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7.01 Das mögliche Schicksal nähert sich

"Oh Gott, bald ist es wieder soweit für die nächste Wehe" warnt Veronica ihre Freunde vor.

"Es wird alles gut gehen... wir sind ja bei dir" versucht Finn ihrer Aufgabe, Veronica mit netten Worten abzulenken, gerecht zu werden.

"Red‘ keinen Schwachsinn, sie wird ihre Gehfähigkeit ver...."

"Ned, sei still! Finn, sprich weiter!" befiehlt Marguerite.

"Sie kommt.... sie kommt.... Aaaaaaaahhhhhhhh!" Die Wehe ist nun eingetroffen und zieht Veronicas Magen krampfhaft zusammen.

"Und pressen, Veronica, pressen" redet Challenger ihr ein.

"Aber das Atmen nicht vergessen... ein und aus... ein und aus" sagt Marguerite. Veronica quält sich zu atmen, was ihr nicht gerade leicht fällt. "Ja genauso, du machst das super!" behauptet Finn.

"Ich kann schon den Kopf sehen!" gibt George Bescheid.

"Bist du dir sicher?" fragt Malone freudig und will schon schauen, als Marguerite ihn an den Schultern zurückzieht. "Hast du schon vergessen, dass dir von Blut schwindlig wird!?" meint sie schnippisch.

"Wird mir gar nicht!"

"Ich warne dich, solltest du schauen und deswegen in Ohnmacht fallen, werde ich dich einfach auf dem Boden liegen lassen und nicht medizinisch pflegen" mahnt die Brünette den Reporter. "Du könntest deiner Frau statt dessen die Stirn mit dem kühlen Lappen abtupfen." Sie hält ihm den Lappen und die Schüssel mit kaltem Wasser hin, beleidigt nimmt Ned es entgegen.

"Pressen, Veronica, du musst pressen" fleht Challenger die Blondine an.

"Ich kann nicht mehr" klagt Veronica.

"Du hast es gleich geschafft, ich kann es schon bis zum Bäuchlein hin bewundern" gibt der Professor Auskunft. "Noch einmal ganz fest pressen, dann ist das erste Baby draussen!"

"Wie schön... und das Ganze darf nachher nochmals machen."

"Tja, wer wollte hier Kinder kriegen!?" erinnert Finn ihre Freundin.

"Süsse, das ist nicht gerade aufmunternd" meint Marguerite.

"‘Tschuldigung" gibt das Finny kleinlaut von sich.

"Macht..... niiiiiiichts!" Die Blondine beisst ihre Zähne zusammen...

"Es ist draussen!" schreit Challenger freudig auf. Veronica bricht in Freudentränen aus sowie Malone. "Und was ist es?" fragt er ungeduldig.

"Ich darf zur pinkfarbenen Decke greifen.... Jessica Abby Malone-Layton ist so eben zur Welt gekommen." Challenger strahlt übers ganze Gesicht, als wäre es sein Kind, dass er in den Armen hält. Er hat das Baby in die Decke gewickelt und überreicht dem glücklichen Elternpaar ihr Kind.

"Sie ist bezaubernd!" meint Veronica überglücklich und schluchzt auf.

"Sie hat deine Nase" behauptet Malone, während ihm eine Träne über die Wange kullert.

"Ja, und sie hat deine blauen Augen."

"Finn, hast du dir die genaue Zeit notiert?" erkundigt sich Challenger bei seiner ersten Assistentin.

"Wurde gemacht, Sir!" bestätigt Finn es.

"Ich gratuliere euch von ganzem Herzen zu eurem ersten Kind!" meint Marguerite und umarmt die beiden.

"Danke... danke für deine Hilfe!" sagt Veronica und schliesst ihre Freundin in die Arme.

"Autsch!" Marguerite weicht zurück.

"Hast du es auch gespürt?" fragt die Blondine.

"Ja, Joshua hat uns getreten... Ich glaube, er will jetzt auch rauskommen" vermutet die Brünette.

"Alle auf ihre Positionen... ähm, Ned?"

"Ja?" fragt der Reporter überrascht.

"Wo gehst du mit Jessica hin" will Challenger wissen.

"Zu den anderen ins Wohnzimmer. Schliesslich haben sie auch ein Anrecht das Baby zusehen."

"Können wir, das nicht später tun, wenn beide da sind?" schlägt Veronica vor.

"Nein, danke... du kannst mit Joshua doch noch warten, bis ich mit Jessica wieder zurück bin."

"Hallo!? Ich bin hier nur schwanger und bestimme nicht, wann wer kommen soll... Hast du das schon vergessen!?" verteidigt sich die Blondine.

"Na schön, du hast gewonnen. Ich lege Jessica ins Bettchen."

"Danke, das ist sehr rücksichtsvoll von dir" lautet Veronicas Kommentar dazu.

"Wie lange dauert das da drinnen noch?" Richard ist super ungeduldig-

"Na, das kann schon noch eine Weile dauern" behauptet Roxton. "Marguerites Geburt ging 30Minuten lang."

"Was, Mami hat so lange für mich gebraucht?" fragt die kleine Mailyn ihren Vater überrascht.

"Ja, mein Schatz, du brauchtest ganze 30Minunten."

"Und ist das gut oder schlecht?" will die Kleine wissen.

"Diese Frage darfst du dir gerne für Mami sparen, sie kann es dir besser beantworten als ich."

"Wenn du meinst, dann warte ich eben noch auf die Antwort."

"Ein süsser Fratz bist du!" sagt Jesse gerührt. "Wie sich wohl George als angebliche Hebamme so macht? Ich würde ihm jetzt liebend gerne zusehen, aber leider dürfen wir vier nicht dort drinnen sein. Was für ein Pech!"

"Oder auch nicht" meint Richard traurig und erleichtert zugleich. "Was denkt ihr, wann wird Veronica in den Beinen behindert werden?"

"Das ist jetzt wirklich ein schlechter Zeitpunkt dieses Thema anzuschneiden... ich habe es nämlich schon fast wieder vergessen, aber dank dir, weiss ich es jetzt wieder. Und ich kann dazu nur sagen, dass ich keine Ahnung habe! Ich bin kein Hellseher, wie du vielleicht schon bemerkt hast" meint Roxton ein bisschen genervt.

"Aber deine Frau konnte Hellsehen und beherrscht die Linguistik und die Teleportation zu und mit Mailyn."

"Sie ist auch die Nachfolgerin einer Druidenpriesterin und muss dafür vielseitig begabt sein. Ich hingegen bin ein ganz normaler Stadtjunge der aus einer vermögenden Familie stammt sowie du."

"War ja nur ne Frage" murmelt Richard kleinlaut vor sich hin.

"Hallo! Seid ihr Zuhause?" hört man eine Frauenstimme von draussen her rufen. Roxton geht zum Balkon, er hat die Stimme bereits erkannt. "Hallo Assai, was machst du hier?"

"Ich wollte zusammen mit Illario Veronica besuchen kommen, weil sie doch bald die Babies bekommen soll."

"Das trifft sich gut." Richard ist am Gelände erschienen. "Sie liegt seit 15Minuten in den Wehen."

"Oh, dann wollen wir uns lieber mal beeilen. Roxton, schickst du uns den Aufzug runter?" bittet Assai.

"Ja, klar! Kommt sofort."

 

"Bist du bereit fürs zweite Kind?" will Challenger von Veronica wissen.

"Von mir aus kann’s losgehen, wenn ihr auch soweit seid!" meint die Blondine und nickt ihren beiden Freundinnen zu, die sich in der anderen Ecke im Zimmer befinden.

"Was meinst du, wird es jetzt dann passieren?" fragt das Finny die Brünette.

"Ich hoffe es nicht, aber Isadore hat gesagt, dass ihre Visionen immer in Erfüllung gehen."

"Du meinst 99,9% wird Veronica noch heute Nacht körperlich behindert werden." Finn kann es immer noch nicht fassen... Es erscheint ihr so unwirklich, weil alle darüber wissen und sich auch schon drauf vorbereitet haben. Challenger hat mit Roxton zusammen einen einfachen, aber effektiven Rollstuhl gebaut, der da wäre um benützt zu werden.

"Lass uns jetzt zu ihr gehen und uns nichts anmerken lassen. Rede ihr weiterhin Positives ein, okay!?"

"Klar, ich werd’s versuchen, aber ich gebe keine Garantie ab" versucht sich das Finny am Riemen zu reissen.

"Von mir aus können wir weitermachen" behauptet Marguerite mit einem aufgesetzten Lächeln im Gesicht.

"Bist du soweit?" erkundigt sich Malone. Veronica nickt, zwar nicht mit voller Überzeugung, aber sie gibt sich trotzdem alle Mühe und hofft ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

"Gut, wie beim ersten Mal: Pressen, wenn eine Wehe kommt."

"Ich hab’s kapiert."

"Na, hoffentlich dauert’s nicht allzu lange bis die nächste Wehe kommt" meint Malone.

"Warum das denn, kannst du es kaum erwarten deinen Sohn in den Armen zu halten?" fragt Veronica ihren Mann.

"Ich bin nun mal so, ich liebe dich... Ich liebe Jessica und ich werde Joshua lieben. Ich bin eben so glücklich endlich eine Familie gegründet zu haben mit der bezauberndsten, geheimnisvollsten Frau der Welt!" gesteht Ned der Blondine.

"Das ist süss!" Sie umarmt ihn.

"Au! Jetzt hat er auch mich getreten, diese kleine Kröte." Ned reibt sich seinen Bauch.

"Er hat also mit dem Fuss gestrampelt und dich am Bauch getroffen?" hakt der Professor nach. "Ja, er hat mich genau hier getroffen!" Malone deutet auf seinen Bauchnabel.

"Und bist du dir sicher, dass es sein Fuss war und nicht seine Hand" verhört Challenger den Reporter. "Hey, das wäre eigentlich meine Rolle, andere Leute auszufragen... zu interviewen" bemerkt Malone. "Hat er dich nun mit dem Fuss getroffen oder nicht!?" George wird langsam aber sicher ungeduldig. "Ja, ich glaube schon, dass es sein Fuss war."

"Veronica?" hakt George nach.

"Es war definitiv sein Füsschen."

"Oh nein, das ist keine gute Nachricht.... Marguerite, als du Veronica umarmt hast, hat dich Joshua da auch schon eher unterhalb des Bauches erwischt?"

"Ja, jetzt wo du es sagst, aber.... Nein, das ist unmöglich!"

"Was ist unmöglich!?" Veronica wird von diesem Gerede ganz nervös.

"Es scheint so, als wäre Joshua verkehrt in deinem Bauch plaziert."

"Wie meinst du das?" sprudelt es aus Finn heraus, ehe Veronica etwas hätte sagen können.

"Warte, ich erkläre es dir" meldet sich Marguerite freiwillig. "Normalerweise sollte ein Baby immer mit dem Kopf voran aus dem Mutterleib kommen, deshalb sind wir jetzt so aufgeregt."

"Aber was ist daran verkehrt, wenn das Baby falsch herum oder eben mit den Füssen voran zuerst herauskommt?"

"Es könnte zu wenig Sauerstoff kriegen, falls es dann schon beginnt zu weinen und man kann es besser aus dem Mutterleib ziehen, da sein Körper noch ziemlich klein ist und man es sonst verletzen könnte."

"Das ist ja furchtbar!" Hört man Veronica entsetzt sagen.

"Und, was können wir jetzt tun!?" Malones Körper spannt sich an.

"Ein Kaiserschnitt ist jetzt das einzige, was uns noch helfen kann" behauptet Marguerite.

"Ist ein solcher Eingriff gefährlich?" erkundigt sich Finn.

"Wir wissen es nicht. Ich habe Mittel, womit du, Veronica, in Narkose fällst, aber ich musste noch nie jemanden operieren."

"Na toll, das hört sich ja klasse an!" meint Ned nervöser denn je.

"Ich glaube, es ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir entscheiden müssen" spricht Marguerite das Unvermeidliche aus. "Willst du Joshua bekommen und dafür behindert werden, oder sollen wir versuchen das Kind so herauszuziehen... auf die Gefahr hin, dass es gelähmt werden oder sterben könnte."

"Ich habe schon einmal gesagt, dass ich meine Kinder heil auf die Welt bringen möchte. Koste es, was es wolle! Ich habe sie gezeugt und dafür muss ich jetzt geradestehen."

"Aber Veronica..."

"Nein, kein aber... Ich habe mich entschieden und damit Pasta... Schluss, aus und vorbei! Gib mir das Mittel, Challenger."

 

"Guten Tag, Assai" begrüsst Frau Challenger Veronicas einheimische Freundin. "Sie haben aber einen niedlichen Sohn, wie heisst er denn?" Assais Sohn hält sich hinter dem Rock seiner Mutter versteckt.

"Wir haben ihn Illario getauft. Das heisst übersetzt das Sonnenkind" sagt Assai.

"Und wie alt ist er?" erkundigt sich Richard.

"Illario ist so alt wie ich!" mischt sich Mailyn ins Gespräch ein. "Kann er schon reden?" will das Mädchen wissen.

"Ja, das kann er. Mittlerweile beherrscht er rund 150Wörter, jedoch in seiner Sprache, also nicht Englisch."

"So ein Mist, dann kann ich mich mit ihm ja gar nicht unterhalten" meint die Kleine beleidigt und macht sich wieder an ihrem Malkasten zu schaffen.

"Illario ist ziemlich schüchtern, er wäre darum kein geeigneter Spielkamerad für Mailyn" erzählt Assai. "Tut mir Leid, Süsse."

"Und malen tut er auch nicht gerne?" hakt das Mädchen nach.

"Doch eigentlich schon, aber ich glaube, er getraut sich nicht."

"Das wollen wir gleich ändern" meint Roxton, streckt dem kleinen Knirps die Hand hin, die er überraschenderweise annimmt und führt ihn dann zu Mailyn hin.

"Hier, du kannst dich darauf setzen." Mailyn deutet auf einen Stuhl neben sich, schiebt ihm ein Blattpapier und Schreibzeug hin. Der Kleine beginnt sofort zu malen, Mailyn macht es ihm gleich.

"Wären sie nicht ein süsses Pärchen" behauptet Jesse im Flüsterton, so dass nur die Eltern diese Bemerkung hören können.

"Ja, das sind sie tatsächlich" antworten Assai und Roxton gleichzeitig.

"Willst du Illario nicht zweisprachig aufwachsen lassen?" erkundigt sich der Lord. "Ich meine, wenn er schon einmal die Gelegenheit hat."

"Eine gute Idee, auf die ich noch gar nicht gekommen bin. Ich frage aber zuerst noch Jar, nicht dass ich dem Kind eine andere Sprache beibringe und wir uns deswegen dann trennen."

"Soll ich dir das ABC beibringen?" fragt Mailyn den Kleinen ohne eine Antwort zu erhalten. Illario schaut sie nur mit grossen Augen an.

"A wie Apfel" sagt das Mädchen und beginnt einen Apfel aufs Papier zu malen. "Jetzt du, sprich mir nach.... A wie Apfel." Doch der Kleine bleibt stumm. Assai hat das Ganze mit verfolgt. "Illario, soze si nav."

"A... Apfel" sagt der Knabe kleinlaut.

"Ja, sehr gut und weiter so" lobt Mailyn ihren neuen Freund. "B wie Baum!"

"B... Baum."

"C wie Clown!" Die Kleine versucht einen Clown mit grossen Füssen und roter Nase zu malen, über den Illario lachen muss. "Clown!"

"Ja, das ist ein Clown. Die sind sehr lustig und kommen im Zirkus vor."

 

"So, das Mittel hat sie vor einer halben Stunden gekriegt... Jetzt können wir mit der Operation beginnen" gibt Challenger Auskunft. Veronica liegt auf dem Bett, sie hat sich das Shirt ausgezogen und trägt nun nur noch einen BH. "Malone, ich glaube es wäre das Beste, wenn du das Zimmer zusammen mit Jessica verlassen würdest" wendet sich der Professor an den Reporter.

"Aber ich will hier bleiben bei meiner Frau."

"Ned, wir haben dir schon einmal gesagt, dass wir dich in diesem Fall nicht gebrauchen können. Du konntest und wirst nie Blut sehen können" behauptet Marguerite bestimmt, so dass Malone keine andere Wahl bleibt, als das Zimmer mit seiner Tochter zu verlassen.

