, mein Schatz! Weißt du, wo dein Vater ist?" fragt die Mutter besorgt. Finn nickt und sagt dann. "Aber er ist tot. Seine Augen sind leer und ganz weit geöffnet, aus seinem starren Mund fliesst Blut, seinen Puls kann ich nicht spüren und atmen tut er auch nicht mehr."

"Oh nein! Oh nein, das darf nicht wahr sein... Er... ah." Finns Mutter bricht zusammen und hält sich krampfhaft eine Hand aufs Herzen. "Mum!? Mum, was hast du?"

"Ich.... kann... nicht mehr. Ich liebe... dich!" Die Mutter sackt zu Boden, wo sie regungslos liegen bleibt. "Was ist passiert?" Finn hat sich zu ihrem Freund umgedreht, der einige Jahre älter ist als sie. "Ich vermute mal, sie hat einen Herzinfarkt."

"Und was bedeutet das!?" fragt die Kleine mit Tränen in den Augen.

"Das heisst, dass sie... ebenfalls gestorben ist."

"NEIN! Wieso!? Nein! Ich brauche meine Mummy."

Finn steht völlig perplex davor. "Ja genau, so war es!"

"Oh mein Gott! Das ist ja unglaublich."

"Wem sagst du das." Jetzt bricht die Blondine in Tränen aus. "Mum! Dad! Ich vermisse euch."

"Komm her meine Süsse" sagt Richard und nimmt seine Verlobte in die Armen.

"Ich kann dir nicht oft genug danken, dafür dass du für mich da bist."

"Musst du auch nicht. Ich bin gerne für dich da. Sonst hätte ich wohl nie um deine Hand angehalten." Sie werden wieder in den Luftstrom gesaugt und landen auf der anderen Seite der Statue. Ohne gross Zeit zu verlieren eilen sie weiter durch den Raum.

"Was meinst du, kommen wir hier jemals wieder raus oder bleiben wir in der Vergangenheit stecken?" möchte Finn von Richie wissen.

"Also es heisst doch, das hier das Tor der Offenbarung ist und wenn wir dem Pfad folgen uns Klarheit verschaffen können. Vielleicht müssen wir uns einfach klar werden, was wir an der Person haben, die mit einem gefangen ist..."

"Hoffentlich hast du recht, denn ich habe kein Bock hier zu sterben und die anderen niemals wiederzusehen. Da ist die nächste Statue!" Finn deutet darauf und dieses Mal legt Richard seine Hand zögerlich in den Mund. Sofort erscheint die nächste Sequenz...

"Da bist du ja endlich wieder" sagt Richards Mutter und umarmt ihren Sohn innig. Er steht an der Türe seines Elternhauses in London. "Wir haben uns solche Sorgen gemacht. Wo warst du denn nur so lange!?"

"Ich war mit einem Mädchen unterwegs." Er legt seine Jacke auf die Kommode. Nun kann er förmlich miterleben, wie sich die Miene seiner Mutter ins Gegenteil umwandelt. "Kennen wir sie?"

"Nein, Mum, das bezweifle ich."

"Was ist hier los?" fragt der Vater, während er zu den beiden dazugestossen ist.

"Unser Sohn hat ein Mädchen kennen gelernt" sagt die Frau zähneknirschend.

"Soso" sagt der Vater nur.

"Sie ist bezaubernd. Sie wird euch gefallen. Ihr Name ist Finn."

"Ein typischer Knabennamen!" ruft Mrs. Worthing aus.

"Schwachsinn! Sie ist wunderschön und... ach, wenn ich mir recht überlege, ist sie wohl doch eher ein Junge. Sie trägt nämlich Hosen, kein Kleid. Und ihr Haar ist kurz. Sie hat kurze blonde Haare. Oh je, ich glaube, ich bin schwul!" behauptet Richie wütend.

"Hör auf damit!" sagt der Vater zornig, nachdem seine Frau hörbar aufgeschluchzt hat.

"Nein, das werde ich ganz bestimmt nicht tun! Ich liebe sie. Ich werde sie euch vorstellen, denn ich werde Finn heiraten, ob es euch passt oder nicht!!!" Richard schnappt sich seine Jacke und verlässt das Haus aufbrausend. Draussen atmet er ein paar mal ein und aus, ehe er sich auf den Weg zu Neds Appartement macht, worin das Finny zurzeit wohnt.

"Das wusste ich ja gar nicht, dass du Zoff mit deinen Eltern hattest" sagt das Finny überrascht und fügt dann hinzu. "Aber es freut mich natürlich sehr, dass du dich so für mich eingesetzt hast. War sicher nicht leicht, deinen strengen konservativen Eltern zu widersprechen."

"Eigentlich ging es ganz gut" behauptet Richard. "Endlich konnte ich mal Dampf ablassen und hatte auch einen triftigen Grund dafür."

"Meinst du, sie mögen mich jetzt?" fragt die Blondine zögerlich.

"Auf jeden Fall! Sie haben dich akzeptiert und ich hatte doch recht, du siehst bezaubernd aus."

"Aber ich sehe schon nicht wie ein Knabe aus" will Finn wissen.

"Nein, natürlich nicht. Du warst bloss nicht so klischeehaft wie es meine Eltern gerne hätten, sondern hast deinen eigenen Style und scherst dich nicht darum, was andere Leute von dir denken. Das mochte ich von Anfang an an dir. Das mit dem Knaben habe ich bloss gesagt um die beiden zu ärgern."

"Dann bin ich ja beruhigt." Erneut wird das Pärchen durch die Luft geschleudert und kommen schliesslich ausserhalb der Höhle zu lande.

"Wir haben’s geschafft? Wir haben es geschafft!" Finn kann immer noch nicht glauben wieder draussen zu sein, an der Sonne und mit viel Wald um sich herum.

"So jetzt müssen es nur noch die anderen schaffen" sagt Richard nachdenklich.

 

"Wo bleiben denn nur die anderen!?" fragt sich Veronica und blickt immer noch die Wand an, wohinter die Statue sein muss.

"Ich denke, wir sollten mal weitergehen. Vielleicht kommen sie doch noch nach. Man kann von hier aus, eh nur in eine Richtung gehen" behauptet der Visionär und macht sich auf die Socken.

"Hey George, warte auf mich!" ruft Vee ihm nach und eilt ihm hinterher. "Sieh mal! Dort drüben hat es nochmals solch eine Statue."

"Lass uns die Hand da hinein tun" sagt Challenger. Veronica gehorcht ihm und beide legen gleichzeitig die Hand in den Mund. Sofort erscheint das ihnen bekannte Bild...

Malone wird von einer jungen Dschungelfrau, die einen Dolch in der Hand hält, umkreist. "Hat sie Sie angegriffen?" fragt Challenger sofort.

"Nein, nein sie hat mir das Leben gerettet!" sagt Malone statt dessen.

"Nicht doch, sie soll sich nicht angegriffen fühlen" sagt Summerlee und hält George davon ab, näher auf das Fräulein zuzugehen.

"Von ihr könnten wir sicher viel über die Region erfahren!" spekuliert der Professor. "Wir müssen uns mit ihr verständigen."

"Bieten wir ihr etwas Essen an... das schafft Vertrauen" glaubt sich Summerlee bestens damit auszukennen.

"Alles in Ordnung" sagt Ned. Er hat eine Dose Erdnüsse bei sich und öffnet diese vor Veronica, damit sie sein Vertrauen gewinnt. "Für dich." Er kostet selbst eine. Nun endlich nimmt auch die Blondine eine Erdnuss aus der Büchse. "Ja!" sagt der Reporter aufmunternd.

"Gut, lassen Sie mich mit ihr reden. Ich habe Erfahrung im Umgang mit Eingeborenen" behauptet Challenger angeberisch. "Kommen von weit her.." sagt er und macht dabei eine kurlige Handbewegung. "viele Monde! Ich bin ein Freund. Challenger."

Summerlee greift ein, da sich Veronica immer noch nicht geäussert hat. "Was soll das bringen!? Wir sind hier nicht in einem Tarzanroman! Sie kann kein Wort verstehen. Versuchen wir es lieber mit Lauten" schlägt der Botaniker statt dessen vor.

Challenger grummelt darauf genervt. Veronica äfft ihn sofort nach. Es findet ein Grummelkonzert statt, wobei Veronica George je länger je mehr aus Beethovens die Neunte ‚Ode an der Freude‘ summen lässt. Was ihm im Nachhinein ausgesprochen peinlich ist. Und sie sich schliesslich doch noch zu erkennen gibt. "Wenn Sie nichts dagegen haben, stelle ich mich kurz vor. Mein Name ist Veronica." Eine Weile später. Die Expeditionsmitglieder folgen der Einheimischen. "Tut mir leid. Ich konnte nicht anders" sagt Vee zu George mit einem Lächeln auf dem Gesicht. "Sie mussten glauben, dass ich Sie nicht verstehe, damit Sie ihre Absichten frei äussern."

"Die kann ich Ihnen verraten. Wir sind hier um zu forschen" behauptet Challenger immer noch mit einem bösen Blick.

"Oh, wenn das so ist, erhalten Sie von mir jede erdenkliche Hilfe."

"Wow!" sagt Veronica nur. "Ich war ziemlich fies zu dir."

"Nein, ganz und gar nicht. Du warst bloss misstrauisch und hast keiner Menschenseele getraut. Aber ich war doch ziemlich naiv. Aber wenigstens sah ich damals noch gut aus" behauptet Challenger stolz.

"Oh ja, im Gegensatz zu mir. Wie konnte bloss solch ein Kleidchen tragen. Dunkelbraun steht mir doch überhaupt nicht... Ups!" Kann Vee nur noch sagen, ehe die beiden durch die Luft gewirbelt werden und hinter der Statue erneut zustande kommen.

"Lass uns weitergehen. Wenn wir genug gesehen haben, lässt uns diese Höhle bestimmt wieder frei" behauptet Veronica bestimmt.