"Gut, und was jetzt?" erkundigt sich Finn.

"Veronica hat die gleiche Blutgruppe wie du und ich" erzählt George. "Damit sie nicht allzuviel Blut verliert, muss einer von uns beiden sich zur Bluttransfusion freistellen."

"Ich mach das gerne für meine Schwester!" erklärt sich Finn freiwillig. Sie sticht Veronica mit der einen Spritze, während sie die andere an ihrem Arm befestigt. "Gut, nun müsst ihr beide die Ventile ganz langsam öffnen."

"Ist das Messer sterilisiert worden?" will Challenger von Marguerite wissen.

"Ja, ist es."

"Gut, dann reiche es mir jetzt bitte." Marguerite will George das Messer überreichen, doch macht sie einen Rückzieher.

"George, ich weiss, Veronica vertraut dir... wir alle vertrauen dir, aber ich habe gesehen, was passiert ist und ich kann das nicht verantworten. Du bist kein Arzt sondern Wissenschaftler... du hast keine Ahnung, wie du sie aufzuschneiden hast. Du könntest das Baby verletzen oder Veronica gelähmt machen...."

"Marguerite, ich habe Veronica auf all die benannten Punkte aufmerksam gemacht, doch sie wollte nicht auf mich hören. Ich gebe mein Bestes, aber ich kann nicht versprechen, dass es gut kommen wird."

"Okay, wie du willst." Schliesslich überreicht die Brünette ihm doch noch das Messer und Challenger kann mit der Operation beginnen...

 

"R wie Rose!" Mailyn und Illario sind immer noch mit dem ABC-Spiel beschäftigt. "Rose... wow!" meint der kleine Illario und deutet auf das gemalte Bild von Mailyn. "Ja, die Rose ist wirklich eine sehr schöne und romantische Blume, wenn man verliebt ist, schenkt man die dem Partner... der Partnerin. S wie Schlange!"

"Ah... Schlange.... böse!"

"Ja, die Schlange ist ein sehr gefährliches Tier... Die Schlange kann dich würgen" Mailyn hält ihre Hände an ihren Hals und tut so, als würde sie sich würgen. "oder sie kann dich durch ihren Biss vergiften." Wieder tut sie so, als würde sie sich beissen, verdreht anschliessend ihre Augen und spielt tot. Illario schaut sie ängstlich an.

"Keine Sorge, unsere Eltern sind ja bei uns und beschützen uns." Mailyn deutet auf Assai und Roxton und legt anschliessend die Arme um ihren Körper. "T wie Tanzen!" Das Mädchen steht auf und tanzt Illario was vor. Das gefällt ihm sehr und er steht ebenfalls auf. "Für T habe ich noch ein Wort... T wie Tango, das ist ein Tanzschritte. Warte, ich zeige ihn dir vor." Mailyn legt ihren linken Arm um Illarios Schulter, während sie ihre rechte Hand seine legt. Die Kinder beginnen zu tanzen, anfangs steht Illario Mailyn noch ziemlich oft auf die Füsse, aber bald schon hat er es besser im Griff.

"Und jetzt Tanzen sie bereits" meint Roxton zu Assai.

"Wer weiss, vielleicht werden sie mal heiraten" meint die Einheimische.

"Na, wenn sie so weitermachen, dann bestimmt."

 

"Geschafft!" meint Challenger erleichtert, drückt Marguerite das Baby in die Arme und wischt sich erleichtert mit dem Hemdsärmel die Schweisstropfen auf seiner Stirn weg. "Joshua Thomas Malone-Layton ist nun geboren worden! Finn notiere bitte auch diese Geburtszeit." Die Blondine tut wie ihr geheissen, trennt sich von der Bluttransfusion und schreibt die genaue Uhrzeit auf einen Zettel auf.

"So, jetzt müssen wir das Ganze nur noch zu nähen" erinnert Marguerite den Professor daran. Sie hat den kleinen Knirps in die blaue Decke gewickelt und ins Bettchen gelegt.

"Hoffentlich hat sie es heil überstanden" betet Finn.

"Ja, das wäre wirklich wunderschön" stimmt die Brünette ihrer Freundin zu.

"So, wir sind fertig. Die Wunde ist zugenäht!" erstattet Challenger Bericht.

"Sollen wir hier warten bis sie wieder aufwacht oder sie schlafen lassen?" erkundigt sich Marguerite.

"Ich glaube, wir lassen sie jetzt besser schlafen" behauptet George.

"Ich bleibe noch hier und warte bis sie aufwacht" meint Finn.

"Okay, von mir aus." Challenger öffnet die Türe. Malone sitzt zusammen mit Jessica davor und schaut den Professor nun erwartungsvoll an.

"Joshua hat die Geburt heil überstanden, der Kaiserschnitt verlief in dieser Richtung erfolgreich. Leider wissen wir noch nicht, wie es mit der Gesundheit von Veronica steht."

"Ich werde bei ihr bleiben zusammen mit den Kindern" sagt Ned sofort und geht ins Zimmer. Währenddessen verlassen Challenger und Marguerite die Geburtsstätte und machen sich auf den Weg ins Wohnzimmer.

7.02 Eine Vision wird wahr(oder nicht?)

"Hallo meine Süsse" sagt Malone zu seiner Frau und streicht ihr liebevoll eine Strähne aus dem Gesicht. Es hat nicht lange gedauert bis sie nach dem Eingriff wieder zu sich gekommen ist, gerade mal 15Minuten. "Hallo!" meint Veronica noch ganz belämmert von der Narkose.

"Wie geht es dir?" erkundigt sich das Finny und tätschelt ihr die Hand.

"Naja, abgesehen von den Kopfschmerzen... eigentlich gut. Mir dröhnt der Kopf fürchterlich, das kann ich euch sagen" behauptet die Blondine.

"Challenger hat gesagt, dass die Wirkung der Narkose noch ein bisschen anhalten wird, aber bald wirst du wieder gesund sein!" versucht Finn ihre Freundin aufzumuntern, jedoch fügt die Blondine in Gedanken noch hinzu:

"Und wie steht es mit deinen Beinen?" hakt Ned nach. Gespannt sitzen der Reporter und das Fräulein aus der Zukunft auf der Bettkante und warten Veronicas Antwort ab.

 

"Und wie ist es gelaufen?" fragt Jesse sofort, als Challenger und Marguerite den Raum betreten.

"Wie fühlt sie sich?" will Assai wissen.

"Ah, hallo Assai, schön dass du hier bist. Soweit ich es beurteilen kann verlief der Kaiserschnitt gut... jetzt können wir nur noch abwarten und hoffen, dass sich Marguerites Vision nicht erfüllt" meint Challenger. Er und Marguerite sind nicht sofort ins Wohnzimmer gegangen, sondern haben sich noch ins neue Baumhaus gesetzt um dort in der Küche einen Kaffee zu trinken. Beide sind total schlapp von der Operation gewesen und haben darum Koffein benötigt.

"Mittlerweile sollte sie eigentlich aus der Narkose wieder erwacht sein" vermutet Marguerite, während sie auf ihrer Uhr die Zeit abliest. Roxton nimmt Marguerite an die Hand und zieht sie von der Gruppe fort. "Heute war ein strenger Tag für dich, du solltest schlafen gehen" rät Roxton seiner Frau.

"Nein, ich kann nicht. Ich will wissen, ob sie die Operation gut überstanden hat... ausserdem haben Challenger und ich gerade eben vorhin noch einen Kaffee getrunken. Ich wäre also viel zu kribbelig um ins Bett zu gehen" lügt Marguerite, denn die Tasse Kaffee hat ihre Müdigkeit auch nicht vertreiben können.

"Schatz, du kannst mich nicht anschwindeln, ich kenne dich zu gut. Geh dich ausruhen, bitte!" behauptet John.

"Versprich mir aber, dass du mich sofort weckst, wenn es Neuigkeiten gibt, okay!?"

"Ich werde dafür sorgen, versprochen."

"Danke, was würde ich nur ohne dich und Mailyn tun!" Marguerite schaut Roxton mit grossen Augen an. "Gute Nacht mein Schatz!" Er küsst sie auf die Stirn und lässt sie dann aus dem Raum gehen.

"Wie sehen die Babys aus?" erkundigt sich Richard.

"Sie haben blondes Haar und blaue Augen" erzählt Challenger. "Sie sind etwa 40cm klein und federleicht."

"Und wer kam zuerst auf die Welt?" will Assai wissen.

"Jessica! Sie kam ungefähr 45Minuten vor Joshua auf die Welt.... Finn hat die genauen Uhrzeiten notiert" antwortet Challenger.

"Apropos Finn, wo bleibt sie nur?" fragt Richard neugierig. Er hat seine Freundin seid über 3Stunden nicht mehr gesehen und vermisst sie schon schrecklich.

"Sie ist noch in Veronicas Zimmer zusammen mit Malone und den Zwillingen. Ich glaube, du und Assai könnt‘ sie jetzt mal besuchen gehen, falls sie schon aus der Narkose erwacht ist."

"Danke, Professor Challenger" meint der junge Herr erleichtert und macht sich zusammen mit Assai auf den Weg in Veronicas Zimmer.

"Wo ist Marguerite hingekommen?" will George wissen und schaut sich nach der Brünette um.

"Ich habe sie ins Bett geschickt... sie war hundemüde und konnte kaum noch auf den Beinen stehen. Zusätzlich hat sie die letzten Nächte nicht so gut geschlafen... wegen der Vision. Sie hatte immer wieder Alpträume davon" gibt Roxton Auskunft.

"Die Ärmste muss fix und fertig mit den Nerven sein!" meint Challenger mitfühlend. "Ich glaube, ich gehe jetzt auch ins Bett und ruh‘ mich dort ein bisschen aus."

"Warte auf mich, ich komme mit" sagt Jesse sofort und begleitet ihren Ehemann ins Schlafzimmer.

Jetzt ist Roxton alleine mit Mailyn und Illario. Die beiden Kinder scheinen immer noch hellwach zu sein und spielen derzeit gerade verstecken... denkt sich Roxton und setzt sich schliesslich an den Küchentisch um dort seine Waffen zu polieren.

 

"Komm schon, Vee" drängt Finn "Wie steht’s mit deinen Beinen? Kannst du dein rechtes Knie beugen?"

"Finn, bitte... dräng‘ mich nicht dazu. Ich will es doch versuchen, aber... ich habe Angst, dass ich sie nicht mehr bewegen kann" meint die Blondine traurig.

"Wir verstehen das" behauptet Malone.

"Das weiss ich doch, trotzdem... ich will nichts überstürzen." Eine ganze Weile lang sitzen die Freunde nur so da, bis es Veronica endlich versucht...

"Ich spüre mein rechtes Knie!" schreit Veronica begeistert auf.

"Klasse! Ich bin so stolz auf dich, meine Süsse" sagt das Finny überglücklich und erleichtert zur selben Zeit.

"Ja, ich bin auch froh, dass ich es bewegen kann."

"Aber..." meldet sich Ned zu Wort.

"Ja, Schatz, was bedrückt dich?" fragt Veronica mit einem Lächeln im Gesicht.

"Was macht das linke Knie?"

"Daran habe ich noch gar nicht gedacht" erkennt nun auch die Blondine.

"Ach, das wird schon okay sein... schliesslich hat es dein rechtes Bein auch überlebt" vermutet Finn.

"Das kannst du so nicht sagen, Finn" meint der Reporter "Es gibt auch Fälle, bei denen nur das eine Bein geschädigt wurde."

"Jetzt denk‘ doch nicht so negativ! Du machst mich ganz nervös" behauptet das Fräulein aus der Zukunft.

"Bitte, streitet euch nicht!" sagt Veronica und versucht statt dessen ihr linkes Knie zu bewegen, doch es gelingt ihr nicht. Sie versucht es noch einmal... wieder nichts. hofft die Einheimische. Sie streckt ihren Fuss, zumindest gibt sie ihrem Gehirn diese Information teil... doch die Funktion wird nicht ausgeführt. "Es geht nicht" meint die Blondine schliesslich verzweifelt.

"Wie meinst du das: ‚Es geht nicht‘!?" fragt das Finny verwirrt.

"Na, das es eben nicht geht, dass ich das linke Knie, den linken Fuss... ach was rede ich denn da. Ich kann das linke Bein gar nicht mehr bewegen!" Über Veronicas Wangen kullern Tränen.

"NEIN!" Finn ist von der Bettkante aufgesprungen und schaut ihre Freundin mit Tränen in den Augen an. "Das kann nicht wahr sein. Du bist ein guter Mensch... ein gesunder, guter Mensch! Du bist doch meine Schwester, du darfst nicht gelähmt sein!!!"

"Doch, es scheint so." Finn geht auf Veronica zu und umarmt ihre Freundin. "Ich werde immer für dich da sein, das verspreche ich dir!"

"Danke, Finn, das bedeutet mir sehr viel."

"Ja, zusammen werden wir es schon schaffen, nicht wahr, Malone!?" Ned hat bisher noch kein einziges Wort mit Finn, geschweige denn mit seiner Frau, gewechselt.

"Ned, sag‘ doch was!?" schreit Veronica ihren Mann verzweifelt an.

"Ich hab’s von Anfang an gewusst..."

"Was hast du von Anfang an gewusst?" will das Finny wissen.

"Dass ich die Kinder alleine grossziehen muss. Ich habe davon geträumt, seid wir erfahren haben, dass Veronica schwanger ist. Ich muss alles selber machen, weil sie nicht mehr gehen kann."

"Das wissen wir ja noch gar nicht, vielleicht kann sie auch mit der Hilfe eines Stockes oder so gehen. Sie ist ja nur auf einem Bein gelähmt."

"Nur!? NUR!!!!" Malone flippt nächstens aus. "Finn, was redest du denn da, sie ist behindert, nichts wird sich daran ändern."

"Hört auf.... ich bin immer noch anwesend, falls ihr das vergessen haben sollt!" wehrt sich Veronica.

"Entschuldigung, es tut uns Leid" meint Finn kleinlaut.

"Bitte verzeihe uns, Schatz" schliesst sich Ned der Blondine an. "Und jetzt versuche vom Bett aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen" schlägt der Reporter vor.

"Eine gute Idee, Malone" muss Finn zu geben und wendet sich an ihre Freundin. "Kann ich dir behilflich sein?" erkundigt sie sich. "Nein, es geht schon" lehnt Veronica dankend ab.

"Assai, wie lange soll ich hier noch warten?" erkundigt sich Richard. "Ich schlage hier bereits Wurzeln" behauptet dieser. Eigentlich wollten die beiden direkt ins Zimmer der Malonefamilie gehen, aber der Einheimischen ist auf dem Weg dorthin noch in den Sinn gekommen, dass sie dringend auf die Toilette muss.

"Ich bin ja schon fertig" meint Assai, während sie die Türe wieder öffnet. "Jetzt können wir die neue Familie besuchen gehen!"

"Das wurde aber auch Zeit" meckert Richard.

 

"So, nun ist aber Schluss mit Verstecken spielen" sagt Roxton zu den Kids und nimmt Mailyn auf seine Arme. "Ihr müsst auch irgendwann mal schlafen gehen."

"Aber Daddy, es war doch gerade so lustig" versucht es Mailyn bei ihrem Vater und wirft ihm einen zuckersüssen Hundeblick zu.

"Süsse, diese Tour zieht bei mir nicht... Mami kannst du damit reinlegen, aber nicht mich!" behauptet der Lord.

"Spielen!" sagt der kleine Illario und zieht Roxton an den Hosen um die Aufmerksamkeit des Mannes zu erlangen.

"Na schön, wenn ihr es unbedingt wollt, dann lasse ich euch noch eine Weile spielen... sagen wir 10Minuten."

"Eine Stunde" beginnt das Mädchen mit ihrem Vater zu verhandeln.

"Eine Viertel Stunde!"

"Eine Dreiviertel Stunde, und dann gehen wir ins Bett" behauptet die Kleine.

"Okay, treffen wir uns in der Mitte... ihr dürft noch 20Minuten auf bleiben und dann geht es ab ins Bett."

"Die Mitte liegt aber bei einer halben Stunde."

"Ach, warum bist du nur so clever!" meint Roxton und setzt sich wieder an den Küchentisch.

"Danke Dad!" sagt das Mädchen und wirft ihrem Vater einen Handkuss entgegen.

"Dankeschön" murmelt Illario vor sich hin.

 

Veronica kann sich ohne Probleme aufrichten, doch als sie einen Schritt wagt, bricht sie hilflos zusammen und landet auf dem Bett. "Versuch‘ es noch einmal" drängt Finn sie.

Die Blondine nimmt all ihren Mut zusammen und steht wieder auf... doch als sie den nächsten Schritt ansetzt, verliert sie zum zweiten Mal ihr Gleichgewicht und stürzt dieses Mal auf den Boden. Dort bleibt sie enttäuscht sitzen.

"Hast du dir weh getan?" fragt Malone sofort und kniet sich zu ihr nieder.

"Nein, es geht mir soweit gut."

"Dann probier es doch noch ein drittes Mal" schlägt das Finny vor.

"Ich schaffe es nicht!" klagt Veronica. "Warum verstehst du das nicht!?"

"Weil ich nicht will, dass du im Rollstuhl landest!"

"Finn, es ist nun mal mein Schicksal und daran kann ich auch nichts ändern" verlässt Veronica ihren Mut. Malone ist unterdessen aufgestanden und hat den Rollstuhl neben seine Frau geschoben. Jetzt helfen Finn und der Reporter Veronica beim Aufstehen und lassen sie vorsichtig in den Sitz gleiten. Gerade in dem Moment öffnet Richard die Türe und bleibt zusammen mit Assai wie vom Blitz getroffen stehen.

 

"Marguerite?" Roxton rüttelt seine Frau. "Marguerite, wach auf, es ist Besuchszeit!"

"Wie spät ist es?" erkundigt sich die Brünette.

"Kurz nach halb eins in der Nacht!"

"Wie geht es Veronica, kann sie gehen?" will Marguerite sofort wissen.

"Überzeuge dich doch selber" weicht Roxton seiner Frau aus.

"Schläft Mailyn bereits?" fragt das Fräulein noch ganz verschlafen.

"Nein, sie spielt mit Illario immer noch verstecken."

"Illario?" meint Marguerite verwirrt. "Ach ja klar, Assais Sohn." Marguerite reibt sich den letzen Schlaf aus den Augen, obwohl sie sich erst gerade hingelegt hat. "Sind die beiden denn nicht müde?"

"Nö. Das letzte Mal, vor 10Minuten, als ich nach ihnen geschaut habe, waren sie noch quicklebendig" behauptet der Lord.

"Na, dann ist ja alles in Ordnung."

 

"Jesse! George! Es ist Besuchszeit!" ruft Roxton im alten Baumhaus in Richtung des Schlafzimmers der beiden. Es dauert nicht lange und Challenger hat das Wohnzimmer erreicht. "Wir sind schon da!" sagt er und knöpft sich den Morgenmantel zu, seine Frau folgt ihm ins Zimmer der Malonefamilie. Dort sitzen sie bereits: Malone auf der Bettkante, seinen Arm hat er um Veronica gelegt; Finn hat es sich auf dem nächsten Stuhl bequem gemacht; Assai sitzt ebenfalls auf der Bettkante; Richard steht neben der Türe und Veronica sitzt in ihrem Rollstuhl, in den Armen hält sie die Zwillinge.

"Oh mein Gott, du sitzt im Rollstuhl!" Challenger bleibt erschrocken stehen. "Veronica, es tut mir so schrecklich Leid, es ist alles meine Schuld!"

"Ach Quatsch, George, ich wollte es so haben und kannte die Konsequenzen... glaube mir, du hast das Richtige getan. Jessica und Joshua sind heil und munter auf die Welt gekommen."

"Jö, sind die süss!" meint Roxton. "Sind es eieige Zwillinge oder zweieige?" erkundigt sich der Lord.

"Eieige!" schiesst es aus Malones Mund wie aus einer Pistole.

"Und wie könnt ihr sie auseinanderhalten, wenn sie die gleichen Kleider tragen?" will Richard wissen.

"Also, Jessica hat grünblaue Augen und Joshua graublaue" erzählt Veronica stolz.

"Ihr habt wirklich bezaubernde Kinder." Jesse ist gerührt.

"Hoffentlich verstehen sie sich dann gut mit Illario" hofft Assai.

"Und mit Mailyn" fügt Roxton hinzu.

"Zurück zu deinen Beinen, Veronica" lenkt Challenger auf das altgewohnte Thema zurück. "Wieviel Prozent spürst du?"

"Also, rechts spüre ich beinahe 100%, aber links spüre ich momentan überhaupt nichts, darum muss ich auch die nächste Zeit im Rollstuhl, also sitzend verbringen."

"Ein Gehstock hilft da auch nicht?" erkundigt sich Marguerite.

"Wir haben’s versucht, aber es will nicht hinhauen... zumindest jetzt noch nicht" sagt Veronica.

"Also, ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft!" lautet Jesses Glückwunsch.

"Ja genau, und dass ihr gut mit den Kindern und deiner Krankheit zurecht kommt!" fügt Challenger hinzu.

"Ja, ich wünsche euch in Etwa dasselbe!" behauptet Assai.

"Und ich ebenfalls" hält sich Richard kurz und knapp.

"Ich glaube, wir sollten jetzt alle ins Bett gehen und uns ausruhen nach diesem langen und anstrengenden Tag" schlägt Marguerite vor, drückt Veronica einen Kuss auf die Wange und verlässt dann das Zimmer des frischgebackenen Elternpaars. Roxton folgt ihr, im Wohnzimmer nimmt er noch Mailyn auf seine Arme und trägt sie in ihr Bettchen.

Auch Richard und Finn verabschieden sich von Malone und Veronica und gehen schlafen. Assai macht sich ebenfalls auf den Weg ins Wohnzimmer, wo sie Illario antrifft und im 1.Stock das Gästezimmer in Beschlag nimmt. Auch Jesse und Challenger gehen wieder ins Bett, so dass die Malonefamilie ihre Ruhe hat.

 

Am nächsten Morgen sitzen Veronica und Malone bereits am Tisch und frühstücken, als Challenger ins Wohnzimmer kommt. "Na, wie geht es dir?" will der Professor von Veronica wissen. Marguerite, die es sich auf dem Balkon gemütlich gemacht hat um dort ein Buch zu lesen, horcht interessiert auf.

"Toll!" schwindelt die Blondine und zwingt sich zu einem Lächeln.

"Und jetzt ernsthaft?"

"Naja, es geht es so!" gesteht sie schliesslich.

"George, was für eine blöde Frage!" schnauzt Malone den älteren Mann an, sowie es Marguerite noch nie vom Reporter erlebt hat. "Ihr geht es natürlich schlecht...."

"Ned, ist schon okay. Es geht mir gut, ehrlich, ein bisschen müde, aber sonst ist alles in bester Ordnung" versucht die Blondine ihren Mann zu beruhigen und streicht ihm über den Handrücken. "Ich werde dann mal wieder ins Bett gehen" sagt Veronica, setzt den Rollstuhl in Betrieb und fährt damit in Richtung der Schlafzimmern.

"Sie tut mir so schrecklich Leid!" meint nun Malone, als er ihr mitfühlend hinterher sieht.

"Ja, es muss schlimm für sie sein, nach so vielen Jahren gehend jetzt sitzenden durch die Gegend zu wandern."

"Warum musste sie nur Zwillinge bekommen!" Ned schüttelt traurig den Kopf. "Ein Baby hätte doch gereicht! Wieso, tust du(Gott) uns das an, wo sie sich doch immer so sehr fürs Gute eingesetzt hat" schreit der Reporter und blickt nach oben in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen.... "WIESO!?"

7.03 Auf Kräutersuche

"Schatz, hast du keinen Hunger?" erkundigt sich Roxton bei seiner Frau, die lustlos mit der Gabel im Abendessen herumstochert.

"Doch, eigentlich schon... es ist nur so, dass mir einer meiner Backenzähne ein bisschen Kummer bereitet."

"Du meinst, du hast Zahnschmerzen?" hakt der Lord nach.

"Ja, und zwar gigantische. Ich habe sie die letzten Tage über verkniffen, weil ich nicht wollte, dass Veronica sich unnötig aufregt, aber jetzt halte ich es kaum noch aus" brummt Marguerite kleinlaut vor sich hin.

"Du bist unglaublich, ehrlich..."

"Wie darf ich das denn verstehen?" fragt Marguerite mit einem leicht schnippischen Unterton in ihrer Stimme.

"Du ruinierst dir so noch deine Gesundheit."

"Oh bitte, halte mir jetzt bloss keinen deiner ‚Du-sollst-wieder-mehr-an-dich-denken Vortrag‘! Ich habe darauf nämlich gerade keinen Bock" gibt die Brünette ihrem Mann klar und deutlich zu verstehen.

"Wie du willst, ich verkneife mir meinen Vortrag. Aber wir sollten morgen sicherheitshalber noch bei Jakarta vorbeischauen. Ich bin mir sicher, dass er eine Medizin für dich hat."

"Wenn es unbedingt sein muss. Ich geh jetzt schlafen... bis morgen also." Mit diesen Worten schlendert Marguerite auf und davon.

Roxton räumt die Tellern vom Tisch und begibt sich dann ebenfalls ins Schlafzimmer.

 

"Finn, woran denkst du gerade?" fragt Richard seine Freundin und umarmt sie von hinten.

"Ach, ich habe nur daran gedacht, wie stark Veronica ist und wie toll sie ihr Schicksal aufgenommen hat" schwindelt Finn. Sie möchte Richard jetzt nicht erzählen, worüber sie wirklich nachgedacht hat, da sie ihn nicht unter Druck setzen möchte.

"Ja, ich bewundere sie ebenfalls. Sie hat echt eine starke Persönlichkeit. Kommst du mit ins Bett oder bist du noch nicht müde?" will der junge Herr wissen.

"Ich komme selbstverständlich mit dir."

 

"Veronica, soll ich dir helfen, die Kinder in ihr Bettchen zu legen?" fragt Assai ihre Freundin. Sie konnte sich noch nicht überwinden, sich von der Blondine zu trennen und wieder zurück ins Lager zu gehen, statt dessen verbringt sie schon die 4.Nacht im Baumhaus zusammen mit Illario, der mittlerweile ein richtig guter Freund von Mailyn wurde. Die beiden tun immer etwas zusammen, sei es verstecken spielen, malen oder das ABC lernen.

"Ja, gerne Assai" meint Veronica erleichtert und fährt bereits ins Kinderzimmer der Zwillinge, Assai folgt ihr mit je einem Kind auf ihren Armen. "Hier, gib Mama einen Gutenachtkuss" sagt Assai zu Jessica und hält sie Veronica hin. "Assai, sie wissen doch noch überhaupt nicht, was das bedeuten soll und erst recht nicht, wie man es ausspricht.

"Sorry, dann gib du ihnen eben einen Kuss" verbessert sich die Einheimische.

"Tschau Jessica, meine Süsse! Schlaf gut und träume was Schönes, Joshua... und bitte, kommt heute Nacht ausnahmsweise mal nicht, sonst flippt euer Daddy aus, ja!?"

"Apropos Vater, wo steckt er eigentlich?" will Assai wissen.

"Er ist bereits im Bett und schläft dort vor, da er sehr wahrscheinlich heute Nacht wieder aufstehen muss, wenn eines der Babies schreit."

"Ach so, verstehe. Na, dann wünsche ich dir eine schöne, erholsame Nacht. Bis morgen!"

 

Am nächsten Morgen klagt Marguerite immer noch über ihre schrecklichen Zahnschmerzen. "Wenn ich nicht bald etwas dagegen unternehme, drehe ich noch durch! Wann gehen wir endlich zu Jakarta?"

"Schatz, jetzt sei doch nicht so ungeduldig... schliesslich wolltest du gestern davon noch gar nichts wissen. Ausserdem müssen wir noch auf Assai warten" behauptet Roxton.

"Wieso? Sie kommt doch nicht mit, oder?"

"Keine Ahnung, vielleicht möchte sie wieder zurück ins Lager gehen und müsste somit nicht alleine mit Illario durch den gefährlichen Dschungel spazieren."

"Du denkst wirklich immer an alles" gibt die Brünette zu.

"Tja, so bin ich nun mal." Finn öffnet die Schlafzimmertüre und reibt ihre müden Augen. "Morgen!" gibt sie von sich und gähnt herzhaft.

"Finn, es ist nicht höflich zu gähnen ohne die Hand vor den Mund zu halten" klärt Marguerite ihre Freundin auf.

"Ja, ehrlich!? Ich dachte, das sei nur beim Husten so." Das Finny setzt sich an den Küchentisch und bemerkt erst jetzt, dass Roxton und Marguerite schon angezogen ist. "Warum habt ihr eure Kleider denn schon an? Habt ihr was vor, wovon ich nichts weiss?"

"Wir wollen Jakarta besuchen gehen und bei der Gelegenheit ein Schmerzmittel gegen mein Zahnweh abholen."

"Oh, das tut mir Leid für dich, Süsse. Hast du eine Ahnung, was es sein könnte?" erkundigt sich die Blondine.

"Ich vermute ein Loch im Zahn oder Zahnfleischentzündung, vielleicht auch was ganz anderes."

"Würde es euch was ausmachen, wenn ich euch zusammen mit Richard begleiten würde?" fragt das Finny schüchtern. "Er braucht unbedingt wieder mal frische Luft und Bewegung, nicht dass er mir noch eingeht."

"Nein, natürlich nicht. Wir würden uns über deine und Richards Begleitung freuen... Vielleicht kommt Challenger auch noch mit."

"Wieso nicht!? Ich gehe Richard darüber informieren." Mit diesen Worten eilt Finn in ihr Schlafzimmer davon.

"Wieso denn Challenger, der ist doch schon seit Wochen bald Monaten mit seiner neuen Erfindung für einen Nahrungsmittelersatz beschäftigt" meint Roxton.

"Ja, ich weiss, aber er hat mir gestern verraten, dass er zur endgültigen Vervollständigung noch ein bisschen Chicle braucht."

"Was soll das denn bitte sein!?" will Roxton wissen und zieht eine Augenbraue hoch.

"Da musst du nicht mich fragen, aber ich glaube mich zu erinnern, dass es Bäumen gewonnen wird."

 

"Hey Challenger!" ruft Finn dem Professor, als sie ihm im Wohnzimmer des alten Baumhauses über den Weg läuft. "Wie steht’s mit deiner Erfindung? Bist du schon weitergekommen?"

"Leider noch nicht" sagt Challenger kurz und knapp, da er in Eile zu sein scheint.

"Warum denn nicht?" Finn lässt nicht locker.

"Weil ich noch eine Unmenge an Chicle brauche" erwidert Challenger schliesslich ein bisschen genervt.

"Und was ist das, wenn man fragen darf?"

"Chicle wird aus dem Sapodillbaum gewonnen, es ist eine Art biologischer Gummi!" erklärt der Professor.

"Ach so, und das soll einen Nahrungsmittelersatz werden!?" Die Blondine hält diese Erfindung für unmöglich... einen Quatsch, sowie das Elixier, ab dem George fast gestorben wäre.

"Ich sollte mich nun wirklich auf den Weg machen" verabschiedet er sich schlussendlich vom Finny und will gerade in den Aufzug steigen, als Marguerite, Mailyn und Roxton im Wohnzimmer erscheinen.

"Hey George, wohin willst du gehen?" erkundigt sich der Lord.

"Ich geh‘ auf die Suche nach Chicle" gibt der Professor Auskunft.

"Das trifft sich aber gut. Wir wollten dich nämlich gerade fragen, ob du uns zu den Zangas begleitest... wir brauchen dort eine Medizin gegen meine Zahnschmerzen" erzählt Marguerite.

"Na, wenn das so ist, komme ich selbstverständlich gerne mit. Springt rein!"

"Geht nicht, wir müssen noch auf Assai und Richard warten" berichtet Finn.

"Ihr wollt auch mitkommen?" fragt Challenger verwundert.

"Ja, wenn du nichts dagegen hast."

"Natürlich habe ich nichts dagegen, aber ich wäre froh, wenn sie ein bisschen schneller machen könnten."

"Ich werd‘ Richard Bescheid sagen" meint das Finny sofort und düst in Richtung des neuen Baumhauses davon. Jetzt erscheint Assai im Raum. "Morgen!" ruft es den anderen zu.