"Wie du meinst. Ich vertraue dir! Dort drüben ist der nächste Kopf!" sagt der Professor und deutet in dessen Richtung. Die Blondine streckt ihre Hand aus und schon erscheint der nächste Rückblick...

Veronica sitz in ihrem Zimmer in der Stadt Avallon, wo die Amazonen leben. Sie trägt wie alle anderen Lederkleidung, doch sie fühlt sich anders als die Amazonen. Sie weiss, sie gehört nicht hierher. Sie schaut sich gerade ein Bild ihrer Mutter und ihres Vaters an, als Selina, die Anführerin dieser Frauengemeinschaft, ihr Zimmer betritt.

"Veronica! Was machst du denn da? Warum bist du nicht zum Essen erschienen?" fragt Selina in Sorge, doch Vee macht keine Anstalten sich zur Frau umzudrehen. Selina geht zu ihr hinüber und sieht das Foto. "Veronica!" Nun blickt die Blondine auf. "Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht ewig deiner Familie hinterher trauern sollst. Das macht dich nur unglücklich und einsam. Wann wirst du uns endlich als deine Familie akzeptieren? Du bist jetzt eine von uns."

"Ich fühle mich aber nicht so" widerspricht Veronica trotzend. Sie ist mittlerweile 17 Jahre alt und hat es satt ständig bemuttert zu werden von einer Frau, die noch tausend andere Kinder hat und das Gesagte wahrscheinlich nicht einmal ernst meint.

"Veronica. Hör mir zu. Deine Mutter hat uns gebeten auf dich aufzupassen und dich bei uns aufzunehmen. Diesen Wunsch haben wir ihr erfüllt. Wir können aber nicht mit dir kommunizieren, wenn du uns aus deinem Leben ausschliesst. Erzähle mir, was fehlt dir in deinem Leben?"

"Mir fehlt jemand, der mich von ganzem Herzen liebt. Ich brauche eine Schulter, an der ich anlehnen und mich ausheulen kann, wann immer mir danach ist. Ich will nicht als Jungfrau sterben, ich will endlich einen Mann kennen lernen, ihn heiraten und mit ihm eine Familie gründen."

"Aber Veronica" setzt Selina erneut an. "Du weißt doch haargenau, dass wir die Männer nur für die Festspiele gebrauchen können und für die Zeugung unserer weiblichen Nachkommen. Männer sind Kannibalen, haben kein Sinn für Zärtlichkeit und behandeln dich respektlos."

"Ich weiss ja nicht, an welch grausamen Mann du geraten sein musst, aber es sind nicht alle Männer so verkorkst wie du es gerade schilderst. Man muss eben den richtigen Riecher in dieser Angelegenheit haben... um einen Mann zu finden, der schüchtern, respektvoll, freundlich, wortgewandt und tüchtig ist."

"So einen gibt es nicht!" behauptet die Anfüherin strikte.

"Oh doch, den gibt es. Irgendwo da draussen, wartet er auf mich und ich werde ihn verpassen, nur weil ich hier sein muss!"

"Okay, dann geh doch. Wenn es dir hier nicht gefällt, dann wollen wir dir auch nicht länger unsere Gastfreundschaft aufdrängen. Ich gebe dir die Einwilligung das Dorf zu verlassen, obwohl du noch minderjährig bist. Du weißt aber, dass das ein grosser Schritt für dich sein wird!?"

"Ja, das ist mir bewusst. Ich muss mich dann selber um mich kümmern und vor Fremden schützen."

"Ganz genau! Ich lasse dich noch einmal darüber schlafen, solltest du dich aber morgenfrüh tatsächlich für den Abgang hier entscheiden, bist du in unserer Stadt nicht mehr willkommen. Haben wir uns verstanden!?"

"Klipp und klar! Dann bis morgen. Kannst bereits die Papiere ausfüllen, mein Entscheid steht fest." Mit diesen Worten schiebt Veronica die Frau aus ihrem Zimmer, packt ihre Sachen zusammen und legt sich dann früh schlafen, damit sie fit für den morgigen Tag ist.

"Und bist du froh, von dort weggekommen zu sein!? Oder bereust du es mittlerweile" will George von dem Fräulein wissen.

"Ich bin sogar sehr erleichtert, dass ich mich damals so entschieden habe. Du kennst doch die Amazonen, das ganze Getue von ihnen geht mir auf den Wecker. Und du kennst doch Selina. Sie ist zwar etwas netter geworden, aber sie hat mir einfach nicht genügend Liebe schenken können. Und wie du siehst, hatte ich doch recht. Ich habe den perfekten Mann gefunden, der genau meinen Wünschen entspricht. Malone ist einfach ein Goldschatz und nur schon deswegen bin ich froh gegangen zu sein. Ausserdem hätte ich sonst nie euch kennen gelernt. Das wäre definitiv ein Verlust für mich gewesen."

"Ich bewundere dich je länger je mehr. Du warst damals schon so stark und selbstbewusst. Einfach unglaublich!"

"Tja, ich habe mein Bestes gegeben und bin auch selber stolz auf mich. Oh nein, nicht schon wieder." Die beiden werden nochmals durchgeschüttelt und gewirbelt. Sie landen in einem weinroten Raum, der ziemlich klein ist. Man kann die Statue sofort sehen. George läuft zur Statue, legt seine Hand in den Mund und die nächste Erscheinung folgt so gleich...

"Und hier haben wir das Werk von George Edward Challenger mit dem Namen Toaster. Er erklärt uns gerade selbst, was es ist und wie er auf den Namen gekommen ist" leitet der Führer das Wort an den jungen Challenger weiter.

"Der Nutzen dieses neuen Gerätes ist, man hat mit diesem Toaster die Möglichkeit dünne Scheiben Brot perfekt gleichmässig zu erwärmen... damit man auch zum Frühstück eine warme Mahlzeit verspeisen kann. Auf den Namen bin ich folgendermassen gekommen: to toast something bedeutet etwas rösten. Ich habe einfach die Endung –er angehängt und daraus entstand dann das Nomen Toaster, geröstetes Brot also.

Man kann jeweils zwei Scheiben Brot pro Mal rösten. Durch die drei Heizkörper, die ich innen eingebaut habe, geht nur wenig Wärme verloren.

Der einzige Nachteil ist, dass der Butter auf dem gerösteten Brot zerläuft. Man nimmt also entweder sehr viel Butter oder man lässt ihn ganz weg."

"Eine fantastische Erfindung, finden Sie nicht auch!?" sagt der Führer etwas ironische zur Gruppe und leitet die Menschenmenge weiter. Sehr zur Enttäuschung von Challenger. Er lässt regelrecht den Kopf hängen.

"Seien Sie nicht traurig" sagt eine Frau, die Mitleid mit dem jungen naiven Professor bekommen hat. "Eines Tages wird man nicht ohne diesen Toaster leben können, glauben Sie mir."

"Meinen Sie wirklich!?" fragt George wieder mit etwas mehr Hoffnung.

"Aber ganz bestimmt." Jetzt schaut er auf und sieht die wunderschöne Frau vor ihm stehen.

"Meine Name ist George Edward Challenger und wie lautet Ihrer?"

"Ich bin Jesse Jane Rowling."

"Freut mich Sie kennen zu lernen."

"Die Freude liegt ganz auf meiner Seite" antwortet die Frau darauf. "Darf ich Sie als viel beschäftigter Mann heute doch noch zu einem Kaffee einladen?"

"Ja, gerne sogar. Die Führung ist sowieso gleich zu Ende und dann habe ich immer eine Stunde Freizeit." Challenger hält ihr den Arm hin und sie hackt bei ihm unter. Sie gehen in Richtung Ausgang davon. "Und was tun sie normalerweise in Ihrer Freizeit?"

"Ich arbeite dann an neuen Erfindungen oder Erforschungen. Momentan fasziniert mich die Welt der Dinosauriern ungeheuerlich."

"Tatsächlich!? Ich kann diese Biester nicht ausstehen."

"Und was halten Sie sonst so von der Wissenschaft?" will daraufhin George wissen.

"Nun ja, ich bin froh, dass es so tolle Entwicklungen gegeben hat, aber so angefressen wie Sie es wahrscheinlich sind, bin ich nun doch nicht. Aber ich bewundere Ihre Arbeiten sehr."

"Dann war das also nicht das 1.Werk, das Sie von mir gesehen haben."

"Nein, nein, bei weitem nicht. Es ist momentan die 4.Arbeit von Ihnen."

"Wow, ich... ich fühle mich geschmeichelt" sagt der junge Professor und läuft leicht rot an.

"Ist mir ein Vergnügen. Sie halten mich jetzt sicher für aufdringlich, aber Sie haben keine feste Freundin oder Frau?"

"Nein, ich lebe alleine."

"Das ist gut" rutscht es aus Jesses Mund. "Ich meine... ähm... wie soll ich sagen... nun ja..."

"Ja, bitte."

"Sie halten mich jetzt sicher für naiv, aber ich habe mich in Sie verliebt. Meine Eltern haben bereits die Hoffnung aufgegeben, dass ich je noch einen anderen Mann lieben könnte, denn ich habe mein Herz an Sie verschenkt. Ich komme fast jeden Tag hierher und bewundere Ihr Auftreten."

"Das freut mich zu hören. Warum haben Sie mich nicht früher angesprochen?"

"Ich dachte wohl, dass ich Ihnen eines Tages auffallen werde, denn ich hatte nicht den Mut dazu. Aber heute waren Sie so verletzlich, dass ich all meinen Mut zusammengenommen habe und Sie ansprach..." Jesse schaut Challenger tief in die Augen und endlich hat Sie seine volle Aufmerksamkeit auf sich gerichtet. Er erwidert ihre Liebe.