"Morgen, Assai. Du, wir wollten dich fragen, ob du mit zum Zanga-Dorf kommst" sagt Marguerite "oder möchtest du lieber noch ein Weilchen bei Veronica bleiben."

"Also, wenn es euch nichts ausmacht, bleibe ich gerne noch länger hier und helfe meiner Freundin bei der Erziehung der Zwillingen."

"Ist schon gut!" beschwichtigt Challenger und blickt ungeduldig auf seine Uhr. "Wo bleiben unsere Turteltauben nur."

"Ähm, was wollt ihr eigentlich in meinem Dorf?" will die Einheimische wissen.

"Wir gehen Jakarta besuchen, ich brauche doch noch ein Mittel gegen meine Zahnschmerzen" erzählt Marguerite zum Hundertstenmal ihr Problem. Roxton kann es langsam nicht mehr hören.

"Oh, da muss ich dich enttäuschen. Jakarta ist zurzeit nicht in unserem Dorf tätig."

"Wieso nicht!?" interessiert sich Challenger nun für Assai.

"Er wird bei den Tauchis gebraucht, Lebensmittelvergiftung und Malaria plagen derzeit unser Nachbarstamm."

"Ist das nicht ansteckend?" fragt der Professor sichtlich schockiert.

"Nun ja, eigentlich schon, aber unser Nachbarstamm ist nicht wirklich ein Nachbar von uns. Sie leben 23Meilen von uns entfernt" klärt Assai die Situation.

"Na dann, habt ihr ja nochmals Glück gehabt" gibt Roxton von sich.

"Aber was machen wir jetzt mit Jakarta... Ich laufe nicht 23Meilen nur für eine läppische Medizin, das ist entschieden zu weit."

"Schatz, du brauchst aber seinen Rat für eine gescheite Medizin... er ist nicht umsonst ein berühmter Medizinmann" behauptet John.

"Auch wenn er der Beste hier im Lande ist, ich möchte dort nichts Essen oder mit Malaria angesteckt werden, verstanden!?" bleibt Marguerite stur.

"Eins zu null für sie, John. Ihr dürft euer Leben nicht wegen Zahnweh aufs Spiel setzen" springt Challenger für Marguerite ein. "Assai, kennst nicht du eine Methode, wie wir Marguerites Zahn heilen könnten?"

"Ja genau, was macht oder gibt Jakarta euren Leuten, wenn sie dasselbe Problem haben?" erkundigt sich der Lord.

"Warte... lasst mich kurz überlegen" sagt die Einheimisch und schliesst ihre Augen.

"Hoffentlich nicht irgendwelchen Hokuspokus" flüstert Marguerite Mailyn zu. Roxton hat diese Bemerkung gehört und verdreht genervt seine Augen. Die Kleine kichert vergnügt über das Gesagte.

 

Veronica versucht alleine in den Rollstuhl zu steigen, erstens möchte sie nicht Ned wecken, weil er wieder eine schlechte Nacht hinter sich hat, zweitens will sie nicht ständig auf fremde Hilfe angewiesen sein und drittens... Veronica sitzt auf der Bettkante und zieht den Rollstuhl ans Bett heran. Sie stützt sich auf den Lehnen des Stuhles ab und schwingt sich elegant hinein. Doch weil sie zu viel Schwung genommen hat, kippt der Rollstuhl um und sie landet mit einem lauten Knall auf dem Boden. Sie hat sich ihren Arm aufgeschürft. Zu allem Überfluss ist auch noch Malone durch den dumpfen Aufknall auf dem Holzboden erwacht. "Veronica, was machst du denn da!?" fragt er geschockt und geht sofort zu ihr hin. "Ich habe nur versucht, mich alleine in den Rollstuhl zu hieven" murmelt die Blondine kleinlaut vor sich hin. "Wie du siehst, hat es nicht geklappt."

"Vee, du hättest dir was brechen oder verstauchen können!" schimpft nun Malone mit seiner Frau.

"Ja, ich weiss! Ich bin nun mal eben ein mutiger Mensch!"

"Das finde ich nicht mutig von, sondern dumm, sogar sehr dumm!"

"Bitte, Ned, hör auf zu schreien. Ich wurde schon genug gestraft." Sie zeigt ihm die Schürfwunde.

"Veronica" seufzt der Reporter. Doch er lässt es lieber bleiben, ihr einen Vortrag zu halten. Er hilft ihr aufzustehen und in lässt sie in den Stuhl gleiten. Darauf hin geht er im Badezimmer einen kühlen Lappen holen und legt in ihr auf den Arm, damit dieser nicht anschwillt.

"Danke, für deine Hilfe!" sagt Veronica kleinlaut, jedoch vermeidet sie ihn anzuschauen.

 

"Es kann losgehen, wir sind soweit" behauptet Richard, als er und Finn das Wohnzimmer betreten.

"Wir gehen doch nicht ins Zanga-Dorf" meint Marguerite gelangweilt.

"Wieso denn nicht?" will das Finny wissen.

"Jakarta ist nicht. Er besucht einen anderen Stamm" beantwortet Assai Finns Frage.

"Toll! Jetzt habe ich mich extra beeilt, damit ihr nicht so lange auch mich warten müsst und nun ist alles für die Katz gewesen" mault Richard.

"Scheint so, als hätten wir einen zweiten Morgenmuffel unter uns" behauptet Roxton.

"Und wer von uns soll bitte auch noch ein Morgenmuffel sein!?" will Marguerite wissen.

"Dreimal darfst du raten!"

"Ned?" sagt die Brünette ganz spontan.

"Nö!"

"Dann Challenger!" behauptet sie weiter.

"Hey, ich bin doch kein Morgenmuffel" verteidigt sich der Professor.

"Das siehst du ganz richtig, George."

"Veronica? Nein, sie ist immer super nett frühmorgens.... dasselbe gilt für Finn. Vielleicht Jesse?" ratet Marguerite.

"Wieder falsch. Soll ich verraten, wen ich meine?" fragt Roxton seine Frau.

"Gerne, denn ich blicke wirklich nicht durch."

"Mein lieber Schatz.... DU bist ein Morgenmuffel und zwar ein grausamer!" behauptet er.

"Du lügst! Ich bin am Morgen nie mufflig!" bestreitet Marguerite diese Behauptung.

"Oh doch, das bist du!" hält Roxton zu seiner Meinung. "Nicht, Leute!?" Er wendet sich an die anderen, doch diese schauen alle weg von ihm. Niemand möchte sich mit Marguerite in die Haare kriegen.... ausser Roxton, der spielt gerne diese Spiele mit seiner Liebsten.

"Siehst du, sie empfinden das nicht so!" schliesst die Brünette fälschlicherweise aus deren Gesten.

"Darling, alle wissen, dass du unausstehlich sein kannst, wenn du deinen Morgenkaffee noch nicht getrunken hast." Marguerite will sich dieses dumme Gerede nicht länger anhören und wendet sich beleidigt von ihm ab.

"Kommt ihr nun mit, oder nicht!? Ich suche nämlich noch Chicle und werde so oder so nach draussen gehen."

"Na schön, wenn du so lieb fragst, kommen wir eben mit!" sagt Finn für alle.

"Halt! Assai, muss mir noch sagen, welche Pflanze ich brauche gegen meine Zahnschmerzen."

"Also gut, da wäre einerseits das Morenaklee, das jedoch sehr schwer zu finden ist, andererseits gäbe es da noch das Weledakraut, das ausschliesslich Zahnschmerzen behandelt."

"Wo findet man das Weledakraut?" erkundigt sich die Brünette.

"An jedem Bach kann man dieses Kraut finden."

"Und wo hält sich das Morenaklee versteckt?" will Challenger wissen.

"Ähm, es gibt da so einen Spruch, den ich leider vergessen habe... irgend etwas mit Mondschein und See, aber mehr weiss ich auch nicht. Tschuldigung, für genauere Informationen müsstest du Jakarta um Hilfe bitte."

"Schon gut, ich werde mir es merken. Danke und bis später! Ach ja, und sag meiner Frau, dass sie Veronica ein bisschen unterstützen soll" ruft George der Einheimischen noch zu bevor er und die anderen in den Aufzug steigen und sich auf den Weg machen.

 

"Ich will ja nicht meckern, aber meine Füsse tun mir weh, ausserdem habe ich grossen Durst" klagt Richard schon nach anderthalb Stunden.

"Du bist wirklich total ähnlich wie Marguerite" behauptet Roxton und grinst seine Frau an.

"Haha, wirklich witzig, John!"

"Ach komm schon, Schatz, nimm es nicht so Ernst."

"Liebling" wendet sich Finn an ihren Freund. "Du bist eine Memme und das weißt du auch!"

"Das stimmt doch gar nicht!" sagt dieser beleidigt und schmollt vor sich hin... genau wie Marguerite.

"Seid ihr sicher, dass ihr keine Geschwister seid" mischt sich nun auch noch Challenger in das Gespräch ein.

"Halt die Klappe, George!" meint die Brünette schnippisch und läuft mit verschränkten Armen und wütendem Blick davon.

"Wow, wenn sie sauer ist, kann sie aber schnell laufen" bemerkt der Lord und eilt ihr hinterher.

"Süsse, wenn du so schnell läufst, kannst du nicht die Natur geniessen!"

"Geh weg, lass mich in Ruhe!" versucht Marguerite ihren Ehemann abzuwimmeln. Doch Roxton hält sie zurück. "Es tut mir Leid, ich hab’s nicht so gemeint."

"Doch hast du..."

"Mama" unterbricht Mailyn ihre Mutter.

"Ja, was ist meine Kleine?"

"Ich habe auch Durst" sagt das Mädchen und schaut ihre Mutter mit grossen Hundeaugen an.

"Jetzt noch nicht, wir sind doch erst seit anderthalb Stunden unterwegs."

"Bitte, Mama!" Jetzt macht das Mädchen auch noch einen Schmollmund, so dass Marguerite ihr nicht widerstehen kann. "Oh, da kann ich doch nicht nein sagen." Sie öffnet ihren Rucksack und reicht ihrer Tochter die Wasserflasche. Das Mädchen will gerade daraus trinken, als sie plötzlich einen Ast knacken hören...

7.04 Das Königreich

Sie hören einen Ast knacken, sofort zückt Roxton seine Waffe und dreht sich im Kreis herum, da er nicht genau weiss, wo sich das Lebewesen befindet. "Hoffentlich ist es kein Saurier" spricht Marguerite ein Stossgebet zum Himmel aus.

"Wer ist da?" fragt Richard angsterfüllt.

"Scht! So, was fragt man doch nicht!" meint das Finny und verdreht genervt ihre Augen.

"Tut mir Leid, ich wollte nur höflich sein" verteidigt sich der junge Herr im Flüsterton.

"Süsser, du musst noch viel lernen" behauptet das Finny.

"Wieso? Was habe ich nun schon wieder falsch gemacht!?" Richard steht den Tränen nahe.

"Könntet ihr bitte ruhig sein, sonst kann ich nicht ausmachen, woher das Geräusch gekommen ist" klärt der Lord die Störenfriede auf. Jetzt hören sie hinter sich Äste knacken... etwas kommt auf sie zu gerannt.

denkt der Professor, wendet sich aber trotzdem um, weil er sehen möchte, was es ist.

"Das ist ja eine Frau" bemerkt Mailyn.

"Und sie rennt vor uns davon" vollendet Marguerite den angefangen Satz ihrer Tochter.

"Halt, warten Sie! Ich... ich tu Ihnen auch nichts!" schreit Roxton dem Fräulein hinterher, steckt seine Waffe wieder zurück in seinen Gürtel, damit das Mädchen keine falschen Gedanken von ihm erhält. Die Brünette bleibt unsicher stehen und wendet sich schliesslich wieder zur Expeditionsgruppe um.

"Wow, hat die ein schönes Kleid an!" meint Finn, als sie dass hellblaue Kleid sieht.

"Und sie hat ein Krönchen auf dem Kopf" bemerkt Challenger.

"Wer sind Sie?" will Marguerite schliesslich wissen.

"Sprechen Sie überhaupt unsere Sprache? Verstehen Sie uns?" hakt der Professor nach.

"Ja, ich kann Sie verstehen, da ich dieselbe Sprache spreche" sagt das Fräulein mit einer sanften, hohen Stimme. "Ich bin Esmeralda Gina Watson IV(die Vierte)." Während Esmeralda spricht, kommt sie der Gruppe langsam entgegen. Unsere Freunde machen es ihr gleich.

"Schön, Sie kennen zu lernen, Eure Hoheit." Roxton verneigt sich vor dem Fräulein und küsst ihre Hand.

"Was machen Sie denn so alleine hier draussen im Dschungel?" erkundigt sich Marguerite, die Roxtons Geste etwas übertrieben findet.

"Mein zukünftiger Ehemann wollte mir sein Jagdgelände zeigen und mich mit dem Dschungel, den er zusätzlich zu unserer Stadt regiert, bekannt machen. Leider haben wir uns zerstritten..."

"Und Sie sind geflohen" beendet Marguerite den Satz.

"Ja, ziemlich dumm von mir. Und jetzt habe ich Angst zurückzugehen, weil er mich sicher nicht mehr sehen will" behauptet Esmeralda traurig und lässt ihren Kopf hängen.

"Kopf hoch!" meint Finn. "Wieso sollte er Sie nicht mehr zurück haben wollen?"

"Weil ihm so was ähnliches schon mal passiert ist."

"Wir werden Sie jetzt nach Hause bringen und sie können ihrem Liebhaber alles erklären, okay!?" schlägt George vor.

"Ja, das wäre sehr lieb von Ihnen. Aber bevor ich mit euch Fremden mitgehen kann, würde ich gerne noch eure Namen wissen."

"Sehr gerne, Eure Hoheit" übernimmt Challenger diesen Part. "Ich bin George Edward Challenger."

"Leidenschaftlicher Wissenschaftler" ergänzt Roxton.

"Das ist Finn" fährt der Professor fort.

"Sie kommt aus New Amazonia... aus der Zukunft!"

"Aus der Zukunft, wow! Aber das überrascht mich keines Falles, da dies wirklich ein unglaubwürdiges Plateau mit vielen Geheimnissen zu sein scheint" ist die Meinung der Prinzessin.

"Das ist Richard Worthing."

"Er stammt aus einer Adelsfamilie und ist erst seit kurzem bei uns mit dabei" sagt der Lord und zwinkert dem jungen Herrn zu.

"Das sind Lady Marguerite Roxton Montegomery und Lord John Richard Roxton zusammen mit ihrer Tochter Mailyn."

"Wir gehören ebenfalls einer Adelsfamilie an, jedoch nehmen wir unser Amt als Lady und Lord nicht so ernst."

"Ja, das ist wahr" bestätigt Marguerite. Esmeralda schüttelt allen die Händen und dann machen sie sich auf den Weg zum Camp des Königs und seiner Garde.

 

"Wo ist nur mein Mann abgeblieben?" wundert sich Jesse, als sie ihn im Labor nicht finden konnte.

"Er und die anderen sind auf Kräutersuche gegangen" erzählt Veronica. "Dein Mann braucht noch Chicle für seinen neuen Nahrungsmittelersatz."

"Aha, verstehe. Und wann werden sie wieder zurückkommen?"

"Das wussten sie auch nicht so genau, vielleicht schon heute Nachmittag oder erst morgen" vermutet der Reporter.

"Und warum sind zu sechst gegangen, wenn nur mein Mann das Interesse an diesem Kraut, oder was es auch immer ist, hat?"

"Nun ja, Marguerite leidet an Zahnschmerzen, Roxton hofft auf dem Weg dorthin noch ein Reh oder Wildschwein erledigen zu können, Richard braucht unbedingt mal wieder frische Luft und Finn ist als seelische Unterstützung dabei" erklärt Assai der Frau.

"Gut zu wissen. Und was machen wir heute so ganz alleine?" will Jesse wissen.

"Ach ja, Professor Challenger grüsst Sie noch und hat Ihnen beauftragt, dass Sie Veronica ein bisschen unterstützen sollten mit Kochen, eventuell einmal die Kinder wickeln und vielleicht noch Wäsche aufhängen" meint Assai kleinlaut.

"Ja, ja, mein lieber Ehemann denkt wirklich immer an alles."

 

"Das hier ist das Jagdgebiet meines Geliebten" gibt Esmeralda Auskunft und zeigt ihnen ein grosses Zelt auf einer Wiese.

"Roxton" stupst Marguerite ihren Mann an "das kennen wir doch, wohnt hier nicht..."

"Marguerite, meine Herzdame!" wird sie von jemandem mitten im Satz unterbrochen. "Wie schön Sie wiederzusehen. Sie haben sich nicht verändert, immer noch bezaubernd wie eine Rose."

"Gawain, die Freude liegt ganz auf meiner Seite" die Brünette ist baff.

"Und Sie sind älter geworden" bemerkt Roxton. "Nicht mehr so spitzbübisch und naiv, wie bei unserem ersten Treffen."

"Ihr kennt euch?" unterbricht Finn die anderen.

"Ja, das ist der Prinz, der mich heiraten wollte!" meint Marguerite freudig.

"Sie ist DIE Marguerite? Oh nein!" Esmeralda ist sichtlich geschockt und rennt in Richtung des Zeltes davon.

"Wie ich sehe, habt Ihr meine Zukünftige zurückgebracht. Danke!"

"Ich hätte nie gedacht, dass ich Sie wieder mal sehen würde" gesteht Marguerite immer noch fassungslos.

"Ja, ich auch nicht." Er schaut ihr tief in die Augen.

"Mhm" räuspert sich Roxton. "Darf ich vorstellen, das sind George Edward Challenger, Richard Worthing und die neugierige Finn."

"Ich bin nicht neugierig" behauptet die Blondine. "Ich bin nur offen für Neues!"

"Ach so. Und wer ist dieses süsse Mädchen?" erkundigt sich der Prinz.

"Das ist Mailyn, meine Tochter" sagt Marguerite stolz und strahlt übers ganze Gesicht.

"Lass mich raten, und ihr Vater ist niemand geringeres als Lord John Roxton."

"Korrekt!" meint der Vater glücklich.

"Dann hatte er also doch Recht, als er gesagt hat, dass ihr euch liebt" murmelt der Prinz vor sich hin.

"Wer hat das denn behauptet?" fragt Marguerite interessiert.

"Vordred hatte das gesagt. Obwohl er ein Versager war, hatte er mich in Liebessachen immer richtig beraten."

"Und was ist mit ihm geschehen?" erkundigt sich Roxton.

"Das Volk hat ihn zum Tode verurteilt. Letztes Jahr wurde er dann geköpft."

"Geköpft... Igitt!!!!" Richard sind solche Hinrichtungen fremd.

"Ach, Richard" seufzt Marguerite. "Wenn du wüsstest, was uns schon alles widerfahren ist, dann würde dir übel werden."

"Wollen wir wetten, dass ich diese Geschichten mir anhören kann ohne mich gleich übergeben zu müssen" behauptet der junge Herr aus London.

"Nenn ihm ein paar Beispiele!" fordert das Finny sofort heraus.

"Ähm, ich sollte jetzt mal mit Esmeralda reden. Ihr könnt euch solange hier umsehen" sagt Gawain und entfernt sich von unseren Freunden.

"Also gut." Marguerite schaut Richard tief in die Augen und meint mit schauerlicher Stimme. "Ich wurde beispielsweise schon fast einmal von Roxton mit dem Schwert aufgeschlitzt, in einem Dorf wäre ich irrtümlicherweise beinahe aufgehängt worden, mein Arm wurde mir annähernd abgehakt und ich brannte schon im Fegefeuer." Richard verzieht sein Gesicht. "Roxton sollte mal von mir erschossen werden" fährt die Brünette fort. "Er musste zweimal bei den Gladiatoren um Leben und Tod kämpfen und er wäre zusammen mit Challenger beinahe in einer Höhle erstickt, weil es eine Explosion gegeben hatte. Challenger..."

"Schon gut, schon gut, ich glaube es euch doch! Entschuldigt mich bitte, aber ich glaube, ich muss mich gleicht übergeben." Der junge Herr eilt in den Wald davon.

"Und dieses Weichei soll ich mal heiraten" sagt Finn zu den anderen.

"Noch seid ihr nicht verlobt" stellt Challenger richtig.

 

"Esmeralda, es tut mir Leid wegen unserem Streit am Morgen... wenn dir die Hochzeitsplanung zu schnell geht, dann kann ich das verstehen." Die Prinzessin liegt auf dem Bett und hat ihr Gesicht in die Kissen vergraben.

"Wirklich? Ich weiss, du würdest alles für mich tun und mir alles geben, aber liebst du mich auch?"

"Süsse, du bist die Frau meines Herzens. Ich möchte mit dir den Rest meines Lebens verbringen."

"Und was ist mit dieser Marguerite, du bist doch immer noch in sie verschossen! Sie ist deine Herzdame... das hast du selber gesagt!" behauptet die Prinzessin.

"Ähm... störe ich?" fragt Marguerite. Sie steht am Eingang des Zeltes und wartet darauf eintreten zu dürfen.

"Nein, natürlich nicht" sagt Gawain sofort.

"Doch tut sie!" schluchzt Esmeralda hörbar auf.

"Ähm, Gawain, könnte ich mit ihr mal alleine sprechen? Von Frau zu Frau?" fragt Marguerite den Prinzen um Erlaubnis.

"Klar darfst du das!" Gawain verlässt den Raum. Marguerite setzt sich zu Esmeralda auf die Bettkante und streicht ihr liebevoll über die Haare.

"Esmeralda, das mit mir und Gawain ist mittlerweile 6Jahre her. Er ist erwachsen geworden und hat eingesehen, dass ich zu alt für ihn bin. Ausserdem bin ich bereits glücklich verheiratet und habe eine bezaubernde Tochter. Ich möchte dir Gawain nicht wegschnappen, er war noch nie mein Typ und wird es auch nie sein, das musst du mir glauben." Esmeralda wendet sich zu Marguerite um und setzt im Bett auf.

"Ich glaube dir... ich vertraue dir... aber nicht ihm. Er schwärmt immer noch von dir, wie mutig und wunderschön du seist... und das ist sogar die Wahrheit."

"Danke für das Kompliment, aber du siehst doch auch grosse Klasse aus."

"Klar" meint die Prinzessin abschätzig. "Und was soll bitte an mir schön sein?"

"Du hast tolle lange Haare, eine süsse Stupsnase und deine haselnussbraunen Augen strahlen vor Glück."

"Das sagst du jetzt bloss um mich aufzuheitern!"

"Und funktioniert es?" erkundigt sich die Brünette.

"Ja schon. Um ehrlich zu sein, bin ich wahnsinnig eifersüchtig auf dich. Du hast Gawain das Leben gerettet und bist immer noch seine Herzdame."

"Mag sein, dass ich das bin, aber er liebt dich. Sonst würde er dich doch nicht als Frau wollen, oder?"

"Bestimmt nicht!" sagt Gawain und betretet wieder das Zelt. "Tut mir Leid, dass ich gelauscht habe, aber ich wollte nur wissen, was dich bedrückt, Esmeralda."

"Schon gut. Ich sollte mich jetzt ein bisschen frisch machen. Wenn ihr wollt, könntet ihr doch bei uns zu Abendessen."

"Ja gerne, ich werde mal die anderen fragen. Ach übrigens" Marguerite wendet sich an Gawain "lebt Esmer noch?"

"Ja, sie ist immer noch eine fleissige Person und hat für Esmeralda ein wunderschönes Hochzeitskleid genäht" gibt der Prinz über seine Magd Auskunft.

"Das freut mich sehr. Wann soll die Hochzeit denn stattfinden?"

"Ich habe an Morgen gedacht, aber ich weiss nicht, ob meine Zukünftige schon so weit ist."

"Ich denke schon, frag sie doch heute beim Abendessen. Ich weiss, es ist ein bisschen kurzfristig, aber so war es doch auch bei mir." Sie zwinkert dem Prinzen zu und verlässt das Zelt.

 

"Guck dir das an, Finn" sagt Challenger zu der Blondine und deutet auf einen Baum. "Hier drin befindet sich Chicle.... im Sapodillbaum. Es ist der Saft dieses Baumes."

"Also, Harz" schlussfolgert das Fräulein.

"Ja, so könnte man es nennen."

"Na dann, worauf wartest du noch" drängt das Finny und reicht im die Holzbeile.

"Oh Gott, ich bin so aufgeregt, bald werde ich die neuste Erfindung beisammen haben für einen Nahrungsmittelersatz." Völlig aus dem Häuschen beginnt Challenger dem Baum senkrecht den Rinden entlang aufzuschlitzen. Schon bald blutet der Baum, ein weisses, klebriges Zeug fliesst heraus... Chicle.

 

"Wo bleibt George nur, wir essen bald!" meint Roxton und schaut nervös auf seine Uhr.

"Er hat Chicle gefunden und ist immer noch daran beschäftigt so viel wie nur möglich aus dem Baum zu hacken" gibt das Finny Auskunft.

"Dann kann es noch lange dauern bis er wieder zurückkommt" vermutet der Lord.

"Ja, das denke ich auch." Finn nimmt sich die Gabel und will damit gerade den Salat Essen, als Richard mal ihr eine Lektion erteilen darf. "Schatz, es ist nicht höflich oder sollte ich sagen verboten, das Essen ohne den König zu beginnen."

"Wieso? Wenn ich Hunger habe, dann warte ich doch nicht auf einen solchen Möchtegern Herrscher."

"Solltest du aber" mahnt nun auch Marguerite. "Es war schon immer so, dass der König oder in diesem Fall der Prinz den ersten Bissen nehmen darf."

"Na schön, vor mir aus" meint die Blondine etwas genervt und legt die Gabel wieder auf die Seite. Der Sprecher des König klopft dreimal mit seinem Stab auf den Holzboden, die Leute verstummen... dann ruft er: "Unsere Hoheit, König Gawain und Prinzessin Esmeralda betreten den Saal." Die beiden kommen Hand in Hand hinein und setzen sich an den Tisch, wo auch unsere Freunde Platz genommen haben.

"Ich wünsche euch allen einen guten Appetit!" sagt Gawain und beginnt mit dem Salat.

"Endlich!" seufzt Finn und haut rein.

Nach dem Salat folgt die Vorspeise... eine Suppe. Dann gibt es die Hauptspeise: Ein Fleischspiess und dazu Nudeln. Danach folgt eine kleine Zwischenpause um das Gegessene besser verdauen zu können. Zum Schluss wird noch eine Käseplatte aufgetischt und man kann sich beim Dessertbuffet bedienen.

"War das köstlich" sagt Challenger, der nach dem Salat dazu gestossen ist, und reibt sich den Bauch.

"Freut mich, dass es auch schmeckt!" meint Gawain und nimmt sein Weinglas in die Hand. Er klopft mit dem Messer daran um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

"Es freut mich sehr, dass ich den heutigen Tag mit meinen Freunden aus einer anderen... fernen Welt, verbringen darf. Auch möchte ich etwas bekannt geben. Ich habe mit ihr zwar noch nicht darüber gesprochen, aber hoffentlich steht mir Gott bei. Esmeralda, könntest du dich bitte mal erheben?" fragt Gawain seine zukünftige Frau. Sie tut, wie ihr geheissen. "Schatz, ich weiss, es geht dir womöglich alles viel zu schnell, aber ich lebe nach dem Spruch ‚Nur der Augenblick zählt‘. Deshalb wollte ich dich fragen, Esmeralda, ob du schon morgen mit mir die Hochzeit feiern möchtest.... hier auf dem Jagdgebiet."

"Oh, Gawain, das würde ich liebend gerne tun, aber bist du dir auch ganz sicher?"

"Ja, denn ich glaube an uns und ich glaube an dich, weil ich dich liebe." Die Prinzessin ist so überglücklich, dass sie dem Prinzen nicht länger widerstehen kann und ihn küsst.

Am nächsten Morgen helfen Marguerite und Esmer dem Mädchen das Hochzeitskleid anzuziehen. Es ist weiss und schlicht, aber Esmeralda gefällt es sehr.

"Du siehst toll aus" meint Marguerite und streicht dem Fräulein eine Locke hinters Ohr.

"Danke. Ich bin super aufgeregt, hoffentlich geht alles gut."

"Es wird schon nichts Schlimmes passieren, denke ich. Geniesse einfach diesen Tag. Ich mag mich noch gut an meine Hochzeit erinnern, es war der schönste Augenblick in meinem Leben, nach der Geburt von Mailyn versteht sich."

"Eure Hoheit, das Kleid sitzt. Sie werden im Zimmer nebenan erwartet, wo Sie Hannelore frisieren wird" sagt die Magd. "Sie sehen wunderschön aus!"

"Danke, Esmer, Sie sind ein toller Mensch." Mit diesen Worten verlässt die Braut das Zelt.

"Da ich kann mich unsere baldigen Königin nur anschliessen" gesteht Marguerite der älteren Frau "Sie sind wirklich die Grösste!"

"Ach Kindchen, wie habe ich Sie vermisst. Ständig hat unsere Hoheit an Euch gedacht... bis dann endlich Esmeralda aufgetaucht ist und begonnen hat ebenfalls eine wichtige Rolle in seinem Leben zu spielen. Aber ich denke dennoch, dass er Sie von allen am liebsten hat."

"Esmer, Sie sind bezaubernd. Obwohl wir anfangs nicht so einen guten Start hingelegt haben, mögen Sie mich trotzdem?" Ist die Brünette sichtlich überrascht und gerührt von den Worten der Hilfsmagd. "Aber ich war derzeit doch so selbstsüchtig und egoistisch!"

"Marguerite, ich konnte Sie immer gut leiden, ehrlich. Sie haben wunderschöne Augen, die mir auch die Wahrheit über Ihre Zuneigung zu diesem Roxton und die Ablehnung zu meinem König gezeigt haben."

"Ja, daran mag ich mich noch zu gut erinnern."

"Sie sind eine wunderbare Mutter geworden und Ihre Tochter ist das hübscheste Mädchen, dass mir je über den Weg gelaufen ist."

"Danke, das bedeutet mir sehr viel!"

"Sie haben die richtige Entscheidung getroffen, als Sie uns vor sechs Jahren verlassen haben" behauptet Esmer.

"Ich weiss!"

 

"Na, zittern dir schon die Knie?" erkundigt sich Marguerite bei Gawain, der an einem Baum lehnt und die Augen geschlossen hält. Jetzt öffnet er diese und schaut Marguerite an. "Wieso kann ich nicht dich heiraten?"

"Wie bitte... Gawain, du sollst dich doch nicht so auf mich konzentrieren, schau lieber in die Zukunft... in die Zukunft zusammen mit Esmeralda."

"Ich liebe aber dich, du bist die schönste Frau auf der ganzen Welt!"

"Hör auf Gawain, ich empfinde nichts für dich!" behauptet Marguerite. "Du betest mich an, aber es wird nichts aus uns!" beharrt die Brünette.

"Wirklich?" Er macht einen Schritt auf sie zu und küsst sie auf den Mund. Zuerst versucht Lady Roxton aus seiner Umarmung zu entwischen, doch weil sie zu schwach ist, schliesst dann doch ihre Augen....

Endlich konnte er sich von ihr trennen. "Es tut mir Leid, aber ich empfinde wirklich nichts für dich."

"Ja, ich weiss, was du meinst. Der Zauber ist verflogen" muss der Prinz sich schliesslich doch eingestehen.

"Du stehst also nicht mehr auf mich?" erkundigt sich Marguerite.

"Ich liebe Esmeralda. Aber trotzdem bist und bleibst du die schönste Frau von allen!" Die Brünette freut sich sehr über diese Aussage, endlich kann er beruhigt die Richtige heiraten.

 

"Wir sind wieder da!" ruft Challenger und betritt das Baumhaus.

"Endlich. Hast du gefunden, wonach du gesucht hast?" will Jesse wissen und umarmt ihren Mann.

"Ja, ich habe eine ganze Kiste voll Chicle mit nach Hause gebracht" sagt George fröhlich.

"Und ratet mal, wer das ganze Zeug tragen durfte!" mault Richard schon wieder.

"Ich vermutet mal du" behauptet Ned.

"Genau! Finn hat sich diese nette Geste für mich ausgedacht."

"Das tu ich doch gerne für dich!" meint die Blondine und zwinkert ihm zu.

"Na warte, dich kriege ich schon noch!" Er rennt ihr hinter ins neue Baumhaus.