"Und so habe ich mich in sie verliebt!" schliesst Challenger ab. Ihm stehen Tränen in den Augen. Er wird noch lange an ihrem Tod nagen müssen.

"Lass es raus. Es lohnt sich nicht die Trauer zu verstecken, sonst staut sich nur alles in dir und dann bekommst du ein Magengeschwür oder drehst völlig durch" sagt Veronica besorgt.

"Danke" meint George nur noch und bricht schliesslich in Tränen aus. "Jesse hat gerade mal zwei Mal gegen die Wissenschaft gewonnen."

"Tatsächlich. Und die beiden wären?"

"Das was du gerade eben gesehen hast, sie schaffte es mich einen Monat lang von der Wissenschaft abzuhalten und das zweite Mal, war erst vor kurzem als ich die Erfindung der Rakete an meinen Freund weitergeleitet und nicht selbst ausgeführt habe."

"Ist ziemlich hart, nicht!?"

"Ich weiss, es ist bitter und dafür schäme ich mich auch. Aber ich kann es nicht mehr ändern und..." Schon wieder werden die beiden Freunde in den Luftsog gezogen und landen schliesslich neben Finn und Richard.

"Hey, ihr seid auch schon draussen!" sagt das Finny glücklich und umarmt die beiden.

"Ja, zum Glück. Na, wie war’s bei euch so?" hakt Vee nach.

"Gut, wir haben einige Rückblicke aus der Vergangenheit gesehen und lernten uns schätzen" erzählt Richie die Kurzfassung. "Und ihr?"

"Bei uns war es auch so" sagt Challenger nur. Irgendwie hat niemand Lust über die Ereignisse aus der Vergangenheit zu sprechen.

"Hoffen wir jetzt bloss, dass Roxton und Marguerite es auch schaffen werden" meint Veronica.

 

"Verdammt, wo sind wir denn hier gelandet und warum sind weder Vee, Challenger hier noch folgen uns Finn und Richard!?" fragt sich Mägi kopfschüttelnd.

"Keine Ahnung. Ich denke, wir sollten mal weitergehen" schlägt John vor.

"Okay. Bleibt uns ja nichts anderes übrig." Marguerite trottet genervt neben Roxton her.

"Schau, da ist eine weitere Statue. Lass uns die Hand dort reinlegen. Und lass uns das gemeinsam tun, nicht dass wir auch noch getrennt werden."

"Gute Idee! Warte mal. Hier hat es wieder Keltische Runen" sagt die Brünette nervös.

"Kannst du auch diese entziffern?" fragt der Jäger zögerlich.

"Klar. Kein Problem. Es bedeutet so viel wie: Tor der Gemeinsamkeit! Schönste Erinnerung nochmals erleben!"

"In Ordnung, dann lass uns da tun."

"Du hast etwas Besseres verdient als mich, John!" sagt Marguerite und schaut dabei beschämt zur Seite. Sie befinden sich in einer Höhle und sind dort gefangen. John kann nicht glauben, was er da gerade eben von ihr gehört hat. Er nimmt ihre Hand in die seine und zieht sie etwas näher zu sich heran. Nun blickt sie wieder auf.

"Nein, du bist viel zu streng zu dir selbst. Ich liebe dich, Marguerite. Sag nicht, dass das nicht geht und bitte tu nicht so als verstündest du nicht."

"Aber, das mache ich doch gar nicht" widerspricht sie ihm.

"Warum sagst du es denn nicht!?" hakt er sofort nach.

"Auch wenn es nicht wahr ist..."

"Ist es nicht" unterbricht der Lord sie ohne zu zögern. "Du brauchst dir nicht länger was vorzumachen. Deine Zukunft... unsere Zukunft ist hier und jetzt." Er schaut ihr tief in die Augen und setzt zu einem Kuss an "Ich liebe dich!" sagt Marguerite noch ehe sich ihre Lippen berühren. Er lächelt und versucht dann erneut sie zu küssen, doch sie weicht nochmals zurück. "Aber ich..."

"Komm sag nichts." Er schüttelt den Kopf, beugt sich dann zu ihr hinunter und küsst sie auf den Mund. Dann wendet er sich ihrem Hals zu und liebkost diesen zärtlich. Sie legt ihren Kopf in den Nacken und geniesst diese Liebkosungen sichtlich.

Nun fährt Roxton an ihrer Bluse hinunter, über ihren Allerwertesten und hebt sie schliesslich auf den Altar. Dann greift er ihr ins Haar und entfernt ihre Haarspange. Marguerite revanchiert sich, indem sie ihm die Hosenträger über die Schultern streift. Nun öffnet Mägi sein Hemd.

"Wow! Ich habe ganz vergessen, wie schön dein Oberkörper ist" behauptet Marguerite und betrachtet seine Muskeln. "Trainierst ihn immer noch fleissig!?" vermutet die Brünette.

"Nur für dich, meine Liebste. Damit ich dich jederzeit beschützen und imponieren kann" meint John grinsend.

"Du bist ein richtiger Schatz!"

"Tut mir leid, dass ich dich vorhin so angestinkert habe" sagt der Lord beschämt.

"Ach, das ist doch Schnee von gestern. Lass uns nicht weiter darüber reden." Marguerite wendet sich seinem Gürtel und der Hose zu.

"Willst du es wirklich?" fragt Roxton um sicher zu gehen nichts falsch zu machen.

"Ja, ich will es! Du musstest lang genug warten und ich bin mir jetzt ganz sicher" behauptet Mägi und lässt die volle Leidenschaft endlich zu. Was sie nicht weiss, aus dieser Leidenschaft wird der bezauberndste Menschen auf Erden werden... Mailyn.

"Roxton!?" Marguerite erwacht aus dem Schlaf und sucht sofort nach ihm. Sie liegt immer noch auf dem Altar und die Haarspange daneben.

"Ich bin hier!" sagt der Lord. Sie wendet sich zu ihm um und steht dann vom Altar auf.

"Wo kommen denn die Risse auf einmal her!?" fragt die Brünette verwirrt, da erneut das giftige Gas aus den Felswänden spriesst.

"Ich habe keine Ahnung. Ich glaube, es hat kaum Sinn."

"Oh doch, du schaffst es, John" sagt Mägi aufmunternd. Nun lässt er die Felswand los, er spürt ihre Hand auf seiner Wange und wendet sich zu ihr um.

"Habe ich dir jemals gesagt, wie wunderschön du bist."

"Ja, mehr als einmal" sagt sie lächelnd. Sie nehmen sich in die Armen.

"Das mit uns darf nie aufhören!!! Hörst du, es darf nie aufhören" bittet Roxton innig.

"Das ist wirklich die schönste Erinnerung, die ich je mit dir erlebt habe" gesteht Marguerite.

"Geht mir genau so. Ich denke, uns wurde diese Erinnerung gezeigt, weil wir beide daran gedacht haben."

"Meinst du!?"

"Auf jeden Fall. Eine andere Erklärung gibt es nicht dafür." Und auch die beiden werden in einen kleinen Wirbelsturm gezogen und landen auf der anderen Seite der Mauer.

"Ach so funktioniert das. Lass uns die nächste Statue suchen" bestimmt Marguerite und geht den langen kühlen Gang entlang.

"Schon was entdeckt?" fragt Roxton. Er geht nicht gar so schnell wie seine Frau.

"Ja! Hier ist der nächste Steinkopf und auch hier drüber hat es Keltische Runen, die besagen dass dies das Tor der Überraschung ist. Wer Mut hat findet die Wahrheit heraus! Was meinst du, John? Sollen wir es riskieren?"

"Jederzeit!" Er schnappt sich ihre Hand und betätigt den Schalter zum nächsten Ereignis...

"Sieh mal, was ich hier gefunden habe." William zeigt seinem jüngeren Bruder John Roxton stolz eine goldene Halskette mit einem Herzanhänger dran. Die beiden Jungs befinden sich auf dem Avberry Gelände.

"Wo hast du das denn gefunden?" möchte der kleine Johny-Boy fasziniert wissen.

"Hinter einem der Grabmäler habe ich es entdeckt."

"Lässt sich das Amulett öffnen?" fragt der 14-jährige John seinen Bruder und steigt von seinem weissen Pony hinunter.

"Nein, ich habe es bereits versucht" behauptet William.

"Lass mich mal ran!" Doch auch Roxton gelingt es nicht das Medaillon zu öffnen.

"Vielleicht kann man sich damit etwas wünschen" behauptet Will.

"Au ja. Womöglich sogar seine Traumfrau" vermutet John der Herzform des Anhängers wegen. William reisst seinem kleinen Bruder die Kette aus der Hand. "Zuerst darf ich, weil ich grösser, älter und klüger bin!"

"Wenn du meinst" gibt John enttäuscht nach.

"Okay, ich wünsche mir eines Tages die bezauberndste Frau, die es auf er Welt gibt, zu treffen. Sie soll blond, schlank und klug sein. Auch soll sie ein gutes Händling für den Haushalt haben und sich mir unterordnen."

"Das ist nicht dein Ernst!? Ich meine, wir haben genügende Putzkräfte bei uns Zuhause." John schüttelt ungläubig seinen Kopf. "Jetzt will ich!" Er nimmt seinem Bruder die Kette weg und umfasst sie mit einer Hand. "Mal sehen... Meine Traumfrau soll wunderschön sein mit blaugrünen Augen, die einer Katze ähneln, braunem gelockten Haar und einer tollen Figur. Sie soll geheimnisvoll, verspielt und offen für jedes Abenteuer sein." John schliesst theatralisch seine Augen und stellt sich seine Traumfrau regelrecht vor, als er von jemanden angestupst und somit aus seinen Gedanken gerissen wird.

"Wenn ich mich nicht irre, ist das meine Halskette!" Ein junges Mädchen, kaum 12 Jahre alt, funkelt Roxton böse an.

"Ich habe es gefunden, es gehört mir!" verteidigt der Sohn des Lords das Medaillon.