"Wie lief es bei euch so?" will der Professor wissen.

"Ganz gut, Assai und ich haben Veronica so viel geholfen, wie wir nur konnten."

"Ja, die beiden sind wirklich unschlagbar" meint Veronica lächelnd.

"So, die Zwillinge schlafen jetzt" gibt Assai Auskunft und betritt ebenfalls das Wohnzimmer.

"Danke, Süsse!"

"Kein Problem!"

"Ihr mögt euch doch noch an meinen Liebhaber Gawain erinnern!?" fragt Marguerite Veronica und Malone.

"War das nicht derjenige, der dich heiraten wollte" glaubt sich Veronica zu erinnern.

"Den Prinzen von Camelot meinst du?" Ned geht ebenfalls ein Licht auf.

"Stimmt genau!" sagt Roxton.

"Wir haben ihn und seine Frau getroffen!" erzählt die Brünette weiter.

"Ach ja, und wie heisst sie? Wie sieht sie aus?" erkundigt sich die Blondine.

"Sie heisst Esmeralda, ist um die 25Jahre alt, hat braunes Haar und braune Rehaugen."

"Sie sieht im Grunde genau so aus wie Marguerite, nur eben ein bisschen jünger" behauptet der Lord.

"Aha. Und wie ist es dazugekommen, dass ihr die beiden getroffen habt?" will der Reporter wissen.

"Also, das ging so..." beginnt Marguerite den beiden die Geschichte zu erzählen, unterstützt wird sie von Roxton und Mailyn, die ab und zu noch einen Input hinzufügen. Challenger und Jesse sind ins Labor geflohen und Assai legt sich für ne Weile schlafen. Illario malt an einem neuen Bild... so sind alle für kurze Zeit beschäftigt.

7.05 Der Vorläufer

Veronica, Ned und Assai geniessen das Frühstück. Die Kinder schlafen noch, das heisst: ihre Eltern haben endlich mal wieder Freizeit. Jesse betritt den Raum. "Habt ihr meinen Mann gesehen?"

"Ja, er ist ins Labor gegangen um den Chicle zu bearbeiten" verrät Veronica der älteren Dame.

"Danke. Ich glaube, das nächste Mal frage ich gar nicht mehr, sondern steuere direkt aufs Labor zu."

"Ja, das wäre nicht schlecht" behauptet Ned und zwinkert Madame Challenger zu. Diese verlässt das Wohnzimmer des alten Baumhauses, steigt die Treppen hinunter und betritt den Arbeitsplatz ihres Mannes. "Na, kommst du gut voran?"

"Es geht so" sagt Challenger ohne von seiner Arbeit aufzublicken.

"Was soll das überhaupt genau werden?"

"Ein Nahrungsmittelersatz" meint George kurz und bündig.

"Das weiss ich doch bereits. Ich meine aber, wie wird man das einnehmen? Als Getränk, über die Atemwege, per Nahrung?"

"Per Nahrung."

"Danke für deine ausführliche und informative Auskunft" meint Jesse beleidigt. Challenger blickt von seiner Arbeit auf, jedoch schaut er nicht mitfühlend drein, sondern mit einem sehr bösen Blick.

"Ich bin am Arbeiten und brauche viel Ruhe, wenn du jetzt bitte das Labor verlassen könntest. Danke!"

Jesse ganz abschätzig: "Es tut mir Leid, dass ich mich einmal für deine Arbeit interessiere. Das nächste Mal ignoriere ich es wieder, versprochen!" Mit diesen Worten verlässt die Frau den Raum.

 

Marguerite und Roxton liegen aneinander gekuschelt im Bett. Mailyn schläft noch, so wie die anderen Kids. "Weißt du, woran ich gerade denke?" fragt Roxton seine Frau.

"Nein, denn ich kann nur Mailyns Gedanken lesen. Was schwirrt denn in deinem Kopf herum?"

"Wäre es nicht toll, wenn Mailyn ein Geschwister hätte.... sozusagen einen Spielkameraden?"

"Sie kann ja in ein paar Jahren mit Jessica und Joshua spielen" meint Marguerite nur zu diesem Thema. "Auch wird Illario jetzt öfters bei uns reinschauen!"

"Aber das ist nicht dasselbe, als wenn sie ein Geschwister hat."

"John, wohin soll diese Diskussion führen?"

"Das ist eine Tatsache und keine Diskussion" behauptet Roxton stur.

"Die Tatsache ist, dass ich kein zweites Kind haben möchte!"

"Wieso denn nicht?"

"Ach, John, du bist wie ein Kind... ständig fragst du irgend etwas!"

"Jetzt werde doch nicht gleich sauer" versucht er sie zu beruhigen.

"Ich bin nicht sauer" behauptet die Brünette und wendet sich von ihm ab. Nach einer Weile meint der Lord: "Du hast meine Frage noch nicht beantwortet."

"Welche Frage!?"

"Warum möchtest du kein zweites Kind mehr bekommen?" Er hört wie Marguerite seufzt und wartet. Schliesslich antwortet sie: "Erstens habe ich eine so gute Beziehung zu Mailyn, zweitens haben wir gerade Nachwuchs erhalten und drittens habe ich Angst, dass mir dasselbe wie bei Veronica passieren könnte."

"Schatz, du brauchst davor keine Angst zu haben, das ist bei ihr nun mal einfach blöd gelaufen."

"Ja, du kannst gut reden, ich muss das Kind ja auf die Welt bringen... Ich erleide die Schmerzen, mir könnte was Schlimmes passieren!" Marguerite ist aus dem Häuschen. "Ich dachte, immer du wärst besorgt um mich, aber das war wohl nur eine Fassade" fügt die Brünette schliesslich hinzu.

 

"Jetzt noch 1Kilogramm Zucker hinzufügen und dann..."

"Hallo George, na bist du schon weit mit dem Nahrungsmittelersatz gekommen?" platzt das Finny voller Lebenslust in sein "Büro" hinein.

"Hat dich meine Frau geschickt?" erkundigt sich George.

"Nein, sie habe ich heute als Einzige noch nicht angetroffen. Wo steckt sie überhaupt?"

"Keine Ahnung, aber..." George legt die Zuckerdose auf die Seite und blickt Finn nun an "ich habe sie heute Morgen ziemlich hart rangenommen. Ich wollte das gar nicht, es ist einfach so aus mir herausgeplatzt."

"Ach, Challenger, was soll ich nur mit dir machen." Die Blondine schüttelt den Kopf.

"Ich weiss, ich bin ein Idiot... endlich interessiert sie sich mal für meine Erfindung und ich vertreibe sie."

"Mach dir nicht so viele Sorgen! Womöglich willst du sie nur beschützen.... Ich meine, du hattest diese Halluzination, als du den letzten Nahrungsmittelersatz an dir ausprobiert hast... das Elixier. Du magst dich doch noch dran erinnern, oder? Du wolltest mich töten... doch schlussendlich hast du Jesse im Traum gewürgt, vielleicht hast du jetzt Angst, sie durch diese riskanten Erfindereien zu verlieren."

"Finn, du bist ein sehr kluges Kind, weißt du das?"

"Danke. Ich sage einfach, was mir gerade so einfällt."

"Würden wir in London wohnen, dann wäre Sozialarbeiterin genau der richtige Beruf für dich."

"Schön. Okay, um deinetwillen gerecht zu werden, gebe ich dir jetzt einen Ratschlag. Leg die Arbeit für 30Minuten auf die Seite... Nutze diese Zeit gut und rede mit deiner Frau. Erkläre ihr das wegen der Halluzination und deine Sorgen um ihr Leben. In Ordnung?"

"Geht klar!" Challenger gehorcht der Blondine, löscht das Feuer im Ofen, zieht seine Schürze aus und eilt seiner Frau hinterher.

"Ich bin gut!" sagt Finn zu sich selbst und beginnt zu grinsen.

 

"Jesse?" Challenger betritt den Vorgarten des Baumhauses. Er sucht dort nach seiner Frau, weil er sie in den Baumhäusern nicht finden konnte. Schliesslich entdeckt er sie. Sie sitzt auf der Bank und tankt Sonne.

"Hast du eigentlich schon gefrühstückt?" erkundigt sich der Professor besorgt.

"Nein, wie sollte ich denn auch. Ich bin aufgestanden, hab dich im Labor besucht, bin dort angeschnauzt worden und hab das Baumhaus schnurstracks verlassen. Wie du siehst, bin ich nicht weit gekommen!"

"Darling, es tut mir Leid wegen dem Ausraster vorhin. Ich wollte dich wirklich nicht verletzen. Ich fühle mich geehrt, dass du meine Arbeit schätzt, ehrlich... es ist nur so... ich habe solch einen Versuch schon einmal durchgeführt" erzählt George. "Vor ungefähr drei Jahren mischte ich einen Trank zusammen. Ich probierte ihn an Mäusen aus, doch die reagierten nicht darauf, also trank ich einen Schluck davon...."

"Du hast das getrunken!?" Jesse ist entsetzt und hofft sich verhört zu haben.

"Ja, ich war naiv und wollte wissen, wie das Elixier schmeckt und wirkt. Ich würde süchtig danach und bekam schliesslich Halluzinationen. Ich sah plötzlich mein früheres Ich vor mir, genauso naiv wie zu der Zeit und ich sah dich... Er hat mir eingeredet weiter zu machen und dass Finn ein Spion sei. Ich wollte sie sogar töten, verrückt nicht!?"

"Allerdings. Und was habe ich in deiner Halluzination für eine Rolle gespielt?"

"Du hast versucht mich davon abzuhalten, was dir auch beinahe gelungen wäre, doch dann siegte mein früheres Ich und ich erwürgte dich. Jetzt habe ich Angst, dass ich dich durch meine Erfinderei verlieren könnte... Darum bin ich heute auch dermassen ausgerastet, weil ich bald fertig mit dem Nahrungsmittelersatz bin und nicht wollte, dass du damit in Berührung kommst. Kannst du mir nochmals verzeihen? Bitte!" fleht Challenger seine Frau an.

"Klar, ich verzeihe dir. Und jetzt geh wieder an deine Arbeit, sonst wirst du noch ewig damit beschäftigt sein."

"Danke Jesse, du bist ein Schatz." George ist sichtlich erleichtert. Er gibt ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirne und eilt wieder zurück ins Baumhaus.

 

Marguerite steht vor dem Spiegel im Badezimmer, kämmt ihre Haare und betrachtet sich.

"Du bist wunderschön!" John hat den Raum betreten und will sich bei ihr entschuldigen.

"Komm jetzt bitte nicht mit dieser Tour, ja!? Ich will kein zweites Kind. Aus, Schluss und vorbei, die Diskussion ist beendet!"

"Aber du bist so eine tolle Mutter" versucht Roxton ihr zu schmeicheln. Die Brünette hat ihn durchschaut, legt den Kamm beiseite, geht an ihm vorbei wieder zurück ins Schlafzimmer. Dort zieht sie sich ihr Nachthemd aus, greift nach dem Korsett und spürt plötzlich eine Hand auf ihrer nackten Schulter.

"John, bitte nicht!" Ihre Stimme erstickt... ein Klos bleibt ihr im Hals stecken. Er fährt an ihrer Schulter hinab an ihrem Arm entlang. "Ich liebe dich" haucht er ihr ins Ohr und dreht sie zu sich um. Seine Augen blicken sie voller Leidenschaft an, was sie einschüchtert. Ganz perplex lässt sie das Korsett auf den Boden fallen, ihre Knie zittern, sie kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Roxton nimmt sie auf seine Arme, legt sie sanft aufs Bett und beginnt sie zu küssen. Zuerst küsst er nur ihren Mund dann macht er sich an ihrem Körper zu schaffen. Er küsst ihren Bauchnabel, sie spürt wie sie innerlich zusammenzuckt und das vertraute Kribbeln im Bauch kehrt zurück, als ihn zum ersten Mal gesehen hat.

"John... ich will das nicht" sträubt sie sich dagegen an.

"Doch du willst es, ich kenne dich doch!"

"Nein, das tust du nicht... Im Moment denkst du nicht mit deinem Herzen, du lässt dich leiten. Hör auf! Bitte!" Doch der Lord hört sie nicht, er ist wie in einer Trance. Er will ihr den Slip von den Hüften streifen, doch die Brünette weigert sich, so gut sie kann...

Aber sie ist zu schwach für ihn. "Halt, oder ich schreie!" versucht sie ihm verzweifelt zu drohen.

"Ich... kann... nicht!" meint Roxton, während er sie küsst.

"Okay, du willst es nicht anders.... FINN!!!!! Hilf mir!" John versucht ihr den Mund zuzuhalten, doch sie beisst ihm in die Hand.

"Marguerite, was ist los mit...." Das Finny bleibt wie angewurzelt stehen. Erst jetzt lässt Roxton von seiner Frau ab. Die Vernunft gesiegt. Der Lord eilt aus dem Zimmer.

"Ich dachte, du brauchst Hilfe" sagt die Blondine entschuldigend und will gerade wieder gehen, als Marguerite sie um einen Gefallen bittet. "Süsse, könntest du mir bitte meinen Morgenmantel geben?"

"Ja, klar!" Sie überreicht ihr das Kleidungsstück und setzt sich zu ihr hin. "Was ist denn passiert?"

 

"Der Zucker ist drinnen, jetzt fehlt mir nur noch Aluminiumoxid." Challenger sucht in seinen Reagenzgläsern nach Aluminiumoxid und wird schon nach kurzer Zeit fündig. Er fügt der weissen Masse das Mittel zu und wartet.

"So, jetzt brauche ich nur noch ein Versuchskannichen. Ich werde es mal bei Richard versuchen und sonst bei Ned."

 

"Oh Gott, das ist so demütigend, das kannst du dir gar nicht vorstellen" meint Marguerite und blickt traurig auf den Boden. "Es ist mir peinlich, dass du mich so hilflos gesehen hast und dann noch ohne Kleidung."

"Das muss dir doch nicht peinlich sein" versucht Finn ihre Freundin zu beruhigen.

"Ist es aber. Ich weiss echt nicht, was in John gefahren ist, so war er noch nie... als ob er in einem Bann gefangen wäre und ich nicht zu ihm durchdringen konnte."

"Ja, er schien verändert zu sein" bestätigt die Blondine.

"Ich möchte mit ihm reden, aber nicht alleine. Könntest du mir Gesellschaft leisten?"

"Klar, ich halte zu dir. Soll ich meine Armbrust richten.... nur für alle Fälle, versteht sich."

"Lieber nicht, aber wenn uns keine andere Möglichkeit bleibt... doch richte sie." Finn nimmt den Bogen aus ihrem Gürtel und spannt einen Metallpfeil ein. "Ich bin bereit."

"Gut, dann werde ich ihm jetzt rufen. Roxton! Komm mal bitte her!" ruft die Brünette, doch niemand erscheint. "John, ich möchte mit dir reden, komm bitte herein!" Wieder geschieht nichts. "Roxton, ich warte und habe keine Lust auf deine Spielchen!" Jetzt taucht Richard im Türrahmen auf.

"Falls ihr Roxton sucht, er ist nicht hier."

"Wo steckt er denn? Im alten Baumhaus?" fragt Marguerite den jungen Herrn.

"Nein, er ist vor zehn Minuten stürmend aus eurem Schlafzimmer gekommen, hat sich sein Gewehr und den Rucksack gepackt und seither habe ich ihn nicht wiedergesehen."

"Danke für die Auskunft, Schatz" meint Finn, dann wendet sie sich an die Brünette. "Vielleicht geht er seine Wut weg ballern. Wäre doch möglich, nicht!?"

"Ja, kann schon sein. Na schön, dann warte ich eben hier auf ihn und rupfe dann mit ihm ein Hühnchen."

 

Challenger hat Ned überreden können als Versuchskannichen herzuhalten und erklärt ihm jetzt, was er tun soll.

"Also, ich gebe dir eine kleine Masse aus Chicle, Zucker und Aluminiumoxid zum Kosten. Du kannst es kauen..."

"Und nachher herunterschlucken" unterbricht Ned den Professor.

"Nein, diese Masse dient nur zum Kauen. Aber du musst dir keine Sorgen machen, man könnte es auch hinunterschlucken, was ich jedoch nicht empfehle."