"Ich verlange von dir, dass du es mir SOFORT wieder zurückgibst oder ich hetzte meine Bande auf dich."

"Hat denn ein Mädchen wie du es bist überhaupt Freunde!?" fährt William die kleine Marguerite schroff an. "Eine, die ständig durch die Grabmähler schleicht und Sachen dort versteckt. Es ist nicht das 1.Mal, dass ich dich hier sehe. Aber du musst wissen, das ist unser Land! Wir haben hier das Sagen und ich sage dir, verschwinde von hier!" John bemerkt wie dem Mädchen Tränen in die Augen steigen und bemerkt erst jetzt die bezaubernden Katzenaugen in blaugrüner Farbe und den ungezähmten Lockenkopf.

"Hau ab, Will!" vertreibt Roxton seinen Bruder. Dieser steigt auf sein schwarzes Pony und reitet im Sausewind davon. John wendet sich an Marguerite. "Tut mir leid, aber William kann nicht anders. Er ist und bleibt ein Blödmann. Er ist definitiv kein Gentleman. Wie lautet eigentlich dein Name?"

"Den verrate ich dir nicht... nicht bevor ich meine Halskette wiederhabe."

John streckt ihr den Schmuck hin, sie reisst ihm diesen aus der Hand und rennt davon. Roxton überlegt nicht lange, steigt auf sein Pony und galoppiert ihr hinterher. Schliesslich hat er sie eingeholt.

"Hey, du hast mir meine Frage gar nicht beantwortet. Wie heisst du?"

"Das bleibt mein Geheimnis! Den verrate ich dir keineswegs. Und sollten sich unsere Wege je wieder kreuzen, so kannst du ja nochmals danach fragen." Mit diesen Worten stolziert die Brünette davon.

"WAS!? Hast du das gesehen?" fragt Marguerite John staunend.

"Allerdings! Das ist verrückt!"

"Wem sagst du das. Und vor allem sind wir doch noch zusammengekommen" sagt Marguerite mit Freudentränen in den Augen. "Ich konnte mich daran gar nicht mehr erinnern, aber jetzt wo ich es gesehen habe, fällt es mir wieder wie Schuppen von den Augen. Deshalb kam mir dein Name so bekannt vor... so vertraulich."

"Und ich habe doch noch deinen Namen herausbekommen."

"Wusstest du, dass ich das Mädchen von damals war?" möchte die Brünette jetzt aber wissen.

"Ich hatte eine Vermutung, aber war mir nie ganz sicher. Deine Kette ist mir zwar aufgefallen, aber ich hielt es für ausgeschlossen. Jedoch wusste ich vom 1.Augenblick an, dass ich in dir meine Traumfrau gefunden habe. Und ich bin so happy, dass wir zusammengefunden haben."

"Das hast du schön gesagt und ich bin auch überglücklich, dass es mit uns beiden funktioniert hat. Huch!" Auch sie werden zu ihren Freunden nach draussen geworfen.

"Und was habt ihr erlebt?" fragt das Finny sofort.

"Ach so einiges! Nichts wichtiges" behauptet Marguerite und zwinkert Roxton zu.

"Dann lasst uns jetzt nach Hause gehen, nicht dass sich Ned noch Sorgen um uns macht" meint Veronica zu ihren Freunden. Sie begeben sich auf dem Nachhauseweg. Jedes Pärchen mit ihrer einzigartigen Offenbarung, die sie niemandem weitererzählen wird.

8.03 Asche zu Asche

"Richie, was hast du heute vor?" fragt Finn ihren Verlobten am Morgentisch.

"Ich werde mit Roxton und Malone jagen gehen."

"Schade, dann kommst du also nicht mit mir und dem Hund raus?"

"Nein, leider nicht. Roxton hat mich zum Jagen verdonnert. Ich tue zu wenig im Haushalt, hat er behauptet."

"Naja, Unrecht hat er damit sicher nicht" sagt das Finny nur, nimmt den letzten Bissen von ihrem Brot und macht sich für die Abreise bereit. Nachdem sie Tassilo an die Leine genommen hat, geht sie ins Wohnzimmer, wo sie auf ihre Freundin trifft. "Marguerite!" Die Brünette schaut von ihrem Buch auf. "Ja?"

"Hast du Lust mit mir und Tassilo Gassi zu gehen?"

"Ähm, ich lese gerade und ich habe John versprochen, dass ich heute auf Mailyn aufpasse, damit er jagen gehen kann."

"Und wenn du die Kleine mitnimmst. Frische Luft könnte ihr auch mal wieder gut tun."

"Nein, das darf ich nicht. Roxton hat mir verboten mit May und dem Hund herauszugehen."

"Wegen dem Dark Flareon!?" vermutet das Finny sofort.

"Genau" sagt Marguerite nickend.

"Ach, das ist doch bloss ein Märchen."

"Wie kommst du denn auf diese Gedanken?"

"Na, weil ich diesem Kampfhund bis anhin nicht über den Weg gelaufen bin. Ach bitte, komm doch mit."

"Nein, es geht nicht." Nachdem die Brünette diese Worte gesagt hat, bekommt sie nur noch Finns Absatz zu Gesicht, da diese beleidigt den Raum verlassen hat.

"Vee! Hast du Zeit mit mir und Tassilo einen Spaziergang zu machen?" versucht es die Blondine bei der nächsten Person.

"Geht nicht, Süsse, sorry."

"Und wieso denn nicht?"

"Ich mache einen Frühlingsputz."

"Kannst du das denn nicht auf morgen verschieben?"

"Was du heute kannst besorgen..."

"...das verschiebe nicht auf morgen" vollendet Finn Veronicas begonnenes Sprichwort. "Ja, ich weiss." Genervt stösst Finn Luft aus, geht aus der Küche und schlendert die Treppe zum Labor hinunter.

"George?" Sie schaut sich im Arbeitszimmer des Professors um, doch von diesem fehlt jegliche Spur. Also geht sie wieder in die Küche zurück. "Veronica, weißt du wo Challenger abgeblieben ist?"

"Er liegt mit Fieber im Bett. Ich bereite ihm gerade einen fiebersenkenden Tee zu. Er konnte die letzte ganze Nacht nicht schlafen, weil er von Übelkeit geplagt wurde und nun glüht auch noch seine Stirn."

"Oh nein, das tut mir leid für ihn. Dann richte ihm doch bitte einen lieben Gruss von mir aus und gute Besserung!"

"Mach ich. Viel Spass beim Spazieren!" ruft Vee ihrer Freundin noch nach.

"Den werde ich haben" sagt diese zähneknirschend und steigt in den Fahrstuhl.

 

"Manche Leute übertreiben masslos" behauptet Finn und kickt wütend einen Stein beiseite. "Echt, Roxton nervt... Seine ständige Sorge um Mailyn geht mir langsam auf den Keks. Mit Mägi wär dieser Ausflug so lustig geworden und jetzt langweile ich mich zu Tode. Ich hasse dich, Lord John Roxton!" Das Finny geht den Weg entlang und bemerkt dabei nicht, wie sie von zwei feuerroten Augen beobachtet wird...

 

"So, Richard, jetzt kannst du uns wieder einmal beweisen, dass du doch zu etwas fähig bist" sagt John, hält ihm das Gewehr hin und deutet auf einen Truthahn. "Truthähne sind die einfachsten Tiere zum Schiessen."

"Und welches sind die schwersten?" will der junge Herr aus London wissen.

"Affen" behauptet Roxton.

"Ich finde T-Rex die derbsten Gegner zum Erschiessen, alleine aus dem Grund, weil sie ungeheuer dicke Haut haben" hört man Malone sagen.

"Tja, so hat jedermann seine persönlichen Schwächen bei der Tötung eines Tieres" sagt der Jäger nur. "So jetzt bist du aber an der Reihe, Richie." Richard schaut seinen Lehrer ängstlich an mit dem Ausdruck in den Augen ‚den erlege ich nie im Leben‘.

"Das schaffst du schon!" meint Malone aufmunternd und tätschelt seinem Freund die Schulter.

"Okay..." Richard legt seinen Zeigefinger an den Abdrücker und schaut durchs Zielfernrohr. Er zählt für sich auf drei. <Eins... der Truthahn ist viel zu weit weg.... Zwei... unmöglich zu schaffen... drei.... das Arme Tier!!!> Er schiesst... jedoch absichtlich daneben.

"Ich glaube, bei unserem Lehrling bereitet der Truthahn am grössten Mühe" witzelt Roxton.

"Das kannst du laut sagen" behauptet dieser nur und ist froh, dass das Tier noch lebt.

 

"Mailyn, wo bist du?" Marguerite hat mit der Kleinen Kartoffeln geschält, wovon das Mädchen plötzlich verschwunden ist und nun sucht die Mutter nach ihrem Kind.

"May! Antworte mir!"

"Ich bin hier unten" hört sie die Kleine aus dem Labor rufen. Während Marguerite die Treppen hinunter geht, fragt sie: "Was tust du denn hier drinnen?" Und dann sieht sie gerade noch wie der Phoenix weint und Mailyns Schnittwunde geheilt wird.

"May! Der Phoenix ist kein Spielzeug. Und bloss wegen einer Schnittwunde, beraubst du ihm einer Träne!?"

"Ja, weil es weh getan hat und geblutet hat es auch" behauptet das Mädchen.

"Aber Darling, irgendwann brauchen wir den Phoenix für vielleicht grössere Wunden und dann hat er keine Kräfte mehr, weil du ständig zu ihm gerannt bist wegen kleinsten Verletzungen."

"Es tut mir leid. Ich verspreche dir, es nie wieder zu tun" schwört Mailyn.

 

"Wildschweine sind wohl auch nicht dein Fall!?" behauptet Roxton, als Richard einen weiteren Schuss verschossen hat.

"Offensichtlich nicht" sagt er nur.