"Okay, ich habe verstanden. Na dann, gib mir ein bisschen von dieser Masse." Challenger überreicht Malone ein Stückchen, mittlerweile ist die Masse hart und nicht mehr flüssig. Ned nimmt das weisse Zeug mit zitternden Hände entgegen.

"Du weißt, du musst das nicht machen" sagt Challenger zur Erinnerung.

"Ach schon gut, ich will das jetzt durchziehen." Der Reporter schliesst seine Augen und lässt den Würfel in seinen Mund fallen, dann beginnt er zu kauen. "Mhm, nicht schlecht" behauptet er und geniesst das Zeug richtig.

"Und jetzt warten wir ab, ob sich dein Zustand ändert, oder ob alles beim Alten bleibt."

 

"Veronica, kann ich mich kurz mit dir unterhalten?" fragt Assai ihre Freundin.

"Klar doch" lautet Veronicas Antwort. Sie hat Jessica und Joshua gerade gefüttert und legt die beiden wieder ins Bettchen zurück. "Worum geht es?"

"Ich wollte dir nur ankündigen, dass ich dich zusammen mit Illario morgen Vormittag wieder verlasse. Illario möchte seinen Vater wiedersehen und ich mein vertrautes Heim" erklärt das Zangafräulein.

"Ja, das kann ich verstehen. Es hat mich gefreut dich hier zu haben, aber ich respektiere deine Entscheidung und lasse dich mit gutem Gewissen gehen. Und falls du uns wieder einmal besuchen möchtest, du bist stets herzlich willkommen bei uns."

"Ja, das weiss ich doch."

"Danke für deine Hilfe!" Die Blondine umarmt ihre Freundin und kann nicht vermeiden, dass ihr Tränen über die Wangen kullern.

 

Challenger hat alle zusammengetrommelt. Da sich Neds Zustand noch nicht verändert beziehungsweise verschlechtert hat, wagt der Professor den Versuch und führt den anderen Mitgliedern seinen neuen Nahrungsmittelersatz vor.

"Sind wir vollständig?" erkundigt sich Challenger und schaut sich in der Menge um. "Wo ist Roxton?"

"Vermutlich jagen gegangen" behauptet Marguerite.

"Na, dann erkläre ich es ihm eben später. Also gut, Ned hat es für mich getestet und er findet es vorzüglich" übertreibt George masslos.

"Eigentlich habe ich nur gesagt, dass es geniessbar ist" verbessert Malone den Wissenschaftler.

"Und wenn schon. Was ihr hier sehen könnt" er deutet auf die weisse Masse "ist ein sogenannter Kaugummi. Dieser Kaugummi nimmt man in den Mund und wie es der Namen bereits verrät kaut man diesen. Man kann sogar Blasen herstellen. Ned, wenn ich bitten darf." Malone schiebt die Zunge nach vorn, seine Backen füllen sich mit Luft und blasen sich auf – dann kommt eine Blase zum Vorschein. "Nicht schlecht!" meint Marguerite beeindruckt.

"Und woraus besteht dieser sogenannte Kaugummi?" will Veronica wissen.

"Er besteht aus Gummi, Zucker und Füllstoffe. Der Gummi wird aus Chicle hergestellt. Chicle ist ein Polymer, in dem beide Verknüpfungstypen, Kautschuk und Guttapercha, vorkommen. So besteht der Kaugummi jetzt zu 50 bis 60 Prozent aus Zucker, die Kaumasse aus Chicle, vorwiegend Polyisobuten, der Rest sind Füllstoffe wie Aluminiumoxid. Chicle dient unter anderem als Grundsubstanz von Kaugummi."

"Und dieses Polymer findet man im Sapodillbaum, bezeichnet wird es als Chicle. Ist das richtig?" will Finn bestätigt haben.

"Ja, den Polyisoprene liegen in bestimmten Pflanzenzellen in Form kleiner Latexpartikel vor, die elektronenmikroskopisch als klar definierte, artspezifischgebaute, cytoplasmatische Einschlüsse erkennbar sind. Chemisch ist Gummi als ein Kohlenwasserstoff anzusehen, bei dem in cis-Verknüpfung 1,4-Polyisoprenreste zu hochmolekularen Ketten vereint sind.... eben Kautschuk."

"Und ist dieser Kaugummi auch noch für was anderes gut ausser als Nahrungsmittelersatz?" will Jesse von ihrem Mann wissen.

"Ja, denn kauen entspannt. Nicht, Malone!?"

"Korrekt. Es entspannt und beschäftigt einen, wenn es einem einmal langweilig ist."

"Ich muss noch was zum Kaugummi sagen. Es ist eigentlich keine neuzeitliche Erfindung."

"Du hast sie also kopiert?" behauptet Richard.

"Nicht ganz. Schon seit Jahrtausenden kauen die Menschen gummiähnliche Stoffe. Entweder war es eingedicktes Harz oder Latex von bestimmten Bäumen. Jetzt benutze ich aber Chicle und es schmeckt nicht übel. Wollt ihr auch kosten?" Der Wissenschaftler hält seinen Freunden die Kaugummiwürfel hin. Alle nehmen ein Stück, denn jeder möchte wissen, wie es schmeckt und ob es das Hungergefühl nimmt.

"Mhm, köstlich!" meint Finn genüsslich.

"Ja, du sagst es" stimmt Richard ihr bei.

"Nicht übel" lautet Marguerites Kommentar dazu.

"Fürs erste nicht schlecht" sagt Jesse und zwinkert ihrem Mann zu. Sie ist richtig stolz auf ihn.

"Schade verpasst Roxton das" meint Veronica schliesslich, was Marguerite einen Stich im Herzen versetzt.

"Ich muss mal. Bin gleich zurück" sagt sie und verschwindet. Das Finny folgt ihr, denn mittlerweile kennt sie ihre Freundin in- und auswendig. Sie erreicht die Brünette schliesslich im Wohnzimmer und stellt sie zur Rede. "Was ist los mit dir?"

"Nichts, es geht mir gut, ehrlich."

"Und warum bist du dann nicht unten auf die Toilette gegangen?"

"Weil es bei uns im neuen Baumhaus sauberer ist" behauptet Lady Marguerite Roxton.

"Lüge mich jetzt nicht an. Es ist wegen Roxton, stimmt‘s!?" hakt das Finny nach.

"Na schön, wenn du es unbedingt wissen willst. Ja, ich mache mir Sorgen um John. Er war noch nie so lange weg ohne mir vorher Bescheid zu geben.... Wenn ihm etwas passiert ist, dann ist alles meine Schuld" sagt Marguerite schliesslich und bricht in Tränen aus. "Ich vermisse ihn. Wieso kommt er nicht zurück? Wieso tut er mir das an!?" Finn umarmt ihre Freundin und betet, dass Roxton bald wieder auftaucht. Mehr kann sie für die Brünette auch nicht tun.

7.06 Der Succubus

"Wo steckt Roxton?" Marguerite ist verzweifelt, da ihr Mann seit zwei Tagen wie vom Erdboden verschluckt ist.

"Ich habe keine Ahnung." Das Finny will ihrer Freundin helfen, doch sie weiss nicht wie. "Sollen wir ihn zusammen suchen gehen" schlägt die Blondine schliesslich vor.

"Gerne. Aber nur wir beide. Es ist mir zu peinlich, wenn noch jemand mitkommt und von unseren Problemen erfährt, ja!?"

"Geht in Ordnung." Die beiden machen sich auf den Weg. Da es noch sehr früh am Morgen ist, schlafen die anderen noch. Sie hinterlassen ihren Freunden eine Notiz, damit sich diese keine Sorgen machen.

 

Finn und Marguerite sind nun schon über 1½ Stunden unterwegs und allmählich verliert die Brünette die Nerven.

"Warum mache ich mir überhaupt diese Mühe! Hier draussen findet man niemanden mehr! Ich könnte ihn erwürgen, er ist..."

"Scht!" Finn hält Marguerites Arm und bedeutet ihr still zu sein.

"Was ist?"

"Ich habe hier ganz in der Nähe Äste knacken hören" behauptet die Blondine und schaut sich im dichten Wald um. "Siehst du! Da vorne hat sich was bewegt!" Finn deutet mit dem Finger geradeaus, aber Marguerite kann nichts erkennen. "Lass uns mal nachschauen gehen, aber leise!" Die beiden schleichen sich wie in einem Krimi an das bedrohliche Geräusch heran und suchen Deckung hinter einem umgefallenen Baum. Vorsichtig schauen sie über diesen hinweg...

 

"Nein, ich will noch nicht aufstehen!" Richard träumt gerade, dass Finn ihn weckt und schlägt mit den Armen wild um sich, bis er endlich merkt, dass es nur ein Traum gewesen ist. "Mann, ich hasse Alpträume!" Für ihn, als Langschläfer und Stadtmenschen, ist das Leben hier im Urwald noch relativ ungewohnt. Er tastet mit geschlossenen Augen nach seiner Freundin, jedoch muss er feststellen, dass er ins Leere greift. "Finn, wo bist du?" Er kriecht müde aus dem Bett und schlendert in die Küche, wo er die Notiz findet. "Wir sind im Urwald unterwegs, kommen bald wieder zurück. Viele liebe Grüsse von Marguerite und Finn. Das kann doch nicht wahr sein, die ist ohne mich aus dem Haus gegangen" ärgert sich Richard über seine Freundin auf. "Na, warte, du kannst was erleben."

 

"Guck, da ist ja Roxton!" Finn deutet auf Marguerites Mann, der mit dem Rücken an einen Baum lehnt.

"Such mich!" ruft er und wartet gespannt. Jetzt sieht man eine Blondine aus dem Gebüsch springen. "Da bist du ja, Liebster!"

"Wie hast du mich so schnell gefunden, Andrea?" will der Lord wissen.

"Ich bin eben gut in diesem Spiel." Sie geht auf ihn zu. Andrea trägt ein knappes Kleid bestehend aus einem olivgrünen Minirock und das passende enganliegende Oberteil dazu. "Diese Szene kommt mir bekannt vor" flüstert Marguerite Finn zu.

"Meinst du aus einer Vision?"

"Möglich." Marguerite ist sich noch nicht ganz sicher. Andrea küsst den Lord leidenschaftlich auf den Mund, doch Roxton weicht zurück. "Marguerite!"

"Hat er mich gesehen?" will die Brünette von Finn im Flüsterton wissen.

"Keine Ahnung!"

"Vergiss, diese Schlampe, du willst nur mich! Hab ich Recht?" drängt Andrea und öffnet seinen Gürtel.

"Ja, ich will nur dich!"

"Du begehrst mich!"

"Ich begehre dich" spricht John ihr nach. Andrea reisst Roxton das Hemd vom Leib. "Du findest mich attraktiv!"

"Ich finde dich sogar sehr attraktiv!"

"Attraktiver als deine Frau?" will die Blondine weiter wissen.

"Ja, du bist die bezauberndste und schönste Frau, die mir je über den Weg gelaufen ist!"

"Nein, John, das ist nicht wahr!" Marguerite ist aus dem Versteck gekrochen und springt auf ihn zu. Ausser Atem bleibt sie neben ihm stehen. Sie schaut in seine Augen, die einen gelben Kreis um beide Pupillen haben.

"Marguerite, was machst du denn hier?" Seine Augen werden wieder ganz normal. Er umarmt sie überglücklich. "Nicht so stürmisch, Romeo" weicht die Brünette von ihrem Mann zurück. "Wer ist das?" Andrea beginnt zu sprechen, bevor Roxton etwas darauf antworten kann. "Meine Name ist Andrea..."

"Ich kenne deinen Namen" unterbricht Marguerite sie. "Was willst du hier auf dem Plateau? Gehörst du einem Stamm an?"

"Nicht direkt. Hier ist mein neues Zuhause" sagt die Blondine streckt die Arme aus und dreht sich im Kreis.

"Aha, verstehe. Und woher stammst du ursprünglich?"

"Lass das Marguerite" verteidigt Roxton die Frau. "Ich will nach Hause gehen."

"Kann ich mitkommen?" fragt die Blondine sofort.

"Ich dachte, du hättest ein Zuhause" meint Marguerite schnippisch.

"Das stimmt nicht, ich habe nur gesagt, dass hier mein neues Zuhause ist, ich habe aber nicht gesagt, dass ich hier schon irgendwo lebe."

"Na und!? Das ist nicht unser Problem!" will die Brünette die Frau von sich abschütteln.

"Bitte seid gnädig und lasst mich nicht alleine zurück" bettelt die Blondine.

"Komm schon, Marguerite, nehmen wir sie mit" drängt das Finny, die nach Hause gehen will.

"Ah hallo Finn!" begrüsst Roxton die Blondine freundlich, erhält von ihr jedoch nur ein schwaches Lächeln geschenkt. "Gehen wir!"

 

"Wow, das ist euer Zuhause?" Die Blondine staunt nicht schlecht.

"Ja, hier wohnen wir" meint Roxton ganz stolz.

"Hier gefällt es mir!"

"Gewöhne dich besser nicht daran." Marguerite wirft Andrea einen kalten Blick zu und betätigt den Knopf des Aufzuges. Oben angekommen werden sie schon sehnlichst erwartet. Richard geht sofort auf seine Freundin zu. "Hättest du mich nicht wenigstens wecken können? Dann wäre ich mit euch gekommen."

"Es tut mir Leid, Schatz. Ich... muss dich in der Eile wohl völlig vergessen haben" schwindelt die Blondine. Marguerite schenkt ihr einen dankbaren und erleichterten Blick. Das Pärchen verlässt den Raum.

"Wie ich sehe, habt ihr jemanden mitgebracht" bemerkt Veronica ein bisschen abschätzig der fremden leicht bekleideten Frau gegenüber.

"DIE hat Roxton mal wieder irgendwo aufgegabelt." Marguerite geht zu ihrer Freundin hin und flüstert ihr zu. "Ich hoffe nur, dass es keine Voodooprinzessin ist."

"Da bin ich ganz deiner Meinung. Sie wirkt aber genau so billig wie damals diese Danielle."

"Ja, das verunsichert mich auch dermassen."

"Wenn Assai jetzt hier wäre, wüsste sie bestimmt, was wir zu tun hätten" ist Veronica von der Einheimischen überzeugt.

"Schade, dass sie abgereist ist" meint Marguerite wehmütig. Malone betritt den Raum und bemerkt den Gast sofort. "Hallo, ich bin Ned Malone, leidenschaftlicher Reporter. Und wer bist du?"

"Ich heisse Andrea."

"Andrea, ein schöner Name" sagt Ned wie in Trance.

"Veronica." Marguerite stupst ihre Freundin an. "Ich glaube, unser Flittchen macht sich gerade an deinen Ehemann heran."

"Das werde ich nicht zu lassen" flüstert die Blondine zurück. "Ähm... Ned, ich glaube, ich habe Joshua weinen hören!"

"Was? Ehrlich?"

"Ja, ich glaube schon. Könntest du mal nachschauen gehen?" fragt Veronica mit einem zuckersüssen Lächeln auf dem Gesicht.

"Klar doch!"

"Ihr habt ein Kind, wie niedlich. Darf ich es auch sehen?" fragt Andrea.

"Sicher, folge mir!"

"Ähm, Andrea. Ich will dir zuerst das Gästezimmer zeigen, wenn das für dich in Ordnung geht" lenkt Veronica ab.

"Oh, sehr gerne." Während Malone in die eine Richtung geht, verschwinden Veronica und Andrea in die andere. Roxton und Marguerite sind jetzt allein.

"John, was war vorhin mit dir los? Deine Augen waren anders als sonst."

"So ein Quatsch, mir geht es richtig gut" behauptet der Lord. "Wo sind Challenger und Jesse?" will er statt dessen von dem Thema ablenken.

"Die sind mit Assai ins Zanga-Dorf gegangen. Challenger hat einen neuen Nahrungsmittelersatz erfunden und möchte diesen nun dort vorstellen."

"Was für ein Nahrungsmittelersatz ist es dieses Mal?"

"Eine Art Kaugummi. Das ist ein weisser runder Würfel, den man kaut und mit dem das Hungergefühl für kurze Zeit vorübergehen soll."

"Ach so! Ich gehe jetzt duschen, bis später" macht sich John aus dem Staub.

 

Als Marguerite kurze Zeit später auf die Toilette gehen muss, wird sie dort das zweite Mal von Andrea und Roxton überrascht, wie die beiden regelrecht übereinander herfallen. "Ich sehe, du kannst nicht genug von ihr kriegen."

"Marguerite?"

"Deine Bedürfnisse sind wohl noch nicht gestillt. Weil ich dich nicht befriedigen konnte, suchst du dies jetzt bei ihr."

"Im Gegensatz zu dir habe ich keine Angst vor meinen wahren Gefühlen."

"Du Schlampe!!!" Marguerite stürzt sich auf die Blondine, doch Roxton geht dazwischen.

"Hört auf, alle beide! Ich habe euer Herumgezicke satt!" Mit diesen Worten verlässt Roxton den Raum.

"Oh nein, ich habe ihn verloren" murmelt Andrea vor sich hin.

"Was hast du gesagt?" Marguerite hat nichts Klares verstanden.

"Nichts!" Die Blondine verlässt ebenfalls den Raum.

 

"Finn, ich finde es nicht fair, dass du mich ganz alleine im Baumhaus zurück lässt. Ich habe mir grosse Sorgen um dich gemacht. Und als ich aufgewacht bin und nach dir greifen wollte, musste ich feststellen, dass das Bett leer ist."

"Es tut mir wirklich schrecklich leid... aber es gab einen triftigen Grund, warum ich dich nicht mitnehmen konnte."

"Ach ja!? Und der wäre?"

"Ich kann ihn dir nicht verraten. Ich habe Marguerite versprochen dieses Geheimnis zu wahren."

"Aber ich bin dein Freund, mir kannst du alles anvertrauen" behauptet Richard.

"Ich kann nicht, sorry. Wie oft soll ich mich denn noch bei dir entschuldigen."

"Brauchst du nicht, weil ich es nicht mehr länger hören will." Mit diesen Worten schreitet der junge Herr den Gang entlang, der die beiden Baumhäuser miteinander verbindet.

 

Der Reporter ist gerade damit beschäftigt, seinen Sohn in den Schlaf zu wiegen, als die Türe des Kinderzimmers geöffnet wird. "Malone, richtig?" fragt Andrea und kommt langsam auf ihn zu. Erst jetzt bemerkt sie, dass es in dem Zimmer Zwillinge hat. "Wie niedlich, ein Mädchen und ein Knabe!" Sie schaut die Kinder mit liebevollen Augen an. "Die sind aber süss!"

"Ja, das sind sie." Ned legt den Kleinen in sein Bettchen, schiebt Andrea nach draussen in den Gang und schliesst die Türe hinter sich zu. "Sie brauchen jetzt ganz viel Ruhe."

"Damit hast du vollkommen recht!" Sie geht auf Malone zu und drückt ihn an die Wand. "Wurde dir schon mal gesagt, dass du extrem gut aussiehst?"

"Nein, noch nie!"

"Dann wird es aber endlich Zeit, dass dir das jemand zeigt." Sie küsst ihn erst ganz sanft auf die Lippen, dann mit voller Begierde.

"Und spürst du die Liebe, die ich zu dir und deinem Aussehen habe?"

"Ja, ich spüre sie."

"Und begehrst du mich deswegen?"

"Ned, was machst du so lange bei den Kindern?" Veronica kommt um die Ecke gekurvt und bleibt atemlos stehen. Neds Augen wirken anders als sonst... irgendwie gelblich. "Ja, ich begehre dich" lautet seine Antwort.

"Lass die Finger von meinem Mann, du Flittchen oder ich breche dir alle Knochen!" droht Vee ihrer Konkurrentin.

"Ha, du willst mir Schmerzen zufügen?" lacht Andrea die Blondine aus. "Du kannst ja nicht einmal gehen!" Veronica ist so geschockt, dass sie auf diese Bemerkung keine passende Antwort findet. Ned, dem das Gehirn dadurch gewaschen worden ist, stösst die Blondine von sich weg und nimmt seine Frau in die Armen. "Alles ist gut mein Schatz, hör nicht auf diese gemeine Person! DIE hat keine Ahnung, wovon sie spricht. DIE ist doch nur eifersüchtig auf dich, weil du so wunderbare Zwillinge hast und sie nicht einmal einen Freund präsentieren kann."

"Das wird schon noch, ihr werdet’s sehen!" behauptet Andrea schnippisch und stolziert in Richtung des Wohnzimmers davon.

 

Richard sitzt auf dem Balkon in der Sitzbank und schaut trübselig nach draussen. Obwohl die Sonne scheint, wirkt er traurig und genervt.

"Richard, was ist los mit dir?" fragt Andrea sichtlich besorgt um den jungen gut aussehenden Mann.

"Finn will mir ihre Geheimnisse nicht anvertrauen und dabei liebe ich sie doch!" protestiert er.

"Das ist aber ganz fies von ihr. Soll ich dir eines meiner Geheimnisse verraten?" fragt die Blondine und beugt sich zu ihm hinunter.

"Ja, das würde mich freuen."

"Ist gut, aber du musst von all deinen Ängsten und deinem Kummer loslassen. Sonst wird nichts mit uns. Denk nicht mehr an diese Finn, sie hat dich überhaupt nicht verdient."

"Ja genau, sie hat mich nicht verdient. Hey, deine Augen haben gelbe Ränder um die Pupillen" bemerkt Richard.

"Genau wie deine. Wir sind jetzt eins."

"Ja, wir sind eins miteinander."

"Du begehrst mich!" beginnt Andrea wieder mit dem gleichen Satz, den sie schon bei den anderen beiden angewendet hat.

"Ich begehre dich."

"Du willst mich."

"Ich will dich!"

"Hier und jetzt?"

"Jetzt sofort!" Die beiden verschlingen sich förmlich vor Leidenschaft. Sie küssen sich und küssen sich und wollen sich nicht mehr voneinander trennen. "Komm mit mir!" Andrea zieht Richard an seinem Hemd hoch und zieht ihn so ins Gästezimmer, wo sie ihn unsanft aufs Bett stösst, doch das stört ihn nicht.

 

"Mir ist diese Andrea nicht geheuer" meint Veronica bestimmt. Die fünf Freunde haben es sich im Wohnzimmer bequem gemacht und besprechen die Situation.

"Ihr hattet also beide gelbe Ränder um eure Pupillen?" stellt Finn richtig.

"Ja, das ist korrekt" stimmt Roxton ihr zu.

"Irgendwie sah alles auch plötzlich gelblicher aus, oder war es goldig?" erzählt Malone.

"Hier geht was nicht mit rechten Dingen zu" behauptet Marguerite.

"Wir müssen dieser Sache auf den Grund gehen" schlägt Veronica vor.

"Ja, auf jeden Fall. Hat jemand von euch Richard gesehen?" will das Finny wissen.

"Wahrscheinlich ist er draussen und hakt Holz" vermutet Ned.

"Ja, wahrscheinlich" meint Finn unsicher.

"Haben deine Eltern etwas über gelbe Augen in ihren Tagebüchern geschrieben?" erkundigt sich Marguerite bei ihrer Freundin.

"Ich habe davon schon mal was gelesen, aber ich weiss nicht mehr wo" gesteht die Blondine.

"Also gut, gehen wir systematisch vor" übernimmt Malone die Leitung. "Roxton, du suchst in den Biologiebüchern der Laytons nach. Veronica, du übernimmst die Tagebücher deiner Eltern. Finn, du beschäftigst dich mit den alten Büchern über Mythen und Geschichten. Du, Marguerite, durchsuchst die Bücher über seltsame Kreaturen und ich schaue in den Forschungsbüchern nach."

"Geht in Ordnung, dann mal ran an den Speck!" erteilt Roxton den Startschuss. Nach einer Weile ergreift Marguerite plötzlich das Wort. "Hier ich habe was über gelbe Augen gefunden.... und zwar Werwölfe."

"Werwölfe, ich bitte dich!" bleibt Finn skeptisch.

"Lies vor!" sagt Veronica.

"Werwölfe sind gefährliche Kreaturen. Dieses Wort stammt aus dem althochdeutschen Wort wer für Mann und dem Zusatz Wolf. Ein Werwolf hat die Grösse eines Menschen, sieht aber aus wie ein Wolf. Die Augen des Werwolfes sind gelb. Werwölfe verwandeln sich ausschliesslich an Vollmondtagen und können..."

"Halt!" unterbricht Veronica ihre Freundin. "Das kann es nicht sein. Erstens hatten die Jungs auch tagsüber gelbe Augen und zweitens ist der letzte Vollmond schon über eine Woche her."

"Oh ja, du hast recht. Also suchen wir weiter" stimmt die Brünette zu. Wieder vergehen Minuten um Minuten bis Finn plötzlich aufschreit. "Ich hab’s! Ich hab’s gefunden!"

"Bist du dir ganz sicher?" Dieses Mal ist Marguerite die Skeptische.

"Hundertprozentig. Überzeuge dich doch selbst."

"Okay, dann schiess mal los!" meint Roxton ungeduldig.

"Aphrodite, auch bekannt unter dem Namen Andrea, war die griechische Göttin der Liebe, Schönheit und der sexuellen Begierde. Sie trägt den Beinamen Succubus = ‚die Schaumgeborene‘. Diesen Beinamen erhielt sie durch ihre ungewöhnliche Geburt. Es heisst, dass sie die Tochter des Uranos ist. Diesem schnitt sein Sohn Kronos (der Vater des Zeus) die Geschlechtsteile ab und warf sie ins Meer. Der Samen vermischte sich mit dem Meer und schäumte auf, aus diesem Schaum entstand Aphrodite, die dann in Zypern an Land ging."

"Also, was den Namen betrifft, würde es übereinstimmen" meint Malone.

"Ja, auch die Erklärung, was für eine Göttin sie ist, würde passen" stimmt Marguerite dem Reporter zu.

"Lies weiter" drängt Veronica.

"Okay. Aphrodite ist eine nichtgriechische Göttin, die aus dem Orient übers Meer nach Griechenland kam. In ihrer Gestalt vereinigen sich Züge der semitischen Fruchtbarkeits-, Liebes- und Himmelsgöttin Astarte mit der Gestalt der kleinasiatischen Muttergottheit. Die Tempelprostitution der Hierodulen im Kult der Aphrodite in Korinth und auf dem Eryx ist orientalischen Ursprungs. Zum Gefolge der Liebesgöttin gehörten Gestalten, die mit Aphrodites Eigenschaften als Stifterin des Liebesbundes, der Ehe, - später aber auch der Prostitution - zu tun hatten. Sie hat bereits über Tausend Kinder, doch kann sie davon nicht genug kriegen. Sie möchte begehrt und geliebt werden. Ihre Opfer verführt sie durch den Duft einer "Liebespflanzen". Zu diesen Pflanzen gehören die Rose und die Alraune. Wer dem Duft verfällt, erhält gelbe Ränder um die Pupillen, somit weiss Aphrodite, ob der Mann bereit ist oder nicht."

"Ja, was der Duft angeht... bei mir hat sie wie eine blühende Rose geduftet" erzählt Roxton.

"Und ich konnte den Duft der Alraune erkennen" behauptet Ned.

"Alles schön und gut, aber wie werden wir sie wieder los?" will Marguerite wissen.

"Davon steht leider nichts im Buch" meint das Finny bedrückt.

"Ich glaube, ich weiss wie" ist sich Veronica sicher. "Mir ist aufgefallen, dass sie von Ned abgelassen hat, als er sie beleidigte und statt dessen mich verteidigte."

"Ja, bei mir und Roxton gab es ein ähnlicher Zwischenfall. Nur, dass Roxton uns beide beschimpft hat und dann den Raum verliess. Sonst hat er immer eingegriffen und sie verteidigt" stellt die Brünette fest.

"Aber wo ist sie jetzt? Ich meine, ihr beide habt ihr den Laufpass gegeben, hier hält sie niemand mehr."

"Da irrst du dich, Finn. Es gibt noch jemanden auf den sie scharf ist" meint Veronica mitfühlend.

"Das wagt sie nicht! Sie soll Richard in Ruhe lassen! Wo ist er überhaupt?"

"Vielleicht im Gästezimmer?" schlägt Malone vor.

"Richard!" Finn eilt die Treppe nach oben.

"Warte auf uns Finn!" ruft Marguerite ihrer Freundin hinterher, will gerade aufstehen und hinterherlaufen, als sie von Veronica zurückgehalten wird.

"Sie muss es alleine schaffen! Wir können ihr nicht helfen."

 

Richard liegt auf dem Bett und schaut Andrea zu, wie sie um ihn herumtänzelt. "Bist du bereit?"

"Bereit für was?" fragt der junge Herr ahnungslos.

"Bereit mit mir ein Kind zu zeugen."

"Ich.... ich weiss nicht."

"Begehrst du mich?"

"Ja, ich begehre dich!" plappert er der Frau nach.

"Dann bist du bereit dafür. Es tut auch gar nicht weh! Das verspreche ich dir." Sie setzt sich zu ihm aufs Bett und reisst ihm das Hemd auf. Gerade in dem Moment kommt Finn ins Zimmer gestürmt. "Tu’s nicht!"

"Zu spät, er ist bereit dafür" behauptet Andrea.

"Nein, du lügst! Richard, hör nicht auf sie, sie ist eine Lügnerin!" Doch Richard bleibt stumm.

"Oh, kann er dich nicht hören?"

"Ja, weil du ihn mit diesem Duft in eine andere Welt geschickt hast, aber ich lasse nicht zu, dass du ihn gewinnst. Er gehört zu mir. Er ist MEIN Freund!"

"Tja, Freundinnen und Frauen sind für mich kein Hindernis."

"Boah, denkste!" Finn kniet sich neben Richard hin und nimmt seine Hand. "Süsser, kannst du mich hören? Ich bin’s deine Freundin und baldige Zukünftige. Kämpf gegen ihre Macht an, tu’s für uns! Bitte! Ich will dich nicht auch noch verlieren, ich habe schon genug Leute in meinem Leben verloren, sei du nicht auch noch einer von denen." Finn beugt sich über ihn und will ihn gerade küssen, als sie mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert wird. "Das ging doch etwas zu weit!" lautet Andreas Kommentar.

Die Freunde haben den dumpfen Aufschlag ebenfalls gehört. "Also, das geht mir nun entschieden zu weit!" sagt Marguerite entschlossen und läuft die Treppe nach oben, gefolgt von Roxton und Malone.

"Finn?" Richard scheint aus der Trance aufgewacht zu sein. Er sitzt im Bett auf. "Schatz, wo bist du?"

"Sie musste leider gehen" behauptet Andrea und drückt ihn aufs Bett zurück.

"Lass die Finger von ihm!" Trotz stechendem Schmerz im Kopf, erhebt sich Finn vom Boden und torkelt auf die Göttin zu. In dem Moment wird die Schlafzimmertüre mit voller Wucht aufgerissen. "Finn, wie geht es dir?" fragt Marguerite und stützt ihre Freundin bevor diese umfallen kann.

"Sie... sie will Richard verführen. Das darf sie nicht!"

"Ich weiss, meine Süsse, ich weiss. Das kriegen wir schon noch hin, ja!?"

"Das ich nicht lache, und wie wollt ihr das anstellen?" meint Aphrodite spöttisch.

"Pass mal gut auf! Jungs, haltet sie fest!" befiehlt Marguerite Roxton und Malone. Diese nehmen Andrea an beiden Armen und ziehen sie nach draussen in den Gang.

"Geh zu ihm, Finn" ermuntert die Brünette das Finny.

"Richard, wie geht es dir? Alles in Ordnung?"

"Finn, was mache ich hier?" Er scheint nichts mehr zu wissen.

"Ach nichts. Ich bin nur froh, dass du noch hier bist." Sie kann ihren Freund gerade noch auf den Mund küssen, bevor sie in Ohnmacht fällt.

Draussen vor der Türe hört Marguerite plötzlich eine Art Wind säuseln. Neugierig schaut sie in den Gang und sieht, wie aus Andreas knapp bekleideten Stoff ein richtiges Gewand entsteht und sie auf dem Kopf eine Art Krone erhält.

Sie wendet sich an Roxton und Malone und sagt ihnen zum Abschied. "Das Spiel ist noch nicht gewonnen! Es geht weiter... irgendwann!" Dann wird sie wie vom Erdboden verschluckt und zurück bleibt nur eine blonde Haarlocke.

2.Teil(7.07-7.12)


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