"Oder" nimmt Malone das Wort an sich. "Unser ‚Softie‘ hat Probleme damit bekommen Lebewesen zu töten."

"Ist das wahr!?" Roxton will das Gesagte von Richard selbst hören.

"Schon möglich..." Er sieht die fragenden Blicke seiner Freunde. "Ich... ich kann euch nicht verstehen, wie ihr unschuldige Tiere einfach töten könnt, nur weil wir Fleisch essen wollen. Wenn wir uns beschützen müssen, kann ich ja verstehen, wenn Tiere oder Saurier ums Leben kommen, aber nur weil wir etwas Abwechslung auf unseren Tellern haben möchten, erschiessen wir sie!"

"Weil wir irgendwie auch überleben müssen" sind Roxtons Worte. "Für mich ist Fleisch nicht nur ein Genussmittel, ein sogenannter Luxusartikel."

"Dem Anschein macht es aber" protestiert Richard.

"Du irrst dich. Fleisch viel mehr für mich... wirklich! Es ist ein lebensnotwendiges Nahrungsmittel mit den verschiedensten Vitaminen, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten."

"Oh, so habe ich das noch gar nicht gesehen, aber trotzdem bin ich nicht fürs Jagen geschaffen. Ich glaube, ich bleibe bei der Hausarbeit und der Gartenpflege. Das bekommt mir eher."

"Wenn du darauf bestehst, Richie" sagt Malone mit einem höhnischen Tonfall in der Stimme und sieht gedanklich seinen Freund in Schoss und Schürze wieder.

"Das tue ich durchaus" steht sein Entscheid fest.

 

"Was hast du, Tassilo?" fragt Finn ihren Hund, da sich dieser bereits zum x-ten Mal umgedreht und zurückgeschaut hat. "Verfolgt uns etwa jemand!?" vermutet das Finny sofort und zückt ihre Armbrust. Und jetzt hört sie das Geräusch des knackenden Holzes ebenfalls, sie will sich gerade umdrehen, als sie von hinten angesprungen und zu Boden gedrückt wird. Sie spürt die Krallen tiefer und immer tiefer in ihre Haut einsinken.

Sie blickt auf und sieht nur noch Tassilo auf sie zu rennen. Kurz vor ihrem Kopf springt er ab und die Krallen auf Finns Haut werden ruckartig aus ihrem Fleisch gerissen. "AH!" schreit sie auf, kniet sich hin und fasst mit ihrer Hand an ihr Schulterblatt. Als sie die Finger kurz darauf in Blut gebadet wieder begutachtet, wendet sie sich zu dem Übeltäter um.

<Oh mein Gott! Das ist ja.... der Dark Flareon> stellt Finn erschrocken fest. Das feurigrote, fuchsähnliche Geschöpf kämpft erbittert mit dem wunderschönen Silberfang... wohl bemerkt mit IHREM Silberfang. Ihrem Geburtstagsgeschenk, welches sie von Richard erhalten hat. <Das darf doch nicht wahr sein, den gibt es tatsächlich.>

 

"Habt ihr das gehört?" fragt Roxton seine Kumpels.

"Ja, hat sich angehört wie das Jaulen eines Wolfes" glaubt Ned dieses Geräusch einordnen zu können.

"Ah dann ist ja..."

"VERSCHWINDE!!!"

"Das... das war doch Finn!?" ist Richie verwirrt.

"Glaubt ihr" beginnt Malone und schaut in die Runde.

"Ja, sie braucht unsere Hilfe" meint John entschieden. Sofort rennen die drei Freunde los... jede Minute zählt.

"Lass Tassilo in Ruhe, du verdammter Köter" brüllt Finn verzweifelt, unbewusst darüber, dass sie ihre beim Hinfallen verloren und noch nicht wieder aufgehoben hat. "Du Biest!" schreit das Finny nun etwas lauter und plötzlich wendet sich der Dark Flareon zu ihr um. Er springt auf sie zu. Dies nicht erwartet zu haben, steht sie regungslos da. Silberfang holt seinen Gegner ein, erreicht ihm und beisst ihm in den Hintern, doch der Dark Flareon ist zu stark und schleudert Tassilo an einen Baum, wo er bewusstlos zu Boden fällt. "Nein! Tassilo!" kann Finn gerade noch sagen, ehe sich die Zähne des Tieres erneut in ihre Haut gebohrt werden. Diesmal leidet ihr rechtes Bein. Sie schlägt dem Biest ihre Hände mit voller Wucht auf den Kopf, worauf der Hund das Bein loslässt, ihre Knöchel dadurch gebrochen werden und man den ganzen Knochen sehen kann, wo der Hund seine Zähne reingehauen hat.

"Autsch!" Finn taumelt zurück und fällt zu Boden. Der Dark Flareon richtet sich nun bedrohlich über ihr auf, jeden Moment bereit zu töten...

 

"Mailyn! Was habe ich dir gesagt!?" Marguerite erwischt das Mädchen erneut ihm Labor. Sie hat sich beim Verstecken spielen das Knie aufgeschürft und ist damit wieder zum Phoenix gerannt.

"Es tat so weh" erklärt die Kleine.

"Das ist keine Entschuldigung. Ich hätte es dir mit Alkohol desinfizieren lassen können."

"Aber das brennt immer so fürchterlich" behauptet das Kind.

"Na und!? Was meinst du, wie ich früher meine kleinen Wunden verarztet habe."

"Das will ich gar nicht wissen."

"Du hast eine Woche lang Süssigkeiten Verbot."

"Nein, das ist gemein" protestiert May.

"Du hast es nicht anders verdient." Marguerites Entscheid steht fest.

"Das sage ich Papa."

"Tu das! Er wird derselben Meinung sein."

"Das glaube ich nicht" ist sich Mailyn ihrer Sache sicher.

"Lege es nicht darauf an, junge Dame..." Bei diesen Worten verlässt das Mädchen trotzig das Labor. Ich warne dich, sind die letzten Worte, die sie von ihrer Mutter zu hören bekommt.

 

Das Letzte, was Finn noch mitbekommt ist, dass ein Schuss fällt und kurz darauf etwas Schweres auf ihr zu ruhen kommt, dann fällt die Blondine in Ohnmacht.

Roxton lässt das Gewehr sinken, er hat den Dark Flareon erlegt und Finn davor bewahrt, dass dieses Biest sie töten konnte.

"Finn!" Richard kommt auf seine Verlobte zu gerannt, schiebt das Vieh von ihr... Erst jetzt sieht er die schreckliche Wunde an ihrem Bein. "Oh mein Gott, was hat er dir nur angetan. Malone! Ich brauche den Verband." Sofort steht der Reporter an der Seite seines Freundes, packt den kleinen Sanitätskoffer aus seinem Rucksack und überreicht ihm das Verlangte.

"Wieso hat sie sich nicht gewehrt?" fragt Roxton verwirrt und ist ebenfalls neben seinen Freunden zustande gekommen.

"Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist das nicht üblich von ihr" sagt Richard bestimmt. Endlich hat er die Fleischwunde verbinden können. "Roxton... ähm könntest du..." Richie deutet bittend auf Finn und den starken Freund.

"Klar." John kniet sich zur Blondine hinunter und nimmt sie auf die Armen.

"Jetzt wird einiges klar" hört man Malone sagen.

"Was meinst du?" fragt der junge Herr aus London sofort.

"Sie wurde von hinten angegriffen." Er hat den blutverschmierten Rücken entdeckt. "Dabei muss sie zu Boden gefallen und diese hier", er hebt die Armbrust vom Boden auf, "verloren haben. Deshalb konnte sie sich auch das zweite Mal nicht mehr wehren."

"So wird es wohl gewesen sein" sagt Roxton und begibt sich auf den Nachhauseweg.

"Stopp!" ergreift Richard das Wort. "Sie war mit Tassilo unterwegs."

"Bist du dir ganz sicher?" hakt Ned nach.

"Hundertprozentig!"

"Da drüben liegt er." Der Lord nickt mit dem Kopf in Richtung eines grossen Baumes. Finns Freund geht auf das Tier zu. Mit zittrigen Händen berührt er den Hals des Tieres. "Er lebt noch" sagt er nach einer kurzen Weile erleichtert, hievt das Tier auf seine Arme und tritt ebenfalls die Heimreise an.

 

"Wir brauchen Hilfe!" ruft Roxton, nachdem er den Fahrstuhl verlassen hat. Sofort stehen Marguerite und Veronica im Wohnzimmer.

"Oh mein Gott!" kann Mägi nur sagen.

"Was ist passiert?" erkundigt sich Vee.

"Sie ist vom Dark Flareon angegriffen worden. Tassilo hat es auch erwischt. Sie sind beide ohnmächtig" gibt der Reporter Auskunft.

"Wir benötigen dringendst den Vogel" sagt Roxton und legt Finn aufs Sofa, während Richard es ihm gleich macht und den Hund anstelle des Sofas auf den Teppich legt.

Veronica kehrt mit dem Phoenix zurück. Er sitzt auf ihrem Arm, den sie mit einer ledernen Spezialstütze umgebunden hat, damit die Krallen des Tieres nicht in ihr Fleisch eindringen können.

"Sehr gut. Danke fürs Holen."

"Hab ich gern gemacht, John." Sie hält den Phoenix über die Bisswunde am Bein. "Heile sie, bitte!" Es dauert keine zwei Minuten und der Phoenix hat eine Träne vergossen. Als Finn nicht aus der Bewusstlosigkeit aufwacht, hält Vee den Vogel über Finns Kopf. Doch nichts geschieht.

"Hat sie sonst noch irgendwelche Wunden?" fragt die Blondine in die Runde.

"Ach ja, sie wurde von hinten angegriffen. Sie hat tiefe Kratzwunden am Rücken" fällt es Malone wieder ein. Während Roxton das Fräulein auf den Rücken dreht, redet Veronica dem Phoenix wieder gut zu. Schliesslich weint er noch einmal. Doch Finn erwacht nicht aus der Ohnmacht.

"Wo hat sie denn noch eine Wunde!?"

"Keine Ahnung, das müssten eigentlich alle sein" behauptet Richie.

"Sieht aber nicht dem aus!" widerspricht Mägi ihm.

"Das weiss ich auch" sagt er darauf zähneknirschend. Alle begutachten ihre Freundin genaue, bis Roxton schliesslich die dritte und letzte Wunde entdeckt. "Seht ihr die blauen Flecke und geschwollen Knöchel an Finns Hände!?"

"Ja, jetzt wo du es sagst" stimmt Marguerite ihrem Mann zu.

"Sie muss sich damit gewehrt haben" schlussfolgert Ned.

"Mal schauen, ob es der Phoenix gleich sieht." Veronica hält den Vogel über Finns Hände und prompt kullert eine weitere Träne aus dem Auge des Phoenix.

Finns Lidern blinzeln. "Was ist passiert?" fragt die Blondine in die Runde.

"Der Dark Flareon hat dich angegriffen" gibt Veronica Auskunft und streicht ihrer Freundin über die Stirn.

"Genau! Was ist mit Tassilo?"

"Wir wissen es nicht. Er muss zuerst noch vom Phoenix geheilt werden" erklärt Marguerite.

"Warum darf der Hund geheilt werden und ich nicht!?" Mailyn ist im Raum erschienen.

"Weil er eine ernsthafte Verletzung hat" sagt Mägi schnippisch.

"Aber ich sehe nichts bluten" behauptet die Kleine frech.

"Was geht hier vor!?" will Roxton daraufhin wissen, doch ehe eine von beiden antworten kann, weint der Phoenix ein letztes Mal. Der Hund erwacht und steht bereits wieder auf den Beinen, als Vee mit dem Vogel ins Labor gehen will, fällt dieser plötzlich in sich zusammen und wird zur Asche. "Oh nein!"

"Was ist los?" fragt die Brünette sofort.

"Der Phoenix... er ist... tot" stottert die Blondine vor sich hin. "Challenger wird mich hassen."

"Was habe ich dir gesagt!" Marguerite hat sich an ihre Tochter zugewendet. "Du hast ihn umgebracht! Jetzt war er erschöpft vom vielen Heilen und musste sein Leben lassen, weil du ständig zu ihm gerannt bist und dich von ihm heilen gelassen hast."

"Nein, das wollte ich nicht." Das Mädchen rennt weinend zur Asche hin. "Es tut mir so leid, lieber Phoenix. Ich..."

"Was ist hier los!?" Challenger hat den Raum betreten. Er sieht immer noch krank aus.

"George, sei jetzt bitte nicht böse auf uns, aber der Phoenix ist tot" sagt Vee mit Tränen in den Augen.

"Er hat mir und Tassilo das Leben gerettet, da uns der Dark Flareon angegriffen und schwerst verletzt hat" versucht Finn auf gute Gedanken bei ihrem Vater zu stossen.

"Opa!" Mailyn rennt auf ihren Grossvater zu und klammert sich an sein Bein fest. "Es tut mir so leid. Ich habe mich auch vom Phoenix heilen lassen. Es ist meine Schuld."

"Ich kann eure Handlungsweise nicht verstehen" lauten Challengers Worte.

"Aber Finn wäre gestorben, wenn..."

"Das meine ich so nicht, Richard. Warum weint ihr? Diese Handlungsweise habe ich gemeint. Der Phoenix lebt doch." Alle wenden sich zu dem Vogel um und George hat Recht. Der Phoenix lebt. Jedoch sieht er viel jünger und kleiner als zuvor aus.

"Er ist neugeboren worden."

"Puh! Dann bin ich ja froh" sagt das Finny erleichtert.

"Ich bin froh, dass es dir gut geht" meint Challenger und nimmt seine Tochter in die Arme. "Jetzt will ich aber die ganze Geschichte noch einmal hören mit jedem Detail...

Nachdem Finn ihre Sichtweise erzählt hat, ergreift Richard schliesslich das Wort. "Und dann hat Roxton ohne zu zögern auf den Dark Flareon geschossen, ehe er Finn töten konnte."

"Was!? Du hast mir... das Leben gerettet?"

"Ist das ein Problem für dich?" will John wissen.

"Nein, aber ich bin dir eine Entschuldigung schuldig, weil ich zuvor schlecht über dich gedacht habe, weil Mägi nicht mitkommen durfte wegen deinem Verbot und weil ich dir nicht geglaubt habe, dass es den Dark Flareon wirklich gibt."

"Das spielt doch keine Rolle mehr."

"Oh doch, das tut es. Ich habe deine Rettungsaktion nicht verdient. Du hättest mich sterben lassen sollen."

"FINN!" greift Richard ein. "Was redest du da für einen Blödsinn!?"

"Finn. Ich bin dir deswegen nicht böse. Und glaube mir, auch wenn ich noch so wütend auf dich gewesen wäre, ich hätte dich so oder so gerettet, weil ich weiss, dass du das auch für mich tun würdest. Egal wie deine Gefühle mir gegenüber gerade so wären."

"Meinst du wirklich!?"

"Ich bin mir ganz sicher."

"Danke" sagt das Finn beschämt.

"Komm her!" Er umarmt sie. "Frieden?"

"Nein... besser: Freunde!"

8.04 Eitelkeit liegt in der Luft

"Marguerite! Was tust du so lange da drinnen?" ruft Roxton genervt. Er steht vor der Türe des Badezimmers und wartet nun schon über zwanzig Minuten. Eigentlich müsste er dringendst die Toilette benützen, aber seine Frau will ihm nicht öffnen.

"Ja gleich!" antwortet Marguerite.

"Das hast du schon vor einer Viertelstunde gesagt. Mach auf! Was treibst du denn so lange?" John verliert langsam seine Nerven. Die Brünette steht vor dem Spiegel und betrachtet ihr Gesicht. <Oh Mann, ich habe schon wieder ein paar Fältchen mehr gekriegt und meine Haare werden auch heller. Bald schon weiss! Nein, ich will noch nicht altern. Sonst verliert John noch das Interesse an mir!>

"Hallo!? Jemand Zuhause?" hört man Finn rufen.

"Einen Moment bitte."

"Okay, aber beeile dich ein bisschen."

"In Ordnung!" willigt Mägi ein und doch lassen sie diese schrecklichen Gedanken nicht los. <Er wird mich ersetzen durch eine, die viel jünger und hübscher ist, als ich es je wieder sein könnte.> Nachdem sich die Brünette zum x-ten Mal die Haare gekämmt und jede Menge Farbe in ihr Gesicht gestrichen hat, verlässt sie das Bad.

"Was ist denn mit dir passiert!?" fragt das Finny sofort. "Bist du etwa in einen Farbtopf gefallen?"

"Nein, ich habe mich bloss ein bisschen hübsch gemacht" rechtfertigt sie sich.

"Auch noch unter den Lebenden!? Hey, ich wusste gar nicht, dass wir ausgehen?" meint Roxton nur dazu.

"Und wie findest du es?" hakt die Lady nach.

"Übertreiben musst du wirklich nicht." Er wendet sich wieder dem Abwaschen des Geschirrs zu.

<Danke für deine ehrliche Antwort. Habe ich alles nur für dich gemacht> denkt Marguerite enttäuscht.

"Cool, ich wusste ja gar nicht, dass wir uns heute schon zu Prinzessinnen schminken."

"May, du weißt haargenau, dass wir das jeden zweiten Freitag spielen. Heute ist ein ganz normaler Tag." Mit diesen Worten geht die Brünette davon.

"Wohin gehst du?" ruft das Mädchen ihrer Mutter nach.

"Ich gehe spazieren! Bis später."

 

"Ich hasse dieses Leben. Dabei sehe ich so doch ziemlich gut aus!" Mägi sitzt an einem Teich und betrachtet ihr Spiegelbild im Wasser. "Bin ich denn nicht hübsch genug?" Sie streicht eine Strähne hinter ihr Ohr, pflückt eine Lilie aus dem Gras und steckt sich diese ins Haar. "Oh Mann, ich wollte mich nie wie eine dieser Frauen verhalten, die sich nur wegen eines Mannes schön machen. Ich bin doch schön, oder etwa nicht!?"

"Also ich mag dein Aussehen" hört man eine Frauenstimme sagen. Marguerite wendet sich um. Hinter ihr steht eine wahre Schönheit mit langen braunen Haaren, Rehaugen und einem makellosen Teint. Ihr Körper ähnelt dem eines Models mit ellenlangen Beinen, kein Anschein von Cellulite, einem gestrafften Bauch und einem wohlgeformten Busen. Sie trägt ein weisses Seidenkleid, das ihr bis über ihre Knie reicht und sich ihrem Körper bis aufs kleinste Detail hin anpasst und somit wie angegossen sitzt.

"Wow! Aber... ähm... wie kommen Sie plötzlich hierher?"

"Ich lebe hier sowie Sie!" lautet ihre Antwort.

"Und wie heissen Sie?

"Ich bin Lyss und Sie?"

"Marguerite. Freut mich dich kennen zu lernen."

"Die Freude liegt ganz auf meiner Seite. Was bedrückt dich?"

"Wieso fragst du?" ist Mägi überrascht, denn normalerweise kann sie ihre Gefühle hervorragend hinter einer ihren vielen Fassaden verstecken.

"Deine Augen verraten mir, dass du dich momentan nicht ganz wohl in deiner Haut fühlst."

"Ja, das stimmt. Ich bin derzeit in einer Midlife-crisis. Ich habe das Gefühl, dass mich das Alter einholt und mich hässlich machen lässt. Ich bin verheiratet und während mein Mann immer attraktiver für die Frauen wird, werde ich zu einer schrumpligen alten Hexe."

"Wer sagt denn so etwas!?" fragt Lyss ungläubig.

"Na, in der Gesellschaft Londons wird häufig darüber gesprochen wie anziehend Männer über 40 sind und dass sie nur noch interessanter werden können. Das macht mich verrückt!"

"London?"

"Ja, das ist die Hauptstadt von England."

"Kenne ich nicht! Also für mich gilt diese Regel überhaupt nicht."

"Ja, du kannst gut reden, du siehst ja auch bezaubernd aus im Vergleich zu mir."

"Weißt du was!?"

"Nein."

"Wir gehen jetzt zu deinem Mann zurück und beweisen ihm, dass du die Schönste im ganzen Land bist. Ich helfe dir auch dabei, versprochen. Wir werden es schon schaffen ihn davon zu überzeugen."

"Wenn du meinst!"

 

"Hey, schaut mal mit wem Marguerite da unterwegs ist" sagt Veronica zu ihren Freunden und kurz darauf stehen alle auf dem Balkon und betrachten das Fräulein mit grossen Augen.

"Die ist ja umwerfend" meint Roxton völlig hin und weg.

"Wenn Mägi das jetzt gehört hätte, war sie nicht so glücklich darüber" mahnt Finn den Lord.

"Schon möglich, aber schau sie dir doch an. Die ist echt bildhübsch."

"Allerdings, John, die hat wirklich das gewisse Etwas" sagt Richard schmachtend.

"Tja, wenn das so ist, dann geh doch zu ihr und leg sie flach." Finn ist sauer. "Oder aber du kannst bei mir bleiben..." Sie küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund.

"Du hast recht, du bist und bleibst die Schönste."

"Die ist der Wahnsinn!" hört man Malone sagen.

"Okay dann mache sie doch glücklich, aber dann wirst du die Zwillinge und mich nie wiedersehen. Merk dir das!" warnt Vee ihren Mann.

"Nein, bitte, lass mich nicht alleine zurück."

"Was tut ihr denn da?" George ist ins Wohnzimmer gelangt.

"Wir haben bloss diese reizende Dame dort draussen begutachtet" gibt der Lord wie in Trance Auskunft.

"Ah du meinst Marguerite. Ja, ich finde sie auch sehr reizend."

"Nein, nicht Mägi, sondern die Frau neben ihr" wiederholt Roxton.

"Ach so. Ist nett, aber nicht mehr. Ich meine, schlussendlich kommt es auf die innere Schönheit drauf an, nicht wahr!?"

"Naja, Marguerite war am Anfang ziemlich kühl im Innern."

"Mag sein, John, aber jetzt hat sie sich zu einer hammermässigen Person weiterentwickelt und ist wie eine Schwester für mich geworden" versucht Vee den Jäger aus dem Bann zu locken.

"Ja, für mich auch!" stimmt das Finny ihrer Freundin zu.

"Wie man’s nimmt" sagt John nur dazu.

"Du nervst!" verliert Finn langsam die Fassung und wendet sich vom Balkon ab.

Es dauert nicht lange, ehe die beiden Frauen, Lyss und Marguerite, auf der Matte stehen.

"Darf ich euch vorstellen, das ist Lyss. Ich habe sie an einem Teich kennen gelernt" stellt Mägi ihnen die Frau neben ihr vor.

"Hallo, wie geht’s? Ich bin Lord John Roxton" begrüsst er das Fräulein sofort.

"Hi!" meint diese schüchtern. <Wow, besser hätte das echt nicht laufen können. Er sieht extrem gut aus! Mägi hatte recht, Männer werden mit dem Alter immer attraktiver.>

"Wenn es euch recht ist, würde ich Lyss gerne bei uns übernachten lassen. Weil wenn sie jetzt nach Hause gehen müsste, müsste sie in der Nacht durch den Urwald gehen und das wollen wir doch nicht" erklärt Marguerite.

"Sie darf sogar gerne bleiben" meint Roxton und kann seinen Blick nicht mehr von ihr lösen.

 

"Na, was hältst du von Lyss" erkundigt sich Mägi bei Finn.

"Sie ist hübsch, aber an deiner Stelle würde es mich nerven, wenn sie ständig um John herumlungert."

"Tut sie gar nicht."

"Ach nein, und was macht sie dann!?"

"Sie redet mit ihm."

"Sie wickelt ihn um den kleinen Finger! Hallo!? Wieso schnallst du das nicht?"

"Finn, reg dich wieder ab. Du bist ja bloss eifersüchtig, weil sie besser aussieht als du."

"Ich bin nicht eifersüchtig." Genervt lässt das Finny Marguerite alleine auf der Sitzbank zurück.

"Finn, was ist los mit dir?" fragt Vee ihre Freundin.

"Siehst du wie sich diese Lyss an Roxton heranmacht."

"Oh ja, und wie."

"Mägi sieht das nicht."

"WAS!? Aber sie ist doch immer diejenige gewesen, die wegen jeder Kleinigkeit gleich ausgeflippt ist."

"Ich weiss, aber bei Lyss scheint sie geblendet zu sein. Ausserdem glaube ich, dass irgend etwas an dieser Frau faul ist. Niemand ist so perfekt!"

"Meinst du, sie könnte gefakt sein?" mischt sich George, der zufälligerweise gelauscht hat, ins Gespräch ein.

"Hundertprozentig! Wir sind hier in der verlorenen Welt, hier kann man niemandem trauen" ist Finn davon überzeugt. "Ich schlage vor, dass wir uns in den Tagebüchern deiner Eltern, Vee, etwas umschauen."

"Und wonach sollen wir suchen?" hakt Richard nach, der ebenfalls dazugestossen ist.

"Keine Ahnung!" sagt die Blondine mit dem kurzen Haar verzweifelt.

"Jemand von unseren Herren soll sie aushorchen" lautet Veronicas Vorschlag.

"Gut, ich übernehme das" meldet sich Challenger zu Wort. "Ich bin schliesslich mit niemandem von euch liiert oder verheiratet. Ich bin Single sozusagen."

"Toll! Und ich werde mich an Marguerite wenden, vielleicht hört sie ja auf mich" hofft Vee.

 

Während John zur Toilette gegangen ist, pirscht sich Challenger an Lyss heran.

"Na, wie gefällt es Ihnen hier?" will der Professor vom Fräulein wissen.

"Gut, ich liebe es. Alles ist so zierlich und niedlich. Und dieser Zusammenhalt untereinander ist grandios."

"Woher vom Plateau kommen Sie eigentlich genau? Gehören Sie einem speziellen Stamm an?"

"Nein, ich bin leider Einzelgängerin."

"Wie das denn?" hakt er sofort nach.

"Nun ja, die meisten Frauen sind eifersüchtig auf mich." Sie schaut in den Spiegel, der hinter George an der Wand aufgehängt ist. "Dabei kann ich auch nichts dafür, dass ich so gut aussehe und mit den Männern ist es fast noch schlimmer. Die sind besessen von mir und klammern zu doll. Ich halte das nie länger als eine bis zwei Nächte aus."

"Ach so. Aber macht die Einsamkeit nicht traurig."

"Schon, aber vielfach bleibt mir nichts anderes übrig." Sie wirft erneut einen Blick in den Spiegel und spricht mit einem zufriedenen Lächeln weiter: "Ich reise viel umher, weil ich nie lange an einem Ort bleiben kann. Ich benötige ständig Abwechslung."

"Hey George! Was machst du denn hier?" Roxton legt seinen Arm um die Schultern von seinem ‚Kumpel‘. Es scheint so als hätte er einen Rausch, dabei hat er heute Abend kein Schlückchen Alkohol getrunken.

"Ich geh jetzt schlafen. Gute Nacht, ihr beiden!" Challenger geht in Richtung Labor davon und hofft, dass er von den beiden nicht entdeckt wird, da er ja eigentlich in den oberen Stock gehen müsste, wo sich sein Schlafzimmer befindet.

"Hast du was brauchbares herausgefunden?" wird er von Finn mit Worten überfallen. Er ist in seinem Labor angekommen. "Ich weiss nicht. Aber eines steht fest, die ist extrem eitel. Ständig hatte sie in den Spiegel, der hinter mir hing, geguckt und ihr Aussehen somit kontrolliert."

"Habt ihr über Eitelkeit schon mal etwas in den Tagebüchern gelesen?" erkundigt sich Richie bei den beiden.

"Nichts an das ich mich aktiv erinnern könnte" lautet Finns ernüchternde Antwort und auch George schüttelt betrübt seinen Kopf. "Hoffentlich hat Veronica mehr Glück bei Marguerite" meint Malone.

"Wo warst du eigentlich heute in der Früh?" wechselt Vee das Thema. Sie hat über eine Halbestunde mit Mägi nur übers ‚Schönsein‘ gesprochen.

"Ich habe mich an einen Teich gesetzt und mein Spiegelbild betrachtet, da ich das Gefühl hatte, dass ich immer älter und unscheinbarer werden würde."

"Aber Süsse, das ist doch Quatsch. Du siehst fantastisch aus!"

"Nun ja, John war da anderer Meinung. Er fand ich trüge zu viel Farbe und ich solle doch natürlich bleiben, aber mein Gesicht war völlig zerknittert. Ich sah furchtbar aus. Ich musste mich Schminken, sonst hätte ich mich nicht wohl in meiner Haut gefühlt."

"Also ich finde du hast nicht zu viel Farbe aufgelegt. Dieser weisse Lidschatten betont deine hellen Augen ausgezeichnet und passt hervorragend zur weissen Lilie, die in deinem Haar steckt."

"Ich habe weisse Farbe aufgetragen? Ich hätte schwören können, dass es grüne gewesen ist. Naja, ich bin wohl auch etwas vergesslich geworden. Ich werde wohl doch immer älter. Dass ich mir die Lilie ins Haar gesteckt habe, ist mir auch entfallen."

"Kann es geben. Und wie hast du Lyss getroffen?" will die Blondine wissen.

"Sie stand plötzlich hinter mir."

"Etwas anderes Marguerite, weshalb lässt du dir es gefallen, dass Lyss derart offensichtlich mit Roxton flirtet und die beiden bald im Bett landen?"

"Das stimmt doch gar nicht. Sie versucht ihn umzustimmen und ihm klarzumachen, dass ich eine Schönheit bin und immer sein werde. So dass er sich niemals von mir abwendet."

"Aber er liebt dich und würde dies niemals tun. Marguerite..."

"Mach dir keine Sorgen, Vee. Das gibt nur Falten und hilft sowieso nichts. Ich geh dann mal Schlafen! Kann ohnehin keinen klaren Gedanken mehr fassen."

"Allerdings! Schlaf schön!"

"Danke gleichfalls." Marguerite nimmt Mailyn an die Hand und geht mit ihrer Tochter ins neue Baumhaus rüber. Kaum ist die Brünette um die Ecke verschwunden, begibt sich Veronica ebenfalls ins Labor.

 

"Was hast du herausgefunden, George?" will Vee vom Professor hören.

"Nichts Wichtiges, leider. Nur dass diese Lyss ziemlich eitel ist."

"Immerhin etwas. So wie es scheint, hat Lyss Mägi in der Hand. Unser Schatz frisst dieser Person praktisch aus der Hand. Ausserdem ist mir die Lilie in Marguerites Haaren aufgefallen. Sonst habe ich leider auch keine weiteren News."

"Bin ich ein Huhn!" seufzt Finn. "Wieso bin ich nicht schon früher draufgekommen!?"

"Was ist los? Hast du eine Fährte?" hofft Malone innig.

"Jeep. Kennt ihr die Geschichte von der Frau, die zur weissen Lilie wurde?"

"Nein, erzähle!" kann Challenger es kaum erwarten.

"Meine Eltern haben mir immer diese Geschichte erzählt, wenn ich wieder einmal zu lange vor dem Spiegel sass und mich zurecht machte für meine Stofftiere. Es gab da diese Frau, die ihr Spiegelbild über alles liebte und sich für die Schönste im ganzen Land hielt. Die griechischen Götter sahen dies gar nicht gern, denn Eitelkeit war und ist noch heute eine Tugend. Sie vereinten sich und gaben der Frau noch eine einzige Chance oder sie müssten sie töten, da sie eine Bedrohung für die Menschheit wäre. Der Deal war, dass sie einen Tag lang nicht ihr Spiegelbild betrachten dürfe, ansonsten würde sie ihr Leben verlieren. Als sie keine zwei Sekunden später ihr Spiegelbild im Wasser betrachtete und die Götter es nicht vermochten sie zu töten, wurde sie in eine wunderschöne weisse Lilie verwandelt."

"Ja genau, die weiße Lilie ist die Blume der Reinheit und Schönheit. Diese Blume war schon in der Antike der Römern bekannt und wie du gesagt hast auch bei den Griechen" fällt es George wieder ein.

"Ausserdem ist das französisches Wort für Lilie Lys" mag sich Richard an seinen Französischunterricht erinnern.

"Tatsächlich, es muss so sein, denn Lilien wachsen an kühlen, feuchten Orten. Der Teich ist ein kühler und vor allem feuchter Ort" schlussfolgert Veronica.

"Wie können wir Lyss überlisten?" fragt Malone in die Runde.

"Ganz einfach, indem wir ihr so viele Spiegel wie nur möglich vor die Augen halten" findet Vee dies keine grosse Sache.

"Ähm, aber so viele haben wir doch gar nicht. Wir haben gerade mal einen Handspiegel und zwei Spiegel, die wir von den Wänden abhängen können. Das reicht nie im Leben" lässt das Finny bereits den Kopf hängen.

"Aber wir haben Löffel und auch Schüsseln, die wir mit Wasser füllen können und eine Pfanne. Das kriegen wir schon hin" spricht Challenger den anderen Mut zu.

"Dann auf in den Kampf!" legt Ned den Startschuss fest.

 

"Hallo Lyss, wir wollten mit dir noch auf deine Ankunft anstossen, wenn dir das recht ist" verkündet Richard.

"Nun ja, es ist schon ziemlich spät, aber wenn ihr unbedingt darauf besteht, wieso nicht."

"Vee, übernimmst du den Trinkspruch?" fragt Finn die Blondine.

"Liebend gerne! Wir haben uns hier versammelt, um uns.... bei dir zu entschuldigen!" Vee hält Lyss den Spiegel genau vors Gesicht.

"Was soll das!?" schreit diese zornig.

"Na, noch nicht genug gesehen" wendet das Finny ihre Aufmerksamkeit auf sich und hält ihr den Löffel genau unter die Nase.

"Lasst mich in Ruhe!" versucht sich Lyss zu wehren und doch fällt ihr Blick immer wieder auf sich selbst in den jeweiligen Spiegeln.

"Bei mir warst du noch nicht" behauptet der Reporter und hält ihr die Schüssel mit Wasser hin.

"Eine Zugabe darf’s doch noch sein" lauten Richards Worte und der Handspiegel wird auf sie gerichtet.

"Bereit für eine weitere Runde." Langsam gehen sie auf die Brünette zu und schliessen den Kreis. Obwohl Lyss nach Luft ringt, will sie nicht zu einer Lilie werden. "Was haben wir falsch gemacht?" fragt Malone seine Frau.

"Oh nein, die Lilie in Mägis Haaren. Halt das bitte fest!" Sie überreicht ihm den Spiegel und rennt schnurstracks ins neue Baumhaus, wo ihr Roxton über den Weg läuft.

"Was ist das für ein Krach?" möchte dieser wissen.

"Ach nichts! Geh du nur wieder schlafen."

"Lasst mich in Ruhe! Roxton!" hört man Lyss verzweifelt rufen.

"Was macht ihr da?"

"Nichts! Wo ist Marguerite?"

"Interessiert mich nicht." Er zückt seine Waffe und rennt davon.

"Verdammt!" Vee ist im Zwiespalt. Soll sie jetzt zu Marguerite rennen und ihr die Blume abnehmen oder aber Roxton nachlaufen und ihn aufhalten. Schliesslich entscheidet sie sich für ihn und eilt ihm hinterher.

<Das wirst du schön bleiben lassen!> denkt sich Veronica setzt zum Sprung an, erwischt den Lord schliesslich an seinen Schultern, kann John zu Boden reissen, wobei er seinen Kopf auf dem Boden aufschlägt und bewusstlos liegen bleibt.

"Sie darf uns nicht entwischen" hört man Malone hektisch rufen.

"Mist! Ich muss mich beeilen, sonst ist Marguerite verloren. Den die Lilie raubt ihr die Energie, welche in Lyss Körper übergeht." Veronica setzt zum Sprint an, öffnet die Türe zum Zimmer der Roxtonfamilie und entdeckt ihre Freundin auf dem Bett liegen. "Nein! Lass uns nicht allein." Jegliche Farbe ist aus dem Gesicht der Brünette gewichen. Vee greift nach der Lilie, doch diese lässt sich nicht aus dem Haar entfernen. "NEIN!!! Gib die Blume her!"

"Was ist los?" fragt Mailyn schockiert als sie von der Toilette wieder zurückkommt. "Mailyn, mein Schatz, renne bitte zu Finn und bringe sie mit. Bitte, beeile dich!"

Das Mädchen düst ohne wenn und aber los. "Du schaffst das, Marguerite, da bin ich mir sicher. Es dauert nicht mehr lange."

Eine kurze Weile später kommt die Kleine wieder ins Zimmer zurück mit Finn an ihrer Hand. "Finn, wie lautet der Spruch."

"Welcher Spruch?"

"Na, den der dir deine Eltern im Zusammenhang mit der Lilie immer gesagt haben."

"Ach dieser, der geht ungefähr so:

Ob rot oder weiss

Ob kalt oder heiss

Ob dunkel oder hell

Tauscht die Plätze blitzschnell

Beim nächsten Blick in den Spiegel

Sollst du an der Stelle meiner Freundin liegen."

Endlich gelingt es ihr die Lilie aus dem Haar ihrer Freundin zu lösen, ein weisses Licht erscheint, dann wird es wieder dunkel. Vor ihr liegt nun Lyss, sofort steckt sie ihr die Lilie ins Haar und dann ist die Schönheit verschwunden.

"Gott sei Dank, ist es uns noch rechtzeitig geglückt" meint Richard erleichtert.

"Jeep, das kannst du laut sagen" stimmt Challenger seinem Freund zu.

 

Der nächste Morgen ist eingebrochen und alle sitzen am Tisch, alle ausser Marguerite und Roxton.

"Wo sind die beiden eigentlich?" will Challenger wissen.

"Sie sind noch im Zimmer" antwortet Mailyn darauf. "Soll ich sie holen gehen?"

"Nein, Süsse, lass die beiden ihre gemeinsame Zeit geniessen."

"Und du bist mir wirklich nicht sauer?" fragt Roxton unsicher.

"Nein, bin ich nicht. Ich meine, ich habe das alles verbockt. Ausserdem standest du unter einem Bann. Da kann man nichts dagegen machen."

"Eine Frage hätte ich da noch."

"Schiess los!"

"Wieso hast du ständig das Gefühl, dass ich dich verlassen werde?"

"Weil ich Angst davor habe alleine dazustehen, ich habe zu viel Zeit alleine in meinem Leben verbracht... Ich geniesse jede Minute, die ich mit dir und Mailyn verbringen darf... und weil du meine grosse Liebe bist."

"Schatz, ich hätte dich nicht geheiratet, wenn nicht auch du meine grosse Liebe wärst und eines sollst du wissen, ich lasse dich und Mailyn auf keinen Fall alleine zurück. Ihr seid meine Familie, vergiss das nicht."

"Ich werde es mir in Zukunft merken, versprochen."


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